{"id":50444,"date":"2019-03-26T12:46:43","date_gmt":"2019-03-26T11:46:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50444"},"modified":"2019-03-26T15:03:54","modified_gmt":"2019-03-26T14:03:54","slug":"mit-raumverboten-gegen-die-meinungsfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50444","title":{"rendered":"Mit Raumverboten gegen die Meinungsfreiheit"},"content":{"rendered":"<p>Wer in M&uuml;nchen eine Veranstaltung organisieren will, in der auch kritische Worte zur Besatzungspolitik Israels fallen oder gar der Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs thematisiert wird, der hat schlechte Karten. Nun hat es den angesehenen israelischen Soziologen Moshe Zuckermann getroffen, der in der Augustiner-Gastst&auml;tte Rumpler sein aktuelles Buch &bdquo;Der allgegenw&auml;rtige Antisemit&ldquo; vorstellen wollte. Eine bereits zugesagte Raummiete wurde nach dubiosen Beschwerden wieder abgesagt. Das Buch, das sich auch kritisch mit diffamierenden Antisemitismus-Vorw&uuml;rfen auseinandersetzt, darf in M&uuml;nchen wegen diffamierender Antisemitismus-Vorw&uuml;rfe nicht vorgestellt werden. Das hat den Zuckermann-Verleger <strong>Markus J. Karsten<\/strong> zu einem Brief an die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung Augustinerbr&auml;u Wagner KG veranlasst. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nErst vor wenigen Wochen hatte <strong>Rolf-Henning Hintze<\/strong> auf den NachDenkSeiten den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49560\">Rechtsstreit um einen Stadtratsbeschluss dokumentiert<\/a>, der die Vergabe von &ouml;ffentlichen R&auml;umlichkeiten f&uuml;r Veranstaltungen untersagt, in denen Kritik an der israelischen Besatzungspolitik ge&uuml;bt wird. Schon im Vorfeld dieses Beschlusses war es die diffamierende Kritik <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45376\">einer kleinen Gruppe mit dem irref&uuml;hrenden Namen &bdquo;M&uuml;nchner B&uuml;rger gegen Antisemitismus und Israelhass&ldquo;<\/a>, die nicht nur auf die Stadt, sondern auch auf private Veranstalter und Vermieter massiven Druck ausge&uuml;bt hat. <\/p><p>Auch bei der Zuckermann-Veranstaltung spielte diese angebliche &bdquo;B&uuml;rgerinitiative&ldquo; eine ma&szlig;gebliche Rolle. Man hat den Gasthausbetreibern einen Brief geschrieben, in dem Moshe Zuckermann diffamiert wurde (&bdquo;Zuckermann spricht seit einigen Jahren in fast jedes Mikrophon, das ihm ein Neurechter oder Antisemit bietet&ldquo;) und die Veranstaltung als &bdquo;einseitige Propagandaveranstaltung, die Israel diffamiert und den Hass auf die Juden sch&uuml;rt&ldquo; bezeichnet wurde. Daraufhin haben Gasthausbetreiber die R&auml;umlichkeiten wieder abgesagt. <\/p><p>Dies ist im konkreten Fall besonders infam, da Moshe Zuckermann zwar durchaus streitbar ist, aber auch &uuml;ber einen tadellosen Ruf verf&uuml;gt. Gastartikel von ihm erschienen unter anderem in der taz, dem Tagesspiegel, der jungen Welt, der Frankfurter Rundschau, der Zeit und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40364\">den NachDenkSeiten<\/a>, also einem breiten &bdquo;Mitte-Links-Medienspektrum&ldquo;, das nicht unbedingt neurechter oder antisemitischer Tendenzen verd&auml;chtig ist. Inhaltlich wurden die Vorw&uuml;rfe jedoch wahrscheinlich noch nicht einmal &uuml;berpr&uuml;ft. Die Drohkulisse der selbsternannten &bdquo;Anti-Antisemitismus-K&auml;mpfer&ldquo; reicht schon aus, um Raumverbote zu erwirken und kritische Meinungen zu unterdr&uuml;cken. <\/p><p><strong>Anhang:<\/strong> Der Brief des Westend-Verlegers Markus J. Karsten an die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der Augustinerbr&auml;u Wagner KG, die die Gastst&auml;tte Rumpler betreibt, deren R&auml;umlichkeiten Zuckermann vorenthalten wurden.<\/p><p>GF Herrn Dr. Martin Leibhard<br>\nGF Herrn Werner Mayer<br>\nGF Herrn Anton Obermeier<br>\n<strong>AUGUSTINER-BR&Auml;U WAGNER KG<\/strong><br>\nLandsberger Stra&szlig;e 31-35<br>\n80339 M&uuml;nchen<\/p><p>Frankfurt, 25. M&auml;rz 2019<\/p><p>Sehr geehrter Herr Dr. Leibhard, sehr geehrter Herr Mayer, sehr geehrter Herr Obermeier,<\/p><p>den Westend Verlag erreichte ein Schreiben einer sogenannten B&uuml;rgerinitiative mbai, in dem ein Autor von uns als &bdquo;umstrittener Professor Zuckermann&ldquo; bezeichnet wird. Bitte gestatten Sie mir, dazu das Folgende festzustellen.<\/p><p>Tats&auml;chlich genie&szlig;t Herr Zuckermann sowohl in Israel als auch im europ&auml;ischen Ausland durch seine Lehr- und Forschungst&auml;tigkeit an der Universit&auml;t Tel Aviv als Historiker und Soziologe h&ouml;chstes Ansehen. Er war &uuml;ber Jahrzehnte an der geisteswissenschaftlichen Fakult&auml;t sowie auch bei den Kunst- und Musikwissenschaften der Universit&auml;t Tel Aviv t&auml;tig, mithin auch ein vielgefragter Dozent im israelischen &ouml;ffentlichen Raum. <\/p><p>Im Weiteren wird zitiert, dass Herr Zuckermann &bdquo;in fast jedes Mikrophon spr&auml;che, dass ihn ein Neurechter hinhalten&ldquo; w&uuml;rde. Herr Zuckermann ist nach eigenem Bekunden ein dezidierter Linker und verkehrt vorwiegend in linken und liberalen Kreisen. Wie vertr&auml;gt sich das?<\/p><p>Herr Zuckermann war im Rahmen des Erscheinens seines neuesten Buches im Herbst 2018 zu einer Pressereise in Deutschland: Ich darf anf&uuml;hren:<\/p><ul>\n<li>3.10.: DLF Rezension<\/li>\n<li>11.10.: Interview Vorw&auml;rts<\/li>\n<li>16.10.: Rubikon Interview <\/li>\n<li>19.10.: DLF Kultur Interview<\/li>\n<li>19.10.: WDR5 Interview <\/li>\n<li>19.10.: infosperber.ch Beitrag (Schweiz)<\/li>\n<li>29.10.: Rezension DLF Andruck<\/li>\n<li>18.11.: Interview Journal Frankfurt<\/li>\n<li>20.11.: Rezension SWR2<\/li>\n<li>25.11.: Interview Neues Deutschland<\/li>\n<li>17.12.: Interview Frankfurter Rundschau <\/li>\n<li>17.2.: Interview K&ouml;lner Stadt-Anzeiger<\/li>\n<li>17.12.: S&uuml;ddeutsche Zeitung Rezension<\/li>\n<li>25.1.: MDR Rezension Kultur<\/li>\n<li>13.2.: Rezension Hannoversche Allgemeine Zeitung<\/li>\n<li>1.3.: Rezension in den Dresdner Neuesten Nachrichten<\/li>\n<\/ul><p>Sie werden Ihre Gr&uuml;nde gehabt haben, die Veranstaltung in Ihren R&auml;umen abzusagen. Diese Gr&uuml;nde sind aber mit den erhobenen Anw&uuml;rfen gegen&uuml;ber Herrn Zuckermann nicht vereinbar. Sie scheinen mir vielmehr darin zu liegen, dass der Antisemitismusvorwurf aktuell gerade in Deutschland in fast allen F&auml;llen politisch verbr&auml;mt und nicht inhaltlich begr&uuml;ndet erhoben wird. Dem konnten oder wollten Sie in Ihrem Falle nicht standhalten. Daraus mache ich Ihnen keinen Vorwurf. Allerdings m&ouml;chte ich klar zum Ausdruck bringen, dass diese Vorw&uuml;rfe gegen&uuml;ber Herrn Zuckermann infam sind und ihr Ursprung im genauen Gegenteil der behaupteten Motivation liegt.<\/p><p>Ignacio Silone, ein italienischer Schriftsteller, dessen Werke im antifaschistischen Widerstand gelesen wurden, der auch Tr&auml;ger des <em>Jerusalem-Preis f&uuml;r die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft<\/em> ist, sagte bereits in den 50er-Jahren:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: &lsaquo;Ich bin der Faschismus&rsaquo;. Nein, er wird sagen: &lsaquo;Ich bin der Antifaschismus&rsaquo;.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mittlerweile ist der Begriff des Antifaschismus und vor allem auch der des Antisemitismus geradezu entleert und zu einem Slogan verkommen (woran die Verfasser des oben erw&auml;hnten Briefes an Sie nun Ihren Anteil zu tragen haben). Und darin, genau darin, sehr geehrte Herren, liegt die gro&szlig;e Gefahr. Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu h&ouml;ren, kann sich jede Woche aufs Neue davon &uuml;berzeugen. <\/p><p>Kurzum: Ein Finger dieser mbai-Leute zeigt auf Herrn Zuckermann, vier zeigen auf jene selber.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nMarkus J. Karsten<br>\nVerlagsleitung<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Titelbild: Yoko Design\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/f46d328c113c44729fb903dcde97d696\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in M&uuml;nchen eine Veranstaltung organisieren will, in der auch kritische Worte zur Besatzungspolitik Israels fallen oder gar der Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs thematisiert wird, der hat schlechte Karten. Nun hat es den angesehenen israelischen Soziologen Moshe Zuckermann getroffen, der in der Augustiner-Gastst&auml;tte Rumpler sein aktuelles Buch &bdquo;Der allgegenw&auml;rtige Antisemit&ldquo; vorstellen wollte. 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