{"id":50136,"date":"2019-03-14T08:35:38","date_gmt":"2019-03-14T07:35:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50136"},"modified":"2026-01-27T11:31:43","modified_gmt":"2026-01-27T10:31:43","slug":"fuer-das-gesundheitssystem-ist-gesundheit-bedrohlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50136","title":{"rendered":"F\u00fcr das Gesundheitssystem ist Gesundheit bedrohlich"},"content":{"rendered":"<p>Macht unser Gesundheitssystem gesund oder krank? <strong>Sven B&ouml;ttcher<\/strong>, Journalist und Autor, hat seine eigenen Erfahrungen mit dem &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46177\">Krankensystem<\/a>&ldquo;, wie er es nennt, gemacht. 4 Jahre lang litt er unter Multipler Sklerose. Der Schulmedizin und Pharmaindustrie hat er fr&uuml;h misstraut und ist einen anderen Weg gegangen. Nun hat er in seinem Buch &bdquo;Rette sich, wer kann &ndash; Das Krankensystem meiden und gesund bleiben&ldquo; seine Erfahrungen ver&ouml;ffentlicht. Im NachDenkSeiten-Interview legt B&ouml;ttcher seine Kritik an dem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46278\">Gesundheitssystem<\/a> dar und betont, wie wichtig der kritische Patient ist, der Behandlungen hinterfragt. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3732\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-50136-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190314_Fuer_das_Gesundheitssystem_ist_Gesundheit_bedrohlich_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190314_Fuer_das_Gesundheitssystem_ist_Gesundheit_bedrohlich_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190314_Fuer_das_Gesundheitssystem_ist_Gesundheit_bedrohlich_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190314_Fuer_das_Gesundheitssystem_ist_Gesundheit_bedrohlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=50136-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190314_Fuer_das_Gesundheitssystem_ist_Gesundheit_bedrohlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190314_Fuer_das_Gesundheitssystem_ist_Gesundheit_bedrohlich_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr B&ouml;ttcher, Sie kritisieren unser Gesundheitssystem. Warum? <\/strong><\/p><p>Weil es kein Gesundheitssystem ist, sondern ein Krankensystem. Das Ziel des Systems ist Wachstum, und Wachstum bedeutet mehr Behandlungen, also sind immer mehr Kranke erforderlich. Der Begriff &bdquo;Gesundheitssystem&ldquo; ist daher falsch gew&auml;hlt und f&uuml;hrt in die Irre.<\/p><p><strong>Warum macht unser Gesundheitssystem krank?<\/strong><\/p><p>Gesunde. <em>(Lacht)<\/em>. Das <em>System<\/em> ist ja nicht krank, sondern kerngesund, solange immer mehr <em>Menschen<\/em> krank sind oder werden. Das &bdquo;Gesundheitsministerium&ldquo; feiert allj&auml;hrlich die Zuw&auml;chse der Branche, was einigerma&szlig;en absurd ist, denn mehr Ausgaben f&uuml;r Behandlungen bedeuten ja nicht &bdquo;mehr Gesundheit&ldquo;, sondern weniger. Die Krankheitsbranche ist l&auml;ngst unser wichtigster Wirtschaftsmotor und generiert bereits 12-18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), mit besten Zukunftsaussichten. <\/p><p><strong>Das hei&szlig;t? Es geht in unserem Gesundheits- bzw. wie sie sagen: Krankensystem, nur ums Geld?<\/strong><\/p><p>Es geht grunds&auml;tzlich darum, Geld zu bewegen und diese Bewegung zu messen, nicht nur im Krankensystem. Die Erkenntnis ist ja nicht originell. Wir messen unser Wohlergehen mittels Kennziffer, mittels des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Steigt der Wert, geht es uns gut. Stagniert oder sinkt der Wert, geht es uns schlecht. Wir &uuml;bersehen dabei, dass das BIP als Messinstrument f&uuml;r unser Wohlergehen ungef&auml;hr so taugt wie ein Fieberthermometer zum Messen des Reifendrucks, aber es gelingt keinem, diese Teufelszahl aus der Welt zu schaffen. Das ist grunds&auml;tzlich verheerend, aber im Krankensystem sollte es uns doch endg&uuml;ltig als absurd auffallen. Weil es hier eben tats&auml;chlich lebensgef&auml;hrlich ist.  <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Unser Wohlergehen h&auml;ngt davon ab, dass es uns nicht wohl ergeht. W&auml;re die H&auml;lfte unserer derzeitigen &bdquo;Gesundheitskunden&ldquo; pl&ouml;tzlich gesund &ndash; tats&auml;chlich oder gef&uuml;hlt &ndash; w&uuml;rde unsere Wirtschaft zusammenbrechen. Die H&auml;lfte der Arbeitspl&auml;tze in der Krankenbranche w&auml;re weg, das BIP w&auml;re krank, die sozialen Systeme belastet, die Steuereinnahmen fehlten. Das geht nat&uuml;rlich nicht. Im Gegenteil, wir brauchen mehr Besch&auml;ftigung im Krankensystem, und am stabilsten l&auml;sst sich das mit immer mehr Kranken herstellen. J&ouml;rg Blech hat ja schon vor vielen Jahren ganz zurecht konstatiert, was unser Ziel sein muss: Die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung krank, die andere besch&auml;ftigt im Krankensystem. &Uuml;berschneidungen sind nat&uuml;rlich m&ouml;glich und durchaus erw&uuml;nscht.<\/p><p><strong>Das d&uuml;rfte aber schwierig werden.<\/strong><\/p><p>Nein. Es wird ja nicht mal verstanden, verst&auml;ndlicherweise. Sie kennen Ihren Sinclair, sinngem&auml;&szlig;: Es ist schwer, Dinge zu verstehen, wenn Ihr Einkommen davon abh&auml;ngt, dass sie sie nicht verstehen. Das ist die Behandlerseite. F&uuml;r den Patienten ist es aber noch t&uuml;ckischer, denn der wendet sich ans &bdquo;Gesundheitssystem&ldquo; und geht nat&uuml;rlich davon aus, dieses System wolle seine Gesundheit herstellen. Steht ja &uuml;ber dem Eingang. Aber f&uuml;r das System ist Gesundheit bedrohlich, siehe oben. So haben wir es also mit einem interessanten Missverst&auml;ndnis zu tun, denn in dieser Maschine h&auml;lt sich f&ouml;rmlich das Benzin f&uuml;r den Fahrgast. Das meint die Maschine aber gar nicht b&ouml;se. Man muss sich nur klarmachen, wie sie funktioniert.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch setzen Sie sich auch mit den &Auml;rzten auseinander. Welche Rolle kommt ihnen in diesem System zu?<\/strong><\/p><p>Erstens mache ich &Auml;rzten keinen Vorwurf &ndash; und auch sonst niemandem &ndash; zweitens ist das grunds&auml;tzliche Wahrnehmungsproblem von &Auml;rzten ja nichts Neues. Das haben schon Weizs&auml;cker und Illich beschrieben. Aber mit der Erfindung der Autoimmunerkrankungen haben die Mediziner es j&uuml;ngst tats&auml;chlich geschafft, den Menschen von seinem allerwichtigsten Verb&uuml;ndeten in der allt&auml;glichen Auseinandersetzung mit Angreifern aus Luft, Boden und Lebensmittelchemie zu <em>trennen<\/em>. Wer glaubt, von eigenen Immunsystem mutwillig verraten zu sein und dann auch noch glaubt, ein Arzt k&ouml;nne da helfend oder heilend eingreifen, der ist tats&auml;chlich verloren.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie bitte unseren Lesern erz&auml;hlen, wie Sie &uuml;berhaupt darauf gekommen sind, sich mit dem Thema Gesundheitssystem auseinanderzusetzen?<\/strong><\/p><p>Ich war zwischen 2005 und 2009 sehr krank. Die Diagnose lautet Multiple Sklerose, das hei&szlig;t, die Ummantelung der Nervenbahnen in meinem R&uuml;ckenmark und Gehirn geht kaputt, die Gr&uuml;nde sind der Schulmedizin nicht bekannt. Mein Krankheitsverlauf war in den ersten 4 Jahren extrem. Ich hatte einen &bdquo;Schub&ldquo; nach dem anderen, konnte nicht mehr arbeiten, habe dauernd alles doppelt gesehen, unter anderem, und lag schlie&szlig;lich mit gel&auml;hmten Extremit&auml;ten und einigen halbgel&auml;hmten inneren Organen im Krankenhaus, wo man dringend zur sogenannten Eskalationstherapie riet, also zum Einsatz eines monoklonalen Antik&ouml;rpers. Inzwischen ist man da etwas zur&uuml;ckhaltender, weil an dem Stoff zu viele Leute verstorben sind. Ich habe damals jedenfalls einen anderen Weg gesucht und gefunden als den von Schulmedizin und Pharmaindustrie dringend empfohlenen. <\/p><p><strong>Und sind wieder gesund geworden?<\/strong><\/p><p>Gesund ist relativ. Nach WHO-Definition bin ich nat&uuml;rlich nicht gesund, denn Gesundheit ist ja der Zustand vollst&auml;ndigen Wohlergehens in jeder Hinsicht, materiell, seelisch, k&ouml;rperlich. Danach w&auml;ren dann wohl maximal 5% der Menschen gesund, und zwar nur vitale 25-j&auml;hrige mit frischer Freundin und frischem Traumjob. Meine Definition von Gesundheit geht anders, zirka so: Entsprechend dem Lebensalter allein in der Lage, mit allem klarzukommen. Also bin ich gesund, ja.<\/p><p><strong>Aber nicht geheilt? Denn Multiple Sklerose ist ja unheilbar.<\/strong><\/p><p>Ja. Interessanter Begriff. Da reden &Auml;rzte und Patienten dauernd aneinander vorbei. Der Patient h&ouml;rt &bdquo;Das geht nie wieder weg!&ldquo;, der Arzt meint aber, sofern er ehrlich ist, &bdquo;Das wird nie wieder so wie gestern!&ldquo;. Was absurd ist. Denn nichts wird wieder so wie gestern, schon gar nicht ich, weil sich ja die Entropie nicht abschalten l&auml;sst. <\/p><p><strong>Haben Sie einen Ratschlag f&uuml;r die Kranken, die sich in diesem System bewegen?<\/strong><\/p><p>Machen Sie sich klar, dass das Ziel des Systems dem Ihren v&ouml;llig entgegensteht. Als Faustregel darf durchaus gelten: &bdquo;Damit gehen Sie mal besser nicht ganz schnell zum Arzt.&ldquo; Machen Sie sich klar, was Sie erwarten, was Sie beim Arzt wollen, was realistisch ist. Nat&uuml;rlich sind &Auml;rzte toll. &Auml;rzte k&ouml;nnen uns wieder zusammenn&auml;hen oder schienen, wenn wir verletzt werden. Es gibt tolle Medikamente (ca. 3% der Substanzen, die angeboten werden). Aber machen Sie sich auch klar, was Sie eigentlich meinen, wenn Sie als Gesundheitskunde zur &bdquo;Vorsorge&ldquo; gehen oder zur &bdquo;Fr&uuml;herkennung&ldquo;. Und lassen Sie sich keine Psychopharmaka mit eingebautem Sensor andrehen (wie &bdquo;Abilify MyCite&ldquo;), wenn sie nicht m&ouml;chten, dass die Anstaltsleitung ihre Compliance per App &uuml;berwacht. Die sollen doch bitte wenigstens bei Ihnen vorbeikommen und Ihnen weiterhin nach der Pillenausgabe unter die Zunge gucken, so viel Zeit muss ja wohl sein f&uuml;r Hausbesuche.<\/p><p><em>Lesetipp: B&ouml;ttcher, Sven: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=3&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwj8_NvCjIHhAhVBKFAKHRd5C1cQFjACegQIDRAB&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.westendverlag.de%2Fbuch%2Frette-sich-wer-kann%2F&amp;usg=AOvVaw3DBqit3Jkr8dCpaZwEd3vH\">Rette sich, wer kann &ndash; Das Krankensystem meiden und gesund bleiben<\/a>&ldquo;. Westend Verlag. 224 Seiten. 18 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Macht unser Gesundheitssystem gesund oder krank? <strong>Sven B&ouml;ttcher<\/strong>, Journalist und Autor, hat seine eigenen Erfahrungen mit dem &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46177\">Krankensystem<\/a>&ldquo;, wie er es nennt, gemacht. 4 Jahre lang litt er unter Multipler Sklerose. Der Schulmedizin und Pharmaindustrie hat er fr&uuml;h misstraut und ist einen anderen Weg gegangen. Nun hat er in seinem Buch &bdquo;Rette sich, wer<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50136\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,209],"tags":[373,928,929,402],"class_list":["post-50136","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-interviews","tag-oekonomisierung","tag-gesundheit","tag-krankheiten","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50136","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50136"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50136\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82535,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50136\/revisions\/82535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}