{"id":52371,"date":"2019-06-07T08:43:45","date_gmt":"2019-06-07T06:43:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52371"},"modified":"2019-06-07T19:10:12","modified_gmt":"2019-06-07T17:10:12","slug":"klimadebatte-angst-und-panik-sind-schlechte-ratgeber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52371","title":{"rendered":"Klimadebatte \u2013 Angst und Panik sind schlechte Ratgeber"},"content":{"rendered":"<p>Erst die junge Greta Thunberg, dann die Sch&uuml;lerproteste und zuletzt der gro&szlig;e Wahlerfolg der Gr&uuml;nen &ndash; keine Frage, der Klimawandel und insbesondere die Debatte um die Reduzierung des Treibhausgases Kohlendioxid ist zur Zeit das bestimmende politische Thema im Lande. Und das ist auch gut so, ist das Thema doch immens wichtig und wurde allzu lange vernachl&auml;ssigt. Gar nicht gut ist jedoch, dass die Debatte auch von Seiten der Wissenschaft immer emotionaler gef&uuml;hrt wird und in Panik und Hysterie abzugleiten droht. Dabei w&auml;re es gerade bei diesem wichtigen Thema n&ouml;tig, Aktionismus und Schnellsch&uuml;sse zu vermeiden und auf rationaler Ebene konstruktive Ma&szlig;nahmen zu entwickeln, die sich nicht nur auf die Reduzierung der Emissionen, sondern auch auf die Bew&auml;ltigung der Folgen des kommenden Klimawandels konzentrieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel ist auch als gestaltete, ausdruckbare PDF-Datei verf&uuml;gbar. Zum Herunterladen klicken Sie bitte auf das rote PDF-Symbol links neben dem Text. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>. Wir bitten Sie um Mithilfe bei der Weiterverbreitung.<\/em><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2103\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-52371-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190607_Klimadebatte_Angst_und_Panik_sind_schlechte_Ratgeber_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190607_Klimadebatte_Angst_und_Panik_sind_schlechte_Ratgeber_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190607_Klimadebatte_Angst_und_Panik_sind_schlechte_Ratgeber_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190607_Klimadebatte_Angst_und_Panik_sind_schlechte_Ratgeber_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=52371-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190607_Klimadebatte_Angst_und_Panik_sind_schlechte_Ratgeber_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190607_Klimadebatte_Angst_und_Panik_sind_schlechte_Ratgeber_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Zu den Hintergr&uuml;nden der Debatte sei hier w&auml;rmstens der Artikel <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Das-CO2-Syndrom-4418663.html\">&bdquo;Das CO2-Syndrom&ldquo;<\/a> von Friedrich Homann empfohlen, den Telepolis vor einer Woche ver&ouml;ffentlicht hat.<\/em><\/p><p>Um eine Ahnung von den Dimensionen zu bekommen, von denen in der Klimadebatte die Rede ist, lohnt sich ein Blick auf die Zahlen. Deutschland st&ouml;&szlig;t zur Zeit 800 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in die Atmosph&auml;re aus. Bis 2030 soll diese Zahl auf 474 Millionen Tonnen sinken. Daf&uuml;r m&uuml;sste der Aussto&szlig; um rund 325 Millionen Tonnen heruntergefahren werden. Das entspricht der Summe, die alleine Indien zur Zeit innerhalb von nur zwei Jahren zus&auml;tzlich(!) ausst&ouml;&szlig;t &ndash; die CO2-Emissionen stiegen dort im letzten Jahr <a href=\"https:\/\/www.thehindubusinessline.com\/news\/global-emissions-india-4th-highest-emitter-of-co2-study\/article25677626.ece\">um 6,3%<\/a>. Weltweit sind die CO2-Emissionen im letzten Jahr um 2,7% gestiegen, was in der Summe mehr ist als der komplette deutsche Aussto&szlig;. Man sollte diese ern&uuml;chternden Zahlen um Himmels Willen nicht als Ausrede daf&uuml;r benutzen, nichts zu tun, da man als &bdquo;kleines Land&ldquo; ohnehin nichts &auml;ndern k&ouml;nne. Diese Zahlen sollten jedoch die Allmachtphantasien, die stellenweise bei der Debatte durchklingen, d&auml;mpfen. Deutschland wird die Welt nicht retten, egal wie sehr wir uns anstrengen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190606-Klimadebatte-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190606-Klimadebatte-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Am 12. Dezember 2015 verabschiedeten die Staaten auf der UN-Klimakonferenz in Paris ein &Uuml;bereinkommen, in dem sie sich verpflichteten, Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, um die menschgemachte globale Erw&auml;rmung auf deutlich unter 2 Kelvin gegen&uuml;ber den Werten vor der Industrialisierung zu begrenzen. Daf&uuml;r m&uuml;sste jedoch nach den Rechenmodellen der Klimaforscher der Gipfel des globalen CO2-Aussto&szlig;es sp&auml;testens im n&auml;chsten Jahr seinen H&ouml;hepunkt erreichen und je nach Rechenmodell m&uuml;ssten ab 2030 bis sp&auml;testens ab 2050 die globalen CO2-Emissionen auf Null gehen. Man muss wohl kein geborener Pessimist sein, wenn man diese Vorgaben anhand der aktuellen Entwicklungen f&uuml;r vollkommen unrealistisch h&auml;lt. <\/p><p><strong>Wir reden von der Energiewende, Indien feiert die Kohle<\/strong><\/p><p>Auf globaler Ebene spielen nun einmal andere Faktoren eine Rolle als hierzulande. Die Weltbev&ouml;lkerung w&auml;chst rasant und Globalisierung und technischer Fortschritt haben dazu gef&uuml;hrt, dass in vielen Schwellen- und Entwicklungsl&auml;ndern der Lebensstandard merklich steigt. China ist da ein fast schon &uuml;berstrapaziertes Beispiel, denn in fast allen s&uuml;dasiatischen Staaten findet dieser Wandel statt. Alleine Indien, das schon bald bev&ouml;lkerungsreichste Land der Welt, w&auml;chst seit der Jahrtausendwende wirtschaftlich fast durchg&auml;ngig um deutlich mehr als 5% pro Jahr. Im letzten Jahr waren es 8%. Befeuert wird dieses rasante Wachstum durch billigen Kohlestrom. Zur Zeit betr&auml;gt der Kohleanteil an Indiens Strommix 56%. Bis 2040 soll dieser Wert <a href=\"https:\/\/economictimes.indiatimes.com\/industry\/energy\/power\/india-will-not-be-able-to-achieve-its-renewable-energy-targets-anytime-soon\/articleshow\/69286279.cms\">auf 48% sinken<\/a>. Nicht nur Deutschland hat ein Problem, die in Paris gegebenen Zusagen einzuhalten. Indiens Problem ist jedoch anders gestaffelt. Auf dem Subkontinent ist nur jeder dritte Haushalt an das Stromnetz angeschlossen und das Ziel der Regierung ist es zun&auml;chst, m&ouml;glichst viele Haushalte mit m&ouml;glichst billigem Strom zu versorgen. Und Indien ist mit dieser Situation kein Einzelfall, sondern durchaus repr&auml;sentativ f&uuml;r die Entwicklungsl&auml;nder des globalen S&uuml;dens.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190606-Klimadebatte-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190606-Klimadebatte-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Doch derlei Feinheiten gehen in der oft postmaterialistisch gef&uuml;hrten Debatte in Deutschland meist unter. Es macht aber schon einen Unterschied, ob ein Inder nun der Elektrifizierung seines Hauses und vielleicht seinem ersten K&uuml;hlschrank entsagen soll oder ein Deutscher auf &Ouml;kostrom umstellt und den dritten K&uuml;hlschrank stilllegt. Es ist ziemlich zynisch, den Menschen im S&uuml;den zu sagen, dass die Party, auf die sie nie eingeladen waren, nun vorbei ist, weil wir im Norden &uuml;ber ein Jahrhundert konsumiert haben, als g&auml;be es kein Morgen und &bdquo;wir&ldquo; nun global den G&uuml;rtel enger schnallen m&uuml;ssen. <\/p><p><strong>Ein paar Zahlen und Zusammenh&auml;nge<\/strong><\/p><p>Ist die Lage also hoffnungslos und sollten wir lieber dem Fatalismus fr&ouml;nen? Auf keinen Fall. Sonst w&uuml;rden wir selbst in die Falle geraten, die Hysterie zu ernst zu nehmen, mit der einige Wissenschaftler die Politik anregen wollen, endlich &uuml;berhaupt mal t&auml;tig zu werden. Schlussendlich geht es bei der gesamten Debatte darum, die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosph&auml;re so gering wie m&ouml;glich zu halten. Es geht dabei um Kohlendioxid  aus der Verbrennung von W&auml;ldern und fossilen Brennstoffen, um Methan, um Lachgas und die F-Gase, aber auch um sogenannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kohlenstoffsenke\">Kohlenstoffsenken<\/a> wie W&auml;lder und Ozeane, die Kohlendioxid aufnehmen und speichern. Die gesamte Debatte wird jedoch gerne auf die Kohlendioxide reduziert, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen.<\/p><p>Kohlendioxid ist ein Treibhausgas, das in einem komplizierten Wechselspiel mit Wasserdampf daf&uuml;r sorgt, dass die Erdw&auml;rme nicht unreflektiert in das All abgestrahlt wird. Ohne Treibhausgase h&auml;tten wir auf der Erde eine Durchschnittstemperatur von -18&deg;. Vor der Industrialisierung lag die CO2-Konzentration in der Atmosph&auml;re bei rund 280 bis 300ppm und die globale Durchschnittstemperatur betrug rund 15&deg; C. Zur Zeit liegt die CO2-Konzentration bei etwas &uuml;ber 400ppm und die Durchschnittstemperatur ist bereits um 1,1 K gestiegen. Was gerne vergessen wird: Wir reden hier nicht nur &uuml;ber kommende, sondern auch &uuml;ber aktuelle Entwicklungen. <\/p><p>Um das 2&deg;-Ziel einzuhalten, d&uuml;rfte die Konzentration den Rechenmodellen bis 2050 zufolge nicht &uuml;ber 450ppm steigen. Im Worst-Case-Szenario, das eintritt, wenn die Weltgemeinschaft gar nichts unternimmt, wird die Konzentration bis 2100 auf 750ppm steigen und dementsprechend zu hohen Temperatursteigerungen zwischen 3,7&deg; und 7,8&deg; f&uuml;hren. Wir sprechen also im weitesten Sinne &uuml;ber einen Korridor, in dem sich die Temperatursteigerung abspielen wird. Die Welt wird nicht untergehen, wenn die Ziele von Paris nicht eingehalten werden und die Temperatur dann am Ende des Jahrhunderts nicht um 2,0&deg;, sondern vielleicht um 2,3&deg; oder 2,6&deg; steigt. Die Folgen werden jedoch mit jeder Gigatonne Kohlendioxid und nat&uuml;rlich auch jeder Tonne der anderen Treibhausgase schlimmer. Und darauf m&uuml;ssen wir uns einstellen. Ob wir es wollen oder nicht. Der Klimawandel findet bereits statt und nun brauchen wir konstruktive L&ouml;sungen.<\/p><p><strong>Don&acute;t panic!<\/strong><\/p><p>Bei der gesamten Debatte sollte man sich besser gar nicht ernsthaft mit exotischen Aussagen besch&auml;ftigen, die den menschgemachten Klimawandel bestreiten. Das kostet Zeit und Energie und f&uuml;hrt zu nichts. Auf der anderen Seite sollten jedoch auch und gerade die Klimawissenschaftler wieder auf den Boden der Wissenschaft zur&uuml;ckkommen und nicht durch immer schrillere PR die Debatte emotionalisieren. Wissenschaft soll rationale Erkl&auml;rungen liefern. Diese Unterscheidung wird von vielen Klimawissenschaftlern und insbesondere den &bdquo;Scientists for Future&ldquo; leider nicht immer vorgenommen. Greta Thunberg ist mit dem Zitat &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RjsLm5PCdVQ\">I want you to panic<\/a>&ldquo; ber&uuml;hmt geworden. Das ist auch ihr gutes Vorrecht und ein 16-j&auml;hriges M&auml;dchen darf nat&uuml;rlich emotional &bdquo;&uuml;berziehen&ldquo;, um auf ihr Ziel aufmerksam zu machen. F&uuml;r erwachsene Wissenschaftler gilt dies jedoch nicht.<\/p><p>Panik und Angst f&uuml;hren nur zu sinnlosem Aktionismus und gerade in der wichtigen Klimadebatte sollten wir uns lieber von k&uuml;hler Ratio als von Aktionismus treiben lassen. Die allseits panisch gepriesene Elektromobilit&auml;t ist beispielsweise bei n&auml;herer Betrachtung <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50701\">auch keine L&ouml;sung<\/a> aus der Misere. Dummerweise bevorzugt unsere Politik jedoch stets L&ouml;sungen, die den Umsatz der Wirtschaft ankurbeln. Dabei w&auml;re es aus &ouml;kologischer Sicht f&uuml;r einen &bdquo;Wenigfahrer&ldquo; wesentlich sinnvoller, sich einen alten Gebrauchtwagen mit Verbrennungsmotor zu kaufen, als sich ein neues E-Mobil auf den Hof zu stellen. Doch &bdquo;&Ouml;kopr&auml;mien&ldquo;, mit denen man die Lebenszeit alter Gebrauchtwagen noch einmal um zwei, drei Jahre verl&auml;ngern kann, werden wir wohl niemals zu sehen bekommen. Und in Zeiten des globalen Handels mit all seinen klima- und umweltsch&auml;dlichen Folgen bleibt der Ruf nach einer Regionalisierung der Konsumkette auch meist ungeh&ouml;rt.<\/p><p>Es ist ohnehin fraglich, ob wir gut beraten sind, die Menschen vor allem durch Verzichtsappelle und angedrohte Steuern auf klimasch&auml;dliche Aktivit&auml;ten zum Klimaschutz zu bewegen. Weil Massentierhaltung klimasch&auml;dlich ist, trinkt man halt morgens die Soja- oder Reismilch, die unter gro&szlig;em energetischen Aufwand oft mit importierten Rohstoffen aus Asien hergestellt wurde. Und um noch mehr Kohlendioxid zu sparen, f&auml;hrt man nun nicht mehr mit dem SUV, sondern mit dem E-Bike zum B&auml;cker. Warum nicht mit einem klimaneutralen normalen Fahrrad, das mit Muskelkraft angetrieben wird? Sinnvoll ist das alles nicht. Und die Politik schafft es auch nicht, alte Pfade zu verlassen und konstruktive, vielleicht auch mal unkonventionelle Wege zu gehen.<\/p><p><strong>Konstruktive L&ouml;sungen sind gefragt<\/strong><\/p><p>Viel wichtiger als der reine Verzicht, der vor allem auf globaler Ebene ohnehin die Probleme nicht einmal im Ansatz l&ouml;sen wird und von den Entwicklungs- und Schwellenl&auml;ndern auch ohne ein &Uuml;berma&szlig; an Zynismus kaum einzufordern w&auml;re, ist die Entdeckung, Entwicklung und Verbreitung kliman&uuml;tzlicher Techniken und Prozesse. Man sollte den Menschen nicht ihren Wunsch auf Mobilit&auml;t und Komfort beschneiden, sondern Mobilit&auml;t und Komfort mittels technischer Innovationen klimafreundlich machen. Diese Techniken m&uuml;ssen nat&uuml;rlich zu einem gro&szlig;en Teil erst noch entwickelt werden. Aber wir sprechen hier immerhin von einem der wichtigsten, wenn nicht gar dem wichtigsten Projekt der Menschheit.<\/p><p><strong>Warum diskutieren wir in den westlichen Staaten ernsthaft &uuml;ber ein 2%-Ziel bei den R&uuml;stungsausgaben? W&auml;re nicht ein 1%-Ziel f&uuml;r Ausgaben in die Forschung und Entwicklung von Techniken zur Bew&auml;ltigung der Klimawandelfolgen ein viel wichtigeres und nachhaltigeres Projekt?<\/strong> Dies w&auml;re auch &ndash; um es mit abgeschmackten Worten zu sagen &ndash; alternativlos, da man vielleicht mit &auml;u&szlig;erster Anstrengung die Europ&auml;er und US-Amerikaner zu freiwilligem Verzicht &uuml;berreden k&ouml;nnte, dies f&uuml;r die Bewohner von Regionen mit materiellem Nachholbedarf vollkommen illusorisch erscheint. Der 25-j&auml;hrige Familienvater aus Yangon, Hyderabad oder Daressalam wird nicht deshalb auf den ersten K&uuml;hlschrank seines Lebens verzichten, weil die Erzeugung der Energie f&uuml;r dieses Ger&auml;t einen mikroskopisch kleinen Teil dazu beitr&auml;gt, dass es weltweit w&auml;rmer wird. Und angesichts der t&auml;glichen Katastrophen in diesen L&auml;ndern, die uns sonst ja auch nicht interessieren, w&auml;ren dies ohnehin verlogen. Der richtige Ansatz w&auml;re vielmehr, die Stromerzeugung in den Entwicklungs- und Schwellenl&auml;ndern klimafreundlich zu machen und keinen Verzicht einzufordern. Aber daf&uuml;r m&uuml;ssen wir nat&uuml;rlich erst einmal selbst mit gutem Beispiel vorangehen und diese Techniken entwickeln. Es ist viel zu tun.<\/p><p><strong>Warum spricht niemand &uuml;ber die Klimawandelfolgenpr&auml;vention?<\/strong><\/p><p>Wir m&uuml;ssen uns endlich von der Einengung der gesamten Debatte auf die Reduktion des CO2-Austo&szlig;es verabschieden. Dies ist zwar wichtig, keine Frage. <strong>Wir wissen aber auch, dass bestimmte Folgen des Klimawandels auch dann eintreten werden, wenn wir Deutschen schon morgen gar kein CO2 mehr aussto&szlig;en w&uuml;rden.<\/strong> Wenn man ein wenig pathetisch sein will, k&ouml;nnte man sagen, dass wir die gesamte Debatte nur aus T&auml;tersicht betrachten und die Opfer uns dabei nicht sonderlich interessieren. <\/p><p>Der Klimaforscher Hans von Storch stellte dazu schon 2003 in einem &auml;u&szlig;erst lesenswerten <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-28325115.html\">SPIEGEL-Interview<\/a> die ketzerische Frage: &bdquo;Sollen wir Unsummen f&uuml;r eine CO2-Reduktion ausgeben, damit der Wasserstand in Bangladesch in 100 Jahren um zehn Zentimeter weniger ansteigt &ndash; oder helfen wir den Menschen dort wirkungsvoller, indem wir ihnen heute Schutzbauten finanzieren?&ldquo; Diese Frage ist sehr berechtigt. Wenn wir aus dem Vollen sch&ouml;pfen und allen Aspekten die maximal m&ouml;gliche Energie zuteil lassen k&ouml;nnten, w&uuml;rde sich diese Frage nat&uuml;rlich nicht stellen. Dem ist jedoch nicht so. Bei den gesellschaftlichen Anstrengungen gegen den Klimawandel und dessen Folgen geht es schlie&szlig;lich auch um eine Verteilung der Ressourcen &ndash; finanziell, personell und organisatorisch. F&uuml;r mich steht es au&szlig;er Zweifel, dass das reiche und technisch hoch entwickelte Deutschland einen Anstieg des Meeresspiegels um einen oder gar zwei Meter schon gemanagt bekommt &ndash; h&ouml;here Deiche oder D&auml;mme wie die niederl&auml;ndischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deltawerke\">Deltawerke<\/a> w&auml;ren da denkbare Ma&szlig;nahmen. Und wenn ein paar Koogen oder Polder weichen m&uuml;ssen, w&auml;re dies zumindest keine Katastrophe. Ganz anders sieht dies jedoch in &auml;rmeren L&auml;ndern aus. Nun wird ja tagein tagaus &uuml;ber den Klimawandel gesprochen. Aber haben Sie schon einmal geh&ouml;rt, dass ein Politiker vorgeschlagen hat, im Rahmen der Klimawandelfolgenpr&auml;vention D&auml;mme in Asien oder Afrika zu finanzieren? <\/p><p>Die sicheren Folgen des Klimawandels gehen jedoch &uuml;ber &Uuml;berschwemmungen durch den steigenden Meeresspiegel hinaus. Lokal werden sich die Vegetation und die Niederschlagsmenge und -intensit&auml;t durch den Klimawandel verschieben. Das macht vor allem im Agrarbereich innovative Antworten notwendig. Welche Getreidesorten eignen sich f&uuml;r die gegebenen B&ouml;den bei h&ouml;heren Temperaturen und ge&auml;nderten Niederschlagsmengen? Welche Pr&auml;ventionsma&szlig;nahmen muss man ergreifen, um an einem Ort eine Versteppung und an einem anderen Ort die Folgen steigender Niederschlagsmengen in den Griff zu bekommen? <\/p><p>All diese Fragen gehen in der Debatte unter. Das liegt daran, dass die gesamte Debatte falsch gef&uuml;hrt wird. Es geht schlie&szlig;lich nicht um eine &bdquo;Entweder-Oder-Frage&ldquo; &ndash; entweder wir Deutschen meistern die klimapolitische Wende und dann ist alles gut oder wir scheitern und dann droht die Apokalypse. Wie schon gesagt &ndash; unser deutscher Entscheidungshorizont hat vielleicht die Bandbreite, ob der Meeresspiegel nun um 1,23 Meter oder um 1,26 Meter steigt. Global geht es dann um einen oder zwei Meter. Die Folgen sind mit oder ohne unser klimapolitisches Engagement massiv und vielleicht sollten wir zumindest einmal anfangen, die sicheren Klimawandelfolgen in unsere Debatte aufzunehmen und ruhig und konstruktiv zu er&ouml;rtern, wie wir mit dem uns zur Verf&uuml;gung stehenden Mitteln die bestm&ouml;glichen Ergebnisse herausholen. <strong>Oder um es zynisch zuzuspitzen &ndash; wollen wir lieber der Zahnarztgattin 8.000 Euro Zuschuss f&uuml;r ihren schicken Elektro-SUV zahlen und ein Dorf in Bangladesch absaufen lassen oder stellen wir diese 8.000 Euro lieber einer NGO zur Verf&uuml;gung, die in Bangladesch einen Deich baut?<\/strong> Klar, BMW und Co. w&uuml;rden lieber ihre &bdquo;&Ouml;ko&ldquo;-Pr&auml;mien kassieren, aber das kann kein Ma&szlig;stab f&uuml;r eine seri&ouml;se Politik sein. Dummerweise bewegen sich jedoch auch die Konzepte der derzeit so gehypten Gr&uuml;nen eher auf diesem Niveau. Man muss also in der Debatte, in der konstruktiver Pragmatismus n&ouml;tig w&auml;re, leider zur Zeit das Fazit ziehen, dass ziemlich viele Dinge in die falsche Richtung laufen.<\/p><p>Titelbild: FooTToo\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/66f109eab5f8442798869549f792a09c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst die junge Greta Thunberg, dann die Sch&uuml;lerproteste und zuletzt der gro&szlig;e Wahlerfolg der Gr&uuml;nen &ndash; keine Frage, der Klimawandel und insbesondere die Debatte um die Reduzierung des Treibhausgases Kohlendioxid ist zur Zeit das bestimmende politische Thema im Lande. 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