{"id":52166,"date":"2019-05-30T11:45:43","date_gmt":"2019-05-30T09:45:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52166"},"modified":"2019-08-18T10:34:38","modified_gmt":"2019-08-18T08:34:38","slug":"argentinien-cristina-kirchners-meisterstreich-zur-ueberwindung-von-mauricio-macris-ruinenlandschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52166","title":{"rendered":"Argentinien \u2013 Cristina Kirchners Meisterstreich zur \u00dcberwindung von Mauricio Macris Ruinenlandschaft"},"content":{"rendered":"<p>Um es im Sportjargon zu sagen: Argentiniens Ex-Pr&auml;sidentin (2007-2015) Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner gelangen in dem zu Ende gehenden Monat Mai gleich zwei Volltreffer. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nZum einen mit der Herausgabe ihres Buches &ldquo;Sinceramente&rdquo; (so viel wie &ldquo;Offen Gesagt&rdquo;), das mit dem Verkauf von mehr als einer halben Million Exemplaren in wenigen Wochen rasant zum <a href=\"https:\/\/www.perfil.com\/noticias\/opinion\/sinceramente-el-libro-de-la-candidata-que-se-convirtio-en-best-seller-instantaneo.phtml\">Bestseller<\/a> des zur deutschen Bertelsmann-Gruppe geh&ouml;renden Verlags Penguin-Random House aufstieg. Zum anderen mit der Ank&uuml;ndigung, sie trete ihre Pr&auml;sidentschaftskandidatur an den Juristen Alberto Fern&aacute;ndez &ndash; Professor f&uuml;r Strafrecht an der Universit&auml;t Buenos Aires (UBA) und ehemaliger Kabinettschef ihres verstorbenen Ehemannes und argentinischen Pr&auml;sidenten (2003-2007) N&eacute;stor Kirchner &ndash; ab. Fortan stehe sie nur noch als Kandidatin f&uuml;r das Vizepr&auml;sidentenamt unter Fern&aacute;ndez zur Verf&uuml;gung, erkl&auml;rte Kirchner am vergangenen 18. Mai in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QmwCCksE-VE\">13-min&uuml;tigen Video<\/a>, das auf YouTube von mindestens 600.000 Zuschauern gesehen wurde.<\/p><p><strong>Macris Elends- und Ruinenlandschaft<\/strong><\/p><p>Kirchners Hiobsbotschaft, deren Gr&uuml;nde in der Folge erkl&auml;rt werden, traf Argentinien am Boden liegend, oder <a href=\"https:\/\/elpais.com\/internacional\/2019\/04\/25\/argentina\/1556215894_662283.html\">mit den Worten der spanischen Tageszeitung <em>El Pa&iacute;s<\/em><\/a> umschrieben, &bdquo;am Rande des wirtschaftlichen Abgrunds, umrankt von Zweifeln &uuml;ber die Regierung Macri&rdquo;.<\/p><p>Da die Landesw&auml;hrung Peso stetig sinkt, die Aktienkurse abst&uuml;rzen und das sogenannte &bdquo;L&auml;nderrisiko&ldquo; der Ratingagenturen Moody&rsquo;s, Standard &amp; Poor&rsquo;s und Fitch Ratings 1000 Punkte &uuml;bersteigt, versch&auml;rft sich die Vertrauenskrise um Macri. Gro&szlig;e Zweifel belasten die F&auml;higkeit der Regierung zur Inflationskontrolle. Kein anderes Land in der Region, au&szlig;er Venezuela, wird von den Agenturen mit einem L&auml;nderrisiko von mehr als 250 Punkten bestraft, Argentinien jedoch mit dem Vierfachen.<\/p><p>&bdquo;Macri ging zum (Regierungssitz) Casa Rosada und sein Stabschef Marcos Pe&ntilde;a traf sich mit mehreren Ministern. Es gab keine &ouml;ffentliche Erkl&auml;rung, doch nach Angaben von Augenzeugen war die Atmosph&auml;re &acute;geladen&acute;, die Gesichter spiegelten die Spannung des Augenblicks wider. Ein Sprecher Pe&ntilde;as r&auml;umte Schwierigkeiten ein, betonte jedoch, dass die Wahlen im Oktober und November noch weit entfernt seien&ldquo;, kommentierte <em>El Pa&iacute;s<\/em>.<\/p><p>Die einst von Pr&auml;sident Carlos Menem (1989-1999) beschworenen und von Mauricio Macri mit seiner h&uuml;ndischen Unterwerfung unter die Regierung Donald Trump wieder aufgew&auml;rmten &bdquo;fleischlichen Beziehungen&ldquo; zu den USA best&auml;tigten das brasilianische Mantra: &bdquo;Die Freude des armen Mannes ist von kurzer Dauer&ldquo;. Gemeint ist nicht der Multimillion&auml;r Macri, sondern die von der Skrupellosigkeit der US-M&auml;rkte und Justiz betroffenen argentinischen Finanzen.<\/p><p>So <a href=\"https:\/\/www.clarin.com\/economia\/reves-argentina-gobierno-donald-trump-recomendo-juicio-ypf-siga-unidos_0_BkMDhXjhZ.html\">annullierte<\/a> das US-Department of Justice am 21. Mai einen Beschluss des Obersten Gerichtshofs, der die Gerichtsbarkeit Argentiniens in einem Rechtsstreit zwischen der argentinischen &Ouml;lgesellschaft YPF und dem US-amerikanischen Burford-Fonds best&auml;tigt hatte, der sich auf den &auml;u&szlig;erst profitablen &bdquo;Prozessfinanzierungs&rdquo;-Service spezialisiert hat. Als Vertreter der Petersen-Gruppe, im Besitz der Familie Eskenazi, fordert Burford eine Entsch&auml;digung von drei Milliarden US-Dollar als angeblichen Schadensausgleich infolge des von Pr&auml;sidentin Cristina Kirchner wiederverstaatlichten YPF-Konzerns, an dem die Familie Eskenazi Aktien besa&szlig;. Die Eskenazis geh&ouml;ren zu den m&auml;chtigsten Familien Argentiniens. Unter anderem kontrolliert die Banker-Familie die Nuevo Banco de Santa F&eacute;, Nuevo Banco de Entre R&iacute;os, Banco de San Juan und Banco de Santa Cruz mit 300 Filialen.<\/p><p>Die Macri-Regierung versucht auf die spanische Gerichtsbarkeit auszuweichen, um das Desaster zu verhindern. Die Zahlung der aufgeblasenen, unversch&auml;mten Forderung w&auml;re ein harter Schlag gegen die argentinischen Reserven von 72 Milliarden US-Dollar, wovon in Wahrheit 57 Milliarden US-Dollar vom Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) 2018 zur angeblichen Stabilisierung von W&auml;hrung und Reserven vorgestreckt wurden. F&auml;lligkeiten und Zinsen von rund 36 Milliarden US-Dollar geben der Macri-Regierung keine Ruhe mehr. Mit einer j&auml;hrlichen Inflationsrate von 55,8 Prozent leistet sich die Administration Macri nach neuesten Angaben vom Monat f&uuml;r April das 15-fache der durchschnittlichen kontinentalen Inflationsrate von 3,4 Prozent. Die Krise hat das Zeug f&uuml;r eine rasche Versch&auml;rfung, falls die sogenannten Anleger der Ansicht sind, dass der Abbau der Reserven das Ausfallrisiko erh&ouml;ht. <\/p><p>Nahezu 7000 argentinische Unternehmen, darunter allein 1300 Industriebetriebe, <a href=\"https:\/\/www.minutouno.com\/notas\/5011542-casi-7-mil-empresas-cerraron-el-ultimo-ano-mas-1300-son-industrias\">gingen 2018 bankrott<\/a>. Nach j&uuml;ngsten Angaben des Integrierten Sozialversicherungssystems (SIPA) schreitet auch die Deindustrialisierung in bedrohlichem Ausma&szlig; voran. Betrug die Industrialisierungsrate 2003 noch 11 Prozent, beschr&auml;nkt sie sich heute auf 9,5 Prozent.<\/p><p>&bdquo;Armut in Argentinien: Warum es immer schwieriger wird, in dem s&uuml;damerikanischen Land zu &uuml;berleben&ldquo;, fragen nun pl&ouml;tzlich internationale Medien wie die Londoner BBC, die &uuml;ber Jahre hinweg den Chor der medialen Dekonstruktion Cristina Kirchners anf&uuml;hrten und Mauricio Macri als den neoliberalen Vaterlandsretter anpriesen. Die NachDenkSeiten pr&auml;sentierten allerdings im September 2018 eine Zwischenbilanz mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46158\">&bdquo;Argentinien &ndash; Von der finanzkapitalistischen Ruine und Kriminalisierung der Opposition zum &bdquo;kontrollierten Chaos im Hinterhof&ldquo;<\/a>.<\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/noticias-america-latina-47781063\">Bericht vom 2. April<\/a> ging nun auch BBC mit Macri hart ins Gericht. Sie macht ihn verantwortlich f&uuml;r die rabiat um sich greifende Verarmung, die 32 Prozent der Argentinier betrifft und allein in den vergangenen 12 Monaten um 6,3 Prozent zunahm. Im reichen, knapp 45 Millionen Einwohner z&auml;hlenden Argentinien st&uuml;rzten demnach in einem einzigen Jahr 2,7 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze ab. Davon f&uuml;hren 800.000, insbesondere Kinder und Rentner, ein Bettlerdasein. Das Kinderhilfswerk Unicef warnte, &bdquo;fast die H&auml;lfte der argentinischen Kinder lebt in Armut&ldquo;.<\/p><p>Warum? Die Antwort: Weil die durchschnittliche Arbeiterfamilie heute mindestens 27.570 Pesos (umgerechnet ca. 550 Euro) ben&ouml;tigt, um nicht in die Verelendungszone abzust&uuml;rzen. &bdquo;Das sind jedoch mehr als zwei Mindestl&ouml;hne, wobei der offizielle Mindestlohn 12.500 Pesos (umgerechnet 250 Euro) betr&auml;gt &ldquo;, wunderte sich BBC. Eine <a href=\"https:\/\/www.cronista.com\/economiapolitica\/Como-fue-la-estrepitosa-caida-del-salario-minimo-argentino-durante-el-ultimo-ano--20190515-0013.html\">animierte Grafik<\/a> der Agentur Indigrup verdeutlicht allerdings, wie sich der argentinische Mindestlohn zwischen 2009 und 2017 von 417,00 US-Dollar auf 525,22 US-Dollar vorteilhaft entwickelte und in Lateinamerika f&uuml;hrend war, doch seitdem von der Administration Macri skrupellos bis zum gegenw&auml;rtigen Stand von 277,00 US-Dollar abgebaut wurde und nun hinter Ecuador, Chile, Uruguay, Paraguay, Bolivien, Brasilien und Peru rangiert.<\/p><p>Es kam, wie es kommen musste. Dem Absturz in die Verelendung folgt der Popularit&auml;ts-Absturz Mauricio Macris. Nach <a href=\"https:\/\/www.tercerainformacion.es\/articulo\/internacional\/2019\/02\/02\/la-popularidad-de-macri-se-desploma-en-pleno-ano-electoral\">neuesten Umfragen<\/a> des Meinungsforschungsinstituts Taquion Research Strategy fordern 61,5 Prozent der Argentinier einen Regierungswechsel f&uuml;r die Wahlen vom kommenden 10. Dezember.<\/p><p><strong>Cristinas &bdquo;Meisterstreich&ldquo; oder: Von Lula gelernt<\/strong><\/p><p>Die Bekanntmachung der &uuml;berraschenden Formel Fern&aacute;ndez-Fern&aacute;ndez de Kirchner schlug insbesondere in der mit ihr verfeindeten Regierung Macri wie ein Torpedo ein,  entmutigte und ver&auml;rgerte jedoch ebenso die sogenannten &bdquo;unabh&auml;ngigen&ldquo; Mainstream-Medien, die sich zwecks Vereinfachung schnell um anachronistische oder &bdquo;an den Haaren herbeigezogene Vergleiche bem&uuml;hten&ldquo;, wie der einflussreiche argentinische Publizist und Buchautor Mario Wainfeld in der Kirchner nahestehenden Tageszeitung Pagina12 <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/196271-tiempo-de-reformular\">bemerkte<\/a>.<\/p><p>Nach Umfragen <a href=\"https:\/\/www.perfil.com\/noticias\/politica\/segun-encuesta-cristina-kirchner-podria-sacarle-9-puntos-mauricio-macri-balotaje.phtml\">vom vergangenen Monat April<\/a> w&uuml;rde Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner den seine Wiederwahl anstrebenden Mauricio Macri in einer eventuellen Stichwahl mit mindestens 9 Prozent besiegen. Mit 84 Prozent ist Macri allerdings mit seinem negativen Image f&uuml;hrend, gefolgt von Fern&aacute;ndez de Kirchner, die mit 76 Prozent Imagesch&auml;digung auch nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig beliebt ist; vor allem in der Mittelschicht und selbstverst&auml;ndlich in der Elite nicht. Das hat zum einen mit dem oft von resolut bis ruppig ausgelegten Auftritten der progressiven Ex-Pr&auml;sidentin, vor allem jedoch mit den gegen sie gerichteten Kriminalisierungsversuchen von Teilen der argentinischen Justiz und der damit gekoppelten medialen Dekonstruktion zu tun.<\/p><p>Fern&aacute;ndez de Kirchners Pr&auml;sidentschaftskandidatur entwickelte sich daher als voraussehbare &bdquo;Chronik der angek&uuml;ndigten Destabilisierung&ldquo;. Kaum verbreitete sich die Nachricht vom Favoritenstatus der amtierenden Senatorin, verk&uuml;ndete die argentinische Justiz die Wiederaufnahme der zum Teil abgeschmetterten oder aufgeschobenen, zum &uuml;berwiegenden Teil jedoch l&auml;cherlichen bis haneb&uuml;chenen Anklagen; und zwar mit lautstarkem, frechem und verfassungswidrigem Druck der Regierung Macri auf Landgerichte und den Obersten Gerichtshof.<\/p><p>War etwa der befreundete brasilianische Ex-Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva nicht wenige Monate vor der Pr&auml;sidentschaftswahl verhaftet und seine neue Pr&auml;sidentschaftskandidatur trotz, oder gerade wegen seiner Favoritenrolle, seinem 20-prozentigem Vorsprung vor dem faschistischen Herausforderer Jair Bolsonaro verboten worden? Erlebt Argentinien nicht ebenfalls seit Mauricio Macris Macht&uuml;bernahme einen justiziellen Abklatsch des brasilianischen Anti-Korruptions-Unternehmens Lavajato unter F&uuml;hrung des von den USA ausgebildeten Richters und amtierenden Bolsonaro-Justizministers Sergio Moro?<\/p><p>Sind Aufbau von Kronzeugen und deren N&ouml;tigung zu ausgehandelten Belastungen Dritter im Austausch f&uuml;r Strafminderung etwa nicht die argentinische Variante des vom US-Department of Justice lateinamerikaweit oktroyierten &bdquo;neuen Strafrechts&ldquo;, mit dem Ziel selektiver Strafverfolgung und politischer Destabilisierung fortschrittlicher Regierungen? Hatte Freund Lula etwa den Fehler begangen, nicht rechtzeitig auf seine Kandidatur zugunsten Fernando Haddads verzichtet und somit die Wahl des rechtsradikalen Jair Bolsonaro erleichtert zu haben?<\/p><p>Das waren die schwerwiegenden Gr&uuml;nde, die in Vorahnung ihrer nicht auszuschlie&szlig;enden Verhaftung Cristina F. de Kirchner dazu bewegten, obwohl Favoritin, auf ihre Kandidatur zu verzichten, damit jedoch einem breiteren Oppositionsb&uuml;ndnis unter F&uuml;hrung des f&uuml;r Konzilianz ber&uuml;hmten Alberto Fern&aacute;ndez den Weg freizumachen und einen voraussichtlichen Sieg sicherzustellen.<\/p><p>Die Probleme der Senatorin mit der Justiz datieren allerdings vom letzten Abschnitt ihrer achtj&auml;hrigen Pr&auml;sidentschaft, beschleunigten und vervielfachten sich aber seit ihrer Amtsniederlegung im Dezember 2015. Gegen die ehemalige Staatschefin wird in sechs F&auml;llen Klage gef&uuml;hrt, in f&uuml;nf davon wegen mutma&szlig;licher Korruption. Mitangeklagt sind auch ihre beiden Kinder sowie hochrangige ehemalige Beamte ihrer Regierung und verwandte Gesch&auml;ftsleute.<\/p><p>In der ersten Korruptionsanklage (Chiffre: &bdquo;D&oacute;lar Futuro&ldquo;) wird sie beschuldigt, geldpolitische Strategien zur Verhinderung der Dollar-Eskalation im Jahr 2015 beschlossen zu haben, die nach Auslegung von Richter Claudio Bonadio ein &bdquo;Verbrechen zum Nachteil der &ouml;ffentlichen Verwaltung&ldquo; darstellen, weil sie einen angeblichen Schaden von 3,5 Milliarden US-Dollar &bdquo;bewusst angerichtet&ldquo; h&auml;tten.<\/p><p>Im zweiten Korruptionsfall (Chiffre: &bdquo;Hotesur&ldquo;) wird ihr und ihren Kindern von Richter Julian Ercolini vorgeworfen, &uuml;ber Jahre hinweg angeblich Zimmer f&uuml;r Unternehmer im Hotel Alto Calafate &ndash; eins der drei Kirchner-Hotels in Patagonien &ndash; zur verschleierten Geldw&auml;sche von Schmiergeldern vermietet zu haben.<\/p><p>In der dritten Klage (Chiffre: &bdquo;Los Sauces&ldquo;), die auf eine Anzeige der ultrarechten Politikerin Margarita Stolbizer zur&uuml;ckgeht, wird Fernandez de Kirchner von Bonadio beschuldigt, der Kopf einer &bdquo;kriminellen Vereinigung&ldquo; gewesen zu sein, die mit der Familienimmobilie Los Sauces Geld aus &ouml;ffentlichen Auftr&auml;gen gewaschen h&auml;tte. Hauptkunden von Los Sauces sollen die mittlerweile inhaftierten Bauunternehmer L&aacute;zaro B&aacute;ez und Crist&oacute;bal L&oacute;pez gewesen sein, die millionenschwere Bestechungsgelder als kaschierte Miete gezahlt h&auml;tten.<\/p><p>In einem vierten Korruptionsverfahren (Chiffre: &bdquo;Vialidad&ldquo;) wird Fern&aacute;ndez de Kirchner zum zweiten Mal vorgeworfen, &bdquo;Mitglied einer kriminellen Vereinigung&ldquo; gewesen zu sein, die f&uuml;r die Vergabe von &ouml;ffentlichen Stra&szlig;enbauten zu verteuerten Aufpreisen Bestechungsgelder angenommen habe, die unter anderem de Kirchners Aufstieg zum Million&auml;rs-Status erkl&auml;re. So Richter Ercolini.<\/p><p>Au&szlig;erdem wird die ehemalige Pr&auml;sidentin wegen ihrer Nennung als Empf&auml;ngerin von Bestechungsgeldern im angeblich gr&ouml;&szlig;ten &ndash; als &bdquo;Cuadernos \/ Hefte&ldquo; bekannten &ndash; Korruptionsfall in der Geschichte Argentiniens strafrechtlich verfolgt, der sich auf eine Kopie von angeblich vier Notizheften eines Fahrers st&uuml;tzt, dessen Originale jedoch &bdquo;unauffindbar&ldquo; sind. Trotz der ausgehandelten Kronzeugenaussage des Autors Oscar Centeno bestehen ernsthafte Zweifel sowohl an der Authentizit&auml;t der Niederschriften als auch an ihrer Brauchbarkeit als Beweismittel.<\/p><p>In der sechsten Anklage (Chiffre: &bdquo;Iran Memorandum&ldquo;) geht es um internationale Politik und starken Tobak. Ihr Autor war Staatsanwalt Alberto Nisman, der in einer Anklageschrift vom 14. Januar 2015 die damalige Pr&auml;sidentin der Unterzeichnung einer Absichtserkl&auml;rung mit dem Iran und dem angeblichen Ziel der Entlastung iranischer Verd&auml;chtiger des 1994 ver&uuml;bten Bomben-Attentats auf die j&uuml;dische Vereinigung AMIA beschuldigt, bei dem 85 Menschen ums Leben kamen. Vier Tage sp&auml;ter wurde Nisman in seiner Wohnung tot aufgefunden.<\/p><p>Mit dem absurden Vorwurf, die Urheber des Attentats &bdquo;gedeckt&ldquo; zu haben, erlie&szlig; Richter Bonadio Klage gegen Fernandez de Kirchner und ihren Au&szlig;enminister Hector Timerman, der bezeichnenderweise j&uuml;discher Herkunft war. Unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41556\">&bdquo;Argentinien &ndash; Haftbefehl gegen Ex-Pr&auml;sidentin Cristina Kirchner, der Iran, die Welthandelskonferenz und die Feindbilder Mauricio Macris&ldquo;<\/a> berichteten die Nachdenkseiten bereits im Dezember 2017 &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde, insbesondere &uuml;ber die nachgewiesene Rolle Nismans als Befehlsempf&auml;nger des CIA und des israelischen Geheimdienstes Mossad.<\/p><p>Timerman starb im Dezember 2018 im verfr&uuml;hten Alter von 68 Jahren und lehnte Bonadios Vorw&uuml;rfe energisch ab. Zu seiner Verteidigung erkl&auml;rte er, das sogenannte Memorandum habe weder die Straflosigkeit der iranischen Verd&auml;chtigen zum Ziel gehabt noch sei es &uuml;berhaupt in Kraft getreten, weil es vom iranischen Parlament nicht gebilligt wurde und somit die Wirksamkeit von Interpol-Alarmstufe Rot gegen die Verd&auml;chtigen niemals beeintr&auml;chtigt habe.<\/p><p><strong>&bdquo;Wenn die Beweise nicht z&auml;hlen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Soll etwa Lulas Kriminalisierung und Verurteilung in Brasilien in Argentinien Schule machen? Die argentinische Tageszeitung &bdquo;Pagina12&ldquo; ging den Unregelm&auml;&szlig;igkeiten auf den Grund.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Klagen gegen Cristina Fernandez de Kirchner und ehemalige Beamte wurden trotz mangelnder Ermittlungen &uuml;ber angebliche Bestechungen er&ouml;ffnet &hellip; Der Modus Operandi, den Zeitaufwand der Justiz der Eile der politischen Exekutive unterzuordnen, trat mit aller Deutlichkeit ans Tageslicht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Javier Iguacel, Kopf der nationalen Stra&szlig;enbauverwaltung, erschien als Erster im April 2016 vor Gericht. Das Ziel der Anklage war von Anfang an politischer Natur: n&auml;mlich mit der Schuldzuweisung eines &bdquo;schweren Erbes&ldquo; von den wirtschaftlichen Katastrophen des Macrismo abzulenken. Dem schloss sich der Vorwurf an, die Angeklagten h&auml;tten &bdquo;ein ganzes Bruttoinlandsprodukt gestohlen&ldquo;, um noch einmal vom sozialen Gemetzel an Arbeitern und Rentnern abzulenken. Der Prozessf&uuml;hrung klebt also die Eile eines verzweifelte Wahlimperativs an&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Da sie bisher nur vom politischen Ziel und keiner Beweisvorlage angetrieben werden, verschwendeten sie drei Jahre ohne die Vorlage elementarster Ermittlungen mit entsprechender Beweisf&uuml;hrung. Sie h&auml;tten zum Beispiel ermitteln sollen, ob die Bauarbeiten ausgef&uuml;hrt wurden oder nicht, ob sie zu Aufpreisen berechnet, ob sie eventuell gar nicht ausgef&uuml;hrt wurden oder ob die in allen Bauauftr&auml;gen landes&uuml;blichen Verz&ouml;gerungen begr&uuml;ndet waren. Die Staatsanwaltschaft hat keine Sachverst&auml;ndigen eingesetzt, der Richter hat sie nicht beauftragt, die Bundeskammer oder das Kassationsgericht haben sie nicht angeordnet. Als der Oberste Gerichtshof damit drohte, den Prozess zu verschieben, um die Beweislage zu ordnen, da brannte auf einmal Troya&rdquo;, kommentierte <em>Pagina12<\/em> das scheinbar unprofessionelle, jedoch zutiefst politisch motivierte Vorgehen der argentinischen Justiz gegen Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um es im Sportjargon zu sagen: Argentiniens Ex-Pr&auml;sidentin (2007-2015) Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner gelangen in dem zu Ende gehenden Monat Mai gleich zwei Volltreffer. 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