{"id":50035,"date":"2019-03-11T11:12:12","date_gmt":"2019-03-11T10:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50035"},"modified":"2019-03-11T14:44:15","modified_gmt":"2019-03-11T13:44:15","slug":"lafontaine-hat-hingeschmissen-ein-musterbeispiel-fuer-die-moeglichkeit-totaler-manipulation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50035","title":{"rendered":"\u201eLafontaine hat hingeschmissen\u201c \u2013 ein Musterbeispiel f\u00fcr die M\u00f6glichkeit totaler Manipulation"},"content":{"rendered":"<p>Heute vor 20 Jahren ist Oskar Lafontaine als Finanzminister und SPD-Vorsitzender zur&uuml;ckgetreten. Die Meinung der Medien und auch eines beachtlichen Teils der &Ouml;ffentlichkeit zu diesem Vorgang ist ein wirklich eindrucksvolles Beispiel f&uuml;r die M&ouml;glichkeit, die &ouml;ffentliche Meinung und vor allem die Meinung der Medien zu pr&auml;gen &ndash; unabh&auml;ngig von dem, was wirklich war und welches die Hintergr&uuml;nde f&uuml;r den R&uuml;ckzug waren. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6066\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-50035-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190311_Lafontaine_hat_hingeschmissen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190311_Lafontaine_hat_hingeschmissen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190311_Lafontaine_hat_hingeschmissen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190311_Lafontaine_hat_hingeschmissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=50035-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190311_Lafontaine_hat_hingeschmissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190311_Lafontaine_hat_hingeschmissen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Man m&uuml;sste &uuml;ber dieses Thema nicht mehr schreiben, wenn es nicht aktuelle Relevanz h&auml;tte<\/strong><\/p><p>Lafontaines &Auml;u&szlig;erungen und Meinungen sind auch heute noch anst&ouml;&szlig;ig. Sie st&ouml;ren und bedrohen die in Gang befindliche Anpassung der Etablierten im linken Lager an den neoliberalen und milit&auml;risch gepr&auml;gten Zeitgeist. Lafontaine wendet sich gegen milit&auml;rische Interventionen. Lafontaine kritisiert eine europapolitische und wirtschaftspolitische Linie, die den S&uuml;den Europas abh&auml;ngt. Er spie&szlig;t die neoliberale Ideologie am konsequentesten auf. Das ist im letzten Teil eines Gespr&auml;ches mit dem Saarl&auml;ndischen Rundfunk gegen Ende des Interviews ganz gut herausgesch&auml;lt worden. Siehe hier: &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.sr.de\/sr\/sr2\/sendungen_a-z\/uebersicht\/interview_der_woche\/20190309_idw_oskar_lafontaine_die_linke100.html?fbclid=IwAR198JoSmYVoS4Eu72fKg_hOTL1CYBRk0tUo6XHZsXZyCLYnXq7qbVZa6WI\">20 Jahre nach dem Bruch mit der SPD<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Lafontaine gilt als St&ouml;rfaktor beim Versuch, auch der Linkspartei die kritischen Z&auml;hne zu ziehen, und er st&ouml;rt immer wieder auch als Kritiker des Anpassungskurses der SPD. Die Entwertung und Schm&auml;hung seiner Gr&uuml;nde f&uuml;r den R&uuml;ckzug vor 20 Jahren sind ein wichtiges Instrument zur Entwertung seiner Haltung von heute. Deshalb hier wieder einmal der Versuch, die Schl&uuml;ssigkeit seiner Entscheidung von vor 20 Jahren zu begr&uuml;nden.<\/p><p><strong>Die Gr&uuml;nde f&uuml;r den R&uuml;ckzug &ndash; gravierende Meinungsunterschiede zu Kanzler Schr&ouml;der und die Erkenntnis, dass Schr&ouml;der &uuml;ber Bande, weitgehend &uuml;ber die Medien, gegen den Parteivorsitzenden Lafontaine spielt.<\/strong><\/p><p>Die drei gro&szlig;en Differenzen:<\/p><ol>\n<li>Gerhard Schr&ouml;der und Joschka Fischer, die designierten Kanzler und Vizekanzler, haben schon bei ihrem Besuch im Washington im Oktober 1998 der US-Administration zugesagt, in einem Krieg gegen das Rest-Jugoslawien, dem sp&auml;teren Kosovo-Krieg, mitzumachen. Das war dann die erste milit&auml;rische Intervention im Ausland au&szlig;erhalb des NATO-Territoriums und ein wirklicher Bruch der deutschen Politik. Das war nicht abgesprochen mit dem Parteivorsitzenden Lafontaine und ein erster wirklicher Vertrauensbruch.<\/li>\n<li>Lafontaine wollte als Bundesfinanzminister eine Regulierung der Finanzm&auml;rkte durchsetzen und wandte sich insbesondere gegen die Erfindung und Nutzung immer neuer sogenannter Finanzprodukte. Das war nicht im Sinne Gerhard Schr&ouml;ders und seiner offensichtlich damals schon vorhandenen Verbindungen zur internationalen Finanzwirtschaft.<\/li>\n<li>Lafontaine war ein Hindernis gegen den Sozialabbau und die Steuersenkungen zugunsten gro&szlig;er Unternehmen und hoher Einkommen. &ndash; Ab Dezember 1998 gab es das B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit im Bundeskanzleramt. Diese wesentlich von der Bertelsmann-Stiftung gef&uuml;tterte und beeinflusste Versammlung diente auch der Vorbereitung der Agenda 2010. Lafontaine musste im Winter und Fr&uuml;hjahr 1999 also schon wissen, was Schr&ouml;der plant und von wem er getrieben ist.<\/li>\n<\/ol><p>Zwischen Schr&ouml;der, dem Bundeskanzler, und Lafontaine, dem SPD-Parteivorsitzenden, gab es wohl eine Abrede, dass &Auml;nderungen der gro&szlig;en Linie einvernehmlich gekl&auml;rt werden sollten. Daran hielt sich Gerhard Schr&ouml;der von Anfang an nicht.<\/p><p>Nach Aussagen von Lafontaine &ndash; siehe auch das oben verlinkte Gespr&auml;ch mit dem Saarl&auml;ndischen Rundfunk &ndash; war dann eine von der Bild-Zeitung ver&ouml;ffentlichte &Auml;u&szlig;erung Schr&ouml;ders, er wolle Lafontaines Wirtschaftspolitik nicht mittragen. Das war dann wohl der Tropfen, der das Fass zum &Uuml;berlaufen brachte.<\/p><p><strong>Gab es eine Chance, im Amt zu bleiben und dort politisch zu &uuml;berleben? Als Finanzminister? Als Parteivorsitzender? Aus meiner Sicht bei beidem: Nein!<\/strong><\/p><p>Lafontaine musste sp&auml;testens im M&auml;rz 1999 klar sein, dass der Meinungsunterschied mit dem Bundeskanzler Schr&ouml;der kein punktueller sein w&uuml;rde, es war klar, dass er mit allen Mitteln gemobbt werden sollte. &ndash; F&uuml;r mich war das damals keine neue Erfahrung, ich hatte das gleiche Spiel im April und Mai 1974 beim R&uuml;cktritt Willy Brandts als Bundeskanzler erlebt. Ich war damals Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt und nahe dran am Geschehen. Damals gab es das gleiche Zusammenspiel von politischen Gegnern in den anderen Parteien mit Leuten aus den eigenen Reihen, und das Ganze war getragen von einschl&auml;gigen Medien. Willy Brandt wurden zum Beispiel Weibergeschichten angedichtet. Damit wurde zugleich seine angebliche Abh&auml;ngigkeit vom DDR-Spion Guillaume, dem eine Vermittlerrolle zugeschrieben wurde, unterf&uuml;ttert. Gef&uuml;gige Medien und sogenannte Parteifreunde gab es damals wie 1999 dann auch im Falle Lafontaine.<\/p><p>Die Medienkampagne lief bei Lafontaine sogar &uuml;ber ausl&auml;ndische Medien. So erschien im britischen Boulevardblatt Sun ein Artikel mit der Behauptung, Lafontaine sei der gef&auml;hrlichste Mann Europas. Im Innern musste dem damaligen SPD-Vorsitzenden Lafontaine klar sein, dass er gegen die Medienst&auml;rke der Umgebung von Gerhard Schr&ouml;der nicht ankommen w&uuml;rde. Schr&ouml;der hatte mit Bodo Hombach, Wolfgang Clement und Uwe Karsten Heye Personen an Bord, die das Spiel mit den Medien &auml;u&szlig;erst professionell betreiben konnten. Dagegen anzukommen, war ausgesprochen schwierig, noch dazu deshalb, weil die Position des Bundeskanzlers medial um Vieles interessanter und st&auml;rker ist, als die eines Finanzministers und SPD-Vorsitzenden.<\/p><p>Oskar Lafontaine deutet neuerdings an, dass es vielleicht besser gewesen w&auml;re, wenigstens als Parteivorsitzender im Amt zu bleiben. Das halte ich f&uuml;r eine Fehleinsch&auml;tzung. Die Muster der Kampagne gegen einen Parteivorsitzenden, der parallel zum Bundeskanzler der gleichen Partei im Amt ist, kannten wir ebenfalls aus der Vergangenheit: als Willy Brandt vom Amt des Bundeskanzlers zur&uuml;ckgetreten war, blieb er Parteivorsitzender und spielte eine ausgesprochen positive Rolle in der Politik und insbesondere bei Wahlk&auml;mpfen. Das begreift man sofort, wenn man einmal begriffen hat, dass eine Volkspartei wie die SPD (und die CDU\/CSU) nur stark ist, wenn sie <strong>vielf&auml;ltig auftritt<\/strong>. Deshalb war die damalige Kampagne schon rundum falsch. Die Trennung der &Auml;mter in Helmut Schmidt als Bundeskanzler und Willy Brandt als Parteivorsitzender hat dem Ansehen der SPD und ihren Wahlchancen keineswegs geschadet, sondern immer genutzt, selbst bei Differenzen im Detail. Nur bei jenen vielen Parteistrategen und Medien, die die Geschlossenheit wie eine Monstranz vor sich hertragen, ist noch nicht angekommen, dass programmatische und personelle Pluralit&auml;t bei den Volksparteien wie CDU\/CSU und (damals) SPD eine der wichtigen Voraussetzungen f&uuml;r gute Wahlergebnisse darstellt.<\/p><p><strong>Lafontaine hat auch Fehler gemacht<\/strong><\/p><p>Vor allem nach dem R&uuml;cktritt, zweifellos. Er h&auml;tte Medienarbeit machen sollen. Er h&auml;tte sogar auf Parteiversammlungen auftreten sollen. Er h&auml;tte seinen Schritt erkl&auml;ren sollen. Gut, das sagt man heute so leicht. Es gibt ja auch noch die Psyche eines Menschen. Aber in der Politik muss man wahrscheinlich einkalkulieren, dass man unter die R&auml;der kommt, wenn man schweigt und wichtige eigene Entscheidungen nicht ausreichend umfangreich und ausreichend inhaltsreich erkl&auml;rt.<\/p><p><strong>Hier noch ein paar Produkte unserer Medien zur Erinnerung an die Zeit vor 20 Jahren:<\/strong><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/video\/sendungen\/aktuelle-stunde\/video-so-wars-ruecktritt-finanzminister-oskar-lafontaine-aus-der-spd-100.html%20\">So war&rsquo;s: R&uuml;cktritt Finanzminister Oskar Lafontaine aus der SPD<\/a><\/strong>\n<p>Aktuelle Stunde | 09.03.2019 | 05:33&nbsp;Min.&nbsp;| Verf&uuml;gbar bis 09.03.2020 | WDR | Von Henry Bischoff<\/p>\n<p>Vor 20 Jahren geht eine politische Schockwelle durch das Land. Der Ausl&ouml;ser: Oskar Lafontaine &ndash; zu der Zeit SPD-Vorsitzender und Bundesfinanzminister der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung. Am 11.3.1999 geht im Kanzleramt ein Schreiben von ihm ein: &ldquo;Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich trete hiermit als Bundesminister der Finanzen zur&uuml;ck. Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en, Oskar Lafontaine&rdquo;.<\/p>\n<p>&hellip;<\/p><\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/eine-lange-nacht-ueber-die-zukunft-der-volksparteien-seht.704.de.html?dram:article_id=441030\">Eine Lange Nacht &uuml;ber die Zukunft der Volksparteien<\/a><\/strong>\n<p>Seht, was aus uns geworden ist!<\/p>\n<p>Die Volksparteien CDU\/CSU und SPD konnten bei den Landtagswahlen im Herbst letzten Jahres gemeinsam nicht einmal mehr als die H&auml;lfte aller W&auml;hlerinnen und W&auml;hler f&uuml;r sich gewinnen. Doch was bedeutet diese Fragmentierung f&uuml;r die Republik im 70. Jahr des Grundgesetzes?<\/p>\n<p><em>Moderation: Birgit Wentzien<\/em><\/p>\n<p>Oskar Lafontaine schmei&szlig;t im M&auml;rz 1999 als Bundesfinanzminister und als Parteichef der SPD hin. Lafontaine hatte seine Partei begeistert wie kaum ein anderer und dann verletzt wie kein Zweiter. Seine Geschichte ist das extreme Beispiel f&uuml;r Aufstieg und Fall eines SPD-Vorsitzenden. Neun Vorsitzende hat die SPD in knapp drei Jahrzehnten verschlissen, mehr als jede andere Partei. Fast alle erlebten eine politische Achterbahnfahrt mit Jubel zu Beginn, keimenden Zweifeln und tiefen Abst&uuml;rzen danach. Mancher startete als Messias, wie zuletzt Martin Schulz. Viele scheiterten auch aufgrund vollkommen &uuml;berzogener Erwartungen.<\/p>\n<p>Die Koordinaten des deutschen Parteiensystems insgesamt verschieben sich. Seit Jahren schmelzen in fast allen L&auml;ndern Europas die traditionellen Lager zugunsten rechter Randparteien und neuer Gruppierungen zusammen. Die bundesrepublikanische Parteienlandschaft &ndash; so betrachtet &ndash; wird europ&auml;isch.<\/p>\n<p>Was bedeutet diese Fragmentierung f&uuml;r die Republik im 70. Jahr des Grundgesetzes? In welcher Verfassung sind die Parteien und was hei&szlig;t das f&uuml;r das Land? Wohin geht die Reise zwei Jahrzehnte nach der Flucht Oskar Lafontaines?<\/p>\n<p>Dar&uuml;ber diskutieren in dieser Langen Nacht: Marieluise Beck, G&uuml;nter Bannas, G&uuml;nther Beckstein, Rudolf Dressler, Albrecht von Lucke, Sergej Lochthofen.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung dazu:<\/strong> Diese Sendung vom vergangenen Samstag Nacht enthielt eine Erkl&auml;rung von Rudolf Dressler, die weitgehend mit dem &uuml;bereinstimmt, was ich oben formuliert hatte. Sie enthielt dar&uuml;ber hinaus einige gravierende Geschichtsklitterungen, Fehlinterpretationen und falsche Analysen &ndash; an herausragender Stelle von Seiten des als progressiv dargestellten Albrecht von Lucke, Redakteur bei den &bdquo;Bl&auml;ttern&ldquo;. Lucke machte den Niedergang der SPD an Oskar Lafontaines R&uuml;cktritt von vor 20 Jahren fest. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, die ablenkt sowohl von der Rolle der Agenda 2010 als auch der Entt&auml;uschung &uuml;ber die Umorientierung der SPD von der Friedenspartei zur milit&auml;rischen Interventionspartei, die mit dem Kosovo-Krieg begonnen wurde.<\/p>\n<p>Interessant ist auch eine Sendung im Deutschlandfunk von vor zehn Jahren. Dort werden die Differenzen bei der Frage der Regulierung der Finanzm&auml;rkte recht gut herausgesch&auml;lt:<\/p><\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hatte-oskar-lafontaine-recht.1330.de.html?dram:article_id=195001\">Hatte Oskar Lafontaine recht?<\/a><\/strong>\n<p>Ja, zumindest in einem Punkt. Im Hinblick auf die Entwicklung der internationalen Finanzm&auml;rkte lautet das Lafontainesche Credo seit Jahren: Der Staat muss die Spielregeln festlegen und viel st&auml;rker regulieren, als er es gegenw&auml;rtig tut. Daf&uuml;r lie&szlig; er sich schelten.<\/p>\n<p>Von Tonia Koch<\/p>\n<p>Lafontaine: &ldquo;Damals habe ich schon gesagt, wir d&uuml;rfen diese Spekulationswirtschaft nicht zulassen. Wir brauchen eine Kontrolle des Kapitals und wir brauchen eine Stabilisierung der Wechselkurse. Die englische &bdquo;Sun&ldquo;, das ist so etwas wie die Bild-Zeitung, sie hetzte, ich sei der gef&auml;hrlichste Mann Europas. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Diejenigen, die gedankenlos und verantwortungslos spekulieren, ruinieren die Weltwirtschaft, wir m&uuml;ssen endlich wieder Schranken setzen und Regulierungen durchf&uuml;hren.&ldquo; <\/p>\n<p>Der von vielen als selbsternannter Welt&ouml;konom verspottete Lafontaine beschreibt bereits 1998 die Folgen eines ungez&uuml;gelten Kapitalismus. In seinem Buch mit dem Titel: Keine Angst vor der Globalisierung, Wohlstand und Arbeit f&uuml;r alle, hei&szlig;t es. <\/p>\n<blockquote><p>\nDie Risiken der aufgebl&auml;hten Geld- und Kapitalm&auml;rkte sind gro&szlig;, ihre Kosten erheblich. Immer h&auml;ufiger kommt es zum Zusammenbruch von Banken, wodurch das gesamte System bedroht wird. Da t&auml;glich neue Finanzierungsinstrumente geschaffen werden, f&uuml;r die keine Regeln bestehen, werden sich Bankenkrisen in Zukunft h&auml;ufen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Bis vor wenigen Monaten wussten die meisten Menschen nicht, was sich unter dem verharmlosenden Begriff Finanzprodukte verbirgt. Hinter den meisten Finanzprodukten stehen eben keine Produkte sondern Wetten. Wetten darauf, dass sich Weltmarktpreise f&uuml;r Rohstoffe, Zinsen oder W&auml;hrungen nach oben oder nach unten bewegen. Von Briten und Amerikanern einmal abgesehen, begegneten die Europ&auml;er diesen Finanzprodukten zun&auml;chst skeptisch. Sie willigten dennoch ein, dass sich die europ&auml;ischen Geldh&auml;user an den Transaktionen der Investmentfirmen beteiligten. Die Kontrolle &uuml;berlie&szlig;en sie dabei privaten Agenturen, diese sollten die Risiken einsch&auml;tzen. Ein Fehler &ndash; so Lafontaine &ndash; in seinem 1999 erschienen Buch: Das Herz schl&auml;gt links.<\/p>\n<blockquote><p>\nEin weltweites Spielcasino war er&ouml;ffnet. In diesem Spielcasino verspielten die Leute aber nicht wie im normalen Spielcasino ihr eigenes Geld, vielmehr hatten sich insbesondere die Hedge-Fonds Geld von den Banken geliehen und setzten es international zu Zwecken der Spekulation ein.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob die aktuelle Krise h&auml;tte verhindert werden k&ouml;nnen, h&auml;tte es eine staatliche Regulierung gegeben, l&auml;sst sich im Nachhinein nicht sagen. Ebenso fraglich ist, ob sie h&auml;tte wirksam organisiert werden k&ouml;nnen. Das Kapital agiert international bis hin zur letzten Insel, die Politik hingegen tut dies nur selten. Aber selbst Hans Werner Sinn, Pr&auml;sident des Ifo-Institutes &ndash; in der Regel sicher nicht auf Lafontaine-Linie &ndash; kommt in einem Interview der FAZ zu dem Ergebnis. <\/p>\n<blockquote><p>\nDie Finanzkrise ist das Ergebnis einer volkswirtschaftlichen Ineffizienz der Regulierungssysteme, die den Banken viel zu viele Freiheiten gegeben haben.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Lafontaine darf sich als Mahner im Nachhinein best&auml;tigt f&uuml;hlen. Nur er selbst ist freilich an der Umsetzung der Forderung nach Regulierung gescheitert, das sollte nicht unerw&auml;hnt bleiben.<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Titelbild: 360b \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 20 Jahren ist Oskar Lafontaine als Finanzminister und SPD-Vorsitzender zur&uuml;ckgetreten. 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