{"id":52522,"date":"2019-06-14T11:05:37","date_gmt":"2019-06-14T09:05:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52522"},"modified":"2019-06-17T07:28:33","modified_gmt":"2019-06-17T05:28:33","slug":"arroganz-und-ignoranz-sind-die-beste-werbung-fuer-die-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52522","title":{"rendered":"Arroganz und Ignoranz sind die beste Werbung f\u00fcr die AfD"},"content":{"rendered":"<p>Die herbstlichen Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesl&auml;ndern drohen Umfragen zufolge zu einem Achtungserfolg der AfD zu werden. Doch anstatt sich mit den Gr&uuml;nden f&uuml;r die offensichtliche Unzufriedenheit mit der Politik der etablierten Parteien auseinanderzusetzen, zu denen im Osten auch die Linke geh&ouml;rt, &uuml;bt sich der politisch-mediale Sektor schon jetzt einmal in vorzeitiger W&auml;hlerbeschimpfung. Anja Meier <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Kommentar-EU-Wahl-in-Ostdeutschland\/!5598087\/\">giftet<\/a> in der taz &uuml;ber die &bdquo;ver&auml;chtliche Haltung&ldquo; der Ostdeutschen, die trotz unserer &bdquo;sch&ouml;nen Steuermilliarden&ldquo; ihrer &bdquo;kommoden Diktatur nachtrauern&ldquo;, und Mark Schieritz <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2019-06\/landtagswahlen-ostdeutschland-afd-diskursverschiebung-politische-agenda-minderheit\">fordert<\/a> in der ZEIT sogar, man solle &bdquo;den Osten ignorieren&ldquo; und sich auch ansonsten nicht von &bdquo;abgeh&auml;ngten Regionen&ldquo; irgendwelche Themen aufzwingen lassen. Derlei triefende Arroganz und Ignoranz sagt einiges &uuml;ber das Demokratieverst&auml;ndnis der Hauptstadtjournalisten aus und ist schlussendlich die beste Werbung, die die AfD sich vorstellen kann. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel ist auch als gestaltete, ausdruckbare PDF-Datei verf&uuml;gbar. 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Als bei den Europawahlen 20 Prozent der W&auml;hler ihr Kreuz bei den Gr&uuml;nen machten, war dies sicher auch eine Folge der Unzufriedenheit mit der Umwelt- und Klimapolitik der Regierungsparteien. K&ouml;nnten Sie sich aber vorstellen, dass die ZEIT einen Leitartikel abdruckt, in dem einer ihrer Redakteure die Politik aufruft, diese &bdquo;Gr&uuml;nfinken&ldquo; aus den &bdquo;urbanen Regionen&ldquo; zu ignorieren, da die Politik sich nicht von einer Minderheit, die Nichtw&auml;hler einbezogen ja gerade mal 10 Prozent der Bev&ouml;lkerung entspricht, irgendwelche Themen aufzwingen lassen darf? Sicher nicht, denn Unzufriedenheit, die dazu f&uuml;hrt, dass junge, urbane Akademiker die Gr&uuml;nen w&auml;hlen, ist offenbar &bdquo;gute Unzufriedenheit&ldquo;, w&auml;hrend Unzufriedenheit, die dazu f&uuml;hrt, dass alte, meist &auml;rmere Menschen auf dem Land die AfD w&auml;hlen, eine &bdquo;schlechte Unzufriedenheit&ldquo; ist. Klar, wenn man selbst ein junger, urbaner Akademiker ist, der in Harvard und an der London School of Economics Volkswirtschaft <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mark_Schieritz\">studiert hat<\/a> und bei der elit&auml;r-linksliberalen ZEIT &uuml;ber Wirtschaftspolitik schreibt, kann man das so sehen &ndash; zumindest dann, wenn man sich selbst und seine Bubble f&uuml;r den Nabel der Welt h&auml;lt. <\/p><p>Und genau das ist das Problem mit dem Hauptstadtjournalismus. Elit&auml;re Schn&ouml;sel schreiben dar&uuml;ber, wie elit&auml;re Schn&ouml;sel die Welt sehen und was sie sich von der Politik w&uuml;nschen. Demokratie ist in diesem Selbstverst&auml;ndnis dann die hohe Kunst, den Rest des Volkes alle vier oder f&uuml;nf Jahre sein Kreuzchen bei der &bdquo;richtigen&ldquo; Partei machen zu lassen. Was richtig oder falsch ist, entscheiden nat&uuml;rlich die Vordenker in den Redaktionsstuben. Was wissen denn Ren&eacute; aus Sachsen und Mandy aus Brandenburg schon von echter Politik?<\/p><p>Keine Frage, die AfD ist eine f&uuml;rchterliche Partei mit f&uuml;rchterlichen Forderungen und es ist wirklich f&uuml;rchterlich, dass sie auch und vor allem im Osten so viele Anh&auml;nger hat. Nun sind die Ostdeutschen aber nicht bl&ouml;der als die Westdeutschen und es gibt ja durchaus &bdquo;nachvollziehbare&ldquo; Gr&uuml;nde f&uuml;r ihr Wahlverhalten. Erst diese Woche ver&ouml;ffentlichte das Ifo-Institut eine Studie, aus der hervorgeht, dass der l&auml;ndliche Raum im Osten &bdquo;ausblutet&ldquo; und die Einwohnerzahl der Landstriche, die fr&uuml;her mal zur DDR geh&ouml;rten, heute so niedrig wie zuletzt 1905 ist. Ganze Regionen sind also verelendet und ihrer Jugend sowie jeglicher Hoffnung beraubt. Dass die Menschen in diesen Regionen daf&uuml;r die etablierten Parteien in Haftung nehmen, ist verst&auml;ndlich. Dass sie &bdquo;aus Protest&ldquo; nun die AfD w&auml;hlen, ist zwar in der Au&szlig;enbetrachtung dumm, da die AfD ja keine politischen Positionen hat, die den ostdeutschen Regionen und ihren Bewohnern in irgendeiner Form weiterhelfen k&ouml;nnten; aber Protest entzieht sich nun mal der rationalen Betrachtung. Protest richtet sich nicht f&uuml;r, sondern gegen etwas. Und wenn Schn&ouml;sel-Journalisten ihr N&auml;schen r&uuml;mpfen und innerlich hoffen, dass diese alten Ostdeutschen doch vom Wolf gefressen werden, wenn sie derart dumme Wahlentscheidungen treffen, ist dies ein klarer Punktsieg f&uuml;r die AfD.<\/p><p>Denn die AfD wird ja nicht gew&auml;hlt, weil sie so tolle programmatische Inhalte hat. Die Punks der 80er demonstrierten ihre Ablehnung des &bdquo;Schweinesystems&ldquo; durch Irokesenschnitt, Piercings oder Ratten als Begleittiere &hellip; damit konnte man das &bdquo;Establishment&ldquo; damals halt noch schocken. Heute gibt sich das Establishment &uuml;bertolerant und reagiert seinerseits vor allem auf Intoleranz intolerant. Wer &bdquo;gegen Ausl&auml;nder&ldquo;, &bdquo;gegen Schwule&ldquo; oder komplett anachronistisch &bdquo;f&uuml;r den Diesel&ldquo; und &bdquo;gegen Klimahysterie&ldquo; ist, ist daher wohl der Punk von heute und treibt das Establishment zur Wei&szlig;glut. So gesehen gibt es bei den arroganten Besserwessi-Kommentaren in taz und ZEIT genau zwei Gewinner &ndash; zum Einen die urban-liberale Blase des politisch-medialen Sektors, die sich ins F&auml;ustchen lacht, weil sie es &bdquo;den bl&ouml;den Ossis&ldquo; mal wieder so richtig gezeigt hat, und die AfD, der dank der offen demonstrierten Arroganz und Ignoranz von &bdquo;denen da oben&ldquo; sicher noch mehr Unzufriedene die Tore einrennen. Toll gemacht!<\/p><p>Das Ganze ist auch beileibe keine Ost-West-Frage. Murat aus Dortmund und Max aus Bitburg haben ja ganz &auml;hnliche Probleme wie Ren&eacute; aus Frankfurt\/Oder und w&auml;hlen ebenfalls h&auml;ufig die AfD, um gegen wen oder was auch immer zu demonstrieren. Aus &auml;hnlichen Gr&uuml;nden hat &uuml;brigens auch Joe aus Iowa Trump gew&auml;hlt und Pete aus Newcastle f&uuml;r den Brexit gestimmt. Abgeh&auml;ngte verstehen den Wahlzettel oft als Schraubenschl&uuml;ssel, den sie &bdquo;dem System&ldquo; ins Getriebe werfen, um maximalen Schaden anzurichten.<\/p><p>Wie w&auml;re es denn zur Abwechslung mal damit, &bdquo;den Osten&ldquo; oder besser &bdquo;die Abgeh&auml;ngten&ldquo; nicht zu ignorieren, sondern ernstzunehmen und eine Politik zu propagieren, die aus abgeh&auml;ngten Regionen Regionen mit Zukunft macht? Alles Andere f&uuml;hrt in einer auch noch so undemokratischen Demokratie nur dazu, dass aus Protest mittel- bis langfristig eine Mehrheit wird. Probleme einfach zu ignorieren, ist nie eine gute Idee. Probleme beseitigt man, indem man nicht die Symptome, sondern die Ursachen bek&auml;mpft. Nehmt die Menschen ernst, gebt ihnen W&uuml;rde, ein Einkommen, von dem man leben kann, und vor allem Zukunft. Dann w&auml;hlen sie auch nicht mehr die AfD. Oder ist das jetzt zu einfach?<\/p><p>Titelbild: Tihana Bajich\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/4c2e32c6ad6c4acb8cd452345d390add\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die herbstlichen Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesl&auml;ndern drohen Umfragen zufolge zu einem Achtungserfolg der AfD zu werden. Doch anstatt sich mit den Gr&uuml;nden f&uuml;r die offensichtliche Unzufriedenheit mit der Politik der etablierten Parteien auseinanderzusetzen, zu denen im Osten auch die Linke geh&ouml;rt, &uuml;bt sich der politisch-mediale Sektor schon jetzt einmal in vorzeitiger W&auml;hlerbeschimpfung. 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