{"id":512,"date":"2005-04-08T18:40:35","date_gmt":"2005-04-08T16:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=512"},"modified":"2016-03-15T17:50:42","modified_gmt":"2016-03-15T16:50:42","slug":"die-neoliberalen-stiftungen-sehen-eine-chance-ihren-politischen-einfluss-zu-starken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=512","title":{"rendered":"Die neoliberalen Stiftungen sehen eine Chance, ihren politischen Einfluss zu st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Die Bertelsmann Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Stiftung Marktwirtschaft und die Friedrich-Naumann-Stiftung haben eine Studie unter dem Titel &bdquo;Bildungspolitik im f&ouml;derativen System und internationaler Einfluss&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Sie sehen in der &bdquo;Lagerauseinandersetzung&ldquo; zwischen Bund und L&auml;ndern in der Bildungspolitik ein Einfallstor, um ihren politischen Einfluss weiter zu st&auml;rken.<br>\n<!--more--><br>\nDer Autor, Michael Buse, erkennt in der &bdquo;Lagerauseinandersetzung&ldquo; zwischen Bund und L&auml;ndern &uuml;ber die Zust&auml;ndigkeiten in der Bildungspolitik &bdquo;eine neue Chance&ldquo; u.a. f&uuml;r die Stiftungen &bdquo;Einfluss auf die bildungspolitische Reformdiskussion in Deutschland zu nehmen und f&uuml;r eine angemessene Rezeption solcher Reformanst&ouml;&szlig;e zu sorgen, die von au&szlig;en an Deutschland herangetragen werden&ldquo; vor allem durch die EU, die OECD oder die Weltbank und die WHO. <\/p><p>&Uuml;ber den Einfluss etwa der Bertelsmann Stiftung auf die Politik in Bund und L&auml;ndern wurde auf den NachDenkSeiten schon oft berichtet. Wir haben kritisiert, wie diese finanzkr&auml;ftige Institution unter dem neutralen, ja sogar als gemeinn&uuml;tzig anerkannten Deckmantel einer Stiftung z.B. &uuml;ber das Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE) ohne demokratische Legitimation sich sozusagen als &bdquo;verl&auml;ngerter Schreibtisch&ldquo; f&uuml;r viele Bildungsministerien etabliert und ihre interessengesteuerte Reformkonzepte &bdquo;hoff&auml;hig&ldquo; gemacht hat. Am sichtbarsten etwa bei der Kampagne zur Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren. <\/p><p>Oft wird man ja als &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; abgetan, wenn man solche undemokratischen, interessengeleitete Einflussnahmen auf die Politik beklagt, deshalb nutzen wir gerne die Gelegenheit, die Planungen &uuml;ber solche Machenschaften einmal unmittelbar aus einer Studie des konservativen &bdquo;Stiftungsquartetts&ldquo; zitieren zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Die Bertelsmann Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Stiftung Marktwirtschaft und die Friedrich-Naumann-Stiftung geben eine Schriftenreiche &bdquo;Forum F&ouml;deralismus 2004&ldquo; heraus. In einer dieser &bdquo;Studien&ldquo; schreibt Michael Buse, Professor f&uuml;r Politische Wissenschaft, ehemaliger stellvertretender Generalsekret&auml;r der Bund-L&auml;nder-Kommission und Leiter des Bereichs Bildungsplanung &uuml;ber die &bdquo;neue Rolle f&uuml;r Stiftungen und Nicht-Regierungsorganisationen&ldquo; nach der Reform des F&ouml;deralismus in Deutschland u.a.: &bdquo;In dem Ma&szlig;e, wie sich die Bundesregierung aus der gemeinsamen Bildungsplanung nach der F&ouml;deralismusreform ganz oder teilweise zur&uuml;ckzieht, bzw. in der bereits jetzt schon abzusehenden Tendenz von Seiten einiger L&auml;nder, sich dem Bem&uuml;hen um eine gemeinsame Bildungsplanung durch eine &acute;Politik des leeren Tisches` zu entziehen (der hessische Ministerpr&auml;sident Koch l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en (WL)), stellt sich die Frage, wie die bildungspolitischen Themen, die von den inter- und supranationalen Organisationen an Deutschland herangetragen werden&hellip;wirksam in den Prozess der politischen Meinungsbildung eingebracht werden k&ouml;nnen.&ldquo;<br>\nDer Autor erwartet auch nach einer Reform des F&ouml;deralismus eine &bdquo;Lagerauseinandersetzung&ldquo; und, dass es nach einem &bdquo;schlaglichtartigen Austausch politischer Positionen&hellip;schwer fallen (wird), eine sachgerechte und differenzierte Auseinandersetzung mit Potenzialen und Chancen, Risiken und Nachteilen von Ver&auml;nderungs- und Reformvorschl&auml;gen in den verschiedenen Teilbereichen des Bildungssystems&hellip;zu f&uuml;hren.&ldquo; Geradezu vision&auml;r wird hier die derzeitige Blockadepolitik des hessischen Ministerpr&auml;sidenten in der Frage der F&ouml;rderung der Spitzenforschung durch den Bund vorhergesagt &ndash; oder geh&ouml;rt das schon zu einer abgesprochenen Strategie? <\/p><p>Der Autor r&auml;t den Stiftungen, aus dieser &bdquo;Lagerauseinandersetzung&ldquo; Honig zu saugen: &bdquo;Hier ergibt sich eine neue Chance f&uuml;r die nicht in der allt&auml;glichen parteipolitischen Auseinandersetzung stehenden Stiftungen und Nicht-Regierungsorganisationen, Einfluss auf die bildungspolitische Reformdiskussion in Deutschland nehmen&hellip;zu k&ouml;nnen&ldquo;. <\/p><p>&bdquo;Durch Gutachten, Stellungnahmen und Memoranden, die Veranstaltung von Workshops, wissenschaftliche Fachtagungen, medienwirksame Gro&szlig;veranstaltungen und entsprechende &Ouml;ffentlichkeitsarbeit k&ouml;nnen bildungspolitische Teilthemen&hellip;in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung verst&auml;rkt verankert und damit auch der politischen Reformdiskussion in Deutschland nachhaltige Impulse vermittelt werden.&ldquo;<br>\nDer Autor gestattet damit der &Ouml;ffentlichkeit einen Blick in den &ndash; meist versteckten &ndash; Werkzeugkasten zur Beeinflussung der &ouml;ffentlichen Meinung und zur Einflussnahme auf die Politik durch die ach so &bdquo;gemeinn&uuml;tzigen&ldquo; Stiftungen ge&ouml;ffnet. <\/p><p>Nun geben sich ja vor allem auch die Bertelsmann Stiftung ja nicht nur gemeinn&uuml;tzig sondern nat&uuml;rlich auch noch v&ouml;llig neutral und wissenschaftlich objektiv. Unvorsichtiger Weise gibt der Autor diesmal aber auch die Ziele preis: &bdquo;Um insbesondere die Rezeption internationaler Einfl&uuml;sse angemessen wahrnehmen und vermitteln zu k&ouml;nnen, werden die Stiftungen personelle Kapazit&auml;ten und Wahrnehmungsstrategien st&auml;rker auf die inter- und supranationalen Organisationen, wie die Europ&auml;ische Union, die OECD, die UNESCO, den Europarat, die Weltbank und die Welthandelsorganisation, ausrichten m&uuml;ssen&ldquo;.<br>\nWas man vor allem von der Weltbank, der WTO, der OECD aber auch von der Europ&auml;ischen Union auf dem Feld der Bildung erwarten darf, ist belegt, wenn auch noch viel zu wenig &ouml;ffentlich bekannt: Die Privatisierung der Bildung und der Bildungseinrichtungen und Effizienzsteigerung durch Wettbewerb und mehr Markt und vor allem Bildung als privates Investment in &bdquo;Humankapital&ldquo;. <\/p><p>Solche politisch angeblich so &bdquo;neutrale&ldquo; Zielsetzung kann jeder, der Ohren hat, um zu h&ouml;ren und der Augen hat, um zu lesen, schon bisher aus den Studien oder Workshops vor allem der Bertelsmann Stiftung erkennen. <\/p><p>Mit der Selbstparalyse der Bildungspolitik durch den Zust&auml;ndigkeitsstreit im Rahmen der F&ouml;deralismusreform und in der Entmachtung des Bundes und der gegenseitigen Blockade der L&auml;nder, sehen die neoliberalen Stiftungen eine noch gr&ouml;&szlig;ere Chance ihre Ziele durchzusetzen. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xbcr\/SID-0A000F0A-ODE4A06D\/stiftung\/Bildungspolitik_im_foederativen_System_Gutachten_Buse.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xbcr\/SID-0A000F0A-ODE4A06D\/stiftung\/Bildungspolitik_im_foederativen_System_Gutachten_Buse.pdf\">Bertelsmann Stiftung &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bertelsmann Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Stiftung Marktwirtschaft und die Friedrich-Naumann-Stiftung haben eine Studie unter dem Titel &bdquo;Bildungspolitik im f&ouml;derativen System und internationaler Einfluss&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. 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