{"id":50498,"date":"2019-03-28T10:00:43","date_gmt":"2019-03-28T09:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50498"},"modified":"2019-10-29T11:50:38","modified_gmt":"2019-10-29T10:50:38","slug":"julian-assange-haelt-weiter-durch-neuigkeiten-rund-um-die-botschaft-von-ecuador","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50498","title":{"rendered":"Julian Assange h\u00e4lt weiter durch \u2013 Neuigkeiten rund um die Botschaft von Ecuador"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche hat Twitter f&uuml;r 24 Stunden den <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2019\/03\/19\/twitter-restricts-account-of-julian-assanges-mother\/\">Account von Christine Assange gesperrt<\/a>. Die Mutter von Julian Assange <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AssangeMrs\">nutzt Twitter<\/a>, um auf das Schicksal ihres Sohnes aufmerksam zu machen. Als Erg&auml;nzung zu Twitter war ich im M&auml;rz ein weiteres Mal vor Ort in London um mir ein genaueres Bild von der verworrenen Lage zu machen, und um die Londoner ein bisschen &uuml;ber diese unhaltbare Situation in ihrer N&auml;he zu informieren.  Ein Bericht von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9861\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-50498-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190328_Julian_Assange_haelt_weiter_durch_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190328_Julian_Assange_haelt_weiter_durch_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190328_Julian_Assange_haelt_weiter_durch_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190328_Julian_Assange_haelt_weiter_durch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=50498-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190328_Julian_Assange_haelt_weiter_durch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190328_Julian_Assange_haelt_weiter_durch_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ihr letzter Tweet vor der Unterbrechung machte auf einen Artikel &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/newmatilda.com\/2019\/03\/15\/the-psychology-of-getting-julian-assange-part-4-why-even-some-lefties-want-to-see-him-hang\/\">psychologischen Hintergr&uuml;nde der Jagd auf Assange<\/a> (Teil einer hochinteressanten Serie, leider nur auf Englisch) aufmerksam. In den letzten Tagen hatte sie einen Tweet von US-Sicherheitsberater John Bolton vom 9. M&auml;rz kommentiert, der besagte, man solle die Enth&uuml;llungsplattform Wikileaks als Zielscheibe f&uuml;r Cyberkriegs-&Uuml;bungen nutzen. &ldquo;US military should use #Wikileaks for cyber warfare target practice. Take down their capabilities &amp; prevent further harm to nat&rsquo;l security.&rdquo;. Christine Assanges Erwiderung auf Bolton, die mit der nicht so diplomatischen Einleitung &bdquo;Fascist Talk&ldquo; begann, ist jetzt wie neun weitere Kommentare zu Boltons Tweet auf Twitter &bdquo;nicht verf&uuml;gbar&ldquo;. Diese drastischen Worte sind wohl auch die einer verzweifelten Mutter, die ihrem Sohn in seiner scheinbar ausweglosen Situation aus weiter Ferne hilflos zusehen muss.<\/p><p>Dies ist eine weitere Entwicklung in den Bem&uuml;hungen, Wikileaks und die Assanges in die Knie zu zwingen, wie auch das Vorgehen der US-Justiz gegen Chelsea Manning. Die US-Whistleblowerin Chelsea Manning, die Daten an Wikileaks weitergegeben hatte, befindet sich seit dem 8. M&auml;rz in US-Beugehaft, weil sie sich weigert, vor einem US-Geheimgericht auszusagen. Das Ziel dieser US Grand Jury ist es, Beweise zu (er)finden\/zwingen, die es erm&ouml;glichen w&uuml;rden, in den USA Anklage gegen Julian Assange wegen Spionage zu erheben. Die Ver&ouml;ffentlichung von geheimen Informationen ist in den USA nicht strafbar, aber deren Beschaffung bzw. Entwendung schon. Wenn es also gel&auml;nge, Chelsea Manning zu der Behauptung zu bringen, dass Wikileaks sie zum Datenklau aktiv ermuntert hat, s&auml;he es f&uuml;r Julian Assange noch d&uuml;sterer aus, als es jetzt schon ist. (Sein Fenster in der Botschaft in London blickt auf eine enge Sackgasse.)<\/p><p>Wenn diese Verbindung gel&auml;nge, w&auml;ren auch die bekannten US-Zeitungen Washington Post und New York Times, die seinerzeit die Wikileaks-Enth&uuml;llungen ver&ouml;ffentlicht hatten, aus dem Schneider. Wenn n&auml;mlich, was die Obama-Administration untersuchen lie&szlig;, Aspekte der Ver&ouml;ffentlichung selbst strafbar w&auml;ren, h&auml;tten diese Presseorgane auch auf die Anklagebank gemusst. Das wollte das US-Establishment damals wohl nicht. Dass diese Presseorgane, w&auml;hrend sie bei jedem Twitter-Seufzer von Donald Trump die Pressefreiheit in Gefahr sehen, bei diesem Frontalangriff der Trump-Administration nicht laut aufschreien und dar&uuml;ber berichten, wird sich wohl f&uuml;r diese Zeitungen bald r&auml;chen, wenn sie merken, dass viele Staaten gerade dabei sind, einen Gro&szlig;teil ihrer Aktivit&auml;ten ins Geheime zu verlagern und gleichzeitig jeden B&uuml;rger als Freiwild ohne Privatsph&auml;re zu betrachten. Wir B&uuml;rger machen dabei munter mit, indem wir arglos Daten preisgeben und die Konzerne, die diese &Uuml;berwachung tagt&auml;glich durchf&uuml;hren, nicht boykottieren und aus Bequemlichkeit mit Karte zahlen und so der Bargeldabschaffung Vorschub leisten.<\/p><p>Chelsea Manning weigert sich auszusagen, mit dem Hinweis, dass sie vor 9 Jahren schon alle ihr bekannten Fakten auf den Tisch gelegt hat und dass sie in dieser Sache nicht vor einem Geheimgericht aussagen will. Sie hat auch w&auml;hrend ihrer siebenj&auml;hrigen Haft, teilweise in Isolation, immer wieder betont, dass sie die 500.000 Dokumente aus eigenem Antrieb gestohlen hat, um mit ihrem Gewissen ins Reine zu kommen, und nicht auf Betreiben von Wikileaks und Julian Assange. Manning bekr&auml;ftigte, dass sie &ldquo;nicht teilnehmen wird an einer geheimen Prozedur, die in der Vergangenheit dazu benutzt wurde, um Aktivisten wegen politischer &Auml;u&szlig;erungen zu verfolgen und einzusperren&ldquo;. (Manning reiterated that she &ldquo;will not participate in a secret process that I morally object to, particularly one that has been historically used to entrap and persecute activists for protected political speech.&rdquo;)<\/p><p>Das Schweigen oder die zumindest leise Behandlung dieser Themen in den etablierten Medien ist genauso erstaunlich wie die Unt&auml;tigkeit von f&uuml;hrenden Menschenrechtsorganisationen, die sich eigentlich den Schutz von Gefangenen und die Pressefreiheit auf ihre Fahne und ihre Webseite geschrieben haben. Aber wenn man Julian Assange nicht als Prisoner of Conscience (gewaltlosen politischen Gefangenen) betrachtet, dann braucht man sich bequemerweise auch nicht f&uuml;r ihn einzusetzen, auch wenn man meint, dass ihm im Falle einer Auslieferung an die USA gro&szlig;e Gefahr droht. Aber vielleicht gibt es ja diesbez&uuml;glich Bem&uuml;hungen im Hintergrund, die sich der &ouml;ffentlichen Kenntnis entziehen, was zu hoffen w&auml;re.<\/p><p>Die Medien und die Nichtregierungsorganisationen haben Wikileaks gleicherma&szlig;en viel zu verdanken und sie sollten Julian Assange und Chelsea Manning unterst&uuml;tzen, um sich erkenntlich zu zeigen, aber auch aus eigenem Interesse. Es w&auml;re sch&ouml;n, wenn geneigte Leser diesbez&uuml;glich auf eindringliche Weise an Politiker, Medien, Hilfsorganisationen und Vereine schreiben w&uuml;rden, besonders, wenn Sie vielleicht Mitglied in einer Menschenrechtsorganisation sind. Vielleicht l&auml;sst sich so doch noch Druck auf die Verantwortlichen aufbauen.<\/p><p>Am 10. M&auml;rz fand in London vor der ecuadorianischen Botschaft eine gr&ouml;&szlig;ere Mahnwache statt, parallel zu einer Demonstration in Sydney. In London h&ouml;rten wir Chris Marsden von der &bdquo;Socialist Equality Party&ldquo;, wie er die Situation von Julian Assange und Chelsea Manning in den gr&ouml;&szlig;eren Zusammenhang brachte. N&auml;mlich, dass die Regierungen vieler westlicher L&auml;nder versuchen, ihre Politik, die zur Verarmung von gro&szlig;en Teilen der Weltbev&ouml;lkerung sowie Mord und Totschlag in vielen L&auml;ndern gef&uuml;hrt hat, zu verschleiern und Menschen wie Chelsea Manning, Julian Assange und Edward Snowden hierbei standhaft im Wege stehen.<\/p><p>Der ihm folgende Sprecher und Ex-Unterhaus-Abgeordnete George Galloway, der selber f&uuml;r den Brexit ist, fragte die britische Regierung, warum sie nicht im Zusammenhang mit Julian Assange ihre Souver&auml;nit&auml;t beweise, auf die im Zuge des Brexits so viel gepocht wird. Etwas schade war, dass ein gro&szlig;es Misstrauen gegen&uuml;ber dem Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn ge&auml;u&szlig;ert wurde. Vielleicht ist diese Skepsis berechtigt, wenn man sich die j&uuml;ngere Geschichte der Labour Party anschaut. Die Vehemenz dieser Kritik k&ouml;nnte aber einer fruchtbaren Zusammenarbeit in der Zukunft entgegenstehen. Da k&auml;mpfen die progressiven Kr&auml;fte einmal mehr mit sich selbst, anstatt die f&uuml;r die derzeitige Misere bzw. die scheinbare Ausweglosigkeit Verantwortlichen in die Mangel zu nehmen und zu entmachten.<\/p><p>Ciaron O&rsquo;Reilly, der australische Freund, wohnt immer noch unter dem Fenster von Julian Assange in der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48689\">von uns gezimmerten Minih&uuml;tte<\/a>, insgesamt seit 120 Tagen. Dies ist sicher, genau wie die mehrmals w&ouml;chentlich stattfindenden Mahnwachen, eine gro&szlig;e St&uuml;tze f&uuml;r Julian Assange in seiner langanhaltenden, bedr&uuml;ckenden Isolation. Beim letzten Besuch in London tat es mir auch wieder gut zu sehen, dass viele der Menschen, die wir auf der Stra&szlig;e ansprachen, w&auml;hrend wir Postkarten und Flyer verteilten, doch irgendwie wissen, dass die Situation von Julian Assange ein gro&szlig;es Unrecht ist. Leider sprechen die Wenigsten ihre Zweifel aus bzw. haben andere Sorgen und reihen sich bei den generell teilnahmslosen oder irgendwie zufrieden scheinenden Mitb&uuml;rgern ein. Hoffentlich gelingt es uns irgendwie, diese schweigende Mehrheit zu mobilisieren, bevor es zu sp&auml;t ist.<\/p><p>Es gibt Berichte, dass die Polizeipr&auml;senz rund um Julian Assanges Behausung in den letzten Tagen sp&uuml;rbar erh&ouml;ht wurde und dass ein den US-Geheimdiensten zugeordnetes Flugzeug in London-Luton <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2019\/03\/24\/rendition-plane-increased-police-presence-raise-fears-for-assange\/\">gesichtet wurde bzw. dort parkt<\/a>.<\/p><p>Es folgen einige hilfreiche Links, leider viele nur auf Englisch, da die deutschen Medien noch schweig- und folgsamer zu sein scheinen als die englischsprachigen.<\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.friedendresden.de\/\">friedendresden.de<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/twitter.com\/CiaronOReilly\">twitter.com\/CiaronOReilly<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/views\/2019\/03\/18\/chelsea-manning-and-new-inquisition?utm_campaign=shareaholic&amp;utm_medium=twitter&amp;utm_source=socialnetwork\">commondreams.org &ndash; Chelsea Manning and the New Inquisition<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/defend.wikileaks.org\/2019\/03\/08\/courage-nominates-julian-assange-for-the-2019-galizia-prize\/\">defend.wikileaks.org &ndash; Nomination for the 2019 Galizia prize for Journalists, Whistleblowers &amp; Defenders of the Right to Information<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche hat Twitter f&uuml;r 24 Stunden den <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2019\/03\/19\/twitter-restricts-account-of-julian-assanges-mother\/\">Account von Christine Assange gesperrt<\/a>. 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