{"id":51410,"date":"2019-05-03T08:30:56","date_gmt":"2019-05-03T06:30:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51410"},"modified":"2019-05-03T13:12:52","modified_gmt":"2019-05-03T11:12:52","slug":"polizeigewalt-gegen-eine-19jaehrige-franzoesin-u-a-m-ein-trauriges-kapitel-in-der-neueren-geschichte-unseres-grossen-nachbarn-von-marco-wenzel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51410","title":{"rendered":"Polizeigewalt gegen eine 19j\u00e4hrige Franz\u00f6sin u.a.m.  &#8211; ein trauriges Kapitel in der neueren Geschichte unseres gro\u00dfen Nachbarn. Von Marco Wenzel."},"content":{"rendered":"<p>Die Polizeigewalt gegen die Gelbwesten in Frankreich nimmt kein Ende. Seit November letzten Jahres gehen die Demonstranten in den gelben Westen jeden Samstag auf die Stra&szlig;e. War der Ursprung des Protestes noch die Erh&ouml;hung der Benzinpreise durch die Regierung Macron, so haben sich die Forderungen der Gelbwesten l&auml;ngst auf soziale Ziele der arbeitenden Bev&ouml;lkerung ausgedehnt. Die Regierung ist unter Druck geraten, will aber keine wirklichen Sozialverbesserungen durchf&uuml;hren. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer neoliberale Gaukler im Elys&eacute;e-Palast setzt derweil darauf, dass sich die Bewegung irgendwann totlaufen wird. Zudem macht er minimale Zugest&auml;ndnisse und leere Versprechungen, die die Menschen in Frankreich aber l&auml;ngst durchschaut haben. Zuletzt tourte Macron fast drei Monate lang durch alle m&ouml;glichen St&auml;dte und Gemeinden, um sich mit den B&uuml;rgermeistern zu treffen und sie zu ihren Problemen zu befragen. Das sollte Volksn&auml;he suggerieren. Die B&uuml;rgermeister f&uuml;hlten sich geehrt, Macron ist nach den Gespr&auml;chen wieder abgereist und alles ist beim Alten geblieben. Mit den Menschen vor Ort hat Macron nicht gesprochen. Warum auch?  Die Bewegung jedoch hat inzwischen ihre eigene Dynamik entwickelt und wird so bald nicht mehr zu stoppen sein. Es geht l&auml;ngst um mehr als nur um die Benzinpreise. Und die Gelbwesten sind inzwischen zu einem Symbol des Widerstandes in ganz Europa geworden. <\/p><p>Vor allem aber setzte Macron von Anfang an auf massive Polizeigewalt. Dabei entlarvt seine Repression gegen die Gelbwesten die liberale Demokratie Frankreichs als Fassade. F&uuml;hlt sich die Oligarchie bedroht, wird ernsthafter Widerstand gegen die neoliberale Agenda geleistet, greift sie bedenkenlos zur Gewalt. Die Polizeikr&auml;fte setzen massiv Tr&auml;nengas und Abwehrgeschosse gegen die Demonstranten ein. Ber&uuml;chtigt ist dabei der Gummigeschosswerfer LBD 40, auch Flashball genannt, eine Waffe, die die deutsche Polizei nicht besitzt. Diese Waffe wird zwar offiziell als &bdquo;nicht t&ouml;dlich&ldquo; eingestuft, was nur bedingt stimmt, verursacht aber regelm&auml;&szlig;ig schwerste Verletzungen bei den Getroffenen, besonders wenn sie ungesch&uuml;tzte K&ouml;rperstellen am Kopf betrifft.  So darf die Waffe laut Anweisungen nur f&uuml;r gezielte Sch&uuml;sse auf Brust und Extremit&auml;ten eingesetzt werden. Aber wer will das im Einsatz kontrollieren? &bdquo;Je nach Bekleidung sind durch die herstellerseitig grob mit einem &bdquo;Pferdetritt&ldquo; verglichene Energie[ potentiell auch Rupturen von Milz oder Leber oder z. B. der Hoden m&ouml;glich.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flashball\">Wikipedia<\/a>)<\/p><p>Und so kam es auch von Anfang an zu schweren Verletzungen, Augenverlust inbegriffen. Die Nachdenkseiten berichteten hier&uuml;ber bereits am 23. Januar 2019 unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48643\">Mit brutaler Gewalt wird der Klassenkampf von oben gewonnen.<\/a>&ldquo;<\/p><p>Ein weiteres Problem d&uuml;rfte die Tatsache sein, dass viele Polizeibeamte, nicht nur in Frankreich, und besonders die Spezialkr&auml;fte, weitl&auml;ufig der rechtsextremen Szene zuzurechnen sind und danach lechzen, sich austoben zu d&uuml;rfen. Die franz&ouml;sischen CRS, kasernierte Spezialeinheiten, waren schon immer f&uuml;r ihre Brutalit&auml;t gegen&uuml;ber Demonstranten ber&uuml;chtigt, der Schlagstock sa&szlig; bei ihnen immer locker im G&uuml;rtel. Bereits in den siebziger Jahren machten sie sich einen traurigen Namen durch unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Gewaltanwendungen bei den Demonstrationen gegen die Kernkraftwerke. <\/p><p>&Uuml;ber einen besonders schlimmen und traurigen Fall berichtete jetzt die franz&ouml;sische Zeitung Mediapart, der sich am 8. Dezember gegen 18.40 Uhr letzten Jahres im Marseille ereignete. <\/p><p>(Mediapart &ndash; <a href=\"https:\/\/www.mediapart.fr\/journal\/france\/300419\/marseille-des-policiers-fracassent-le-crane-d-une-jeune-femme-terre\">A Marseille, des policiers fracassent le cr&acirc;ne d&rsquo;une jeune femme &agrave; terre<\/a>)<\/p><p>Zu dem Zeitpunkt, wo sich der Vorgang ereignete, waren die Demonstrationen l&auml;ngst vorbei. Aber die Polizeieinheiten waren noch da. Das Opfer war die 19-j&auml;hrige Verk&auml;uferin Maria, die auf dem Nachhauseweg von der schwarzgekleideten Polizei grundlos angegriffen, von einem LBD-40-Geschoss ins Bein getroffen und anschlie&szlig;end, schon auf dem Boden liegend, von denselben Polizisten mit Schlagst&ouml;cken bewusstlos und krankenhausreif geschlagen wurde. Sie wurde schwer verletzt, erlitt schwere Prellungen und einen Sch&auml;delbruch und h&auml;tten nicht Passanten sich ihrer angenommen und die Polizei von weiteren Schl&auml;gen abgehalten, wer wei&szlig;, ob sie den Angriff &uuml;berlebt h&auml;tte. Nach Augenzeugenberichten sollen es mehr als zehn Polizisten gewesen sein, die das wehrlose M&auml;dchen angegriffen haben, die meisten in Zivilkleidung und mit Helm. <\/p><p>Der Anwalt von Maria hat letzten Dienstag Klage gegen &ldquo;unbenannte Personen, die jedoch als Polizeibeamte identifiziert wurden&rdquo; wegen versuchten Mordes, versch&auml;rfter vors&auml;tzlicher Gewalt, unterlassener Hilfeleistung f&uuml;r eine Person in Gefahr&rdquo; und unterlassener Verhinderung der Begehung einer Straftat eingereicht. Er hat auch Beschwerde bei der Polizeiaufsichtsbeh&ouml;rde (IGPN) eingereicht. Diese hat sie aber immer noch nicht angeh&ouml;rt. <\/p><p>Ob die Klage erfolgreich sein wird, ist ungewiss. Der franz&ouml;sische Staat hat kein Interesse an der Aufkl&auml;rung. <\/p><p><strong>Anhang: <\/strong><br>\n<strong>Marco Wenzel: &Uuml;bersetzung des <a href=\"https:\/\/www.mediapart.fr\/journal\/france\/300419\/marseille-des-policiers-fracassent-le-crane-d-une-jeune-femme-terre\">Artikels in Mediapart<\/a>:<\/strong><br>\n<strong>In Marseille schlagen Polizisten einer jungen Frau, die auf dem Boden liegt, den Sch&auml;del ein<\/strong><br>\n<strong>Mediapart<\/strong><\/p><p>Maria, 19, reichte am Dienstag eine Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft Marseille wegen versuchten Mordes, versch&auml;rfter vors&auml;tzlicher Gewalt und unterlassener Hilfeleistung f&uuml;r Personen in Gefahr ein. Am 8. Dezember, am Rande einer Demonstration von &ldquo;gelben Westen&rdquo;, wurde sie von Polizisten getreten und geschlagen. Dabei wurde auch ihr Gehirn verletzt. <\/p><p>Am 8. Dezember 2018 wurde die 19-j&auml;hrige Maria[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] in Marseille von der Polizei schwer verletzt. Nachdem sie von einem Abwehrgeschoss (LBD) in den Oberschenkel geschossen worden war, fiel die junge Frau zu Boden und wurde dann heftig geschlagen und auf den Kopf getreten.<\/p><p>Im Krankenhaus wurde sie wegen &ldquo;eines rechten kraniofazialen Traumas durch Schl&auml;ge mit einem Schlagstock und Sch&auml;delbruch mit einer zerebralen Prellung&rdquo; notoperiert. Mit anderen Worten, Maria hat eine Sch&auml;delfraktur und ihr Gehirn ist betroffen. Erst im April, f&uuml;nf Monate sp&auml;ter, konnte sie zu ihrer Arbeit als Verk&auml;uferin zur&uuml;ckkehren, die sie mit ihrem Studium abwechselt. Noch unter &auml;rztlicher Aufsicht wird sie auch von einem Psychiater begleitet, da sie laut Arztbericht unter &ldquo;akuten Stress&rdquo; leidet, verbunden mit &ldquo;h&auml;ufigen Alptr&auml;umen&rdquo;. <\/p><p>Ihr Anwalt, Brice Grazzini, reichte am Dienstag, den 30. April, bei der Staatsanwaltschaft Marseille eine Beschwerde gegen &ldquo;unbenannte Personen, die jedoch als Polizeibeamte identifiziert wurden&rdquo; wegen &ldquo;versuchten Mordes&rdquo;, &ldquo;versch&auml;rfter vors&auml;tzlicher Gewalt&rdquo;, &ldquo;Unterlassener  Hilfeleistung f&uuml;r eine Person in Gefahr&rdquo; und &ldquo;Unterlassener Verhinderung der Begehung einer Straftat&rdquo; ein.<\/p><p>Was geschah am Samstag, dem 8. Dezember 2018?<\/p><p>An diesem Tag, gegen 18 Uhr, verl&auml;sst Maria fr&uuml;h das Gesch&auml;ft in der Innenstadt, wo sie mit ihrer Freundin arbeitet, um nach Hause zu gehen.<\/p><p>Sie gehen durch die Rue Saint-Ferr&eacute;ol, einer Einkaufsstra&szlig;e, die fr&uuml;her am Tag Schauplatz von Zusammenst&ouml;&szlig;en im Rahmen von Akt IV der &ldquo;gelben Westen&rdquo; und der Mobilisierung gegen minderwertige Wohnungen in Marseille gewesen war. Nicht weit davon entfernt, auf dem Canebi&egrave;re und dem Alten Hafen, gibt es immer wieder Zusammenst&ouml;&szlig;e zwischen Demonstranten und Polizisten, die sich auch &uuml;ber angrenzende Stra&szlig;en erstrecken<\/p><p>&ldquo;Ich war bei meinem Freund und die Polizei sagte uns, dass sie einen Sicherheitsbereich einrichten w&uuml;rden. Wir haben dann den Weg zu mir nach Hause genommen&rdquo;, sagte Maria zu Mediapart.<\/p><p>Sechs Zeugen gaben im Zusammenhang mit der Beschwerde ihre Aussagen ab. Unter ihnen Olivia, die darauf hinweist, dass &ldquo;die Demonstrationen am Nachmittag gerade zu Ende gegangen waren und CRS- und Polizeigruppen weiterhin die Hauptstra&szlig;en besetzen, indem sie den Zugang oder die Passage blockieren. Es gab ein paar Leute verschiedenen Alters, die die Saint-Ferr&eacute;ol-Stra&szlig;e entlang gingen. Niemand hatte eine bedrohliche Einstellung. Alles war ruhig.<\/p><p>Auf den Bildern, die Mediapart einsehen konnte, wirkt die Stra&szlig;e relativ ruhig. Polizisten sind anwesend, einige junge Leute sind auch anwesend und Feuerwehrleute l&ouml;schen M&uuml;llbr&auml;nde.<\/p><p>&ldquo;Pl&ouml;tzlich rannte eine Gruppe von M&auml;nnern, schwarz gekleidet und mit Kn&uuml;ppeln bewaffnet, auf mich zu und schrie mich an&rdquo;, sagte Olivia in ihrer Aussage und f&uuml;gte hinzu: &ldquo;Ich identifiziere sie sofort als Polizisten. Ich hatte den schnellen Reflex, mich zu befreien, indem ich gegen die Geb&auml;udewand nebenan st&uuml;tzte, um nicht im Rennen getroffen zu werden. &raquo;<\/p><p>Fakten, die von Camille best&auml;tigt wurden, die auch w&auml;hrend der pl&ouml;tzlichen und unerkl&auml;rlichen Aktion der Polizisten anwesend war. Sie bezeugt: &ldquo;Als einige von uns ruhig die Saint-Ferr&eacute;ol Street hinuntergingen, ohne Zusammenst&ouml;&szlig;e um uns herum, feuerte eine Reihe von CRS- und BAC-Agenten Projektile ab (ich wei&szlig; nicht, welche Art von Projektilen) und begann, sich uns schnell zu n&auml;hern. Viele von uns liefen zur ersten Stra&szlig;enkreuzung (rue de la Glace), um in Sicherheit zu kommen. Ich h&ouml;rte einen Schrei und sah jemanden, ein junges M&auml;dchen, fallen. &raquo;<\/p><p>Das &ldquo;junge M&auml;dchen&rdquo; ist Maria. &ldquo;Als die Polizei sie angegriffen hat, habe ich die Situation nicht verstanden. Ich habe nie demonstriert und ich hatte gro&szlig;e Angst. Ich rannte zur ersten Stra&szlig;enkreuzung, rue de la Glace, aber ich wurde durch einen Schuss ins Bein getroffen. Ich schrie, weil mein Bein so sehr weh tat. Ich fiel zu Boden. &raquo;<\/p><p>Der Rest friert ein. In mehreren Geschichten wird eine Szene &ldquo;voller Gewalt&rdquo; erz&auml;hlt.<\/p><p>Als Maria durch den Flashballschuss verwundet wurde, &ldquo;fingen die Leute an, &ldquo;Alles auf den Boden&rdquo; zu schreien! &ldquo;, berichtet Laurence. &ldquo;Gleichzeitig war diese Person auf dem Boden von Polizisten umgeben und wurde am Boden gewaltsam niedergekn&uuml;ppelt. [&hellip;] Zu dieser Zeit stand ich unter Schock. Die Szene war voller Gewalt. Ich sah fest, dass Kn&uuml;ppel die Person lange Zeit st&auml;ndig hart treffen.&rdquo;<\/p><p>Camille sieht &ldquo;mehr als zehn Polizisten in Jeans, Helmen, Kn&uuml;ppeln in der Hand und Armb&auml;ndern auf den Schultern, die hineinlaufen und sich abwechseln, um die Person zu treten und wieder zu treten, die auf den Boden lag&rdquo;.<\/p><p>Eine weitere Zeugin, die von Mediapart kontaktiert wurde, Denise, ist immer noch bewegt von der Erinnerung an diesen Abend. &ldquo;Direkt vor mir war dieses kleine M&auml;dchen, das fiel. Und dort eilte ein Schwarm von Polizisten, die meisten von ihnen in Zivilkleidung und mit Helm, auf die kleine Stra&szlig;e und traten und traten das M&auml;dchen, w&auml;hrend sie auf dem Boden lag. &raquo;<\/p><p>Denise ist kategorisch: &ldquo;Es gab mindestens drei Schl&auml;ge mit einem Kn&uuml;ppel von drei verschiedenen Polizisten und einen Tritt ins Gesicht. Danach wurde ich selber von einem Polizisten weggeschickt. &raquo;<\/p><p>Sie wird nicht die Einzige sein, die zur&uuml;ckgeschoben wird. &ldquo;Trotz der Tatsache, dass die Polizei mir verboten hat, mich ihr anzuschlie&szlig;en, habe ich darauf bestanden und es geschafft, durchzukommen&rdquo;, sagt Lucie. Als ich bei ihr ankam, fand ich andere Menschen, die ihr zu Hilfe gekommen waren, und ich bemerkte, dass ihr Sch&auml;del eingeschlagen war und blutete. Auf dem Boden waren Spuren von Blut, bis hinunter zu den W&auml;nden. Die Polizei in Zivil ging, ohne auch nur ihren Zustand zu &uuml;berpr&uuml;fen.&rdquo;<\/p><p>Ein anderer Zeuge machte die gleiche Beobachtung: &ldquo;Als wir uns n&auml;herten, verteilten sich alle Polizisten um die Person am Boden. Wir bemerken ihren sehr besorgniserregenden Zustand, da sie eine offene Wunde am Kopf hatte.&rdquo;<\/p><p>&ldquo;Ich wei&szlig; nicht, ob diese Beschwerde erfolgreich sein wird.&rdquo;<\/p><p>&ldquo;Der Angriff fand gegen 18:40 Uhr statt. Ich nenne es Angriff, weil es kein anderes Wort daf&uuml;r gibt&rdquo;, sagt Denise, die die Feuerwehr anrief, w&auml;hrend eine Krankenschwester Maria Erste Hilfe leistete. &ldquo;Wir stellten uns in Gruppen um sie herum, weil noch Polizisten weiter unten auf der Stra&szlig;e waren und wir Angst hatten, dass sie dasselbe wieder tun w&uuml;rden&rdquo;, sagt sie.<\/p><p>Maria hat immer noch Schwierigkeiten, auf diesen Moment zur&uuml;ckzukommen. &ldquo;Ich erinnere mich, dass mein Bein sehr weh tat, als ich zu Boden fiel. Dann ging alles sehr schnell. Polizisten kamen auf mich zu und ich wurde auf den Kopf geschlagen und dann sp&uuml;rte ich die Hitze. Ich war so schockiert. Die Schl&auml;ge gingen weiter. Dann f&uuml;hlte ich mich, als w&uuml;rde ich sterben, als die Leute kamen, um mir zu helfen. &raquo;<\/p><p>Verbl&uuml;fft konnten alle Augenzeugen die Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Versessenheit der Polizei nicht verstehen.<\/p><p>Mediapart konnte mehrere Videos &uuml;ber die Vorkommnisse einsehen. Auf einem von ihnen sehen wir eine Person auf dem Boden, umgeben von Polizisten, in Zivil, mit einer Armbinde auf der Schulter, und wir h&ouml;ren Leute, die diesen Polizisten rufen: &ldquo;Langsam, stopp, sie hat nichts getan! Sie fiel und ihr seid gekommen und habt sie geschlagen. &ldquo;In einem weiteren Video gehen mehrere Polizisten der BAC (Kriminalpolizei) auf die Stra&szlig;e, einer schl&auml;gt mit einem Schlagstock auf die Wand und heult, w&auml;hrend ein anderer sagt: &ldquo;Es ist nur eine Frage der Zeit&rdquo;, kommentiert der Autor der Bilder.<\/p><p>Maria ihrerseits wiederholt die Ereignisse dieses Tages und r&auml;umt ein, dass sie &ldquo;dummerweise Kracher auf dem Boden losgelassen&rdquo; habe. Es ist dumm, ich wei&szlig;. Wir haben sie mit meinem Freund gekauft, um sie bei einem Footballspielabend zu benutzen. Aber wenn das das Problem ist, verstehe ich es nicht, denn dabei wurde gegen uns nichts gesagt. Die Polizeiangriff  muss mindestens 15 Minuten sp&auml;ter erfolgt sein.<\/p><p>&ldquo;Ist es gerechtfertigt, den Kopf eines jungen M&auml;dchens so heftig zu schlagen, w&auml;hrend sie auf dem Boden liegt und bereits durch ein Geschoss am Bein verletzt wurde? &ldquo;, fragt Rechtsanwalt Brice Grazzini. Um zu verhindern, dass diese Gewalttaten von Polizeibeamten straffrei bleiben, beschloss er, hart vorzugehen und eine Klage wegen &ldquo;versuchten Mordes durch einen Verantwortlichen der &ouml;ffentlichen Ordnung&rdquo; einzureichen.<\/p><p>&ldquo;Die Polizei machte sich auch schuldig, &ldquo;niemandem in Gefahr zu helfen&rdquo; und, da keiner von ihnen eingriff, um die Gewalt zu stoppen, &ldquo;die Begehung eines Verbrechens nicht zu verhindern&rdquo;, sagte er.<\/p><p>Seit dem 19. Dezember &ldquo;wird das IGPN (Anmerkung Marco Wenzel: Inspection G&eacute;n&eacute;rale de la Police Nationale, Polizeiaufsichtsbeh&ouml;rde) nach dem Bericht meines Mandanten &uuml;ber die Gewalt, der sie ausgesetzt war, informiert. Es ist April und sie wurde immer noch nicht geh&ouml;rt. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die IGPN als Richter und Partei ihre eigenen Agenten verfolgt&rdquo;, sagt Brice Grazzini, der auch den D&eacute;fenseur des Droits informiert hat.<\/p><p>Als Mediapart sich mit der IPGN in Verbindung setzte, erkl&auml;rte die IGPN, dass sie &ldquo;sich zu den Berichten und den Folgema&szlig;nahmen nicht &ldquo;&auml;u&szlig;ern&rdquo; w&uuml;rde und bezog sich dabei auf die offizielle Zahl des Innenministers Christophe Castaner von 220 Ermittlungen, die f&uuml;r polizeiliche Gewalt er&ouml;ffnet und der IGPN seit Akt I der gelben Westen &uuml;bertragen wurden. Laut einer gerichtlichen Quelle, die von Le Figaro am Freitag, den 26. April, zitiert wurde, sind bereits 25 Verfahren abgeschlossen.<\/p><p>Werden diese Untersuchungen erfolgreich sein? Zweifel an ihrer Fortsetzung sind erlaubt.<\/p><p>Der Staat weigert sich hartn&auml;ckig, die Fakten anzuerkennen. Dies geschieht trotz der Zahl der Opfer und der vorgelegten Beweise. Die Staatsanw&auml;lte scheinen diesem Trend zu folgen und laufen Gefahr, der Polizei eine Garantie f&uuml;r Straffreiheit zu bieten.<\/p><p>Die UNO hat k&uuml;rzlich diese Heuchelei angeprangert. Michelle Bachelet, die Hochkommissarin der Vereinten Nationen f&uuml;r Menschenrechte, forderte in einer Rede vor dem Menschenrechtsrat in Genf am 6. M&auml;rz &ldquo;eine dringende und gr&uuml;ndliche Untersuchung aller gemeldeten F&auml;lle von &uuml;berm&auml;&szlig;iger Gewaltanwendung&rdquo;.<\/p><p>Die franz&ouml;sische Regierung ist der Ansicht, dass &ldquo;die LBD zu keinem Zeitpunkt gegen Demonstranten, auch nicht gegen hartn&auml;ckige, eingesetzt werden, wenn sie keine k&ouml;rperliche Gewalt anwenden, insbesondere nicht gegen die Polizei oder schwere Sch&auml;den anrichten. Aber dann seien sie keine Demonstranten mehr, sondern Teilnehmer an einer gewaltt&auml;tigen und illegalen Versammlung.<\/p><p>Die Regierung f&uuml;gt hinzu, dass Mittel mit mittlerer Kraft, wie Schlagst&ouml;cke und Tr&auml;nengasgranaten, es erm&ouml;glichen, &ldquo;einen Abstand einzuhalten, der maximale Sicherheit garantiert[&hellip;.] durch Vermeidung von direktem Kontakt und nachfolgenden Verletzungen&rdquo;.<\/p><p>Die L&uuml;ge der franz&ouml;sischen Regierung entspricht damit der Gewalt der Polizei, die sie zu verbergen versucht.<\/p><p>Erheiternd.<\/p><p>&ldquo;Ich wei&szlig; nicht, ob diese Beschwerde erfolgreich sein wird&rdquo;, fragt sich Maria. &ldquo;Meine Mutter half mir, die Akte zu erstellen und die Zeugenaussagen zu sammeln, als ich im Krankenhaus war&rdquo;, erkl&auml;rt sie und f&uuml;gt hinzu, dass sie sie nicht noch am selben Abend benachrichtigen wollte. &ldquo;Sie hat Diabetes und ich hatte Angst vor ihrer Reaktion. Aber in der Notaufnahme, vor meiner Operation, zwang mich die Krankenschwester, sie anzurufen und zu sagen: &ldquo;Wenn Sie w&auml;hrend der Operation sterben, muss Ihre Familie informiert werden. &raquo;<\/p><p>Heute leidet die junge Frau an Ged&auml;chtnisst&ouml;rungen. &ldquo;Ich kann wieder auf dem rechten Auge sehen, das ist schon mal was. Es war Blut in seinem Inneren, das inzwischen aufgel&ouml;st wurde. Ich habe das Gef&uuml;hl, dass sich mein Gehirn die Zeit nimmt, sich wieder aufzubauen, aber es nimmt mir die ganze k&ouml;rperliche Kraft. Ein Schlag mit einem Schlagstock kann irreversible Auswirkungen haben, das macht mir Sorgen&rdquo;, erkl&auml;rt sie. Ich bin entsetzt &uuml;ber das, was ich im Laufe der Verfahren sehe, die ich f&uuml;r F&auml;lle von &ldquo;polizeilicher Gewalt&rdquo; ausfechte. Die Verletzungen meiner Kunden sind &auml;u&szlig;erst schwerwiegend, und es ist klar, dass dies ein Beispiel f&uuml;r den aktuellen Trend des Regierungsmanagements von Demonstrationen ist. Wenn ich Menschen verteidige, die wegen Gewalt verfolgt werden, sind die Verfahren schnell und die Menschen werden verurteilt, wenn sie schuldig sind&rdquo;, sagt Anwalt Brice Grazzini.<\/p><p>&ldquo;Alles hier ist kompliziert&rdquo;, f&auml;hrt er fort, &ldquo;Beschwerden sind schwer einzureichen, Gerichtsverfahren sind langsam oder werden nicht gef&uuml;hrt, und das Schlimmste ist, dass die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden die Ergebnisse einer Untersuchung vorwegnehmen, indem sie behaupten, dass die Polizeikr&auml;fte keine rechtswidrige Gewalt begangen haben. Wenn ich sehe, was im Falle von Maria oder Frau Zineb Redouane geschieht, deren Sohn ich verteidige, ist das inakzeptabel. Selbst Minderj&auml;hrige werden ins Visier genommen und schwer verletzt&hellip;.&rdquo;<\/p><p>Am selben Abend wurde ein 14-j&auml;hriger Junge in Marseille und im selben Gebiet, ohne an den Demonstrationen teilzunehmen, von einem Abwehrgeschoss am Kopf getroffen, wodurch er eine Kopfverletzung erlitt, bewusstlos wurde mit einer Hinterkopffraktur und einer Wunde.<\/p><p>&ldquo;Es scheint, als w&auml;re die Nachbarschaft der Spielplatz einer Horde von Wilden gewesen. Aber diese Leute waren Polizisten&rdquo;, sagt Rechtsanwalt Brice Grazzini.<\/p><p>Titelbild: Frederic Legrand &ndash; COMEO \/ Shutterstock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Die Vornamen der Zeugen und Maria wurden ge&auml;ndert, um ihre Anonymit&auml;t zu wahren.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Polizeigewalt gegen die Gelbwesten in Frankreich nimmt kein Ende. Seit November letzten Jahres gehen die Demonstranten in den gelben Westen jeden Samstag auf die Stra&szlig;e. 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