{"id":51572,"date":"2019-05-09T11:53:49","date_gmt":"2019-05-09T09:53:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51572"},"modified":"2019-05-10T12:49:05","modified_gmt":"2019-05-10T10:49:05","slug":"die-soziale-frage-darf-kein-totschlagargument-gegen-umwelt-und-klimaschutz-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51572","title":{"rendered":"Die Soziale Frage darf kein Totschlagargument gegen Umwelt- und Klimaschutz sein"},"content":{"rendered":"<p>Vor allem im linken politischen Spektrum h&auml;lt sich die Begeisterung f&uuml;r eine effektivere Lenkung unseres Konsumverhaltens zum Wohle von Umwelt und Klima in Grenzen. Schnell f&auml;ngt man sich den Vorwurf ein, eine abgehobene &bdquo;Luxusdebatte&ldquo; zu f&uuml;hren. H&ouml;here Preise und h&ouml;here Verbrauchssteuern w&uuml;rden vor allem die &Auml;rmsten unserer Gesellschaft treffen und &bdquo;denen da oben&ldquo; nicht wehtun. So verst&auml;ndlich dieses Argument ist, so falsch ist der gesamte Argumentationsansatz. Soziale Teilhabe und effektive Umwelt- und Klimapolitik sind schlie&szlig;lich keine unvereinbaren Zielkonflikte, sondern m&uuml;ssen ganz im Gegenteil Hand in Hand gehen. Denn nur, wenn sich m&ouml;glichst viele Menschen einen &ouml;kologisch und ethisch vertretbaren Konsum leisten k&ouml;nnen, ist ein Umsteuern &uuml;berhaupt m&ouml;glich. Ein Debattenbeitrag von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel ist auch als gestaltete, ausdruckbare PDF-Datei verf&uuml;gbar. Zum Herunterladen klicken Sie bitte auf das rote PDF-Symbol links neben dem Text. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>. 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Mit 424 Euro Hartz-IV-Regelsatz oder einer Minirente auf Grundsicherungsniveau kommt man nicht weit im Biomarkt und wer mit dem PKW zum Arbeitsplatz pendeln muss, ist oft schon heute am Ende seiner finanziellen Leistungsf&auml;higkeit. Schon Brecht wusste, dass &bdquo;zuerst das Fressen und erst danach die Moral kommt&ldquo;. Im Umfeld der Gelbwestenproteste hie&szlig; es daher auch sehr treffend: &bdquo;Die Eliten reden vom Ende der Welt, aber wir, wir reden vom Ende des Monats.&ldquo; Vor allem, wenn man selbst zur Schicht derer geh&ouml;rt, die ihre sozio&ouml;konomische Sorglosigkeit auf dem R&uuml;cken der unteren Schichten st&uuml;tzt, ist es unfair, Verzicht bei eben jenen einzufordern, die heute schon die gesamte Last tragen.<\/p><p>Die gesamte Debatte rund um die politisch gewollte Steuerung unseres Verhaltens und unseres Konsums nur auf die Ober- und die Unterschicht zu reduzieren, ist jedoch auch zu einfach und wird h&auml;ufig auch genau von denen ins Spiel gebracht, die umwelt- und klimafreundliche oder ethische Verhaltensweisen ohnehin lieber bei den Anderen einfordern &ndash; vor allem, wenn damit Aufwand oder gar finanzielle Nachteile verbunden sind. Es sind ja beileibe nicht nur Hartz-IV-Empf&auml;nger, die beim Discounter Billigfleisch zum Dumpingpreis kaufen und die Zahl der Niedriglohnempf&auml;nger, die mit ihrem alten Spritschlucker die Umwelt verpesten, weil sie sich kein modernes umweltfreundlicheres Auto leisten k&ouml;nnen, ist ungleich geringer als die Zahl derer, die sich zwar ein umweltfreundliches Auto leisten k&ouml;nnten, dies aber nicht wollen. So wichtig es ist, die soziale Vereinbarkeit der Umwelt- und Klimapolitik im Auge zu behalten, so falsch w&auml;re es, wegen der sozialen Schieflage auf eine Lenkung des Verhaltens und des Konsums zu verzichten. Und nebenbei: Dies w&auml;re auch das erste Mal, dass die Politik &uuml;berhaupt auf die &bdquo;sozial Schwachen&ldquo; R&uuml;cksicht n&auml;hme &ndash; ein Schelm, der B&ouml;ses dabei denkt.<\/p><p>Ziel einer progressiven Politik muss es daher auch sein, die soziale Schieflage abzubauen und gleichzeitig unser Verhalten und unseren Konsum umwelt- und klimapolitisch und wenn m&ouml;glich auch ethisch zu steuern. Denn die besten Vors&auml;tze nutzen oft nichts, wenn sch&auml;dliches Verhalten vom Markt derart belohnt wird, wie es heute ja der Fall ist. Wenn heute auf den F&auml;r&ouml;er-Inseln die tiefgefrorene Lammkeule aus Neuseeland <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/reise\/article205762627\/Faeroeer-im-Nordatlantik-Die-Inseln-der-Schafe.html\">preiswerter ist<\/a> als das Fleisch der heimischen Schafe, ist dies ein gesellschaftliches Marktversagen historischen Ausma&szlig;es. Solange externe Kosten nicht in den Verbraucherpreis eingehen, werden in einer Marktwirtschaft Produkte aus industrieller Massenfertigung immer zu einem g&uuml;nstigeren Preis angeboten werden als Produkte, die umweltfreundlich, nachhaltig und zu fairen L&ouml;hnen hergestellt wurden. <\/p><p>Gesellschaftlich akzeptiert wird eine derartige Steuerung aber nat&uuml;rlich nur, wenn sie dabei nicht gleichzeitig ganze Bev&ouml;lkerungsschichten ausgrenzt und die Zeche f&uuml;r die angestrebte Nachhaltigkeit bezahlen l&auml;sst. Daher sollte man aus progressiver Sicht Ideen wie eine CO2-Steuer oder h&ouml;here Mineral&ouml;lsteuern auch nie isoliert betrachten oder gar diskutieren. Denn wenn man die Soziale Frage au&szlig;en vorl&auml;sst, w&auml;re eine Erh&ouml;hung der Kosten f&uuml;r Energie und Mobilit&auml;t nat&uuml;rlich ungerecht und w&uuml;rde die Menschen ganz nebenbei auch in die Arme der AfD treiben, die sich auf diesem Feld ja schon erfolgreich positioniert hat. In der &Ouml;ffentlichkeit werden Themen wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und &Ouml;kologie schon heute vermehrt als &bdquo;Luxusthemen&ldquo; einer abgehobenen elit&auml;ren Schicht wahrgenommen. Das ist fatal.<\/p><p>Eine gesellschaftlich sinnvolle Lenkung des Verhaltens und des Konsums &uuml;ber die Steuer- und Abgabenpolitik darf daher auch stets nur ein Bestandteil eines umfassenden Gesamtpakets sein, bei dem der Abbau der sozialen Schieflage im Zentrum steht und somit eine &bdquo;conditio sine qua non&ldquo; ist. Dies ist wohlgemerkt momentan bei der Politik der etablierten Parteien nicht der Fall. Auch die Gr&uuml;nen, die gerne unser Verhalten und unseren Konsum durchaus sinnvoll steuern w&uuml;rden, formulieren diese Forderung stets isoliert und ignorieren die Soziale Frage dabei.<\/p><p>&Ouml;kologisch und ethisch sinnvolles Verhalten darf schlie&szlig;lich kein Luxus sein. Im Gegenteil. In einer &bdquo;besseren Welt&ldquo; sollte &ouml;kologisch und ethisch sinnloses Verhalten ein Luxus sein, den sich nicht jeder leisten k&ouml;nnen soll. Darauf sollten wir hinarbeiten, auch wenn dies alles momentan noch eine Vision ist, die in weiter Ferne liegt. Vor allem f&uuml;r die Linkspartei w&auml;re die Vision eines Gesamtpakets ein wichtiger Schritt, der auch helfen k&ouml;nnte, die heutigen Gr&auml;ben zu &uuml;berwinden. Denn die Soziale und die &ouml;kologische Frage sind keine konkurrierenden Ziele, sondern zwei Seiten einer M&uuml;nze. Die Soziale Frage ist kein Argument gegen eine ambitionierte Umwelt- und Klimapolitik, sondern deren zentraler Bestandteil. <\/p><p>Titelbild: New Africa\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/2355fba145fb42fb804fd17d30512a6f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor allem im linken politischen Spektrum h&auml;lt sich die Begeisterung f&uuml;r eine effektivere Lenkung unseres Konsumverhaltens zum Wohle von Umwelt und Klima in Grenzen. Schnell f&auml;ngt man sich den Vorwurf ein, eine abgehobene &bdquo;Luxusdebatte&ldquo; zu f&uuml;hren. 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