{"id":52357,"date":"2019-06-06T12:30:30","date_gmt":"2019-06-06T10:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52357"},"modified":"2019-06-07T07:24:29","modified_gmt":"2019-06-07T05:24:29","slug":"nehmt-allen-unter-50-das-wahlrecht-denn-sie-wissen-nicht-was-krieg-bedeutet-und-anderes-auch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52357","title":{"rendered":"Nehmt allen unter 50 das Wahlrecht! Denn sie wissen nicht, was Krieg bedeutet, und anderes auch nicht."},"content":{"rendered":"<p>Die Begr&uuml;ndung in der &Uuml;berschrift stimmt; die Empfehlung, den Jungen und J&uuml;ngeren das Wahlrecht zu entziehen, ist nat&uuml;rlich nicht ernst gemeint. Ich m&ouml;chte damit darauf aufmerksam machen, dass der im Anschluss an <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52265\">den taz-Artikel von Frau Roth<\/a> tobende Krieg der Generationen grotesk ist. Es gibt M&auml;ngel der politischen Wahrnehmung bei der &auml;lteren Generation und es gibt Defizite bei den Alten und bei den J&uuml;ngeren, wozu unten zehn Fragen aufgeworfen werden.  DIe Vorstellung, die politischen Entscheidungen in unserem Land w&uuml;rden vor allem entlang der Trennlinie von Generationen und im jeweiligen Generationsinteresse gef&auml;llt, ist abstrus. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel ist auch als gestaltete, ausdruckbare PDF-Datei verf&uuml;gbar. Zum Herunterladen klicken Sie bitte auf das rote PDF-Symbol links neben dem Text. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>. Wir bitten Sie um Mithilfe bei der Weiterverbreitung.<\/em><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7188\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-52357-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190606_Nehmt_allen_unter_50_das_Wahlrecht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190606_Nehmt_allen_unter_50_das_Wahlrecht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190606_Nehmt_allen_unter_50_das_Wahlrecht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190606_Nehmt_allen_unter_50_das_Wahlrecht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=52357-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190606_Nehmt_allen_unter_50_das_Wahlrecht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190606_Nehmt_allen_unter_50_das_Wahlrecht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die meisten politischen Entscheidungen fallen vermutlich nicht orientiert an den Interessen der einen oder der anderen Generation<\/strong><\/p><p>Die Scheidelinien laufen ganz anders: die politischen Entscheidungen orientieren sich zum Beispiel an der Trennlinie von lohnabh&auml;ngig Arbeitenden zu den Nachfragern nach Arbeitskr&auml;ften; so war es zum Beispiel bei der Entscheidung f&uuml;r die Agenda 2010. Politische Entscheidungen orientieren sich an den Interessen gro&szlig;er Konzerne und der Reichen, ganz egal, ob alt oder jung; sie orientieren sich meist <strong>noch<\/strong> an der Not der Armen. Die Entscheider in der Politik orientieren sich oft an den Interessen der R&uuml;stungswirtschaft, der Banken, der Lebensversicherer und anderer Gesch&auml;ftemacher. Politische Entscheider orientieren sich zudem allzu oft an alten Feindbildern. Der Westen ist gut und der Osten ist b&ouml;se &ndash; so die unterschwellige Tonlage vieler Entscheidungen. <\/p><p>Es ist erstaunlich und bedr&uuml;ckend zugleich, wie in der &ouml;ffentlichen Diskussion und auch in Leserbriefen zum uns&auml;glichen Kommentar von Frau Roth in der taz eine Art Kampf zwischen den Generationen beschworen wird. Dabei wird mit einer Unterstellung gearbeitet, die nicht nur dumm, sondern auch beleidigend ist. Es wird unterstellt, die Alten und Jungen w&uuml;rden, wenn sie w&auml;hlen, politisch arbeiten oder publizistisch t&auml;tig sind, vor allem an die Interessen ihrer eigenen Generation denken. <\/p><p>Den Wahnsinn, der eine solche Unterstellung f&uuml;ttert, m&ouml;chte ich an einem uns pers&ouml;nlich betreffenden praktischen Beispiel sichtbar machen: Seit Jahren k&auml;mpfen Reiner Heyse mit dem Kieler Seniorenaufstand, Anette Sorg und ich wie &uuml;brigens auch Prof. Gerd Bosbach f&uuml;r eine St&auml;rkung der Gesetzlichen Rente und f&uuml;r die Konzentration aller Mittel auf den Kampf gegen Altersarmut. Wir tun das wahrlich nicht aus eigenem Interesse: Unsere eigene Altersversorgung ist geregelt und gesichert. Bei keiner und keinem von uns spielt das Interesse unserer alten und &auml;lteren Generation irgend eine Rolle f&uuml;r unsere Haltung. Das gilt in &auml;hnlicher Weise f&uuml;r viele andere Menschen, die mit uns daf&uuml;r k&auml;mpfen, den Unsinn von Riester-Rente, R&uuml;rup-Rente und Entgeltumwandlung bei der betrieblichen Altersvorsorge endlich zu beenden. <\/p><p>Wenn einem dann unterstellt wird, wir w&uuml;rden nur nach den Interessen unserer (&auml;lteren) Generation handeln, dann k&ouml;nnen wir uns &uuml;ber so viel Ignoranz nur wundern. Die handelnden Personen auf der anderen Seite &ndash; zum Beispiel Riester, die Professoren R&uuml;rup und B&ouml;rsch-Supan, der Finanzdienstleister Maschmeyer und sein Gef&auml;hrte Gerhard Schr&ouml;der belegen eindrucksvoll, dass die Scheidelinien anders laufen: im konkreten Fall zwischen Menschen, die die Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzlichen Rente verbessern wollen und jenen, die aus der absichtlich betriebenen Erosion der Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzlichen Rente zugunsten eines neuen Gesch&auml;ftsfeldes der Versicherungskonzerne und Banken pers&ouml;nlichen Nutzen gezogen haben. Das hat viel mit politischer Korruption und mit Geld zu tun und nichts mit der Durchsetzung der Interessen der &auml;lteren Generation.<\/p><p>Die gute Altersversorgung f&uuml;r die Jungen wurde nicht von den Alten zerst&ouml;rt. Sie wurde von den Banken, den Versicherungskonzernen, einigen Finanzdienstleistern und Professoren zerst&ouml;rt. Sie wollten die Pr&auml;mien der Jungen kassieren bzw. der Finanzwirtschaft zuschanzen. Und sie hatten in dieser verr&uuml;ckten Debatte die Unterst&uuml;tzung fast aller etablierten Medien, der Bild-Zeitung zum Beispiel genauso wie die des &ldquo;Spiegel&rdquo;. <\/p><p>Auf den NachDenkSeiten informieren wir seit 15 Jahren &uuml;ber die laufenden Kampagnen. Hier ein Beispiel vom 07. Januar 2004: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48\">Die Agitation zum sogenannten demographischen Problem geht weiter<\/a>.<\/p><p>Und hier zwei Beispiele f&uuml;r die Agitation der etablierten Medien, einmal Spiegel und einmal BILD:<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190605-Kampf-der-Generationen-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190605-Kampf-der-Generationen-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190605-Kampf-der-Generationen-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190605-Kampf-der-Generationen-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Gerade auch die J&uuml;ngeren haben &uuml;brigens die abenteuerliche Begr&uuml;ndung, die Umorientierung hin zur staatlich gef&ouml;rderten Privatvorsorge sei wegen des demographischen Wandels notwendig, geglaubt und dieser demagogischen Begr&uuml;ndung zugejubelt. Das ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, dass die j&uuml;ngere Generation mindestens so sehr unter Ignoranz und einem Mangel, gezielte Manipulationen zu erkennen, leidet als unter dem Egoismus der Alten.<\/p><p><strong>Was zuvor beim Thema Altersvorsorge festgestellt wurde, gilt f&uuml;r die meisten anderen Felder der Politik und unseres Zusammenlebens auch. <\/strong><\/p><p>Wenn wir zum Beispiel f&uuml;r Verst&auml;ndigung und Frieden in Europa eintreten, wenn wir den Wahnsinn der Militarisierung der Politik bek&auml;mpfen, dann nicht, weil wir Alten und &Auml;lteren besonders viel davon haben w&uuml;rden, wenn Europa von einem Krieg oder sogar von einem Atomkrieg verschont bleibt.<\/p><p>Die in der neu belebten Debatte um Generationsinteressen auftauchende Verk&uuml;rzung der Politik auf die Interessen der jeweiligen Generation ist der helle Wahnsinn und zeugt von einem Niedergang der politischen Kultur.<\/p><p>Wenn aber Zweifel an der Politikf&auml;higkeit der Elterngeneration ge&auml;u&szlig;ert werden, was man ja tun kann, dann w&auml;re es nicht nur anst&auml;ndig, sondern auch sachlich sinnvoll zu fragen, wie es um das politische Bewusstsein und den kritischen Verstand bei J&uuml;ngeren bestellt ist:<\/p><p><strong>Zehn Fragen zum Stand des politischen Bewusstseins, des Wissens und des kritischen Verstandes insbesondere bei der j&uuml;ngeren Generation. Oder: Was skeptisch stimmt und fragen l&auml;sst:<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Nie wieder Krieg. &ndash; Ein besonders dringliches Thema ist das bei unserer Jugend vermutlich und offensichtlich nicht?<\/strong>\n<p>Klima ist mit Recht ein gro&szlig;es Thema und der Kampf gegen den Klimawandel bestimmt die Zukunft der jungen Generation, der &Auml;lteren und der Alten. Soweit so gut. Aber deshalb darf man doch die Gefahr eines Krieges nicht gering achten. Weil eine Sache wichtig ist, weil das Ziel, Klimawandel und Artenverfall zu stoppen, als wichtig erkannt und propagiert wird, kann man doch nicht beiseite schieben und vergessen, dass es eine Reihe von gleichfalls wichtigen politischen Zielvorstellungen gibt und dass man auch daf&uuml;r etwas tun muss. Der Kampf gegen Klimawandel, f&uuml;r Frieden und f&uuml;r Gerechtigkeit und Solidarit&auml;t geh&ouml;ren zusammen. <\/p>\n<p>Bei J&uuml;ngeren wird das Kriegsrisiko und die Sorge f&uuml;r ein friedliches Zusammenleben oft viel zu klein geschrieben.<\/p>\n<p>Dazu drei Beispiele: <\/p>\n<ul>\n<li>In der Gedankenwelt des Juso-Vorsitzenden K&uuml;hnert spielt der Kernsatz der Regierungserkl&auml;rung seines Genossen Willy Brandt von 1969 keine Rolle mehr. Er lautete: &ldquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein.&rdquo; Von Kevin K&uuml;hnert h&ouml;rt man dazu nichts. Im Gegenteil: Milit&auml;reins&auml;tze geh&ouml;ren nach der Vorstellung der Jusos offenbar ins Repertoire der Politik. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42421\">Siehe hier<\/a>. Dieser Generation sollen wir unsere Zukunft &uuml;berlassen?<\/li>\n<li>Bei den Friedensdemonstrationen und bei den Protesten in Ramstein gegen Drohneneins&auml;tze gibt es auch ein paar Jugendliche. Aber die Mehrheit der dort Versammelten stammt aus der &auml;lteren Generation. Muss das nicht nachdenklich stimmen? Muss das den Anspruch, als Jugend zu wissen, wo es lang gehen soll und die Verurteilung der &auml;lteren Generation als egoistisch zulasten der jungen nicht h&ouml;chst fragw&uuml;rdig erscheinen lassen?<\/li>\n<li>Der YouTuber Rezo, der verdienstvollerweise viel zur Politisierung junger Leute beigetragen hat, hat in seinem 55-min&uuml;tigen Video einiges Richtige zu Ramstein und zur Stationierung und Modernisierung von Atomwaffen in Deutschland gesagt. Dann hat er aber die Sorge um den Frieden und die Ablehnung von Atomwaffen und ihre Dislozierung in Deutschland in einem Interview mit &ldquo;Bento&rdquo; relativiert. Darauf haben wir gestern schon im Vorspann zu den Leserbriefen zu Rezo verwiesen und die entsprechende Passage zitiert. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52316\">Siehe hier<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weil das wichtig ist f&uuml;r die Einsch&auml;tzung dessen, was wir von unserer Jugend in der zentralen Frage von Krieg und Frieden erwarten k&ouml;nnen, zitiere ich von dort noch einmal:<\/p>\n<blockquote><p>\n<strong>Bento:<\/strong> Es stimmt, Wissenschaftler fordern mehr Radikalit&auml;t beim Klimaschutz. Die findet man aber nur bei wenigen Parteien. Gerade, weil dein Video auch andere Themen anspricht: W&auml;re da nicht etwas mehr Raum f&uuml;r Zweifel und Differenzierung angemessen?<\/p>\n<p><strong>Rezo:<\/strong> Ich beziehe die Wahlempfehlung klar auf die Klimapolitik der Parteien. Wenn ich jetzt nur &uuml;ber die amerikanischen Atomwaffen in Deutschland gesprochen h&auml;tte, w&auml;re ich vorsichtiger gewesen. Ich finde das zwar nicht gut, <strong>es gibt aber Argumente f&uuml;r die Gegenseite.<\/strong> Die Klimakrise ist aber so bedrohlich, dass es hier keine zwei Meinungen mehr geben kann, dass eine drastische &Auml;nderung notwendig ist.\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Was lernen wir daraus:<\/strong><\/p>\n<p>Dass es die Bedrohung durch die Klimakrise gibt, steht nicht zur Debatte. &ndash; <\/p>\n<p>Das sehe ich auch so.<\/p>\n<p>Dass es die Bedrohung durch Atombomben und einen Krieg\/Atomkrieg gibt, sei nicht eindeutig gekl&auml;rt. Da gebe es &bdquo;Argumente f&uuml;r die Gegenseite&ldquo;. Deshalb ist diese Bedrohung dann wohl nicht so bedrohlich. &ndash;<\/p>\n<p>Das sehen viele (mit mir) ganz anders als der Youtuber Rezo.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassende Einsch&auml;tzung:<\/strong><\/p>\n<p>Ich halte die junge Generation beim Thema Krieg und Frieden nicht f&uuml;r verl&auml;sslich. Kriege sind aus ihrer Sicht vermutlich weit weg, sie sind hierzulande schon lange her und &ndash; soweit aktuell &ndash; weit entfernt. Man kann also gut verstehen, dass die junge Generation nicht so besorgt ist wie die &Auml;lteren und die Alten, die Krieg noch erlebt haben und wissen, was das ist. <\/p>\n<p>Aus diesem Grund sollte die junge Generation froh sein, dass es die alten Omas und Opas noch gibt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Anders als der Generation der 68-er ist den Jungen von heute die Gefahr, die aus der Vorherrschaft des US-amerikanischen Imperiums folgt, nicht sehr pr&auml;sent. <\/strong>\n<p>Sehen sie, was es bedeutet, dass und wie die USA Sanktionen &uuml;ber alle verh&auml;ngen, die ihnen nicht in den Kram passen? <\/p>\n<p>Gibt es in der jungen Generation noch eine nennenswerte Zahl von Menschen, die sich f&uuml;r den eigenen Weg eines Volkes wie zum Beispiel des kubanischen Volkes oder fr&uuml;her der Menschen in Nicaragua engagieren w&uuml;rden? Wo ist die Unterst&uuml;tzung der jungen Generation f&uuml;r V&ouml;lker, die gesellschaftspolitisch und wirtschaftspolitisch einen anderen als den neoliberalen Weg gehen wollen?<\/p>\n<p>K&uuml;mmert sie das Problem des Regime Change und der dahinter steckenden Ideologie und Anspr&uuml;che nicht? Die NachDenkSeiten brachten gestern <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52325\">den Beitrag<\/a> eines fr&uuml;heren deutschen Botschafters zum Regime-Change-Anspruch des Westens und seiner Gef&auml;hrlichkeit. Ob junge Leserinnen und Leser darin &uuml;berhaupt ein Problem sehen? Wird bei ihnen die Kritikf&auml;higkeit und Kritikbereitschaft in einem solchen Fall &uuml;berlagert von der Propaganda f&uuml;r &ldquo;Demokratie und Menschenrechte&rdquo;, wie es so sch&ouml;n eing&auml;ngig hei&szlig;t?<\/p><\/li>\n<li><strong>Daran anschlie&szlig;end die Frage: Sehen die Jungen noch eine Gef&auml;hrdung der demokratischen Verh&auml;ltnisse durch die g&auml;ngig werdende Manipulation von Menschen? <\/strong>\n<p>Ist Meinungsmache f&uuml;r diese junge Generation so g&auml;ngig, dass sie gar kein Problem mehr darstellt? Wo bleibt die Anti-Springer-Kampagne? Wo bleibt die Kritik an unseren auch ansonsten ziemlich angepassten und oberfl&auml;chlichen Hauptmedien?<\/p>\n<p>Die Mitbegr&uuml;nderin der NachDenkSeiten, Anke Bering-M&uuml;ller, hat als Studentin zusammen mit anderen jungen Leuten die Auslieferung der Bild-Zeitung in Berlin blockiert, weil BILD beim damaligen Schah-Besuch gegen die Demonstranten gehetzt hatte. Da ging es auch um die Gef&auml;hrdung der demokratischen Willensbildung durch m&auml;chtige Medien. Ihre Macht ist nicht geringer geworden, im Gegenteil. Wo bleiben die Jungen heute?<\/p><\/li>\n<li><strong>&ldquo;Jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied&rdquo; &ndash; Wird diese Kernformel der neoliberalen Ideologie &uuml;berhaupt noch als problematisch erkannt? <\/strong>\n<p>Das neoliberale Versprechen, jeder sei seines Gl&uuml;ckes Schmied, enth&auml;lt im Kern eine sehr jugendgem&auml;&szlig;e Hoffnung. Erkennen junge Menschen noch die Verlogenheit dieser Parole? Wissen Sie, warum das nicht stimmt? <\/p>\n<p>Da die J&uuml;ngeren oft um vieles solidarischer miteinander umgehen als alte Menschen, m&uuml;sste Skepsis gegen&uuml;ber der neoliberalen Parole eigentlich naheliegen. Vielleicht ist es so. Dann w&auml;re das ein Hoffnungszeichen. Aber sicher bin ich nicht.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wird die Bedeutung der sozialen Sicherheit noch erkannt und gesch&auml;tzt? <\/strong>\n<p>Da viele junge Menschen in ungesicherten Arbeitsverh&auml;ltnissen leben, da viele keine Perspektive haben, im Alter gesichert zu sein und die Arbeitslosenversicherung durch Hartz IV ohnehin besch&auml;digt ist, kann man jungen Menschen nicht &uuml;belnehmen, wenn ihnen die Bedeutung der sozialen Sicherheit und die Bedeutung eines sicheren Jobs nicht so pr&auml;sent sind wie den Alten. Sie m&uuml;ssten ja verzweifeln, weil es so schwierig ist, die fr&uuml;her selbstverst&auml;ndliche soziale Sicherheit zu erreichen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang bleibt darauf hinzuweisen: Wer die Herzen und Sinne der Mehrheit der Menschen f&uuml;r den Kampf gegen den Klimawandel &ouml;ffnen will, muss ihnen &ouml;konomische und soziale Sicherheit verschaffen. Jedenfalls hilft das. Ich erinnere an Berthold Brecht: Erst das Fressen, dann die Moral.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wird die gro&szlig;e Bedeutung kollektiven Handelns noch erkannt?<\/strong>\n<p>Warum sich die Lohnabh&auml;ngigen im 19. Jahrhundert zusammengeschlossen haben, warum es Gewerkschaften gibt, wissen vermutlich die meisten jungen Leute nicht mehr und viele verzichten ja auch darauf, Mitglied einer Gewerkschaft zu werden. Deren Mitgliederzahlen gehen zur&uuml;ck. Der Organisationsgrad sinkt. Die Gewerkschaften verlieren an Gewicht. Glauben die Jungen wirklich, dass dies ohne Folgen f&uuml;r ihr Gewicht auf dem Arbeitsmarkt und damit auch f&uuml;r ihre L&ouml;hne und Geh&auml;lter bleibt?<\/p><\/li>\n<li><strong>Ist der jungen Generation die Problematik von Privatisierungen noch bewusst? <\/strong>\n<p>Wundern sie sich noch, wenn Schulen und Universit&auml;ten privatisiert und damit auch Bildung kommerzialisiert wird? Denken relevant viele junge Menschen dar&uuml;ber nach, wie die Balance zwischen privater Produktion und &ouml;ffentlicher Produktion f&uuml;r die Daseinsvorsorge aussehen sollte und k&ouml;nnte? <\/p><\/li>\n<li><strong>Wird Spekulation noch als etwas Kritischzubetrachtendes wahrgenommen?<\/strong>\n<p>Oder geh&ouml;rt Spekulation schon zum Alltagsgesch&auml;ft?<\/p><\/li>\n<li><strong>Gibt es in der Welt der jungen Generation Zirkel, die sich ernsthaft und sachverst&auml;ndig Gedanken &uuml;ber die Gestaltung unserer Gesellschaft und Wirtschaft machen?<\/strong>\n<p>Denken junge Leute &uuml;ber das nach, was man mal Social Technique nannte? Gesellschaftliche Techniken zur einigerma&szlig;en vern&uuml;nftigen Regelung unseres Zusammenlebens &ndash; gibt es diese Zirkel?<\/p><\/li>\n<li><strong>Ist die junge Generation gefeit, jedenfalls besser als die Alten gefeit gegen modisch bedingte Wahlentscheidungen? <\/strong>\n<p>Der massive Zulauf zu den Gr&uuml;nen, wie das bei der Europawahl sichtbar wurde, zeigt, dass offensichtlich viel Irrationalit&auml;t im Spiel ist. Die junge Generation ist genauso wie die Alten nicht gefeit gegen den Hang zu modischen Trends, die durch Propaganda und Imagebildung erzeugt werden. Ich verweise auch auf diesen Beitrag von Jens Berger auf den NachDenkSeiten: &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52285\">Die Gr&uuml;nen und ihre grandiose Differenz &ndash; Zeit f&uuml;r eine Zerst&ouml;rung althergebrachter Mythen<\/a>&ldquo;.<\/p>\n<p>Politische Entscheidungen wie Wahlentscheidungen an einem einzigen Thema und Ziel aufzuh&auml;ngen, ist in jedem Fall fragw&uuml;rdig .<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Einordnung:<\/strong><\/p><p>Mit diesen kritischen Anmerkungen zu den erkennbaren Defiziten der jungen Generation wird selbstverst&auml;ndlich nicht gleichzeitig gesagt, dass es bei den &Auml;lteren besser auss&auml;he. Ich wollte nur auf ein paar wichtige Details und notwendige Verbesserungen aufmerksam machen und nicht behaupten, die Entscheidungsgrundlagen und Hintergr&uuml;nde der &auml;lteren Generation seien in jedem Fall und um so vieles besser als die der Jugend.<\/p><p>Eines aber kann man mit Sicherheit sagen: Es ist mies und falsch, die Generationen gegeneinander auszuspielen und aufeinander zu hetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Begr&uuml;ndung in der &Uuml;berschrift stimmt; die Empfehlung, den Jungen und J&uuml;ngeren das Wahlrecht zu entziehen, ist nat&uuml;rlich nicht ernst gemeint. Ich m&ouml;chte damit darauf aufmerksam machen, dass der im Anschluss an <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52265\">den taz-Artikel von Frau Roth<\/a> tobende Krieg der Generationen grotesk ist. Es gibt M&auml;ngel der politischen Wahrnehmung bei der &auml;lteren Generation und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52357\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":52358,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,158,54,123,127,161],"tags":[1519,1302,442,2013,904,288,273,1418,1556,2571],"class_list":["post-52357","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-generationenkonflikt","category-gestaltete-pdf","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-wertedebatte","tag-atomwaffen","tag-daseinsvorsorge","tag-eigenverantwortung","tag-entspannungspolitik","tag-grv","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-privatvorsorge","tag-regime-change","tag-usa","tag-wahlrecht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/190605-Kampf-der-Generationen.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52357"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52366,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52357\/revisions\/52366"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/52358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}