{"id":51055,"date":"2019-04-20T11:45:08","date_gmt":"2019-04-20T09:45:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51055"},"modified":"2019-04-20T13:21:35","modified_gmt":"2019-04-20T11:21:35","slug":"der-koenig-und-der-zombie-lachs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51055","title":{"rendered":"Der K\u00f6nig und der \u201eZombie-Lachs\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Harald V. von Norwegen und der Widerstand gegen die Verseuchung des Feuerlandes durch das Lachsfarming. Puerto Williams, das s&uuml;dlichste Dorf der Welt, am vergangenen 31. M&auml;rz. Knapp einhundert Demonstranten &ndash; vor allem Nachkommen der ausgerotteten Ureinwohner-St&auml;mme der Kaw&eacute;skar und Yaganes &ndash; sammeln sich vor dem &ouml;rtlichen Martin-Gusinde-Museum f&uuml;r V&ouml;lkerkunde und skandieren &ldquo;&iexcl;No a las salmoneras!&rdquo;, was ins Deutsche &uuml;bersetzt bedeutet, &ldquo;Stoppt die Lachsfarmen!&rdquo;. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Protest wird von zwei Ironien umrankt; einer lachhaften und einer zynischen. Die n&auml;rrische Gegebenheit ist, dass die Zielpersonen des Protestes &ndash; das norwegische Monarchen-Ehepaar, K&ouml;nig Harald V. und K&ouml;nigin Sonja &ndash; die Demonstranten von drinnen, aus dem Schutz des Museums, beobachten. Doch der an blanken Zynismus grenzende Spott ist der Umstand, dass sie sich ausgerechnet in der Gedenkst&auml;tte an den Breslauer Ethnologen und Priester der Steyler-Mission, Martin Gusinde, verstecken.<\/p><p><strong>Der V&ouml;lkermord &ndash; eine R&uuml;ckblende<\/strong><\/p><p>Gusinde unternahm zwischen Ende 1918 und 1924 vier Forschungsreisen nach dem Feuerland, deren Ziel es war, die von Ausrottung durch Krankheiten und Genozid durch europ&auml;ische Siedler bedrohten Feuerland-Kulturv&ouml;lker zu erforschen und dokumentieren. W&auml;hrend seines l&auml;ngeren, 22 Monate langen Aufenthaltes nahm Gusinde im Auftrag des Berliner Phonogramm-Archivs Lieder und Ges&auml;nge auf und bet&auml;tigte sich als Pionier-Fotograf von Initiationsriten und Kultur der Feuerland-&Uuml;berlebenden, deren Pracht in seinen Hauptwerken &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.amazon.com.br\/Martin-Gusinde-Ende-Welt-Feuerlandindianer\/dp\/3775738916\">Begegnungen auf Feuerland<\/a>&rdquo; und &ldquo;<a href=\"https:\/\/fines-mundi.de\/die-feuerlandindianer-band-i-iii-in-6-baenden\">Die Feuerlandindianer Band I-III<\/a>&rdquo; un&uuml;bertrefflich dargestellt ist.<\/p><p>Gusindes Sensibilit&auml;t gelang es, mit seinen Schilderungen des kulturellen Reichtums der <em>Fueguinos<\/em> genannten Ureinwohner die schon damals verbreiteten rassistischen Klischees von den vermeintlich &bdquo;unzivilisierten Wilden&ldquo; zu widerlegen &ndash; Klischees, die beispielsweise von einem jungen Herren aus erlauchtem britischen Hause stammten: <em>Sir<\/em> Charles Darwin. Der damals 24-j&auml;hrige Brite verbreitete doch tats&auml;chlich in seinem Buch &bdquo;Die Fahrt der Beagle&ldquo; folgende Gedanken-Perle &uuml;ber die Feuerland-Indianer: &bdquo;Ich h&auml;tte nicht geglaubt, wie gro&szlig; der Unterschied zwischen dem wilden und dem zivilisierten Menschen ist: Er ist gr&ouml;&szlig;er als zwischen wildem und domestiziertem Tier insofern, als beim Menschen ein gr&ouml;&szlig;eres Verm&ouml;gen zur Besserung vorhanden ist.&ldquo;<\/p><p>Manch einer fragt sich heute noch, hat Darwin mit seiner rassistischen Wertsch&auml;tzung dazu beigetragen, dass die Feuerl&auml;nder als &bdquo;Wilde&rdquo; diffamiert, zum Freiwild deklariert und damit gnadenlos ausgerottet wurden? Ferner geh&ouml;rt zu Gusindes Verdiensten, die Folgen des hirnlosen Darwin-Klischees zu dokumentieren und ersten Protest gegen die Trag&ouml;die anzumelden, der die Selk&lsquo;nam, Y&aacute;mana und Kaw&eacute;skar ausgesetzt waren.<\/p><p>Deren Drama begann lange vor der offiziellen Ansiedlung wei&szlig;er anglikanischer Missionare und Salesianer-Katholiken um 1840. Davor hatten britische und andere europ&auml;ische J&auml;ger l&auml;ngst das Feuerland in einen Schlachthof hunderttausender, mit Kn&uuml;ppeln erschlagener Seel&ouml;wen und tausender harpunierter Walfische f&uuml;r die Tran-Gewinnung verwandelt. Durch Erhitzen und Auspressen war das sogenannte &bdquo;Polar&ouml;l&ldquo; begehrter Brennstoff f&uuml;r die &ouml;ffentliche Beleuchtung europ&auml;ischer St&auml;dte im elektrischen Vorzeitalter.<\/p><p>Die Dahinschlachtung der Meeress&auml;uger vernichtete die wichtigste Ern&auml;hrungs-, Bekleidungs- und Behausungs-Grundlage der Ureinwohner, die mit ihrer Subsistenzjagd auf das Fleisch und die H&auml;ute von Seel&ouml;wen und Robben dramatisch angewiesenen waren. Dem folgte der Druck auf dem Festland mit der Ausdehnung gigantischer <em>Estancias<\/em> (Farmen) mit den Schafsherden der Wollexporteure und ab1880 den Umtrieben der Goldsucher. Beide &ndash; Estancieros und Goldsucher &ndash; f&uuml;hrten die endg&uuml;ltige Ausrottung der Ureinwohner herbei.<\/p><p>Eingang in die Geschichte, auch in die Literatur der kolonialen Gr&auml;ueltaten (<a href=\"http:\/\/www.catalonia.cl\/menendez-rey-de-la-patagonia-p-3402.html\">Men&eacute;ndez, rey de la Patagonia &ndash; Editorial Catalonia<\/a>), fand der V&ouml;lkermord des ber&uuml;chtigten Rum&auml;nen j&uuml;discher Herkunft, Julius Popper, der f&uuml;r jeden von seinen Killern umgebrachten Feuerland-Indianer dessen abgeschnittene Ohren als Beweis f&uuml;r die Pr&auml;mienauszahlung verlangte; weshalb der Goldrausch vom Blutrausch der <em>Orejeros<\/em>, der Ohrenj&auml;ger, nicht zu trennen war, die ihre durchspie&szlig;te Tagesbeute mit einer Kordel am G&uuml;rtel sammelten.<\/p><p>Mitte des 19. Jahrhunderts hatten nach unterschiedlichen Sch&auml;tzungen etwa 4.000 Selk&rsquo;nam auf dem Feuerland gelebt, doch 1930 waren es gerade noch 100 ver&auml;ngstigte und dahinsiechende Kreaturen, die auf dem Lazarett eines Salesianer-Ordens auf ihren Tod warteten.<\/p><p><strong>Bedrohung eines internationalen Biosph&auml;renreservats<\/strong><\/p><p>Genau 100 Jahre nach dem niemals ges&uuml;hnten Genozid landeten nun der vom Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Gl&uuml;cksburg abstammende K&ouml;nig Harald V. und seine b&uuml;rgerliche Gemahlin Sonja in Chile, begleitet von einem Pulk 60 norwegischer Unternehmer. Als offizieller Anlass diente die Feier der ebenfalls seit 100 Jahren bestehenden diplomatischen Beziehungen zwischen Norwegen und Chile. Doch den eigentlichen Grund k&uuml;ndigte der Monarch in seinem Vortrag mit dem Titel &ldquo;Pioneering Sustainable Solutions&ldquo; an. Durch die Blume war die Absicht gemeint, neue Lachsfarmen in den Fjorden um Kap Hoorn &ndash; genauer am Beagle-Kanal &ndash; anzusiedeln.<\/p><p>L&auml;ngst vor der Verk&uuml;ndung des norwegischen Plans &ndash; den Harald vorsorglich im M&auml;rz 2018 von argentinischer Seite mit Pr&auml;sident Mauricio Macri durch Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zur Entwicklung der industriellen Lachszucht im Beagle-Kanal und an der K&uuml;ste von Santa Cruz vorbereitete &ndash; hatten bereits Dutzende chilenischer Lachszucht-Unternehmen ihre langen Arme nach dem Feuerland ausgestreckt und damit die Nachkommen der Ureinwohner alarmiert. Zum einen beherbergt Puerto Williams die reinsten <a href=\"https:\/\/www.techtimes.com\/articles\/119774\/20151229\/this-is-where-the-worlds-purest-water-can-be-found.htm\">S&uuml;&szlig;wasservorkommen<\/a> der Erde. Zum anderen steht Kap Hoorn, einschlie&szlig;lich des Beagle-Kanals, wo sich nun auch norwegische Lachsz&uuml;chter einnisten wollen, seit 2005 als <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cape_Horn_Biosphere_Reserve\">Biosph&auml;renreservat<\/a> unter dem Schutz des UNESCO-Programms &ldquo;Man &amp; Biosphere&rdquo;.<\/p><p>Die Notwendigkeit des Reservats, das als Paradigma der subantarktischen Meeresumwelt   gilt, ergab sich aus verschiedenen, miteinander vernetzten Gr&uuml;nden. Als relevanter ozeanographischer Standort handelt es sich um eine Gegend, die von verschiedenen Gew&auml;sser-Arten und -Verhalten beeinflusst wird &ndash; n&auml;mlich den antarktischen Tiefen-Wassermassen und den Wassermassen des Driftstroms des westlichen S&uuml;dpazifiks &ndash; die aber f&uuml;r die Regulierung des globalen Klimas von zentraler Bedeutung sind.<\/p><p>Mit diesen teils komplizierten Zusammenh&auml;ngen, vor allem jedoch mit ihrer bedrohten Zukunft vor Augen, gelang jedenfalls den indigenen Gemeinden im s&uuml;dlichen Feuerland nach jahrelangen Justizfehden die Annullierung von 344 Gew&auml;ssernutzungs-Konzessionen an die Lachsz&uuml;chter. Die gerichtlichen Zwangsma&szlig;nahmen sind aber keine Garantie, sie laufen Gefahr, durch Revisionsverfahren umgekehrt f&uuml;r nichtig erkl&auml;rt zu werden.<\/p><p>Der Offensive der Lachsindustrie rief schlie&szlig;lich auch eine internationale Koalition von Meeresschutz-Organisationen &ndash; das <a href=\"https:\/\/marpatagonico.org\/en\/\">Forum for the Conservation of the Patagonian Sea<\/a> &ndash; auf den Plan, der nat&uuml;rlich Greenpeace, der umstrittene WWF, jedoch auch die einflussreiche Pew-Stiftung angeh&ouml;ren. Sie verabschiedete Anfang 2019 eine sachkundige und scharfe <a href=\"https:\/\/marpatagonico.org\/en\/forum-declaration-the-beagle-channel-free-from-salmon-farming\/\">Erkl&auml;rung gegen die Ausweitung der chilenischen Lachsfarmen<\/a> von Puerto Montt und der Insel Chilo&eacute;, im n&ouml;rdlich gelegenen Zentral-Patagonien, nach dem Feuerland.<\/p><p><strong>Nach dem Schafswolle- und Goldrausch nun das Lachsfieber<\/strong><\/p><p>Vor Puerto Williams wurde dem norwegischen Monarchen-Ehepaar bereits auf der Plaza de Armas in Punta Arenas, der Landeshauptstadt der chilenischen Magallanes-Region, der Weg versperrt. &bdquo;Willkommen K&ouml;nig Harald, aber nicht Ihr Lachs!&rdquo;, skandierten die Demonstranten. Vertreter der Yag&aacute;n-Gemeinde von Puerto Williams stellten den erstaunten Lobbyisten-Monarchen mit der unerschrockenen Verlesung eines <a href=\"http:\/\/www.patagonjournal.com\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=4207%3Ala-carta-de-la-comunidad-yagan-a-los-reyes-de-noruega-no-instalen-esta-industria-destructiva-en-nuestro-territorio&amp;catid=60%3Aeditor&amp;Itemid=264&amp;lang=en\">Offenen Briefes<\/a> zur Rede, in dem sie den Ansiedlungs-Stopp f&uuml;r Lachsfarmen auf dem Feuerland forderten.<\/p><p>Doch weshalb sollte der Konflikt am s&uuml;dlichen Ende der Welt das ferne Deutschland interessieren, k&ouml;nnten sich an diesem Punkt so manche Leserinnen und Leser fragen. Aus einem triftigen Grund: Der Lachs ist seit sp&auml;testens 2016 der Deutschen neuer Lieblingsfisch. Mit einem Verkaufsanteil von 20,5 Prozent der Fischerzeugnisse im deutschen Einzelhandel und 15,0 Kilogramm Pro-Kopf-Jahresverbrauch feiert der Lachs seinen Siegeszug auf deutschen Tischen.<\/p><p>Das Angebot stammt zum &uuml;berwiegenden Teil aus der Aquakultur an den K&uuml;sten Norwegens und Chiles, die f&uuml;r 70 Prozent der weltweiten Lachsproduktion verantwortlich sind. Und da beginnen die Probleme, vor allem in Chile. Die von den deutschen Filmemachern Wilfried Huismann und Arno Schumann gedrehte Fernseh-Dokumentation <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kD6uTn_mIeg\">Lachsfieber: Wie der WWF das Sterben der Meere unterst&uuml;tzt<\/a> f&uuml;hrte bereits 2010 den Zuschauern ein niederschmetterndes Zeugnis der katastrophalen Lachsz&uuml;chtung in Patagonien vor Augen.<\/p><p><strong>Die verseuchte K&uuml;ste S&uuml;d-Patagoniens<\/strong><\/p><p>Der Fokus des Films richtete sich auf das norwegische Unternehmen Marine Harvest, neuerdings als MOVI bekannt. Mit 50 Prozent der Lachszucht-Konzessionen ist Marine Harvest zweitgr&ouml;&szlig;ter Lachserzeuger Chiles; ein Land, das vor Norwegen, Schottland, Kanada und den USA 26 Prozent der gesamten Unternehmensgewinne ausweist. Vergeblich versuchten sie John Fredriksen &ndash; Marine Harvest\/MOVIs Haupt-Anteilseigner, Besitzer der gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;ltankerflotte der Welt und eines gesch&auml;tzten Nettoverm&ouml;gens von 7 Milliarden Euro &ndash; ein Interview &uuml;ber vielf&auml;ltige Umweltvergehen und t&ouml;dliche Arbeitsunf&auml;lle von Firmen-Tauchern zu entlocken &ndash; doch ohne Erfolg.<\/p><p>Im &Uuml;brigen: Weil sich der Magnat weigerte, in Norwegen auf seine stolzen 7 Milliarden Euro Steuern zu zahlen, setzte er sich bereits in den 1990-er Jahren zun&auml;chst nach Zypern und von dort nach London ab, deren City eng verzahnt ist mit internationalen Steueroasen. Als eiskaltem Manager gelang es ihm beispielsweise 2014, die Sanktionen gegen Russland zu unterlaufen und zwischen seiner Firma Seadrill und dem &Ouml;lgiganten Rosneft ein Milliarden-Euro-Deal auszuhandeln.<\/p><p>Marine Harvest wird jedenfalls seit Jahren wegen seiner schwimmenden Lachsfarmen die gro&szlig;fl&auml;chige Verseuchung des s&uuml;dchilenischen Pazifiks vorgeworfen. Die Vorw&uuml;rfe begannen mit dem Import infizierter Lachs-Rogen aus Norwegen, die als heranwachsende Lachse in bis zu 80.000 &uuml;berf&uuml;llte, schwimmende K&auml;fige an der K&uuml;ste der s&uuml;dchilenischen Provinz Los Lagos eingesperrt und gem&auml;stet werden. Die Tiere werden vor allem mit Tabletts aus zu Fischmehl zermalmten Jurels, eine Makrelen-Art aus der Familie der Thunfische, gef&uuml;ttert, die seitdem als Frischkost auch armer Chilenen fehlt und wegen &Uuml;berfischung auf der roten Liste der <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/chile\/es\/blogs\/monstruos-marinos\/el-menospreciado-jurel-est-en-peligro\/blog\/32726\/\">von Ausrottung bedrohten Fischarten<\/a> des s&uuml;dlichen Pazifiks steht. Der Raubbau spiegelt sich in der &ouml;kologisch absurden Rechnung wider: 5 kg Makrele f&uuml;r 1 kg Gewichtszunahme eines Zuchtlachses.<\/p><p>Doch bald eskalierten die Umweltverst&ouml;&szlig;e zum Gegenstand der &ouml;ffentlichen Gesundheit. Nach <a href=\"https:\/\/www.elciudadano.cl\/columnas\/juan-carlos-cardenas-es-chile-una-republiqueta-salmonera\/04\/08\/\">Angaben von Juan Carlos C&aacute;rdenas<\/a> &ndash; Veterin&auml;rmediziner und Vorsitzender des chilenischen Meeresschutz-Verbandes Ecoc&eacute;anos &ndash; hat die Lachsindustrie in den vergangenen zwanzig Jahren mit der Einfuhr der Eizellen aus Norwegen mehr als zwanzig bakterielle, virale und parasit&auml;re Krankheiten an der K&uuml;ste S&uuml;dchiles verbreitet.<\/p><p><strong>Der &ldquo;Zombie&ldquo;-Lachs<\/strong><\/p><p>Den Lachsen werden jedoch t&auml;glich Antibiotika verabreicht, die ihre Darmflora antibiotika-resistenten Bakterien aussetzen. Wenn Verbraucher Lachs mit antibiotischen R&uuml;ckst&auml;nden in ihren Muskelgeweben verzehren, nehmen sie wegen den immunisierten Bakterien auch ein hohes Gesundheitsrisiko auf sich. In einem <a href=\"https:\/\/radio.uchile.cl\/2018\/07\/25\/industria-salmonera-como-destruye-el-fondo-marino-del-sur-de-chile\/\">Beitrag f&uuml;r den Sender Radio Universidad de Chile<\/a> vom 25. Juli 2018 wiederholte der Veterin&auml;rmediziner seine Warnungen und alarmierte vor der Antibiotika-Bombe. In Chile, so C&aacute;rdenas, wird je Tonne gez&uuml;chteten Lachses 700 (siebenhundert!) Mal mehr Antibiotikum eingesetzt als in Norwegen, Kanada und den USA. Seitdem hei&szlig;t der Chile-Lachs, insbesondere der aus der Marine-Harvest-Zucht, in Kreisen kritischer Veterin&auml;rmediziner und der Umweltsch&uuml;tzer der <em>Zombie-Lachs<\/em>.<\/p><p>Es kommt aber noch dicker: Die in den Zuchtk&auml;figen t&auml;glich mit Antibiotika versetzten und verf&uuml;tterten Fischmehl-Pellets werden nur zu 40 Prozent von den Tieren absorbiert, der  &uuml;berwiegende Teil der Nahrung f&auml;llt durch die K&auml;figgitter und dringt auch durch Urin und F&auml;kalien in die offenen Meeresgew&auml;sser; die optimalen Bedingungen f&uuml;r die Entwicklung von Antibiotika-resistenten Bakterienst&auml;mmen und den Wildwuchs von Killer-Algen. Im Jahr 2015 hatte mir C&aacute;rdenas bereits f&uuml;r die Reportage <a href=\"https:\/\/www.mundusmaris.org\/index.php\/de\/meeresfruechte\/578-chiloe-de\">Chilo&eacute;, oder: Die Katastrophen von Salmonopoly<\/a> die eigentlichen Ursachen eines damaligen Angriffs roter Killer-Algen (genannt &ldquo;marea Roja&ldquo; &ndash; rote Flut) an der K&uuml;ste der Insel Chilo&eacute; als Folge einer seit 25 Jahren andauernden Fl&auml;chenexpansion und wilder Produktionsweise auf Raubbau-Grundlage der Lachs-Megaz&uuml;chter erkl&auml;rt.<\/p><p>Das Bewirtschaftungsmodell der Lachsfarmen geht mit v&ouml;lliger Missachtung der Belastbarkeit der empfindlichen lokalen &Ouml;kosysteme vor. Mit ausufernder organischer Vergiftung durch Futtermittel und F&auml;kalien generiert es akute Eutrophierungen, die der marinen Umwelt extrem hohe Phosphor- und Stickstoffmengen zuf&uuml;hren und die explosionsartigen Algenbl&uuml;ten beschleunigen. Jede Tonne gem&auml;steter Lachse gibt j&auml;hrlich 72 Kilogramm Stickstoff an das Seewasser ab, was vergleichsweise dem Stickstoffaussto&szlig; von 19.000 Menschen entspricht. C&aacute;rdenas warnte schon damals, die gesamte s&uuml;dchilenische K&uuml;ste sei gr&ouml;&szlig;ter Gefahr ausgesetzt. Die sogenannte &ldquo;rote Flut&rdquo; hatte l&auml;ngst die Fjorde und Binnengew&auml;sser-Kan&auml;le verlassen, breitete sich an der K&uuml;ste aus und str&ouml;mte hinaus auf offene See. Sie bedrohe die Biodiversit&auml;t, die &ouml;ffentliche Gesundheit, die Arbeit und das Leben der chilenischen K&uuml;stengemeinden.<\/p><p>Dass die K&auml;fige nur leidlich gegen Unwetter, geschweige denn gegen St&uuml;rme gesichert sind, erkl&auml;rte denn auch ein Massenausbruch von 800.000 Marine-Harvest-Lachsen im Juli 2018. Das chilenische und weltweite Fernsehen <a href=\"https:\/\/es.euronews.com\/2018\/07\/13\/chile-escapan-cientos-de-miles-de-salmones-tratados-con-antibioticos\">warnte zwar davor<\/a>, die mit Antibiotika angereicherten Lachse seien nicht f&uuml;r den menschlichen Verzehr geeignet, doch schon wurden hunderte von ihnen von Fischern in Puerto Montt wieder eingefangen und zum Spottpreis von 800 Pesos &ndash; umgerechnet 1,20 Euro &ndash; das Kilo angeboten. Wenige Tage sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LInEcKtGUMY\">best&auml;tigte ein Nationalpark-Beamter<\/a> im 510 Kilometer weit entfernten Puelo-See auf argentinischem Boden, dass das pl&ouml;tzliche Fischerei-Treiben an den L&auml;ufen des in den chilenischen Pazifik m&uuml;ndenden Puelo-Stroms mit den in Chile entflohenen Lachsen zu tun hatte, die stromaufw&auml;rts geschwommen waren und zur Lachspest eskalierte &ndash; eine Pest mit verheerenden Folgen.<\/p><p>Zur&uuml;ck zum Monarchen-Besuch. Als sei es eine &ldquo;Pr&auml;ventiv&rdquo;-Ma&szlig;nahme vor dem hohen Besuch aus Norwegen gewesen, hatte Ende M&auml;rz 2019 Staatssekret&auml;r Carlos Maillet vom chilenischen Dienst f&uuml;r Denkmalpflege ohne Angabe von Gr&uuml;nden die <a href=\"https:\/\/laprensaaustral.cl\/espectaculos\/funcionarios-publicos-y-comunidad-yagan-respaldan-a-director-del-museo-martin-gusinde\/\">fristlose Entlassung des Soziologen Alberto Serrano<\/a> als Direktor des Martin-Gusinde-Museums in Puerto Williams erwirkt. Serrano war als Fachmann mit engen Beziehungen zur indigenen Yagana-Gemeinde bekannt und demzufolge von der Regierung Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era verd&auml;chtigt, mit der Opposition gegen die Lachsfarmer zusammenzuarbeiten. Seine Entlassung wurde als <a href=\"https:\/\/resumen.cl\/articulos\/acusan-salmoneras-estarian-detras-despido-director-museo-puerto-williams\">Opfergabe an die transnationale Lachsindustrie<\/a> gewertet.<\/p><p>Schlie&szlig;lich ist die Ausweitung der transnationalen Lachsindustrie vom chilenischen und argentinischen Patagonien ins Feuerland nach <a href=\"https:\/\/www.terram.cl\/2019\/04\/visita-de-reyes-noruegos-desata-la-guerra-fria-de-los-salmones-en-magallanes\/\">Angaben des Interamerikanischen Verbands f&uuml;r den Umweltschutz (IADA)<\/a> nicht etwa als Erfolg der in Puerto Montt und Chilo&eacute; ans&auml;ssigen intensiven Lachsz&uuml;chtung, sondern ganz im Gegenteil als deren &ouml;kologischer Zusammenbruch zu verstehen. Mit ihrer Auslagerung in die Biosph&auml;renreservate von Kap Hoorn und Torres del Paine erhoffen sich die Lachsfarmer neue Bedingungen hygienisch-&ouml;kologischer Unber&uuml;hrtheit f&uuml;r die Fortsetzung ihres Milliardengesch&auml;fts mit dem &bdquo;Zombie-Lachs&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Harald V. von Norwegen und der Widerstand gegen die Verseuchung des Feuerlandes durch das Lachsfarming. Puerto Williams, das s&uuml;dlichste Dorf der Welt, am vergangenen 31. M&auml;rz. Knapp einhundert Demonstranten &ndash; vor allem Nachkommen der ausgerotteten Ureinwohner-St&auml;mme der Kaw&eacute;skar und Yaganes &ndash; sammeln sich vor dem &ouml;rtlichen Martin-Gusinde-Museum f&uuml;r V&ouml;lkerkunde und skandieren &ldquo;&iexcl;No a las salmoneras!&rdquo;,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51055\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":51056,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,178],"tags":[2636,2242,669,2635,1917,2196,849,2312],"class_list":["post-51055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-ressourcen","tag-antibiotika","tag-artenvielfalt","tag-chile","tag-feuerland","tag-genozid","tag-indigene-voelker","tag-nahrungsmittel","tag-norwegen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/190420_01.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51055"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51059,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51055\/revisions\/51059"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/51056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=51055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=51055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}