{"id":51445,"date":"2019-05-05T11:45:14","date_gmt":"2019-05-05T09:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51445"},"modified":"2019-05-06T20:54:37","modified_gmt":"2019-05-06T18:54:37","slug":"noch-eine-verbrauchssteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51445","title":{"rendered":"Noch eine Verbrauchssteuer?"},"content":{"rendered":"<p>Die seltsame Einheitsfront pro CO2-Steuer. Oder: Ein Pl&auml;doyer daf&uuml;r, anstelle einer zweiten &bdquo;Oben-drauf-&Ouml;kosteuer&ldquo; konkrete Sofortma&szlig;nahmen zur CO2-Reduktion zu beschlie&szlig;en. Von <strong>Winfried Wolf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5201\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-51445-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190506_Noch_eine_Verbrauchssteuer_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190506_Noch_eine_Verbrauchssteuer_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190506_Noch_eine_Verbrauchssteuer_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190506_Noch_eine_Verbrauchssteuer_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=51445-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190506_Noch_eine_Verbrauchssteuer_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190506_Noch_eine_Verbrauchssteuer_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Jetzt ist die Forderung also bei der gro&szlig;en Politik angekommen: Angela Merkel kann sich &bdquo;eine CO-2-Steuer gut vorstellen.&ldquo; Die Gr&uuml;nen fordern schon seit langem eine solche Steuer. Die FDP streitet f&ouml;rmlich f&uuml;r eine &bdquo;CO2-Besteuerung&ldquo;. Aus der Partei DIE LINKE gibt es zumindest in gr&ouml;&szlig;eren Teilen Zustimmung. Und auch der Unternehmerverband BDI &auml;u&szlig;ert sich positiv. Selbst auf internationaler Ebene gibt es zunehmend Konsens f&uuml;r eine solche Steuer auf Kohlendioxid. Anfang April erkl&auml;rten 20 Finanzminister aus unterschiedlichen Staaten &ndash; unter ihnen diejenigen aus Deutschland, Frankreich, Schweden, Gro&szlig;britannien, Spanien und einigen s&uuml;damerikanischen und afrikanischen L&auml;ndern &ndash; am Rande einer Tagung von Weltbank und Internationalem W&auml;hrungsfonds, eine &bdquo;nationale Koalition f&uuml;r Klimaschutz&ldquo; bilden zu wollen. Im Zentrum soll dabei eine &bdquo;Bepreisung des klimasch&auml;dlichen Kohlendioxids&ldquo; stehen. <\/p><p><strong>Wer wird den Preis bezahlen?<\/strong><\/p><p>Ein konkretes CO2-Steuer-Modell gibt es bislang nicht. Das macht die Debatte zweifellos schwierig. Die Fraktionsvorsitzende der Gr&uuml;nen im Europaparlament, Ska Keller, erkl&auml;rte, Kohlendioxid &bdquo;muss einen Preis bekommen, den diejenigen zahlen m&uuml;ssen, die CO2 freisetzen.&ldquo; Zu fragen ist, ob es sich nicht deutlich anders verh&auml;lt. Diesen Preis m&uuml;ssen dann diejenigen zahlen, die Dienstleistungen in Anspruch nehmen (m&uuml;ssen) und Produkte konsumieren (m&uuml;ssen), die CO2 enthalten. Diejenigen, die CO2-intensive Dienstleistungen anbieten und die CO2-intensive Produkte erstellen, werden mit einer solchen &bdquo;Oben-drauf-Steuer&ldquo; gut leben k&ouml;nnen. Am CO2-Output wird sich grunds&auml;tzlich nichts oder viel zu wenig &auml;ndern. Vielmehr wird dieser CO2-intensiven Wirtschaftsweise ein neues gr&uuml;nes M&auml;ntelchen umgeh&auml;ngt. <\/p><p>Pikant dabei ist: Vor genau zwei Jahrzehnten gab es eine ma&szlig;geblich von den Gr&uuml;nen angef&uuml;hrte &bdquo;&Ouml;kosteuer&ldquo;-Debatte. Und es wurde im M&auml;rz 1999 das &bdquo;Gesetz zum Einstieg in die &ouml;kologische Steuerreform&ldquo;  beschlossen. Dies erfolgte unter der SPD-Gr&uuml;nen-Regierung. Das Gesetz wurde, nicht zuletzt von den Gr&uuml;nen, gepriesen als eine wirksame Ma&szlig;nahme gegen den CO2-Emissionen und die Klimaerw&auml;rmung. Tats&auml;chlich sind auch die Einnahmen aus dieser Steuer enorm. Damit sind auch die Belastungen f&uuml;r die Verbraucher betr&auml;chtlich. Doch die Wirkung erwies sich als h&ouml;chst begrenzt. Die CO2-Emissionen sind seither weiter gestiegen.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Die Wirkung dieser &Ouml;kosteuer ist sogar derart bescheiden, dass sie in den aktuellen Debatten nicht einmal erw&auml;hnt wird. Stattdessen wird vorgeschlagen &hellip; so ziemlich genau dasselbe zu machen wie vor zwei Jahrzehnten.<\/p><p>Unter den gegebenen Bedingungen erscheint trotz der gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen CO-2-Steuer-Koalition (und auch wegen derselben) die Forderung nach einer allgemeinen CO2-Steuer bei Beibehaltung der gegebenen Besteuerungen, Subventionierungen und Regulierungen ausgesprochen problematisch. Dies aus f&uuml;nf Gr&uuml;nden. <\/p><p><strong>Eine allgemeine CO2-Steuer ist ungerecht<\/strong><\/p><p><em>Erstens<\/em> handelt es sich erneut um eine allgemeine, und damit um eine sozial ungerechte Verbrauchssteuer. Sie trifft formal alle gleicherma&szlig;en. Sie wird also die Durchschnittsverdiener und damit die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung deutlich belasten und die Armen sehr hart treffen. Die Gutverdiener werden diese Steuer mit einem Grummeln zur Kenntnis nehmen. Die Verm&ouml;genden und Reichen werden eine CO-Steuer erst gar nicht sp&uuml;ren. Sie k&ouml;nnen die damit verbundenen Mehrbelastungen mit einem Griff in die Portokasse abdecken. <\/p><p>Eine allgemeine CO2-Steuer ist damit sozial ungerecht. Mit ihr wird sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vergr&ouml;&szlig;ern. Die in diesem Zusammenhang immer erw&auml;hnten &bdquo;sozialen Ausgleichsma&szlig;nahmen&ldquo; werden nur einen Teil dieser neuen Ungerechtigkeit mildern. Es wird zu Protesten &auml;hnlich denen der Gelbwesten in Frankreich kommen, die sozial berechtigt sind. Die jedoch gleichzeitig das Anliegen, wirksame Ma&szlig;nahmen gegen die Klimaerw&auml;rmung zu ergreifen, in Misskredit bringen.<\/p><p><strong>Mehr Geld &ndash; mehr CO2-Verbrauch: Die Klimafrage ist eine soziale Frage <\/strong><\/p><p><em>Zweitens<\/em> wird eine CO2-Steuer nicht der Tatsache gerecht, dass die Klimafrage in starkem Ma&szlig; eine soziale Frage ist. Je reicher die Menschen, desto gr&ouml;&szlig;er ist die Klimabelastung. Damit ist eine solche Steuer auch deutlich unwirksam. Das untere Viertel der Bev&ouml;lkerung ist nur f&uuml;r einen Bruchteil der CO2-Belastung verantwortlich, das obere Viertel dagegen f&uuml;r deutlich mehr. Nach einer j&uuml;ngeren Berechnung f&uuml;r &Ouml;sterreich liegen die Pro-Kopf-CO2-Emissionen im Verkehrsbereich beim unteren Einkommensviertel bei 1,7 Tonnen CO2 im Jahr. Das obere Einkommensviertel verbraucht dagegen 5,4 Tonnen CO2 &ndash; drei Mal so viel. Das Umweltbundesamt weist auf eine vergleichbare Situation in Deutschland hin und argumentiert mit den folgenden Feststellungen, dass dies nicht nur f&uuml;r den Verkehrsbereich  zutrifft, sondern zu verallgemeinern ist. &bdquo;Steigende Haushaltsnettoeinkommen haben steigende Umweltbelastungen zur Folge. Am Beispiel der Verkehrsausgaben l&auml;sst sich der Zusammenhang aufzeigen: Haushalte niedriger Einkommen gaben 2016 im Schnitt 96 Euro [monatlich; W.W] daf&uuml;r aus, w&auml;hrend Haushalte in der h&ouml;chsten Einkommensklasse mit 718 Euro mehr als sieben Mal so viel aufwendeten. Eine erh&ouml;hte Mobilit&auml;t, h&auml;ufigeres Reisen und hohe Fahrleistungen mit eigenen Kraftfahrzeugen tragen erheblich zu Umweltbelastungen, wie zum Beispiel klimasch&auml;dlichen Emissionen, bei.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] <\/p><p>Rund 40 Prozent der Haushalte im unteren Einkommensviertel haben kein Auto. Mehr als 40 Prozent der Haushalte im oberen Einkommensviertel haben zwei und mehr Pkw.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Das hei&szlig;t, dass genau die Gruppe in der Bev&ouml;lkerung, die f&uuml;r das Gros der Klimabelastung die gr&ouml;&szlig;te Verantwortung tr&auml;gt, die CO2-Steuer wegstecken kann. Ich erinnere mich gut an die zynischen Aufkleber &bdquo;Mein Porsche f&auml;hrt auch ohne Wald&ldquo;.<\/p><p><strong>Die eigentlichen Klimasch&auml;diger werden nicht ins Visier genommen<\/strong><\/p><p><em>Drittens<\/em> ist eine CO2-Steuer eine typische End-of-the-pipe-Ma&szlig;nahme: Man gestattet ausufernde Produktionen und Dienstleistungen mit hohen Kohlendioxid-Emissionen, um am Ende davon einen Teil wieder  durch &bdquo;Bepreisung&ldquo; zu belasten und einen noch kleineren Teil davon zu reduzieren. Die eigentlichen Verursacher der Klimasch&auml;digung werden erst gar nicht ins Visier genommen (und erst recht nicht zur Kasse gebeten). Die Grundstruktur einer Produktionsweise, die das Klima massiv belastet, die die Gesundheit von Hunderten Millionen  Menschen sch&auml;digt und die Umwelt zerst&ouml;rt, wird nicht ernsthaft ver&auml;ndert. <\/p><p>Aktuell stecken in einer Flasche Wein aus Chile oder Kalifornien oder S&uuml;dafrika weniger als 10 Cent Transportkosten. Sollten es in Zukunft 20 Cent sein, &auml;ndert das grunds&auml;tzlich nichts an einer absurden globalen Arbeitsteilung, die regionale Wirtschaften zerst&ouml;rt und zerst&ouml;rerische Transportleistungen f&ouml;rdert. Derzeit werden in jedem Jahr in der EU hunderte Millionen lebende Tiere quer durch Europa gekarrt, um nach Tagen, wenn nicht Wochen qualvoller Transporte in einem Schlachthof get&ouml;tet zu werden (das Fleisch wird dann oft zur&uuml;ck in unsere Superm&auml;rkte gefahren). Eine CO2-Steuer auf Dieselkraftstoff wird an diesen untragbaren Zust&auml;nden nichts &auml;ndern.<\/p><p><strong>Eine CO2-Steuer beseitigt nicht die falschen Anreize<\/strong><\/p><p>Es bleibt im Fall einer CO2-Steuer &ndash; <em>viertens<\/em> &ndash; bei der vielfachen regulativen und steuerlichen <em>F&ouml;rderung<\/em> von Produktionen und Dienstleistungen, die mit hohen CO-2-Emissionen verbunden sind. Dieselkraftstoff wird deutlich weniger als Benzin besteuert, was zu dem extrem hohen Anteil von Diesel-Pkw und vor allem  zum immer aufs Neue steigenden Anteil an SUVs f&uuml;hrte. Kerosin im Flugverkehr und das Schwer&ouml;l in der Seeschifffahrt werden nicht besteuert. Das Resultat ist die Explosion der Billigfl&uuml;ge und die Schaffung immer absurderer globaler Arbeitsteilungen bei gleichzeitigem Ruin von regionalen Wirtschaftsstrukturen. <\/p><p>So gibt es in vielen L&auml;ndern &ndash; besonders ausgepr&auml;gt in Deutschland &ndash; ein Dienstwagenprivileg: die steuerliche F&ouml;rderung von &ndash; in der Regel gro&szlig;en und schweren &ndash; Gesch&auml;ftswagen, die inzwischen hierzulande gut zwei Drittel aller Neuzulassungen von Pkw deutscher Hersteller ausmachen. Vor kurzem wurde das Dienstwagenprivileg noch f&uuml;r Elektro-Pkw erweitert. Die freiheitlich-demokratische Grund- und Bodenordnung in unserem Land (und die Ignorierung von Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes) f&uuml;hren dazu, dass f&uuml;r Millionen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger die Mieten in den st&auml;dtischen Zentren unerschwinglich sind und sie zu ihren Arbeitspl&auml;tzen &uuml;ber dutzende Kilometer pendeln m&uuml;ssen. Die Entfernungspauschale mag teilweise ein sozialer Ausgleich sein. Doch strukturell beg&uuml;nstigt sie die Zersiedelung und f&ouml;rdert die Explosion der Mieten und der Bodenpreise. <\/p><p>Auch hieran &auml;ndert eine CO2-Steuer nichts. Mit einer solchen Steuer bleibt es auch bei der massenhaften Verfeuerung von Steinkohle und Braunkohle in den Kohlekraftwerken. Und bei der in j&uuml;ngerer Zeit beschlossenen geringeren F&ouml;rderung der erneuerbaren Energien. Dass Strom mit einer CO2-Steuer teurer wird, ist f&uuml;r das Klima nicht relevant. Nicht nur Geld stinkt nicht, auch CO2 ist geruchlos. Mit einer CO2-Steuer bleibt es bei der grunds&auml;tzlich fatal-falschen Struktur im Energiesektor. Dieser w&uuml;rde nur ein gr&uuml;nes M&auml;ntelchen umgeh&auml;ngt. <\/p><p><strong>Die falsche Orientierung auf &bdquo;Elektromobilit&auml;t&ldquo;<\/strong><\/p><p><em>F&uuml;nftens<\/em> wird mit einer CO2-Steuer die fatale falsche Orientierung im Verkehrssektor auf &bdquo;Elektromobilit&auml;t&ldquo; beibehalten, wenn nicht verst&auml;rkt werden. Ja, diejenigen, die eine CO-2-Steuer einf&uuml;hren wollen, propagieren unisono die F&ouml;rderung von E-Pkw als ein Mittel, um die CO-2-Emissionen zu reduzieren. Explizit gelten Elektro-Pkw als &bdquo;Zero-Emission-Vehicles&ldquo;, als Fahrzeuge, die kein CO2 emittieren. Was der blanke Unsinn ist. &bdquo;Elektromobilit&auml;t&ldquo; wird jedoch dazu beitragen, dass die dem Stra&szlig;enverkehr zuzurechnenden Kohlendioxidemissionen nochmals deutlich steigen. Sie wird vor allem in den St&auml;dten zu einer Zunahme von Pkw-Verkehr und zu einer Schw&auml;chung des &Ouml;PNV beitragen. Die j&uuml;ngeren Rekorde, die f&uuml;r die Zulassung von neuen E-Pkw gemeldet werden, sind immer verbunden mit hohen Zulassungen von neuen herk&ouml;mmlichen Pkw. 2018 wurden in Deutschland rund 80.000 E-Pkw neu zugelassen. Der Bestand an herk&ouml;mmlichen Pkw stieg um rund 600.000.  An dieser Entwicklung, bei der alles w&auml;chst und in allen Sektoren immer mehr CO2 emittiert wird, wird sich mit einer CO2-Steuer grunds&auml;tzlich nichts &auml;ndern. <\/p><p>Elektro-Pkw sind schlicht ein zus&auml;tzliches Element der auf das Auto konzentrierten Transportorganisation. Es sind zu 60 Prozent Zweitwagen. Die zitierte EU-Regelung, wonach E-Pkw &bdquo;Null-Emissions-Pkw&ldquo; sind, erlaubt es den Autokonzernen, ihre Orientierung auf SUV fortzusetzen. Sei es, indem sie E-Pkw in ihrer Flotte anrechnen k&ouml;nnen auf ihre Diesel-SUV. Sei es, indem sie E-SUVs auf den Markt bringen. Siehe die E-Pkw-Modelle Porsche Taycan, Audi e-tron  oder Daimler EQC. Der EQC beginnt bei einem Kaufpreis von 70.000 Euro, hat 408 PS, beschleunigt von 0 auf 100 in 5,1 Sekunden und wiegt 2.400 Kilogramm. Der Audi e-tron beginnt bei 80.000 Euro, hat ebenfalls 408 PS, braucht 5,7 Sekunden bis zu Tempo 100 und wiegt 2500 Kilogramm. Der Porsche Taycan hat einen Einstiegspreis von 99.000 Euro, ist bereits nach 3,5 Sekunden auf Tempo 100 und hat 600 PS &ndash; das Gewicht scheint noch ein Betriebsgeheimnis zu sein. All das sind nat&uuml;rlich laut EU-Vorgaben Null-Emissions-Fahrzeuge. Das ist schlicht pervers.<\/p><p><strong>System-Wechsel oder kleine Schritte?<\/strong><\/p><p>Wer die Klimakatastrophe aufhalten, wer f&uuml;r &bdquo;all days for future&ldquo; k&auml;mpfen will, der muss letzten Endes den Wachstumszwang und die Profitmaximierung der bestehenden Wirtschaftsweise in Frage stellen. Also system change. <\/p><p>Wer kleinere Br&ouml;tchen backen und nicht gleich DGB &ndash; Die Ganze B&auml;ckerei &ndash; erk&auml;mpfen will (oder es nicht f&uuml;r opportun h&auml;lt, eine solche aus meiner Sicht heute absolut berechtigte, wenn nicht erforderliche &bdquo;Maximalforderung&ldquo; zu stellen), der sollte f&uuml;r sinnvolle <em>Sofort- und Minimalforderungen<\/em> eintreten:<\/p><ul>\n<li>Sofortige Beendigung der skandal&ouml;sen Subventionierungen der Billigfliegerei, von Dieselkraftstoff, von Dienstwagen und Schwer&ouml;l (heavy fuel oil).<\/li>\n<li>Schnellstm&ouml;glicher Ausstieg aus dem Braunkohleabbau und aus der Braunkohle- und Kohleverfeuerung in Kraftwerken.<\/li>\n<li>Hochfahren der F&ouml;rderungen f&uuml;r erneuerbare Energien; R&uuml;ckg&auml;ngigmachung der j&uuml;ngeren Einschr&auml;nkungen dieser F&ouml;rderma&szlig;nahmen. <\/li>\n<li>Stopp der Subventionierung der &bdquo;Elektromobilit&auml;t&ldquo;. <\/li>\n<li>Umsetzung erster Modelle eines  &Ouml;PNV-Nulltarif mit dem Ziel eines grunds&auml;tzlichen Nulltarifs im &ouml;ffentlichen Verkehr.<\/li>\n<li>Massive F&ouml;rderung der nicht motorisierten Verkehrsarten, des Fu&szlig;g&auml;nger- und Fahrradverkehrs, unter anderem durch ein bundesweites Programm zum Ausbau von Fahrradwege-Netzen.<\/li>\n<li>Und vor allem: Sofortiges Tempolimit auf Autobahnen von 120 km\/h, von 80km\/h auf Bundes- und Landstra&szlig;en und von 30 km\/h in St&auml;dten und Wohngebieten. Das br&auml;chte schlagartig eine Reduktion der CO-2-Emissionen um rund 5 Millionen Tonnen im Jahr. Und mindestens 250 Stra&szlig;enverkehrstote pro Jahr weniger.<\/li>\n<\/ul><p>Vor allem br&auml;chte das eine allgemein-gesellschaftliche Entschleunigung und damit mehr Demokratie und mehr Zeit, um dann auch &uuml;ber eine grunds&auml;tzlich andere Steuerstruktur nachzudenken, die die Themen Klima und soziale Gerechtigkeit gleicherma&szlig;en ber&uuml;cksichtigt.<\/p><p>Titelbild: Jeff Zehnder \/ Shutterstock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Wikipedia: &bdquo;Mit dem Gesetz zum Einstieg in die &ouml;kologische Steuerreform vom 24. M&auml;rz 1999 (<a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;jumpTo=bgbl199s0378.pdf\">BGBl. I S. 378<\/a>) wurde als neue&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verbrauchsteuer\">Verbrauchsteuer<\/a>&nbsp;eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stromsteuergesetz_(Deutschland)\">Stromsteuer<\/a>&nbsp;eingef&uuml;hrt. Strom aus regenerativen Energietr&auml;gern ist davon befreit, sofern der Strom aus Netzen entnommen wird, die ausschlie&szlig;lich mit solchen Energietr&auml;gern gespeist werden. F&uuml;r industrielle Gro&szlig;verbraucher wurde im Interesse ihrer internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit die Steuer erm&auml;&szlig;igt. Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Energiesteuergesetz_(Deutschland)\">Mineral&ouml;lsteuer<\/a>&nbsp;wurde nach &ouml;kologischen Kriterien gestaffelt; dabei wurden bestimmte Verwendungszwecke beg&uuml;nstigt, andere verteuert, wie etwa verbleite oder schwefelreiche Kraftstoffe. Von 1999 bis 2003 wurde die Steuer in Schritten von 6 Pf mehrmals erh&ouml;ht. Von der Erh&ouml;hung der Mineral&ouml;lsteuer befreit sind Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Strom erhalten diese Betriebe zu einem zu 40&nbsp;% erm&auml;&szlig;igten Steuersatz.&ldquo; Danach stiegen die Einnahmen aus dieser Steuer bis 2009 auf 17 Milliarden Euro. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96kosteuer_(Deutschland)\">Siehe hier<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/private-haushalte-konsum\/strukturdaten-privater-haushalte\/einkommen-konsum-energienutzung-emissionen-privater#textpart-2\">Siehe hier<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Angaben f&uuml;r &Ouml;sterreich. Dabei hier und bei den vorausgegangenen Angaben f&uuml;r &Ouml;sterreich: VC&Ouml;, Mobilit&auml;t als soziale Frage, Januar 2018.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die seltsame Einheitsfront pro CO2-Steuer. Oder: Ein Pl&auml;doyer daf&uuml;r, anstelle einer zweiten &bdquo;Oben-drauf-&Ouml;kosteuer&ldquo; konkrete Sofortma&szlig;nahmen zur CO2-Reduktion zu beschlie&szlig;en. Von <strong>Winfried Wolf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":51446,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,146,137,176,73],"tags":[2649,1815,511,2137,2126,2182,1710,394,2561,2061],"class_list":["post-51445","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-soziale-gerechtigkeit","category-steuern-und-abgaben","category-umweltpolitik","category-verkehrspolitik","tag-oekosteuer","tag-oepnv","tag-dienstwagen","tag-diesel","tag-elektromobilitaet","tag-erneuerbare-energie","tag-fossile-energie","tag-subventionen","tag-tempolimit","tag-umweltverschmutzung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/shutterstock_336888689.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51445"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51445\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51506,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51445\/revisions\/51506"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/51446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=51445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=51445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}