{"id":49600,"date":"2019-02-27T10:12:40","date_gmt":"2019-02-27T09:12:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49600"},"modified":"2019-02-28T15:25:18","modified_gmt":"2019-02-28T14:25:18","slug":"the-long-road-to-hanoi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49600","title":{"rendered":"The Long Road to Hanoi"},"content":{"rendered":"<p>Der Weg zum 2. Trump-Kim-Gipfel in Vietnams Hauptstadt wurde durch erstaunliche Entwicklungen auf der Koreanischen Halbinsel seit dem Jahreswechsel 2017\/18 geebnet. Sofern diesem j&uuml;ngsten innerkoreanischen Ann&auml;herungsprozess nicht von au&szlig;en in die Parade gefahren wird, liefert er letztlich auch den Schl&uuml;ssel f&uuml;r die friedliche Beilegung eines seit Jahrzehnten virulenten Konflikts mit globalen Implikationen. Ein Essay von <strong>Rainer Werning<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49600#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_702\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-49600-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190227_The_Long_Road_to_Hanoi_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190227_The_Long_Road_to_Hanoi_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190227_The_Long_Road_to_Hanoi_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190227_The_Long_Road_to_Hanoi_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=49600-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190227_The_Long_Road_to_Hanoi_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190227_The_Long_Road_to_Hanoi_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Vietnam<\/em> &ndash; vor einem halben Jahrhundert noch ein Schlachtfeld, wo der im Lande selbst so genannte &bdquo;Amerikanische Krieg&ldquo; uns&auml;gliche Tr&uuml;mmerhaufen und Leichenfelder hinterlie&szlig;. Mit posttraumatischen Wirkungen auch und gerade f&uuml;r die Aggressoren, die dort einen &bdquo;unsichtbaren Feind&ldquo; oder imaginierten Gegner verfolgten, den sie letztlich nicht milit&auml;risch in die Knie zu zwingen vermochten. Sollte Vietnam wie ein Domino-Stein kippen, so die damals im politischen Washington mantrahaft kolportierte Drohl&uuml;ge vernagelter Kommissk&ouml;ppe und\/oder realit&auml;tsferner Kriegstechnokraten, w&uuml;rden die Anrainerstaaten in S&uuml;dost- und Ostasien allesamt um- und dem &bdquo;Kommunismus&ldquo; anheimfallen.<\/p><p>Und heute? Ausgerechnet Vietnams Hauptstadt Hanoi bietet die Kulisse des zweiten Gipfeltreffens von US-Pr&auml;sident Donald Trump und Kim Jong-Un, dem Staatschef der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK &ndash; Nordkorea). Zwei Staatsm&auml;nner, die sich noch um die Jahreswende 2017\/18 in egomanischem Wettstreit mit gegenseitiger &bdquo;Ausl&ouml;schung&ldquo; gedroht und die Welt in Atem gehalten hatten. Die eine Seite wollte mit &bdquo;Feuer und Zorn&ldquo; ein ganzes Land &bdquo;ausl&ouml;schen&ldquo;, w&auml;hrend sich die andere Seite qua forcierter Atom- und Raketentests dagegen verwahrte, &bdquo;von einem Land voller Kannibalen, das &uuml;berdies von moralischer Lepra befallen ist&ldquo;, st&auml;ndig herumgeschubst zu werden. Beide Politiker br&uuml;steten sich in jenen Tagen auch damit, &uuml;ber den jeweils gr&ouml;&szlig;ten Atomknopf zu verf&uuml;gen.<\/p><p>Vietnam bietet in vielfacher Hinsicht einen geeigneten Konferenzort, um auf g&auml;nzlich andere Gedanken zu kommen, Vergangenheiten geh&ouml;rig Revue passieren zu lassen, sich unaufgeregt auf m&ouml;gliche Gemeinsamkeiten zu verst&auml;ndigen und &ndash; das w&auml;re zumindest ein vorl&auml;ufiger, wiewohl durchaus realistischer Gipfelpunkt &ndash; endlich einen Friedensvertrag zu avisieren, der das noch immer nur bestehende Waffenstillstandsabkommen vom 27. Juli 1953 zur Beendigung des Koreakrieges (1950-53) abl&ouml;ste. Dort fand nicht nur der erste &bdquo;hei&szlig;e Konflikt&ldquo; in der &Auml;ra des Kalten Krieges statt. Es war dies auch ein Krieg, der vielfach &bdquo;der Krieg vor Vietnam&ldquo; genannt wurde. Auf dem H&ouml;hepunkt des &bdquo;Amerikanischen Krieges&ldquo; k&auml;mpften immerhin &uuml;ber eine halbe Million GIs f&uuml;r das, was im Westen &bdquo;freedom &amp; democracy&ldquo; genannt wurde. F&uuml;r die k&auml;mpfenden, zumeist b&auml;uerlichen Partisanen unter der charismatischen F&uuml;hrung des gl&uuml;henden Nationalisten Ho Chi Minh indes bedeutete ihr massiver Widerstand einen legitimen Kampf f&uuml;r Unabh&auml;ngigkeit und Selbstbestimmung jenseits von franz&ouml;sischem Kolonialismus und US-amerikanischem Imperialismus. F&uuml;r den nordvietnamesischen Staatsmann Ho und seine Gefolgsleute ging es schlicht um die Einl&ouml;sung der einpr&auml;gsamen Devise &bdquo;Nichts ist kostbarer als die Freiheit!&ldquo;. Bitter indes musste der US-Superfalke, Ex-Fordchef, Ex-Verteidigungsminister und Ex-Weltbankchef Robert McNamara in seinen Memoiren &bdquo;<em>In Retrospect: The Tragic and Lessons of Vietnam<\/em>&ldquo; (1995) [in deutscher &Uuml;bersetzung 1997 im M&uuml;nchener Goldmann Verlag unter dem Titel &bdquo;<em>Vietnam: Das Trauma einer Weltmacht<\/em>&ldquo; erschienen] konstatieren: &bdquo;Mit Blick auf Vietnam haben wir uns geirrt, schrecklich geirrt.&ldquo; Warum? &bdquo;Wir wussten zu wenig &uuml;ber das Land.&ldquo;<\/p><p>Im Schlepptau der GIs k&auml;mpften mit den so genannten &bdquo;Tiger&ldquo;-Einheiten aus der strikt antikommunistischen Republik Korea ( ROK &ndash; S&uuml;dkorea) unter dem damaligen Milit&auml;rdiktator Park Chung-Hee nicht nur das gr&ouml;&szlig;te asiatische Milit&auml;rkontingent. Die s&uuml;dkoreanischen Verb&auml;nde galten aus der Sicht der vietnamesischen Partisanen als grausamste Invasionstruppe, deren Kombattanten sich gern selbst damit br&uuml;steten, stets den mit Abstand geringsten &bdquo;body count&ldquo; beklagen zu m&uuml;ssen. Ausgerechnet S&uuml;dkoreaner in diesem schmutzigen Krieg! Da zeigte sich einmal mehr, wie schnell aus Opfern auch T&auml;ter werden k&ouml;nnen &ndash; ein h&ouml;chst sensibles Thema, dem sich erst seit Kurzem Historiker aus beiden L&auml;ndern ann&auml;hern. Korea und die Koreaner waren als Kellerkind des 20. Jahrhunderts mehrfach gepr&uuml;gelt und gedem&uuml;tigt worden &ndash; von Japan 1910 als Kolonie einverleibt, wurde es nach dem 2. Weltkrieg aufgrund seiner geostrategischen Lage gegen den Willen seiner Bev&ouml;lkerung geteilt, was einen urspr&uuml;nglich begonnenen Bruderzwist zu einem brutalen, schlie&szlig;lich internationalisierten Gemetzel mit etwa vier Millionen Toten eskalieren lie&szlig;.<\/p><p>Gro&szlig; war indes die nordvietnamesisch-nordkoreanische Freund- und Waffenbr&uuml;derschaft seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1950. Immerhin reiste Ho Chi Minh als Staatschef der damaligen Demokratischen Republik Vietnam (DRV &ndash; Nordvietnam) im Jahre 1957 in die nordkoreanische Hauptstadt Pj&ouml;ngjang, was Nordkoreas Staatsgr&uuml;nder und erster Pr&auml;sident, Kim Il-Sung (der Gro&szlig;vater von Kim Jong-Un), mit zwei Gegenbesuchen in die DRV 1958 und 1964 erwiderte.<\/p><p>Wenn heute der Enkel &ndash; und das auf entschleunigte Weise per Zug &ndash; die Metropole des seit Mitte der 1970er Jahre wiedervereinten Vietnam bereist, ist das aus zweierlei Gr&uuml;nden bedeutsam und von hohem Symbolcharakter. Ein zentrales Anliegen der nordkoreanischen Staatsf&uuml;hrung ist es, im Rahmen der Verhandlungen mit der US-amerikanischen Regierung ihrerseits eine Lockerung der Sanktionen zu bewirken, um das Land wirtschaftlich voranzubringen und zu st&auml;rken. Da lohnt sich ein Studium des von Hanoi im Rahmen seiner ab 1986 eingeleiteten <em>Erneuerung<\/em> (&#272;&#7893;i m&#7899;i) m&ouml;glicherweise mehr als die Wirtschaftsentwicklungen im &uuml;berm&auml;chtigen Nachbarland China. Last, but not least: Eine solche Zugreise k&ouml;nnte sogar tats&auml;chlich ihren eigentlichen Ausgangspunkt in S&uuml;dkoreas zweitgr&ouml;&szlig;ter (Hafen-)Stadt Busan nehmen, um sodann &uuml;ber Seoul, Pj&ouml;ngjang und das transsibirische Eisenbahnnetz als Endpunkte einer solchen alternativen &bdquo;Seidenstra&szlig;e&ldquo; Stockholm und Paris aufzuweisen.<\/p><p><strong>Eine aberwitzige Vision?<\/strong><\/p><p>Mitnichten! Ein &uuml;berdimensionales Poster zierte bereits den Hauptbahnhof der s&uuml;dkoreanischen Hauptstadt Seoul, als Mitte Juni 2000 beide damaligen Staatschefs beider Korea, S&uuml;dkoreas Pr&auml;sident Kim Dae-Jung und Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Il, anl&auml;sslich des ersten innerkoreanischen Gipfeltreffens in Pj&ouml;ngjang die historische <em>Nord-S&uuml;d-Erkl&auml;rung<\/em> unterzeichneten. (Nach 1972 und 1991\/92 war dies das dritte Mal, dass es &uuml;berhaupt zu einer Nord-S&uuml;d-Ann&auml;herung kam!) Mit der Konsequenz, dass &uuml;ber intensive s&uuml;koreanische Touristenbesuche in Nordkorea hinaus in dessen s&uuml;dlicher Stadt Kaesong mit s&uuml;dkoreanischem Geld und Know-how der <em>Kaesong Industrial Complex (KIC)<\/em> entstand, der seinerzeit als &bdquo;Kronjuwel innerkoreanischer Kooperation&ldquo; gepriesen ward.<\/p><p>All das wurde Makulatur, als mit dem Amtsantritt von George W. Bush wenige Monate sp&auml;ter auch solchen Politikern wie Donald Rumsfeld, Dick Cheney, Paul Wolfowitz und John Bolton in Washington das Feld &uuml;berlassen wurde, um von dort aus ein Geflecht aus L&uuml;gen, Drohungen, milit&auml;rischen Interventionen und unipolaren Allmachtsphantasien zu stricken, in dem Nordkorea sukzessiv als ideeller Gesamtschurke und vermeintlich weltweiter Hauptterrorist ins Visier ger&uuml;ckt wurde! Was den langj&auml;hrigen CIA-Fuchs und eine <em>Old Korea Hand<\/em>, Donald P. Gregg, zu der trefflichen Feststellung verleitete, dass US-Regierungen keine klare und konsistente Politik vis-&agrave;-vis Nordkorea verfolgten, sondern nur zu einer Haltung gegen&uuml;ber dem Regime in Pj&ouml;ngjang verleiteten &ndash; und die war einzig gespeist aus Hass.<\/p><p>Was im Gegenzug die so Gescholtenen gem&auml;&szlig; systemimmanenter Logik und knallhartem &Uuml;berlebenskalk&uuml;l in Verfolgung einer &uuml;beraus rationalen Politik lehrte: Wenn wir denn schon nicht international geachtet werden und auf eine wie immer geartete Anerkennung hoffen k&ouml;nnen, wollen wir wenigstens auf Augenh&ouml;he ge&auml;chtet werden! Genau das sollte sich sp&auml;testens um den Jahreswechsel 2017\/18 bewahrheiten, nachdem sich Pj&ouml;ngjang nach dem erfolgreichen Start der ballistischen Interkontinentalrakete vom Typ <em>Hwasong-15<\/em> als neunte Atommacht best&auml;tigt f&uuml;hlte.<\/p><p><strong>Das Wunder von Korea?<\/strong><\/p><p>In seinem lesenswerten Editorial &bdquo;<em>Das Wunder von Korea<\/em>&ldquo; f&uuml;r die deutschsprachige Ausgabe von <em>Le Monde diplomatique<\/em> (8.11.2018, S. 4) schrieb deren Direktor Serge Halimi: &bdquo;Es gibt ein Land, in dem &ndash; ganz im Gegensatz zu Brasilien &ndash; ehemalige konservative Pr&auml;sidenten von der Justiz verfolgt, wegen Unterschlagung verurteilt und ins Gef&auml;ngnis gesteckt werden. Wo Rechte und fundamentalistische Protestanten sich von Donald Trump verraten f&uuml;hlen. Wo, anstatt an einem Abkommen &uuml;ber nukleare Abr&uuml;stung zu r&uuml;tteln wie dem mit Iran oder an einem Vertrag &uuml;ber Mittelstreckenraketen wie dem mit Russland, der US-Pr&auml;sident einen Konflikt l&ouml;sen zu wollen scheint, den keiner seiner Vorg&auml;nger aus der Welt schaffen konnte. Auch der letzte nicht, der immerhin Friedensnobelpreistr&auml;ger war.&ldquo;<\/p><p>Und Halimi f&auml;hrt fort: &bdquo;Es geschieht im Fernen Osten, und es ist zu kompliziert, um seinen Platz in der gro&szlig;en manich&auml;ischen Erz&auml;hlung zu finden, die unseren Blick auf die Welt formt und verformt. Dennoch h&auml;tten in der arg finsteren Situation, in der sich unser Planet befindet, die optimistischen Worte des s&uuml;dkoreanischen Pr&auml;sidenten Moon Jae-In nicht unbemerkt bleiben d&uuml;rfen. Am 26. September sagte er vor der UN-Generalversammlung: &sbquo;Auf der Koreanischen Halbinsel ist ein Wunder geschehen.&rsquo; Ein Wunder? Auf jeden Fall eine Kehrtwende. (&hellip;) Die Koreaner im Norden wie im S&uuml;den schreiten mit gro&szlig;en Schritten voran und nutzen dabei die Gunst der Stunde. (&hellip;) In dieser Situation muss die atomare Abr&uuml;stung Nordkoreas gar keine Vorbedingung f&uuml;r die Umsetzung anderer Verhandlungspunkte sein: Aussetzung der Milit&auml;rman&ouml;ver auf beiden Seiten, Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, Friedensvertrag. Denn Pj&ouml;ngjang wird ohne solide Garantien niemals auf seine Lebensversicherung verzichten.&ldquo;<\/p><p>Wunder hin, Kehrtwende her: Was seitdem in Korea geschah, waren noch Monate zuvor kaum f&uuml;r m&ouml;glich gehaltene, ruckartige Bewegungen in der Starrheit. Was zweifellos damit zu tun hatte, dass mit dem Amtsantritt von S&uuml;dkoreas neuem Pr&auml;sidenten Moon Jae-In im Mai 2017 die erkl&auml;rte &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; der Dekade von 1998 bis 2008 vis-&agrave;-vis dem Norden wiederbelebt wurde. Hier die Sequenz nur einiger ausgew&auml;hlter Ereignisse seit Kim Jong-Uns vielbeachteter Neujahrsansprache 2018, in der er den zuvor ausgestreckten Olivenzweig Moon Jae-Ins entgegennahm und demonstrativ die gemeinsame Teilnahme beider L&auml;nder an den bevorstehenden Olympischen Winterspielen im s&uuml;dkoreanischen Pyeongchang signalisierte. Was flugs von einer aufgescheuchten bellizistischen Burschenschaft im Westen &ndash; voran in Washington &ndash; und dessen engstem Verb&uuml;ndeten in der Region, Japan, als &bdquo;Charmeoffensive&ldquo; bel&auml;chelt und als &bdquo;billiges Propagandaman&ouml;ver&ldquo; abgetan wurde:<\/p><p><strong><em>Bewegungen in der Starrheit<\/em><\/strong><\/p><p><em>2. Januar<\/em> &ndash; Moon Jae-In bietet im Gegenzug sofortige hochrangige Gespr&auml;che mit dem Norden an<\/p><p><em>9. Januar<\/em> &ndash; eine innerkoreanische Gespr&auml;chsrunde verst&auml;ndigt sich auf die Teilnahme beider Seiten an den Olympischen Winterspielen<\/p><p><em>9. Februar<\/em> &ndash; hochrangige Vertreter aus dem Norden reisen eigens zu den Spielen an <\/p><p><em>27. April<\/em> &ndash; Pr&auml;sident Moon und Vorsitzender Kim treffen sich zum 3. innerkoreanischen und ersten gemeinsamen Gipfel im Grenzort Panmunjom, wo sie die <em>Panmunjom-Erkl&auml;rung<\/em> unterzeichnen<\/p><p><em>8. Mai<\/em> &ndash; Nordkorea l&auml;sst drei inhaftierte US-B&uuml;rger frei<\/p><p><em>24. Mai<\/em> &ndash; Nordkoreas zerst&ouml;rt seine Nukleartestanlage in Punggye-ri<\/p><p><em>26. Mai<\/em> &ndash; die Staatschefs aus Nord- und S&uuml;dkorea treffen sich erneut in Panmunjom und vereinbaren u.a. intensivierte gemeinsame Rote-Kreuz-Gespr&auml;che<\/p><p><em>12. Juni<\/em> &ndash; erstmalig kommt es in Singapur zum Zusammentreffen der beiden Staatsoberh&auml;upter aus den USA und der DVRK &ndash; dort werden folgende Hauptpunkte vereinbart: 1) Die USA und Nordkorea verpflichteten sich, neue Beziehungen zwischen den beiden L&auml;ndern aufzubauen, die dem Wunsch der V&ouml;lker beider L&auml;nder nach Frieden und Wohlstand entsprechen. 2) Die USA und Nordkorea arbeiten gemeinsam auf einen dauerhaften Frieden auf der Koreanischen Halbinsel hin. 3) Nordkorea bekr&auml;ftigt die <em>Panmunjom-Deklaration<\/em>, in der es zusicherte, auf eine komplette Denuklearisierung der Halbinsel hinzuarbeiten. 4) Die Vereinigten Staaten und Nordkorea verpflichteten sich, die sterblichen &Uuml;berreste von Kriegsgefangenen und Vermissten zu suchen und sobald wie m&ouml;glich der anderen Seite zu &uuml;bergeben.<\/p><p><em>5.-7. Juli<\/em> &ndash; US-Au&szlig;enminister Mike Pompeo trifft sich in Pj&ouml;ngjang mit Kim Yong-Chol, Vizevorsitzender des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) und Chef des United Front Work Department<\/p><p><em>27. Juli<\/em> &ndash; 65 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges werden die sterblichen &Uuml;berreste von 55 GIs, die w&auml;hrend des Koreakrieges starben, vereinbarungsgem&auml;&szlig; in die USA ausgeflogen<\/p><p><em>14. September<\/em> &ndash; in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong wird das erste innerkoreanische Liaisonb&uuml;ro er&ouml;ffnet<\/p><p><em>18.-20. September<\/em> &ndash; Kim und Moon treffen sich in Pj&ouml;ngjang zu ihrem dritten Gipfel binnen eines Jahres und unterzeichnen am 19. September die <em>Gemeinsame Erkl&auml;rung von Pj&ouml;ngjang<\/em>, wonach u.a. vertrauensbildende Ma&szlig;nahmen unter den Milit&auml;rs beider Seiten vorgesehen sind, um bestimmte Sektionen in der so genannten <em>Entmilitarisierten Zone<\/em> (DMZ) entlang des 38. Breitengrads zu demilitarisieren<\/p><p><em>7. Oktober<\/em> &ndash; US-Au&szlig;enminister Pompeo trifft sich in Pj&ouml;ngjang erneut mit Kim Yong-Chol<\/p><p><em>19. Oktober<\/em> &ndash; S&uuml;dkorea und die USA k&uuml;ndigen ein f&uuml;r Dezember geplantes gemeinsames Milit&auml;rman&ouml;ver auf<\/p><p><em>25. Oktober<\/em> &ndash; beide Korea und der UN Command erkl&auml;ren die Beseitigung von Schusswaffen und Milit&auml;rpersonal aus der <em>Gemeinsamen Sicherheitszone<\/em> (JSA) gem&auml;&szlig; der <em>Panmunjom-Erkl&auml;rung<\/em> f&uuml;r abgeschlossen<\/p><p><em>2. November<\/em> &ndash; Nord- und S&uuml;dkorea erkl&auml;ren, sich gemeinsam f&uuml;r die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele im Jahre 2032 zu bewerben<\/p><p><em>22. November<\/em> &ndash; Nord- und S&uuml;dkorea verbinden die Stra&szlig;e innerhalb der DMZ, um gemeinsam &Uuml;berreste des Koreakrieges auszugraben<\/p><p><em>29. November<\/em> &ndash; Nord- und S&uuml;dkorea beginnen mit einer &uuml;ber zwei Wochen w&auml;hrenden gemeinsamen Eisenbahnstudie, wobei nach einem Jahrzehnt erstmals wieder ein Zug aus dem S&uuml;den die Grenze &uuml;berquert<\/p><p><em>21. Dezember<\/em> &ndash; die USA gestatten Zeremonien zur Einweihung eines innerkoreanischen Eisenbahnnetzes<\/p><p><strong><em>&bdquo;Schafft zwei, drei, viele Vietnam?&rdquo;<\/em><\/strong><\/p><p>Dieses einst vom Revolution&auml;r Che Guevara stammende Diktum d&uuml;rfte auf g&auml;nzlich andere Weise an Bedeutung gewinnen. Ein Blick in die legend&auml;re Glaskugel verhei&szlig;t mit verhaltenem Optimismus Folgendes: Das mit &uuml;berwiegender Mehrheit der Koreaner in Nord wie S&uuml;d gutgehei&szlig;ene und begr&uuml;&szlig;te Treffen in Hanoi wird zwar zu keinem unmittelbaren Durchbruch hinsichtlich der beidseitigen Ziele f&uuml;hren &ndash; hier die antizipierte Aufhebung von US- und UN-Sanktionen, ein Friedensvertrag, eine Sicherheitsgarantie sowie die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen seitens der USA und dort die komplette, &uuml;berpr&uuml;fbare und unumkehrbare Denuklearisierung Nordkoreas. Doch es ist durchaus denkbar, dass ein n&auml;chster Gipfel dieser Art in Schweden oder sogar direkte Treffen zwischen Pj&ouml;ngjang und Washington in den USA selbst stattfinden. Die schwedische Botschaft in Pj&ouml;ngjang hat bis dato die diplomatischen Belange der USA in der Volksrepublik wahrge- und &uuml;bernommen. Sollte es &ndash; wie bereits in der Vergangenheit w&auml;hrend der US-Pr&auml;sidentschaft von Bill Clinton avisiert! &ndash; dazu kommen, dass man sich in Hanoi als gemeinsamen Nenner und unter Wahrung aller Gesichter der Protagonisten darauf verst&auml;ndigt, als n&auml;chsten Schritt im Sinne des altenglischen <em>Tit for Tat<\/em> (frei &uuml;bersetzt: &bdquo;Wie du mir, so ich dir&ldquo;) Liaisonb&uuml;ros in den jeweiligen Hauptst&auml;dten einzurichten, w&auml;re das zumindest ein Aufbruch, alle noch ungel&ouml;sten Probleme anzugehen und zu l&ouml;sen. Einen &bdquo;quick fix&ldquo; wird es jedenfalls mitnichten geben.<\/p><p>Nordkorea ist von seiner fr&uuml;heren <em>Songun<\/em>-Politik (&bdquo;Das Milit&auml;r zuerst&ldquo;) ebenso abgewichen wie von <em>Byungjin<\/em>, der parallelen Verfolgung von Nukleartechnologie und wirtschaftlicher Entwicklung, und setzt stattdessen schwerpunktm&auml;&szlig;ig auf Letztere. Gleicherma&szlig;en ist man in Washington (m&ouml;glicherweise zum pers&ouml;nlichen &Auml;rgernis des manisch-repressiven Sicherheitsberaters John Bolton) von einem verfolgten &bdquo;Regimewechsel&ldquo; in Pj&ouml;ngjang abger&uuml;ckt. Immerhin hat Pr&auml;sident Trumps Sondergesandter f&uuml;r Nordkorea, Stephen Biegun, dies k&uuml;rzlich ebenso versichert wie das Bekenntnis seines Landes zu &bdquo;simultanen und parallelen Aktionen&rdquo;, in deren Folge auch Sanktionen gelockert wurden, die humanit&auml;re Lieferungen an Nordkorea behinderten.<\/p><p>Titelbild: Marian Weyo\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dr. <strong>Rainer Werning<\/strong>, Politikwissenschaftler &amp; Publizist mit den Schwerpunkten Ost- und S&uuml;dostasien, befasst sich seit Ende der 1960er Jahre intensiv mit den Regionen. Er ist u.a. (Nord-)Korea-Dozent an der Akademie f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (AIZ) in Bonn-R&ouml;ttgen und Ko-Autor (mit Prof. Helga Picht) des im Fr&uuml;hjahr 2018 erschienenen Buches <em>Brennpunkt Nordkorea<\/em> (Berlin: edition berolina).<\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Quellen &amp; weiterf&uuml;hrende Lekt&uuml;re:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Jedem am Thema Interessierten seien insbesondere <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/l\/B000APKD7K?_encoding=UTF8&amp;redirectedFromKindleDbs=true&amp;rfkd=1&amp;shoppingPortalEnabled=true\">die Werke des US-amerikanischen Historikers Bruce Cumings<\/a> empfohlen, der langj&auml;hrig an der University of Chicago lehrte, von dem allerdings &ndash; leider &ndash; kein einziges Opus in deutscher &Uuml;bersetzung vorliegt<\/li>\n<li>John Feffer: <a href=\"https:\/\/original.antiwar.com\/feffer\/2017\/12\/17\/north-korea-costs-war-calculated\/\">North Korea: The Costs of War, Calculated<\/a>. December 18, 2017.<\/li>\n<li>whitehouse.gov &ndash; <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/briefings-statements\/joint-statement-president-donald-j-trump-united-states-america-chairman-kim-jong-un-democratic-peoples-republic-korea-singapore-summit\/\">Joint Statement of President Donald J. Trump of the United States of America and Chairman Kim Jong Un of the Democratic People&rsquo;s Republic of Korea at the Singapore Summit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.armscontrol.org\/factsheets\/dprkchron\">Chronology of U.S.-North Korean Nuclear and Missile Diplomacy.<\/a> Arms Control Association. January 2019<\/li>\n<li>Highlights of US &ndash; DPRK &ndash; ROK Relations: 1988 to 2016 in Kearney, Caroline. <a href=\"http:\/\/www.centrepeaceconflictstudies.org\/wp-content\/uploads\/170512-Strengthening-Understanding-Through-Dialogue.pdf\">Strengthening Understanding through Dialogue: A Peacebuilding Approach to the Korean Peninsula Conflict. The Centre for Peace and Conflict Studies.<\/a> May 2017, Siem Reap, Cambodia.<\/li>\n<li>John Feffer &amp; Tom Engelhardt: <a href=\"https:\/\/original.antiwar.com\/feffer\/2018\/05\/20\/how-korea-could-become-a-bright-spot-in-a-world-gone-mad\/\">How Korea Could Become a Bright Spot in a World Gone Mad<\/a>. May 21, 2018<\/li>\n<li>Ted Snider: <a href=\"https:\/\/original.antiwar.com\/ted_snider\/2018\/05\/08\/the-meaning-of-verification\/\">The Meaning of Verification<\/a>. May 09, 2018<\/li>\n<li>usatoday.com &ndash; <a href=\"https:\/\/www.usatoday.com\/story\/news\/world\/2018\/05\/09\/chairman-un-mike-pompeo-stumbles-n-korean-leader-kims-name\/593693002\/\">Oops! Mike Pompeo refers to North Korean leader Kim as &lsquo;Chairman Un&rsquo;<\/a><\/li>\n<li>talkingpointsmemo.com &ndash; <a href=\"https:\/\/talkingpointsmemo.com\/dc\/john-bolton-still-supports-iraq-war\">John Bolton: No Regrets On Iraq War<\/a><\/li>\n<li>washingtonpost.com &ndash; <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/the-fix\/wp\/2018\/03\/23\/john-bolton-has-talked-about-bombing-north-korea-iran-and-syria\/?utm_term=.df9018fd83c3\">John Bolton has talked about bombing North Korea, Iran and Syria<\/a><\/li>\n<li>thenation.com &ndash; <a href=\"https:\/\/www.thenation.com\/article\/john-bolton-old-korea-hand\/\">John Bolton, Old Korea Hand<\/a><\/li>\n<li>Michael Haas: <a href=\"https:\/\/original.antiwar.com\/michael_haas\/2019\/01\/18\/where-is-the-north-korean-road-map\/\">Where Is the North Korean Road Map?<\/a> January 19, 2019<\/li>\n<li>state.gov &ndash; <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/p\/eap\/rls\/rm\/2019\/01\/288702.htm\">Remarks on DPRK at Stanford University<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/united-states\/all-eyes-tangible-results-us-north-korea-summit\">All Eyes on Tangible Results from U.S.-North Korea Summit<\/a> by Christopher Green, Senior Adviser of the International Crisis Group, Korean Peninsula. 25 February 2019.<\/li>\n<\/ul><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/8825a5e602164bfe85f8235b3c00f222\" height=\"1\" alt=\"\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weg zum 2. Trump-Kim-Gipfel in Vietnams Hauptstadt wurde durch erstaunliche Entwicklungen auf der Koreanischen Halbinsel seit dem Jahreswechsel 2017\/18 geebnet. Sofern diesem j&uuml;ngsten innerkoreanischen Ann&auml;herungsprozess nicht von au&szlig;en in die Parade gefahren wird, liefert er letztlich auch den Schl&uuml;ssel f&uuml;r die friedliche Beilegung eines seit Jahrzehnten virulenten Konflikts mit globalen Implikationen. Ein Essay von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49600\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":49601,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,171],"tags":[1519,2161,2143,2301,1937,2274,1485,1373,1983,1800,1556,357,1019],"class_list":["post-49600","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-friedensabkommen","tag-kim-jong-un","tag-konfrontationspolitik","tag-militaermanoever","tag-moon-jae-in","tag-nordkorea","tag-olympia","tag-suedkorea","tag-trump-donald","tag-usa","tag-vietnam","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/shutterstock_786567328.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49600"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49600\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49665,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49600\/revisions\/49665"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/49601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}