{"id":5186,"date":"2010-04-13T11:51:47","date_gmt":"2010-04-13T09:51:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5186"},"modified":"2014-08-07T14:43:39","modified_gmt":"2014-08-07T12:43:39","slug":"hochachtung-fuer-die-maerkte-so-als-geschehe-dort-etwas-reales-finanzkrise-xxxvi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5186","title":{"rendered":"Hochachtung f\u00fcr \u201edie M\u00e4rkte\u201c \u2013 so als geschehe dort etwas Reales (Finanzkrise XXXVI)"},"content":{"rendered":"<p>Die Mehrheit der Medien hat aus der Finanzkrise nichts gelernt. Es wird weiter so getan, als seien die Bewegungen auf den Finanzm&auml;rkten Zeichen objektiver realer Entwicklungen. Ausz&uuml;ge aus Artikeln zu der Rolle der &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; im Zusammenhang mit Griechenland finden sich in Anlage 2. Anlage 1 enth&auml;lt einen Beitrag von Heiner Flassbeck zum Thema. Der Kern des Problems ist, dass die Mehrheit der &ouml;ffentlichen Meinungsmacher in Publizistik, Politik und Wissenschaft immer noch davon ausgehen, dass Spekulationen auf den Finanzm&auml;rkten etwas Akzeptables oder gar etwas Sinnvolles seien. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nIch erinnere an die Einlassungen des ehemaligen Bundesbankpr&auml;sidenten Tietmeyer vor der versammelten Wirtschafts- und Politik-&bdquo;Elite&ldquo; in Davos vom 3. Februar 1996, wo er unter Beifall respektvoll anmerkte, die Politiker st&uuml;nden unter der &bdquo;Kontrolle der Finanzm&auml;rkte&ldquo;. Dieser Mann hat immer noch wichtige Funktionen &ndash; wie zum Beispiel den Kuratoriumsvorsitz bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und er genie&szlig;t in konservativen Kreisen offenbar immer noch Hochachtung, obwohl seine Einlassung von 1996 das gesamte Desaster unserer Wirtschafts- und Finanzordnung markiert.<\/p><p>Auch Griechenland steht &bdquo;unter der Kontrolle der Finanzm&auml;rkte&ldquo; und es wird in &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rungen wie den in der Anlage 2 zitierten nicht beachtet, dass Bewegungen auf den Finanzm&auml;rkten der hoch manipulierten Spekulation unterliegen. Die Preise auf den Finanzm&auml;rkten, die Kurse von Wertpapieren, Aktien, und W&auml;hrungen k&ouml;nnen beeinflusst werden. Und dies geschieht auch.<br>\nMeinungsmache ist nicht der einzige aber ein entscheidender Faktor der Entwicklung auf den Finanzm&auml;rkten. Wir haben dies in Deutschland erlebt, wo zum Beispiel die Aktienkursentwicklung ganz wesentlich von Stimmungsmache gepr&auml;gt war. Ich verweise auf meinen <a href=\"?p=3689\">Beitrag vom 7. Januar 2009<\/a> und die dort wiedergegebene Kurve der DAX-Entwicklung:<\/p><p>Abbildung 1:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20090107_abbildung1.jpg\" alt=\"DAX 1959 bis heute\" title=\"DAX 1959 bis heute\"><\/p><p>Die dort wiedergegebenen Schwankungen der Kurse um den Faktor 4 zeigen beispielhaft, wie realit&auml;tslos die Entwicklungen auf den Finanzm&auml;rkten sind.<br>\nAuch die Spekulation gegen Griechenland hat ja nicht nur objektive Gr&uuml;nde, sondern ist Teil eines Spiels. Die Finanzwirtschaft und ihre Akteure gewinnen am Auf und Ab und an damit verbundenen permanenten Transaktionen von Verm&ouml;genswerten. Deshalb betreiben sie dieses Spiel.<br>\nWie sehr die Entwicklung von Meinungsmache abh&auml;ngt, kann man daran erkennen, dass es eine Spekulation gegen den Dollar in der gleichen Weise wie gegen Griechenland bisher nicht gibt. Die Leistungsbilanz der USA, die Staatsverschuldung und auch die Verschuldung der USA gegen&uuml;ber anderen Volkswirtschaften ist &auml;hnlich dramatisch wie im Falle Griechenlands. Aber vermutlich ist die PR-Kraft der USA um mehrere Dimensionen gr&ouml;&szlig;er als die Griechenlands. Einmal abgesehen von den realen Unterschieden, die es nat&uuml;rlich gibt.<\/p><p><strong>Das Fazit aus diesen Beobachtungen: die Konsequenz aus der Finanzkrise muss die &Auml;chtung der Spekulation sein. Die Finanzm&auml;rkte m&uuml;ssen auf ihre reale Funktion zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden.<\/strong><\/p><p>Siehe dazu, zum Thema der Konversion der Finanzm&auml;rkte, auch den oben zitierten <a href=\"?p=3689\">Beitrag vom 7. Januar 2009<\/a>.<\/p><p>Es folgt der Beitrag von Heiner Flassbeck:<\/p><p><strong>Anlage 1<br>\nInvestoren oder Zocker<br>\nVon Heiner Flassbeck<\/strong><\/p><p>WuM, Mai 2010<\/p><p>Ich habe vor einigen Wochen einen Vortrag in Rostock gehalten. Der Anlass war der  Unternehmertag der Rostocker Unternehmer. Es war also eine Veranstaltung, die von Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen des ostdeutschen K&uuml;stengebietes organisiert und durchgef&uuml;hrt wurde. Wenn ich Unternehmer sage, dann meine ich in der Tat Menschen, die sich damit besch&auml;ftigen, etwas zu unternehmen, zu investieren, etwas Neues zu wagen, und daf&uuml;r ihr eigenes Geld einzusetzen. Richtige Unternehmer also, k&ouml;nnte man sagen.<\/p><p>Bei diesen Unternehmern trug ich etwa das Gleiche vor, was ich seit einigen Wochen &uuml;ber die Finanzkrise sage. Ich beschrieb, wie das System der Finanzm&auml;rkte funktioniert, und auf welche Weise man dort Gewinn machen kann. Interessant war es, zu sehen, wie die richtigen Unternehmer auf meiner Analyse der Finanzmarktteilnehmer, die ja von vielen auch als &bdquo;Investoren&ldquo; angesehen werden, reagierten. Ich hatte den Eindruck, dass bis zu diesem Zeitpunkt, die meisten von ihnen geglaubt hatten, das Banker oder Hedgefonds Manager etwa das gleiche tun wie ein Unternehmer. Den meisten anwesenden Unternehmern war offensichtlich nicht klar, dass diese Leute an den Finanzm&auml;rkten v&ouml;llig anders gestrickt sind als ein Unternehmer.<\/p><p>Das ist auch in der politischen Diskussion um die Finanzmarktkrise weiterhin ein vollkommen schwarzes Loch. Noch immer sind die Politiker nicht bereit, zur Kenntnis zu nehmen, dass an den Finanzm&auml;rkten, die von Herden solcher Manager oder Banker bev&ouml;lkert werden, nichts passiert, was dem Tun eines richtigen Unternehmers &auml;hnlich w&auml;re. Finanzm&auml;rkte, wie ich an dieser Stelle schon oft gesagt habe, produzieren n&auml;mlich nichts, sie investieren auch nicht wirklich, sondern sie leben einzig und allein davon, dass sie auf einen fahrenden Zug aufspringen, und versuchen, rechtzeitig wieder abzuspringen.<\/p><p>Das kann man im Moment im Falle Griechenlands wunderbar erleben. Wer etwa einen der ber&uuml;hmten Credit Default Swaps (CDS) im Herbst vergangenen Jahres als &ldquo;Versicherung &ldquo;gegen einen Ausfall von griechischen Staatsanleihen gekauft hatte, erlebt jetzt, dass er auf wundersame Weise reich wird. Der Wert eines solchen Zockerpapiers steigt n&auml;mlich quasi st&uuml;ndlich, wenn nur die Hetze gegen Griechenland systematisch weiter geht. Der ber&uuml;hmte texanische Million&auml;r also, der sich, ohne Europa im geringsten zu kennen, im Herbst vergangenen Jahres mit solchen CDS eindeckte, weil er sich einfach dachte, dass ein Land wie Griechenland nicht so sicher wie Deutschland sein k&ouml;nne, diese texanische Milliard&auml;r verdient jetzt Unsummen alleine dadurch, dass er seine damals zu einem geringen Preis gekauften CDS heute zu einem wesentlichen h&ouml;heren Preis wieder verkaufen kann.<\/p><p>Das zeigt das Prinzip sehr sch&ouml;n: An diesen M&auml;rkten kann man unglaublich viel Geld verdienen, auch dann, wenn man nicht Werte schafft, sondern Werte vernichtet. Das haben die Unternehmer in Rostock sehr gut verstanden. Sie haben verstanden, dass dann, wenn sich Herden von Zockern auf ein bestimmtes Papier st&uuml;rzen und dadurch den Wert dieses Papiers nach oben treiben, noch kein einziger Wert geschaffen wurde. Die reale Welt hat sich n&auml;mlich dadurch in keiner Weise ge&auml;ndert. Es ist somit nur die Illusion eines Wertes, der geschaffen wurde. Wenn es dann aber den professionellen Zockern gelingt, rechtzeitig von dem fahrenden Zug abzuspringen, dann haben sie nat&uuml;rlich unglaubliche Summen in ganz kurzer Zeit in ihre Taschen gesteckt, und die Frage, wer die Zeche hinterher bezahlt, interessiert niemanden mehr.<\/p><p>Ob es Zufall war oder nicht, die gesamte irrsinnige Diskussion um einen Staatsbankrott Griechenlands, hat dazu gef&uuml;hrt, dass sich die selbst erkl&auml;rten &bdquo;Meister des Universums&ldquo; wieder als solche f&uuml;hlen k&ouml;nnen. Es ist offensichtlich, dass dabei unsere Politiker wie Zirkusb&auml;ren am Nasenring herumgef&uuml;hrt werden. Sie lassen sich aber offensichtlich gerne herumf&uuml;hren. Wie w&auml;re es sonst zu erkl&auml;ren, dass Europa es nicht geschafft hat, das Problem Griechenlands unter anderem s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder auch nur ein einziges Mal vern&uuml;nftig zu diskutieren, und zwischenzeitlich sogar einen &bdquo;Plan&ldquo; in die Welt gesetzt hat, der wiederum den Meistern des Universums m&ouml;glichst viel Gewinn versprochen h&auml;tte. Deutschland war es wohl, dass sich lange geweigert hatte zuzugestehen, dass Griechenland keine &ldquo;Marktzinsen&rdquo; zahlen kann. Dass &bdquo;Marktzinsen&ldquo; die Zinsen sind, die von den Zockern, von den Rating Agenturen und der medialen Hetze gegen Griechenland gemacht werden, will man nicht zur Kenntnis nehmen.<\/p><p>Marktzinsen klingt ja so objektiv, so neutral, dass nat&uuml;rlich jeder naive Politiker und seine Berater dazu neigen, zu sagen, hier hat sich objektiv Angebot und Nachfrage getroffen, und kein Politiker kann besser bestimmen, welches der richtige Preis ist als diese &ldquo;M&auml;rkte&rdquo;. Dass man an diesen M&auml;rkten den Preis durch gezielte Informationen und so genannte Studien der Zockerinstitutionen selbst manipulieren und eine bestimmte Richtung dr&auml;ngen kann, wollen wir nicht glauben, es w&uuml;rde unser Weltbild doch zu sehr st&ouml;ren.<\/p><p>Am Ende meiner Rede in Rostock gab es sehr viel Beifall. Ich glaube, dass die richtigen Unternehmer dort verstanden haben, dass sie sich nicht mit den Scheinunternehmern an den Finanzm&auml;rkten gemein machen sollten. Dem richtigen Unternehmer geht es in der Tat darum, durch seine Kreativit&auml;t, durch seine Bereitschaft zum Risiko etwas Neues zu schaffen. Dabei geht es aber um das Schaffen im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht nicht um einen Scheinwert, der ein schnelles Abkassieren erlaubt, sondern es geht darum, eine neue Idee f&uuml;r lange Zeit tragf&auml;hig zu machen und tragf&auml;hig zu halten. Gute Politik w&auml;re es, diesen Unterschied anzusprechen, und die richtigen Unternehmer anzusprechen, um mit ihnen zusammen und den richtigen Arbeitnehmern, zu verhindern, das aus Scheinwerten hohe Einkommen bezahlt werden, und der Steuerzahler hinterher daf&uuml;r eintreten muss, wenn sich herausstellt, was sich herausstellen muss, dass die Scheinwerte n&auml;mlich nur Scheinwerte waren.<\/p><p><strong>Anlage 2<br>\nAuswahl von Meldungen mit Bezug auf &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo;<\/strong><br>\n(Weitere Meldungen bei Google News <a href=\"http:\/\/news.google.de\/news\/search?aq=f&amp;pz=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;hl=de&amp;q=M%C3%A4rkte+Griechenland\">&bdquo;M&auml;rkte&ldquo; &bdquo;Griechenland&ldquo;<\/a>)<\/p><p><strong>M&auml;rkte reagieren erleichtert auf Hilfen<\/strong><br>\nArtikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 13.04.2010<br>\nB&ouml;rse Die Milliardenzusage f&uuml;r Griechenland treibt den Euro und gibt den Kursen Athener Staatsanleihen einen Schub. Von Martin Dowideit<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/stz\/page\/2450910_0_9223_-maerkte-reagieren-erleichtert-auf-hilfen.html?_print=1\">Stuttgarter Zeitung<\/a><\/p><p><strong>Wege aus der Schuldenfalle<br>\nWas auf Griechenland zukommt<\/strong><br>\nDas Rettungspaket f&uuml;r Athen steht, die M&auml;rkte feiern. Dabei sind noch viele Fragen offen. FTD.de erkl&auml;rt, was das hochverschuldete Land noch vor sich hat &ndash; und warum Morgan-Stanley-Orakel Stephen Roach trotz 45 Mrd. Euro skeptisch ist.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/finanzen\/maerkte\/anleihen-devisen\/:wege-aus-der-schuldenfalle-was-auf-griechenland-zukommt\/50099506.html?mode=print\">FTD<\/a><\/p><p><strong>Griechenland:&nbsp;Spekulanten geben noch nicht auf<\/strong><br>\nDie Staatschefs der Eurogruppe und die griechische Regierung haben sich zu fr&uuml;h gefreut: Noch haben sie <strong>die M&auml;rkte<\/strong> nicht davon &uuml;berzeugt, dass sie die Schuldenkrise in den Griff bekommen. Der Euro und die B&ouml;rsenkurse gaben gestern ihre fr&uuml;hen Gewinne wieder ab, die Analysten bleiben skeptisch. Noch ist die Krise nicht gebannt.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/marktberichte\/griechenland-spekulanten-geben-noch-nicht-auf;2560415\">Handelsblatt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mehrheit der Medien hat aus der Finanzkrise nichts gelernt. 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