{"id":49645,"date":"2019-02-28T10:44:09","date_gmt":"2019-02-28T09:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49645"},"modified":"2019-03-01T07:13:33","modified_gmt":"2019-03-01T06:13:33","slug":"die-ukraine-will-einmal-mehr-den-esc-politisieren-und-scheitert-zum-glueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49645","title":{"rendered":"Die Ukraine will einmal mehr den ESC politisieren und scheitert zum Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Der Eurovision Song Contest soll laut Eigenverst&auml;ndnis der V&ouml;lkerverst&auml;ndigung in Europa dienen. Seit mehreren Jahren torpediert die Ukraine diese Mission jedoch durch ihre immer schriller werdende Politisierung des Wettbewerbs, die seit zwei Jahren in offenen Russenhass &uuml;bergegangen ist. In diesem Jahr wird die Ukraine nicht am ESC teilnehmen &ndash; nicht weil Resteuropa sie &ndash; wie vielfach <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35102\">auch von den NachDenkSeiten gefordert<\/a> &ndash; endlich ausgeschlossen h&auml;tte, sondern weil den Interpreten nun selbst der Kragen geplatzt ist und die drei Erstplatzierten des Vorentscheides die Teilnahme abgesagt hatten, nachdem der verantwortliche Sender die Siegerin mit einem Knebelvertrag zum Sprachrohr antirussischer Propaganda machen wollte. Von <strong>Jens Berger<\/strong> mit einem interessanten Leserbrief unserer Leserin <strong>Susanne S.<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5555\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-49645-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190228_Die_Ukraine_will_den_ESC_politisieren_und_scheitert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190228_Die_Ukraine_will_den_ESC_politisieren_und_scheitert_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190228_Die_Ukraine_will_den_ESC_politisieren_und_scheitert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190228_Die_Ukraine_will_den_ESC_politisieren_und_scheitert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=49645-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190228_Die_Ukraine_will_den_ESC_politisieren_und_scheitert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190228_Die_Ukraine_will_den_ESC_politisieren_und_scheitert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der ESC ist in den letzten Jahren zur Plattform f&uuml;r antirussische Propaganda geworden. 2014 wurden die russischen Interpreten in Kopenhagen vom Publikum <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/eurovision-song-contest-die-weltpolitik-praegt-esc-russland-wird-ausgebuht\/9858590.html\">lautstark ausgebuht<\/a> &ndash; nachdem es <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/unterhaltung\/musik\/eurovision-song-contest\/ukraine-zoff-traenen-35859888.bild.html#fromWall\">u.a. von BILD<\/a> vorher aufgehetzt wurde. 2015 forderte der Stern sogar ganz offen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25491\">seine Leser dazu auf<\/a>, die russische K&uuml;nstlerin auszubuhen &ndash; das Publikum in Wien blieb jedoch vergleichsweise fair. 2016 ging die Ukraine in die Offensive und nominierte ein Lied der S&auml;ngerin &bdquo;Jamala&ldquo;, das die Vertreibung der Krimtataren 1944 durch Stalin zum Thema hatte und nach den Regeln des ESC eigentlich gar nicht h&auml;tte aufgef&uuml;hrt werden d&uuml;rfen, da es vor allem im aktuellen Kontext ein klares politisches Statement gegen die V&ouml;lkerverst&auml;ndigung ist. Zu allem &Uuml;berfluss gewann dieser Beitrag auch noch &ndash; und dies aufgrund des politischen Votums der westeurop&auml;ischen Jurys, die 50% der Gesamtpunkte liefern, w&auml;hrend das gesamteurop&auml;ische Publikum relativ klar den russischen S&auml;nger gew&auml;hlt hatte. Nach ihrem ESC-Sieg <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/europa\/40034-eurovision-gewinnerin-jamala-auf-neonazi\/\">tr&auml;llerte &bdquo;Jamala&ldquo; ihr &bdquo;1944&ldquo;<\/a> &uuml;brigens mit Vorliebe auf ukrainischen Neonazi-Festivals wie dem &bdquo;Banderstadt&ldquo; in Luzk, das dem Nazi-Kollaborateur und Kriegsverbrecher Stephan Bandera gewidmet ist. Man stelle sich nur einmal vor, Deutschland w&uuml;rde eine Band aus dem rechten politischen Spektrum zum ESC schicken, die dort musikalisch an die Vertreibung der Schlesier durch die Polen erinnert.<\/p><p>Im letzten Jahr durfte die Ukraine als Vorjahressieger selbst den ESC austragen und trieb dabei ihre antirussische Agitation auf die Spitze, indem sie die russische Interpretin Julija Samoilowa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38207\">eigenm&auml;chtig die Einreise und damit die Teilnahme am ESC verbot<\/a>. Samoilowa hatte 2015 an einem Konzert auf der Krim teilgenommen, was nach ukrainischer Lesart auch f&uuml;r Staatsb&uuml;rger anderer Nationen einen Straftatbestand darstellt, der ein Einreiseverbot nach sich ziehen kann. Auch diesmal machte die Europ&auml;ische Rundfunkunion (EBU) als Veranstalter gute Miene zum b&ouml;sen Spiel und verzichtete auf Sanktionen gegen die Ukraine.<\/p><p>Dies war nur der Anfang. Bald <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35102\">machten &bdquo;Schwarze Listen&ldquo; die Runde<\/a>, in die internationale K&uuml;nstler, die die Krim bereisten, und ukrainische K&uuml;nstler aufgenommen wurden, die Auftritte in Russland absolvierten. Bei Letzteren sollen k&uuml;nftig laut <a href=\"https:\/\/www.eurovision.de\/news\/ESC-2019-MARUV-tritt-doch-nicht-fuer-Ukraine-an,maruv104.html\">eines geplanten Gesetzes<\/a> sogar Einblendungen mit Warnhinweisen im ukrainischen Fernsehen erfolgen &ndash; &bdquo;Dieser K&uuml;nstler tourt im Aggressorstaat&ldquo;, womit nat&uuml;rlich Russland gemeint ist. Fragt sich, wie lange es noch dauert, bis K&uuml;nstler, die sich nicht mit dem rechtsextremen, ultranationalistischen Kurs der ukrainischen Politik anfreunden k&ouml;nnen, einen farbigen Stern auf dem Revers tragen m&uuml;ssen. Das klingt hart und ist es auch. Wenn in einem europ&auml;ischen Staat Musiker vor laufender Kamera einem Gesinnungscheck unterzogen und (im konkreten Fall &uuml;brigens von der rechten S&auml;ngerin &bdquo;Jamala&ldquo;) gefragt werden, &bdquo;zu wem die Krim geh&ouml;rt&ldquo; und &bdquo;ob sie in Russland Auftritte machen w&uuml;rden&ldquo;, l&auml;uft etwas ganz geh&ouml;rig schief. Genau diese ungeheuerliche Befragung war es wohl auch, die im aktuellen Fall die S&auml;ngerin MARUV nach ihrem Sieg beim ukrainischen Vorentscheid dazu gebracht hat, den Knebelvertrag der ukrainischen Sendeanstalt nicht zu unterzeichnen, der ihr u.a. auch ein Auftrittsverbot in Russland vorschreibt.<\/p><p><strong>Dazu ausf&uuml;hrlich ein Leserbrief unserer Leserin Susanne S. &hellip;<\/strong><\/p><blockquote><p>\nFr&uuml;her habe ich den ESC ganz gern in gro&szlig;er Freundesrunde gesehen und wir haben uns &uuml;ber die Kost&uuml;me und Darbietungen schlapp gelacht. Nun tue ich mich das nicht mehr an, weil mir die Stimmung zu feindselig und verbissen geworden ist. Wegen der Teilnahme der S&auml;ngerin MARUV, die momentan besonders in Russland total angesagt ist, habe ich mich jedoch f&uuml;r die Show in Kiew interessiert. Schlecht f&uuml;r den Blutdruck &ndash; ich h&auml;tte es wissen m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>Die ukrainische S&auml;ngerin MARUV wurde vom Publikum und der Jury erw&auml;hlt, ihr Heimatland beim ESC in Tel Aviv zu vertreten. Schon bei der Show kam es zu meiner Meinung nach skandal&ouml;sen Dialogen, doch erst die fast siebenst&uuml;ndige Vertragsverhandlung mit dem Staatssender der Ukraine (&#1053;&#1058;&#1050;&#1059;) f&uuml;hrte zu der jetzigen Situation, n&auml;mlich dem R&uuml;ckzug von MARUV. Auf ihren Social Accounts (z.B. <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BuT_BvigGet\/\">hier<\/a>) bezeichnet sie die ihr gestellten Bedingungen als Sklaverei. Ich wei&szlig; nicht, inwieweit es zum Beispiel normal ist, dass ein K&uuml;nstler s&auml;mtliche Kosten, die mit der Reise und dem Auftritt zusammen h&auml;ngen, selbst tragen muss und zudem alle Rechte an dem Song abtreten muss, also auch keine Einnahmen von dem ganzen Spektakel erwarten darf. <\/p>\n<p>Ich kann mir vorstellen, dass absolut unbekannte Singdrosseln, die nach dem ESC augenblicklich vergessen werden, solche Knebelvertr&auml;ge aufgedr&uuml;ckt bekommen. Bei bereits erfolgreichen und bekannten K&uuml;nstlern, die den ESC nicht zwingend brauchen, wird das nicht m&ouml;glich sein. Dass der Sender nicht von diesen aus K&uuml;nstlersicht ung&uuml;nstigen Bedingungen abr&uuml;cken wollte, zeigt, dass er kein Interesse an einer Teilnahme von MARUV hatte und sie herausekeln wollte. H&auml;tte sie wider Erwarten doch zugestimmt, w&auml;re das auch prima f&uuml;r den Sender gewesen, dann n&auml;mlich h&auml;tte er sie voll in der Hand gehabt.<\/p>\n<p>Ich wei&szlig; auch nicht, warum MARUV trotz ihrer Konzerte in Russland und auf der Krim &uuml;berhaupt in die n&auml;here Auswahl gekommen ist. Soweit ich wei&szlig;, gibt es dahingehend zwar keine festgeschrieben Ausschlusskriterien, aber wenn die Entscheider im Sender einen unpassenden K&uuml;nstler nicht dabei haben wollen, wird dieser mit Sicherheit auch nicht dabei sein. <\/p>\n<p>Dr. Irving Wolther, der f&uuml;r die deutschen ESC-Seite schreibt, vermutet jedoch an dieser Stelle eine russische Verschw&ouml;rung. Es ist erstaunlich, wie er es schafft, die Geschichte <a href=\"https:\/\/www.eurovision.de\/news\/ESC-2019-MARUV-tritt-doch-nicht-fuer-Ukraine-an,MARUV104.html\">genau anders herum zu erz&auml;hlen<\/a> (Stand: 25.02.19 19:41 Uhr)\n<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung Jens Berger: Dieser eigenwilligen Interpretation schlie&szlig;en sich mittlerweile &uuml;brigens auch die <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/skandal-beim-esc-vorentscheid-in-der-ukraine\/a-47683172\">Deutsche Welle<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ukraine-esc-101.html\">die Tagesschau<\/a> an.<\/p><blockquote><p>\nTatsache ist, dass MARUV bei dem internationalen Label Warner Music unter Vertrag ist, also &ndash; aufgrund der geografischen Lage &ndash; bei Warner Music Russia <a href=\"http:\/\/warnermusic.ru\/artists\/MARUV\/\">mit Sitz in Moskau<\/a>. In der Ukraine gibt es nur ein unbedeutendes Kleinstb&uuml;ro, das dem in Russland untergeordnet ist. Logisch ist, dass die Plattenfirma eine Nominierung beim ESC unterst&uuml;tzt. Wenn &bdquo;russische Trolle&ldquo; die Nominierung und den Sieg von MARUV bewirkt haben sollen &ndash; wie dusslig haben sich dann die Entscheider im ukrainischen Staatsfernsehen angestellt? Sind die dann komplett unf&auml;hig oder selbst Agenten des Aggressors? Im Verlauf der Sendung zeigt sich n&auml;mlich, dass gezielt drei Teilnehmer auf ihre Gesinnung hin untersucht wurden: Yuko, MARUV und Anna-Maria. Die anderen mussten nur Fragen und Kommentare zu ihrer k&uuml;nstlerischen Leistung &uuml;ber sich ergehen lassen. Das zeigt, dass die Jury und der Moderator nat&uuml;rlich sehr gut &uuml;ber die Lebensumst&auml;nde der S&auml;ngerinnen Bescheid wussten und sie speziell damit live im Fernsehen konfrontieren, wenn nicht gar vorf&uuml;hren wollten. <\/p>\n<p>Sie weisen ja immer darauf hin man sollte sich immer die Originalquellen suchen. Das habe ich getan: Der Fernsehkanal UA:&#1055;&#1077;&#1088;&#1096;&#1080;&#1081; hat hier unter dem Titel &#1053;&#1072;&#1094;&#1074;&#1110;&#1076;&#1073;&#1110;&#1088; &#1085;&#1072; &#1028;&#1074;&#1088;&#1086;&#1073;&#1072;&#1095;&#1077;&#1085;&#1085;&#1103;-2019. &#1060;&#1110;&#1085;&#1072;&#1083; die Aufzeichnung der gesamten Sendung online gestellt:<\/p>\n<p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/lJLlSj5Xj9A\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p>\n<p>Ukrainisch beherrsche ich leider nicht, ich kann mir nur etwas herleiten. Nur MARUV verstehe ich besser, da sie ziemlich bald vom Ukrainischen ins Russische wechselt. Das ist nichts Ungew&ouml;hnliches &ndash; viele Ukrainer sprechen (noch immer) Russisch, so wie zum Beispiel auch das Jurymitglied Yevhen Filatov. Kann aber nat&uuml;rlich auch sein, dass sich MARUV vom absoluten Desinteresse an ihrem Auftritt provoziert gef&uuml;hlt hat und sich daher entschied, die interrogativen Fragen boshafterweise auf Russisch zu beantworten.<\/p>\n<p>Ab 01:14 wird also MARUV vernommen: Nach ein bisschen Vorgepl&auml;nkel kommt der Moderator darauf zu sprechen, dass sie auch von anderen L&auml;ndern, wohl u.a. von der T&uuml;rkei angefragt worden sei. MARUV best&auml;tigt das, sagt aber, dass sie es besser finde, wenn jemand, der in einem Land geboren ist, auch f&uuml;r dieses Land antritt. Sie sei Ukrainerin und w&uuml;rde daher nat&uuml;rlich und ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die Ukraine beim ESC antreten. Dann fragt der Moderator, wie es trotz ihres Patriotismus sein kann, dass sie in Russland Konzerte gibt. Sie wisse doch, dass ihr Land einige Probleme mit diesem Aggressor habe. MARUV antwortet recht frech, dass sie zu dieser Frage schon viele Interviews gegeben habe, wenn es ihn interessiert, k&ouml;nne er diese im Internet finden. (Applaus des Publikums) Sie m&ouml;chte hier nur sagen, dass der Wettbewerb nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Beine gestellt worden ist, damit die Staaten auf einem gemeinsamen Fest zueinander finden und die anderen Kulturen kennen lernen k&ouml;nnen. Sie finde das total wunderbar und unterst&uuml;tzenswert. In erster Linie sei das ein SONG Contest und keine politische Wahlveranstaltung. (Applaus des Publikums) F&uuml;r diese Fragen solle man ein paar Kilometer weiter zur Rada gehen und dort k&ouml;nne man diese vielen, interessanten Fragen stellen &ndash; mit diesen n&auml;mlich w&uuml;rde man sich dort schon lange besch&auml;ftigen.<\/p>\n<p>Dann folgt die ber&uuml;hmte Krim-Gretchen-Frage. MARUV antwortet, sie habe viele Konzert-Besucher von der Krim, aus der Ukraine, Russland, T&uuml;rkei; zu ihren Konzerten an vielen Orten der Welt w&uuml;rden Menschen aus vielen Orten der Welt kommen. Das Aufeinandertreffen dieser Leute und die gute Stimmung sei wichtig und es sei ihr auch total egal, woher diese Leute kommen.<\/p>\n<p>Daraufhin fragt der Moderator (01:17:23): &bdquo;Ist nach einem deiner Auftritte in Russland jemand zu dir gekommen und gesagt, dass er jetzt seine Kalaschnikov zur Seite legen und nicht mehr im Donbas k&auml;mpfen wird?&ldquo; MARUV antwortet, nein, das h&auml;tte sie nat&uuml;rlich noch von niemandem geh&ouml;rt. Sie sei aber sicher, dass viele Leute, die in Russland leben, hervorragende Beziehungen haben zu denen, die in der Ukraine leben, und sie w&uuml;rden auch viel ukrainische Musik h&ouml;ren. Im &Uuml;brigen sollte man nicht alle Menschen f&uuml;r eine Person &ndash; den Pr&auml;sidenten des Landes &ndash; verantwortlich machen. Es k&ouml;nne nicht sein, dass die 4 Millionen oder Milliarden (sic!) Einwohner Russlands absolut b&ouml;se sind und sie (w&ouml;rtlich: &bdquo;uns&ldquo;, also die Ukraine) bekriegen wollen. (Jubel aus dem Publikum)<\/p>\n<p>Nach vier Minuten Interrogation durch den Moderator kommt Jurymitglied Andriy Danylko nun endlich auch auf ihre Performance zu sprechen. Auch Yevhen Filatov spricht nur &uuml;ber k&uuml;nstlerische Dinge. Nur die 200%ige Jamala muss nat&uuml;rlich noch einmal die Gewissensfrage stellen (ca. 01:24 &ndash; ihre Mimik und Gestik ist absolut sehenswert!): MARUV solle sich vorstellen, sie sei in Tel Aviv auf einer Pressekonferenz mit dreitausend Journalisten. Was w&uuml;rde sie wohl antworten, wenn sie gefragt werde: &bdquo;Hi Anna, hi MARUV! Welcome to Tel Aviv! So, I have a very uncomfortable question for you &ndash; Crimea is ukrain?&ldquo; Und MARUV antwortet brav &bdquo;Ukrain, of course.&ldquo; (Applaus des Publikums) Allerdings mit einem seltsamen Gesichtsausdruck der mir verwundert, belustigt erschient, und m&ouml;glicherweise auch nervlich an der Grenze, also den Tr&auml;nen nah. Oben genannter Dr. Wolther dagegen findet ihre Antwort &bdquo;zu z&ouml;gerlich&ldquo;, was ihn schlie&szlig;lich in seiner Annahme best&auml;tigt, MARUV h&auml;tte den jetzt folgenden Skandal selbst einger&uuml;hrt und provoziert, nat&uuml;rlich mit &bdquo;trolliger&ldquo; russischer Unterst&uuml;tzung.<\/p>\n<p>Das Duo <a href=\"http:\/\/annamariashow.com\/\">Anna-Maria<\/a> war mir bislang nicht bekannt, ihr Verh&ouml;r schl&auml;gt aber mittlerweile in russischen Medien ebenfalls Wellen. Es ist noch verst&ouml;render als das mit MARUV, die eine starke Pers&ouml;nlichkeit ist und sich zu verteidigen wei&szlig;. Es beginnt bei ca. 02:18. Der Moderator wirft ihnen &bdquo;ihren Background&ldquo; vor, ihre Eltern leben n&auml;mlich auf der Krim, und die Mutter ist seit 2014 Vizepr&auml;sidentin des Ministerrates der Republik Krim. Die M&auml;dchen dagegen leben jetzt in Kiew und hatten den Maidan unterst&uuml;tzt.<\/p>\n<p>Moderator (02:20): &bdquo;Ihr habt eine sehr einfache Wahl: w&uuml;rdet ihr das Kreuz entweder bei eurer Karriere oder bei eurer Mutter setzen?&ldquo; Sie antworten, zunehmend emotionaler: &bdquo;In der Tat haben wir unsere Wahl schon lange getroffen, unsere Eltern haben ihre Wahl getroffen und wir k&ouml;nnen sie nicht in dieser Sache beeinflussen. Aber trotz allem sind das unsere Eltern, die wir lieben und achten. Und ehrlich, wenn uns jemand die Frage stellen w&uuml;rde, ob wir den Wettbewerb oder die Eltern w&auml;hlen w&uuml;rden, dann w&uuml;rden wir wie jeder normale Mensch die Eltern w&auml;hlen. Ich denke, dass uns die Leute daf&uuml;r verstehen. Wir sind ukrainische S&auml;ngerinnen, wir sind auf der Krim geboren, wir singen und arbeiten auf der Krim, wir haben keine Gesetze der Ukraine gebrochen, wir haben nichts Schlechtes gemacht, wir haben die Regeln der nationalen Auswahl (des ESC) befolgt und seit dieser Zeit haben wir auch keine Konzerte mehr in Russland gegeben.&ldquo;<\/p>\n<p>Es sei eine Trag&ouml;die f&uuml;r ihre Heimat, verteidigen sie ihre Tr&auml;nen (02:23:40).<\/p>\n<p>Ab 02:21:10 sagt eine der Schwestern &ndash; soweit ich das verstehe &ndash; dass sie dachten, die Ukraine w&uuml;rde sich in Richtung Europa entwickeln, aber das hier w&uuml;rde sie eher an die sowjetische Zeit in den 1930ern erinnern &ndash; hier wird die stirnrunzelnde Jamala eingeblendet. <\/p>\n<p>Es folgen endlose Ausf&uuml;hrungen von Jamala, wie man die Situation der Krim zu sehen habe, da bin ich ausgestiegen. 02:30 ist dann das &bdquo;Interview&ldquo; vorbei. 10 geschlagene Minuten ging es fast ausschlie&szlig;lich um das Verh&auml;ltnis der S&auml;ngerinnen zu Russland. Fun fact: Jamala lebte bekannterma&szlig;en seit ihrer Kindheit auf der Krim. Ihre Eltern betreiben dort noch ein anscheinend kleines Hotel. Dort d&uuml;rften wohl haupts&auml;chlich russische Touristen absteigen. <\/p>\n<p>Auch, wenn ich Ukrainisch schlecht verstehe, habe ich mir auch angesehen, wie die anderen Teilnehmer behandelt werden. Es k&ouml;nnte ja sein, dass die Gesinnungsfragen obligatorisch sind. Aber auch mit wenigen Sprachkenntnissen wird deutlich, dass dem nicht so ist:<\/p>\n<p>Mit der Freedom-Jazz Girls Band flachst der Moderator von 00:28:06 bis 00:30:48 herum, die Jury bewertet bis 00:35:48 ausschlie&szlig;lich Gesang und Performance, in der Art und Weise, wie man es bei solchen Wettbewerben gewohnt ist. Zusammenfassend gesagt, sind sie nicht so begeistert.<\/p>\n<p>Ab 00:58:40 sind Yuko dran, die gleich auf ihre Auftritte in Russland angesprochen werden. Au&szlig;erdem ist sie russische Staatsb&uuml;rgerin (wie ich verstanden habe, hat sie die doppelte Staatsb&uuml;rgerschaft) und lebt seit 2012 in Kiew, er ist aus dem Gebiet Donezk. Aber sie haben Gl&uuml;ck, ihr Pr&auml;sident hat sie auf seine Playlist gesetzt und vielleicht auch dank ihrer folkloristischen, ukrainischen Vocals werden sie 01:02:00 ohne Skandal der Jury &uuml;berstellt. Diese bewertet bis 01:06:40 ausschlie&szlig;lich die k&uuml;nstlerische Leistung.<\/p>\n<p>Au&szlig;er MARUV kenne ich nur die Band Brunettes shoot Blondes, deren &bdquo;Bittersweet&ldquo; 2014 auch im russischen Musikfernsehen hoch und runter lief. Offenbar treten sie aber nicht in Russland auf, denn ihr Gespr&auml;ch mit dem Moderator ist reichlich kurz (01:33-01:34) und dreht sich haupts&auml;chlich um ihre T&auml;tigkeit f&uuml;r Werbung und ihren Song &bdquo;Houston&ldquo;, welcher den Moderator mehrfach zu dem Zitat &bdquo;Houston &ndash; we have a problem&ldquo; animiert. Die Jury bewertet Gesang und Performance, sie werden f&uuml;r ihr &bdquo;britisches Aussehen&ldquo; gelobt. 01:40 ist die Band durch.<\/p>\n<p>Die ebenfalls mit ukrainischen Vocals arbeitenden Kazka werden ab 02:01:45 vom Moderator vorgestellt, ab 02:04:22 bis 02:10:00 bewertet die Jury Gesang und Performance.\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Review News\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/b8821f122cab4c07aa9261d0139db38b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Eurovision Song Contest soll laut Eigenverst&auml;ndnis der V&ouml;lkerverst&auml;ndigung in Europa dienen. Seit mehreren Jahren torpediert die Ukraine diese Mission jedoch durch ihre immer schriller werdende Politisierung des Wettbewerbs, die seit zwei Jahren in offenen Russenhass &uuml;bergegangen ist. 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