{"id":50674,"date":"2019-04-04T12:34:20","date_gmt":"2019-04-04T10:34:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50674"},"modified":"2022-04-01T11:41:08","modified_gmt":"2022-04-01T09:41:08","slug":"verehrteste-frau-merkel-sie-sollten-auch-die-solidaritaet-und-freundschaft-mit-russland-zum-teil-der-deutschen-staatsraison-erklaeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50674","title":{"rendered":"\u201eVerehrteste Frau Merkel, Sie sollten auch die Solidarit\u00e4t und Freundschaft mit Russland zum Teil der deutschen Staatsraison erkl\u00e4ren!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das ist eine Schlussfolgerung, die man als Leser des gerade erschienenen Buches von <strong>Ulrich Teusch<\/strong> &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/der-krieg-vor-dem-krieg\/\">Der Krieg vor dem Krieg<\/a>&ldquo; treffen kann. Ich fand das auf den Punkt gebracht und habe deshalb den Autor Ulrich Teusch interviewt. Sie finden in diesem Interview und im Buch viel Interessantes zum Thema Propaganda f&uuml;r den Krieg, zur Kriegswahrscheinlichkeit und eben auch zum Versuch des Autors, neben dem Antisemitismus auch den Antirussismus als &auml;rgerliche und bedrohliche Erscheinung zu sehen. Hier das Interview. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2586\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-50674-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190404_Frau_Merkel_Sie_sollten_die_Freundschaft_mit_Russland_zur_deutschen_Staatsraison_erklaeren_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190404_Frau_Merkel_Sie_sollten_die_Freundschaft_mit_Russland_zur_deutschen_Staatsraison_erklaeren_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190404_Frau_Merkel_Sie_sollten_die_Freundschaft_mit_Russland_zur_deutschen_Staatsraison_erklaeren_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190404_Frau_Merkel_Sie_sollten_die_Freundschaft_mit_Russland_zur_deutschen_Staatsraison_erklaeren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=50674-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190404_Frau_Merkel_Sie_sollten_die_Freundschaft_mit_Russland_zur_deutschen_Staatsraison_erklaeren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190404_Frau_Merkel_Sie_sollten_die_Freundschaft_mit_Russland_zur_deutschen_Staatsraison_erklaeren_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller: Der Titel Ihres neuen Buches &bdquo;Der Krieg vor dem Krieg. Wie Propaganda &uuml;ber Leben und Tod entscheidet&ldquo; klingt ja nicht gerade beschwichtigend. Sehen Sie den n&auml;chsten Krieg vor der T&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Ulrich Teusch: Vor ein paar Monaten hat mir ein Leser geschrieben, der Krieg zwischen der NATO und Russland habe doch l&auml;ngst begonnen. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein. Das sehen einige professionelle Beobachter genauso. Sicher, hier in Europa fliegen uns noch keine Raketen um die Ohren, aber direkt unterhalb der Schwelle des gro&szlig;en milit&auml;rischen Konflikts tut sich einiges. So ein ganz und gar unverd&auml;chtiger Zeuge wie Herfried M&uuml;nkler spricht davon, dass es immer schwieriger werde, zwischen Krieg und Frieden zu unterscheiden, dass sich da etwas Drittes herausbilde, das sich begrifflich noch nicht klar fassen lasse. Die vielen gegenw&auml;rtig eingesetzten Formen der Aggression (Stichworte: hybrider Krieg, Cyberkrieg, Wirtschaftskrieg, Propagandakrieg etc.) sind eminent gef&auml;hrlich, weil sie Instabilit&auml;t erzeugen, weil sie sehr leicht au&szlig;er Kontrolle geraten k&ouml;nnen. Der &bdquo;letzte Schritt&ldquo; ist dann schnell getan. <\/p><p><strong>AM: Das sind doch entweder nur Schlagworte oder nichts Neues. Propagandakriege hat es immer gegeben. Wirtschaftskriege hat es immer gegeben.<\/strong><\/p><p>UT: Wenn man einem etwas weiteren Kriegsverst&auml;ndnis folgt und die Dinge global  betrachtet, wird man sagen k&ouml;nnen, dass wir bereits jetzt in einem Zeitalter des permanenten Krieges leben. Die USA f&uuml;hren seit 2001 ununterbrochen Kriege, und es gibt keine Anzeichen, dass sie davon ablassen wollen. Das setzt die Welt unter einen schwer ertr&auml;glichen Spannungszustand, der dann zuweilen auch noch mutwillig  versch&auml;rft wird. Die als Strafma&szlig;nahmen deklarierten Raketenangriffe der USA beziehungsweise westlicher L&auml;nder auf Syrien oder Trumps Drohung vor der UN-Generalversammlung, Nordkorea zu vernichten &ndash; das waren Situationen, in denen ich den Atem angehalten habe und froh war, dass es zu keiner Eskalation kam.<\/p><p><strong>AM: Ein fr&uuml;herer Oberkommandierender der US-Landstreitkr&auml;fte in Europa prognostizierte im Oktober 2018, es werde innerhalb der n&auml;chsten 15 Jahre zu einem Krieg zwischen den USA und China kommen. Warum macht der das? Andere wichtige Repr&auml;sentanten halten Kriege mit Russland f&uuml;r wahrscheinlich und erkl&auml;ren das offen. Was ist der Sinn solcher Kriegsank&uuml;ndigungen? Nutzt man die &Ouml;ffentlichkeit, um Drohungen zu &uuml;bermitteln? Will man einsch&uuml;chtern? Was ist vermutlich der Hintergrund dieser Offenheit?<\/strong><\/p><p>UT: Zun&auml;chst: Solche Aussagen sind absolut unverantwortlich. Ich glaube allerdings nicht, dass wir mit solchen Spr&uuml;chen tats&auml;chlich auf Krieg vorbereitet werden sollen. Ich vermute eher, dass sie den eigentlichen Krieg ersetzen sollen &ndash; nat&uuml;rlich im Verein mit weiteren aggressiven Ma&szlig;nahmen, wie etwa Sanktionen. Oder anders: Im Fall Russlands ist &bdquo;der Krieg vor dem Krieg&ldquo; der eigentliche Krieg. Aber das ist nat&uuml;rlich ein hochriskantes Unterfangen. Wer den Krieg vor dem Krieg als Ersatzkrieg f&uuml;hrt, ihn st&auml;ndig versch&auml;rft, ihn immer n&auml;her an die Schwelle des gro&szlig;en milit&auml;rischen Konflikts treibt, der spielt mit dem Feuer. <\/p><p><strong>AM: Da ich die Phase der Entspannungspolitik in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts selbst miterlebt habe, meine ich feststellen zu k&ouml;nnen, dass es &auml;hnliche Drohgeb&auml;rden zumindest ab Ende der sechziger Jahre nicht mehr gegeben hat. Haben Sie bei Ihren Recherchen einen Unterschied von damals zu heute entdeckt?<\/strong><\/p><p>UT: Da gibt es erhebliche Unterschiede. Der erste Kalte Krieg war ein bipolarer Konflikt, mit den Zentren Washington und Moskau. In seinem Kernbereich, also den NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten, war er relativ stabil, in seiner Peripherie hat er allerdings &ndash; was leider oft vergessen wird &ndash; zu vielen (Stellvertreter-) Kriegen mit vielen Millionen Opfern gef&uuml;hrt. In der von Ihnen angesprochenen Phase der Entspannungspolitik, die von den 1960er Jahren bis Ende der 1970er dauerte, ging es keiner der beiden Seiten mehr ernstlich um das, was man heute als &bdquo;Regime Change&ldquo; bezeichnen w&uuml;rde. Vielleicht hat man auf sehr lange Sicht geglaubt und gehofft, das eigene System werde sich dem anderen &uuml;berlegen erweisen, aber in der konkreten Politik hat das keine allzu gro&szlig;e Rolle gespielt. Die damaligen Konzepte &ndash; &bdquo;friedliche Koexistenz&ldquo; auf  &ouml;stlicher Seite, &bdquo;D&eacute;tente&ldquo;, &bdquo;Modus Vivendi&ldquo;, &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; oder &bdquo;Europ&auml;ische Friedensordnung&ldquo; auf westlicher Seite &ndash; basierten auf der Anerkennung des Status quo und versuchten in diesem Rahmen viele konkrete Verbesserungen zu erzielen, Bindungen und Verbindungen zu st&auml;rken, Vertrauen aufzubauen, die Kriegsgefahr zu reduzieren und so weiter. Das war praktische Friedenspolitik. Und sie wurde auch und vor allem von deutscher Seite betrieben. Willy Brandt hat sich seinen Friedensnobelpreis redlich verdient. Martialische Spr&uuml;che, wie sie heute an der Tagesordnung sind, w&auml;ren ihm nie &uuml;ber die Lippen gekommen. Zudem hat er immer wieder spezifisch deutsche oder europ&auml;ische Interessen gegen&uuml;ber den Amerikanern selbstbewusst vertreten. <\/p><p>Heute befinden wir uns nicht mehr in einer bipolaren Ordnung, sondern vielmehr in einem &Uuml;bergangsprozess von einer unipolaren, US-dominierten Ordnung, die sich nach 1990 herausgebildet hatte, zu einer komplexen multipolaren Ordnung. Die Zahl der Pole w&auml;chst, die USA befinden sich auf dem absteigenden Ast. Das hei&szlig;t: Der neue Kalte Krieg weist gegen&uuml;ber dem alten erhebliche strukturelle Unterschiede auf, ist also keine blo&szlig;e Neuauflage von etwas Altbekanntem.<\/p><p><strong>AM: Wenn sich die USA auf dem absteigenden Ast bef&auml;nden, w&auml;re das f&uuml;r den Frieden nicht das Schlechteste. Aber ob das so kommt, ist offen. Wie auch immer, welche Rolle spielt die Propaganda in diesem Spiel der gegenseitigen Drohungen? <\/strong><\/p><p>UT: Propaganda ist das Gegenteil von Friedenspolitik, das Gegenteil von Vertrauensbildung. Sie ist Anti-Diplomatie. Sie versch&auml;rft, sie spitzt zu, sie eskaliert. Sie kann den Krieg gezielt vorbereiten, auf ihn einstimmen, ihn legitimieren, als unausweichlich erscheinen lassen oder zumindest den &Uuml;bergang zur Gewaltanwendung erleichtern, indem sie den Gegner d&auml;monisiert, also entmenschlicht. Sie kann aber auch im Fall eines bereits eingetretenen Konflikts jede Chance auf Deeskalation verbauen. Das ist ein Gesichtspunkt, um den sich insbesondere die Scharfmacher in den Medien so gut wie keine Gedanken machen: Wie soll im Fall eines tats&auml;chlichen Konflikts noch eine Deeskalation m&ouml;glich sein, wenn durch jahrelange Propaganda und Gegenpropaganda nur wechselseitiges Misstrauen gez&uuml;chtet wurde? <\/p><p><strong>AM: Propaganda wirkt aber doch nicht nur nach au&szlig;en, sondern auch nach innen! <\/strong><\/p><p>UT: Genau. Das ist auch ein Aspekt, der mir besonders wichtig ist. Wer den &auml;u&szlig;eren Frieden gef&auml;hrdet, der gef&auml;hrdet damit in aller Regel auch den inneren Frieden (und umgekehrt). Es entsteht eine negative Wechselwirkung zwischen internationalen Spannungen, Konflikten und Kriegen auf der einen Seite und innerstaatlicher Repression, Illiberalit&auml;t und Demokratie-Erosion auf der anderen. Wenn die internationalen Spannungen wachsen, wenn tats&auml;chlich Kriegsgefahr be- oder entsteht, dann versch&auml;rfen sich auch die innenpolitische Tonlage und Gangart. Nehmen wir die uns&auml;gliche Russiagate-Hysterie in den USA: Diese Propagandaschlacht hat nicht nur eine ausw&auml;rtige Macht d&auml;monisiert und jeglichen Fortschritt in den Beziehungen zwischen den USA und Russland vereitelt, sondern sie hat auch das innenpolitische Klima vergiftet und in einen neuen McCarthyismus gef&uuml;hrt. <\/p><p><strong>AM: Welches sind die riskanten Konstellationen, die Ausl&ouml;ser sein k&ouml;nnten f&uuml;r den milit&auml;rischen Konflikt zwischen NATO und Russland?<\/strong><\/p><p>UT: Sollte es tats&auml;chlich zu einem Krieg zwischen Russland und der NATO kommen, dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aufgrund einer bewussten Angriffsentscheidung einer der beiden Seiten, vermutlich auch nicht als unmittelbare Folge eines sich immer h&ouml;her schaukelnden Propagandakrieges. Weit plausibler erscheint, dass eine milit&auml;rische Eskalation (sieht man von einem immer m&ouml;glichen &bdquo;Atomkrieg aus Versehen&ldquo; ab) aus einem konkreten milit&auml;rischen Zusammensto&szlig; entst&uuml;nde, etwa in Syrien oder im Baltikum oder in der Ukraine oder im Schwarzen Meer, dort also, wo sowohl Russland als auch die USA und andere westliche M&auml;chte milit&auml;risch aktiv sind und bislang einigen Aufwand betreiben, um sich nicht ins Gehege zu kommen. <\/p><p><strong>AM: Diesen Eindruck habe ich bei den bisherigen Man&ouml;vern des Westens und bei den vielen Flugbewegungen beider Seiten nicht gewonnen.<\/strong><\/p><p>UT: Jede Provokation oder jedes gewollte oder ungewollte &Uuml;berschreiten von definierten oder nicht definierten roten Linien k&ouml;nnte allerdings zu einer direkten Konfrontation f&uuml;hren, die sich dann nicht mehr stoppen l&auml;sst. Es gab in den vergangenen Jahren einige Situationen, in denen ein cholerischer oder paranoider oder einfach nur nerv&ouml;ser politischer Charakter ausreichend Anlass gefunden h&auml;tte, &bdquo;zur&uuml;ckzuschlagen&ldquo; und m&ouml;glicherweise eine Kettenreaktion auszul&ouml;sen.<\/p><p><strong>AM: Wie k&ouml;nnten wir die Gefahren verringern?&nbsp;<\/strong><\/p><p>UT: Wir m&uuml;ssen es schaffen, den von mir schon angesprochenen &Uuml;bergangsprozess zu einer multipolaren Weltordnung friedlich zu gestalten. Da sind in erster Linie die USA gefordert, die begreifen m&uuml;ssen, dass ihr global-hegemonialer Anspruch sich nicht l&auml;nger aufrechterhalten l&auml;sst. Sie m&uuml;ssen darauf verzichten, ein Empire zu sein, sie m&uuml;ssen zur&uuml;ck ins Glied treten und zu einer normalen Macht in einer regelbasierten internationalen Ordnung werden. Dazu sind sie aber ganz offenkundig nicht bereit, und genau hier steckt aus meiner Sicht die Hauptgefahr f&uuml;r den Weltfrieden. <\/p><p><strong>AM: Ein bisschen konkreter bitte &ndash; vielleicht an einem Beispiel erl&auml;utert!<\/strong><\/p><p>UT: Nehmen wir die NATO-Osterweiterung. Das US-amerikanische &bdquo;National Security Archive&ldquo; hat 2018 eine erdr&uuml;ckende Dokumentation vorgelegt, die jenseits allen vern&uuml;nftigen Zweifels belegt, dass mit der Osterweiterung ein westliches Versprechen gegen&uuml;ber Moskau gebrochen wurde. Als die Osterweiterung in Gang gesetzt wurde, gab es eindringliche Warnungen von renommierten Experten wie George F. Kennan zum Beispiel, dass es sich hier um eine Fehlentscheidung von historischer Dimension handele. Die Warner konnten sich bekanntlich nicht durchsetzen, aber sie haben eindeutig Recht behalten. Das Gleiche l&auml;sst sich f&uuml;r die Raketenabwehrsysteme in Rum&auml;nien und Polen sagen, &uuml;berhaupt &uuml;ber die ganzen milit&auml;rischen Aktivit&auml;ten nahe der russischen Westgrenze. Welches Interesse sollten wir, die Deutschen, an diesen riskanten Unternehmungen haben? Oder andere Europ&auml;er? Warum stoppen wir diese wahnsinnige Entwicklung nicht? W&uuml;rden wir eingestehen, dass wir hier einen fatalen Weg eingeschlagen haben, w&uuml;rden wir den Kurs korrigieren, w&auml;re das ein Signal an Russland, das dort mit Sicherheit positiv aufgegriffen w&uuml;rde. Die ganze Lage w&uuml;rde sich entspannen. <\/p><p><strong>AM: Sprung zur&uuml;ck, wie ist Ihr Buch aufgebaut? Was wollen Sie den Leserinnen und Lesern vermitteln?<\/strong><\/p><p>UT: Ich zitiere im Buch den Philosophen George Santayana: &bdquo;Diejenigen, die sich nicht an die Vergangenheit erinnern k&ouml;nnen, sind dazu verurteilt, sie zu wiederholen.&ldquo; Und dann nat&uuml;rlich George Orwell: &bdquo;Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft, wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit.&ldquo; Das hei&szlig;t f&uuml;r mich: Propaganda kann &uuml;berhaupt nur dann erfolgreich sein, wenn es ihr gelingt, historische Erfahrungen vergessen zu  machen, Geschichte zu revidieren, Geschichtsklitterung zu betreiben. Das bedeutet im Umkehrschluss: Historische Aufkl&auml;rung ist das beste Mittel gegen Propaganda! Ich verwende viel M&uuml;he darauf, diese These an konkreten Beispielen zu veranschaulichen, etwa an der deutsch-russischen Geschichte, an der amerikanischen Kriegsgeschichte, am Beispiel des Irak-, des Libyen- und des Syrienkriegs und so weiter. Das ist der rote Faden des Buchs.<\/p><p><strong>AM: Gibt es noch andere F&auml;den?<\/strong><\/p><p>UT: Ja, zum Beispiel Arthur Ponsonbys &bdquo;Zehn Prinzipien der Kriegspropaganda&ldquo;, die er einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg formuliert hat. Die sind leider zeitlos g&uuml;ltig und die hatte ich beim Schreiben st&auml;ndig im Hinterkopf. Dann nat&uuml;rlich noch zwei Aspekte, die ich schon in der &bdquo;L&uuml;ckenpresse&ldquo; breit thematisiert hatte und jetzt auf die Kriegspropaganda anwende: also das Messen mit zweierlei Ma&szlig; und die gezielte Nachrichtenunterdr&uuml;ckung. Das veranschauliche ich insbesondere an der aktuellen Syrien-Berichterstattung, in einem Kapitel mit dem Titel &bdquo;Erkundungen am medialen Abgrund&ldquo;.<\/p><p><strong>AM: In der Ank&uuml;ndigung des Buchs wird auch versprochen, dass Sie die Interessen hinter der Kriegspropaganda aufdecken wollen.<\/strong><\/p><p>UT: Das versuche ich in drei eigenen Kapiteln, insbesondere am Beispiel der USA, wo sich inzwischen ein &bdquo;Permanent War Complex&ldquo; herausgebildet hat (ein sehr treffender Begriff, den der Journalist und Historiker Gareth Porter eingef&uuml;hrt hat). Trotz eines Mangels an wirklichen, substanziellen Feinden und trotz ausbleibender Kriegserfolge haben sich Pentagon, Ministerium f&uuml;r Heimatschutz, der US-Nuklearkomplex, die 17 Geheimdienste, die R&uuml;stungsunternehmen sowie die privaten Sicherheits- und Milit&auml;runternehmen zu einer riesigen, komplexen, ineinandergreifenden Struktur entwickelt &ndash; f&uuml;r die Beteiligten extrem profitabel, f&uuml;rs Land extrem kostspielig. Dieser Komplex hat aus meiner Sicht eine unverkennbare Eigendynamik gewonnen. Um seine Existenz zu legitimieren, muss er st&auml;ndig Bedrohungen an die Wand malen; ob reale oder irreale, ist gleichg&uuml;ltig. Das System braucht R&uuml;stung und Krieg, um noch funktionsf&auml;hig zu sein. Die Propaganda liefert die Begleitmusik. <\/p><p><strong>AM: Ihr Urteil &uuml;ber die Rolle der Medien ist schon im Vorwort hart: &bdquo;Kriegstreiber haben von den etablierten Medien viel (bis alles) zu erwarten, Kriegsgegner wenig (bis nichts)&ldquo;. Ein hartes Urteil. Gerechtfertigt?<\/strong><\/p><p>UT: Der britische Investigativjournalist Phillip Knightley hat in seinem gro&szlig;en Werk &bdquo;The First Casualty&ldquo; (&bdquo;Das erste Opfer&ldquo;) die Geschichte der Kriegsberichterstattung vom Krimkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zum Irakkrieg 2003 erz&auml;hlt. Seine Bilanz ist niederschmetternd. Der einzige Krieg, der am Ende von den Medien einigerma&szlig;en ad&auml;quat dargestellt wurde, war der Vietnamkrieg, alle anderen Kriege nicht. Wobei der Erste Weltkrieg als besonders eklatantes Negativbeispiel herausragt. Und in j&uuml;ngerer Zeit hat der Nahostkorrespondent Patrick Cockburn festgestellt, dass das Ausma&szlig; der Desinformation im Syrienkrieg mit jenem im Ersten Weltkrieg vergleichbar sei&hellip; Woraus soll man da die Hoffnung sch&ouml;pfen, dass herrschaftsnahe Medien es in Zukunft besser machen werden?<\/p><p><strong>AM: Nach meiner Erinnerung verhalten sich die Medien heute ganz anders als vor 50 Jahren oder 40 Jahren. K&ouml;nnen Sie das erkl&auml;ren oder ist meine Beobachtung falsch? <\/strong><\/p><p>UT: Wir hatten ja schon festgestellt, dass damals auch die Politik anders war: Au&szlig;enpolitisch standen die Zeichen auf Entspannungs- und Friedenspolitik, innenpolitisch auf Reformpolitik. Das politische Klima war vergleichsweise liberal, die Diskursbreite gr&ouml;&szlig;er als heute. Davon haben die Medien nat&uuml;rlich profitiert. Das l&auml;sst sich noch bis Anfang der 1980er Jahre beobachten. Sie haben ja k&uuml;rzlich auf den NachDenkSeiten an diese aus heutiger Sicht unglaubliche &bdquo;Tagesschau&ldquo;-Ausgabe vom Oktober 1981 erinnert, in der &uuml;ber die gro&szlig;e Bonner Friedensdemonstration berichtet wurde. Obwohl die damals im Bundestag vertretenen Parteien dem Anliegen der Demonstranten mehr oder weniger ablehnend gegen&uuml;berstanden, hat das damalige ARD-Hauptstadtstudio (unter seinem keineswegs revolution&auml;ren Leiter Friedrich Nowottny) eine Berichterstattung abgeliefert, vor der man nur den Hut ziehen kann. Das war absolut untadeliger Nachrichtenjournalismus. Heute w&auml;re so etwas unvorstellbar.<\/p><p><strong>AM: Eines Ihrer Kapitel ist &uuml;berschrieben mit: &bdquo;Die Kriegsverk&auml;ufer&ldquo;. Mit solchen harten, wenn auch richtigen Aussagen sorgen Sie daf&uuml;r, dass es zu Ihrem Buch fast keine Buchbesprechungen geben wird oder nur vernichtende. Haben Sie keine Angst?<\/strong><\/p><p>UT: Ich bin in dem Buch nicht gerade zimperlich. Da muss man dann auch bereit sein, mal etwas einzustecken. Aber Angst habe ich keine.<\/p><p><strong>AM: Sie schreiben auch, wir sollten uns von der Vorstellung befreien, dass Kritik am Journalismus, an den Medien, am Mediensystem etwas Grundlegendes &auml;ndern k&ouml;nnte. Das klingt resignativ. Sie retten sich mit einer Art Trick aus diesem Dilemma. Sie meinen: Nicht wir befassen uns mit den Medien, sondern die Medien befassen sich mit uns. Wir sind das Volk. Wir bestimmen die Agenda. &ndash; Naja. Sie meinen dann, gegen das etablierte Mediensystem w&uuml;rden nur antisystemische Medien helfen. Einige gebe es schon, die NachDenkSeiten z&auml;hlen Sie dazu. Sie &uuml;bersch&auml;tzen die Kraft der antisystemischen Medien?! Ihre Argumentation verstehe ich nicht und Ihren Optimismus teile ich nicht! Deshalb die Bitte, dies n&auml;her zu erl&auml;utern.<\/strong><\/p><p>UT: Ich will nicht ausschlie&szlig;en, dass Sie mit Ihrer Skepsis Recht behalten. Aber ich pers&ouml;nlich bin im Moment eher zuversichtlich. Auch deshalb, weil ja in den letzten Jahren in Sachen &bdquo;antisystemische Medien&ldquo; doch einiges erreicht wurde, d.h. es gibt inzwischen doch schon recht viele Nachrichtenportale oder interessante Blogs, die sich zum Teil miteinander vernetzen oder sich bei Bedarf wechselseitig st&uuml;tzen. Und auf diesem Gebiet wird sicher in Zukunft auch noch einiges passieren &ndash; nat&uuml;rlich nur, wenn es gelingt, die gegenw&auml;rtigen Angriffe (Stichwort Internetzensur) abzuwehren. Optimistisch bin ich aber auch deshalb, weil in unserem Mediensystem insbesondere die Buchverlage immer wieder f&uuml;r positive &Uuml;berraschungen gut sind. Autorinnen und Autoren, die mit dem Mainstream &uuml;berkreuz liegen, landen da doch regelm&auml;&szlig;ig spektakul&auml;re Bestseller. Sodann sollten wir die Situation nicht nur in Bezug auf Deutschland betrachten, sondern global. In den USA zum Beispiel ist der mediale Alternativsektor kaum noch &uuml;berschaubar und sein Einfluss beachtlich. Und schlie&szlig;lich z&auml;hle ich auch die nicht-westlichen internationalen Fernseh-Nachrichtenkan&auml;le (wie Telesur, RT oder PressTV) zu den Korrektiven, die andere Perspektiven vermitteln oder westliche Narrative in Frage stellen.<\/p><p><strong>AM: Sie haben mich mit Ihrem Buch beim Gr&uuml;beln erwischt. Angesichts der &uuml;blich gewordenen Antisemitismusdebatte, die in Deutschland voll gespickt ist mit Antisemitismus-Vorw&uuml;rfen an Menschen, die es nun wahrlich nicht verdient haben, im Gegenteil, suche ich nach Gegenstrategien gegen die laufende Kampagne. In Ihrem Buch kann man einen guten Rat zur Abwehr dieser Kampagne entdecken: Sie stellen neben den Antisemitismus den Antirussismus. Wie meinen Sie das? <\/strong><\/p><p>UT: Wir alle kennen den Begriff Holocaust. Mit ihm bezeichnet man die Vernichtung der europ&auml;ischen Juden durch Nazideutschland. Dieses ungeheuerliche Verbrechen und diese nicht abtragbare Schuld haben sich tief ins kollektive historische Ged&auml;chtnis der Deutschen eingegraben. Wir bek&auml;mpfen alle Erscheinungsformen des Antisemitismus, wir begegnen dem Staat Israel und seiner Politik mit gro&szlig;er Sensibilit&auml;t &ndash; dies alles v&ouml;llig zu Recht! In meinem Buch bringe ich nun neben dem Begriff Holocaust auch den Begriff &bdquo;anderer Holocaust&ldquo;. Ich &uuml;bernehme ihn von dem Historiker Rolf-Dieter M&uuml;ller, einem der besten Kenner des Zweiten Weltkriegs. Er hat ihn 1988 in einem gro&szlig;en Artikel f&uuml;r &bdquo;Die Zeit&ldquo; verwendet. Wenn er vom &bdquo;anderen Holocaust&ldquo; spricht, meint M&uuml;ller den rassenideologischen Vernichtungskrieg Nazideutschlands im Osten, also die barbarische Kriegsf&uuml;hrung gegen die slawischen V&ouml;lker, insbesondere gegen Russen, die aus deutscher Sicht &bdquo;Untermenschen&ldquo; waren. Ich bin &uuml;berzeugt, dass dieses grauenhafte Geschehen des &bdquo;anderen Holocaust&ldquo; ebenso Teil des historischen Ged&auml;chtnisses der Deutschen sein m&uuml;sste wie der eigentliche Holocaust. Und dass es konkrete politische Folgen zeitigen m&uuml;sste, insbesondere in unserem Verh&auml;ltnis zu Russland. Antirussismus m&uuml;sste ebenso bek&auml;mpft werden wie Antisemitismus. <\/p><p><strong>AM: Ist Ihnen klar, dass Sie damit zu einer Zielscheibe der herrschenden Kreise in den deutschen Medien und in der Politik werden?<\/strong><\/p><p>UT: Ich habe meine These vor ein paar Wochen im Rahmen einer Podiumsdiskussion vorgetragen. Die dort anwesenden Russen oder aus Russland stammenden Zuh&ouml;rer kamen hinterher zu mir und haben sich f&uuml;r meine Worte bedankt. Das war sehr ber&uuml;hrend. Und das ist mir viel wichtiger als das, was die von Ihnen angesprochenen herrschenden Kreise in den deutschen Medien m&ouml;glicherweise dazu sagen.<\/p><p><strong>AM: Spinnen wir Ihren Gedanken mit dem Vergleich von Antisemitismus mit Antirussismus weiter: Die deutsche Bundeskanzlerin, Frau Merkel, sagt, Israel geh&ouml;re zur deutschen Staatsraison. Das kann man so sehen, weil die industrielle Ermordung von 7 Millionen Juden Deutschland zur Garantie der Sicherheit Israels verpflichten k&ouml;nnte. Wir begeben uns damit zwar in die Hand jeglicher Richtung einer israelischen Regierung, auch in die H&auml;nde einer Regierung, die bewusst den Frieden mit den Pal&auml;stinensern nicht will. Aber das soll ja nicht Thema meiner Frage sein. Ihren Gedanken weitergesponnen k&ouml;nnte man zur Empfehlung an Frau Merkel oder an den Bundespr&auml;sidenten kommen zu erkl&auml;ren: Angesichts von 27 Millionen ermordeter, gestorbener, verhungerter Russen und andere Sowjetb&uuml;rger geh&ouml;rt Frieden mit Russland und die Sicherheit Russlands zur deutschen Staatsraison. &ndash; W&uuml;rde das helfen, um die von Ihnen entdeckte Kriegspropaganda zu stoppen?<\/strong><\/p><p>UT: Ich finde den Begriff &bdquo;Staatsraison&ldquo; in diesem Zusammenhang problematisch, sowohl in Bezug auf Israel wie auch in Bezug auf Russland. Er bedeutet eine zu gro&szlig;e Festlegung. Ich pers&ouml;nlich stehe der aktuellen israelischen Politik &auml;u&szlig;erst kritisch gegen&uuml;ber und sage das im Buch auch sehr deutlich. Trotzdem f&uuml;hle ich mich der j&uuml;dischen Geschichte, konkreten j&uuml;dischen Menschen und auch dem Staat Israel sehr tief verbunden, werde ihn auch jetzt im Mai zwei Wochen lang bereisen. Also, ich w&uuml;rde es so formulieren: Unser Verh&auml;ltnis zu Russland sollte von der gleichen Sensibilit&auml;t, Empathie, Vorsicht bestimmt sein wie unser Verh&auml;ltnis zu Israel. Ein tief verwurzeltes Schuldgef&uuml;hl m&uuml;sste in eine keineswegs kritikfreie, aber doch reflektierte Form der Solidarit&auml;t m&uuml;nden.<\/p><p><strong>AM: Frau Merkel gebraucht aber das Wort Staatsraison. Deshalb ist, lieber Herr Teusch, Ihre pers&ouml;nliche Vorliebe unerheblich. Wenn Sie der Anwendung der gleichen Formel auf die Beziehungen zu Russland ausweichen, dann rauben Sie mir diese meine Entdeckung in Ihrem Buch, die Anwendung der gleichen Formel auf das Verh&auml;ltnis zu Russland. Schade. Denn das w&auml;re eine wirklich gute Attacke auf die herrschende Propaganda. Warum so z&ouml;gerlich?<\/strong><\/p><p>UT: Oje, ich glaube, wir missverstehen uns da gerade! Ich hege lediglich gewisse Vorbehalte gegen den Begriff Staatsraison als solchen, der in meinen Politikwissenschaftler-Ohren ein wenig zu etatistisch klingt. In der Sache, um die es hier geht, bin ich aber vollkommen bei Ihnen! Wenn Merkel oder Maas oder wer auch immer den Begriff Staatsraison verwenden, kann und muss man ihn nat&uuml;rlich aufgreifen. Also, wenn Merkel sagt: &bdquo;Die Solidarit&auml;t und Freundschaft mit Israel ist Teil der deutschen Staatsraison&ldquo;, dann w&uuml;rde ich ihr sofort in die Parade fahren und antworten: &bdquo;Verehrteste, wenn Sie so argumentieren, m&uuml;ssen Sie konsequenterweise auch die Solidarit&auml;t und Freundschaft mit Russland zum Teil der deutschen Staatsraison erkl&auml;ren!&ldquo; Und wenn sie mich dann erstaunt anguckt und fragt &bdquo;warum das denn?&ldquo;, w&uuml;rde ich ihr mit Freuden ein wenig Geschichtsunterricht erteilen.<\/p><p><strong>AM: Statt der Erkl&auml;rung des Friedens mit Russland zur deutschen Staatsraison wird im Falle Russlands Hass gepredigt. Von Anfang an, praktisch von 1945 an und im Kalten Krieg der F&uuml;nfzigerjahre sowieso. Haben Sie eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r? Wie reagieren die Russen darauf?<\/strong><\/p><p>UT: Der alte Antirussismus oder Antislawismus konnte wegen des schnell eskalierenden Kalten Krieges unter dem dann politisch korrektiven Label &bdquo;Antikommunismus&ldquo; weitergepflegt werden. Das war der Auseinandersetzung mit den Kriegsgeschehnissen nat&uuml;rlich &uuml;berhaupt nicht f&ouml;rderlich. Ich glaube allerdings, dass es heute in Deutschland einen gro&szlig;en Bev&ouml;lkerungsteil gibt &ndash; nicht die Mehrheit, aber doch eine beachtliche Minderheit &ndash;, die sich mit der deutsch-russischen Geschichte im Zweiten Weltkrieg intensiv auseinandergesetzt hat. Ich vermute auch, dass es vor allem dieser Bev&ouml;lkerungsteil ist, der auf die aktuellen russophoben T&ouml;ne besonders allergisch reagiert. Was Russland, aber auch andere osteurop&auml;ische L&auml;nder angeht, bin ich immer wieder erstaunt und dankbar, wie beliebt Deutschland und die Deutschen dort sind&hellip;<\/p><p><strong>AM: Na ja, wenn wir so weitermachen mit der antirussischen Propaganda, wird diese Zuwendung zu den Deutschen nicht mehr lange zu beobachten und genie&szlig;en sein. &ndash; Was sind die Methoden und Inhalte der Propaganda gegen Russland?<\/strong><\/p><p>UT: Ich hatte ja schon gesagt, dass im Hinblick auf Russland der &bdquo;Krieg vor dem Krieg&ldquo; als Ersatzkrieg gef&uuml;hrt wird, also nicht nur aus Propaganda besteht, sondern auch aus vielen anderen Druckmitteln, wie etwa Sanktionen. Die Ziele dieses Krieges lauten: eine aufstrebende Macht schw&auml;chen oder in ihre Schranken weisen; sie destabilisieren, delegitimieren, isolieren; ihre politische Grundorientierung revidieren, ihr politisches F&uuml;hrungspersonal d&auml;monisieren. Die antirussische Propaganda ist letztlich Regime-Change-Propaganda.<\/p><p>Einige der Mittel: Da ist zum Beispiel die penetrante Personalisierung des Konflikts, die auch deshalb so beliebt ist, weil man an Putin (ehemals KGB-Mitarbeiter) eine Kontinuit&auml;t von der alten Sowjetunion zum heutigen Russland suggerieren kann. Die Berichterstattung der meisten etablierten Medien ist Lichtjahre davon entfernt, ein der Komplexit&auml;t Russlands gerecht werdendes, multi-perspektivisches Bild zu zeichnen. Alles wird in ein negatives Licht getaucht, gro&szlig;e Teile der Realit&auml;t einfach ausgeblendet. Wenn Putin eine wichtige Rede h&auml;lt, kann man nicht sicher sein, dass sie von westlichen Medien ad&auml;quat wiedergegeben oder gar im Wortlaut dokumentiert wird; im ersten Kalten Krieg, zumindest in der Entspannungsphase, w&auml;re das noch unabdingbarer Standard gewesen. Kein Sowjetf&uuml;hrer, nicht einmal Stalin, wurde im Westen je so d&auml;monisiert wie heute der demokratisch gew&auml;hlte Putin. Daneben gibt es in der Propaganda eine Vielzahl von Klischees, Stigmatisierungen, Stereotypen, die sich nicht nur gegen die &bdquo;Machthaber&ldquo;, sondern gegen ganz normale russische Menschen richten. Im Buch bringe ich daf&uuml;r sehr viele Beispiele, und zumindest teilweise handelt es sich da um offenen Rassismus.<\/p><p><strong>AM: Zum Schluss komme ich noch einmal auf die Kriegsgefahr zur&uuml;ck. Auf der R&uuml;ckseite Ihres Buches steht geschrieben, ob von Ihnen oder vom Verlag, das wei&szlig; ich nicht: &bdquo;Die gute Nachricht: So bedrohlich Kriegspropaganda nach wie vor ist &ndash; sie hat den Zenit ihrer Leistungsf&auml;higkeit &uuml;berschritten. Sie st&ouml;&szlig;t immer &ouml;fter an Grenzen. Das er&ouml;ffnet allen, die f&uuml;r eine friedliche und freie Welt streiten, gro&szlig;e Chancen.&ldquo; Hier hat Ihnen offenbar jemand eingeredet, Sie m&uuml;ssten beachten, dass Leser oft fragen: Wo bleibt das Positive? Ich kann Ihrer Diagnose n&auml;mlich gar nicht folgen, freue mich aber, wenn meine Diagnose falsch ist. Also: Wie begr&uuml;nden Sie Ihren Optimismus?<\/strong><\/p><p>UT: Also, der Satz stammt in der Tat von mir. Ich denke da zum Beispiel an die Skripal-Geschichte, an die angeblichen Chemiewaffeneins&auml;tze in Syrien, an die Russiagate-Hysterie &ndash; es gibt inzwischen wirklich sehr viele Menschen, die diese Kampagnen durchschauen und sich davon nicht mehr so besonders beeindrucken lassen. Sodann: Propaganda kann immer nur so gut sein, wie das politische System, das sie macht. Und da ist eben zu beobachten, dass die westliche Welt und insbesondere die im Abstieg befindlichen USA in einer tiefen Krise stecken. Manchmal habe ich das Gef&uuml;hl: Die sp&uuml;ren, dass ihnen die Felle wegschwimmen, und dann machen sie mit dem Mut der Verzweiflung eine lautstarke, total &uuml;berdrehte Propaganda, die von gro&szlig;en Teilen des Publikums ohne M&uuml;he durchschaut werden kann. Auch da stelle ich gro&szlig;e Unterschiede etwa zu den 1970er Jahren fest: Damals gab es nat&uuml;rlich ebenfalls Propaganda, aber die war wesentlich subtiler und intelligenter, darum auch wirksamer.<\/p><p><strong>AM: Ihr Wort in Gottes Ohr. Ich bin pessimistischer. Dennoch: Danke f&uuml;r das interessante Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist eine Schlussfolgerung, die man als Leser des gerade erschienenen Buches von <strong>Ulrich Teusch<\/strong> &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/der-krieg-vor-dem-krieg\/\">Der Krieg vor dem Krieg<\/a>&ldquo; treffen kann. Ich fand das auf den Punkt gebracht und habe deshalb den Autor Ulrich Teusch interviewt. 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