{"id":50992,"date":"2019-04-16T12:10:44","date_gmt":"2019-04-16T10:10:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50992"},"modified":"2019-04-16T16:10:10","modified_gmt":"2019-04-16T14:10:10","slug":"werden-wir-durch-den-immobilienboom-wirklich-reicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50992","title":{"rendered":"Werden \u201ewir\u201c durch den Immobilienboom wirklich reicher?"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesbank hat eine neue <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/bundesbank\/forschung\/haushaltsstudie\">Ausgabe ihrer PHF-Studie<\/a> zur wirtschaftlichen Lage privater Haushalte herausgegeben und die Medien &uuml;bertreffen sich einmal mehr in fragw&uuml;rdigen Auslegungen. Besonders angetan sind die Kollegen von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/deutsche-immobilienbesitzer-werden-immer-reicher-a-1262923.html\">SPIEGEL<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/die-deutschen-werden-reicher-woran-liegt-das-16142011.html#void\">FAZ<\/a> und Co. von den Zahlen zum Immobilienverm&ouml;gen. Passend zur emotional gef&uuml;hrten &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50816\">Enteignungsdebatte<\/a>&ldquo; wird nun gar suggeriert, dass der &bdquo;Immobilienboom&ldquo; das durchschnittliche Verm&ouml;gen der Deutschen anheben und &bdquo;uns&ldquo; so alle reicher machen w&uuml;rde. Doch das ist falsch, da das Immobilienverm&ouml;gen extrem ungleich verteilt ist und steigende Immobilienpreise sogar die Umverteilung von unten nach oben bef&ouml;rdern und die breite Masse &auml;rmer machen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3833\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-50992-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190416_Werden_wir_durch_den_Immobilienboom_wirklich_reicher_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190416_Werden_wir_durch_den_Immobilienboom_wirklich_reicher_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190416_Werden_wir_durch_den_Immobilienboom_wirklich_reicher_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190416_Werden_wir_durch_den_Immobilienboom_wirklich_reicher_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=50992-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190416_Werden_wir_durch_den_Immobilienboom_wirklich_reicher_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190416_Werden_wir_durch_den_Immobilienboom_wirklich_reicher_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Gro&szlig;e Mythen sterben langsam. Der Mythos, der besagt, dass Immobilien das R&uuml;ckgrat unseres Volksverm&ouml;gens darstellen, geh&ouml;rt zweifelsohne dazu. Dabei geh&ouml;rt Deutschland neben der Schweiz und &Ouml;sterreich im internationalen Vergleich zu den L&auml;ndern mit dem niedrigsten Anteil an Immobilienbesitzern. W&auml;hrend die &bdquo;Wohneigentumsquote&ldquo; beispielsweise in Spanien bei mehr als drei Viertel liegt, verf&uuml;gt in Deutschland nicht einmal jeder zweite Haushalt &uuml;ber selbst genutztes Wohneigentum und <strong>der Anteil der Haushalte, die Wohnraum vermieten, liegt bei gerade einmal zehn Prozent<\/strong>. Diese zehn Prozent besitzen allerdings auch ganze 15 Millionen Wohnungen. Hinzu kommt der immer st&auml;rker steigende Anteil von Wohnungen, die von Kapitalgesellschaften und Fonds gehalten werden, deren Besitzverh&auml;ltnisse gar nicht zum Immobilienverm&ouml;gen, sondern zum Finanzverm&ouml;gen der privaten Haushalte z&auml;hlt, das noch ungleicher verteilt ist.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190416_immo_01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190416_immo_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>F&uuml;r mein Buch &bdquo;Wem geh&ouml;rt Deutschland&ldquo; hatte ich die Daten der letzten PHF-Studie der Bundesbank sorgf&auml;ltig ausgew&auml;hlt und bin zu folgenden Kernergebnissen gekommen:<\/p><ul>\n<li>Mehr die H&auml;lfte aller Haushalte besitzt gar keine Immobilien<\/li>\n<li>Nur 10% der Bev&ouml;lkerung haben ein Nettoimmobilienverm&ouml;gen &ndash; inklusive selbstgenutzter Immobilien &ndash; von mehr als 250.000 Euro<\/li>\n<li>Die H&auml;lfte des privaten Immobilienverm&ouml;gens des Landes geh&ouml;rt den wohlhabendsten 5 Prozent der Bev&ouml;lkerung<\/li>\n<\/ul><p>Es geh&ouml;rt also wenig Phantasie dazu, sich auszumalen, wer von den steigenden Immobilienpreisen profitiert. Man kann die Gruppe der Profiteure sogar noch weiter einengen &ndash; leider jedoch ohne konkrete Zahlen, da diese nicht in einer brauchbaren Qualit&auml;t vorliegen. Besonders betroffen von den steigenden Immobilienpreisen sind bestimmte Ballungszentren. Genau in diesen Ballungszentren ist die Wohneigentumsquote jedoch besonders niedrig. In Berlin leben beispielsweise nur 15,6% der Haushalte in den eigenen vier W&auml;nden. Von den steigenden Immobilienpreisen in der Hauptstadt profitieren also neben den Kapitalgesellschaften vor allem die zehn Prozent der Haushalte, die &uuml;ber Immobilienverm&ouml;gen verf&uuml;gen, das sie vermieten. <strong>Daher f&uuml;hren die steigenden Preise f&uuml;r Immobilien in den Ballungszentren vor allem zu einem enormen Verm&ouml;genszuwachs einer sehr kleinen, ohnehin sehr wohlhabenden Schicht von Haushalten. Oder um es zuzuspitzen: Die Reichen werden immer reicher.<\/strong> Und was f&uuml;r Berlin und Co. gilt, gilt unisono abgeschw&auml;cht auch f&uuml;r den Rest des Landes, da die Mechanismen ja &uuml;berall dieselben sind. <\/p><p>Und wie sieht es auf der anderen Seite aus? Wenn die Reichen immer reicher werden, was geschieht dann mit der Mitte und was mit den Armen? Steigende Immobilienpreise gehen stets Hand in Hand mit steigenden Mieten. Und naturgem&auml;&szlig; sind daher in den vergangenen Jahren auch die Mieten vor allem in den Gegenden unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig stark gestiegen, in denen die Immobilienpreise nach oben gingen. In Berlin steigen beispielsweise die <a href=\"https:\/\/www.berlinhyp.de\/medias\/sys_master\/pdf\/h81\/h9f\/8812673859614.pdf\">Immobilienpreise im Median<\/a> um 12% pro Jahr &ndash; in einigen Stadtteilen steigt der Wert pro Jahr sogar um mehr als 20%. Die Mieten hinken dieser Entwicklung nur leicht hinterher und stiegen bei Neuvermietungen im letzten Jahr um durchschnittlich 5,6%, in speziellen Lagen sogar um mehr als 9%. Diese Zahlen kann man auf folgende Formel herunterbrechen: Je st&auml;rker die Immobilienpreise steigen, desto mehr Geld wird von den Mietern an die Vermieter umverteilt. Da die Vermieter dieser Rendite- oder besser Spekulationsobjekte statistisch nahezu komplett zum wohlhabendsten Zehntel des Landes geh&ouml;ren, stellt dies eine gigantische Umverteilung von unten nach oben dar.<\/p><p>Und die Fahnenstange ist da noch l&auml;ngst nicht erreicht. Als Faustregel f&uuml;r den Kauf von Immobilien gilt die Regel, dass der Immobilienpreis &uuml;ber den Daumen rund 20 Jahreskaltmieten entsprechen sollte. In den Gro&szlig;st&auml;dten liegt dieses Verh&auml;ltnis jedoch vielerorts bei 40 Jahreskaltmieten und mehr. In &bdquo;Spitzenlagen&ldquo; ist das Verh&auml;ltnis zum Teil sogar f&uuml;nfmal so hoch wie die Faustregel und Spitzenlagen sind in diesem Kontext nicht die Viertel, die schon sehr teuer sind, sondern die Viertel, denen diese Entwicklung noch bevorsteht. Dazu hei&szlig;t es im Finanzteil der meisten Zeitungen dann immer, dass diese Verschiebung sich ja durch die zu erwartenden Steigerungen beim Wert der Immobilie und den k&uuml;nftig zu erwartenden Mieteinnehmen erkl&auml;ren w&uuml;rde. Wenn die Differenz aber im Extremfall bei 500% liegt und man die M&ouml;glichkeit eines Schneeballsystems mal beiseiteschiebt, dann m&uuml;ssten die Jahreskaltmieten sich ja mittelfristig tats&auml;chlich verf&uuml;nffachen, um mit diesem Objekt eine normale Rendite zu erwirtschaften. In anderen Metropolen, in denen die Mieter jedoch auch ein wesentlich h&ouml;heres Einkommen erzielen, ist dies auch l&auml;ngst Realit&auml;t. Diese Form der Umverteilung wird uns also noch l&auml;nger begleiten. <\/p><p>Doch bevor man dies weiter diskutiert, lohnt es sich erst einmal mit einem &ndash; auch von linker Seite &ndash; gut gepflegten Vorurteil aufzur&auml;umen. Es hei&szlig;t ja stets, der Mietmarkt w&uuml;rde in Berlin, Hamburg oder M&uuml;nchen nicht funktionieren. Das ist jedoch Unsinn. <strong>Ein Markt, der auf Knappheit mit Preisanstiegen reagiert, funktioniert genauso, wie ein Markt funktionieren muss. Die eigentliche Frage sollte doch eher sein, ob man die Daseinsvorsorge, zu der auch das Wohnen geh&ouml;rt, vom Markt regulieren l&auml;sst oder ob man nicht lieber den Markt im Sinne der Allgemeinheit reguliert.<\/strong> Daf&uuml;r gibt es auch abseits der Verm&ouml;gensverteilung sehr gute Gr&uuml;nde.<\/p><p>In Berlin betr&auml;gt der Anteil der Mietkosten am Einkommen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/ansteigende-mietpreise-berliner-geben-46-prozent-des-einkommens-fuer-wohnen-aus\/23070316.html\">mittlerweile stolze 46%<\/a>. Das hei&szlig;t auch, dass die Berliner Mieterhaushalte die H&auml;lfte ihres Einkommens direkt nach dem Gehaltseingang gleich an den Vermieter durchreichen m&uuml;ssen. Von Mietsteigerung zu Mietsteigerung vermindert sich dadurch das verf&uuml;gbare Einkommen, da das Gehalt in der Regel langsamer steigt als die Mieten. Dieser mietenbedingte steigende Kaufkraftentzug f&uuml;r die fast 85% der Stadtbev&ouml;lkerung, die nicht in den eigenen vier W&auml;nden wohnen, ist eine Konjunkturbremse par excellence. Wer sein ganzes Geld f&uuml;r die Miete ausgeben muss, konsumiert weniger und hat nat&uuml;rlich erst recht keine freien Mittel mehr zur Verf&uuml;gung, um sich etwas zur Seite zu legen, um irgendwann einmal den Eigenkapitalanteil aufzubringen, um selbst Wohneigentum zu erwerben und sich aus der Mietspirale zu befreien. Steigende Immobilienpreise sorgen also auch daf&uuml;r, dass die Verm&ouml;gensschere sich auch auf lange Sicht nicht schlie&szlig;en wird.<\/p><p>Leider werden diese Zusammenh&auml;nge in der aktuellen Debatte rund um &bdquo;Enteignungen&ldquo; &ndash; richtiger w&auml;re &bdquo;Vergesellschaftungen&ldquo; &ndash;  gerne unterschlagen. <strong>Die aktuellen Zahlen der Bundesbank sind daher auch keine gute, sondern eine schlechte Nachricht, bedeuten sie doch, dass die Ungleichverteilung von Verm&ouml;gen noch weiter zunehmen wird und die Reichen nicht nur reicher, sondern die breite Mitte und erst recht die Armen auch immer &auml;rmer werden.<\/strong><\/p><p>Titelbild: microstock3D\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/d1dc2700c16f49d2869d4e7bc5f50b54\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesbank hat eine neue <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/bundesbank\/forschung\/haushaltsstudie\">Ausgabe ihrer PHF-Studie<\/a> zur wirtschaftlichen Lage privater Haushalte herausgegeben und die Medien &uuml;bertreffen sich einmal mehr in fragw&uuml;rdigen Auslegungen. Besonders angetan sind die Kollegen von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/deutsche-immobilienbesitzer-werden-immer-reicher-a-1262923.html\">SPIEGEL<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/die-deutschen-werden-reicher-woran-liegt-das-16142011.html#void\">FAZ<\/a> und Co. von den Zahlen zum Immobilienverm&ouml;gen. 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