{"id":51384,"date":"2019-05-02T12:00:37","date_gmt":"2019-05-02T10:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51384"},"modified":"2022-04-01T11:37:15","modified_gmt":"2022-04-01T09:37:15","slug":"wider-das-vergessen-odessa-2-mai-2014-aufklaerung-durch-augenzeugen-nicht-ueberall-erwuenscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51384","title":{"rendered":"Wider das Vergessen: Odessa 2. Mai 2014 &#8211; Aufkl\u00e4rung durch Augenzeugen nicht \u00fcberall erw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<p>Am 2.5.2019 j&auml;hren sich zum 5. Mal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51371\">die Ereignisse von Odessa<\/a>, bei denen insgesamt 48 Menschen &ndash; davon 42 im Gewerkschaftshaus &ndash; ermordet und hunderte schwer und schwerst verletzt wurden. Die NachDenkSeiten hatten die Gelegenheit, anl&auml;sslich dieses Jahrestages mit Oleg Muzyka, einem der &Uuml;berlebenden, der seit 2017 als anerkannter Fl&uuml;chtling in Berlin lebt, zu sprechen. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Andrea Drescher<\/strong> mithilfe einer russischen &Uuml;bersetzerin.<br>\n<!--more--><br>\nOleg Muzyka hat in dem  Buch &bdquo;Brennendes Gewissen &ndash; der 2. Mai in  Odessa und die Folgen&ldquo; seine Erlebnisse an diesem Tag dokumentiert und will damit, wie auch mit seinen zahlreichen Interviews und Vortr&auml;gen, zu einer Aufkl&auml;rung der Geschehnisse an jenem Tag beitragen. <\/p><p><em>Siehe dazu auch auf den NachDenkSeiten: Ulrich Heyden &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51371\">Odessa 5 Jahre nach dem Brand im Gewerkschaftshaus<\/a>.<\/em><\/p><p>Zun&auml;chst ein kurzer &Uuml;berblick f&uuml;r all jene, die nicht wissen, was in Odessa geschah: In Folge der Maidan-Bewegung in Kiew entwickelte sich in Odessa Widerstand, da viele der Menschen dort mit den politischen Vorg&auml;ngen in Kiew &ndash; also dem Putsch gegen Pr&auml;sident Janukowitsch, der Abspaltung von Russland und der Hinwendung zu EU und NATO &ndash; nicht einverstanden waren.  Auf dem Kulikowo Pole, dem Platz direkt vor dem Gewerkschaftshaus, entstand ein Protestcamp. Die Anti-Maidan-Bewegung war ein demokratischer und gewaltfreier Protest. Mit anfangs 500 Teilnehmern, dann 1000, dann 2000 wuchs der sichtbare Widerstand. Bis zu 25.000 Menschen (lt. Polizeiangaben) demonstrierten f&uuml;r mehr autonome Rechte, ein Referendum zur F&ouml;deralisierung, territorial-administrative Reformen, die Anerkennung von Russisch als gleichberechtigte Zweitsprache, freie Wahlen von Gouverneuren, B&uuml;rgermeistern, Polizeichefs und anderen Funktionstr&auml;gern sowie das Recht, die kulturellen, wirtschaftlichen und verwandtschaftlichen Verbindungen zu Russland zu pflegen. <\/p><p>Der Protest verlief &uuml;ber mehrere Wochen friedlich &ndash; bis am 2.5. 2014 mehrere hunderte Bewaffnete das Protestcamp in Odessa &uuml;berfielen. Sie schlugen auf die Menschen im Camp ein und verfolgten Fl&uuml;chtende bis ins Gewerkschaftshaus, wo sie sich hatten in Sicherheit bringen wollen. Die Zelte des Camps und schlie&szlig;lich das Gewerkschaftshaus wurden in Brand gesetzt; mindestens 48 Menschen starben in den Flammen, erstickten oder wurden zu Tode gepr&uuml;gelt. <\/p><p>Die T&auml;ter &ndash; geschweige denn deren Hinterm&auml;nner &ndash; wurden nicht verfolgt. Im Gegenteil: wer direkt nach dem Pogrom von der Polizei inhaftiert wurde und nur auf &ouml;ffentlichen Druck der Bev&ouml;lkerung Odessas drei Tage sp&auml;ter wieder frei kam &ndash;  waren die &Uuml;berlebenden des Pogroms. Auch 5 Jahre nach den Ereignissen hat noch kein Verantwortlicher vor Gericht gestanden. Eine Aufkl&auml;rung und die Suche nach den T&auml;tern wird weder in der Ukraine noch in der EU ernsthaft vorangetrieben. Dabei ist sie dringend notwendig.<\/p><p><strong>Danke, dass Sie als &Uuml;berlebender von Odessa &uuml;ber das, was vor f&uuml;nf Jahren passiert ist, sprechen. Wie pr&auml;sent sind die Ereignisse f&uuml;r Sie heute?<\/strong><\/p><p>Das kann ich nicht sagen, dar&uuml;ber denke ich nicht nach. Es sind Erinnerungen an meine Kollegen und meine Freunde. Ich werde sehr oft nachts im warmen Bett wach und die Erinnerungen an das, was passiert ist, sind direkt vor mir.  In den vergangenen f&uuml;nf Jahren habe ich so viele Veranstaltungen besucht, Vortr&auml;ge gehalten, Interviews gegeben und das Buch dar&uuml;ber geschrieben &hellip; das ist mein Leben heute.<\/p><p><strong>Wie haben Sie fr&uuml;her gelebt?<\/strong><\/p><p>Ich habe ein ganz normales Leben gef&uuml;hrt. Ich kam 1967 gut 100 km von Odessa entfernt auf die Welt. Nach Abschlu&szlig; der &ldquo;Odessa National Maritime Academy&rdquo; &ndash; technische Flotte &ndash; bin ich danach wie jeder andere zur Armee gegangen, habe geheiratet, wurde Vater einer inzwischen erwachsenen Tochter. Im Anschluss an die Armee fuhr ich als Bootsmann zur See, bis die Sowjetunion zerbrach. Dann wurde ich Unternehmer in der Automobilindustrie, das bin ich noch heute. 2009 wurde ich parteipolitisch aktiv, engagierte mich f&uuml;r soziale Themen in Odessa. Gemeinn&uuml;tzigkeit, Hilfe f&uuml;r alte Menschen und Kinder: Ich wollte die positiven, die sozialen Themen aus der Sowjetzeit in die neue Welt mitnehmen, in der es auch reiche Menschen geben durfte.  <\/p><p><strong>Waren Sie als Funktion&auml;r bei den Demonstrationen dabei?<\/strong><\/p><p>Nein. Das war eine spontane, zivile Bewegung von unten, v&ouml;llig informell. Einfache Menschen gingen auf die B&uuml;hne und sprachen. Man wusste zwar, dass ich politisch engagiert war, das hatte aber keine Bedeutung. Jeder durfte sich &auml;u&szlig;ern. Nur wer zur Gewalt aufrief, wurde nicht mehr auf die B&uuml;hne gelassen. Es war eine selbstorganisierte Veranstaltung, die von Einwohnern Odessas getragen wurde, keine Partei stand dahinter. Den meisten offiziellen Parteien war es egal, was sich am Platz tat. Nur die kommunistische Partei wollte die Menschen unterst&uuml;tzen, es wurden dann aber keine Parteien zugelassen. <\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie Ihre Erlebnisse zusammenfassen? Nur kurz &ndash; im Buch gehen Sie ja ausf&uuml;hrlich darauf ein.<\/strong><\/p><p>Wir haben nicht erwartet, dass passieren wird, was passiert ist. Wir haben geglaubt und gehofft, dass man sich in Odessa &ndash; einer offenen und toleranten Stadt &ndash; friedlich austauschen kann. Gerade in Odessa kam es zu intensiven Gespr&auml;chen zwischen den Maidan-Anh&auml;ngern und der Anti-Maidan-Bewegung. Wir waren &uuml;berzeugt, dass wir durch Gespr&auml;che zu L&ouml;sungen kommen werden. Aber es gab offensichtlich agressive politische M&auml;chte, denen diese friedliche Situation nicht gefiel, die alles getan haben, die Stimmung zu kippen. Und sie waren erfolgreich damit.<\/p><p>Ich war an dem Tag bereits fr&uuml;hmorgens im Camp,  habe daher auch die Polizei gesehen, die sich offensichtlich auf irgend etwas vorbereitet hat. Wir selbst hatten keine besonderen Erwartungen; Kinder, Frauen und &auml;ltere Leute haben sich ein Konzert angeschaut. Nichts deutete darauf hin, dass etwas passieren w&uuml;rde. Wir waren ja nur Zivilisten ohne jede milit&auml;rische Ausbildung &ndash; niemand hat mit dem gerechnet, was dann kam. Als wir von den K&auml;mpfen zwischen Maidan- und Anti-Maidan-Anh&auml;ngern am Griechischen Platz h&ouml;rten, entschied ich mich, mich nicht einzumischen. Bis ca. vier Uhr nachmittags konnte ich auch die anderen davon abhalten. Dann wurde die Unruhe zu gro&szlig; und wir gingen hin&uuml;ber, um selbst zu sehen, was los ist. Die Radikalit&auml;t dort hat mich schockiert. Das war nicht mein Odessa, das war &uuml;belste brachiale Gewalt. <\/p><p>Noch heute stelle ich mir immer wieder die Frage: H&auml;tten wir etwas anderes machen sollen, h&auml;tte man eingreifen sollen? Ich wei&szlig; es nicht. Gegen Abend haben wir uns dann wieder zum Kulikowo Pole zur&uuml;ckgezogen, wo Frauen, alte Menschen und Kinder &ndash; es waren fast keine jungen M&auml;nner auf dem Platz &ndash; Barrikaden bauten, um sich und das Camp zu sch&uuml;tzen. Meine Frau rief mehrfach an, warnte mich, warnte uns alle, dass sie im Fernsehen live sehen k&ouml;nne, dass ein bewaffneter Mob zum Kulikowo Pole k&auml;me und ich unbedingt weggehen solle.<\/p><p><strong>Warum sind Sie und die anderen nicht gefl&uuml;chtet?<\/strong><\/p><p>Ich hatte mit dazu aufgerufen, dass dieser Platz zum Zeichen werden sollte: ein Platz f&uuml;r den Erhalt der russischen Sprache und Kultur sowie demokratischer Gesetze. Ich konnte mir nicht erlauben wegzulaufen, solange noch Frauen und Kinder dort waren. Und ja, die meisten h&auml;tten noch fliehen k&ouml;nnen. Aber sie wollten ihre Stadt und ihre Werte verteidigen &ndash; das hatte etwas mit Berufung zu tun. <\/p><p>Aber es hat auch niemand nur im Traum daran gedacht, dass Menschen umgebracht werden k&ouml;nnten! Wir rechneten mit der Zerst&ouml;rung des Zeltlagers, aber nicht mit Mord und Totschlag. Und wir gingen davon aus, dass uns das Gewerkschaftshaus mit seinen dicken W&auml;nden Sicherheit bieten w&uuml;rde. F&uuml;r Menschen ohne milit&auml;rische Ausbildung eine ganz normale Einsch&auml;tzung, wie ich jetzt wei&szlig;. In der Realit&auml;t bot uns das Haus nur 30 Minuten Schutz, nachdem wir uns hinein gefl&uuml;chtet hatten. Dann begannen die schlimmen Szenen. <\/p><p>Wir haben alle ums &Uuml;berleben gek&auml;mpft &ndash; viele haben es nicht geschafft. Mein j&uuml;ngerer Bruder kam erst wegen der Angriffe zum Platz, um uns zu helfen. Ich wusste nicht, wo er war, und erfuhr erst Tage sp&auml;ter, dass er schwer verletzt &uuml;berlebt hatte. Auf der Stra&szlig;e wurden Menschen niedergemetzelt, im Geb&auml;ude starben viele an Rauch und Feuer. Es h&auml;tte vieles verhindert werden k&ouml;nnen, wenn Polizei und Feuerwehr rechtzeitig eingegriffen h&auml;tten &ndash; das ist aber nicht passiert. Irgendwann mitten in der Nacht sind wir dann hinausgerannt. Ich habe meinen Bruder unter den Opfern gesucht &ndash; es waren so viele, ich konnte ihn nicht finden. <\/p><p>Irgendwann ging dann ein grelles Licht an. Die Polizei kam und verhaftete die &Uuml;berlebenden &ndash; also uns Anti-Maidan-Aktivisten. Die Euromaidan-Anh&auml;nger und die Schl&auml;ger des rechten Sektors blieben von der Polizei unbehelligt. Wir wurden durch den Korridor des Todes gejagt &ndash; mit Baseballschl&auml;gern niedergekn&uuml;ppelt &ndash; und die Polizei schaute zu. Dann wurden wir ins Gef&auml;ngnis gebracht, unsere Daten aufgenommen, und ich kam in Einzelhaft. Es gab so viele Verhaftungen, dass sie die Frauen freilie&szlig;en. Dann ging alles sehr schnell. Wir wurden verh&ouml;rt, eine Anklageschrift vorgelegt &ndash; aber am 4.5. gab man dem Druck der &Ouml;ffentlichkeit nach und lie&szlig; uns wieder frei. <\/p><p><strong>Gab es Unterst&uuml;tzung aus Russland?<\/strong><\/p><p>Nein, es gab keinerlei Unterst&uuml;tzung aus Russland, das ist ja das Be&auml;ngstigende. H&auml;tte Russland eingegriffen, w&auml;re es wohl wie auf der Krim ohne Tote ausgegangen. Ich habe das Interview mit einer Frau geh&ouml;rt, die vom Dach des Gewerkschaftshauses aus die Russische Botschaft angerufen und um Hilfe gebeten hatte. Als man dort aber erfuhr, dass keine russischen Staatsb&uuml;rger betroffen waren, entschied die Botschaft, nicht einzugreifen. <\/p><p><strong>Wann haben Sie die Ukraine verlassen?<\/strong><\/p><p>Am 21.5 2014 verlie&szlig; ich Odessa in Richtung Russland. Dort habe ich erst einmal bei Freunden gewohnt. Dann habe ich Europa mit einer Fotoausstellung bereist, um &uuml;ber die Geschehnisse in Odessa zu informieren. <\/p><p><strong>Was machen Sie jetzt?<\/strong><\/p><p>Heute lebe ich als offiziell anerkannter Fl&uuml;chtling in Berlin. Ich setze weiter alles daran, die Menschen &uuml;ber die Vorkommnisse zu informieren. Ich erreiche sie in Vortr&auml;gen, Ausstellungen und Diskussionen. Aber dabei kann man nie auf alles eingehen, was passiert ist. Mit dem Buch vermittle ich detaillierte Informationen und habe sie damit auch festgehalten; so geraten die unz&auml;hligen Fakten nicht in Vergessenheit. Bislang erinnere ich mich an die Geschehnisse vom 2.5.2014  zwar noch in allen Einzelheiten, aber irgendwann wird das Vergessen beginnen.  Darum haben mir Freunde geraten, m&ouml;glichst genau zu dokumentieren, was ich an diesem Tag erlebt habe. <\/p><p><strong>Wenn Sie &uuml;ber Odessa informieren &ndash; wie wird es aufgenommen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?<\/strong><\/p><p>Ich habe den Eindruck, dass sich &uuml;berall ca. 5% der Menschen mit Politik besch&auml;ftigen, ob in der Ukraine, in Deutschland oder anderen L&auml;ndern Europas. Zu den Veranstaltungen kommen eher wenige Menschen &ndash; in Berlin waren es einmal 150, in Koblenz im M&auml;rz 2019 etwa 40. Es sind nicht viele, die sich f&uuml;r Themen interessieren, die sie nicht unmittelbar selbst tangieren &ndash; egal in welchem Land. Die Ukraine ist weit weg. Odessa ist weit weg. Man reagiert erst, wenn man pers&ouml;nlich betroffen ist. Und heute leben selbst in der Ukraine noch Menschen, die nicht im Ansatz wissen, was am 2.5.2014 in Odessa geschah. Traurig, aber leider wahr. Die meisten Besucher, die zu den Veranstaltungen kommen, sind bereits informiert. Sie wollen mehr wissen, wollen Informationen von einem Augenzeugen erhalten. Und es gibt nicht wenige, die mit meiner Aufkl&auml;rungsarbeit nicht einverstanden sind. Die setzen alles daran, Veranstaltungen zu verhindern, teilweise mit den fadenscheinigsten Begr&uuml;ndungen, teilweise auch mit Drohungen. <\/p><p><strong>Drohungen? Was hei&szlig;t das?<\/strong><\/p><p>Mehrheitlich sind es Ukrainer, die eher aggressiv vorgehen. In Dresden wurde eine Veranstaltung abgesagt, weil ein Ukrainer, der seit 15 Jahren in Deutschland lebt, der Auffassung war, dass ich l&uuml;ge. Er wurde zur Diskussion eingeladen, war an einem direkten Gespr&auml;ch aber nicht interessiert. In seinen insgesamt drei Beschwerden an den Veranstalter, der den Raum zur Verf&uuml;gung stellen wollte, sagt er dann, wer uns den Raum g&auml;be, den m&uuml;sse man als Agenten des Kremls ansehen. Das mag ja keiner &hellip; Wir trafen uns mit den Interessenten f&uuml;r die Veranstaltung dann vor dem Geb&auml;ude. <\/p><p><strong>Und wie sind die Reaktionen von Medien?<\/strong><\/p><p>Linke und kommunistische Medien reagieren eher positiv. Sputnik oder Russia Today haben ebenfalls &uuml;ber das Buch berichtet. Auch kleine lokale Zeitungen sind manchmal interessiert. Die gro&szlig;en, westlichen Medien ignorieren mich und meine Arbeit oder distanzieren sich. Die Deutsche Welle war anfangs interessiert, wir standen in Mail-Kontakt. Als sie aber erfuhren, dass es einen Bericht bei Sputnik gab, verschwand das Interesse. <\/p><p><strong>Gibt es Interesse an der Aufkl&auml;rung seitens der Politik oder offizieller Stellen?<\/strong><\/p><p>Was ich feststellen muss, ist, dass offizielle Stellen kein ernstes Interesse an Aufkl&auml;rung haben. Organisationen wie die Konrad -Adenauer-Stiftung geben sich zwar den Anschein, neutral zu agieren, unterst&uuml;tzen aber offensichtlich die ukrainische Regierung. So gab es am 16. und 17. Oktober die Kiewer Gespr&auml;che in Berlin, in der sich eine Arbeitsgruppe beim Thema &bdquo;Umgang mit Gewalt &ndash;Straflosigkeit oder justizielle Aufarbeitung&ldquo; auch den Geschehnissen zum 2.5. widmete. Zumindest war laut Programm Tetjana Herasymova von &bdquo;Gruppe 2. Mai&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.kyiv-dialogue.org\/files\/KIEV_DIALOGUE\/RESSOURCES\/2018_Jahreskonferenz\/Programm\/DE.pdf\">Odessa dort vertreten<\/a>. Im Programm wurden &bdquo;die Gewaltexzesse rund um den Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa&ldquo; auf jeden Fall explizit erw&auml;hnt. Ich wollte als Augenzeuge daran teilnehmen, meldete mich an, erhielt aber auf meine Registrierung keine Antwort und wurde dann beim Empfang abgewiesen. Ich hatte meine Papiere dabei, das Buch, meinen Ausweis als anerkannter ukrainischer Fl&uuml;chtling aus Odessa. Es gab angeblich keinen Platz. Ich fragte, wie man &uuml;ber etwas diskutieren wolle, wenn man keinen Augenzeugen dabei habe. Trotzdem wurde ich weggeschickt. Es gab wohl nicht genug Platz f&uuml;r die ganzen &Uuml;berlebenden &hellip; <\/p><p>Man darf aber  auch nicht vergessen, dass auf dem Maidan zahlreiche Politiker aus den USA und aus Deutschland als Unterst&uuml;tzer dabei waren, die damit den Putsch faktisch unterst&uuml;tzt haben. Wie soll da ein ehrliches Interesse an Aufkl&auml;rung entstehen?<\/p><p><strong>Wer unterst&uuml;tzt Sie bei Ihrer Arbeit?<\/strong><\/p><p>In Deutschland sind das die M&uuml;tter gegen Krieg aus Berlin-Brandenburg, einzelne Bundestagsabgeordnete der Linken, die mir die M&ouml;glichkeit geben, bei Veranstaltungen zu informieren, sowie der Verein Friedensbr&uuml;cke Kriegsopferhilfe e.V..<\/p><p><strong>Haben Sie noch Kontakte nach Odessa?<\/strong><\/p><p>Ja &ndash; dank Telefon und Skype stehe ich regelm&auml;&szlig;ig mit meiner Familie und Freunden in Kontakt, und versuche den Menschen zu helfen, zum Beispiel indem ich Lebensmittel nach Odessa schicke. Ich unterst&uuml;tze Projekte mit Spenden &ndash; wie z.B. den Film &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GMHNMx4gHuQ=\">Brennende Herzen<\/a>&ldquo;.  Ich tue eben das, was mir m&ouml;glich ist. <\/p><p><strong>Und woher bekommen Sie die Spenden?<\/strong><\/p><p>Ich habe noch eine Firma, die von meiner Familie weiter gef&uuml;hrt wird. Zudem stehe ich in engem Kontakt mit Gesch&auml;ftsleuten vor Ort, die die jetzige politische Ausrichtung nicht guthei&szlig;en und Spendengelder zur Verf&uuml;gung stellen. Und nat&uuml;rlich rufe ich bei meinen &ouml;ffentlichen Veranstaltungen unter den Besuchern zu Spenden auf. Auch vom Erl&ouml;s des Buches geht ein Teil an Menschen, die Hilfe ben&ouml;tigen.<\/p><p><strong>Wo kann man das Buch erwerben?<\/strong><\/p><p>Es ist in der Eulenspiegel Verlagsgruppe erschienen und kann dort oder in jeder Buchhandlung mit der ISBN 978-3-947094-37-0 geordert werden. Auch die Friedensbr&uuml;cke Kriegsopferhilfe unterst&uuml;tzt mich beim Vertrieb, man kann das Buch &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.fbko.org\">fbko.org<\/a> ebenfalls bestellen.<\/p><p><strong>Zum Abschlu&szlig;: was w&uuml;rden Sie sich von den Lesern dieses Artikels w&uuml;nschen?<\/strong><\/p><p>Mein Wunsch w&auml;re es, dass die Menschen begreifen, dass man nicht teilnahmslos bleiben darf, wenn man sieht, dass Unrecht geschieht. Jeder kann innerhalb sehr kurzer Zeit in einem Krieg landen &ndash; davor ist niemand gefeit. Wie schnell das gehen kann, habe ich selbst erleben m&uuml;ssen. <\/p><p>Aber ich w&uuml;nsche allen, dass sie nie im eigenen Haus Sch&uuml;sse h&ouml;ren m&uuml;ssen, sondern weiter ein friedliches Leben mit viel Sonnenschein erleben d&uuml;rfen. <\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r Ihr Engagement und eine friedliche Zukunft f&uuml;r uns alle!<\/strong><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/2ae43cdc708b4b2b8ab5ce5ffa94a514\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2.5.2019 j&auml;hren sich zum 5. Mal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51371\">die Ereignisse von Odessa<\/a>, bei denen insgesamt 48 Menschen &ndash; davon 42 im Gewerkschaftshaus &ndash; ermordet und hunderte schwer und schwerst verletzt wurden. 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