{"id":50540,"date":"2019-03-29T14:54:19","date_gmt":"2019-03-29T13:54:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50540"},"modified":"2019-04-01T09:00:44","modified_gmt":"2019-04-01T07:00:44","slug":"todenhoefers-antikriegsbuch-sei-allen-heuchlern-ins-stammbuch-geschrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50540","title":{"rendered":"Todenh\u00f6fers Antikriegsbuch sei allen Heuchlern ins Stammbuch geschrieben"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49442\">schon einmal darauf<\/a> hingewiesen, dass J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer und sein Sohn Frederic ein neues Buch ver&ouml;ffentlicht haben: &ldquo;Die gro&szlig;e Heuchelei &hellip; Wie Politik und Medien unsere Werte verraten&rdquo;. Ich habe mir das Buch etwas genauer angeschaut und m&ouml;chte berichten, was Sie bei der Lekt&uuml;re erwartet und einige kritische Fragezeichen und Fragen nach den Konsequenzen anbringen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6610\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-50540-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190329_Todenhoefers_Antikriegsbuch_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190329_Todenhoefers_Antikriegsbuch_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190329_Todenhoefers_Antikriegsbuch_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190329_Todenhoefers_Antikriegsbuch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=50540-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190329_Todenhoefers_Antikriegsbuch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190329_Todenhoefers_Antikriegsbuch_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Was das Buch bietet. Einige interessante Botschaften und Fragen.<\/strong>\n<p>Die beiden Autoren haben gemeinsam Brennpunkte dieser Welt besucht, sie haben das tiefe Elend der vom Krieg verwundeten und verkr&uuml;ppelten Menschen und die Zerst&ouml;rung ihrer St&auml;dte und D&ouml;rfer gesehen und beschrieben; sie haben mit ihnen gesprochen und sich in vielerlei Weise solidarisch gezeigt, auch praktisch geholfen. Sie haben mit einflussreichen Personen gesprochen, mit Pr&auml;sidenten und Terrorchefs. Sie haben B&uuml;cher studiert. Sie haben auch versucht, vermittelnd zu helfen; so haben sie einen Friedensentwurf des syrischen Pr&auml;sidenten Assad zu Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel transportiert. Ohne Erfolg. Sp&auml;ter mehr. <\/p>\n<p>Das Buch beginnt mit einem Kapitel &uuml;ber die Erlebnisse der Autoren im zerbombten Mossul. Sie kannten den Ort von fr&uuml;heren Besuchen als eine eindrucksvolle und kulturell wertvolle Stadt. Jetzt total zerst&ouml;rt und voller Leichen und verwundeten Menschen ohne Hoffnung. So f&auml;ngt das Buch an. Daran schlie&szlig;t sich das 2. Kapitel mit einer eher grunds&auml;tzlichen Betrachtung und quasi der Schlussfolgerung ihrer Beobachtungen an: &ldquo;Heuchelei im Paradies&rdquo;; &ldquo;unsere Werte&rdquo;, was man getrost ersetzen kann durch: &ldquo;unsere Interessen&rdquo;. Und dann weisen die Autoren auf die lange westliche Tradition der Heuchelei hin. Und auf die lange Kriegstradition. &ldquo;Lieblingsstrategie Krieg&rdquo; ist das 5. Kapitel &uuml;berschrieben.<\/p>\n<p>Die Botschaft, dass der Westen verglichen mit dem islamischen Orient eine l&auml;cherlich dumpfe und gewaltt&auml;tige Vergangenheit hat, wird dann sp&auml;ter im 7. Kapitel genauer erl&auml;utert: &ldquo;Acht Jahrhunderte islamischer Hochkultur, die es angeblich nie gab&rdquo;. Todenh&ouml;fer beschreibt, wie Europa und der Westen auf die Herausforderung der islamischen Welt reagierten: brutal, kolonisierend, immer mit den abendl&auml;ndischen Werten im Gep&auml;ck, aber meist ohne faktische Bedeutung f&uuml;r das politische Handeln und f&uuml;r den Umgang mit den von der Kolonisierung betroffenen Menschen. Die Kapitel 7, 8 und 9 sollten Menschen und Parteien mit der Neigung zur Islamophobie zur Pflichtlekt&uuml;re verschrieben werden.<\/p>\n<p>In jungen Jahren war ich etwa zur gleichen Zeit wie Autor J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer zum ersten Mal in Syrien, in Damaskus und Aleppo. Zusammen mit einem Freund wohnte ich f&uuml;r ein paar Tage mitten im &auml;ltesten Teil Aleppos bei der Familie eines jungen Syrers, der in Heidelberg Medizin studierte und den ich von dort kannte. Wir erlebten eine wirkliche Hochkultur des St&auml;dtebaus und des famili&auml;ren Zusammenlebens und der Zuwendung zu Fremden. <\/p>\n<p>Diese kulturellen Reicht&uuml;mer sind alle kaputt. Und diese Zerst&ouml;rung &ndash; von Kabul bis Damaskus und von Aleppo bis Mossul, und von Gaza bis Libyen &ndash; kann man nur verstehen, wenn man einmal begriffen hat, dass die Politik im Westen offenbar von Menschen bestimmt wird, die keinerlei Beziehung zu diesen Menschen im Nahen und Mittleren Osten und zu ihrer Kultur haben und vermutlich auch mit Absicht Kulturen zerst&ouml;ren, die ihnen fremd sind.<\/p>\n<p>Eines der Stilelemente der Autoren ist die Mischung <\/p>\n<ul>\n<li>von sehr nahen und auf einzelne Personen bezogenen Schilderungen davon, wie schrecklich es Menschen in Kriegsgebieten geht &ndash; Granatsplitter in den K&ouml;rpern von Kindern, amputierte Gliedma&szlig;en, Leichen auf den Tr&uuml;mmern der Stadt Mossul auch noch Wochen nach der Zerst&ouml;rung, Hoffnungslosigkeit in Gaza und im Jemen &ndash; <\/li>\n<li>mit nachdenklichen reflektierenden Passagen und Einordnungsversuchen. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die beiden Todenh&ouml;fers haben Brennpunkte kriegerischer Auseinandersetzungen besucht und beschrieben: Irak, Syrien, Afghanistan, Gaza, den Jemen, Myanmar und die Vertreibung der Rohingyas.<\/p>\n<p><strong>Die Urmutter westlicher Heuchelei<\/strong><\/p>\n<p>Die NachDenkSeiten hatten einmal einen Artikel mit der &Uuml;berschrift &ldquo;Der Tod kommt aus Amerika&rdquo;. Das k&ouml;nnte auch die heimliche &Uuml;berschrift &uuml;ber einem gro&szlig;en Teil des Todenh&ouml;fer-Buches sein. So haben es viele V&ouml;lker der Welt erlebt. Todenh&ouml;fer &uuml;berschreibt das 4. Kapitel &ldquo;Das Weltunterwerfungsprojekt&rdquo; und schildert darin das brutale Vorgehen des Westens, Amerikas und Europas. Da wird einem schon so richtig klar, dass es schon eine ganze Menge Holocausts gegeben hat und dass f&uuml;r die meisten wir Abendl&auml;nder verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Todenh&ouml;fer meint, vielleicht sei schon die Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung der USA mitsamt der Erkl&auml;rung der Menschenrechte die Urmutter der modernen westlichen Heuchelei gewesen. George W. Bush, Obama, Trump &ndash; keinen sieht der Autor au&szlig;erhalb dieser Reihe.<\/p>\n<blockquote><p>\n&ldquo;Barack Obama bat an der Klagemauer von Jerusalem Gott, ihn zu einem Instrument (s)eines Willens zu machen.&rdquo; So Todenh&ouml;fer. Und weiter: &ldquo;Hat Obama sich wirklich als Instrument Gottes gesehen, wenn er im Wei&szlig;en Haus pers&ouml;nlich die Opfer amerikanischer Drohnenschl&auml;ge ausw&auml;hlte? Oder Bombenangriffe auf Afghanistan den Irak und Libyen befahl?&rdquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<blockquote><p>\n&ldquo;Egal, ob Amerikaner oder Europ&auml;er, stets ging es ihnen um Macht, M&auml;rkte und Geld. Um <strong>ihren<\/strong> Wohlstand, <strong>ihre<\/strong> sozialen Errungenschaften, <strong>ihre<\/strong> Freiheit. Nie um die Freiheit der anderen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Blick auf das, was m&ouml;glicherweise auf uns zukommt, schreibt der Autor: &ldquo;Die USA wollen ihre Position als Weltmacht Nummer 1 verteidigen und ausbauen. Wie einst die Weltmacht Rom. &bdquo;Verteidigung ihrer Werte&rdquo; nennen sie das. Wer sie dabei unterst&uuml;tzt ist Freund, wer sie behindert, Feind. Das ist das A und O amerikanischer Au&szlig;enpolitik. Die USA werden immer versuchen, den Aufstieg amerikafeindlicher oder amerikakritischer M&auml;chte und Machtbl&ouml;cke zu verhindern. Schon deshalb werden sie Russland stets als St&ouml;renfried betrachten, der sich ihrem Hegemonialanspruch entgegenstellt. Man muss schon sehr naiv sein um zu glauben, den USA gehe es im Konflikt mit Russland oder mit anderen L&auml;ndern um Menschenrechte.&rdquo;<\/p>\n<p>Das sind klare Worte. Dazu f&auml;llt einem mit Blick auf einen gestandenen CDU-Politiker und Medienmanager schon einiges an Fragen ein:<\/p>\n<ul>\n<li>Todenh&ouml;fers Kritik an den USA klingt ja so wie die Kritik der 68er am Vietnamkrieg und an den sonstigen Schl&auml;chtereien der USA jener Zeit. Der Autor geht darauf ein und gibt zu erkennen, dass er anders als damals die Kritik der Studenten jener Zeit an der Kriegspolitik der USA versteht. Respekt!<\/li>\n<li>Todenh&ouml;fers Kritik ist sehr fundamental. Das meine ich nicht kritisch. Es schlie&szlig;t sich jedoch eine Frage an: Wenn wir die westliche Politik und speziell die US-amerikanische Politik so kritisch sehen, nicht nur punktuell kritisch, sondern grunds&auml;tzlich: verlogen, heuchlerisch, menschenverachtend, dann schlie&szlig;t sich gezwungenerma&szlig;en die Frage an: Wie kommen wir aus dieser Tretm&uuml;hle heraus? Wie l&ouml;sen wir uns von den USA? K&ouml;nnen wir das &uuml;berhaupt? Welches w&auml;ren Wege zum Ausstieg aus dieser westlichen Wertegemeinschaft? <\/li>\n<\/ul>\n<p>Im hier besprochenen Buch sind diese Fragen noch nicht beantwortet. Das war auch nicht der Anspruch. Aber sie w&auml;ren dem Autor zu stellen.<\/p>\n<p>Das Buch enth&auml;lt auf vielen Seiten die vernichtende Kritik an jenen, die die Welt in Gut und B&ouml;se aufteilen und selbstverst&auml;ndlich unterstellen, dass sie und wir hier die Guten sind und die anderen sind die Rassisten und die Feinde und die Terroristen. <\/p><\/li>\n<li><strong>Kritische Anmerkungen und Fragen<\/strong>\n<p>Wer ein Buch schreibt, das an reinem Text 293 Seiten umfasst, wird auch mit Fragezeichen und kritischen Anmerkungen rechnen. Auf einiges will ich zu sprechen kommen:<\/p>\n<ol>\n<li>Ich wiederhole die zuvor schon gestellte Frage : <strong>Wie k&ouml;nnen wir uns aus der Umklammerung durch die USA, genauer gesagt aus der Vasallenrolle befreien?<\/strong> K&ouml;nnen wir das &uuml;berhaupt? Oder sind wir auf ewig verdammt dazu, alles mitzumachen?<\/li>\n<li><strong>Bei der Frage, wie die armen Pal&auml;stinenser &uuml;berleben und wie sie weiterleben k&ouml;nnen, ist der Autor Todenh&ouml;fer anders als der von ihm zitierte Kissinger ziemlich blau&auml;ugig.<\/strong> Kissinger, mit dem er sich vor vielen Jahren zum Fr&uuml;hst&uuml;ck in New York traf, meinte, beim Pal&auml;stinakonflikt g&auml;be es keine L&ouml;sung. Wer wie ich kein Freund von Kissinger, aber ein Bewunderer der Analyse von Ilan Pappe, dem Autor von &ldquo;Die ethnische S&auml;uberung Pal&auml;stinas&rdquo;, ist , wird der Prognose Kissingers zustimmen. Todenh&ouml;fer hingegen ist ein bewundernswerter Optimist. W&ouml;rtlich: &ldquo;Ich glaube, dass Israel nur dauerhaft &uuml;berleben wird, wenn es mithilft, einen wirklich lebensf&auml;higen, unabh&auml;ngigen pal&auml;stinensischen Staat zu schaffen.&rdquo; Todenh&ouml;fer hat dann noch einen Friedensplan, er meint, dass zum Beispiel die von ihm vorgeschlagene friedliche Demonstration von 1,9 Millionen Menschen Gazas die &ouml;ffentliche Meinung der Welt beeinflussen k&ouml;nnte.\n<p>Dem widerspricht alles, was wir zurzeit erleben und was wir &uuml;ber die Machtverteilung gerade in den Propagandazentralen wissen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Sonderbare Einsch&auml;tzung von wichtigen handelnden Personen <\/strong>\n<p>Auf den Abbildungen im inneren Teil des Buches, meist sind das Fotos von zerst&ouml;rten H&auml;usern und verletzten Menschen und den Autoren im Gespr&auml;ch mit wichtigen Person des Zeitgeschehens, ist auch ein sogenanntes Non Paper des syrischen Pr&auml;sidenten Assad wiedergegeben. Das war eine Aufzeichnung des Pr&auml;sidenten Assad, bestimmt f&uuml;r die deutsche Bundeskanzlerin &ndash; ein Friedensplan f&uuml;r das geplagte Land.<\/p>\n<p>Todenh&ouml;fer berichtet, dass der syrische Pr&auml;sident die deutsche Bundeskanzlerin bewundert habe. Und Todenh&ouml;fer hat ihn nicht korrigiert und offensichtlich nicht aufgekl&auml;rt. Dabei m&uuml;sste er eigentlich wissen, welche uns&auml;gliche Rolle Angela Merkel von Anfang an gespielt hat, schon beim Krieg gegen den Irak und dann auch weiter bei dem Versuch des Regime Change in Syrien. Die Bundeskanzlerin hat alles mitgemacht: die Kriegseins&auml;tze, die Sanktionen, das Abwerben von gut ausgebildeten Fl&uuml;chtlingen, usw.<\/p>\n<p>Wenn man das wei&szlig;, dann kann man doch den syrischen Pr&auml;sidenten nicht im treuherzigen Glauben lassen, dass Angela Merkel es gut meinen k&ouml;nnte mit dem syrischen Volk und und dass sie aufgeschlossen sein k&ouml;nnte f&uuml;r einen Friedensvorschlag des syrischen Pr&auml;sidenten, der unter Deutschlands Politikern und Medien ohne G&auml;nsef&uuml;&szlig;chen &ldquo;Schl&auml;chter&rdquo; genannt wird.<\/p>\n<p>J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer hat versucht, das Non Paper &uuml;ber seinen Parteifreund Wolfgang Sch&auml;uble und den au&szlig;enpolitischen Berater im Bundeskanzleramt an die Bundeskanzlerin heranzubringen. &ldquo;Diese war daran allerdings nicht sonderlich interessiert,&rdquo; stellt Todenh&ouml;fer dann etwas resigniert fest.<\/p>\n<p>Das h&auml;tten kluge Beobachter der Szenerie auch ohne Syrien-Reise genauso vorhersagen k&ouml;nnen. Sie h&auml;tten ihn auch davor gewarnt, nun gerade Wolfgang Sch&auml;uble als Boten auszusuchen &ndash; einen in der Wolle gewaschenen Atlantiker.<\/p><\/li>\n<li><strong>Ambivalenz und Fehleinsch&auml;tzung zur Rolle der Medien<\/strong>\n<p>Im Untertitel des Buches steht: &ldquo;Wie Politik und Medien unsere Werte verraten&rdquo;. Das ist eine eindeutige Aussage. Aber sie widerspricht dem Gesamtbild, das der Autor von den Medien und ihre Rolle in der Welt der &ldquo;gro&szlig;en Heuchelei&rdquo; spielen.<\/p>\n<p>Todenh&ouml;fer skizziert und beschreibt ganz hart die Rolle von drei Atlantikern in drei zentralen Medien unseres Landes: Joffe von der Zeit, Kornelius von der S&uuml;ddeutschen Zeitung und Kohler von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Todenh&ouml;fers Aussagen zu diesen Personen sind eindeutig und entsprechen auch der Realit&auml;t.<\/p>\n<p>Der Autor kommt auch an vielen anderen Stellen des Buches zum Urteil, dass unsere Medien im Umgang mit den Kriegen des Westens und der damit verbundenen Heuchelei versagen. Mit &rdquo;Versagen der Medien&rdquo; ist das einschl&auml;gige Kapitel &uuml;berschrieben.<\/p>\n<p>Aber sein Urteil &uuml;ber die Medien insgesamt f&auml;llt dann wirklich viel zu freundlich und positiv aus. Todenh&ouml;fer hat offenbar seinen Frieden mit den gedruckten Medien gemacht, die er t&auml;glich mindestens 1 Stunde lang, auf dem Trimm-Rad sitzend, liest. Da kann ich ihn wirklich nur bewundern. Wenn ich morgens meine Regionalzeitung aufschlage, immerhin das Flaggschiff des Konzerns, der auch die S&uuml;ddeutsche Zeitung besitzt, dann k&ouml;nnte ich im Quadrat springen &ndash; heute wieder auf der ersten Seite ein Artikel von Stefan Scholl aus Russland. Immer gegen Putin, immer gegen Russland. Durchgehende und oft an den Haaren herbeigezogene Hetze. Bei diesem Autor wie bei vielen anderen quillt der Kampagnenjournalismus aus allen vorhandenen L&ouml;chern. Das zu konsumieren, w&uuml;rde ich nicht mal eine Viertelstunde lang aushalten.<\/p>\n<p>Todenh&ouml;fer war vielleicht zu lange Medienmanager, um die n&ouml;tige Distanz zur Wirklichkeit der uns umgebenden Medien einschlie&szlig;lich der Bild-Zeitung und einschlie&szlig;lich der Fernsehkan&auml;le gewonnen zu haben. Vielleicht hat er auch deshalb keinen klaren Blick auf das Hauptgesch&auml;ft der etablierten Medien: Kampagnen zu machen. F&uuml;r die Amerikaner, gegen die Russen, f&uuml;r die Kriege und gegen die Islamisten.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol><p>Das ist ein bisschen schade, aber dieser Eindruck &auml;ndert nichts am Gesamteindruck: ein lesenswertes, informatives Buch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49442\">schon einmal darauf<\/a> hingewiesen, dass J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer und sein Sohn Frederic ein neues Buch ver&ouml;ffentlicht haben: &ldquo;Die gro&szlig;e Heuchelei &hellip; Wie Politik und Medien unsere Werte verraten&rdquo;. 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