{"id":51774,"date":"2019-05-17T13:47:23","date_gmt":"2019-05-17T11:47:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51774"},"modified":"2019-05-24T15:26:48","modified_gmt":"2019-05-24T13:26:48","slug":"appelle-vor-der-eu-wahl-die-meinungsmache-einer-ganz-grossen-koalition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51774","title":{"rendered":"Appelle vor der EU-Wahl: Die Meinungsmache einer ganz gro\u00dfen Koalition"},"content":{"rendered":"<p>In zahlreichen Appellen werden die B&uuml;rger aktuell zur EU-Wahl aufgerufen. Daf&uuml;r schlie&szlig;en sich etwa Gewerkschafter und Arbeitgeber zusammen, wie Albrecht M&uuml;ller aktuell <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51755\">hier beschrieben hat<\/a>. Die zahlreichen Aufrufe diverser Gruppen sind teils heuchlerisch, weil ein unrealistisches &bdquo;Wir&ldquo; erzeugt wird und weil sich in ihnen die Verantwortlichen f&uuml;r die sozialen Spaltungen aus der Aff&auml;re ziehen wollen. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3950\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-51774-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190517_Appelle_vor_der_EU_Wahl_eine_ganz_grosse_Koalition_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190517_Appelle_vor_der_EU_Wahl_eine_ganz_grosse_Koalition_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190517_Appelle_vor_der_EU_Wahl_eine_ganz_grosse_Koalition_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190517_Appelle_vor_der_EU_Wahl_eine_ganz_grosse_Koalition_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=51774-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190517_Appelle_vor_der_EU_Wahl_eine_ganz_grosse_Koalition_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190517_Appelle_vor_der_EU_Wahl_eine_ganz_grosse_Koalition_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eine l&auml;stige Besonderheit im Vorfeld der EU-Wahl ist die inflation&auml;re Ver&ouml;ffentlichung von flammenden Appellen &bdquo;f&uuml;r die Demokratie&ldquo; und &bdquo;f&uuml;r die Weltoffenheit&ldquo;. Zur Heuchelei wird dieses Vorgehen dadurch, dass hier teils jene Personen Demokratie und Weltoffenheit einfordern, die eine Mitverantwortung daf&uuml;r tragen, dass aus vielen weltoffenen B&uuml;rgern verunsicherte, demokratie-skeptische und sich abgrenzende Individuen wurden: Indem die soziale Frage ignoriert wurde, indem links orientierten B&uuml;rgern keine politische Heimat geboten wurde und indem zahlreiche wichtige Themen rechten Parteien &uuml;berlassen wurden. Die Arbeitgeber leisteten ihren Beitrag zu dieser Entwicklung, indem sie durch Lobbyismus den Abbau staatlichen Einflusses und sozialer Absicherung forciert haben. Und die Gewerkschaften, K&uuml;nstler und Kirchen haben es vers&auml;umt, diesem Lobbyismus angemessenen Widerstand entgegenzusetzen &ndash; wenn sie den Lobbyismus nicht sogar aktiv unterst&uuml;tzt haben. <\/p><p>Die devote Haltung vor allem der Gewerkschaften schl&auml;gt sich aktuell etwa in einem Appell der Initiative &bdquo;Allianz f&uuml;r Weltoffenheit&ldquo; nieder, auf den unten im Text genauer eingegangen wird. Und diese Haltung wurde bereits in einem anderen aktuellen gemeinsamen Aufruf von Gewerkschaftern und Arbeitgebern formuliert, worauf Albrecht M&uuml;ller <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51755\">hier hingewiesen hat<\/a>.<\/p><p><strong>Eine Flut von Pro-EU-Appellen<\/strong><\/p><p>Weitere aktuelle Appelle sind etwa jener der Industrie: Unter dem Motto &ldquo;WIRtschaft f&uuml;r Europa&rdquo; rufen die Spitzenverb&auml;nde von Arbeitgebern (BDA), Industrie (BDI), Handelskammern (DIHK) und Handwerk (ZDH) <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/finanzen\/boerse\/news\/id_85725548\/appell-zur-europawahl-2019-afd-erfolg-schreckt-deutsche-wirtschaft-auf.html\">die Menschen auf<\/a>, am 26. Mai w&auml;hlen zu gehen. Dass hinter dem Aufruf nur vordergr&uuml;ndig die Liebe zur Demokratie stecke, erkl&auml;rt Alexander Kritikos vom Deutschen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung:  &ldquo;In erster Linie kommen die Initiativen von gro&szlig;en exportorientierten Unternehmen.&ldquo; Die h&auml;tten Angst vor einem AfD-Erfolg.<\/p><p>In dem Appell &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europawahl\/aufruf-zur-wahl-europa-ist-die-gluecklichste-idee-die-wir-je-hatten-16177173.html\">Europa ist die gl&uuml;cklichste Idee, die wir je hatten<\/a>&ldquo; fordern die Pr&auml;sidenten von 21 Mitgliedstaaten der Europ&auml;ischen Union zur Europawahl im Mai 2019 auf. Sie setzen sich f&uuml;r &bdquo;eine starke, handlungsf&auml;hige EU mit gemeinsamen Institutionen&ldquo; ein. Der BUND fordert <a href=\"https:\/\/www.bund.net\/europawahl-2019\/bund-forderungen\/\">in seinem Appell<\/a>: &bdquo;Europa erhalten und umweltgerecht gestalten&ldquo; und f&uuml;hrende Intellektuelle machen im &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swr2\/programm\/sendungen\/impuls\/europawahl-darmstaedter-appell-votum-fuer-die-wissensgesellschaft\/-\/id=1853902\/did=23959010\/nid=1853902\/eyvhjk\/index.html\">Darmst&auml;dter Appell<\/a>&ldquo; vor der Europawahl auf die Bedeutung der Wissensgesellschaft aufmerksam. Indirekt kann man in weitem Sinne auch die Initiativen &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.tu-was-f%C3%BCr-europa.de\">Tu was f&uuml;r Europa<\/a>&ldquo;, &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/kultur\/artikel\/1181368\/aufruf-von-kuenstlern-fuer-kuenstler-kreative-sollen-fuer-europa-werben\">Von K&uuml;nstlern f&uuml;r K&uuml;nstler<\/a>&ldquo; oder &bdquo;<a href=\"https:\/\/pulseofeurope.eu\/\">Pulse Of Europe<\/a>&ldquo; in diesen mehr oder weniger austauschbaren Pro-EU-Tenor einordnen. Viele der Appelle setzen zudem in unseri&ouml;ser Weise die EU mit Europa gleich. Und sie zwingen den Bettler und den Milliard&auml;r gemeinsam in ein unseri&ouml;ses &bdquo;Wir&ldquo;. <\/p><p><strong>DGB und Arbeitgeber gemeinsam in der &bdquo;Allianz f&uuml;r Weltoffenheit&ldquo;<\/strong><\/p><p>Genauer betrachtet werden soll hier der Aufruf der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.allianz-fuer-weltoffenheit.de\">Allianz f&uuml;r Weltoffenheit<\/a>&ldquo; . Diese Allianz ist eine ganz gro&szlig;e Koalition aus Gewerkschaftern, Arbeitgebern, Kirchen und Kultur-Institutionen. Und sie steht der EU weitgehend kritiklos gegen&uuml;ber: &bdquo;St&auml;rken wir mit unserer Stimme eine Europ&auml;ische Union, die f&uuml;r Demokratie, Weltoffenheit, Solidarit&auml;t, nachhaltiges Wirtschaften und Wohlstand steht!&ldquo; Doch steht die realexistierende EU f&uuml;r diese Attribute? Der Appell geht &ndash; wie die meisten anderen Aufrufe &ndash; nicht auf den realen Stand der Dinge ein, sondern liefert verf&uuml;hrerische Projektionen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) identifiziert sich ganz besonders mit dem Aufruf und hat <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/presse\/++co++9e8a3e40-77b4-11e9-b8ac-52540088cada\">in einer Pressemitteilung<\/a>  Zitate dazu gesammelt. <\/p><p>Dort gibt der DGB etwa Ingo Kramer eine B&uuml;hne, dem Arbeitgeberpr&auml;sidenten, der Teil jener &bdquo;Allianz&ldquo; ist. Losgel&ouml;st von den EU-Realit&auml;ten verk&uuml;ndet Kramer:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Europa sichert uns seit mehr als sieben Jahrzehnten Frieden und Freiheit, wirtschaftliche Stabilit&auml;t und soziale Sicherheit. Es w&auml;re daher fatal, Europa tatenlos den antieurop&auml;ischen Kr&auml;ften zu &uuml;berlassen, die die immense Bedeutung Europas f&uuml;r uns alle geringsch&auml;tzen. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung, uns f&uuml;r Europa stark zu machen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, nutzt einen &auml;hnlichen Tenor: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Solidarit&auml;t und die Achtung der Menschenw&uuml;rde &ndash; das sind die Grundpfeiler der europ&auml;ischen Einigung. Was auch immer man im Einzelnen kritisieren mag: Die Europ&auml;ische Union ist ein einzigartiges Friedensprojekt und eine starke Wertegemeinschaft. Um die Herausforderungen unserer Zeit zu bew&auml;ltigen, brauchen wir mehr und nicht weniger Europa. Engstirnigkeit und Nationalismus vertragen sich schlecht mit christlichen &Uuml;berzeugungen. Als Christen wissen wir, dass jeder Mensch Bild Gottes ist und eine unantastbare W&uuml;rde hat. Es gilt, diese &Uuml;berzeugung immer wieder neu mit Leben zu f&uuml;llen &ndash; in Deutschland und in Europa.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die EU ist gut &ndash; &bdquo;Was immer man im Einzelnen kritisieren mag&ldquo;<\/strong><\/p><p>Interessant und zentral ist bei Kardinal Marx die Stelle: &bdquo;&hellip;was auch immer man im Einzelnen kritisieren mag&ldquo;. Hier wird offenbar, dass eben jene (konkrete) Kritik weitgehend ausgespart wird. Ohne scharfe Kritik jedoch an den durch die EU forcierten sozialen Verwerfungen sind auch die Forderungen nach Demokratie im Aufruf irrelevant. Und selbst der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann vermeidet es, jenseits der allgemeinen Formel von einem &bdquo;sozialen Europa&ldquo; in angemessener Weise die Gerechtigkeits-Frage zu stellen. Und auch er versteckt die essenzielle soziale Frage hinter den &bdquo;Nationalisten&ldquo; :<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nur gemeinsam k&ouml;nnen wir die gro&szlig;en Umbr&uuml;che unserer Zeit &ndash; wie Globalisierung, Migration, Digitalisierung und Klimawandel &ndash; erfolgreich bew&auml;ltigen. Daf&uuml;r brauchen wir ein soziales Europa, das die Menschen sch&uuml;tzt. Und wir m&uuml;ssen Europa sch&uuml;tzen vor denen, die heute mit ihren nationalistischen Parolen wieder nach neuen Grenzz&auml;unen schreien. Deshalb: Lassen Sie uns am 26. Mai alle zur Europawahl gehen. St&auml;rken Sie mit Ihrer Stimme die demokratischen Kr&auml;fte im Europ&auml;ischen Parlament. Damit Europa eine gute Zukunft hat!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der (nur scheinbar) naive Charakter der Appelle<\/strong><\/p><p>Solche allgemeinen und kritiklosen Formeln erinnern an Losungen der erw&auml;hnten Initiative &bdquo;Pulse Of Europe&ldquo;, deren nur scheinbar naiver Charakter aktuell in einem Interview des &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1118810.eu-wahlen-ein-problembaer-namens-eu.html\">Neuen Deutschland<\/a>&ldquo; deutlich wird. Hier folgt der Sprecher der Initiative dem Tenor des Appells der &bdquo;Allianz&ldquo;: Es wird zwar auch hier &bdquo;mehr im Bereich Soziales&ldquo; gefordert, aber nichts konkretisiert und auch nicht der unsoziale Status Quo eingestanden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nat&uuml;rlich bringt ein Konstrukt wie die EU B&uuml;rokratie und Kompromisse mit sich, die nicht befriedigend sind. Aber zu sagen, die EU w&auml;re militaristisch, das ist doch Unfug. Und nat&uuml;rlich ist sie auch nicht per se unsozial. Sie sollte aber wesentlich mehr im Bereich Soziales tun.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Gespr&auml;chspartnerin von der LINKEN gegen&uuml;ber nutzt der &bdquo;Pulse Of Europe&ldquo;-Sprecher &ndash; wie viele andere EU-Lobbyisten &ndash; die bekannte Strategie der Parallel-Schuld: Auch Nationalisten w&uuml;rden die EU kritisieren &ndash; also r&uuml;ckten EU-Kritiker indirekt in die N&auml;he von Nationalisten, hinter denen einmal mehr die soziale Frage versteckt wird:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Du bist f&uuml;r ein sozialistisches Europa, aber auch f&uuml;r die Abschaffung der EU. Und in diesem Punkt bist du dir zum Beispiel mit den britischen Nationalisten einig. Ich w&uuml;rde mir Gedanken machen, wenn ich in einer so grunds&auml;tzlichen Frage mit denen &uuml;bereinstimme.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Kunstfreiheit ohne soziale Gerechtigkeit?<\/strong><\/p><p>Dass auch weite Teile der deutschen Kulturszene und ihre Institutionen die hier zitierten, &uuml;berwiegend unkritischen Haltungen zur EU st&uuml;tzen (soweit f&uuml;r Normalb&uuml;rger wahrnehmbar) und die soziale Frage weitgehend vermeiden, haben die NachDenkSeiten k&uuml;rzlich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51602\">hier beschrieben<\/a>. Diese Haltung setzt sich nun fort in dem Zitat von Susanne Keuchel, der Pr&auml;sidentin des Deutschen Kulturrates, bei der &bdquo;Allianz f&uuml;r Weltoffenheit&ldquo;. Nichts darf gegen die Freiheit der Kunst ins Feld gef&uuml;hrt werden! Aber allein sie zu verteidigen, reicht nicht aus: Es m&uuml;ssen die sozialen und &ouml;konomischen Vorbedingungen der gesellschaftlichen Eruptionen beseitigt werden. Passiert das nicht, wird Keuchel ihre Sorge um die Freiheit der Kunst noch viele Jahre formulieren m&uuml;ssen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bei der Wahl zum Europ&auml;ischen Parlament stehen auch die Kunst- und Meinungsfreiheit, die freie Entfaltung der K&uuml;nste und die Auseinandersetzung mit Kunst in der kulturellen Bildung zur Wahl. Kulturelle Vielfalt ist eine St&auml;rke Europas. Vielfalt ist auch eine St&auml;rke der Allianz f&uuml;r Weltoffenheit, darum beteiligt sich der Deutsche Kulturrat zusammen mit den Partnern am Aufruf &bdquo;Geben wir Europa unsere Stimme!&ldquo;, um f&uuml;r ein einiges Europa einzutreten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es ist wie gesagt prinzipiell zu begr&uuml;&szlig;en, dass die Kulturschaffenden &bdquo;gegen Rechts&ldquo; und f&uuml;r die bedrohte Kunstfreiheit demonstrieren wollen, etwa n&auml;chste Woche bei der Demo &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.kulturrat.de\/veranstaltungen\/aktuelle-termine\/19-05-2019-demos-ein-europa-fuer-alle-deine-stimme-gegen-nationalismus-und-die-vielen\/\">Europa der Vielen<\/a>&ldquo;. Aber auch hier fehlt die Betonung des Sozialen. Zudem wird suggeriert, Kunstfreiheit und Weltoffenheit k&ouml;nnten durch Demonstrationen gest&auml;rkt werden &ndash; das ist irref&uuml;hrend: Wenn nicht parallel mit sehr viel Geld die gravierendsten sozialen Ungerechtigkeiten bek&auml;mpft werden, bleiben diese Demos folgenlose Lippenbekenntnisse. Kurz: Die hier genannten Appelle enthalten viele sch&ouml;n klingende Forderungen &ndash; aber dadurch dass das Soziale und die Verantwortlichkeiten teils nicht angemessen thematisiert werden, sind die Appelle irrelevant bis kontraproduktiv. <\/p><p><strong>Der Bettler und der Milliard&auml;r: &bdquo;Wir&ldquo; profitieren von der EU<\/strong><\/p><p>Solche die sozialen Verwerfungen zu sehr aussparenden und &bdquo;unser aller&ldquo; Gewinn durch die EU betonenden Appelle sind auch ein Schlag ins Gesicht der unter EU-Spardiktaten leidenden EU-B&uuml;rger in den s&uuml;dlichen L&auml;ndern. Und ebenso jener deutschen B&uuml;rger, deren Planungssicherheit und Lebensstandard seit der Wiedervereinigung immer weiter erodiert. Denn die Appelle gehen auf diese B&uuml;rger nicht ein. Statt dessen wird versucht, den Mythos vom &bdquo;Europa&ldquo;, von dem &bdquo;wir alle&ldquo; profitieren, am Leben zu erhalten.<\/p><p>Gewerkschaften und auch Kulturschaffende sollten sich eigentlich auf der anderen Seite der Debatte befinden. Diese Art von ganz gro&szlig;en Koalitionen auch zwischen &bdquo;nat&uuml;rlichen Gegnern&rdquo; sind geeignet, den EU-B&uuml;rgern zu vermitteln: Die Positionen der Gewerkschaften, der K&uuml;nstler und der Kirchen haben sich teils bis zur Verschmelzung jenen der Arbeitgeberverb&auml;nde angen&auml;hert. Das f&ouml;rdert nicht das Bild von einer demokratischen Wahlfreiheit. <\/p><p>Es wird durch die Appelle ein &bdquo;Wir&ldquo; erzeugt, das hohl erscheint und fast einer L&uuml;ge gleichkommt. Denn hinter diesem unrealistischen &bdquo;Wir&ldquo; st&uuml;nden ja die verarmten Rentner Griechenlands ebenso wie jene Gruppe der Milliard&auml;re, die den Gro&szlig;teil der Volksverm&ouml;gen unter sich aufteilen. Also Gruppen, die keine gemeinsamen Interessen teilen. Inzwischen k&ouml;nnen diese nicht vorhandenen gemeinsamen Interessen auch nicht mehr medial vorget&auml;uscht werden: Die Phrase, dass das, was &bdquo;gut f&uuml;r die Wirtschaft&ldquo; auch gut &bdquo;f&uuml;r die B&uuml;rger&ldquo; sei, ist mittlerweile abgenutzt.<\/p><p><strong>Es gibt zahlreiche Engagierte in Gewerkschaft, Kirche und Kultur &ndash; Sie werden &uuml;bert&ouml;nt<\/strong><\/p><p>Es soll hier aber auch stark betont werden, dass es bei den Gewerkschaften, den Kirchen und unter den K&uuml;nstlern zahlreiche Menschen gibt, die mit der Richtung, die ihre Verb&auml;nde, Organisationen und Kollegen eingeschlagen haben, nicht einverstanden sind und die sich den Mythen zur EU engagiert entgegenstellen. So m&ouml;chte etwa eine kommende <a href=\"http:\/\/www.melodieundrhythmus.com\">K&uuml;nstler-Konferenz<\/a> ein &bdquo;Manifest der Gegenkultur&ldquo; entwerfen. &Auml;hnliche &bdquo;Oppositionelle&ldquo; gibt es auch bei den Gewerkschaften und den Kirchen &ndash; leider werden all diese Engagierten im &ouml;ffentlichen Raum &uuml;bert&ouml;nt.<\/p><p>Titelbild: rogistok \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In zahlreichen Appellen werden die B&uuml;rger aktuell zur EU-Wahl aufgerufen. Daf&uuml;r schlie&szlig;en sich etwa Gewerkschafter und Arbeitgeber zusammen, wie Albrecht M&uuml;ller aktuell <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51755\">hier beschrieben hat<\/a>. 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