{"id":50648,"date":"2019-04-03T13:49:03","date_gmt":"2019-04-03T11:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50648"},"modified":"2026-01-27T11:31:37","modified_gmt":"2026-01-27T10:31:37","slug":"mieterprotest-schliessen-sie-sich-zusammen-tauschen-sie-wissen-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50648","title":{"rendered":"Mieterprotest: \u201eSchlie\u00dfen Sie sich zusammen, tauschen Sie Wissen aus\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In vielen Gegenden Deutschlands ist die Wohnungsnot gro&szlig;. Spekulanten, &bdquo;Heuschrecken&ldquo; und Politiker, die sich eher an den Eliten als an den &auml;rmeren Teilen der Bev&ouml;lkerung orientieren, tun das &Uuml;brige. Im Interview mit den NachDenkSeiten gibt <strong>Peter Schmidt<\/strong>, der als Initiativen-Sprecher Mieter-Protest mitorganisiert, einen Einblick in die Wohnsituation des Berliner Kosmosviertels und zeigt auf, wie Mieter aus der Resignation kommen und sich zur Wehr setzen k&ouml;nnen.  Schmidt verdeutlicht, dass die sozialen Probleme, die in einem Viertel vorhanden sind, weitreichend sind und in ihrer Gesamtheit auch Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Schmidt, Sie engagieren sich innerhalb eines <a href=\"http:\/\/mieterprotest-kosmosviertel.de\/\">Protestb&uuml;ndnisses<\/a> von Mietern, die im Berliner Kosmosviertel wohnen. Kurz: Worum geht es?<\/strong><\/p><p>Exorbitante Mieterh&ouml;hungen, die die soziale Struktur des Viertels grundlegend beeinflussen und ver&auml;ndern, treffen auf eine Mietergruppe mit im Mittel sehr prek&auml;rer sozio-&ouml;konomischer Zusammensetzung. Ich gebrauche gern den Ausdruck &bdquo;Armutsleuchtturm von Berlin&ldquo; .<\/p><p><strong>F&uuml;r alle die, die noch nie etwas vom Kosmosviertel geh&ouml;rt haben: K&ouml;nnen Sie Ihre Wohngegend  kurz beschreiben?<\/strong><\/p><p>Es ist die letzte in der DDR gebaute Gro&szlig;plattensiedlung direkt neben dem Flughafen Sch&ouml;nefeld, die urspr&uuml;nglich noch gr&ouml;&szlig;er als Marzahn-Hellersdorf geplant war, aber durch die Wende nur teilweise realisiert wurde. Hier wohnen jetzt in ca. 2500 Wohnungen  etwa 6000 Menschen (fast ein Viertel der Bewohner des Stadtteils Berlin-Altglienicke). Die Wohnungen waren f&uuml;r Mitarbeiter des Flughafens und der nahen Akademieinstitute von Adlershof bestimmt und damals sehr begehrt.  <\/p><p><strong>Das war in den 90er Jahren. Und dann?<\/strong><\/p><p>Nach dem Abbau der meisten  Institute nach der Wende zogen die Mitarbeiter den Arbeitspl&auml;tzen hinterher, im Kosmosviertel gab es viel Leerstand.  Die Eigent&uuml;mer &bdquo;Altglienicker Wohngenossenschaft&ldquo; und &bdquo;Stadt und Land&ldquo; haben trotzdem nicht zur&uuml;ckgebaut, sondern den neuwertigen Wohnraum erhalten. Im Zuge der Altschuldenregelung hatte &bdquo;Stadt und Land&ldquo; die eigenen Best&auml;nde (1870 Wohnungen)  einem M&uuml;nchener Immobilieninvestor verkauft, der sich dann als so genannte &bdquo;Heuschrecke&ldquo; entpuppte.<\/p><p><strong>Das hei&szlig;t?<\/strong><\/p><p>Es wurden fast keine Erhaltungsma&szlig;nahmen vorgenommen, Reparaturen auf das Allern&ouml;tigste beschr&auml;nkt oder ganz liegen gelassen, die H&auml;user wurden auf Verschlei&szlig; bewirtschaftet. Die Mieten wurden aber bis zur obersten Grenze des Machbaren erh&ouml;ht. Vor allem Mieten, die von den &Auml;mtern meist ungepr&uuml;ft &uuml;bernommen wurden, waren an der H&ouml;chstgrenze des von den &Auml;mtern &uuml;berhaupt getragenen Limits, jedoch nicht der entsprechende Wohnwert. Von Andrej Holm stammt der Ausdruck &bdquo;Discountwohnen&ldquo; f&uuml;r dieses Gesch&auml;ftsmodell: kaum Leistungen des Vermieters, aber H&ouml;chstpreise.<\/p><p><strong>Und so entstanden die Probleme?<\/strong><\/p><p>Mit dem fr&uuml;heren Leerstand wurden vom Vermieter alle Bewerber angenommen. So kam es (auch wegen der Stadtrandlage direkt an der Brandenburger Landesgrenze) zu einem hohen Anteil von Arbeitslosen und Transferleistungsempf&auml;ngern, Rentnern, Kranken, Alleinerziehenden. Der Anteil von Kinderarmut liegt zum Beispiel mit immer noch &uuml;ber 50 Prozent doppelt so hoch wie der Berliner Durchschnitt.<\/p><p>Die Probleme wurden massiv, nachdem mit der anziehenden Berliner Wirtschaftssituation ab etwa 2005 sowie der vollendeten Vernichtung von Wohnraum (circa 300.000 Wohnungen vor allem im Osten waren mit staatlicher F&ouml;rderung abgerissen worden) der verf&uuml;gbare Wohnraum in Berlin knapper wurde. Es gab Zuz&uuml;ge aus dem Stadtinneren von Menschen, die dort verdr&auml;ngt worden waren. Der Leerstand sank. Mit der sogenannten &bdquo;Mietpreisbremse&ldquo; taten sich jetzt andere Verdienstm&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Vermieter auf, und so wechselte auch der Besitzer das Gesch&auml;ftsmodell in Richtung H&ouml;chstmieten f&uuml;r solvente MieterInnen bei Ausnutzung von Wohnungsknappheit, nat&uuml;rlich auch spekulativ im Zusammenhang mit der immer wieder mal bevorstehenden Er&ouml;ffnung des neuen Flughafens und dem erwarteten Arbeitskr&auml;fte-  und Wohnungsbedarf. Auf gesetzliche Regelungen wie Mietspiegel und Mietpreisbremse wurde kaum noch R&uuml;cksicht genommen (wurde ja auch nicht von Amts wegen kontrolliert), so kam es zu &bdquo;WildWest-Preisen&ldquo; bei Neuvermietungen: Du brauchst eine Wohnung? Zahle!<\/p><p><strong>Lassen Sie mich raten: Die Mieten wurden dann weiter erh&ouml;ht.<\/strong><\/p><p>Genau, denn es sollte offenbar versucht werden, die Mieterschaft gegen solventere MieterInnen auszutauschen, also eine typische Verdr&auml;ngungsoperation. Dazu wurden neue M&ouml;glichkeiten genutzt, vor allem die Regelungen der energetischen Modernisierung, mit denen den Mietern enorm kostentreibende Bauma&szlig;nahmen aufgeb&uuml;rdet werden konnten, ohne dass diese eine Widerspruchs- oder Mitsprachem&ouml;glichkeit hatten. Dies, obwohl die W&auml;rmeverbrauchswerte dieser H&auml;user modernsten gesetzlichen Standards der Energieeinsparungsverordnung von 2014 gen&uuml;gten, es also keinen gesetzlichen Zwang zur Modernisierung gab. Bereits die ersten Teilschritte dieser &bdquo;Modernisierungen&ldquo; f&uuml;hrten dann dazu, dass den Mietern klar wurde, eine erhebliche finanzielle Belastung entweder hinnehmen oder wegziehen zu m&uuml;ssen &ndash; nur wohin? Sie stehen ja schon mit dem R&uuml;cken an der Landesgrenze.<\/p><p><strong>Und so formte sich dann der erste Protest?<\/strong><\/p><p>Ja.<\/p><p><strong>Wie lange wohnen Sie schon dort?<\/strong><\/p><p>Ich bin selbst viele Jahre Mieter in der direkten Nachbarschaft des Kosmosviertels.<\/p><p><strong>Wann haben Sie bemerkt, dass etwas Grundlegendes falsch l&auml;uft?<\/strong><\/p><p>Bereits in den 90er Jahren war f&uuml;r mich sichtbar geworden, dass Mieterrechte schleichend abgebaut wurden. Schrittweise Gesetzes&auml;nderungen, Privatisierungen, Abrisse und Vernichtung von preiswertem Wohnraum waren ja alle f&uuml;r sich kaum merkbar, aber in der Summe eine erhebliche Verschlechterung der Mieterpositionen. Dies jetzt komprimiert direkt vor mir erleben zu m&uuml;ssen, auch noch in einem so empfindlichen sozialen Milieu, war schon aufr&uuml;ttelnd.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie bitte beschreiben, wie es zur Gr&uuml;ndung des Protestb&uuml;ndnisses gekommen ist?<\/strong><\/p><p>Mit den ersten Mieterh&ouml;hungsverlangen nach den ersten Bauabschnitten war den Mietern klar, wo die Reise hingehen sollte. Einige Betroffene fanden auch den Weg zusammen und berieten &uuml;ber Gegenma&szlig;nahmen. Wenige Wochen, nachdem sich der Mieterprotest Kosmosviertel als B&uuml;ndnis konstituiert hatte, wurde ich gefragt, dort Sachkenntnisse einzubringen. Ich bin zwar &bdquo;nur&ldquo; indirekt betroffen, wenn zum Beispiel der Mietspiegel  wegen der Ver&auml;nderungen auch bei mir steigt, aber ich sehe diese Prozesse nach wie vor als direkte politische und soziale Herausforderung.<\/p><p><strong>Das war 2016?<\/strong><\/p><p>Ja, Ende des Jahres 2016 war der erste Bauabschnitt abgenommen und die Mieterh&ouml;hungsschreiben gingen an die Mieter.<\/p><p><strong>Wie viele Personen engagieren sich denn?<\/strong><\/p><p>Bis zu zehn Aktive, und noch einmal so viele Helfer von Fall zu Fall. In jedem Betroffenen, der Ressourcen zum Widerstand hat, lassen sich Kr&auml;fte wecken.<\/p><p><strong>Wie agieren Sie? Wie geht das B&uuml;ndnis vor?<\/strong><\/p><p>Wir sammeln Erfahrungen von Einzelnen ein und b&uuml;ndeln sie, lesen das Gemeinsame heraus. In den verschiedenen pers&ouml;nlichen Situationen lassen sich viele M&ouml;glichkeiten finden.  Ganz wichtig ist der Erwerb oder auch die Einwerbung von fachlicher Kompetenz und von Kenntnissen zu den einzelnen Sachgebieten, ob das juristische Kenntnisse oder Baufachwissen oder auch verwaltungstechnisches Wissen ist. Politische Zust&auml;ndigkeiten und Pr&auml;ferenzen einzelner Politiker sind ebenso ein Thema, das zu beackern ist &ndash; wo sind Verb&uuml;ndete, wo eher nicht.<\/p><p>Sehr schwierig war f&uuml;r uns die Mobilisierung der Mieter. Viele sind extrem eingesch&uuml;chtert bis wehrlos, denn es fehlen sehr h&auml;ufig die pers&ouml;nlichen Ressourcen f&uuml;r Widerstand, ob das nun verf&uuml;gbare Freizeit, Finanzen, intellektuelles Kapital ist oder einfach nur der Glaube, dass sich durch Widerstand etwas &auml;ndern l&auml;sst. Auch das Vorgehen der Wohnungsverwaltung, die in direkter Missachtung gesetzlicher Regelungen mit den MieterInnen fast nach mittelalterlicher Gutsherrenart umsprang, war f&uuml;r mich im direkten Erleben sehr ersch&uuml;tternd. Ich hatte schon pers&ouml;nliche eigene Erfahrungen damit als Mieter, aber dies hier stellte eine ganz neue versch&auml;rfte Qualit&auml;t dar. Das strukturelle Machtungleichgewicht zwischen MieterInnen und Vermieter\/Verwaltung ist au&szlig;erordentlich gro&szlig; und wird noch durch die Abh&auml;ngigkeit in Form des Mietvertragsverh&auml;ltnisses versch&auml;rft. Sich dabei gegenseitig die Schulter zu leihen und keine Vereinzelung zuzulassen, ist unbedingt notwendig. Dabei war f&uuml;r mich von  Vorteil, dass ich durch meine Wohnsituation als Aktivist Gesicht zeigen konnte, ohne direkte Repressionen des Vermieters bef&uuml;rchten zu m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Was haben Sie bis jetzt erreicht?<\/strong><\/p><p>Durch verschiedenste &ouml;ffentlichkeitswirksame und &Ouml;ffentlichkeit schaffende Aktionen haben wir erreicht, dass sich die Aufmerksamkeit auf diese Vorg&auml;nge richtete. Gerade die soziale Gef&auml;hrdung, die mit den Verdr&auml;ngungsprozessen einhergeht, wurde von uns immer wieder thematisiert und problematisiert. Auch die Einrichtung einer kostenlosen Mieterberatung im Viertel konnten wir so &ndash; wenigstens zeitweise &ndash; durchsetzen.Wo das Bezirksamt versuchte, mit einer so genannten Aufwertungsstrategie f&uuml;r das Viertel einen scheinbar problematischen sozialen Brennpunkt im Stadtbezirk m&ouml;glichst ger&auml;uschlos zu &bdquo;bereinigen&ldquo;, musste man jetzt Rede und Antwort zu sozialer Verantwortung stehen &ndash; zumindest in Worten. Und man musste dort den Offenbarungseid ablegen, dass man gar nicht in der Lage und auch nicht willens war, soziale Verdr&auml;ngungsprozesse zu verhindern. Entsprechende &uuml;ber zwei Jahre vorgebrachte Forderungen unserer Mieterinitiative nach sozialen Mieterschutzma&szlig;nahmen wurden so immer wieder verz&ouml;gert bzw. konterkariert. Eine unserer Hauptforderungen von Anfang an war die Aufstellung einer Umstrukturierungssatzung mit Sozialplan f&uuml;r das Viertel nach den Regelungen des Besonderen St&auml;dtebaurechts. Damit w&auml;re wenigstens ein rudiment&auml;rer Schutz der sozial prek&auml;rsten MieterInnen gew&auml;hrleistet worden. Dies ist bis heute nicht passiert, sogar ein entsprechendes Gutachten einer Fachfirma, das auf unseren Druck hin in Auftrag gegeben wurde, ist bis heute nicht den Mietern zug&auml;nglich gemacht worden, obwohl Antr&auml;ge und Anfragen nach dem Informationsfreigabegesetz von uns eingebracht wurden. Immer wieder wurden andere und neue Gr&uuml;nde daf&uuml;r genannt.<\/p><p>Wir konnten nachweisen, dass die sogenannten energetischen Modernisierungen reine Scheinma&szlig;nahmen waren, die sogar den Prim&auml;r-Heizw&auml;rmeverbrauch um bis zu 20 % erh&ouml;ht haben. Damit entf&auml;llt nat&uuml;rlich jetzt r&uuml;ckwirkend die M&ouml;glichkeit von Mieterh&ouml;hungen, und die Mieter k&ouml;nnen zu viel verlangte Mietaufschl&auml;ge zur&uuml;ckverlangen, immerhin bei vielen mehrere Tausend Euro f&uuml;r die vergangenen drei Jahre. Wir hatten dies bereits im vergangenen Jahr, als sich erste Anzeichen daf&uuml;r zeigten, als Versto&szlig; gegen das EnEG und die EnEV (also als Gesetzesversto&szlig;) angezeigt und ein Gutachten gefordert. Vom Bezirksamt wurde dies abgeschlagen, angeblich w&auml;ren nicht gen&uuml;gend Anzeichen und Daten  daf&uuml;r vorhanden. Jetzt haben wir mit kompletten Datens&auml;tzen f&uuml;r die letzten zehn Jahre Heizungsverbrauch und ein komplettes Jahr mit &bdquo;energetisch modernisierten Fassaden&ldquo; neu nachgerechnet und der Effekt wurde noch deutlicher sichtbar.<\/p><p>Im Endeffekt konnten wir durch den politischen Druck auch Wirkung bei den R&uuml;ckkaufverhandlungen durch die Stadt Berlin erzielen. Wenn auch der bekannt gewordene (&Uuml;ber)Preis uns nicht zu Begeisterungsst&uuml;rmen hinrei&szlig;en kann &ndash; f&uuml;r die Mieter ist es ein sofortiger Moment einer Stressentlastung gewesen, der fast unbezahlbar ist. Zu wissen, dass erst einmal Schluss ist mit der direkten Verdr&auml;ngungsbedrohung, hat bei vielen, die ich pers&ouml;nlich kenne, sehr gro&szlig;e nervliche Erleichterung hervorgerufen.<\/p><p><strong>Was sind Ihre weiteren Ziele?<\/strong><\/p><p>Bei uns wird jetzt &uuml;berlegt, ob man einen vollst&auml;ndigen R&uuml;ckbau verlangen muss. Denn eine dauerhafte Erh&ouml;hung des W&auml;rmeverbrauches sch&auml;digt ja auch die Mieter dauerhaft, ebenso wie die Umwelt. Das ist so nicht tolerierbar und muss korrigiert werden &ndash; aber bitte nicht auf Kosten des Stadts&auml;ckels. Und ganz klar betreiben wir eine Unterst&uuml;tzung der Mieter beim Vorgehen gegen die falschen Mieterh&ouml;hungen. Wir sind als Initiative auch vernetzt im Rahmen des #Mietenwahnsinn-B&uuml;ndnisses, wo wir organisatorisch und aktivistisch wie im letzten Jahr auch  an der diesj&auml;hrigen Demo-Vorbereitung f&uuml;r den 6. April 2019  teilnehmen. Ebenso stellen wir Erfahrungen und Unterst&uuml;tzung auch anderen Kietzen und Initiativen zur Verf&uuml;gung, zum Beispiel der <a href=\"http:\/\/deutsche-wohnen-protest.de\/\">Deutsche Wohnen-Vernetzung<\/a>  beim Kampf der Initiativen gegen Modernisierungen und Verdr&auml;ngung. Auch versuchen wir, unsere Erfahrungen und Kenntnisse in stadtpolitische Prozesse einflie&szlig;en zu lassen. Denn die Gentrifizierung ist ja nun nicht an der Stadtgrenze beendet. Der Umbau der Mieterstruktur soll politisch gewollt weiter betrieben werden, was wom&ouml;glich zur Bildung von Ghettos im Speckg&uuml;rtel nach Vorbild der franz&ouml;sischen Banlieues f&uuml;hren wird. Dem stemmen wir uns entgegen, das ist nicht unsere Vorstellung von Stadtentwicklung.<\/p><p><strong>Was halten Sie von dem Verhalten von politischer Seite?<\/strong><\/p><p>Immer noch ist in den Verwaltungen die neoliberale Agenda des &bdquo;scheuen Rehes namens Kapital, das man um keinen Preis vergr&auml;men darf&ldquo; tief verinnerlicht, und die Politiker von Linkspartei und Gr&uuml;nen, die daran etwas &auml;ndern wollen, haben ganz schlechte M&ouml;glichkeiten im Durchgriff auf solche Strukturen und ihre Beeinflussung. Dass dies nicht &uuml;ber Nacht m&ouml;glich sein w&uuml;rde, war uns ja klar &ndash; aber tats&auml;chlich sind viele Verwaltungen derart b&uuml;rgerfern, dass man teilweise verzweifeln kann. Wir sehen aber, dass wir durch unsere &Ouml;ffentlichkeitsarbeit auch dort verkrustete Strukturen aufbrechen helfen.<\/p><p><strong>Wenn Sie einem f&uuml;hrenden Politiker etwas direkt ins Gesicht sagen k&ouml;nnten, was w&auml;re das?<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung und alle regierenden oder mitregierenden Parteien m&uuml;ssen endlich aufh&ouml;ren, Politik und Gesetzes&auml;nderungen ausschlie&szlig;lich zu Gunsten der wohlhabendsten Minorit&auml;ts-Eliten in unserer Gesellschaft auszuf&uuml;hren. Das Resultat davon ist n&auml;mlich die vollst&auml;ndige Zerst&ouml;rung der Demokratie: die Teile der Bev&ouml;lkerung, die sich jetzt schon nicht von der Regierungspolitik vertreten f&uuml;hlen, koppeln sich vollst&auml;ndig vom demokratischen Dialog ab. Hier sind meiner Meinung nach die Ursachen f&uuml;r die vielbejammerte &bdquo;Politikm&uuml;digkeit&ldquo; der Bev&ouml;lkerung und die Mitgliederverluste der politischen Parteien zu suchen. Das Ende der Fahnenstange  mag bei uns in Deutschland noch nicht erreicht sein, aber man darf ruhig aufmerksam nach Frankreich schauen.<\/p><p><strong>Haben Sie einen Rat f&uuml;r B&uuml;rger in anderen Gegenden im Land, die vielleicht in ihrem Viertel vor &auml;hnlichen Problemen stehen?<\/strong><\/p><p>Schlie&szlig;en Sie sich zusammen. Tauschen Sie Meinungen, Positionen, vor allem Wissen und Erfahrungen aus. Machen Sie die Probleme &ouml;ffentlich. Fragen Sie Lokalpolitiker &ouml;ffentlich, wie deren Meinung und deren Ma&szlig;nahmen dazu sind. Legen Sie ihnen den Zeigefinger auf die Brust und fordern Sie direkt zur Stellungnahme und Aktion auf. Adressieren Sie Ihre Forderungen und Fragen an konkrete Politiker, politische Gremien und Verwaltungen &ndash; auch an den Gesetzgeber &ndash; und tun Sie das immer als Gruppe. Seien Sie eine  laute Gruppe. Machen Sie in Ihrer Umgebung klar, dass sich niemand vor den Problemen wegducken oder verstecken kann, denn indirekt wirken sich soziale Probleme auch immer auf alle Teile der Gesellschaft aus &ndash; zwar unmerklich, aber kumulierend.<\/p><p>Und vernetzen Sie sich mit anderen Initiativen, schon um den Vorteil der gr&ouml;&szlig;eren Anzahl ausnutzen zu k&ouml;nnen. Verkleckern Sie Ihre Kraft nicht in vielen winzig kleinen Einzelaktionen mit nur f&uuml;nf oder zehn Teilnehmern &ndash; diese werden ignoriert oder l&auml;cherlich gemacht &ndash; sondern versuchen Sie weniger, aber daf&uuml;r kraftvollere Gruppenaktionen mit m&ouml;glichst vielen Teilnehmern.<\/p><p>Titelbild: a katz \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen Gegenden Deutschlands ist die Wohnungsnot gro&szlig;. Spekulanten, &bdquo;Heuschrecken&ldquo; und Politiker, die sich eher an den Eliten als an den &auml;rmeren Teilen der Bev&ouml;lkerung orientieren, tun das &Uuml;brige. Im Interview mit den NachDenkSeiten gibt <strong>Peter Schmidt<\/strong>, der als Initiativen-Sprecher Mieter-Protest mitorganisiert, einen Einblick in die Wohnsituation des Berliner Kosmosviertels und zeigt auf, wie Mieter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50648\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":50651,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,165,209],"tags":[1435,2027,2268,2468,1785,2558,2151,633,1174],"class_list":["post-50648","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-interviews","tag-buergerinitiative","tag-gentrifizierung","tag-immobilienmarkt","tag-immobilienspekulationen","tag-immobilienwirtschaft","tag-mietnebenkosten","tag-mietpreisbremse","tag-politikerverdrossenheit","tag-segregation"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/shutterstock_341312201.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50648","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50648"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50648\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82528,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50648\/revisions\/82528"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}