{"id":50944,"date":"2019-04-14T11:45:46","date_gmt":"2019-04-14T09:45:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50944"},"modified":"2022-08-10T13:11:48","modified_gmt":"2022-08-10T11:11:48","slug":"kein-neuer-galeano-stefan-peters-venezuela-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50944","title":{"rendered":"Kein neuer Galeano: Stefan Peters&#8217; Venezuela-Buch"},"content":{"rendered":"<p>Ist der &bdquo;Sozialismus&ldquo; in Venezuela mit dem ehemaligen Pr&auml;sidenten Ch&aacute;vez gestorben? Was sind die Gr&uuml;nde f&uuml;r die desolate Lage, in der sich das Land zur Zeit befindet? Sind die Probleme hausgemacht? Oder eher eine Folge externer Faktoren, die vor allem Folge einer imperialistischen Au&szlig;enpolitik der USA sind? Mit diesen Fragen besch&auml;ftigt sich das Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.schmetterling-verlag.de\/page-5_isbn-3-89657-619-4.htm\">Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Venezuela<\/a>&ldquo; von <strong>Stefan Peters<\/strong>, in das <strong>Daniela Lobmueh<\/strong> f&uuml;r die NachDenkSeiten einen Blick geworfen hat.<br>\n<!--more--><br>\nDer Verlagstext zum Buch beginnt mit ein paar Lobesworten. Mit Hugo Ch&aacute;vez wurde der Sozialismus &bdquo;wieder salonf&auml;hig&ldquo;, denn mit &bdquo;dem R&uuml;ckenwind kr&auml;ftig steigender Rohstoffpreise&ldquo; gelangen soziale Entwicklungserfolge und &bdquo;hohe Wachstumsraten&ldquo;. Es sind diese Erfolge, von denen man in unserem Medienmainstream bislang wenig h&ouml;rte und in einer Analyse gern mehr geh&ouml;rt h&auml;tte. Aber der Klappentext f&auml;hrt fort: &bdquo;Doch bald wurden die Erfolgsmeldungen sp&auml;rlicher und Nachrichten von Verschwendung, Korruption sowie zunehmenden autorit&auml;ren Tendenzen untergruben den Modellcharakter. Sp&auml;testens mit dem Tod des comandante im M&auml;rz 2013 und dem Einbruch der Erd&ouml;lpreise begann der Niedergang der Bolivarischen Revolution.&ldquo;<\/p><p>Stefan Peters&rsquo; Analyse der &bdquo;Gr&uuml;nde des Scheiterns der Bolivarischen Revolution&ldquo; krankt fatal an einem selbst gesetzten Dogma: &bdquo;Das vorliegende Buch m&ouml;chte der Versuchung widerstehen, die Ursachen f&uuml;r das revolution&auml;re Scheitern der Bolivarischen Revolution zun&auml;chst in externen Ursachen zu suchen&hellip;&ldquo; (Peters S.18) Mit seinem &bdquo;zun&auml;chst&ldquo; erweckt Peters den Eindruck, er w&uuml;rde sich nach ausgiebiger Darstellung interner Fehler des Chavismus dann endlich den offensichtlichen Einflussnahmen der USA zuwenden. Das tut er aber nicht.<\/p><p>Im Gegenteil, Peters bem&uuml;ht sich angestrengt, jede Erw&auml;hnung einer konkreten Einmischung der US-Regierung zu vermeiden und sogar insgesamt die Rolle der USA f&uuml;r die Geschichte Lateinamerikas herunterzuspielen. Er zeichnet tats&auml;chlich die Geschichte diverser K&auml;mpfe von Guatemala &uuml;ber Chile bis zu El Salvador und Nicaragua nach, ohne die CIA nur einmal zu erw&auml;hnen, die dort &uuml;berall eine Blutspur des Terrors hinterlie&szlig;. Das geht bis zur offenen Geschichtsklitterung: Den CIA-gesteuerten Putsch von General Pinochet gegen den Sozialisten Allende in Chile 1973 habe &bdquo;der sp&auml;tere Friedensnobelpreistr&auml;ger Henry Kissinger&ldquo; als damaliger US-Au&szlig;enminister &bdquo;goutiert&ldquo; (Peters S.16). Heute ist jedoch weithin bekannt, dass Kissinger diesen blutigen Putsch keineswegs nur &bdquo;goutierte&ldquo;.<\/p><p>Denn Kissinger war keineswegs, wie Peters wahrheitswidrig behauptet, nur ein goutierender Zeuge der Massenmorde in Chile. Er hatte sie ma&szlig;geblich mit organisiert und von seiner CIA mit Meuchelmorden und einem Wirtschaftskrieg erm&ouml;glichen lassen. Der US-Au&szlig;enminister des Jahres 1973 wurde sp&auml;ter deshalb trotz seines Friedensnobelpreises in diversen L&auml;ndern als Kriegsverbrecher zur Fahndung ausgeschrieben -sollte ein Lateinamerika-Experte wie Peters das nicht eigentlich wissen? Peters schm&auml;ht, statt Kissinger objektiv darzustellen, lieber den 2013 verstorbenen Hugo Ch&aacute;vez, der sich in der Rolle des &bdquo;unkonventionellen Randalierers&ldquo; gefallen h&auml;tte. Weil Ch&aacute;vez in seiner &bdquo;Symbolpolitik&ldquo; etwa dem frisch gew&auml;hlten US-Pr&auml;sidenten Obama 2009 den Klassiker &bdquo;Die offenen Adern Lateinamerikas&ldquo; von Eduardo Galeano verehrt habe (S.27). Ach, h&auml;tte Peters den Galeano nur selbst gr&uuml;ndlich gelesen, dann h&auml;tte er gewusst, was seine Kritiker Hannes Sies und Galindo Gaznate von&nbsp;<a href=\"http:\/\/scharf-links.de\">scharf-links.de<\/a>&nbsp;ihm gen&uuml;sslich <a href=\"http:\/\/scharf-links.de\/44.0.html?&amp;tx_ttnews[pointer]=2&amp;tx_ttnews[tt_news]=69001&amp;tx_ttnews[backPid]=56&amp;cHash=f52c4bf244\">unter die Nase reiben<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Akten des Kongresses der Vereinigten Staaten registrieren unwiderlegbare Zeugenaussagen &uuml;ber die Interventionen der USA in Lateinamerika&hellip; Die Strategie der Verbrechen wurde in Washington geplant. Seit 1970 bereiteten Kissinger und die Geheimdienste sorgf&auml;ltig den Sturz Allendes vor..&ldquo; Galeano, Die offenen Adern Lateinamerikas, Erg&auml;nzung 1978, S.IX\n<\/p><\/blockquote><p>Auch vom Wirtschaftskrieg, Mord-, Invasions- und Putschpl&auml;nen der USA gegen die erfolgreiche Revolution in Kuba will Peters nie etwas geh&ouml;rt haben, kritisiert aber Fidel Castros Autoritarismus und Personenkult. Peters raunt hie und da von &bdquo;engen Anbindungen&ldquo; rechtsradikaler Regierungen und Diktaturen &bdquo;an die USA&ldquo;, konkretisiert dies aber nie und st&ouml;rt sich weder an&nbsp;<strong>deren<\/strong>&nbsp;Personenkult und Autoritarismus (die er in Kuba und Venezuela gei&szlig;elt) noch an blutigen Interventionen Washingtons in Lateinamerika.<\/p><p>Die Schlagseite der historischen Analyse zieht sich durch Peters&lsquo; Buch, das folglich zu einer verheerenden Bilanz gelangt. S&auml;mtliche der abwiegelnd dargestellten Erfolge des &bdquo;Sozialismus des 21.Jahrhunderts&ldquo; (wie Peters ihn sieht) ergaben sich fast ausschlie&szlig;lich aus einem &bdquo;Erd&ouml;lboom&ldquo;, in dessen Genuss das Land unter Chavez kam; Peters spricht wiederholt und penetrant despektierlich von einer &bdquo;Erd&ouml;lparty&ldquo;, die das chavistische Venezuela feierte (S.233). Hat man je geh&ouml;rt, westdeutsche Wirtschaftserfolge basierten auf einer &bdquo;Auto- und Maschinenbau-Party&ldquo;? Oder das gute Sozialsystem der Schweiz auf einer &bdquo;Banken- und Schwarzgeld-Party&ldquo;?<\/p><p>Die vom Schmetterling-Verlag versprochene &bdquo;kritische W&uuml;rdigung der Erfolge des Chavismus&ldquo; f&auml;llt insgesamt &auml;u&szlig;erst sp&auml;rlich und lakonisch aus, verglichen mit dem gebetsm&uuml;hlenhaft und markig verk&uuml;ndeten Scheitern des Chavismus durch den Autor Stefan Peters. Peters braucht sich also nicht zu wundern, wenn seine Kritiker von&nbsp;<a href=\"http:\/\/scharf-links.de\">scharf-links.de<\/a>&nbsp;ihm vorwerfen, er betreibe letztlich die &bdquo;wortgewaltige Exkulpierung der Machenschaften von &Ouml;lkonzernen, USA und CIA&ldquo;, weil er diese komplett ausblende. Der deutsche Professor Stefan Peters ist sichtlich bem&uuml;ht, den USA bzw. den westlichen Machteliten nirgends auf die Zehen zu treten und damit weit von einer kritischen Sichtweise auf die Konflikte um und in Venezuela entfernt, wie sie auch etwa auf den Nachdenkseiten von Frederico F&uuml;llgraf vertreten wird.<\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: Frederico F&uuml;llgraf: &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50175\">Venezuela und die Intrige der deutschen Diplomatie<\/a>&ldquo;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist der &bdquo;Sozialismus&ldquo; in Venezuela mit dem ehemaligen Pr&auml;sidenten Ch&aacute;vez gestorben? 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Mit diesen Fragen besch&auml;ftigt sich das Buch &bdquo;<a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50944\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,208],"tags":[1795,669,1334,901,1345,1368,663,1418,2132,1556,1333],"class_list":["post-50944","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-rezensionen","tag-chavez-hugo","tag-chile","tag-erdoel","tag-geheimdienste","tag-kissinger-henry","tag-kuba","tag-putsch","tag-regime-change","tag-sozialismus","tag-usa","tag-venezuela"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50944","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=50944"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50944\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86775,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/50944\/revisions\/86775"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=50944"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=50944"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=50944"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}