{"id":51371,"date":"2019-05-02T10:13:40","date_gmt":"2019-05-02T08:13:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51371"},"modified":"2019-05-02T14:08:34","modified_gmt":"2019-05-02T12:08:34","slug":"odessa-5-jahre-nach-dem-brand-im-gewerkschaftshaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51371","title":{"rendered":"Odessa \u2013 5 Jahre nach dem Brand im Gewerkschaftshaus"},"content":{"rendered":"<p>Trauer um die Toten in Odessa unerw&uuml;nscht. Deutsches Fernsehen bringt keine Filme zu den Hintergr&uuml;nden des Brandes. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verlaufen im Sande. T&auml;ter immer noch auf freiem Fu&szlig;. Ein Bericht von <strong>Ulrich Heyden<\/strong>, Moskau.<br>\n<!--more--><br>\nZum f&uuml;nften Mal j&auml;hrt sich am 2. Mai der Brand im Gewerkschaftshaus von Odessa. Eine unheilige Koalition versucht die Trauer um die 200 Verletzten und die 42 Toten, die am 2. Mai 2014 <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/1433\/ukrainekrise\/feuer-angst-und-aufbegehren-in-odessa\">bei dem Brand umkamen, zu verhindern<\/a>. Die Opposition spricht von insgesamt 56 Toten, die am 2. Mai im Gewerkschaftshaus starben. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-1-Juli-2014-Protest-gegen-Krieg-und-rechten-Terror-vor-Gewerkschaftshaus-in-Odessa-Foto-Ulrich-Heyden-2014.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-1-Juli-2014-Protest-gegen-Krieg-und-rechten-Terror-vor-Gewerkschaftshaus-in-Odessa-Foto-Ulrich-Heyden-2014.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>In der Ukraine sind es Sicherheitsstrukturen und Ultranationalisten, welche Trauerkundgebungen in Odessa am 2. Mai permanent behindern, aus Angst, es k&ouml;nnte zu Protestkundgebungen gegen die Regierung in Kiew kommen. Ultranationalisten mischen sich immer wieder in Gruppen von Trauernden vor dem Gewerkschaftshaus oder r&auml;umen Blumen weg, die vor dem Geb&auml;ude niedergelegt wurden. 2015, am ersten Jahrestag des Brandes, hatten sich bei einer spontanen Trauerkundgebung vor dem Gewerkschaftshaus mehrere Tausend Menschen versammelt. So etwas soll es nach dem Willen der ukrainischen Regierung in Odessa nicht mehr geben.<\/p><p>In Deutschland waren es die gro&szlig;en Medien, welche &uuml;ber das Massaker von Odessa kaum oder nur oberfl&auml;chlich berichteten und so taten, als ob es sich bei dem Brand um eine Verkettung ungl&uuml;cklicher Umst&auml;nde, nicht aber um eine Einsch&uuml;chterungsma&szlig;nahme gegen die Opposition in Odessa handelte, welche den nationalistischen Kurs der neuen Regierung in Kiew nicht mitmachen und gute Beziehungen zu Russland aufrechterhalten wollte.<\/p><p><strong>Allj&auml;hrliche Waffenschau der Polizei vor dem Gewerkschaftshaus<\/strong><\/p><p>Eine w&uuml;rdige Trauer um die Opfer gibt es in Odessa bis heute nicht. Fast jedes Jahr gibt es das gleiche Ritual. Wenige Tage vor der allj&auml;hrlichen Trauerveranstaltung vor dem Gewerkschaftshaus machen die ukrainischen Sicherheitskr&auml;fte auf dem Kulikow-Feld, einem Platz vor dem Gewerkschaftshaus, eine gro&szlig;e Waffenschau.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-2-30ter-April-2019-Ukrainische-Polizei-zeigt-ihre-Waffen-und-Fahrzeuge-vor-Gewerkschaftshaus-Foto-Timer.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-2-30ter-April-2019-Ukrainische-Polizei-zeigt-ihre-Waffen-und-Fahrzeuge-vor-Gewerkschaftshaus-Foto-Timer.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Auch in diesem Jahr, am 30. April, wurden vor dem Gewerkschaftshaus modernste Ausr&uuml;stung und mit neuester Technik f&uuml;r den Einsatz im Innern ausger&uuml;stete Truppen der Polizei und der Sondereinsatzkr&auml;fte gezeigt (<a href=\"http:\/\/timer-odessa.net\/news\/pokazatelnoe_vistuplenie_siloviki_zapolonili_kulikovo_pole_v_kanun_tragedii_2_maya_658.html\">Fotos<\/a>). An der Schau nahmen 700 Polizisten und Mitglieder von Sondereinheiten, 50 gepanzerte Spezialfahrzeuge und 14 Diensthunde teil. Die Demonstration staatlicher Gewalt soll zeigen, dass die Innenbeh&ouml;rde keine regierungskritischen Kundgebungen in der Stadt zulassen will.<\/p><p><strong>Kein einziger russischer Staatsb&uuml;rger unter den Toten im Gewerkschaftshaus<\/strong><\/p><p>Nach der Sichtweise der radikalen Maidan-Aktivisten und  ihrer politischen Unterst&uuml;tzer in Kiew handelte es sich bei dem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=10&amp;v=CB6axlE-sRQ\">Angriff<\/a> auf das Gewerkschaftshaus am 2. Mai 2014 um eine notgedrungene <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=69&amp;v=d-pkkzbUKIA\">&bdquo;Reinigungsaktion&ldquo;<\/a> gegen &bdquo;von Russland gelenkte Separatisten und Terroristen&ldquo;, welche wie vorher in Donezk und Lugansk einen Umsturz in Odessa herbeif&uuml;hren wollten. Allerdings befand sich unter den 42 Toten, die im Gewerkschaftshaus erstickten, verbrannten oder beim Sprung aus dem brennenden Geb&auml;ude starben, kein einziger Russe und kein einziger B&uuml;rger der von der Republik Moldau abgespaltenen Republik Transnistrien, die von Kiew als Nest anti-ukrainischer Bestrebungen verd&auml;chtigt wird.<\/p><p>Wer waren die Toten im Gewerkschaftshaus? Es handelte sich um einfache B&uuml;rger, die verschiedenste Berufe hatten. Unter ihnen waren Studenten, Schlosser, Musiker und politische Aktivisten. Sie alle hatten seit dem Staatsstreich in Kiew auf Demonstrationen in Odessa und Kundgebungen vor dem Gewerkschaftshaus f&uuml;r eine F&ouml;deralisierung der Ukraine, gegen die Abschaffung der russischen Sprache als zweite Staatssprache und f&uuml;r gute Beziehungen mit Russland demonstriert. Auf einer <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UlC7BzMDx3Q\">Demonstration<\/a> am 30. M&auml;rz 2014 durch Odessa riefen die Menschen Parolen wie: &bdquo;Haut ab ihr Bandera-Teufel!&ldquo;,  &bdquo;Der Faschismus kommt nicht durch!&ldquo; und &bdquo;Russland, Russland!&ldquo;.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-3-Gut-ausgeruestete-Maidan-Kaempfer-am-2Mai-2014-in-Odessa-Foto-Timer.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-3-Gut-ausgeruestete-Maidan-Kaempfer-am-2Mai-2014-in-Odessa-Foto-Timer.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Die Rechtsradikalen werden am 2. Mai in Odessa wieder marschieren<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den Abend des 2. Mai 2019 ist wieder ein Marsch der Rechtsradikalen durch die Stadt geplant. Letztes Jahr kam es zu einem Eklat, als die Vorsitzende des Rechten Sektors, Tatjana Soikina, am Ende des Marsches rief, die Ukraine m&uuml;sse &bdquo;den Ukrainern geh&ouml;ren und nicht den Juden und Oligarchen&ldquo;.<\/p><p>In den vergangenen Jahren kam es mehrere Male vor, dass am 2. Mai der Zugang zum Gewerkschaftshaus f&uuml;r Stunden gesperrt wurde, weil es auf dem Platz vor dem Geb&auml;ude angeblich eine Bombenwarnung gab. Immer wieder kommt es auch vor, dass am 2. Mai Hausdurchsuchungen bei Oppositionellen in Odessa stattfinden. All diese Ma&szlig;nahmen dienen dazu, die Menschen in der Stadt einzusch&uuml;chtern und von einer Teilnahme an der Trauerveranstaltung abzuhalten.<\/p><p>Es kommt auch vor, dass man verhindern will, dass ausl&auml;ndische G&auml;ste an der Veranstaltung teilnehmen. Ende April 2016 bekamen der Autor dieser Zeilen und der Berliner Journalist Saadi Isakow am Flughafen von Odessa f&uuml;nfj&auml;hrige Einreiseverbote f&uuml;r die Ukraine in ihre deutschen P&auml;sse gestempelt. Ein Protest des deutschen Ausw&auml;rtigen Amtes blieb aus.<\/p><p>Saadi Isakow hatte mit Oleg Musyka, einem &Uuml;berlebenden des Massakers von Odessa, ein l&auml;ngeres Interview f&uuml;r den &bdquo;Europa Express&ldquo; gef&uuml;hrt. Der Autor dieser Zeilen hatte 2015 zusammen mit dem Berliner Videokollektiv Leftvision den <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LXRIuVNGmds\">Film &bdquo;Lauffeuer&ldquo;<\/a> &uuml;ber den Brand im Gewerkschaftshaus gemacht. Der Film wurde auf verschiedenen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum gezeigt und erreichte hohe Zugriffszahlen im Internet. Die gro&szlig;en deutschen Medien und vor allem das deutsche Fernsehen ignorierten den Film jedoch komplett.<\/p><p>Die Angst vor dem Thema war in den deutschen Medien so gro&szlig;, dass auch der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TsRHL4mmkhY\">Film &bdquo;Odessa ohne Mythen&ldquo;<\/a> keinen Weg ins deutsche Fernsehen fand. Dieser Film, gemacht von einem Autorenkollektiv aus Odessa, war als Antwort auf &bdquo;Lauffeuer&ldquo; gedacht. In dem Streifen wurde der Brand im Gewerkschaftshaus als Ergebnis ungl&uuml;cklicher Umst&auml;nde heruntergespielt und eine geplante Aktion zur Einsch&uuml;chterung der Opposition ausgeschlossen.<\/p><p><strong>Das deutsche Fernsehen schaut lieber weg<\/strong><\/p><p>Bis auf Andrej Hunko und einige andere Abgeordnete der Partei Die Linke wurde der Brand im Gewerkschaftshaus von den Abgeordneten im Bundestag komplett ignoriert. Auch die Menschenrechtsorganisationen in Deutschland und anderen westlichen L&auml;ndern schweigen zu dem Thema seit f&uuml;nf Jahren. &Uuml;ber unseren Film &bdquo;Lauffeuer&ldquo; berichteten nur linke Medien und die Deutschen Wirtschaftsnachrichten.<\/p><p>Als ich Anfang dieses Jahres alle Sendeanstalten der ARD anschrieb mit der Bitte, unseren Film &bdquo;Lauffeuer&ldquo; anl&auml;sslich des f&uuml;nften Jahrestages des Brandes zu zeigen, erhielt ich zwar von drei Sendern (Radio Bremen, Rundfunk Berlin-Brandenburg  und S&uuml;dwestrundfunk) Empfangsbest&auml;tigungen, doch die Dokumentarfilm-Redaktionen der Sender nahmen keinen Kontakt mit mir auf.<\/p><p>Unmittelbar nach dem Massaker in Odessa erschienen in deutschen Mainstream-Printmedien noch Artikel &uuml;ber die Katastrophe am 2. Mai 2014 in Odessa. Aber diese Artikel blendeten den politischen Hintergrund komplett aus. Es wurde verschwiegen, dass es sich bei dem Massaker um eine von f&uuml;hrenden ukrainischen Politikern wie Andrej Parubi und dem Oligarchen Igor Kolomoiski geplante Aktion handelte, welche die regierungskritische Bewegung in Odessa stoppen sollte.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Das wichtigste Ziel der Regierung in Kiew war es, zu verhindern, dass weitere Gebiete der Ukraine sich vom Zentrum abspalten. Odessa als wichtigste Hafenstadt der Ukraine kam bei diesen &Uuml;berlegungen eine besondere Bedeutung zu. Schiffe der US-Marine legen immer wieder in Odessa an, was zeigt, dass die Stadt eine gro&szlig;e milit&auml;rstrategische Bedeutung hat.<\/p><p><strong>Medien-Kontrolle in Deutschland besonders streng<\/strong><\/p><p>Schaut man sich in der westlichen Welt um, dann stellt man fest, dass es in den letzten Jahren keine kritischen Filme &uuml;ber die Entwicklung in der Ukraine im deutschen Fernsehen gab, aber im Fernsehen anderer westlicher L&auml;nder schon.  Der franz&ouml;sische &bdquo;Canal+&ldquo; etwa zeigte am 1. Februar 2016 den Film von Paul Moreira <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fU2lx-pA_fM\">&bdquo;Ukraine: les masques de la r&eacute;volution&ldquo;<\/a>. In dem Film wird herausgearbeitet, dass Nazis und Ultranationalisten beim Machtwechsel in Kiew im Februar 2014 und bei dem Angriff auf das Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. Mai 2014 eine Schl&uuml;sselrolle spielten. Die Regierung in Kiew hatte den franz&ouml;sischen Privat-Kanal gebeten, den Film nicht zu zeigen, jedoch ohne Erfolg.<\/p><p>Die Situation um den Brand in Odessa ist eine Schande f&uuml;r Europa. Doch es gibt auch Erfolge.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-4-Ausgebranntes-Gewerkschaftshaus-bevor-es-fuer-Restaurierung-geschlossen-wurde-Foto-Wasili-Polischuk-2014.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-4-Ausgebranntes-Gewerkschaftshaus-bevor-es-fuer-Restaurierung-geschlossen-wurde-Foto-Wasili-Polischuk-2014.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>1. Erfolg: Kommission des Europarates kritisiert schleppende Aufkl&auml;rung<\/strong><\/p><p>Ein Erfolg derjenigen, welche sich f&uuml;r eine schonungslose Aufkl&auml;rung der Ereignisse am 2. Mai 2014 in Odessa einsetzten, war der am 4. November 2015 vorgelegte <a href=\"https:\/\/rm.coe.int\/CoERMPublicCommonSearchServices\/DisplayDCTMContent?documentId=090000168048610f\">Bericht<\/a> einer Kommission des Europarates. In dem Bericht wurde in deutlichen Worten bem&auml;ngelt, dass die Untersuchungen zu den Ereignissen am 2. Mai von den ukrainischen Beh&ouml;rden verschleppt werden und es keine wirklich unabh&auml;ngige Institution gibt, welche das Verhalten der Polizei und der Feuerwehr untersucht.<\/p><p>Die Kommission kritisierte auch, dass es keine gr&uuml;ndliche Untersuchung gab, dass hohe Beamte ein Treffen mit Mitgliedern der Kommission des Europarates verweigerten und die Ermittlung insgesamt nicht den Standards des Europ&auml;ischen Gerichtes entsprechen. Der sehr kritische Bericht fand auch in deutschen Mainstream-Medien Beachtung, geriet dann jedoch sehr schnell wieder in Vergessenheit.<\/p><p>Nach Video-Dokumenten und Zeugenaussagen war es so, dass am Morgen des 2. Mai 2014 auf dem Bahnhof von Odessa f&uuml;r den Stra&szlig;enkampf ausger&uuml;stete Maidan-Anh&auml;nger mit Sonderz&uuml;gen aus Kiew und Charkow ankamen. 500 militante Maidan-Anh&auml;nger waren bereits seit Tagen von Gouverneur Wladimir Nemirowski provisorisch untergebracht worden, offenbar in Bereitschaft f&uuml;r den &bdquo;Tag X&ldquo;.<\/p><p>Am fr&uuml;hen Nachmittag des 2. Mai 2014 begann auf dem Griechischen Platz im Stadtzentrum von Odessa zwischen 3.000 Maidan-Anh&auml;ngern und 500 Anti-Maidan-Aktivisten eine Stra&szlig;enschlacht, bei der sechs Menschen, zwei Mitglieder des Maidan und vier Aktivisten des Anti-Maidan, starben. Die Todesumst&auml;nde sind bis heute nicht aufgekl&auml;rt.<\/p><p>Oppositionelle in Odessa vermuten, dass die sechs Personen von Scharfsch&uuml;tzen erschossen wurden, mit dem Ziel, die Emp&ouml;rung der Maidan-Demonstranten anzustacheln und ihren Hass auf das oppositionelle Zeltlager vor dem Gewerkschaftshaus zu lenken, was dann am Abend des 2. Mai vom rechten Mob abgebrannt wurde.<\/p><p>Bis heute ist nicht ermittelt, warum die Polizei bei der Stra&szlig;enschlacht nur mit 200 Mitarbeitern im Einsatz war und vor dem Gewerkschaftshaus &uuml;berhaupt nicht eingriff. Unklar ist auch, warum die Feuerwehr erst mit 40 Minuten Versp&auml;tung anr&uuml;ckte. Anrufe von erregten B&uuml;rgern wurden abgewimmelt, nach Aussagen von Zeugen auf Anweisung von Vorgesetzten der Feuerwehrleute.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-5-September-2017-Ilitschwoski-Gericht-Odessa-laesst-20-angeklagte-Anti-Maidan-Aktivisten-ohne-Schuldspruch-frei-Foto-Timer-2017.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-5-September-2017-Ilitschwoski-Gericht-Odessa-laesst-20-angeklagte-Anti-Maidan-Aktivisten-ohne-Schuldspruch-frei-Foto-Timer-2017.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>2. Erfolg: Freilassung von 18 Anti-Maidan-Aktivisten<\/strong><\/p><p>Einen zweiten Erfolg der Opposition in Odessa gab es am 18. September 2017, als 20 H&auml;ftlinge des Anti-Maidan vom Ilitschewski-Gericht in Odessa ohne Schuldspruch freigelassen wurden. Das hei&szlig;t, die 20 jungen M&auml;nner sa&szlig;en drei Jahre schuldlos in Haft. Zwei Aktivisten des Anti-Maidan &ndash; Sergej Dolschenkow und Jewgeni Mefjodow &ndash; kamen nach ihrer Freilassung jedoch gleich wieder in Haft und warten nun schon seit f&uuml;nf Jahren auf ihr Urteil. Gegen Mefjodow wird nun wegen &bdquo;Separatismus&ldquo; ermittelt. Beide bestreiten eine Schuld.<\/p><p>Die 20 jungen M&auml;nner waren am 2. Mai 2014 w&auml;hrend der Stra&szlig;enschlacht zwischen Maidan- und Anti-Maidan-Anh&auml;ngern auf dem Griechischen Platz im Stadtzentrum wegen dem &bdquo;Sch&uuml;ren von Massenunruhen&ldquo; verhaftet worden. F&uuml;r die Macht in Kiew waren die 20 H&auml;ftlinge vom Griechischen Platz der &bdquo;lebende Beweis&ldquo;, dass die ukrainischen Justizorgane &bdquo;wegen den Unruhen am 2. Mai in Odessa&ldquo; ermitteln. Doch mit dem Verfahren gegen die 20 H&auml;ftlinge wurde nur abgelenkt von dem Hauptschauplatz der Auseinandersetzungen, dem Gewerkschaftshaus, wo wesentlich mehr Menschen umkamen, als auf dem Griechischen Platz.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-6-Zwei-der-42-im-Gewerkschaftshaus-umgekommenen-Opfer-Foto-Ulrich-Heyden-2014.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190502-Photo-6-Zwei-der-42-im-Gewerkschaftshaus-umgekommenen-Opfer-Foto-Ulrich-Heyden-2014.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Warum unterlag die Opposition in Odessa?<\/strong><\/p><p>Odessa ist eine russischsprachige Stadt und seit ihrer Gr&uuml;ndung im Jahr 1794 durch die Zarin Katharina die Gro&szlig;e eng mit der russischen Kultur verbunden. Dass es der Opposition in der Stadt trotz Demonstrationen mit bis zu 30.000 Teilnehmern im Fr&uuml;hjahr 2014 &ndash; im Gegensatz zu den St&auml;dten Lugansk und Donezk &ndash; nicht gelang, sich &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum zu behaupten, h&auml;ngt nach Meinung von Igor Polovnev, einem &Uuml;berlebenden der Brandkatastrophe im Gewerkschaftshaus, damit zusammen, dass die Opposition in Odessa zersplittert war und die Odessa weit entfernt von Russland liegt.<\/p><p>Polovnev, der jetzt als politischer Fl&uuml;chtling in Russland lebt, erkl&auml;rte im Gespr&auml;ch mit dem Autor dieser Zeilen: &bdquo;Die Parolen, die auf dem Maidan ge&auml;u&szlig;ert wurden, entsprachen &uuml;berhaupt nicht meiner Weltanschauung und verletzten mich als Mensch in meiner Pers&ouml;nlichkeit. Denn ich bin Russe, ungeachtet der Tatsache, dass ich B&uuml;rger der Ukraine bin. Ich lebte und arbeitete in der Ukraine. Meine Kinder gingen auf eine ukrainische Schule. Meine Kinder lernten die ukrainische Sprache und Kultur. Das ist unser Land. Und es ist nicht richtig, dass die Zukunft des Landes von einer Gruppe von Schuften entschieden wird.&ldquo;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] &Uuml;ber die Ereignisse am 2. Mai 2014 in Odessa und die politischen Hintergr&uuml;nde empfehle ich mein Buch &bdquo;Ein Krieg der Oligarchen. Das Tauziehen um die Ukraine&ldquo;, Papyrossa Verlag 2015, S. 69-118<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/7e044219057f490c84cf0063657d3d59\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trauer um die Toten in Odessa unerw&uuml;nscht. Deutsches Fernsehen bringt keine Filme zu den Hintergr&uuml;nden des Brandes. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verlaufen im Sande. T&auml;ter immer noch auf freiem Fu&szlig;. 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