{"id":49821,"date":"2019-03-05T09:01:33","date_gmt":"2019-03-05T08:01:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49821"},"modified":"2019-03-06T07:39:46","modified_gmt":"2019-03-06T06:39:46","slug":"die-wahrheit-ueber-seumas-milne-jeremy-corbyn-und-den-neuen-mccarthyismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49821","title":{"rendered":"Die Wahrheit \u00fcber Seumas Milne, Jeremy Corbyn und den neuen McCarthyismus"},"content":{"rendered":"<p>Die Kampagnen der britischen Medien gegen den Labour-Chef Jeremy Corbyn werden von Tag zu Tag h&auml;rter und unappetitlicher. In einer neuen Kampagne zielt man nun auf Corbyns Kommunikationsberater Seumas Milne, um den Mann hinter ihm zu treffen. Es geht um Russland und Pal&auml;stina und wieder einmal schwingt auch der Antisemitismusvorwurf mit, mit dem Corbyn schon seit l&auml;ngerer Zeit attackiert wird. Nun hat <strong>David Hearst<\/strong>, der ehemalige Auslandschef des Guardian, auf seinem Blog &bdquo;Middle East Eye&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/truth-about-seumas-milne-jeremy-corbyn-and-new-mccarthyism?fbclid=IwAR0t9weuHMbgZlhJPVuBv6zYkjuo_pCjUkWdXeTF78MvFj4stnx-czzNkxM\">zur Kampagne Stellung genommen<\/a> und eine &auml;u&szlig;erst interessante Widerlegung der Vorw&uuml;rfe publiziert und die Kampagne historisch eingerahmt. <strong>Josefa Zimmermann<\/strong> hat den Text f&uuml;r die NachDenkSeiten ins Deutsche &uuml;bertragen.<br>\n<!--more--><br>\nIn meinem Geburtsjahr 1954 war der Kalte Krieg auf seinem H&ouml;hepunkt und ein amerikanischer Senator zerst&ouml;rte die Karriere von Unschuldigen, indem er sie beschuldigte, Sympathisanten der Kommunisten zu sein und sie als die &bdquo;Roten unter dem Bett&ldquo; bezeichnete. <\/p><p>Sein Name, Joseph McCarthy, ist in jedem Lexikon ber&uuml;hmter Politiker zu finden. McCarthyismus wird heute definiert als &bdquo;die Praxis, jemand ohne brauchbare Beweise der Subversion oder des Verrats zu beschuldigen&ldquo;. Genau das passiert gerade mit dem Labour-F&uuml;hrer Jeremy Corbyn und seinem Berater Seumas Milne, einem meiner fr&uuml;heren Kollegen vom Guardian. McCarthy existiert nicht mehr. Der ehemalige Leiter des MI6, Sir Richard Dearlove, existiert aber durchaus.<\/p><p><strong>Das b&ouml;se Genie<\/strong><\/p><p>Am Sonntag machte Dearlove auf nationaler Ebene Schlagzeilen, als er in der Mail on Sunday (MoS) <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-6738195\/CORBYN.html\">erkl&auml;rte<\/a>, Milne sei ein Sicherheitsrisiko, er m&uuml;sse gefeuert werden, falls Corbyn Premierminister wird.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ein Mensch mit diesem Hintergrund darf nicht in die N&auml;he geheimer Informationen gelangen. Das steht au&szlig;er Frage&rdquo;, sagte Dearlove. &bdquo;Das hei&szlig;t, wenn Corbyn sich weiter von ihm beraten l&auml;sst, kann er nicht die Urteile und Entscheidungen treffen, die ein Parlamentsabgeordneter treffen muss.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der MoS-Leitartikel ging noch weiter. Milne, so wurde behauptet, sei kein Idiot wie sein Chef Corbyn. Was man dadurch &uuml;ber den popul&auml;ren Labour-F&uuml;hrer erfahren sollte ist, dass er angeblich nicht der Kl&uuml;gste ist. Nein, Milne sei viel gef&auml;hrlicher als er, denn er ist intelligent, hat in Oxford studiert und ist ein Sohn des Establishments. Einer von ihnen.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Milne ist kein Naivling. Er ist ein ernstzunehmender Akteur. Er wei&szlig;, was er tut, wenn er mit den Terrorgruppen des Nahen Ostens sympathisiert und wenn er mit dem Putin-Regime kuschelt.  Seine lebenslange dezidierte Feindschaft gegen&uuml;ber dem Staat Israel ist seit langem ein Merkmal der intellektuellen radikalen Linken, zu der er geh&ouml;rt. Aber sie tr&auml;gt dazu bei, die zunehmende Isolation und Diskriminierung einzelner Juden in der Labour-Party unter Corbyn aufrechtzuerhalten.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Wurzel des Antisemitismus<\/strong><\/p><p>Denen unter Ihnen, die auf der Internationalen Raumstation die Erde umkreisen und denen angesichts der Grausamkeit und Verlogenheit dieses politischen Diskurses die Kinnlade herunterf&auml;llt, verspreche ich, dass ich mir das nicht ausdenke. Ich habe es schwarz auf wei&szlig;. Milnes S&uuml;nde besteht also nicht nur darin, dass er ein pal&auml;stinensisch-terroristischer Putin-Versteher ist und dass er irgendwie die Labour-Party mit dem Krebs des Antisemitismus infiziert hat, sondern darin, dass er ein Klassenverr&auml;ter ist.<\/p><p><em>&ldquo;Im Gegensatz zu seinem humpelnden und schlecht informierten Chef stammt Mr. Milne aus der britischen Elite und ist ein hochgebildeter und sehr intelligenter Mann. Dies macht seine au&szlig;ergew&ouml;hnliche Karriere und seine unkonventionellen politischen Positionen so wichtig&rdquo;<\/em>, schrieb die MoS. <\/p><p>Ein Angriff folgte auf den anderen. Innerhalb von Minuten sagte Tom Watson, Corbyns Stellvertreter, in der BBC-Show von Andrew Marr: &bdquo;Der Testfall f&uuml;r ihn als Parteif&uuml;hrer besteht darin, den Antisemitismus auszurotten. Richter werden nicht die Mitglieder der Labour-Party sein, sondern die j&uuml;dische Gemeinschaft in Gro&szlig;britannien. Ich glaube, er versteht jetzt, dass er dieses Vertrauen wieder aufbauen muss, wenn er jemals Ministerpr&auml;sident werden will.&rdquo;<\/p><p><strong>Was ist die Wahrheit?<\/strong><\/p><p>Lassen Sie mich offen dar&uuml;ber sprechen, wo ich in dieser Sache stehe. Wie viele Londoner stimme ich, was den Brexit anbelangt, nicht mit Corbyn &uuml;berein, der zu Beginn seiner Amtszeit als Labour-Chef die Ansicht vertrat, dass es falsch sei, ein zweites Referendum abzuhalten. Ich habe nichts mit Antisemitismus zu tun. Im Gegensatz zu Luciana Berger, der Abgeordneten, die behauptete, dass sich in der Partei Antisemitismus etabliert h&auml;tte, wei&szlig; ich, was es bedeutet, als Jude aus der Stadt gehetzt zu werden. Meine Mutter und mein Vater waren 1936 und 1938 aus Wien gefl&uuml;chtet. In meiner Wohnung gibt es einen Stapel Dokumente aus der NS-Zeit, in denen die Gegenst&auml;nde aufgelistet sind, die aus der Zahnarztpraxis meines Gro&szlig;vaters mitgenommen wurden. Die Nazis dokumentierten stolz ihre Verbrechen. Jede Seite des sorgf&auml;ltig getippten Inventars endet mit den Worten &bdquo;Heil Hitler&rdquo;. Als eine Anti-Nazi-Parole an die Wand au&szlig;erhalb der Zahnarztpraxis meines Gro&szlig;vaters geschmiert wurde, zwang ihn eine Nazi-Bande, sie mit einer Zahnb&uuml;rste abzuschrubben.<\/p><p>Corbyn oder Milne k&ouml;nnen sich selbst verteidigen. Was mir beim Schreiben Sorge bereitet, ist vielmehr die bizarre Verfolgung einer Minderheit heutzutage, zugegebenerma&szlig;en einer, mit der ich mich auf wundersame Weise verbunden f&uuml;hle.  Warum? Weil ich in mindestens zwei der drei Anschuldigungen gegen Milne entweder pers&ouml;nlich involviert war oder sie als Journalist selbst beobachtet habe.<\/p><p><strong>Dis Liste der Vergehen<\/strong><\/p><p>Die Liste der Anklagepunkte gegen Milne lautet wie folgt: Als Oxford-Student hielt er sich 1977, auf dem H&ouml;hepunkt des B&uuml;rgerkriegs, bei einer Gruppe linker militanter Pal&auml;stinenser in Beirut auf. Auf einer Reise nach Jerusalem zusammen mit Corbyn traf er zwei Mitglieder der Hamas. Die Reise wurde von MEMO bezahlt, einer britischen Organisation, die sich f&uuml;r die Sache der Pal&auml;stinenser einsetzt. Kurz nach der Annexion der Krim durch Russland leitete Milne ein von Wladimir Putin organisiertes Treffen in Sotschi, dessen Kosten von den Russen getragen wurden.<br>\nLassen Sie mich mit Letzterem anfangen. Das Treffen, das Milne leitete, wurde organisiert vom Valdai International Discussion Club. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von etwa 40 Russlandexperten, Journalisten, Wissenschaftlern und Geheimdienstanalysten, die sich einmal im Jahr mit Putin treffen. Milne befand sich in guter Gesellschaft. Die New York Times, der Economist, die Financial Times, die Times und das Brookings Institut waren aus unterschiedlichen Gr&uuml;nden Stammg&auml;ste.<\/p><p>F&uuml;r die Journalisten war es ein Einstieg. F&uuml;r die US-Analysten war es Geheimdienstt&auml;tigkeit. Bei den Medien gab es unterschiedliche Regeln, ob sie die &uuml;berschw&auml;ngliche Gastfreundschaft akzeptieren sollten. Die New York Times und Financial Times bestanden darauf, die Reise selbst zu bezahlen. Die anderen Medien, einschlie&szlig;lich The Guardian, waren weniger pingelig. Der einzige Grund, warum Milne als Guardian-Journalist eingeladen wurde, war meine vorausgegangene Absage. Als ich h&ouml;rte, dass Putin die gleichen Spr&uuml;che wie im Vorjahr benutzte, dachte ich, es reicht. Milne wurde urspr&uuml;nglich f&uuml;r einen Vortrag nach Sotschi eingeladen und stellte bei seiner Ankunft fest, dass er die Veranstaltung leiten sollte, ein &uuml;bliches Vorgehen bei Treffen dieser Art. <\/p><p>Der Grund f&uuml;r die Aufregung beim Guardian war urspr&uuml;nglich, dass er nach der inakzeptablen Annexion von Teilen der Ukraine durch Russland nach Sotschi flog. Milne hatte einen Anruf von Jonathan Freedland erhalten, als sein Flugzeug bereits auf dem Rollfeld stand, obwohl die Reise bereits von der Abteilung f&uuml;r Auslandsreisen genehmigt war, bei der man Ziel und Finanzierung der Reise angeben musste. Seltsamerweise waren Timothy Garton Ashs Reisen keine solche Aufmerksamkeit zuteil geworden, weil die Kosten von Regierungen &uuml;bernommen worden waren, die als Verb&uuml;ndete galten.<\/p><p><strong>Der MI6 kuschelt mit Putin<\/strong><\/p><p>Aber die Liste der Organisationen, die enge Beziehungen zu Putin pflegen, ist nicht vollst&auml;ndig. Ich habe ein paar Informationen f&uuml;r Dearlove und f&uuml;r die Mail on Sunday, wer sonst noch in Valdai war und &bdquo;mit Putin kuschelte&rdquo;. Es ist jemand, der Dearlove nicht unbekannt sein kann: sein Nachfolger beim MI6 und dem Joint Intelligence Committee, Sir John Scarlett. Wir hatten zusammen etwas getrunken. Scarlett reiste mit einem nagelneuen britischen Pass, der f&uuml;r den Besuch bereinigt worden war. <\/p><p>Scarletts Treffen mit Putin fand in einem bizarren Rahmen statt, der von den ebenfalls an dem Valdai-Treffen teilnehmenden Mitarbeitern des Brookings-Instituts Fiona Hill und Clifford Gaddy, die gemeinsam eine Biografie des russischen Pr&auml;sidenten verfassten, genau beschrieben wurde.<br>\nHill, ebenfalls Britin, sa&szlig; 2010 neben Putin, ist heute Donald Trumps Chefberaterin in Russlandfragen und wird als jemand mit einem m&auml;&szlig;igenden Einfluss angesehen. Offenbar wird Hill vom MI6 nicht als Sicherheitsrisiko eingestuft, trotz ihrer langen und engen Beziehung zu Putin.<br>\nDie Begegnung zwischen Putin und Scarlett fand in einer ehemaligen sowjetischen Molkerei statt, die zu einem Reitsportzentrum f&uuml;r die neue russische Elite umgebaut worden war und versteckt in den W&auml;ldern bei Moskau lag. Putin war es leid, sich uns an offiziellen Verhandlungsorten zu pr&auml;sentieren. Er wollte sich als Vertreter des neuen Russlands zeigen &ndash; reich, selbstbewusst und direkt.<br>\nDie Kulisse, ein h&ouml;lzernes Jagdschl&ouml;sschen, erwies sich als ein weiterer Teil des aufw&auml;ndigen pr&auml;sidialen Theaters. Wir fanden heraus, dass es extra f&uuml;r dieses gemeinsame Essen umgebaut worden war.&nbsp;<\/p><p>Hier sa&szlig;en ungef&auml;hr 40 von uns an Tischen auf B&ouml;cken, die ein gro&szlig;es Quadrat bildeten. Putin sa&szlig; ungef&auml;hr sieben Pl&auml;tze von mir entfernt. W&auml;hrend einer mehr als zweieinhalbst&uuml;ndigen Frage-und-Antwort-Runde bemerkten wir, dass der Pressesprecher Dimitry Peskov seinem Chef zwei Notizzettel zusteckte, die dieser in seine Brusttasche schob.  Auf dem einen machte Peskov seinen Chef darauf aufmerksam, dass Scarlett anwesend war und gegen&uuml;ber in der &auml;u&szlig;ersten linken Ecke des Quadrats sa&szlig;. Dem ehemaligen KGB-Mann war es wichtig, den MI6-Mann in der elit&auml;ren Tafelrunde willkommen zu hei&szlig;en. Traditionell liefen Treffen von zwei Meisterspionen aus dem Ruder. <\/p><p>Peskov sagte Putin, dass Scarlett der mit der rote Mohnblume war. Das Problem war aber, dass das Treffen am Jahrestag des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkrieges stattfand und mehrere britische Teilnehmer bei dem Abendessen Mohnblumen trugen. Putin, kurzsichtig, aber zu eitel, um Kontaktlinsen zu tragen, ging auf Anatol Lieven, einen britischen Wissenschaftler, zu und brachte seine Anerkennung zum Ausdruck, dass er den MI6 von 2004 bis 2009 geleitet hatte. Lieven war verwirrt, als Putin ihn als &bdquo;ehemaligen Kollegen&rdquo; bezeichnete.<\/p><p>Dearlove kann das nicht aus seinem Ged&auml;chtnis gel&ouml;scht haben. Er kann auch nicht vergessen haben, wie er, Dearlove, daf&uuml;r gesorgt hatte, dass sein Chef Tony Blair Putin unterst&uuml;tzte, als er gerade erst Premierminister war. Er gestand einmal ein, dass er es bereut hatte, das Treffen zwischen Blair und Putin in Sankt Petersburg arrangiert zu haben. Milnes H&auml;ndesch&uuml;tteln mit Putin ist Verrat. Aber ist es das von MI6-Scarlett etwa nicht? <\/p><p><strong>Der dritte Mann<\/strong><\/p><p>Es gibt eine weitere bedeutende Erinnerungsl&uuml;cke in dem Bericht &uuml;ber Milnes und Corbyns Treffen mit zwei Hamas-Mitgliedern bei einer von MEMO finanzierten Reise. Von MEMO eingeladen zu werden, ist keine Schande. Jack Straw und Paddy Ashdown sprachen beide auf MEMO-Konferenzen.<br>\nDie beiden Hamas-M&auml;nner waren gew&auml;hlte Mitglieder des Pal&auml;stinensischen Legislativrats, die aus Protest gegen die Anordnung eines israelischen Gerichts, sie in die Westbank zu deportieren, in Jerusalem ein Zelt aufgeschlagen hatten. Jeder Journalist, den ich damals kannte, besuchte sie dort, ich selbst eingeschlossen. <\/p><p>Der Erinnerungsl&uuml;cke ist jedoch wesentlich schlimmer. Es war ein dritter Mann dabei, der sp&auml;ter aus dieser nun als belastend geltenden Begegnung wegretouchiert wurde. Es war kein Geringerer als der &bdquo;gem&auml;&szlig;igte&rdquo; Labour-Abgeordnete Andy Slaughter, der  F&uuml;hrer dieser Gruppe. Slaughter trat aus Corbyns Riege zur&uuml;ck, daher ist er offensichtlich kein Corbyn-Anh&auml;nger. Aber er traf sich mit der Hamas und verbr&uuml;derte sich genau so eng mit ihr wie Corbyn und Milne. Warum wurde seine Spur aus diesem belastenden Beweisst&uuml;ck getilgt?<\/p><p>Milne nahm an der MEMO-Reise als Kolumnist teil. Als der Druck auf den Guardian zunahm, bezahlte Reisen zuzugeben, stellte Milne fest, dass die britische Pro-Israel-Lobby BICOM in den letzten Jahren mehr als 50 Israel-Besuche von Guardian-Journalisten arrangiert hatte, ohne dass eine bezahlte Reise von der Zeitung zugegeben wurde. Viele Guardian-Journalisten, auch ich selbst, nahmen mehrfach an von BICOM finanzierten Reisen teil.<\/p><p>Ich wei&szlig; pers&ouml;nlich nichts &uuml;ber Milne vor seiner Zeit beim Guardian. Er ging 1977 w&auml;hrend seines Oxford-Studiums nach Beirut. Das war mitten in einem erbitterten B&uuml;rgerkrieg und er bewegte sich inmitten einer Reihe linker pal&auml;stinensischer Gruppen, die von einer so radikalen Organisation wie der PLO kontrolliert wurden, die Israel schlie&szlig;lich anerkannte. Damit endet die Geschichte.<br>\nNein, das tut sie nicht. Kein Detail aus Milnes Strafregister ist zu unbedeutend, um ausgelassen zu werden.<\/p><p><strong>Es geht um Israel<\/strong><\/p><p>Ich werde mit zwei Beobachtungen enden. Die Labour-Party k&ouml;nnte sich sehr wohl spalten, wenn es weitere Abtr&uuml;nnige gibt. <strong>Diese Interventionen von Gespenstern der Vergangenheit sind nicht zuf&auml;llig und tauchen auch nicht zum falschen Zeitpunkt auf. Sie sind ein direkter Versuch, einen popul&auml;ren und demokratisch gew&auml;hlten F&uuml;hrer davon abzuhalten, Premierminister zu werden. Sie untergraben also die britische Demokratie aktiv, bewusst und zynisch.<\/strong> Sie d&uuml;rfen Corbyn m&ouml;gen oder verabscheuen, das ist Ihre Angelegenheit. Aber Sie werden niemals Ihre Meinung an der Wahlurne kundtun k&ouml;nnen, wenn diese M&auml;nner sich durchsetzen. Und wie w&uuml;rden Sie sich f&uuml;hlen, wenn die bei Corbyn verwendeten Taktiken bei Ihnen angewandt w&uuml;rden? Was w&uuml;rden Sie tun, wenn Ihr Charakter wiederholt beschmutzt w&uuml;rde und Sie keine M&ouml;glichkeit zur Rehabilitation h&auml;tten? Wollen Sie, dass in &bdquo;der Mutter aller Parlamente&rdquo; Politik auf diese Weise stattfindet?<br>\nAu&szlig;erdem geht es in dieser Debatte &uuml;ber Antisemitismus in der Labour-Party nur um Israel und um die Frage, ob Antizionismus tats&auml;chlich antisemitisch ist. Es gibt viele britische Juden, die Corbyn unterst&uuml;tzen, sich nicht durch Corbyns pro-pal&auml;stinensische Haltung bedroht f&uuml;hlen und dies in einem Brief an den Guardian zum Ausdruck brachten. <\/p><p>Das Problem liegt beim Board of Deputies [of the British Jews], das behauptet, f&uuml;r alle Juden in Gro&szlig;britannien zu sprechen. Sie sind die F&uuml;hrungspersonen, die sich bei jeder einzelnen Anklage des Antisemitismus selbst zu Richtern, Geschworenen und Henkern ernannt haben.<br>\nIhre Behauptung ist in fataler Weise fehlerhaft, wenn sie sich nicht einmal dazu durchringen k&ouml;nnen, Benjamin Netanyahu daf&uuml;r zu verurteilen, dass er mit den Anh&auml;ngern des verstorbenen Meir Kahane ein politisches B&uuml;ndnis geschlossen hatte.<\/p><p>Seine Kach-Partei wurde verboten, nachdem der Unterst&uuml;tzer Baruch Goldstein vor 25 Jahren 29 Pal&auml;stinenser beim Gebet in der H&ouml;hle der Patriarchen bei der Moschee in Hebron ermordet hatte. Dieses Massaker f&uuml;hrte zu den ersten Selbstmordattentaten der Hamas. Die zur Likud-Partei neigende AIPAC verurteilte den israelischen Premierminister, aber das Board of Deputies schloss sich dem nicht an.<\/p><p>Die amerikanische Partnerorganisation des Board, das American Jewish Committee, schrieb: &bdquo;Die Ansichten von Otzma Yehudit sind verwerflich. Sie spiegeln nicht den Kern der Werte wider, die das eigentliche Fundament des Staates Israel bilden.&rdquo;<\/p><p>Aber das Board of Deputies schwieg. Tal Ofer, der stellvertretende Vorsitzende, twitterte am Freitag: &ldquo;@BoardofDeputies sagte, dass es sich w&auml;hrend der Wahlen nicht zu politischen Parteien und Kandidaten &auml;u&szlig;ern will.&rdquo;<\/p><p>Wirklich? Es hat nie aufgeh&ouml;rt, zu Anfang, Mitte und Ende des Wahlkampfes Corbyn und Labour zu kommentieren und zu verurteilen. Dies ist moralische Feigheit und Heuchelei h&ouml;chsten Ranges und das Herzst&uuml;ck des Kampfes, der nicht nur die Labour Party, sondern auch die britische j&uuml;dische Gemeinschaft zerrei&szlig;t.<\/p><p>McCarthy w&uuml;rde in seinem Grab l&auml;cheln.<\/p><p>Titelbild: 1000 Words \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kampagnen der britischen Medien gegen den Labour-Chef Jeremy Corbyn werden von Tag zu Tag h&auml;rter und unappetitlicher. In einer neuen Kampagne zielt man nun auf Corbyns Kommunikationsberater Seumas Milne, um den Mann hinter ihm zu treffen. Es geht um Russland und Pal&auml;stina und wieder einmal schwingt auch der Antisemitismusvorwurf mit, mit dem Corbyn schon<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49821\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":49822,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,123,20],"tags":[1561,469,2292,822,1560,2597,303,915,259,1989],"class_list":["post-49821","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antisemitismus","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","tag-corbyn-jeremy","tag-grossbritannien","tag-guardian","tag-hamas","tag-labour-party","tag-mccarthyismus","tag-palaestina","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-waldai-konferenz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/shutterstock_596091488.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49821","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49821"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49821\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49885,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49821\/revisions\/49885"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/49822"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49821"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49821"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49821"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}