{"id":52500,"date":"2019-06-13T10:03:13","date_gmt":"2019-06-13T08:03:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52500"},"modified":"2019-06-13T10:14:13","modified_gmt":"2019-06-13T08:14:13","slug":"zum-wegwerfen-warum-das-geschaeftsmodell-der-grossen-textilkonzerne-in-die-muelltuete-gehoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52500","title":{"rendered":"Zum Wegwerfen. Warum das Gesch\u00e4ftsmodell der gro\u00dfen Textilkonzerne in die M\u00fcllt\u00fcte geh\u00f6rt"},"content":{"rendered":"<p>Die irische Billigbekleidungskette Primark begeht heute ihr 50-j&auml;hriges Firmenjubil&auml;um. Kein Grund zum Feiern. Als Wegbereiter der &bdquo;schnellen Mode&ldquo; hat der Konzern ma&szlig;geblich dazu beigetragen, dass Schuhe, R&ouml;cke und Hosen zum Massenkonsumartikel verkommen sind und ihre Produktion schlimmen Schaden f&uuml;r Mensch, Gesellschaft und Natur anrichtet. Leiden m&uuml;ssen darunter vor allem die Ausgebeuteten in den &bdquo;Armenh&auml;usern&ldquo; der Welt, die entrechtet, schutzlos und zu Hungerl&ouml;hnen in den Fabriken Asiens und Afrikas die Sneaker der westlichen Wohlstandsteenies zusammenn&auml;hen. Eine Studie der Christlichen Initiative Romero zeigt das Elend am Beispiel Sri Lankas auf. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nHerzlichen Gl&uuml;ckwunsch! Der irische Bekleidungsdiscounter Primark wird 50. Am 13. Juni 1969 erblickte die erste der weltweit inzwischen bald 400 Filialen in Dublin unter dem Namen Penneys das Licht der Welt. Wenn das kein Anlass ist, Danke zu sagen. Danke f&uuml;r: das T-Shirt zu 2,50 Euro, das kurze Schwarze zu acht Euro oder die Herrenjeans zu 14 Euro. Danke daf&uuml;r, dass Einkaufen keine l&auml;stige Pflicht mehr, sondern mit dem Shoppen zum tollsten Hobby geworden ist. Danke f&uuml;r alle Teenies, die ihr Taschengeld heute f&uuml;r Klamotten verpulvern, die morgen schon wieder out sind. Deshalb Danke auch f&uuml;r monstr&ouml;se M&uuml;llberge, chemieverseuchte B&ouml;den, faserdurchtr&auml;nkte Ozeane, zig Millionen Tonnen Treibhausgase und vieles mehr, was sich mit Geld gar nicht bezahlen l&auml;sst &ndash; schon gar nicht mit kleinem.<\/p><p>Nicht in Feierlaune ob des runden Firmenjubil&auml;ums ist die Christliche Initiative Romero (CIR). Am Dienstag legte der Menschenrechtsverein aus M&uuml;nster eine Art Schwarzbuch Primark vor. Auf knapp 80 Seiten breitet das &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.ci-romero.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/FastFashion_Dossier_CIR_2019.pdf\">Dossier Fast Fashion<\/a>&ldquo; ein gewaltiges S&uuml;ndenregister aus, angefangen mit den erb&auml;rmlichen Produktions-, Lohn- und Arbeitsbedingungen, unter denen der Konzern in Fernost seine &bdquo;Wegwerfmode&ldquo; fertigen l&auml;sst, &uuml;ber seine auf schnellen und maximalen Profit ausgerichtete Einkaufspolitik bis hin zu den &ouml;kologischen Verheerungen, die die westliche Textilindustrie global und insbesondere in den &bdquo;Armenh&auml;usern&ldquo; dieser Welt anrichtet.<\/p><p><strong>&bdquo;Achtung vor dem Menschen&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Man erinnert sich: Nach dem Einsturz des Fabrikgeb&auml;udes Rana Plaza in Sabhar in Bangladesh vor sechs Jahren, bei dem &uuml;ber 1.100 Menschen zu Tode kamen, war in der Branche hektische Betriebsamkeit ausgebrochen. In der Folge versprach eine Reihe US-amerikanischer und europ&auml;ischer Unternehmen, die ihre Schuhe und Kleider von Auftragnehmern aus der Region produzieren lassen, sich st&auml;rker f&uuml;r die Einhaltung grundlegender Menschen- und Besch&auml;ftigtenrechte auf allen Stufen der Lieferketten zu engagieren. In Deutschland wurde mit viel Tamtam das &bdquo;B&uuml;ndnis f&uuml;r nachhaltige Textilien&ldquo; aus der Taufe gehoben. Dieses soll dar&uuml;ber wachen, dass beim Kleidern&auml;hen mit Mensch und Umwelt vereinbare Standards eingehalten werden, dass faire L&ouml;hne gezahlt, Regeln zu Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit beachtet werden, dass sich Arbeiterinnen und Arbeiter in Gewerkschaften organisieren und Tarifverhandlungen gef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Auch Primark hat sich eine ganze Latte an Selbstverpflichtungen auferlegt, zumal der Konzern in der Vergangenheit schon wiederholt f&uuml;r unr&uuml;hmliche Schlagzeilen gesorgt hatte. Beispielsweise wurde ruchbar, dass Zulieferer in Myanmar ihre N&auml;herinnen mit Hungerl&ouml;hnen abgespeist hatten oder dass in indischen Fabriken Kinder ausgebeutet wurden. Es gilt also einiges gutzumachen. Unter der Rubrik &bdquo;Unsere Ethik&ldquo; auf der Webseite des Unternehmens hei&szlig;t es dann auch reichlich verhei&szlig;ungsvoll: &bdquo;Die Produkte f&uuml;r Primark werden mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt hergestellt.&ldquo; Jede Produktionsst&auml;tte m&uuml;sse sich &bdquo;vor jeglicher Erteilung eines Auftrags zur Einhaltung international anerkannter Standards verpflichten&ldquo;. Deren dauerhafte Beachtung kontrolliere &bdquo;unser Team f&uuml;r ethischen Handel und &ouml;kologische Nachhaltigkeit, eine Gruppe von &uuml;ber 100 Experten in unseren Hauptbeschaffungsl&auml;ndern&ldquo;. Au&szlig;erdem r&uuml;hmt sich Primark damit, an mehreren Initiativen beteiligt zu sein, die sich f&uuml;r existenzsichernde L&ouml;hne einsetzen.<\/p><p><strong>Verhaltenskodex f&uuml;r die Galerie<\/strong><\/p><p>Aber was sind all die sch&ouml;nen Vors&auml;tze wert? Die CIR-Partnerorganisation Shramabhimani Kendraya (W&uuml;rde der Arbeit) hat insgesamt 76 Arbeiterinnen und Arbeiter in zehn Fabriken in Sri Lanka dazu interviewt, was sie an Geld verdienen, wie lange sie daf&uuml;r arbeiten m&uuml;ssen und welche Zust&auml;nde in Sachen Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Vereinigungsfreiheit bestehen. Das Ergebnis: In keiner der untersuchten Produktionsst&auml;tten werde der Verhaltenskodex eingehalten, den Primark seinen Herstellern auferlege. Die L&ouml;hne und das Ausma&szlig; an &Uuml;berstunden w&auml;ren &bdquo;teils illegal&ldquo;, und anders als immer wieder behauptet, trage der Konzern durch sein Einkaufsverhalten die Hauptschuld f&uuml;r die menschenunw&uuml;rdigen Arbeitsbedingungen. Beispielhaft wird in der Studie eine N&auml;herin der Fabrik Triple Safety in Narammala im Westen des Landes zitiert: &bdquo;Ich w&uuml;rde diese Arbeit keinem empfehlen. (&hellip;) Wir k&ouml;nnen nicht einmal die Lebensmittel kaufen, die wir brauchen.&ldquo;<\/p><p>Nach geltender Rechtslage des s&uuml;dasiatischen Inselstaats d&uuml;rfen Frauen maximal 45 regul&auml;re Stunden und in Ausnahmef&auml;llen h&ouml;chstens zw&ouml;lf &Uuml;berstunden pro Woche t&auml;tig sein. Gem&auml;&szlig; der Erhebung schieben die N&auml;herinnen aber mitunter 80 Stunden und mehr Dienst. So m&uuml;ssen Betroffene bei Paradise Toys in Mabola nahe Colombo 64 Arbeitsstunden und 19 &Uuml;berstunden schuften, um einen Monatslohn von 120 Euro zu erreichen. Der Betrag liegt zwar &uuml;ber dem offiziellen Mindestlohn von 79 Euro. Dieser reicht aber nicht einmal ansatzweise f&uuml;r einen ausk&ouml;mmlichen Lebensunterhalt. Nach Angaben der &bdquo;Asia Floor Wage Alliance&ldquo; m&uuml;sste ein existenzsichernder Lohn in Sri Lanka mindestens 296 Euro betragen.<\/p><p><strong>&Uuml;berstunden zum &Uuml;berleben<\/strong><\/p><p>Das Abrei&szlig;en von &Uuml;berstunden wird so zu einer Frage des &Uuml;berlebens. 46 Prozent der Befragten verdienen in der regul&auml;ren Arbeitszeit nicht mal den k&uuml;mmerlichen Mindestlohn. In der Mehrheit gaben die Befragten an, dass sie das Geld br&auml;uchten, um Grundbed&uuml;rfnisse wie Lebensmittel und Bildung f&uuml;r sich und ihre Familie befriedigen zu k&ouml;nnen. Unter den 76 Arbeiterinnen und Arbeitern leisteten 82 Prozent w&ouml;chentlich mehr als zehn Stunden Extraarbeit, um irgendwie &uuml;ber die Runden zu kommen. H&auml;ufig gibt es daf&uuml;r nicht einmal Zuschl&auml;ge. Lediglich f&uuml;r die Buchf&uuml;hrung werde nach acht Stunden ausgestempelt und danach zum gleichen Lohn weitergearbeitet, schreiben die Studienautoren.<\/p><p>Humaner wird mit den Menschen immer dann umgesprungen, wenn die Auftraggeber ihre Auditoren zur Stippvisite schicken, um vor Ort zu pr&uuml;fen, ob alles nach Plan, Ordnung und im Einklang mit &bdquo;ethischen&ldquo; Grunds&auml;tzen vonstattengeht. Dann m&uuml;sse pl&ouml;tzlich weniger malocht werden und w&uuml;rden die Besch&auml;ftigten besser behandelt. Allerdings folgten auf die vor&uuml;bergehenden Erleichterungen &bdquo;keine nachhaltigen Ver&auml;nderungen&ldquo;. Soll hei&szlig;en: Kaum sind die Firmenvertreter zur T&uuml;r hinaus, ist der Umgang wieder so rau und roh wie &uuml;blich. Bisweilen w&uuml;rden zwar die &bdquo;&uuml;berm&auml;&szlig;ig vielen &Uuml;berstunden reduziert, daf&uuml;r jedoch anschlie&szlig;end die Zielvorgaben erh&ouml;ht&ldquo;.<\/p><p><strong>Job macht krank<\/strong><\/p><p>Die Befragung habe &bdquo;schwerwiegende Arbeitsrechtsverletzungen&ldquo; bei den Lieferanten offenbart, erf&auml;hrt man in der Studie. &bdquo;Verst&ouml;&szlig;e gegen Rechtsvorschriften &uuml;ber die Beschr&auml;nkung von &Uuml;berstunden, obligatorische &Uuml;berstunden, gewerkschaftsfeindliche Diskriminierung und mangelnde Arbeitssicherheit&ldquo; w&auml;ren nur einige der g&auml;ngigen Verfehlungen. Viele der Betroffenen klagten zudem &uuml;ber R&uuml;ckenschmerzen vom ganzt&auml;gigen Arbeiten im Stehen &ndash; nur zum Mittagessen d&uuml;rften sie sich setzen. Auch das geh&ouml;rt zu den Schattenseiten der schillernden Modewelt. Wie die Autoren festhalten, leidet knapp die H&auml;lfte aller weltweit 60 Millionen Besch&auml;ftigten in der Textilfertigung an arbeitsbedingten Krankheiten.<\/p><p>An einigen der zehn untersuchten Standorte l&auml;sst nach Auskunft der Befragten auch der Moderiese C&amp;A fertigen. Allerdings bestreitet das Unternehmen, mit den Fabriken Timex in Wattala und Kadawatha zusammenzuarbeiten, w&auml;hrend Primark sogar in drei F&auml;llen eine Gesch&auml;ftsbeziehung mit den aufgef&uuml;hrten Unternehmen negiert. Sagen die Betroffenen die Unwahrheit, wovon nicht auszugehen ist, oder spielen die Verantwortlichen Versteck? Laut Studie w&auml;re eine m&ouml;gliche Erkl&auml;rung die, &bdquo;dass es sich um eine Unterauftragsvergabe handelt&ldquo;. Offenbar arbeiten die Zulieferer selbst mit Subunternehmen zusammen, die unter dem Radar der &Ouml;ffentlichkeit f&uuml;r die Modelabels die Drecksarbeit machen. Und sobald die Sache auffliegt, hei&szlig;t es dann, man habe davon nichts gewusst und die Schuld tr&auml;fe andere. Dann wird das schwarze Schaf geopfert und schwups erh&auml;lt der n&auml;chstbeste Betrieb den Auftrag.<\/p><p><strong>&bdquo;Flucht&ldquo; nach Afrika<\/strong><\/p><p>Dieselbe Masche greift immer auch dann, wenn sich ein Ungl&uuml;cksfall ereignet, bei dem Menschen ihr Leben lassen. Schuld sind dann immer die anderen: die Zulieferer oder die &ouml;rtlichen Beh&ouml;rden mit ihren laxen Bauvorschriften und laschen Kontrollen. Die weltweit operierenden Konzerne sind in der Regel fein raus. Mitunter bleiben ein paar Flecken am Saubermann-Image zur&uuml;ck. Aber das w&auml;scht sich rasch wieder raus, weil Konsumenten ziemlich vergesslich sind. Und droht ein Schauplatz doch einmal l&auml;ngerfristig zum Publicitygau zu geraten, bleibt immer noch die &bdquo;Flucht&ldquo; ins n&auml;chste Billiglohnland. Nach der Katastrophe von Rana Plaza haben sich etliche Hersteller aus Bangladesch nach Afrika davongemacht. Dort, vorneweg in &Auml;thiopien, l&auml;sst sich noch deutlich &bdquo;kosteng&uuml;nstiger&ldquo; produzieren. Das Land kennt keinen Mindestlohn und Berichten zufolge werden in der Textilbranche <a href=\"https:\/\/fashionunited.de\/nachrichten\/business\/textilindustrie-in-aethiopien-loehne-muessen-steigen\/2019051631894\">Einstiegsentgelte von 26 Dollar pro Monat<\/a> gezahlt.<\/p><p>Das deckt sich mit dem, was das CIR-Dossier zu den Einkaufspraktiken festh&auml;lt. Wie seine Mitbewerber schaue der Konzern bei der Auswahl der Fabriken &bdquo;nur auf Preis, Zeit und vielleicht noch Qualit&auml;t&ldquo;. Die ethischen Ziele, die man sich gro&szlig; auf die Fahnen schreibe, spielten dagegen keine Rolle. Treiber der Entwicklung ist dabei das Gesch&auml;ftsmodell der &bdquo;schnellen Mode&ldquo; (Fast Fashion). Beim Pendant zum Fast Food &agrave; la McDonald`s oder Burger King z&auml;hlt nur mehr das, was den Profithunger der Bekleider durch immer wieder neue Modeticks und endlosen Nachschub an &bdquo;Verfallsware&ldquo; zu stillen verspricht &ndash; bei einem Maximum an Opfern f&uuml;r Mensch und Natur.<\/p><p><strong>Fatale &Ouml;kobilanz<\/strong><\/p><p>Anbieter wie H&amp;M, Esprit, ASOS oder Zalando bringen heutzutage im Monatstakt neue Kollektionen auf den Markt, um die Kundschaft mit immer neuen Reizen bei Konsumlaune zu halten. H&amp;M erneuert sein Sortiment j&auml;hrlich zw&ouml;lf bis 16 Mal, Zara sogar bis zu 24 Mal. Das Tempo zieht sich durch s&auml;mtliche Produktionsphasen und sorgt daf&uuml;r, dass immer mehr Auftr&auml;ge in immer k&uuml;rzerer Zeit durch die Lieferanten abzuarbeiten sind. Der hohe Zeit- und Preisdruck werde dann an die Arbeiterinnen und Arbeiter weitergegeben, &bdquo;die dann &Uuml;berstunden machen und zu einem Hungerlohn arbeiten m&uuml;ssen&ldquo;, beklagte Isabell Ullrich, CIR-Referentin f&uuml;r Kleidung, in einer <a href=\"https:\/\/www.ci-romero.de\/50-jahre-primark-kein-grund-zu-feiern\/\">Pressemitteilung<\/a>.<\/p><p>Aber Besserung ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: In den Jahren 2000 bis 2015 hat sich die Anzahl der Kleidungsk&auml;ufe im weltweiten Ma&szlig;stab von 50 auf etwa 100 Milliarden verdoppelt. Bei anhaltender Dynamik k&ouml;nnten im Jahr 2050 nach Ansicht von Experten 160 Millionen Tonnen Textilien &uuml;ber den Ladentisch gehen, fast dreimal so viel wie heute. Fatal ist das vor allem f&uuml;r die Umwelt: Die Modeindustrie verbraucht schon heute pro Jahr 179 Milliarden Kubikmeter Wasser, fast das Doppelte von dem, was der Bodensee fasst. Dazu kommen laut CIR 98 Millionen Tonnen Erd&ouml;l, 1.458 Millionen Tonnen Treibhausgase, 85 Millionen Hektar Land, 43 Millionen Tonnen Chemikalien und 522 Millionen Kilogramm Mikrofasern in den Meeren.<\/p><p><strong>Produzieren f&uuml;r die Tonne<\/strong><\/p><p>Befeuert wird der Irrsinn durch den anhaltenden und sich weiter verfestigenden Trend zum Wegwerfen. Die Studie liefert dazu eindr&uuml;ckliche Zahlen: Im Jahr 2000 wurde ein Kleidungsst&uuml;ck im weltweiten Mittel 200 Mal getragen, 2015 nur noch 163 Mal. Von durchschnittlich 95 Kleidungsst&uuml;cken im deutschen Kleiderschrank finden 20 Prozent nie Verwendung. Jeder Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsst&uuml;cke j&auml;hrlich und tr&auml;gt diese halb so lange wie vor 15 Jahren. Gleichwohl sind die entsprechenden Haushaltsausgaben zwischen 2000 und 2016 blo&szlig; um 0,1 Prozent gestiegen.<\/p><p>Bezahlen muss all das kein anderer als der Billigl&ouml;hner im fernen Asien oder Afrika: mit Armut, mit Krankheit, mit Perspektivlosigkeit. Und solange sich mit dem Elend von Millionen Menschen Rendite machen l&auml;sst und die pervertierte Wachstums- und Konsum&ouml;konomie kein Halten kennt, werden auch die Bekleidungslabel in den kapitalistischen Zentren so weitermachen wie bisher. Ohne politische Regulierung, etwa einen gesetzlichen Zwang zur Zahlung ausk&ouml;mmlicher, fairer L&ouml;hne in den Produktionsl&auml;ndern, und ohne Sanktionen bis hin zum Produktionsverbot wird sich an den bedr&uuml;ckenden Zust&auml;nden nichts &auml;ndern. CIR-Referentin Ullrich fordert in diesem Zusammenhang ein &bdquo;Sorgfaltspflichtengesetz&ldquo;, um Arbeitsrechtsverletzungen in Zukunft zu verhindern.<\/p><p><strong>Ende der Scheinheiligkeit<\/strong><\/p><p>Auf keinen Fall werden es irgendwelche Selbstverpflichtungen auf Basis von Goodwill und Freiwilligkeit richten. Aus dem deutschen &bdquo;Textilb&uuml;ndnis&ldquo; nehmen sechs Jahre nach Rana Plaza immer mehr Unternehmen Rei&szlig;aus. Der lose Zusammenschluss sei &bdquo;von der Zeit der Sonntagsreden in die Phase der Verbindlichkeit &uuml;bergegangen&ldquo;, schrieb vor zehn Monaten <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/handel-konsumgueter\/einzelhandel-firmen-scheren-aus-buendnis-gegen-ausbeutung-von-textilarbeitern-aus\/22869084.html?ticket=ST-438835-lNHDc1Mck7LMrYcQFoa9-ap2\">das Handelsblatt<\/a>. Hatten die Mitglieder zun&auml;chst nur verbindliche Ziele zu definieren, m&uuml;ssen sie nun belegen, wie weit sie diese erreicht haben und dies in sogenannten &bdquo;Roadmaps&ldquo; dokumentieren. Offenbar haben die Konzerne da nicht viel vorzuweisen, weshalb sich der Kreis der Beteiligten immer mehr lichtet.<\/p><p>Auch mit besagten Initiativen f&uuml;r eine faire Bezahlung, bei denen Primark mitmischt, ist es nicht weit her. Die Kampagne Saubere Kleidung zog unl&auml;ngst Bilanz: Beim irischen Konzern wie auch bei Zalando und H&amp;M gebe es keinerlei Hinweise, dass auch nur irgendeinem Arbeiter ein existenzsichernder Lohn gezahlt werde. Warm anziehen muss sich von den Verantwortlichen deshalb keiner.<\/p><p>Titelbild: Erhan Inga\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die irische Billigbekleidungskette Primark begeht heute ihr 50-j&auml;hriges Firmenjubil&auml;um. Kein Grund zum Feiern. 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Leiden m&uuml;ssen darunter vor allem die Ausgebeuteten in den &bdquo;Armenh&auml;usern&ldquo; der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52500\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":52501,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,131,212],"tags":[1740,2152,2232,1288,2674,1848,288,2673,2061,2542],"class_list":["post-52500","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-oekonomie","category-gedenktagejahrestage","tag-arbeitsbedingungen","tag-ueberstunden","tag-bekleidungsindustrie","tag-einzelhandel","tag-konsumismus","tag-nachhaltigkeit","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-sri-lanka","tag-umweltverschmutzung","tag-zuliefererindustrie"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/shutterstock_1383275993.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52500"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52500\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52504,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52500\/revisions\/52504"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/52501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}