{"id":51115,"date":"2019-04-23T13:44:30","date_gmt":"2019-04-23T11:44:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51115"},"modified":"2019-04-26T12:21:56","modified_gmt":"2019-04-26T10:21:56","slug":"die-privatwirtschaft-rettet-die-kultur-nicht-sie-entwendet-sie-mit-den-steuergeldern-die-sie-nicht-gezahlt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51115","title":{"rendered":"Die Privatwirtschaft rettet die Kultur nicht &#8211; Sie entwendet sie mit den Steuergeldern, die sie nicht gezahlt hat"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Private Gro&szlig;spender&ldquo; und &bdquo;wohlhabende Philanthropen&ldquo; erfahren noch immer Respekt daf&uuml;r, dass sie Kultur erst &bdquo;m&ouml;glich machen&ldquo; w&uuml;rden. Dieser Respekt ist unverdient und die Zeiten der Instrumentalisierung der Kultur sollten vorbei sein. Nicht nur der Fall Notre-Dame zeigt: Auch bei der Kultur muss der Staat Handlungsf&auml;higkeit zur&uuml;ckerobern. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5765\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-51115-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190423_Die_Privatwirtschaft_rettet_die_Kultur_nicht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190423_Die_Privatwirtschaft_rettet_die_Kultur_nicht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190423_Die_Privatwirtschaft_rettet_die_Kultur_nicht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190423_Die_Privatwirtschaft_rettet_die_Kultur_nicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=51115-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190423_Die_Privatwirtschaft_rettet_die_Kultur_nicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190423_Die_Privatwirtschaft_rettet_die_Kultur_nicht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Haben private Gro&szlig;spender das Recht, die Kulturlandschaften zu pr&auml;gen, nur weil sie wohlhabend sind? Haben Sie das Recht, sich als besonders &bdquo;freigiebige&ldquo; Mitglieder der Gesellschaft darzustellen und mit diesem ungerechtfertigten Status zu werben? Muss man ihnen gar f&uuml;r ihr &bdquo;kulturelles Engagement&ldquo; dankbar sein? Und: Hat der Staat das Recht, die Konzerne durch seine Unt&auml;tigkeit erst in die Lage zu versetzen, sich als &bdquo;kulturelle Wohlt&auml;ter&ldquo; produzieren zu k&ouml;nnen? Unter anderem diese Fragen werden durch die Debatte um die Pariser Kathedrale Notre-Dame und andere Facetten des privaten Kultur-Sponsorings aufgeworfen.<\/p><p><strong>Spenden &bdquo;sind nun mal freiwillig&ldquo;<\/strong><\/p><p>So hat sich laut <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/notre-dame-kulturgut-beauftragter-verteidigt-gross-spender-a-1263779.html\">&bdquo;Spiegel&ldquo;<\/a> etwa in der Kontroverse &uuml;ber hohe Spendensummen privater Gro&szlig;verdiener f&uuml;r den Wiederaufbau von Notre-Dame Frankreichs Regierung zu Wort gemeldet. Der Beauftragte f&uuml;r Kulturg&uuml;ter rief demnach zu mehr Gelassenheit auf: &ldquo;Man kann nicht schockiert sein von der Tatsache, dass Menschen das Gef&uuml;hl haben, Notre-Dame de Paris sei so etwas wie die Seele Frankreichs&rdquo;, sagte St&eacute;phane Bern dem Sender Franceinfo. Mehr als eine Milliarde Euro sind f&uuml;r den Wiederaufbau bislang gespendet worden. &ldquo;Ich w&uuml;rde mir w&uuml;nschen, dass man zwei Milliarden gibt, damit niemand mehr auf der Stra&szlig;e schlafen muss&rdquo;, sagte Bern. <\/p><p>Dann kommt der entscheidende Satz: Gleichzeitig m&uuml;sse man aber bedenken, dass Spenden eine freiwillige Angelegenheit seien, so Bern. &bdquo;Freiwillig&ldquo; kann man im Kulturbetrieb (und nicht nur dort) auch als &bdquo;willk&uuml;rlich&ldquo; oder als &bdquo;ganz nach dem eigenen Geschmack und zugunsten der eigenen Marke&ldquo; &uuml;bersetzen. Spenden sollen in diesem Text nicht grunds&auml;tzlich kritisiert werden. Wohl kritisiert werden soll aber ein untragbares Ungleichgewicht, das die betreffenden Konzerne erst in die Lage versetzt, Einfluss auf die Kulturlandschaften zu nehmen: Der R&uuml;ckzug des Staates mangels Finanzmitteln einerseits und das rasante Wachstum privater Verm&ouml;gen mangels angemessener Steuerpolitik.<\/p><p><strong>Kultursponsoring: &bdquo;Vorbild&ldquo; USA<\/strong><\/p><p>Flankiert wird der staatliche R&uuml;ckzug aus seiner Verantwortung f&uuml;r eine kulturelle Versorgung durch zahlreiche Artikel wie diesem in der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2013-10\/us-haushaltsstreit-shutdown-kultur-finanzierung\">&bdquo;Zeit&ldquo;<\/a>, der das in den USA vorherrschende Spenden-Modell als gangbare Alternative beschreibt: &bdquo;Denn viel von dem, was in Europa ganz selbstverst&auml;ndlich der Staat macht, wird in den USA von Privatb&uuml;rgern, gemeinschaftlichen Stiftungen oder gar Firmen organisiert.&ldquo;<\/p><p>Aber es wird auch Kritik laut an der Auslieferung wichtiger gesellschaftlicher Bereiche an private Interessen und das Gutd&uuml;nken der Geldgeber. So berichtet der <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/kultursponsoring-in-italien-verdacht-auf-geldwaesche.1013.de.html?dram:article_id=446849\">&bdquo;Deutschlandfunk&ldquo;<\/a> &uuml;ber die aktuelle Debatte in Italien um Kulturf&ouml;rderung aus Saudi-Arabien und die selbst geschaffenen Finanzl&uuml;cken, in die Sponsoren hineinsto&szlig;en k&ouml;nnen: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Ohne mehr finanzielle Unterst&uuml;tzung durch Private werden nicht nur Musiktheater bald schon enorme Probleme haben, denn der Staat zieht sich immer mehr aus seiner kulturpolitischen Verantwortung heraus. Unter den vergangenen Regierungen wurden viele staatliche Kultureinrichtungen, Museen und Musiktheater in halbstaatliche Stiftungen umgewandelt, die sich zu einem guten Teil selbst finanzieren m&uuml;ssen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Artikel zitiert auch die positiven Bez&uuml;ge auf das Sponsoring in den USA: &bdquo;Doch was in den USA seit Langem funktioniert &ndash; die gro&szlig;z&uuml;gige Hilfe durch private Geldgeber &ndash; klappt nicht in Italien.&ldquo; Ein anderer <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/kultursponsoring-in-los-angeles-kritik-am-einfluss-der.1013.de.html?dram:article_id=446812\">Bericht<\/a> zeichnet allerdings das US-Sponsoring-System auch in unvorteilhaften Farben: So wachse die Kritik am &bdquo;Einfluss der Reichen&ldquo; auf die Kulturlandschaft, die mit ihrem &bdquo;Engagement&ldquo; zudem schamlos Eigenwerbung machten: &bdquo;Ohne Philanthropen g&auml;be es keine Walt Disney Concert Hall und keinen Erweiterungsbau f&uuml;r das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) von Architekt Peter Zumthor. Kunstsammlerin Elaine Wynn gab f&uuml;r die Erweiterung 50 Millionen, Fernsehmogul Jerrold Perenchio 25 und Filmproduzent Geffen 150 Millionen. Der Neubau wird &sbquo;David Geffen Galleries&lsquo; hei&szlig;en.&ldquo; <\/p><p><strong>Zu viel Einfluss f&uuml;r einzelne Personen<\/strong><\/p><p>Der ehemalige US-Pr&auml;sident Theodore Roosevelt sagte angeblich einst: &bdquo;Keine Summe an gespendetem Verm&ouml;gen kann daf&uuml;r entsch&auml;digen, wie es erworben wurde.&ldquo; Und der US-Kommentator David Callahan sagt heute: &bdquo;Meine Bedenken sind au&szlig;erdem, dass auch das, was am Ende pr&auml;sentiert wird, vor allem das Denken von reichen Unternehmern reflektiert. Und die denken nicht wie du und ich. Weil reiche Spender sagen, wo es langgeht, werden vor allem ihre Ansichten und Werte reflektiert.&ldquo; Als Beispiel nennt er den auch politisch ambitionierten Spender Eli Broad:&bdquo;Alle lieben sein Museum und was er f&uuml;r die Kunstszene getan hat. Aber warum soll er als einzelne Person so viel Einfluss auf die Politik haben? Nur weil er reich ist? Das ist nicht demokratisch. Er steuert mit seinem Geld Kunst und politische Reformen. Das ist viel Macht f&uuml;r einen Mann.&ldquo;<\/p><p>In g&auml;nzlich anderem Licht als das Kultursponsoring in den USA sieht der <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/kultursponsoring-in-russland-finanzierung-bei-patriotischer.1013.de.html?dram:article_id=446878\">&bdquo;Deutschlandfunk&ldquo;<\/a> naturgem&auml;&szlig; das vergleichbare Ph&auml;nomen in Russland: &bdquo;Das Verm&ouml;gen der Oligarchen spielt im Kultursponsoring in Russland eine gro&szlig;e Rolle. Ob die Gelder auf legalem Wege erwirtschaftet wurden, ist dabei nicht so wichtig. Hauptsache, es wird keine Kritik am herrschenden System und Vladimir Putin ge&uuml;bt.&ldquo;<\/p><p><strong>Kultursponsoring in Deutschland: Ursache und Wirkung<\/strong><\/p><p>Wie steht es aber um die Wirksamkeit der mit Kultur verbundenen Werbung in Deutschland? Die <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/kultursponsoring-auf-der-suche-nach-dem-kunsttriebtaeter-11867114.html\">&bdquo;FAZ&ldquo;<\/a> schreibt dazu einerseits, dass &bdquo; Studien belegen, dass Kultursponsoring keine direkten und kurzfristig messbaren Effekte auf den Unternehmensgewinn&ldquo; h&auml;tten. Andererseits erkl&auml;rt im selben Artikel Nikolaus Reichert vom Autobauer Skoda, dass &bdquo;die weichen Werte&ldquo;, die beim Kultursponsoring &uuml;ber die Jahre entstehen w&uuml;rden, &bdquo;sich auf lange Sicht bezahlt machen&ldquo;: Wiedererkennbarkeit als &bdquo;engagierter Kulturf&ouml;rderer&rdquo;, das k&ouml;nne er belegen, leiste mehr als die schnelle Rabattaktion.<\/p><p>Die Marketing-Wirkung des Kultursponsoring betont auch das darauf spezialisierte Web-Portal <a href=\"https:\/\/kulturmarken.de\/best-practice\">&bdquo;Kulturmarken.de&ldquo;<\/a>: &bdquo;Kultursponsoring wirkt! Erfolgreiche Sponsoringbeispiele der letzten Jahre belegen, dass Kultursponsoring kulturelle Prozesse befl&uuml;geln und Marken mit Sympathie aufladen kann. Informieren Sie sich &uuml;ber eindrucksvolle und erfolgreiche Sponsoringengagements der Wirtschaft.&ldquo; In der Folge kann man sich &uuml;ber die weitreichenden Einmischungen gro&szlig;er Firmen in die lokale bis nationale Kulturpolitik informieren. Diese Firmen praktizieren ihre als &bdquo;Engagement&ldquo; kaschierte Einmischung in Gemeinwohl-Entscheidungen nicht stillschweigend. Sie nutzen sie zus&auml;tzlich als Werbung f&uuml;r ihre Produkte, wie etwa <a href=\"https:\/\/kulturmarken.de\/best-practice\/deutschland\/bayer-ag-2018\">Bayer<\/a>, <a href=\"https:\/\/kulturmarken.de\/best-practice\/deutschland\/porsche-in-leipzig\">Porsche<\/a>, <a href=\"https:\/\/kulturmarken.de\/best-practice\/deutschland\/hypovereinsbank-unicredit-bank-ag-nachhaltiges-kulturengagement\">Hypovereinsbank<\/a> oder <a href=\"https:\/\/kulturmarken.de\/best-practice\/deutschland\/das-kulturengagement-der-bmw-group-2016\">BMW<\/a> offen zugeben. <\/p><p><strong>Gegen die Indoktrination durch &bdquo;weiche Werte&ldquo; &ndash; ein &uuml;ppiger Kulturhaushalt hilft<\/strong><\/p><p>Die ersten Mittel gegen die Indoktrination durch &bdquo;weiche Werte&ldquo; und die einhergehende und anma&szlig;ende Pr&auml;gung der Kulturlandschaft durch einzelne Privatpersonen w&auml;ren ein &uuml;ppiger staatlicher Kulturhaushalt und eine gerechte Steuerpolitik, die einzelne private Verm&ouml;gen nicht obsz&ouml;n anwachsen lie&szlig;e. Einen &Uuml;berblick &uuml;ber die staatlichen Anstrengungen Deutschlands im Kulturbereich liefert etwa der <a href=\"http:\/\/miz.org\/downloads\/dokumente\/946\/2018_Kulturfinanzbericht.pdf\">Kulturfinanzbericht des Bundes und der L&auml;nder<\/a>. Es ist interessant, dass selbst dieser Bericht zun&auml;chst das &bdquo;privatwirtschaftliche Engagement&ldquo; nennt, bevor er auf die &ouml;ffentliche Verantwortung zu sprechen kommt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die kulturelle Vielfalt in unserem Land beruht nicht nur auf vielf&auml;ltigem ehrenamtlichem und privatwirtschaftlichem Engagement, sondern auch auf der Kunst- und Kulturfo&#776;rderung in gemeinsamer Verantwortung von Bund, L&auml;ndern und Kommunen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Laut Bericht tragen neben den L&auml;ndern (40,3 %) und dem Bund (14,8 %) vor allem die St&auml;dte und Gemeinden mit knapp 45 % den gro&#776;&szlig;ten Anteil an den Kulturausgaben der o&#776;ffentlichen Hand in Ho&#776;he von insgesamt rund 10,4 Milliarden Euro. Es ist kein Wunder, dass die kaputtgesparten Kommunen ihren permanenten Spardruck oft zun&auml;chst an die angeblich &bdquo;nicht essenzielle&ldquo; Kultur weitergeben. Immerhin ist die Tendenz des Kulturhaushaltes insgesamt nicht r&uuml;ckl&auml;ufig. So stellt die o&#776;ffentliche Hand laut dem Bericht von 2018 im Jahr 2015 insgesamt 10,4 Milliarden Euro fu&#776;r Kultur zur Verfu&#776;gung. Im Vergleich zum Vorjahr entspreche dies einem Anstieg von 1,7 %. Zwischen 2005 und 2015 wurden die o&#776;ffentlichen Kulturausgaben laut Bericht von acht Milliarden Euro um 30,5 % erho&#776;ht.<\/p><p><strong>Private Tendenz zu &bdquo;Leuchtt&uuml;rmen&ldquo; &ndash; Provinz geht leer aus<\/strong><\/p><p>Ein zus&auml;tzliches Problem des privaten Sponsorings ist die Tendenz zu Leuchtt&uuml;rmen und die Ignoranz gegen&uuml;ber einer weniger sensationellen Grundversorgung: Die Provinz und die unbekannteren Institutionen und K&uuml;nstler werden mit Missachtung gestraft. Doch selbst Betreiber eines kulturellen Leuchtturms begeben sich durch die private F&ouml;rderung in die Hand willk&uuml;rlicher privater Entscheidungen, wie die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/kultursponsoring-staatsoper-bleibt-sponsor-erhalten-1.4307905\">&bdquo;S&uuml;ddeutsche Zeitung&ldquo;<\/a> am Beispiel der Bayerischen Staatsoper beschreibt: &bdquo;Kulturleute kennen das. Wechselt etwa der CEO einer Firma, die sie gerade noch gesponsert hat, endet prompt die Unterst&uuml;tzung &ndash; er entspannt eben lieber beim Fliegenfischen als bei Wagner.&ldquo; Die Oper hatte &bdquo;Gl&uuml;ck&ldquo; &ndash; auch der neue Eigent&uuml;mer f&ouml;rdert weiter. F&uuml;r Nikolaus Bachler, den Intendanten der Staatsoper, ist das Anlass f&uuml;r eine unw&uuml;rdige Huldigung an den betreffenden Firmenmanager Wolfgang Reitzle: &ldquo;Wir haben einen Schutzengel, und der hei&szlig;t Wolfgang Reitzle.&ldquo;<\/p><p>Wie sich ein einzelner Unternehmer anschickt, die Kulturlandschaft &bdquo;seiner&ldquo; Stadt zu dominieren, kann man in Potsdam beobachten: Der Chef der Software-Firma SAP Hasso Plattner durfte sich dort etwa mit dem <a href=\"https:\/\/www.museum-barberini.com\">&bdquo;Museum Barberini&ldquo;<\/a> ein pers&ouml;nliches Kulturdenkmal schaffen, das mutma&szlig;lich positiv auf seine Computer-Produkte abf&auml;rben soll. Im Museum entwickelt man durchaus politisches Sendungsbewusstsein, etwa als die <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1053314.buendnis-fuer-die-ddr-kunst.html?sstr=Plattner\">DDR-Kunst pr&auml;sentiert<\/a> wurde. F&uuml;r das Projekt hat der Milliard&auml;r Plattner nun sein st&auml;dtisches Portfolio noch erweitert. Die Stadtverordneten von Potsdam entschieden k&uuml;rzlich ohne Gegenstimme, den Verkauf von Grundst&uuml;cken am Brauhausberg an die Hasso-Plattner-Stiftung vorzubereiten. Die Stiftung des Softwaremilliard&auml;rs m&ouml;chte laut <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1116096.stadtparlament-stimmt-fuer-museum-im-minsk.html?sstr=Plattner\">&bdquo;Neues Deutschland&ldquo;<\/a> das &raquo;Minsk&laquo; als Unikat der DDR-Architektur erhalten und als Museum f&uuml;r die derzeit im Museum Barberini ausgestellte DDR-Kunst nutzen. <\/p><p><strong>Wenn der Modigliani im Privatsafe endet<\/strong><\/p><p>Eine besonders extreme Form des anma&szlig;enden &bdquo;Anspruchs&ldquo; an die Weltkultur durch Superreiche ist das Horten von epochalen Werken in Privatgem&auml;chern &ndash; denn dadurch wird die Kunst nicht nur durch Werbung kontaminiert, sondern sie wird der Allgemeinheit gleich vollst&auml;ndig entzogen. Dass anonyme K&auml;ufer bei Auktionen etwa <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article186279536\/Kunstauktionen-Die-Rekorde-des-Jahres-2018.html\">f&uuml;r einen Modigliani<\/a> oder einen (angeblichen) <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/geheimnis-um-salvator-mundi-das-teuerste-kunstwerk-der-welt-bleibt-verschwunden\/24168864.html\">Leonardo da Vinci<\/a> mehrere hundert Millionen Dollar bezahlen, hilft den restlichen Menschen nicht weiter, f&uuml;r sie sind diese Bilder verloren, wenn sie im Privatsafe landen. <\/p><p>Es ist h&ouml;chste Zeit, allen hier beschriebenen Facetten der kulturellen Einflussnahme und Verknappung durch Privatleute entgegenzutreten. Dabei w&auml;re eine Finanz- und Kulturpolitik hilfreich, die den Staat mit ausreichend Mitteln versorgt und gleichzeitig das Entstehen von Privatverm&ouml;gen in obsz&ouml;ner H&ouml;he (und die damit einhergehende Machtposition) verhindert. Wie bereits gesagt: Spenden sollen nicht grunds&auml;tzlich diffamiert werden. Aber sie d&uuml;rfen nicht als Vorwand f&uuml;r staatliche K&uuml;rzungen dienen, sie d&uuml;rfen nicht zur Werbung missbraucht werden und sie d&uuml;rfen nicht mit politischer Einflussnahme verbunden sein. <\/p><p><strong>Auch Digitalisierung bietet Einfallstor<\/strong><\/p><p>Der staatlich erzeugte Mangel bietet der Privatwirtschaft nicht nur auf dem Gebiet der Kultur ein Einfallstor. Ein aktuelles weiteres und dr&auml;ngendes Beispiel ist die &bdquo;Digitalisierung des Klassenzimmers&ldquo;: Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass die Not der einzelnen Schulen nicht durch &bdquo;Spenden&ldquo; etwa von Microsoft oder Bertelsmann zun&auml;chst &bdquo;gelindert&ldquo; wird und diese privaten &bdquo;Zuwendungen&ldquo; nach und nach als &bdquo;unverzichtbar&ldquo; behandelt werden. <\/p><p>Titelbild: Viacheslav Lopatin \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Private Gro&szlig;spender&ldquo; und &bdquo;wohlhabende Philanthropen&ldquo; erfahren noch immer Respekt daf&uuml;r, dass sie Kultur erst &bdquo;m&ouml;glich machen&ldquo; w&uuml;rden. Dieser Respekt ist unverdient und die Zeiten der Instrumentalisierung der Kultur sollten vorbei sein. Nicht nur der Fall Notre-Dame zeigt: Auch bei der Kultur muss der Staat Handlungsf&auml;higkeit zur&uuml;ckerobern. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":51116,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,917,85,132],"tags":[1406,413,1310],"class_list":["post-51115","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-kultur-und-kulturpolitik","category-pr","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-charity","tag-schlanker-staat","tag-sponsoring"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/shutterstock_635129657.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51115"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51126,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51115\/revisions\/51126"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/51116"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=51115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=51115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}