{"id":51089,"date":"2019-04-22T11:26:02","date_gmt":"2019-04-22T09:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51089"},"modified":"2019-04-23T12:44:33","modified_gmt":"2019-04-23T10:44:33","slug":"ukraine-sieg-der-vernunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51089","title":{"rendered":"Ukraine: Sieg der Vernunft"},"content":{"rendered":"<p>Wahlsieger Wladimir Selenski will den Minsk-Prozess fortf&uuml;hren und den Krieg im Donbass beenden. Deutsche Medien wissen nicht, wie sie die Niederlage von Petro Poroschenko erkl&auml;ren sollen. Von <strong>Ulrich Heyden<\/strong>, Moskau<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Wir haben das gemeinsam gemacht&ldquo;. Dies waren die ersten Worte von Wladimir Aleksandrowitsch Selenski, mit denen er am Wahlabend nach der Bekanntgabe der Exit-Polls vor seine Unterst&uuml;tzer trat. Der 41-j&auml;hrige, der mit seinem Comedy-Team &bdquo;95. Kwartal&ldquo; in der Ukraine ber&uuml;hmt wurde, gl&auml;nzt mit Bescheidenheit. Selenski sieht sich als Jemand, der die Ukraine vereint und aus einer Sackgasse f&uuml;hrt. Die Sackgasse tr&auml;gt die Namen Krieg, Korruption und sozialer Niedergang.<\/p><p>Nach den Exit Polls National &ndash; einem Verbund von drei ukrainischen Meinungsforschungsinstituten &ndash; hat Selenski die Stichwahl am Sonntag mit 73,2 Prozent der Stimmen gewonnen. Amtsinhaber Petro Poroschenko unterlag mit 25,3 Prozent. <\/p><p>Das Ergebnis ist historisch. Noch nie wurde ein Polit-Neuling zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt. Und noch nie hat bei Pr&auml;sidentschaftswahlen in der Ukraine ein Bewerber in der Stichwahl so schlecht abgeschnitten. <\/p><p><strong>Ukraine-Politik des Westens ohne klare Linie<\/strong><\/p><p>Die gro&szlig;en deutschen Medien haben Probleme, den Wahlsieg von Selenski zu erkl&auml;ren. Sie kommentierten den Wahlkampf in der Ukraine mit Arroganz &ndash; das sei ein &bdquo;Zirkus&ldquo; (Der Spiegel) &ndash; oder demonstrativer Zur&uuml;ckhaltung wie die ARD-Korrespondentin Ina Ruck. <\/p><p>F&uuml;nf Jahr lang hatten die gro&szlig;en deutschen Medien die Politik von Pr&auml;sident Petro Poroschenko sch&ouml;ngeredet und die reale soziale Situation in der Ukraine, die massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten, die katastrophal schlechte Gesundheitsversorgung, die massenhafte Abwanderung von Arbeitskr&auml;ften und den Zerfall der Infrastruktur verschwiegen. <\/p><p>Doch nun wird es offensichtlich: Die steigenden sozialen Unsicherheiten und der fortdauernde Krieg in der Ostukraine mit schon 13.000 Toten quittierten die Ukrainer bei der Wahl mit einer Proteststimme gegen die gesamte politische Klasse. <\/p><p>Das Hauptziel des Westens war es, die Ukraine zu einem Frontstaat gegen Russland aufzubauen. Doch die eisenharte antirussische Politik Kiews, das Kappen der wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland, die fanatische &bdquo;Dekommunistisierung&ldquo;, das Ausmerzen linker Gedanken und Symbole, und die kulturelle Abschottung von Russland durch das Kappen von sozialen Netzwerken, all das hat das wirtschaftliche und politische Leben in der Ukraine abgew&uuml;rgt. Und eben das will man im Westen nicht &ouml;ffentlich eingestehen.<\/p><p>Der Sieg des Maidan 2014 &ndash; manche sprechen auch von einem Staatsstreich &ndash; wurde von den westlichen Medien als Sieg der Demokratie gefeiert. Doch die vom Westen mit vielen Milliarden unterst&uuml;tzte Politik von Petro Poroschenko hat dazu gef&uuml;hrt, dass die Ukrainer ihr Vertrauen in die ukrainische politische Klasse vollst&auml;ndig verloren haben. Das haben wohl auch diejenigen Politiker in den USA erkannt, welche die politische Klasse in Kiew seit dem Maidan beaufsichtigen und in eine f&uuml;r Washington genehme Richtung lenken.  <\/p><p><strong>Eine zweite Chance f&uuml;r die Politik des Westens<\/strong><\/p><p>Mit einem Machtwechsel an der Spitze des ukrainischen Staates bekommt das Ziel des Westens, die Ukraine nach westlichen Bed&uuml;rfnissen &ndash; antirussisch und ohne ausufernde Korruption &ndash; zu formen, eine zweite Chance. Korruption macht das Land f&uuml;r westliche Investoren unattraktiv. <\/p><p>Aber wie er die Armut und die Abwanderung von Arbeitskr&auml;ften konkret bek&auml;mpfen will, dar&uuml;ber hat Wahlsieger Selenski bisher geschwiegen. Offenbar glaubt der Polit-Neuling, westliche Investitionen k&ouml;nnten die Ukraine in Schwung bringen. Aber au&szlig;er der fruchtbaren Schwarzerde und den billigen Arbeitskr&auml;ften ist f&uuml;r westliche Investoren nichts wirklich interessant in der Ukraine.<\/p><p>Dass Selenski mit Billigung der US-Administration ins Rennen ging, sieht man daran, dass ukrainische Gefolgsleute der USA, wie Michail Saakaschwili und Anton Geraschenko, der Gr&uuml;nder der Website &bdquo;Friedensstifter&ldquo;, auf der Namen von &bdquo;Feinden der Ukraine&ldquo; ver&ouml;ffentlicht werden, sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xZxuS5MwxGc\">&ouml;ffentlich f&uuml;r den Polit-Neuling Selenski aussprachen<\/a>. <\/p><p>Michail Saakaschwili war Pr&auml;sident Georgiens. Im August 2008 zettelte er einen Krieg gegen das von Georgien abgefallene Gebiet S&uuml;dossetien an. Nach dem Maidan verlieh Petro Poroschenko Saakaschwili die ukrainische Staatsb&uuml;rgerschaft und ernannte ihn dann zum Gouverneur von Odessa. Im Januar 2018 wurde Saakaschwili nach einem Zerw&uuml;rfnis mit Poroschenko mit Hilfe des ukrainischen Grenzschutzes von Kiew nach Polen ausgeflogen. <\/p><p>Bei der diesj&auml;hrigen Pr&auml;sidentschaftswahl in der Ukraine rief Saakaschwili zur Wahl von Selenski auf. Eine Niederlage von &bdquo;Poroschenko und seiner Clique&ldquo; sei &bdquo;eine gro&szlig;e Chance f&uuml;r die Ukraine&ldquo;, erkl&auml;rte Saakaschwili, der wegen Korruptionsverfahren aus Georgien gefl&uuml;chtet ist.  <\/p><p>Im Wahlkampf bezeichnete Poroschenko den Herausforderer Selenski als Marionette des ukrainischen Oligarchen Igor Kolomoiski, der aus Angst vor juristischer Verfolgung in Israel lebt, aber immer noch zu den reichsten M&auml;nnern der Ukraine geh&ouml;rt. <\/p><p>Grund f&uuml;r den Vorwurf gegen Selenski ist, dass die Fernsehserie &bdquo;Diener des Volkes&ldquo;, durch die Selenski ber&uuml;hmt wurde, seit drei Jahren vom Fernsehkanal 1+1 ausgestrahlt wird. Dieser Fernsehkanal geh&ouml;rt Kolomoiski. <\/p><p>Selenski werde, um sich eine politische Machtbasis in der Ukraine aufzubauen, zwischen verschiedenen Kr&auml;ften lavieren m&uuml;ssen, meinen Beobachter. Ihn als Marionette eines Oligarchen zu bezeichnen, sei zu einfach. <\/p><p><strong>Poroschenko will weiterk&auml;mpfen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Ich verlasse meinen Posten, aber nicht die Politik&ldquo;, erkl&auml;rte Poroschenko am Wahlabend vor seinen Anh&auml;ngern. Viele von ihnen hatten Tr&auml;nen in den Augen, als der Wahlverlierer in einer emotionalen Rede die Erfolge seiner eigenen Pr&auml;sidentschaft lobte. &bdquo;Der neue Pr&auml;sident wird eine sehr starke Opposition haben,&ldquo; erkl&auml;rte Poroschenko. <\/p><p>F&uuml;r Poroschenko geht es nicht nur um das politische &Uuml;berleben, sondern auch um die Abwehr von m&ouml;glichen Strafverfahren gegen seine Person. Beobachter in der Ukraine wollen nicht ausschlie&szlig;en, dass gegen den Wahlverlierer, der in mehrere Korruptionsf&auml;lle &ndash; auch im Zusammenhang mit Offshore-Firmen &ndash; verwickelt ist, Strafverfahren er&ouml;ffnet werden. <\/p><p>Nicht ausschlie&szlig;en kann man auch, dass sich der Wahlverlierer in einem Strafverfahren wegen dem Verlust der Krim vor Gericht verantworten muss.<\/p><p>Um einer solche Entwicklung vorzubeugen, versucht sich Poroschenko jetzt offenbar als unabk&ouml;mmlich f&uuml;r das Wohlergehen der Ukraine zu inszenieren.<\/p><p>Dem Wahlsieger bot er Hilfe bei seiner Arbeit an. Die EU und die Nato forderte Poroschenko auf, der Ukraine nach dem Wahlsieg von Selenski &bdquo;zu helfen&ldquo;. <\/p><p>Die &bdquo;Frankfurter Allgemeine&ldquo; meint, Selenski m&uuml;sse &bdquo;bescheiden sein&ldquo; und die Hilfe von erfahrenen Politikern annehmen. Er habe ja keinerlei politische Erfahrung. <\/p><p>Selenski &ndash; am Wahlabend von Journalisten auf das Hilfsangebot des Wahlverlierers angesprochen &ndash; reagierte souver&auml;n. &bdquo;Ich werde Poroschenko um Hilfe bitten, wenn ich Hilfe brauche. Warum nicht?&ldquo;<\/p><p>Als seine wichtigsten Ziele bezeichnete Selenski am Wahlabend die Fortf&uuml;hrung des Minsker Friedensprozesses, die Beendigung des Krieges im Donbass und die R&uuml;ckholung aller ukrainischen Kriegsgefangenen und auch der 24 ukrainischen Seeleute, die sich wegen der &Uuml;berschreitung der russischen Grenze in der Meerenge von Kertsch in russischer Haft befinden. <\/p><p><strong>Poroschenko mit Jesus verglichen<\/strong><\/p><p>Wie weit sich die ukrainische F&uuml;hrung um Poroschenko in ihren nationalistischen Kurs verrannt hat, zeigte eine &Auml;u&szlig;erung des Vorsitzenden des ukrainischen Sicherheitsrates, Aleksandr Turtschinow. Er ist einer der Architekten des Sturzes von Pr&auml;sident Viktor Janukowitsch im Februar 2014. Turtschinow verglich Poroschenko mit Jesus Christus. Schon vor 2.000 Jahren h&auml;tten die Menschen von Christus eine schnelle Verbesserung ihrer Lebenslage erhofft. Wie damals hoffe &bdquo;der Gro&szlig;teil der Menschen heute, ihr Leben nicht durch harte Arbeit, sondern durch ein Wunder zu verbessern&ldquo;.<\/p><p>Die &bdquo;Mehrheit der Menschen&ldquo; glaube offenbar, man k&ouml;nne &bdquo;die brutalen &auml;u&szlig;eren Feinde nicht zum Preis der Vereinigung, zum Preis von &auml;u&szlig;ersten Anstrengungen und Verlusten besiegen, sondern auf &acute;merkw&uuml;rdige Weise&acute; mit &uuml;berzeugenden Argumenten und dem Charisma eines weiteren Leaders.&ldquo; <\/p><p>Christus sei nicht auf diese Erde gekommen, &bdquo;um zu unterhalten, zu f&uuml;ttern oder zu heilen, sondern um uns die Freiheit zu bringen&ldquo;. Nat&uuml;rlich meinte Turtschinow nicht die Freiheit, eine abweichende Meinung zu &auml;u&szlig;ern, sondern die Freiheit vor jeglichem russischen Einfluss auf die Ukraine.<\/p><p><strong>Selenski will f&uuml;r die Nato werben<\/strong><\/p><p>Wahlsieger Selenski steht vor keiner leichten Aufgabe. Er hat keinen Parteiapparat und keine eingespielte Mannschaft hinter sich. Allerdings befinden sich unter den Personen, die Selenski am 18. April in einer Fernseh-Talk-Show als &bdquo;sein Team&ldquo; vorstellte, erfahrene Juristen, Hochschullehrer und ehemalige Minister, die in den Kabinetten von Juschtschenko und Jazenjuk gedient haben. <\/p><p>Beobachter halten es f&uuml;r nicht ausgeschlossen, dass Selenski die Werchowna Rada aufl&ouml;st und vorgezogene Neuwahlen einleitet. Im Vorwege von Neuwahlen k&ouml;nne er eine Partei aufbauen. Der Wahlgewinner kann sich in der Werchowna Rada noch auf keine Koalition st&uuml;tzen. <\/p><p>Eine Koalition mit der Fraktion des Russland-freundlichen Oppositionsblocks in der Werchowna Rada hat Selenski ausgeschlossen. <\/p><p>Seine besten Wahlergebnisse erzielte der Polit-Neuling im vorwiegend russisch-sprachigen S&uuml;den und Osten der Ukraine. Der Wahlsieger ist gegen nationalistische &Uuml;bertreibungen und das kommt in diesen Gebieten gut an. Am Freitag im Olimpiski-Stadion sprach Selenski &ndash; als es um den Donbass ging &ndash; nicht von &bdquo;Separatisten, die Russland finanziert&ldquo;, sondern von &bdquo;Aufst&auml;ndischen&ldquo;, was ihm sofort Kritik von hohen ukrainischen Milit&auml;rs einbrachte. Selenski entgegnete, er habe ein Wort benutzt, das auch auf der Website von Petro Poroschenko benutzt wird. <\/p><p>Das geplante neue Sprachgesetz, welches Ukrainisch zur einzigen Sprache des Landes machen soll, will Selenski nochmal &uuml;berarbeiten. Die ukrainische Sprache in den Medien will er nicht &uuml;ber Quoten st&auml;rken, sondern &uuml;ber Steueranreize. <\/p><p>Einreiseverbote gegen russische K&uuml;nstler will der Wahlsieger lockern. Sein Freund, der russische Rock-Musiker Andrej Makarewitsch, &bdquo;der Putin kritisiert&ldquo;, m&uuml;sse in die Ukraine einreisen k&ouml;nnen. <\/p><p>Was das Verh&auml;ltnis zu Russland und zu den abtr&uuml;nnigen Gebieten in der Ostukraine betrifft, kommen von Selenski widerspr&uuml;chliche Aussagen. Zu Beginn des Wahlkampfs pl&auml;dierte er f&uuml;r Verhandlungen mit Russland. Wenige Tage vor der Wahl <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=2&amp;v=AkZxVmwrx_E\">erkl&auml;rte<\/a> er dann in einem Interview mit Journalisten auf die Frage, ob Putin f&uuml;r ihn pers&ouml;nlich ein Feind sei: &bdquo;Nat&uuml;rlich&ldquo;. <\/p><p>Die Menschen in den abgespaltenen Gebieten um Donezk und Lugansk will er mit einem &bdquo;Informationskrieg&ldquo; davon &uuml;berzeugen, dass die Ukraine &bdquo;sie braucht&ldquo; und die Menschen in den abgespaltenen Gebieten &bdquo;die Ukraine brauchen&ldquo;. <\/p><p>Ein Referendum zum Nato-Beitritt der Ukraine soll es nach dem Willen von Selenski erst geben, wenn ausreichend dar&uuml;ber informiert wurde, dass die Nato &bdquo;kein Tier ist&ldquo;. Er selbst werde die Menschen davon &uuml;berzeugen, dass die Nato &bdquo;niemanden frisst&ldquo;. <\/p><p><strong>Genugtuung in Moskau<\/strong><\/p><p>Die russischen Medien und der Kreml hielten sich w&auml;hrend des Wahlkampfs in der Ukraine mit Bewertungen der Kandidaten zur&uuml;ck. Offenbar wollte man niemandem Anlass geben, Russland der Einmischung zu bezichtigen.<\/p><p>Das Schweigen wurde erst am Wahlabend gebrochen. Der Vorsitzende des Duma-Komitees f&uuml;r Ausw&auml;rtige Beziehungen, Leonid Sluzki, sprach von einer &bdquo;vollst&auml;ndigen politischen Niederlage&ldquo; Poroschenkos. &bdquo;Keine ausl&auml;ndischen Berater, keine antirussischen Provokationen halfen Poroschenko, seinen Posten zu behalten.&ldquo; Nun m&uuml;sse man die ersten Schritte des Wahlgewinners abwarten, um beurteilen zu k&ouml;nnen, &bdquo;ob er wirklich ein &acute;Diener des Volkes&acute; in der Ukraine ist oder ob er eine Politik im Interesse des &acute;Washingtoner Parteikomitees&acute; fortsetzen wird.&ldquo; <\/p><p>Konstantin Kosatschow, Leiter des Komitees f&uuml;r internationale Beziehungen des russischen F&ouml;derationsrates erkl&auml;rte, der Wahlsieger m&uuml;sse &bdquo;den Willen des ukrainischen Volkes verstehen, dass es nun reicht, mit Russland zu streiten und die Nato an uns heranzuziehen.&ldquo; Wenn Selenski diese Erwartung der ukrainischen Bev&ouml;lkerung verstehe, werde Russland &bdquo;positiv reagieren&ldquo;.<\/p><p><strong>Poroschenko dem&uuml;tigte den Herausforderer<\/strong><\/p><p>Selenski hatte die Forderung von Poroschenko nach gemeinsamen Wahlkampfdebatten immer wieder hinausgeschoben. Offensichtlich wollte der politische Neuling, der noch kein ausgearbeitetes Programm hat, es dem Amtsinhaber nicht erleichtern, sich vor den Fernsehkameras als erfahrener Politiker mit internationalen Verbindungen zu pr&auml;sentieren. <\/p><p>Als es dann am Freitagabend vor 20.000 Zuschauern zu der einzigen gemeinsamen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UtKIFtWb4WI\">Wahlkampfdebatte<\/a> im Kiewer Olimpiski-Stadion kam, hielt Poroschenko seinem Herausforderer mit lauter Stimme Unerfahrenheit vor. Das sei eine gro&szlig;e Gefahr f&uuml;r die Ukraine, die sich im Krieg befinde.<\/p><p>Einer der Schl&uuml;ssels&auml;tze des Amtsinhabers lautete, &bdquo;w&uuml;rden sie sich in ein Flugzeug setzen, in dem der Pilot erst noch lernen muss?&ldquo; <\/p><p>Selenski stellte zahlreiche kritische Fragen an Poroschenko, wie es komme, dass das &auml;rmste Land Europas einen reichen Pr&auml;sidenten hat und warum Poroschenko sein Versprechen von 2014, den Krieg zu beenden, nicht eingehalten hat. Dass Poroschenko auf all diese Fragen nicht antwortete, brachte dem Herausforderer Pluspunkte. <\/p><p><strong>Die ukrainische Justiz eilt dem Machtwechsel voraus<\/strong><\/p><p>In der ukrainischen Justiz, die bisher immer treu an der Seite der Macht stand, begann unmittelbar vor der Stichwahl eine Neupositionierung. Zwei Beispiele seien hier genannt. <\/p><p>Auf Initiative von Poroschenko wurde im Dezember 2016 die Privatbank, die gr&ouml;&szlig;te Bank der Ukraine, wegen Zahlungsunf&auml;higkeit nationalisiert. Die Bank geh&ouml;rte dem ukrainischen Oligarchen Igor Kolomoiski. Dieser befand sich nach dem Maidan in einem Konflikt mit Poroschenko, der den wirtschaftlichen Einfluss von Kolomoiski beschneiden wollte.<\/p><p>Am 18. April hat nun &uuml;berraschend ein Kiewer Gericht entschieden, dass die Verstaatlichung der Privatbank ungesetzlich war. <\/p><p>In der Nacht auf den 16. April wurde die wegen eines angeblichen Staatsstreich-Versuches inhaftierte ehemalige Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko freigelassen. Freigelassen wurde auch Wladimir Ruban, der sich in der Frage des Gefangenenaustausches mit den &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; Donezk und Lugansk einen Namen gemacht hatte und ebenfalls wegen des angeblich geplanten Staatsstreiches hinter Gitter gebracht wurde. <\/p><p>Das Gericht lehnte es ab, die Haftstrafen der beiden Personen zu verl&auml;ngern. Die Freilassung gilt bis zum n&auml;chsten Gerichtstermin am 7. Mai. <\/p><p>Die politische Zukunft der Ukraine bleibt ungewiss. Doch es macht Hoffnung, dass die Bev&ouml;lkerung in der Ukraine sich nicht willenlos dem nationalistischen Kurs unterordnet, sondern mit einer Proteststimme einem Mann zum Sieg verholfen hat, der mit kritischen Positionen und sozialen Forderungen in den Wahlkampf zog. <\/p><p><strong>Ulrich Heyden, 21.04.19, Moskau<\/strong><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/8405190280764197b0be359d179a40db\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahlsieger Wladimir Selenski will den Minsk-Prozess fortf&uuml;hren und den Krieg im Donbass beenden. Deutsche Medien wissen nicht, wie sie die Niederlage von Petro Poroschenko erkl&auml;ren sollen. 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