{"id":50192,"date":"2019-03-17T11:16:49","date_gmt":"2019-03-17T10:16:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50192"},"modified":"2019-03-18T07:42:33","modified_gmt":"2019-03-18T06:42:33","slug":"siebzig-jahre-nato-deutschland-ist-auf-die-schiefe-bahn-geraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50192","title":{"rendered":"Siebzig Jahre NATO: Deutschland ist auf die \u201eschiefe Bahn\u201c geraten."},"content":{"rendered":"<p>Das ist ein Beitrag von <strong>Willy Wimmer<\/strong> &ndash; mit interessanten Anmerkungen zu gravierenden Ver&auml;nderungen. Seine Bewertung der Bonner Republik f&auml;llt aus meiner Sicht etwas zu positiv aus. Aber diese Differenz ist unerheblich, gemessen an Wimmers notwendiger Kritik der neuen Entwicklung. Wir sind auf eine schiefe Bahn geraten. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Es folgt der Zwischenruf des fr&uuml;heren CDU-Abgeordneten und Parlamentarischen Staatssekret&auml;rs im Bundesverteidigungsministerium:<\/strong><\/p><p>Der Zustand, in dem sich Deutschland befindet, ist eine Zumutung f&uuml;r diejenigen, die noch die Bonner Republik erlebt haben. Bei allen Problemen, die es damals gab, konnte man ebenso auf eine freie und ausgewogene Presselandschaft wie auf eine tragf&auml;hige rechtsstaatliche Ordnung z&auml;hlen. Das zeigte sich bei der &bdquo;Spiegel-Aff&auml;re&ldquo; sogar in den jungen Jahren der Bundesrepublik . Es wurde um den besten Weg f&uuml;r das Deutschland der Bonner Republik gerungen. Selbst in &ouml;konomischer Hinsicht bewies man R&uuml;ckgrat gegen&uuml;ber dem amerikanischen Verb&uuml;ndeten beim Erdgas-R&ouml;hrengesch&auml;ft mit der ansonsten verfeindeten Sowjetunion. F&uuml;r die heutige junge Generation kann man das alles nicht mehr sagen. Sie haben keine eigene Erinnerung an die Bonner Republik und von Konrad Adenauer &uuml;ber Willy Brandt und Helmut Schmidt bis Helmut Kohl sind diese Pers&ouml;nlichkeiten so fern wie Karl der Gro&szlig;e. Das macht den Unterschied in und f&uuml;r Deutschland aus und es spricht vieles daf&uuml;r, dass wir und damit Deutschland daran zerbrechen werden.<\/p><p>Was macht den Unterschied denn aus? In der &Uuml;bersetzung der Luther-Bibel aus dem Jahre 1912 wird die Antwort auf die zuvor gestellte Frage mit absoluter Klarheit gegeben. Demokratischer als Martin Luther kann man es nicht ausdr&uuml;cken, wie er es in Jeremiah 29:7 formuliert: &bdquo;Suchet der Stadt Bestes, dahin ich Euch habe lassen wegf&uuml;hren&hellip;..denn wenn es ihr wohl geht, so geht`s auch euch wohl.&ldquo; Besser kann man es nicht ausdr&uuml;cken, wenn es darum geht, die Bonner Republik im Gegensatz zu dem, was uns heute aufs Gem&uuml;t geht, zu beschreiben. Man kann die gesamte Entwicklung seit 1949 als Referenzgrundlage f&uuml;r diese Aussage nehmen. Von den Fragen der Grundorientierung des westlichen Deutschland &uuml;ber die Sozialgesetzgebung und die Notstandsgesetze und die Ostvertr&auml;ge, von der Nachr&uuml;stung ganz zu schweigen, es wurde debattiert und gerungen. Den Menschen wurde sehr bewusst, dass es ihre Republik war, um die es ging. Der B&uuml;rger wurde als Souver&auml;n angesprochen und sah sich auch so. Es wurde um das Beste gerungen und das Ergebnis war eine aufgeschlossene, demokratische Gesellschaft mit allen Ecken und Kanten.<\/p><p>Der Unterschied zu heute? Landauf- und landab verk&uuml;nden uns die Regierenden, dass man darum wisse, was das Beste f&uuml;r das Land und die Menschen sei. Dabei brauche man weder Rat noch Widerspruch. Wer in dieser neuen Welt nicht spurt,<br>\ndem wird kein Platz in den Medien mit seinen Ansichten einger&auml;umt, dem wird das Bankkonto entzogen, er wird von Erichs Ex-Schergen gesinnungspolizeilich in die Mangel genommen. Parteien wirken nach ihrem grundgesetzlichen Auftrag nicht mehr an der Willensbildung im Staat mit, weil sich die Parteien dem B&uuml;rger nicht mehr stellen und in der Fl&auml;che genauso wenig anzutreffen sind wie im Dorf die Kneipe oder der Tante-Emma-Laden. In der Bonner Republik war es selbstverst&auml;ndlich f&uuml;r die Parteien, auf den B&uuml;rger und seine Ansichten zu h&ouml;ren und im besten Sinne des Wortes &bdquo;populistisch&ldquo; zu sein, nicht &bdquo;popul&auml;r&ldquo;. Es ist nichts mehr mit Luther und dem Sinnspruch aus Jeremiah. Daf&uuml;r haben wir in der Welt der Nicht-Regierungs- und Lobbyorganisationen f&uuml;r Globalkonzerne den neuen &bdquo;Verk&uuml;ndungs-Adel&ldquo;, der fest in seinen S&auml;tteln sitzt, solange kein &bdquo;Relotius&ldquo; aus dem &bdquo;Spiegel&ldquo; des Weges kommt.<\/p><p>F&uuml;r diese &bdquo;sch&ouml;ne, neue Welt&ldquo; der Nicht-Regierungs- und Lobbyorganisationen, die unseren ehemaligen demokratischen Staat heute dominieren, brauchen wir nat&uuml;rlich keinen Staatsapparat, der mit Leistungsst&auml;rke f&uuml;r die Zukunft das tradierte Wissen unseres Volkes und Landes im Auge hat. Weg damit, wie wir seit dem Umzug von Bonn nach Berlin gesehen haben. Daf&uuml;r gibt es Milliardenausgaben f&uuml;r angels&auml;chsisch dominierte Beratungsunternehmen, die an Deutschland gewiss das Interesse wie an einer &bdquo;Melk-Kuh&ldquo; haben. &bdquo;Deutschland kann mehr&ldquo;, aber nicht mit dieser Regierung und &uuml;berhaupt: Das ist nicht mehr gewollt.<\/p><p>Es ist in hohem Ma&szlig;e zweifelhaft, ob man sich demn&auml;chst noch einmal die Frage vorlegen kann, wo die &bdquo;schiefe Bahn&ldquo; diesmal f&uuml;r Deutschland anfing. Die Umst&auml;nde als solche sind eindeutig und klar. Man musste erst gar nicht auf die kruden Vorstellungen sogenannter &bdquo;Reichsb&uuml;rger&ldquo; &uuml;ber die Verfassung f&uuml;r Deutschland warten, um eines zu wissen: Als die Bundesregierung Schr&ouml;der\/Fischer\/Scharping mit dem Angriff auf die Bundesrepublik Jugoslawien am 24. M&auml;rz 1999 sich am ordin&auml;ren Angriffskrieg der NATO im klaren Bruch der UN-Charta beteiligte, war au&szlig;en- und innenpolitisch die &bdquo;schiefe Bahn&ldquo; betreten.  Die NATO-Kriege seither haben nicht nur Elend &uuml;ber andere Staaten und Millionen Menschen gebracht. Man muss bei der amerikanischen Politik seit 1999 geradezu den Eindruck haben, dass diese Kriege einem Ziel dienten: Das gegen&uuml;ber der Russischen F&ouml;deration geschaffene Vorfeld bis unmittelbar an die russische Westgrenze sollte so umgestaltet werden, dass es zu keiner &ndash; wie in der Bonner Republik &ndash; noch m&ouml;glichen Willensbildung einer Nation zu einem angels&auml;chsischen Krieg gegen Russland mehr kommen d&uuml;rfte. In einem Land, in dem nicht mehr der B&uuml;rger als Souver&auml;n, sondern der NATO- und NGO-Adel regiert, ist jeder Krieg auf Knopfdruck m&ouml;glich.<\/p><p>Unsere  Nachbarn in der Schweiz mit ihrer &bdquo;bewaffneten Neutralit&auml;t&ldquo; haben ein gutes Beispiel daf&uuml;r gegeben, eine Gesellschaft strukturell &bdquo;friedensf&auml;hig&ldquo; zu gestalten. Stattdessen geht Deutschland in der Europ&auml;ischen Union hin und schafft unter Frau Dr. Merkel die Grundlagen f&uuml;r die globale Kriegsf&auml;higkeit der Europ&auml;ischen Union. <\/p><p>In wenigen Wochen wird man sich an die Gr&uuml;ndung der NATO vor siebzig Jahren erinnern. Deutschland ist 1955 der NATO als einem Verteidigungsb&uuml;ndnis im europ&auml;ischen Rahmen beigetreten und nicht einer weltweit agierenden Angriffsformation, zu der die NATO im April 1999 &uuml;ber das neue strategische Konzept in Washington verkommen ist. Die N&uuml;rnberger Kriegsverbrecherprozesse nach Ende des Zweiten Weltkrieges haben den Ma&szlig;stab daf&uuml;r gesetzt, wie das internationale Recht die Welt vor der Gei&szlig;el des Krieges bewahren sollte. Wenn in diesen Tagen der amerikanische Au&szlig;enminister Pompeo den Ermittlern des &bdquo;Internationalen Strafgerichtshofs&ldquo; in Den Haag Sanktionen und Visa-Entzug in Aussicht stellt, wenn sie gegen amerikanische Soldaten wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen ermitteln, sagt das alles. Eine deutsche Generalbundesanw&auml;ltin hat m&ouml;gliche Ermittlungen deutscher Strafverfolgungsbeh&ouml;rden wegen in Afghanistan begangener Kriegsverbrechen durch amerikanische Soldaten deshalb abgelehnt, weil die USA ein Rechtsstaat sein w&uuml;rden. Das kann man heute bei Minister Pompeo unter Beweis gestellt sehen.<\/p><p>Luther schrieb &uuml;ber das Wohl der Stadt und das Wohl ihrer Menschen. Damit ist es seit dem 24. M&auml;rz 1999 und dem ordin&auml;ren Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien  vorbei.<\/p><p>Willy Wimmer, 17. M&auml;rz 2019                                                                                 \t           <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist ein Beitrag von <strong>Willy Wimmer<\/strong> &ndash; mit interessanten Anmerkungen zu gravierenden Ver&auml;nderungen. Seine Bewertung der Bonner Republik f&auml;llt aus meiner Sicht etwas zu positiv aus. Aber diese Differenz ist unerheblich, gemessen an Wimmers notwendiger Kritik der neuen Entwicklung. Wir sind auf eine schiefe Bahn geraten. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":50197,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,212,171],"tags":[351,1903,1440,2175,462,304,466,2065,259,1556],"class_list":["post-50192","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-gedenktagejahrestage","category-militaereinsaetzekriege","tag-afghanistan","tag-gemeinwohl","tag-internationaler-strafgerichtshof","tag-interventionspolitik","tag-jugoslawien","tag-kriegsverbrechen","tag-nato","tag-ngo","tag-russland","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/shutterstock_1235652937.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50192"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50199,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50192\/revisions\/50199"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50197"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}