{"id":52265,"date":"2019-06-03T11:24:55","date_gmt":"2019-06-03T09:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52265"},"modified":"2019-06-04T09:54:23","modified_gmt":"2019-06-04T07:54:23","slug":"die-taz-gegen-die-alten-junge-menschen-sind-gleicher-als-die-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52265","title":{"rendered":"Die \u201etaz\u201c gegen die Alten: Junge Menschen sind gleicher als die anderen"},"content":{"rendered":"<p>Den Entzug des Wahlrechts f&uuml;r &auml;ltere B&uuml;rger fordert ein infamer Text in der &bdquo;taz&ldquo;. Man k&ouml;nnte den Artikel ignorieren &ndash; doch er ist Zeichen einer bedenklichen Entwicklung, die &uuml;ber den Einzel-Beitrag hinausgeht. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn der Demokratie sind alle Menschen gleich &ndash; aber &bdquo;die jungen Menschen&ldquo; sind gleicher. Darum d&uuml;rfen sie w&auml;hlen gehen, w&auml;hrend &bdquo;den Alten&ldquo; das Wahlrecht entzogen werden sollte. Einen die Demokratie und das Prinzip der Gleichheit der Menschen verachtenden Text hat die Tageszeitung &bdquo;taz&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Darin wird der Entzug des Wahlrechts f&uuml;r &auml;ltere B&uuml;rger gefordert. Dieses &bdquo;Vorrecht&ldquo; der Jugend und die darauf beruhende anti-demokratische Forderung speist sich aus einer &Uuml;berzeugung von einem eigenen moralischen und intellektuellen Vorsprung. Man k&ouml;nnte den Text als schrille und unbedeutende Einzelmeinung abtun &ndash; doch so einfach scheint es nicht zu sein.<\/p><p><strong>Den Alten das Wahlrecht wegnehmen wie den F&uuml;hrerschein<\/strong><\/p><p>In <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Kolumne-Der-rote-Faden\/!5597166\/\">der Kolumne &bdquo;Der rote Faden&ldquo;<\/a> vom Wochenende schreibt die Redakteurin Johanna Roth unter dem Titel &bdquo;Rentner, gebt das Wahlrecht ab!&ldquo;: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;F&uuml;hrerscheine sollte man im Alter abgeben. Warum nicht auch das Wahlrecht? Ja, ich wei&szlig; &ndash; ein Menschenrecht. Aber es sollte doch auch f&uuml;r uns Junge ein Menschenrecht darauf geben, mindestens Ende siebzig zu werden wie der durchschnittliche Mensch in Europa heute, und das, ohne abwechselnd von Sturmfluten und Waldbr&auml;nden heimgesucht zu werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Roth f&uuml;gt an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Liebe Mitw&auml;hlende &uuml;ber 60, wir unter 30 h&auml;tten ja auch gerne was von diesem Wohlstand, nicht zuletzt weil wir schon jetzt &auml;rmer sind, als unsere Elterngeneration es je war (&hellip;).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der Text ist keine schrille Nischen-Meinung<\/strong><\/p><p>Der Text ist von A bis Z abzulehnen: Er beinhaltet keinen einzigen fortschrittlichen Gedanken, sondern ist durchdrungen von unbegr&uuml;ndeter Arroganz und Demokratie-Feindlichkeit. Man k&ouml;nnte diese Kolumne darum einerseits mit der Missachtung strafen, die sie verdient. Andererseits ist der Text und seine Ver&ouml;ffentlichung aber keine Petitesse: Der Beitrag ist nicht auf einem pers&ouml;nlichen und abseitigen Blog erschienen. Dass diese Kolumne die &Uuml;berpr&uuml;fungs-Instanzen einer sich nicht als extremistisch einordnenden Zeitung passieren kann, ist sehr bedenklich. Das spricht daf&uuml;r, dass die hier ge&auml;u&szlig;erten Gedanken in der &bdquo;taz&ldquo; keine schrille Nischen-Meinung einer isolierten Autorin darstellen, sondern sie sich anscheinend im Zeitgeist einer &bdquo;linken&ldquo; Lifestyle-Zeitung spiegeln k&ouml;nnen. Das wiederum n&auml;hrt den Verdacht, dass die in der Kolumne ge&auml;u&szlig;erte Verachtung des Prinzips der Gleichheit in Teilen der Gesellschaft mehr (stille) Akzeptanz erf&auml;hrt, als man annehmen k&ouml;nnte. <\/p><p>Ein Gradmesser f&uuml;r diese nur vermutete Akzeptanz kann nun die Reaktion der &bdquo;taz&ldquo;-Redaktion sein: Wird es wahrnehmbare Gegenreden zu dieser Kolumne geben? Traut sich einer von Johanna Roths Untergebenen, der Ressort-Leiterin &ouml;ffentlich Kontra zu geben? Denn das kommt noch erschwerend hinzu: Die Verfasserin ist keine freischaffende Autorin, sondern Johanna Roth leitet <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Johanna-Roth\/!a33000\/\">bei der &bdquo;taz&ldquo;<\/a> derzeit das Ressort &bdquo;Meinung+Diskussion&ldquo;. Damit sind nun (mindestens) zwei wichtige Ressorts der &bdquo;taz&ldquo; in umstrittenen H&auml;nden, denn die Auslands-Redaktion wird bereits <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Dominic-Johnson\/!a4\/\">von Dominic Johnson<\/a> geleitet. Johnsons problematische Standpunkte nicht nur zum Komplex Krieg und Frieden haben die NachDenkSeiten bereits <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43085\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46070\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44715\">hier<\/a> thematisiert. <\/p><p><strong>Was sind schon Krieg und Frieden und das Soziale?<\/strong><\/p><p>Doch Krieg und Frieden oder die soziale Frage sind nicht die Schwerpunkte, die Roth einfordert &ndash; in dieser Praxis deckt sie sich mit einem m&auml;chtigen, auf die Klimapolitik fixierten Zeitgeist, den die NachDenkSeiten gerade <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52159\">hier beschrieben haben.<\/a> Auch f&uuml;r Roth ist das Klima anscheinend das alles bestimmende Thema. Dementsprechend ist die Zustimmung einer Altersgruppe zur gr&uuml;nen Partei Roths Gradmesser f&uuml;r den moralischen Entwicklungsstand jener Gruppe:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Anderer Leben gef&auml;hrden ist das eine. Das andere: anderer Zukunft gef&auml;hrden. Am Sonntagabend, als die Europawahl-Hochrechnungen kamen, zeigte sich: Unter 60 wurde hierzulande mit Blick auf die Stra&szlig;e gew&auml;hlt, &uuml;ber 60 mit Blick in den R&uuml;ckspiegel. Die Zustimmung f&uuml;r die Gr&uuml;nen &ndash; die bei den unter 60-J&auml;hrigen vorne lagen und bei den Erstw&auml;hler*innen so viele Stimmen holten wie Union und SPD zusammen &ndash; sank antiproportional zum Alter der W&auml;hlenden. Bei der CDU verhielt es sich genau andersherum.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wahl der Gr&uuml;nen als moralischer Akt<\/strong><\/p><p>Nur sehr halbherzig schr&auml;nkt die Autorin ein: &bdquo;Man kann gute Gr&uuml;nde haben, sie (die Gr&uuml;nen) nicht zu w&auml;hlen.&ldquo; Aber welche? Da Roth diese Gr&uuml;nde nicht nennt, sei hier auf Oskar Lafontaine verwiesen, der den wahren Charakter der gr&uuml;nen Partei gerade <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/oskarlafontaine\/photos\/a.198567656871376\/2324998697561584\/?type=3&amp;theater\">auf den Punkt gebracht<\/a> hat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Erstaunlich ist das starke Abschneiden der Partei &sbquo;Die Gr&uuml;nen&lsquo;, da sie in den vergangenen Jahren f&uuml;r Waffenexporte in Spannungsgebiete, eine Beteiligung der Bundeswehr an den Rohstoff-Kriegen und eine Verst&auml;rkung der Konfrontation gegen&uuml;ber Russland ebenso Verantwortung trug wie die Parteien der &sbquo;gro&szlig;en Koalition&rsquo;. Und beim Sozialabbau waren sie eifrig dabei. Dar&uuml;ber hinaus sind die Gr&uuml;nen dort, wo sie regiert haben oder regieren, mitverantwortlich f&uuml;r unter Umweltgesichtspunkten zweifelhafte Vorhaben wie das Gro&szlig;projekt Stuttgart 21, den Ausbau des Frankfurter Flughafens, die Abholzung des Hambacher Forstes, oder die Elbvertiefung. Sie profitieren dar&uuml;ber hinaus als Bef&uuml;rworter der bestehenden Wirtschaftsordnung und damit der geltenden Besitz- und Herrschaftsstrukturen ebenso wie die &uuml;brigen Regierungsparteien von Spenden der Banken und Konzerne.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der Lauf der Welt ist gnadenlos: Wir werden alle &auml;lter<\/strong><\/p><p>Die &bdquo;taz&ldquo;-Kolumne lenkt den Blick auch auf einfachste Tatbest&auml;nde: Wir werden alle &auml;lter &ndash; in dieser Hinsicht ist die Konsequenz des Laufs der Welt gnadenlos. Denn eines Tages wird die Autorin ihre hier formulierte Botschaft gegen &ldquo;die Alten&ldquo; von ihren eigenen Kindern zu h&ouml;ren bekommen. Doch bis dahin hat sie mutma&szlig;lich Begr&uuml;ndungen parat, warum die einst selber geforderte Dem&uuml;tigung der Alten auf sie als alte Frau nicht angewendet werden soll. <\/p><p>Roths Kolumne weist den Blick auch auf Charakteristika des aktuellen Jugend-Hypes, die kritisch und mit Distanz verfolgt werden m&uuml;ssen. So sympathisch vielen Menschen &bdquo;Fridays for Future&ldquo; oder YouTuber wie Rezo sein m&ouml;gen: Man sollte m&ouml;glichst versuchen, zum in dieser Altersgruppe  teils verbreiteten emotionalen Sog und zu ihrer teils schrecklichen moralischen Eindeutigkeit geb&uuml;hrende Distanz zu halten.<\/p><p><strong>Wie man die Generationen gegeneinander aufhetzt<\/strong><\/p><p>Roths Argumentationen m&uuml;nden in der Forderung: &bdquo;Was wir brauchen, ist eine Epistokratie der Jugend: das Wahlalter herabsenken und nach oben begrenzen.&ldquo; Zugespitzt bedeute das, &bdquo;Unschuldige vor einer in fundamentalen Fragen inkompetenten W&auml;hlerklientel zu sch&uuml;tzen&ldquo;, so Roth, die folgert: &bdquo;Das kann man jetzt demokratiefeindlich finden, ich finde es nur vern&uuml;nftig, sich dar&uuml;ber zumindest mal Gedanken zu machen.&ldquo; <\/p><p>Ja: Man kann sich &uuml;ber alles M&ouml;gliche &ouml;ffentlich Gedanken machen &ndash; auch als Verantwortung tragende Ressort-Chefin. Und auch &uuml;ber demokratie- und verfassungs-feindliche Thesen, die zu neuen gesellschaftlichen Spaltungen f&uuml;hren werden. Aber sonst hat die &bdquo;taz&ldquo; f&uuml;r &bdquo;extreme&ldquo; Gedankenspiele eigentlich einen anderen Namen parat: &bdquo;Hasssprache&ldquo;.<\/p><p>Titelbild: mrmohock \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Entzug des Wahlrechts f&uuml;r &auml;ltere B&uuml;rger fordert ein infamer Text in der &bdquo;taz&ldquo;. Man k&ouml;nnte den Artikel ignorieren &ndash; doch er ist Zeichen einer bedenklichen Entwicklung, die &uuml;ber den Einzel-Beitrag hinausgeht. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":52268,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,158,183],"tags":[1112,590,2571],"class_list":["post-52265","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-generationenkonflikt","category-medienkritik","tag-buergerrechte","tag-taz","tag-wahlrecht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/shutterstock_791834821.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52265"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52291,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52265\/revisions\/52291"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/52268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}