{"id":51564,"date":"2019-05-09T11:00:56","date_gmt":"2019-05-09T09:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51564"},"modified":"2019-05-10T07:29:56","modified_gmt":"2019-05-10T05:29:56","slug":"stramm-auf-knauserkurs-der-hochschulpakt-wird-verstetigt-und-mit-ihm-das-elend-in-der-lehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51564","title":{"rendered":"Stramm auf Knauserkurs: Der Hochschulpakt wird verstetigt und mit ihm das Elend in der Lehre"},"content":{"rendered":"<p>Bund und L&auml;nder haben sich in der Vorwoche auf die Anschlussf&ouml;rderung dreier Wissenschaftspakete verst&auml;ndigt. Der Hochschulpakt zur Finanzierung zus&auml;tzlicher Studienpl&auml;tze wird auf Dauer gestellt, wirkt wegen seiner k&uuml;mmerlichen Ausstattung aber wie ein K&uuml;rzungsprogramm. Eine Verbesserung der Studienqualit&auml;t ist so wenig in Sicht wie ein Ende des grassierenden Befristungsunwesens beim Lehrpersonal. Eher droht sich die Lage weiter zu versch&auml;rfen. Daf&uuml;r sattelt die Politik kr&auml;ftig bei der Forschung drauf, um 120 Milliarden bis 2030. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3792\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-51564-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190509_Der_Hochschulpakt_und_das_Elend_in_der_Lehre_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190509_Der_Hochschulpakt_und_das_Elend_in_der_Lehre_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190509_Der_Hochschulpakt_und_das_Elend_in_der_Lehre_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190509_Der_Hochschulpakt_und_das_Elend_in_der_Lehre_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=51564-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190509_Der_Hochschulpakt_und_das_Elend_in_der_Lehre_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190509_Der_Hochschulpakt_und_das_Elend_in_der_Lehre_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Mangelverwaltung von Deutschlands Hochschulen l&auml;uft demn&auml;chst unter neuem Label: Was bisher der &bdquo;Hochschulpakt&ldquo; war, hei&szlig;t jetzt &bdquo;Zukunftsvertrag Studium und Lehre st&auml;rken&ldquo;. Das klingt sch&ouml;ner und verhei&szlig;t allerbeste Absichten. Dagegen schwang bei &bdquo;Pakt&ldquo; immer etwas von &bdquo;Paktieren&ldquo; mit, so als kungelten Bund und L&auml;nder im Verborgenen aus, wie arglose Rektoren, Wissenschaftler und Studierende zu &uuml;bervorteilen sind. Und genau das taten sie ja auch in den bisher zw&ouml;lf Jahren, die es den Hochschulpakt gibt. Fakt ist: Unter dem Einfluss des 2007 aufgelegten Programms haben die Hochschulen massiv an Substanz verloren. In all der Zeit wurden sie immer voller und die Qualit&auml;t von Studium und Lehre immer d&uuml;rftiger. <\/p><p>Es h&auml;tte auch anders kommen k&ouml;nnen. Masse und Klasse m&uuml;ssen sich nicht notwendig ausschlie&szlig;en. Will man Studenten zu einem erfolgreichen Studienabschluss f&uuml;hren, muss der Staat reichlich Geld in die Hand nehmen und f&uuml;r optimale Lehr- und Lernbedingungen sorgen. Daf&uuml;r braucht es zum Beispiel: bestm&ouml;gliche Betreuung durch ausreichend Professoren und andere ordentlich bezahlte und motivierte Dozenten, eine moderne technische und r&auml;umliche Ausstattung, gut best&uuml;ckte Bibliotheken, breite Beratungs- und Unterst&uuml;tzungsangebote durch die Studentenwerke, eine funktionierende Verwaltung. Und bei steigenden Studierendenzahlen braucht es von all dem eben mehr. <\/p><p><strong>Billige Studienpl&auml;tzchen<\/strong><\/p><p>Mit dem Hochschulpakt gab es nat&uuml;rlich allerhand mehr. Bis zum Auslaufen der dritten Auflage im Jahr 2023 werden Bund und L&auml;nder zusammen &uuml;ber 38 Milliarden Euro in die Finanzierung von weit &uuml;ber einer Million zus&auml;tzlicher, also &uuml;ber dem Planungsstand des Referenzjahres 2005 liegender Studienpl&auml;tze gesteckt haben. Treiber der Entwicklung waren insbesondere die doppelten Abiturientenabg&auml;nge infolge der Schulzeitverk&uuml;rzung auf zw&ouml;lf Jahre (G8), die kurzfristige Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sowie die von der Politik nach der PISA-Schlappe ausgegebene Zielstellung, die Studierenden- und Absolventenzahlen signifikant zu erh&ouml;hen. Das hat fraglos hingehauen. W&auml;hrend man 2007 noch unter zwei Millionen Studierende z&auml;hlte, werden die Hochschulen aktuell von fast 2,9 Millionen Menschen bev&ouml;lkert.  <\/p><p>Ohne die Extramilliarden w&auml;re der Lehrbetrieb unter der Last l&auml;ngst zusammengebrochen. Allerdings hielt die Finanzierung zu keinem Zeitpunkt auch nur ann&auml;hernd mit den Erforderlichkeiten Schritt, wodurch sich die schon viel l&auml;nger zu beklagende Minderausstattung der Hochschullandschaft noch versch&auml;rft hat. Tats&auml;chlich wirkte der Pakt &uuml;ber all die Jahre wie ein schleichendes K&uuml;rzungsprogramm, milliardenschwer zwar, aber doch deutlich zu leicht, um dem Hochschul-Run angemessen zu begegnen. Anfangs war ein im Rahmen des Programms neu geschaffener Studienplatz mit lediglich 22.000 Euro &uuml;ber einen Zeitraum von vier Jahren unterf&uuml;ttert. Mit Beginn der zweiten Programmphase 2011 wurde auf 26.000 Euro nachgebessert, um bis heute auf diesem Niveau zu verharren. <\/p><p>Demgegen&uuml;ber beliefen sich die durchschnittlichen Kosten bis zu einem Bachelor-Abschluss laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2015 auf 30.700 Euro, f&uuml;r einen Master-Abschluss auf weitere 20.800 Euro und zusammen auf 51.500 Euro. Auf Basis dieser Zahlen beziffert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in ihrem &bdquo;Budenheimer Memorandum&ldquo; den f&auml;lligen Nachholbedarf bei den aus Paktmitteln eingerichteten Studienpl&auml;tzen auf inzwischen 10.000 Euro. Die Zuweisung aus dem Hochschulpakt m&uuml;sse &bdquo;auf mindestens 36.000 Euro erh&ouml;ht werden&ldquo;. Das entspr&auml;che <a href=\"https:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Hochschule_und_Forschung\/Broschueren_und_Ratgeber\/Budenheimer_Memorandum.pdf\">einem Aufschlag um 38 Prozent<\/a>.<\/p><p><strong>Pakt wird verstetigt<\/strong><\/p><p>Daraus wird nichts. Am Freitag der Vorwoche haben sich die Wissenschafts- und Finanzminister von Bund und L&auml;ndern nach monatelangem Tauziehen auf eine Anschlussvereinbarung zum Hochschulpakt verst&auml;ndigt. Nach ihren in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) gefassten Beschl&uuml;ssen steuert die Politik auch weiterhin stur auf Knauserkurs, verbunden jedoch mit dem Versprechen, dies auf lange Sicht zu tun. W&auml;hrend die Vorg&auml;ngerregelungen blo&szlig; als &Uuml;berbr&uuml;ckung gedacht waren, bis sich der Sturm auf die H&ouml;rs&auml;le gelegt hat, wird das Projekt ab 2023 auf Dauer gestellt. M&ouml;glich macht dies der vor vier Jahren ge&auml;nderte Grundgesetzartikel 91b, der ein Zusammenwirken von Bund und L&auml;ndern &bdquo;in F&auml;llen &uuml;berregionaler Bedeutung bei der F&ouml;rderung von Wissenschaft&ldquo; erlaubt. <\/p><p>An sich ist das ein begr&uuml;&szlig;enswerter Schritt. Die Hochschulen werden unter der Bildungshoheit der L&auml;nder wegen vermeintlicher &bdquo;Sparzw&auml;nge&ldquo; schon seit Jahrzehnten auf Verschlei&szlig; gefahren und die Lage droht sich durch die ab 2020 dann fl&auml;chendeckend geltende Schuldenbremse weiter zuzuspitzen. Durch den avisierten Einstieg des Bundes in die Grundfinanzierung mittels &bdquo;Zukunftsvertrag&ldquo; k&ouml;nnte nicht nur Schlimmeres verhindert, sondern mithin sogar das Ruder herumgerissen werden und die Hochschulfinanzierung durch ein nachhaltiges Engagement Berlins endlich wieder auf ein solides Fundament gestellt werden. <\/p><p>Aber was passiert? Die Politik widmet das, was bisher als Sonderprogramm auf Sparflamme k&ouml;chelte, in ein Dauerprogramm um, ohne das Projekt neu und st&auml;rker zu befeuern. Tats&auml;chlich sollen die Ausgaben von 2021 bis 2023 mit j&auml;hrlich insgesamt 3,76 Milliarden Euro (Bund und L&auml;nder geben je 1,88 Milliarden Euro) sogar unter dem Stand des langj&auml;hrigen Durchschnitts von 3,8 Milliarden Euro liegen. Erst ab 2024 bis 2027 sollen Bund und L&auml;nder dann jeweils 2,05 Milliarden, also zusammen 4,1 Milliarden Euro <a href=\"https:\/\/www.gwk-bonn.de\/fileadmin\/Redaktion\/Dokumente\/Pressemitteilungen\/pm2019-03.pdf\">zuschie&szlig;en<\/a>. Bedenkt man, dass die Pro-Kopf-Ausgaben auf dem Stand von 2011 eingefroren sind, reicht das bei weitem nicht, um die in dann 13 Jahren durch die Preis- und Lohnentwicklung bedingte Entwertung pro Studienplatz wettzumachen.  <\/p><p><strong>Pro-Kopf-Ausgaben im freien Fall<\/strong><\/p><p>Es gilt als gesichert, dass sich die Studienanf&auml;ngerzahlen noch &uuml;ber mehrere Jahre um den Dreh von einer halben Million bewegen werden. In der Vergangenheit hatten die Hochschulplaner mit ihren Prognosen die Dynamik wiederholt untersch&auml;tzt. Im Jahr 2014 korrigierte die Kultusministerkonferenz (KMK) ihre bis dahin geltende Vorausberechnung der Studienanf&auml;ngerzahlen f&uuml;r die Jahre 2012 bis 2025 mal eben um eine halbe Million nach oben. Aber auch die revidierten Zahlen konnten sich in der Folge nicht mit der Realit&auml;t messen. Dabei sind es die KMK-Kennziffern, auf deren Grundlage der Finanzbedarf des Hochschulpakts ermittelt wird. Allein durch diese regelm&auml;&szlig;igen Unsch&auml;rfen d&uuml;rften die tats&auml;chlichen Pro-Kopf-Ausgaben je Studierendem noch hinter den ohnehin viel zu knapp kalkulierten Planzahlen zur&uuml;ckgeblieben sein. <\/p><p>Damit das klar ist: Eine Trennung zwischen aus Paktmitteln und aus Grundmitteln finanzierten Kapazit&auml;ten gibt es im Lehrbetrieb nicht. &bdquo;Normal-&ldquo; und &bdquo;Pakt-Studenten&ldquo; sitzen im Seminar Seit an Seit und mit jedem neuen Billigstudienplatz b&uuml;&szlig;t auch jeder &bdquo;Normalstudienplatz&ldquo; an G&uuml;te ein, sinkt die Studienqualit&auml;t insgesamt. In einer fr&uuml;heren Studie hat das Berliner Forschungsinstitut f&uuml;r Bildungs- und Sozial&ouml;konomie (FiBS) die Entwicklung im Zeitverlauf von 2000 bis 2011 <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news606847\">nachgezeichnet<\/a>. Nach den Befunden hat das &bdquo;Ausgabenwachstum in den meisten L&auml;ndern weder nominal noch real mit dem Anstieg der Studierendenzahlen Schritt gehalten&ldquo;. Zwar hatten die L&auml;nder ihre Hochschulaufwendungen durchg&auml;ngig gesteigert. F&uuml;r jeden einzelnen Studierenden waren die Ausgaben aber um 900 Euro von 9.600 Euro auf 8.700 Euro j&auml;hrlich zur&uuml;ckgegangen. Dabei haben die Forscher die Inflation nicht einmal ber&uuml;cksichtigt. <\/p><p>Es liegt auf der Hand, dass der seit 2007 wirkende Hochschulpakt den Niedergang beschleunigt hat. Mit ihm standen anfangs d&uuml;rftige 5.500 Euro pro Jahr und Studienplatz zur Verf&uuml;gung, sp&auml;ter und bis heute 6.500 Euro. Bei bisher fast einer Million aus Paktmitteln geschaffenen Pl&auml;tzen hat das den Schnitt gewaltig nach unten gerissen. Wollte man nur den seit 2011 aufgelaufenen Preisauftrieb ausgleichen, m&uuml;sste ein Platz heute mit knapp 7.200 Euro zu Buche schlagen &ndash; und w&auml;re dann immer noch deutlich billiger als ein &bdquo;Regelstudienplatz&ldquo;. Aber selbst das steht nicht zu erwarten. Weil bei anhaltend hohen Zugangszahlen und nahezu gleichbleibendem Ausgabenvolumen die Pro-Kopf-Ausgaben auf dem k&uuml;mmerlichen Nominalstand von 2011 verbleiben m&uuml;ssten.    <\/p><p><strong>Lehre auf Sparflamme<\/strong><\/p><p>Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht die Verstetigung des Hochschulpaktes denn auch mit gemischten Gef&uuml;hlen. &bdquo;Ja, die Einigung markiert den Einstieg des Bundes in die Grundfinanzierung der Hochschulen und das war <a href=\"https:\/\/www.studis-online.de\/HoPo\/art-2198-hochschulpakt-einigung.php\">&uuml;berf&auml;llig<\/a>.&ldquo; Weil aber beim Geld weiter gekleckert wird, k&ouml;nnte man &bdquo;auch von einem Einstieg des Bundes in die Unterfinanzierung der Hochschulen sprechen&ldquo; und weiter: &bdquo;Die Betreuungsrelationen an den Hochschulen werden sich so jedenfalls nicht verbessern, im Gegenteil.&ldquo; <\/p><p>Daf&uuml;r sorgt der zweite gro&szlig;e Makel des &bdquo;Zukunftsvertrags&ldquo;. Gegenw&auml;rtig muss sich ein Professor im Bundesschnitt um 66 Studierende k&uuml;mmern, in manchen F&auml;chern auch schon mal um &uuml;ber 90. An den Universit&auml;ten betr&auml;gt das Verh&auml;ltnis eins zu 72. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes z&auml;hlten die Hochschulen 2017 rund 47.000 Professorenstellen, rund 9.000 oder 23 Prozent mehr als im Jahr 2008. Selbst der staatstragende Wissenschaftsrat empfiehlt jedoch seit langem, 7.500 zus&auml;tzliche Stellen zu schaffen. Das w&uuml;rde allerhand Geld kosten, das sich die Hochschulen lieber sparen, um alternativ auf den massenhaften Einsatz billiger und flexibler Nachwuchswissenschaftler zu setzen. <\/p><p>Zwischen 2008 und 2017 hat allein die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter um satte 41 Prozent auf 188.000 zugelegt. Sie sind neben den Studierenden die zweite gro&szlig;e Opfergruppe des Hochschulpaktes. Gegenw&auml;rtig sind &uuml;ber 90 Prozent der Angeh&ouml;rigen des wissenschaftlichen Mittelbaus lediglich befristet und zu &uuml;berwiegend prek&auml;ren Bedingungen besch&auml;ftigt. Sie haben kein verl&auml;ssliches Auskommen, hangeln sich von einem Zeitvertrag zum n&auml;chsten, haben null Planungssicherheit und keine echte berufliche Perspektive. Begr&uuml;ndet wird dies stets damit, dass die &uuml;ber Drittmittel finanzierten Projekte nur einer zeitlich begrenzten F&ouml;rderung unterliegen w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Keine Dynamik <\/strong><\/p><p>Im Falle des Hochschulpaktes hat sich das Argument eigentlich erledigt, schlie&szlig;lich soll der ja entfristet werden. Ein Ende des Befristungsunwesens ist trotzdem nicht in Sicht. Es soll lediglich im Rahmen von Selbstverpflichtungen, die jedes Land f&uuml;r sich formuliert, auf eine Besserung hingearbeitet werden. Auch soll in den Vertrag ein entsprechender Appell sowie der Hinweis auf eine Berichtspflicht aufgenommen werden. F&uuml;r Gewerkschafter Keller ist das indes ein Muster ohne Wert. &bdquo;Nichts wird passieren: Es sind weder Sanktionen vorgesehen, noch m&uuml;ssen die L&auml;nder bei Verst&ouml;&szlig;en die Hochschulpaktmittel zur&uuml;ckzahlen. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der Zukunftsvertrag in der beschlossenen Form in Sachen Dauerstellen als zahnloser Tiger erweisen wird.&ldquo;<\/p><p>Dabei hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die entsprechenden Forderungen der Kampagne &bdquo;Frist ist Frust&ldquo; in die Verhandlungen <a href=\"http:\/\/frististfrust.net\/\">eingebracht<\/a>. Die von einer riesigen Unterst&uuml;tzerschar getragene Initiative pocht darauf, dass aus den Paktmitteln nur noch Dauerstellen eingerichtet werden d&uuml;rfen, denn &bdquo;die rasant gewachsenen Studierendenzahlen sind nicht sinnvoll durch immer neue prek&auml;re Projektstellen und Nachwuchs ohne Perspektive zu bew&auml;ltigen&ldquo;. Karliczek wollte den Punkt als einen von vier Parametern f&uuml;r die Verteilung der F&ouml;rdermittel durchsetzen, scheiterte damit aber &ndash; weil angeblich unbezahlbar &ndash; am Widerstand der Bundesl&auml;nder. <\/p><p>Schuldlos ist die Ministerin freilich nicht. Sie steht namentlich f&uuml;r die Weigerung der Bundesregierung, die Mittel aus dem &bdquo;Zukunftsvertrags&ldquo; zu dynamisieren, also mit jedem Jahr aufzustocken. Das ist das dritte gro&szlig;e Manko der Vereinbarung. Die L&auml;nder hatten argumentiert, dass allein mit verl&auml;sslich wachsenden Zuweisungen die Belastungen der turnusm&auml;&szlig;igen Tarifsteigerungen zu bew&auml;ltigen w&auml;ren. F&uuml;r einen &bdquo;mitwachsenden&ldquo; Pakt hatten im Vorfeld auch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Wissenschaftsrat, die Opposition im Bundestag, Gewerkschaften und Studierendenverb&auml;nde pl&auml;diert. Dass ihre Appelle nicht fruchteten, <a href=\"https:\/\/www.hochschulverband.de\/pressemitteilung.html?&amp;no_cache=1&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=313&amp;cHash=b2d16cee25a2b6272725ebc6a04befd9#_\">kommentierte<\/a> der Deutsche Hochschulverband (DHV) mit deutlichen Worten: &bdquo;Die Hochschulen werden auch in den n&auml;chsten Jahren lediglich mit dem Allernotwendigsten versorgt werden.&ldquo; <\/p><p><strong>Forschung &uuml;ber alles<\/strong><\/p><p>Auf Rosen gebettet bleiben dagegen die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die vier au&szlig;eruniversit&auml;ren Forschungsorganisationen Fraunhofer- und Max-Planck-Gemeinschaft und Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft. Im Rahmen des 2006 gestarteten Paktes f&uuml;r Forschung und Innovation wurden die Einrichtungen seither in jedem Jahr mit einem Etatplus von drei Prozent begl&uuml;ckt. Die ebenfalls vor einer Woche getroffene Anschlussvereinbarung schreibt diese Dynamisierung fort. Nur dieser Automatismus wird sich im kommenden Jahrzehnt mit 17 Milliarden Euro bezahlt machen. Auch sonst bewegt sich die F&ouml;rderung in anderen Dimensionen. Insgesamt machen Bund und L&auml;nder in der vierten Programmphase 120 Milliarden Euro locker. Dagegen hat man f&uuml;r den &bdquo;Zukunftsvertrag Studium und Lehre st&auml;rken&ldquo; sowie den ebenso verl&auml;ngerten Qualit&auml;tspakt Lehre bis 2030 insgesamt nur ein Drittel davon, n&auml;mlich 41 Milliarden Euro &uuml;brig.   <\/p><p>Das l&auml;sst erkennen, wo die Priorit&auml;ten liegen. Forschungsf&ouml;rderung l&auml;uft gemeinhin unter Wirtschaftsf&ouml;rderung und was der deutschen Industrie weiterhilft, ist den politischen Entscheidern allemal wichtiger als gedeihliche Lernbedingungen f&uuml;r Studierende oder eine berufliche Perspektive f&uuml;rs Lehrpersonal. Apropos: Die GEW wirft den gro&szlig;en Forschungseinrichtungen &bdquo;systematische Tarifflucht&ldquo; vor. Sie weigerten sich standhaft, &bdquo;einem Arbeitgeberverband beizutreten oder mit den Gewerkschaften einen Wissenschaftstarifvertrag abzuschlie&szlig;en&ldquo; und Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge wendeten sie &bdquo;nur nach dem Prinzip Rosinenpickerei&ldquo; an. All das geschieht unter den Augen der politisch Verantwortlichen und wird Jahr f&uuml;r Jahr mit einem fetten F&ouml;rderaufschlag honoriert.   <\/p><p>Das hatte gerade noch gefehlt: Ausgerechnet an den Qualit&auml;tspakt Lehre wird der Rotstift angelegt. An das Programm also, das ausdr&uuml;cklich die &bdquo;Betreuung der Studierenden und die Lehrqualit&auml;t&ldquo; verbessern soll und damit die gr&ouml;&szlig;te Baustelle im Hochschulbetrieb anpackt. Dessen Budget wird k&uuml;nftig um ein Viertel auf dann nur noch 150 Millionen Euro j&auml;hrlich gek&uuml;rzt. Daf&uuml;r bekommt das Ding einen neuen Namen verpasst: &bdquo;Innovation in der Hochschullehre.&ldquo; Darauf muss man erst mal kommen. <\/p><p><strong>Abfuhr vom Rechnungshof<\/strong><\/p><p>Und dann hat sich auch noch der Bundesrechnungshof zum Hochschulpakt ge&auml;u&szlig;ert. Nicht &uuml;berall seien die Bundesmittel wohl tats&auml;chlich f&uuml;r zus&auml;tzliche Studienpl&auml;tze genutzt worden, hei&szlig;t es in einem Bericht der Finanzpr&uuml;fer an den Haushaltsausschuss, der am Mittwoch durch die Presse ging. &bdquo;Die Verschlechterung der Betreuungsrelation deutet darauf hin, dass die Hochschulen zus&auml;tzliche Studienberechtigte aufgenommen haben, ohne ihre Kapazit&auml;ten auszuweiten.&ldquo; Das Urteil zum Programm f&auml;llt vernichtend aus: &bdquo;Wichtige Ziele hat es verfehlt: Durch die Verschlechterung der Betreuungsquoten ist fraglich, ob ein qualitativ hochwertiges Studium gew&auml;hrleistet werden kann.&ldquo; <\/p><p>Fraglich? Das FiBS hatte 2015 eine Studie zur Mittelvergabe an die Hochschulen vorgelegt. Institutsdirektor Dieter Dohmen fasste die Ergebnisse seinerzeit so zusammen: &bdquo;Es kommt auf die Betreuungsrelationen an. Mehr Professuren und zus&auml;tzliche Wissenschaftlerstellen sind die zentrale Stellschraube f&uuml;r gute Lehr- und Forschungsleistungen.&ldquo; Noch Fragen?<\/p><p>Titelbild: Eshma \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bund und L&auml;nder haben sich in der Vorwoche auf die Anschlussf&ouml;rderung dreier Wissenschaftspakete verst&auml;ndigt. Der Hochschulpakt zur Finanzierung zus&auml;tzlicher Studienpl&auml;tze wird auf Dauer gestellt, wirkt wegen seiner k&uuml;mmerlichen Ausstattung aber wie ein K&uuml;rzungsprogramm. Eine Verbesserung der Studienqualit&auml;t ist so wenig in Sicht wie ein Ende des grassierenden Befristungsunwesens beim Lehrpersonal. 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