{"id":52285,"date":"2019-06-04T09:10:21","date_gmt":"2019-06-04T07:10:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52285"},"modified":"2019-09-19T12:26:16","modified_gmt":"2019-09-19T10:26:16","slug":"die-gruenen-und-ihre-grandiose-differenz-zeit-fuer-eine-zerstoerung-althergebrachter-mythen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52285","title":{"rendered":"Die Gr\u00fcnen und ihre grandiose Differenz \u2013 Zeit f\u00fcr eine Zerst\u00f6rung althergebrachter Mythen"},"content":{"rendered":"<p>Die beiden ehemaligen Volksparteien kriseln und der Nutznie&szlig;er dieser selbstverschuldeten Probleme sind die Gr&uuml;nen, die in den ersten Umfragen sogar bereits die st&auml;rkste Kraft im Lande sein sollen. Bei den j&uuml;ngeren W&auml;hlern sind sie dies zweifelsohne schon jetzt. Ein regelrechter Gr&uuml;nen-Hype hat das Land erfasst. Kritische YouTuber warnen vor der Stimmabgabe f&uuml;r CDU und SPD und scheinen die Gr&uuml;nen als progressive Alternative zu sehen. Doch das ist zu kurz gesprungen und mag auch der Arbeitsverweigerung des kritischen Journalismus geschuldet sein, bei dem die Gr&uuml;nen und allen voran ihre beiden Vorsitzenden offenbar Welpenschutz genie&szlig;en. Zeit, den irrealen gr&uuml;nen Mythos zu dekonstruieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel ist auch als gestaltete, ausdruckbare PDF-Datei verf&uuml;gbar. Zum Herunterladen klicken Sie bitte auf das rote PDF-Symbol links neben dem Text. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>. 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Der wohl schlauste stammt ausgerechnet von der Ex-Gr&uuml;nen Jutta Ditfurth, die einst sagte: &bdquo;Alle Parteien machen ihren W&auml;hlern was vor, aber es gibt keine Partei, die eine so grandiose Differenz zwischen ihrem Image und ihrer Realit&auml;t hat wie die Gr&uuml;nen&ldquo;. Und dies ist sogar bei der ehemaligen Kernkompetenz der Gr&uuml;nen der Fall. Sicher &ndash; wenn man sich &bdquo;nur&ldquo; das Programm anschaut, so wirkt die Umwelt- und Klimapolitik der Partei im Vergleich zu vielen anderen Parteien (au&szlig;er der Linken) schon fast radikal. Wenn da nicht diese &bdquo;grandiose Differenz&ldquo; zwischen Programmatik und Realpolitik w&auml;re.<\/p><p><strong>Umwelt- und Klimaschutz &ndash; in der Theorie so la la, in der Praxis unehrlich <\/strong><\/p><p>Ein &bdquo;gutes&ldquo; Beispiel daf&uuml;r ist der vielzitierte Kohleausstieg. Hier hat die Bundesregierung mit ihrer Kohle-Kommission das Jahr 2038 als Ausstiegsjahr vorgesehen. Im Vergleich dazu wirkt das <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/energie\/kohlekompromiss-jetzt-umsetzen.html\">Ausstiegsszenario der Gr&uuml;nen<\/a>, das neben vielen vagen Formulierungen den Ausstieg gerade einmal drei Jahre auf das Jahr 2035 vordatiert, auch nicht eben &bdquo;&uuml;berambitioniert&ldquo;. Das ist auch der Grund, warum Friday-for-Future-Sprecherin Luisa Neubauer die Gr&uuml;nen &ndash; deren Mitglied sie selbst ist &ndash; <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/fridays-for-future-aktivistin-spricht-klartext-und-kritisiert-klimapolitik-gruenen-zr-12046048.html\">scharf kritisiert<\/a>. Und hier sind wir immer noch auf der programmatischen Ebene. Das Image der Kohlegegner f&auml;llt vollends in sich zusammen, wenn die Gr&uuml;nen mal in der Regierungsverantwortung sind. So haben sie als Juniorpartner der damaligen rot-gr&uuml;nen NRW-Landesregierung 2016 mit der sogenannten &bdquo;Leitentscheidung&ldquo; den Weg f&uuml;r die Abholzung des Hambacher Forstes <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/die-gruenen-und-der-hambacher-forst-an-der-seite-der-protestierer\/23170700.html\">erst freigemacht<\/a>. H&auml;tten die Gr&uuml;nen die Koalition damals wegen eines Waldes opfern sollen? Wenn der Kohleausstieg oben auf ihrer Priorit&auml;tenliste stehen w&uuml;rde, w&auml;re dem sicherlich so. Nat&uuml;rlich kann man als Juniorpartner nicht alle seine Inhalte umsetzen. Die Inhalte, die einem wirklich wichtig sind, sollte man aber schon umsetzen; wof&uuml;r regiert man sonst? Wenn sich also heute Annalena Baerbock im Hambacher Forst den Demonstranten anschlie&szlig;t, so ist dies ein weiteres Symptom f&uuml;r die &bdquo;grandiose Differenz&ldquo;, die jedoch von den W&auml;hlern partout nicht wahrgenommen werden will.<\/p><p>Die Fridays for Future sollen die Sorgen einer Jugend widerspiegeln, die von den &bdquo;alten wei&szlig;en M&auml;nnern&ldquo; der Volksparteien nicht wahrgenommen werden. Das mag so sein. Es ist aber ohne Zweifel auch so, dass diese Sorgen den alten wei&szlig;en M&auml;nnern der Gr&uuml;nen herzlich egal sind. Winfried Kretschmann, immerhin der bislang einzige gr&uuml;ne Ministerpr&auml;sident, macht sich beispielsweise viel mehr Sorgen um die Einhaltung der Schulpflicht als um das Weltklima. Die demonstrierenden Sch&uuml;ler br&auml;uchten sich daher, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article191245663\/Fridays-for-Future-Gruener-Kretschmann-hat-genug-von-den-Schulstreiks.html\">so Kretschmann<\/a>, auch nicht &uuml;ber Sanktionen wundern. Gut, dass der Rohrstock in Baden-W&uuml;rttemberg nicht mehr zum Schulinventar geh&ouml;rt. <\/p><p>Aber auch ansonsten gibt Winfried Kretschmann ein passendes Beispiel f&uuml;r die &bdquo;grandiose Differenz&ldquo; der Gr&uuml;nen. Traditionell l&auml;sst er sich mit einer tonnenschweren S-Klasse von Mercedes durchs L&auml;ndle chauffieren (Kretschmann: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/politik\/article13530599\/Ich-fahre-ja-keinen-Smart.html\">Ich fahre doch keinen Smart!<\/a>&ldquo;), die trotz Hybrid-Technologie vor allem mit Diesel angetrieben wird und beim CO2-Aussto&szlig; <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/parteien\/id_72953690\/umwelthilfe-kritisiert-kretschmann-steigt-auf-neues-auto-mit-mehr-co2-ausstoss-um.html\">&uuml;ber dem EU-Grenzwert liegt<\/a>. Zur beidseitigen Imagepolitur stellte ihm der Autohersteller Mercedes nun im Dezember ein 2,2 Tonnen schweres SUV auf den Hof, das immerhin mit Elektroantrieb und Brennstoffzelle ausger&uuml;stet ist. Diesen Wagen will Kretschmann nun als &bdquo;Zweitwagen&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.suedkurier.de\/ueberregional\/wirtschaft\/2-2-Tonnen-Gewicht-und-200-PS-Ministerpraesident-Kretschmann-nutzt-neuen-Wasserstoff-Daimler-nur-fuer-Stadtfahrten;art416,9996522\">f&uuml;r Stadtfahrten nutzen<\/a> &ndash; was dazu wohl die Jungw&auml;hler sagen?<\/p><p><strong>Krieg und Frieden &ndash; olivgr&uuml;ne Pickelhauben <\/strong><\/p><p>Als ausgerechnet die ehemals aus der Friedensbewegung hervorgegangenen Gr&uuml;nen die Bundesrepublik 1999 Seit&acute; an Seit&acute; mit der SPD in den ersten Angriffskrieg ihrer Geschichte schickten, war dies nichts weniger als eine Z&auml;sur f&uuml;r die Partei. Besonders bemerkenswert war dabei die Art und Weise, mit der die Bef&uuml;rworter von Kriegen den friedenspolitischen Fl&uuml;gel ihrer Partei in die Defensive dr&auml;ngten. Der damalige Au&szlig;enminister Joschka Fischer legitimierte den Kosovokrieg in einer Rede auf dem Sonderparteitag der Gr&uuml;nen in Bielefeld 1999 mit den Worten: &bdquo;Ich stehe auf zwei Grunds&auml;tzen, nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz, nie wieder V&ouml;lkermord, nie wieder Faschismus. Beides geh&ouml;rt bei mir zusammen.&ldquo; Die Meldungen, auf die Fischer sich berief, waren jedoch eiskalte L&uuml;gen, deren Ziel es war, die ehemals als Verteidigungsarmee konzipierte Bundeswehr als offensive Kriegsarmee einzusetzen und die friedenspolitische Zur&uuml;ckhaltung der alten Bundesrepublik ein und f&uuml;r alle Male auszumerzen. Der deutsche General a.D. Heinz Loquai, der damals als oberster deutscher Repr&auml;sentant der OSZE im Kosovo vor Ort war, bezeichnet diese L&uuml;ge Fischers in der sehenswerten WDR-Dokumentation &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZtkQYRlXMNU\">Es begann mit einer L&uuml;ge<\/a>&ldquo; folgenderma&szlig;en: &bdquo;Hier muss ich mich wirklich beherrschen, weil der Vergleich von Auschwitz mit der Situation im Kosovo eine ungeheuerliche Behauptung ist. Man muss sich als Deutscher sch&auml;men, dass deutsche Minister so etwas getan haben; denn ein normaler Deutscher wird vor Gericht zitiert, wenn er in einem derartigen Ma&szlig;e Auschwitz verharmlost&ldquo;. <\/p><p>Mit der Zustimmung zum Angriffskrieg auf Serbien war das Eis gebrochen und seitdem gefallen sich die Gr&uuml;nen in der Rolle der wohl kriegsfreudigsten Partei im Bundestag. Nat&uuml;rlich w&uuml;rden die Gr&uuml;nen die Bundeswehr nie f&uuml;r &Ouml;l oder die Rohstoff- und Handelsinteressen der deutschen Wirtschaft in den Krieg schicken. Gr&uuml;ne entsenden das Milit&auml;r, wenn es um humanit&auml;re Notlagen oder die Rechte von Frauen geht und nennen das dann &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18547\">Responsibility to protect<\/a>&ldquo;. Es ist nat&uuml;rlich praktisch, dass stets genau in den L&auml;ndern humanit&auml;re Katastrophen vermeldet werden, die im Visier der westlichen Wirtschaftsinteressen stehen. Die Situation der LBGT-Community in Katar, der Frauen in Saudi Arabien oder H&auml;ftlinge in Guantanamo wird da schnell unter den Tisch gekehrt &ndash; so sieht die &bdquo;grandiose Differenz&ldquo; halt aus.<\/p><p>Heute sind die Gr&uuml;nen von den im Bundestag vertretenen Parteien zudem die Partei mit der deutlichsten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44065\">antirussischen Positionierung<\/a>. Diese unselige Entwicklung ist auch das Ergebnis einer jahrzehntelangen Einflusspolitik neokonservativer und transatlantischer Einflussgruppen aus dem eigenen Hinterhof.<\/p><p>So hat der ehemalige Gr&uuml;nen-Spitzenpolitiker Ralf F&uuml;cks in seinen zwanzig Jahren als Vorstand die den Gr&uuml;nen nahestehende Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung zu einer Vorfeldorganisation des Liberalismus und einem Lautsprecher transatlantischer Sicherheitspolitik gemacht. Schon 2004 <a href=\"http:\/\/robert-zion.de\/parteiferne-anstiftung-2\/\">beklagte<\/a> der Gr&uuml;nen-Politiker Ludger Volmer die Verschiebung der Dialogstrategie der Stiftung &bdquo;weit nach rechts&ldquo;. Diese Rechtsverschiebung geht seitdem weiter. Man kooperiert lieber mit den neokonservativen Falken in Washington als mit der Friedensbewegung daheim, h&auml;lt von Entspannungspolitik nicht viel und hat auch ansonsten keine Ber&uuml;hrungs&auml;ngste mit Kriegstreibern. So geh&ouml;rten die beiden gr&uuml;nen au&szlig;enpolitischen Fachpolitiker Cem &Ouml;zdemir und Reinhard B&uuml;tikofer beispielsweise zu den Erstunterzeichnern eines Appells, der die EU und die NATO auffordert, die Partnerschaft mit Russland zu beenden und eine &bdquo;Pax Americana&ldquo; einzuleiten. <a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20070811110517\/http:\/\/www.newamericancentury.org\/russia-20040928.htm\">Initiator des Appells<\/a> war das &bdquo;Project for a New American Century&rdquo; &ndash; also die NeoCons, die George W. Bushs Kriegspolitik ma&szlig;geblich beeinflussten.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40429\">Cem &Ouml;zdemir<\/a> ist (wie auch Katrin G&ouml;ring-Eckardt und Claudia Roth zuvor) <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_Mitgliedern_der_Atlantik-Br%C3%BCcke\">Mitglied der Atlantik-Br&uuml;cke<\/a>, der <a href=\"http:\/\/atlantische-initiative.org\/ueber-uns\/verein\/\">Atlantischen Initiative<\/a> und wurde vom German Marshall Fund of the United States w&auml;hrend seiner &bdquo;politischen Auszeit&ldquo; alimentiert &ndash; der bereits 2002 vom World Economic Forum zum &bdquo;Global Leader of Tomorrow&ldquo; gek&uuml;rte Schwabe hatte es mit seiner Steuererkl&auml;rung nicht so genau genommen und sich dann ausgerechnet vom windigen PR-Unternehmer Moritz Hunziker finanziell unter die Arme greifen lassen. Reinhard B&uuml;tikofer sitzt im Vorstand des Aspen Instituts und der Gr&uuml;nen-Politiker Omid Nouripour sitzt sogar im <a href=\"https:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/die-atlantik-bruecke\/gremien\/\">Vorstand der Atlantik-Br&uuml;cke<\/a> und der <a href=\"https:\/\/ata-dag.de\/ueber-uns\/\">Deutschen Atlantischen Gesellschaft<\/a>.<\/p><p>Den transatlantischen Vogel schie&szlig;t jedoch das gr&uuml;ne Politikerp&auml;rchen Marieluise Beck und Ralf F&uuml;cks ab, das mit seinem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41124\">Zentrum Liberale Moderne (LibMod)<\/a> sogar ein eigenes Think Tank ins Leben gerufen hat, das direkt in den Fu&szlig;stapfen amerikanischer Falken unterwegs ist und sich in Deutschland vor allem wegen seiner nur noch pathologisch zu nennenden Russlandhetze einen Namen gemacht hat. Da verwundert es auch nicht, dass das Zentrum von der vom britischen Geheimdienst organisierten NATO-PR-Kampagne <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48281\">&bdquo;Integrity Initiative&ldquo;<\/a> als deutscher Kooperationspartner ausgew&auml;hlt wurde. Der ehemalige Gr&uuml;nen-Politiker Robert Zion <a href=\"http:\/\/robert-zion.de\/parteiferne-anstiftung-2\/\">vergleicht<\/a> das Politikerpaar Beck\/F&uuml;cks daher auch zu Recht mit dem neokonservativen amerikanischen Politikerpaar Victoria &bdquo;Fuck the EU&ldquo; Nuland und Robert Kagan.<\/p><p>Aus den Reihen des Gr&uuml;nen-Vorstands gab es nie nennenswerte Kritik an Beck oder F&uuml;cks und auch der offene Schulterschluss ihrer beiden wohl profiliertesten Au&szlig;enpolitiker &Ouml;zdemir und B&uuml;tikofer mit den Falken aus Washington, die seit nun fast zwanzig Jahren die Kriegspolitik der USA bestimmen, wird so akzeptiert. Daher muss man davon ausgehen, dass dies auch die offizielle praktische Linie der Gr&uuml;nen ist. Eine &bdquo;grandiosere Differenz&ldquo; als zwischen den Wurzeln als Friedenspartei und der Realit&auml;t als Kriegspartei unter den Fittichen der Washingtoner Falken kann es kaum geben. <\/p><p>Wer &ndash; vollkommen zu Recht &ndash; f&uuml;r eine humane Fl&uuml;chtlingspolitik eintritt und zeitgleich mit den Falken zusammenarbeitet, die f&uuml;r die Kriege verantwortlich sind, die Millionen Menschen zur Flucht zwingen, handelt unlauter. Es ist wichtig und richtig, dass der junge YouTuber wie Rezo die Drohnen-Morde kritisiert, die &uuml;ber das deutsche Ramstein befohlen werden. Gerade die Gr&uuml;nen z&auml;hlen jedoch zu den Parteien, die die geringsten Probleme mit der amerikanischen Kriegspolitik haben und sie im Kern auch voll und ganz mittragen. <\/p><p><strong>Soziales, Wirtschaft und &bdquo;Ged&ouml;ns&ldquo; &ndash; keine Kernthemen der Gr&uuml;nen<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend die SPD bis heute bei Wahlen unter den Folgen der von ihr zusammen mit den Gr&uuml;nen verantworteten Agenda-Politik samt Hartz IV leidet, nimmt man den Gr&uuml;nen ihre neoliberale Linie erstaunlicherweise nur sehr selten krumm. Dabei haben 2003 auch 90% der Gr&uuml;nen-Abgeordneten f&uuml;r die Agenda 2010 gestimmt, die nie nur ein &bdquo;Schr&ouml;dersches Projekt&ldquo; war, sondern stets von den Gr&uuml;nen mitgetragen wurde &ndash; und dies sogar mit weniger Widerspruch als innerhalb der SPD selbst.<\/p><p>Allein schon von daher ist es grotesk, wenn der YouTuber Rezo einerseits &auml;u&szlig;erst fachkundig die Folgen der neoliberalen Politik samt der damit verbundenen massiven Spreizung der Einkommen und Verm&ouml;gen sowie der als &bdquo;Sparpolitik&ldquo; verkauften K&uuml;rzungs- und Privatisierungspolitik gei&szlig;elt, dann aber eins und eins nicht zusammenz&auml;hlt und ausgerechnet die Gr&uuml;nen f&uuml;r diese Entwicklung nicht in Haftung nimmt. Daf&uuml;r gibt es keinen rationalen Grund. Die Gr&uuml;nen sind eine erwachsene Partei ohne Welpenschutz, die auch f&uuml;r die Folgen ihrer Politik auf Feldern in Haftung genommen werden muss, die nicht zu ihren Kernkompetenzen geh&ouml;ren. Es ist ja vollkommen klar, dass die Gr&uuml;nen sich nicht sonderlich f&uuml;r sozio&ouml;konomische Belange interessieren und auf diesen Politikfeldern eher zur Klientelpolitik f&uuml;r das liberale akademisch-urbane B&uuml;rgertum neigen. Man muss sich jedoch immer und immer wieder verdeutlichen, dass eben jene Politik die Ursache f&uuml;r genau diese Miseren ist, die abseits von Klima- und Netzpolitik gerade bei den j&uuml;ngeren W&auml;hlern ganz oben auf der Beschwerdeliste stehen. Mietwahnsinn, Kettenvertr&auml;ge, prek&auml;re Jobs, unterfinanzierte Unis mit straffen, auf die Interessen der Wirtschaft kanalisierten Studieng&auml;ngen sind nicht trotz, sondern wegen der Politik der Gr&uuml;nen entstanden. <\/p><p><strong>Die CDU zerst&ouml;ren? Aber nicht doch. Mit wem sollten die Gr&uuml;nen denn dann koalieren?<\/strong><\/p><p>Der gro&szlig;e Erfolg der Gr&uuml;nen bei den Europawahlen war in Teilen auch ein Aufbegehren j&uuml;ngerer W&auml;hlerschichten gegen die &ndash; sicher nicht zu Unrecht &ndash; als Altm&auml;nnerpartei empfundene CDU. Doch die Zeichen stehen &bdquo;gut&ldquo;, dass diese Jungw&auml;hler von ihren Gr&uuml;nen damit auch gleich die Lektion in Sachen &bdquo;Flexibilit&auml;t&ldquo; erteilt bekommen. Schon im Vorfeld schloss die gr&uuml;ne Spitzenkandidatin Ska Keller schlie&szlig;lich eine Wahl des CSU-Politikers Webers zum Kommissionschef <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/id_85806664\/keller-schliesst-wahl-webers-zum-kommissionschef-nicht-aus.html\">nicht aus<\/a>, der &uuml;brigens aus seiner Sympathie f&uuml;r die Gr&uuml;nen ebenfalls keinen Hehl macht und sie auch auf Bundesebene als &bdquo;realistische Koalitionsoption&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/neue-parteispitze-csu-vize-weber-lobt-gruene-a-1190313.html\">ansieht<\/a>. Diese an Selbstverleugnung erinnernde &bdquo;Flexibilit&auml;t&ldquo; hat bei den Gr&uuml;nen vor allem auf europ&auml;ischer Ebene selbst bei Fachpolitikern eine unselige Tradition. So hat der zweite Spitzenkandidat der Gr&uuml;nen, der Finanz- und Steuerexperte Sven Giegold, nach den Europawahlen 2014 ebenfalls den Kandidaten der konservativen EVP, Jean-Claude Juncker, bei dessen Kandidatur f&uuml;r die Kommissionspr&auml;sidentschaft <a href=\"https:\/\/sven-giegold.de\/warum-wir-juncker-als-kommissionspraesidenten-unterstuetzen\/\">unterst&uuml;tzt<\/a>. Gr&uuml;ne wie Giegold sind wahre politische Kontorsionsk&uuml;nstler und schaffen es, auf der einen Seite gegen Steueroasen zu wettern und im gleichen Atemzug den Architekten des Luxemburger Steuerdumping-Modells zum europ&auml;ischen Regierungschef zu machen. Wer gr&uuml;n w&auml;hlt, wacht daher auch all zu oft unter einer schwarzen Regierung auf. <\/p><p>Im politischen System der Bundesrepublik nahmen die Gr&uuml;nen bis vor kurzem vor allem die Funktion ein, die jahrzehntelang von der FDP wahrgenommen wurde &ndash; die des Juniorpartners in Koalitionen, des Mehrheitsbeschaffers, des Z&uuml;ngleins an der Waage. Zur Zeit sind die Gr&uuml;nen in acht Bundesl&auml;ndern in sieben verschiedenen Koalitionszusammensetzungen an der Regierung beteiligt &ndash; die oft zuerst genannte Machtoption Rot-Gr&uuml;n existiert nach dem SPD-Einbruch in Bremen heute nur noch in Hamburg. Dabei reicht das Spektrum von der Juniorpartnerschaft mit der CDU in Hessen &uuml;ber Jamaika in Schleswig-Holstein bis zu Rot-Rot-Gr&uuml;n unter unterschiedlicher F&uuml;hrung in Berlin und Th&uuml;ringen. In jeder zweiten Landesregierung, an der die Gr&uuml;nen beteiligt sind, ist &uuml;brigens auch die CDU beteiligt. Zumindest auf Landesebene sind die Gr&uuml;nen also schon heute der geborene Steigb&uuml;gelhalter f&uuml;r die bei den Jungw&auml;hlern ach so unbeliebte CDU. <\/p><p>Und diese Entwicklung d&uuml;rfte sich aller Voraussicht nach k&uuml;nftig noch verst&auml;rken. Momentan surfen die Gr&uuml;nen nat&uuml;rlich auf einer Erfolgswelle. Sie haben ein &auml;u&szlig;erst talentiertes, medienaffines und sympathisches, wenn auch auf inhaltlicher Ebene eher schwaches, F&uuml;hrungsduo, das vor allem im Vergleich zur Konkurrenz aus den anderen Parteien einfach frisch und modern wirkt. Man muss jedoch auch feststellen, dass sowohl Robert Habeck als auch Annalena Baerbock immer noch unter medialem Welpenschutz stehen, der sich schon bald in einen eisigen Gegenwind verwandeln d&uuml;rfte. Auch das Momentum aus h&auml;ufig schon ins Hysterische drehender Angst vor dem Klimawandel und der Selbstzerst&ouml;rung der politischen Konkurrenz von Linkspartei, SPD bis hin zur CDU wird sich sicherlich schon bald wieder legen. Aber auch ohne diese &bdquo;Sondereffekte&ldquo; d&uuml;rften die Gr&uuml;nen mittel- bis langfristig die zweitst&auml;rkste Kraft im Lande und damit in einem multipolaren Parteiensystem der ideale Mehrheitsbeschaffer und ideale Partner f&uuml;r die CDU werden. F&uuml;r eine &bdquo;gro&szlig;e Koalition&ldquo; wird es k&uuml;nftig rein rechnerisch meist nicht mehr reichen, da die SPD sich schrittweise in das Lager der Kleinparteien verabschiedet und die CDU auch nicht mehr an alte Zeiten mit Ergebnissen von 40% plus x ankn&uuml;pfen kann und sowohl Linke als auch AfD sind f&uuml;r die CDU als potentielle Koalitionspartner bestenfalls Notl&ouml;sungen. <\/p><p>In Zukunft d&uuml;rfte daher das Koalitionsmodell Schwarz-Gr&uuml;n auf L&auml;nder- und Bundesebene zum &bdquo;Normalfall&ldquo; werden. Konservativ, liberal mit einem Schuss &bdquo;Bio&ldquo; f&uuml;r das gute Gewissen und die Stimmen der Jungw&auml;hler. Wer auf die Gr&uuml;nen setzt, setzt also auf eine Fortf&uuml;hrung der heutigen Politik mit leichten kosmetischen Korrekturen. Progressiv oder gar revolution&auml;r ist daran aber gar nichts. Im Gegenteil. Die St&auml;rkung der Gr&uuml;nen verhindert die politische Erneuerung auf den allermeisten Gebieten und w&auml;re f&uuml;r die Au&szlig;en- und Sicherheits- sowie f&uuml;r die Sozialpolitik sogar ein herber R&uuml;ckschlag. Dies werden die Jungw&auml;hler nat&uuml;rlich auch noch merken. Sch&ouml;ner w&auml;re es jedoch, man k&ouml;nnte diese Lernphase einfach &uuml;berspringen. Fehlt nur noch ein progressiver YouTuber, der die Gr&uuml;nen &bdquo;zerst&ouml;rt&ldquo;. Der Kollege Tom Wellbrock hat dies bereits in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=irslbBF0sUA\">Podcast<\/a> versucht. Nachahmer gesucht!<\/p><p>Titelbild: B&uuml;ndnis90\/Die Gr&uuml;nen &ndash; &copy; Dominik Butzmann<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/13083233e61a4bb7b8db77ce640e758c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden ehemaligen Volksparteien kriseln und der Nutznie&szlig;er dieser selbstverschuldeten Probleme sind die Gr&uuml;nen, die in den ersten Umfragen sogar bereits die st&auml;rkste Kraft im Lande sein sollen. Bei den j&uuml;ngeren W&auml;hlern sind sie dies zweifelsohne schon jetzt. Ein regelrechter Gr&uuml;nen-Hype hat das Land erfasst. Kritische YouTuber warnen vor der Stimmabgabe f&uuml;r CDU und SPD<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52285\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,122,54,194,11],"tags":[1550,2328,423,814,2665,2666,1811,2211,714,1055,1710,759,2366,2467,1533,2175,1434,2301,1076,1611,1587,1338,687],"class_list":["post-52285","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-demoskopieumfragen","category-gestaltete-pdf","category-gruene","category-strategien-der-meinungsmache","tag-agenda-2010","tag-atlantik-bruecke","tag-austeritaetspolitik","tag-oezdemir-cem","tag-baerbock-annalena","tag-buetikofer-reinhard","tag-beck-marieluise","tag-fuecks-ralf","tag-fischer-joschka","tag-fluechtlinge","tag-fossile-energie","tag-giegold-sven","tag-habeck-robert","tag-hambacher-forst","tag-heinrich-boell-stiftung","tag-interventionspolitik","tag-keller-ska","tag-konfrontationspolitik","tag-kretschmann-winfried","tag-kriegsluegen","tag-schwarz-gruen","tag-transatlantiker","tag-ungleichheit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52285","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52285"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52285\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52310,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52285\/revisions\/52310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52285"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52285"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52285"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}