{"id":52576,"date":"2019-06-17T09:03:43","date_gmt":"2019-06-17T07:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52576"},"modified":"2019-06-17T10:41:15","modified_gmt":"2019-06-17T08:41:15","slug":"drei-interessante-texte-und-dokumente-zur-altersvorsorge-uebersicht-und-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52576","title":{"rendered":"Drei interessante Texte und Dokumente zur Altersvorsorge. \u00dcbersicht und Teil I."},"content":{"rendered":"<p>Die Altersvorsorge ist f&uuml;r viele Menschen unbefriedigend, viele machen sich zu Recht Sorge vor Altersarmut. Die Leistungsf&auml;higkeit des einigerma&szlig;en gut funktionierenden gesetzlichen Rentensystems ist in den letzten zwei Jahrzehnten bewusst zerst&ouml;rt worden, um die Interessen der Finanzwirtschaft zu bedienen. &ndash; In dieser Woche werden die NachDenkSeiten drei Texte und Hinweise ver&ouml;ffentlichen, die sichtbar machen, was zu tun ist und dass bewusst das Falsche getan worden ist. Heute, Teil I, wird ein Text von 1997 wiedergegeben und auf andere fr&uuml;here Texte verlinkt. Aus gutem Grund. Am Mittwoch verlinken wir auf Texte und Informationen zur sogenannten R&uuml;rup-Kommission &ndash; Teil II. Das war ein tolles Konstrukt zur Erosion der Sozialstaatlichkeit. Im Teil III verlinken wir gegen Ende der Woche auf ein &bdquo;Pl&auml;doyer f&uuml;r eine Kurskorrektur in der Rentenpolitik&ldquo; des Mathematikers und Buchautors G&uuml;nter Eder. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>I. Auszug aus &bdquo;Mut zur Wende&ldquo; von 1997 plus Hinweise auf andere einschl&auml;gige fr&uuml;here Texte in weiteren B&uuml;chern und auf den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p><strong>Vorbemerkung zum Text in &bdquo;Mut zur Wende&ldquo;:<\/strong><\/p><p>Der folgende Text zeigt, dass zu Beginn der Debatte um die sogenannte Reform der Altersvorsorge im Vorfeld des Wahlkampfes f&uuml;r die Bundestagswahl 1998 nahezu alles auf dem Tisch lag und sichtbar wurde:<\/p><ul>\n<li>Es war sichtbar, dass die Finanzwirtschaft, die Banken und Versicherungen in der Altersvorsorge ein neues Gesch&auml;ftsfeld sehen.<\/li>\n<li>Es war sichtbar, dass der demographische Wandel dramatisiert wird und auf diese Weise daf&uuml;r herhalten muss, das bisherige System der Altersvorsorge, die Gesetzliche Rente, der Erosion preiszugeben.<\/li>\n<li>Es ist damals schon beschrieben worden, welche gro&szlig;e Bedeutung die Entwicklung der Produktivit&auml;t, der Arbeitslosigkeit und der Art der Arbeitsvertr&auml;ge f&uuml;r die Qualit&auml;t der Altersvorsorge haben. Hier liegen die entscheidenden Hebel.<\/li>\n<li>Am Text wird auch sichtbar, dass ich, der Autor &ndash; vermutlich mit vielen anderen zusammen &ndash; 1998 gro&szlig;e Hoffnungen in die vor der T&uuml;r stehende rot-gr&uuml;ne Koalition setzten. Diese Hoffnungen sind wie vieles andere auch brutal vernichtet worden. &Uuml;brigens: Wer nach guten Gr&uuml;nden f&uuml;r den Absturz der SPD auf um die 15 % sucht, wird sie in jenen Vorg&auml;ngen finden.<\/li>\n<\/ul><p>Hier ist zun&auml;chst das Buch-Cover.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190617-Rente-und-Teil-I.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>&bdquo;Mut zur Wende&ldquo; ist 1997 im Aufbau Verlag erschienen. Auf den Seiten 93-100 hatte ich mich dem Thema Altersvorsorge gewidmet. Dieses Unterkapitel zur Rente war Teil eines Kapitels mit dem Titel: &bdquo;Themen und Projekte f&uuml;r eine klare Alternative&ldquo;. Ich betrachtete also damals die absehbare Auseinandersetzung um Generationenvertrag und Altersvorsorge als ein wichtiges Projekt einer nach 15 Jahren Kanzlerschaft Kohls ersehnten neuen Koalition und Regierung.<\/p><p>Der Text von 1997. Auch wenn es ein alter Text ist, Lekt&uuml;re lohnt sich:<\/p><p><strong>&bdquo;Der Generationenvertrag zur Altersvorsorge h&auml;lt<\/strong><\/p><p>Das Vertrauen in die soziale Sicherung der Renten wird vors&auml;tzlich zerst&ouml;rt. Diesen Vorgang offenzulegen und zu erkl&auml;ren, wie der Generationenvertrag der gesetzlichen Rentenversicherung auch f&uuml;r die junge Generation gesichert werden kann, das ist eines der ganz gro&szlig;en Wahlkampfthemen f&uuml;r 1998 und ein Schl&uuml;sselprojekt zur Verteidigung der Sozialstaatlichkeit.<\/p><p>Die Bonner Koalition suggeriert zwar mit ihrem Rentenreformentwurf, die gesetzliche Rentenversicherung, wie sie bisher auf dem Generationenvertrag beruht, erhalten zu wollen, doch Teile der CDU\/CSU und vor allem der FDP geben das bisherige System der Sozialversicherung preis. Hier spielt sich eine Entwicklung ab, die den Charakter eines Krimis und die Dimension eines Milliardendeals hat.<\/p><p>Statt notwendige politische Entscheidungen zu treffen, die eine Entlastung der Sozialkassen bewirken k&ouml;nnten, wird Stimmung gemacht. Die Ver&auml;nderung der Alterspyramide hin zu mehr Rentenempf&auml;ngern bei gleichzeitiger Abnahme der Beitragszahler werde den Generationenvertrag zerbrechen lassen, hei&szlig;t es aus Kreisen der Union, der FDP und der mit ihnen verbundenen Interessengruppen. Das System sei nicht mehr haltbar, man m&uuml;sse umsteigen auf das sogenannte Kapitaldeckungsverfahren. Modelle, wie das nach dem s&auml;chsischen Ministerpr&auml;sidenten benannte Biedenkopf-Modell, pl&auml;dieren f&uuml;r eine Grundsicherung, finanziert durch Steuern: jeder Mann und jede Frau soll k&uuml;nftig einen Sockel an Altersrente vom Staat beziehen, den man dann zus&auml;tzlich aufstocken kann &ndash; &uuml;ber Betriebsrenten und Zusatzrenten, mit privat angespartem Verm&ouml;gen und &uuml;ber private Lebensversicherungen. Auf den ersten Blick eine vern&uuml;nftige, einfache L&ouml;sung.<\/p><p>Tats&auml;chlich jedoch haben wir es bei dem Gerede um das angebliche Ende des Generationenvertrags und die notwendige Umstellung vom Umlageverfahren zum Kapitaldeckungsverfahren mit einem klassischen Fall von Brainwashing zu tun.<\/p><p>Zum einen ist die demographische Verschiebung bei weitem nicht so dramatisch, wie es dargestellt wird. Es wird einen Anstieg der Belastungen f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung bis etwa zum Jahre 2030 geben. Die Lage entspannt sich dann wieder geringf&uuml;gig, und sie kann sich ohnehin &auml;ndern, wenn sich die Geburtenrate oder die Zuwanderung ver&auml;ndert. Niemand kann das genau vorhersagen.<\/p><p><strong>Viel wichtiger f&uuml;r die Kl&auml;rung der Frage, wie die Arbeitenden durch die Rentner und durch die nicht arbeitende Kindergeneration belastet werden, sind folgende Aspekte: Wie entwickelt sich die Produktivit&auml;t der Volkswirtschaft, wie hoch ist die Arbeitslosigkeit, und welche Art von Arbeitsverh&auml;ltnissen &ndash; sozial gesicherte oder ungesicherte &ndash; werden die Regel? Wenn es gelingt, endlich die Arbeitslosigkeit abzubauen und die Produktivit&auml;tsentwicklung unserer Volkswirtschaft wenigstens ann&auml;hernd so zu halten wie in den vergangenen Jahren, dann werden ohne &Auml;nderung des Systems, also selbst ohne Senkung des Rentenniveaus, die verf&uuml;gbaren Realeinkommen der arbeitenden Menschen und Familien auch in Zukunft steigen. Das Vertrauen in diese M&ouml;glichkeit aufzugeben k&auml;me einer politischen Bankrotterkl&auml;rung gleich.<\/strong><\/p><p>Zudem und auch dar&uuml;ber wird falsch informiert, &auml;ndert sich durch die Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren nichts an der Tatsache, da&szlig; auch k&uuml;nftig eine bestimmte Anzahl von Menschen f&uuml;r die nicht arbeitende alte Bev&ouml;lkerung und die Kindergeneration zu sorgen haben wird. Die Umstellung des Finanzierungssystems &auml;ndert nichts an dieser Relation, es sei denn, man unterstellt, da&szlig; Menschen fruchtbarer werden, wenn sie von der gesetzlichen Renten- zur privaten Lebensversicherung wechseln. Die gel&auml;ufige Behauptung, die erh&ouml;hte Kapitalbildung, die mit einer Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren verbunden sei, f&uuml;hre zu einem h&ouml;heren Wachstum, mu&szlig;, zumal in einer offenen Volkswirtschaft, nicht zutreffen,<\/p><ul>\n<li>weil sich m&ouml;glicherweise &uuml;berhaupt keine Zunahme der volkswirtschaftlichen Sparquote ergibt, sondern nur eine Substitution von Anlageformen eintritt und<\/li>\n<li>weil die nationale Ersparnis angesichts internationaler Kapitalm&auml;rkte keinen limitierenden Faktor f&uuml;r die Investitionsquote und das Wachstum darstellt.<\/li>\n<\/ul><p><em>Die Konservativen zerst&ouml;ren das System der gesetzlichen Rentenversicherung &ndash; teils gewollt, teils ungewollt<\/em><\/p><p>Die gesetzliche Rentenversicherung ist vor allem deswegen in finanziellen Schwierigkeiten,<\/p><ul>\n<li>weil die hohe Arbeitslosigkeit und die zeitweise gro&szlig;z&uuml;gigen Vorruhestandsregelungen dazu f&uuml;hren, da&szlig; es zu Mindereinnahmen bei der Rentenversicherung kommt,<\/li>\n<li>weil sie mit 30 Milliarden DM versicherungsfremden (genauer: nicht durch Beitr&auml;ge gedeckten) Leistungen belastet ist; z.B. Ausgaben f&uuml;r Renten der Aus- und Umsiedler und Belastungen aus der Wiedervereinigung, die eigentlich vom Bund bezahlt werden m&uuml;&szlig;ten, aber aus Rentenversicherungsbeitr&auml;gen der Arbeitnehmer finanziert werden.<\/li>\n<\/ul><p>W&uuml;rde die Bundesregierung darauf verzichten, allgemeine Staatsaufgaben den Beitragszahlern anzulasten, dann k&ouml;nnten die Beitr&auml;ge sofort um ca. 2% gesenkt werden. &raquo;Die aktuellen Finanzierungsdefizite der Rentenversicherung gehen auf die Arbeitslosigkeit und die vereinigungsbedingten zus&auml;tzlichen Lasten zur&uuml;ck&laquo;, res&uuml;miert das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in einer am 12. Juni 1997 ver&ouml;ffentlichten Studie.<\/p><p>Dazu kommt, da&szlig; immer mehr junge Menschen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage entweder nicht st&auml;ndig einen Arbeitsplatz finden oder auf Arbeitsverh&auml;ltnisse angewiesen sind, bei denen keine Sozialversicherungspflicht besteht. Der von den Neoliberalen betriebene Trend wirkt langfristig gegen das bestehende Rentensystem. Hier gibt es tats&auml;chlich ein Reformproblem. Wer weiter ungesicherte Arbeitsverh&auml;ltnisse oder Scheinselbst&auml;ndigkeit ohne Sozialversicherung zul&auml;&szlig;t, der untergr&auml;bt das Rentensystem finanziell und das Vertrauen in die soziale Sicherung.<\/p><p>Eine neue politische Koalition m&uuml;&szlig;te in ihrem Wahlkampf dar&uuml;ber aufkl&auml;ren, da&szlig; der Systemwechsel nichts an den demographischen Problemen l&ouml;st, ja da&szlig; die Schwierigkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung zuallererst mit der fehlgeschlagenen bzw. nicht vorhandenen Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung und ihres Mi&szlig;managements bez&uuml;glich der deutschen Vereinigung zu tun haben. Anstatt eine bew&auml;hrte Sozialversicherung ohne Not preiszugeben, m&uuml;ssen zuerst diese Fehlentwicklungen wirksam bek&auml;mpft werden. &Auml;nderungen, die das bew&auml;hrte System als Ganzes nicht in Frage stellen, sind durchaus vern&uuml;nftig. Sie sind wegen vieler gesellschaftlicher Verschiebungen wie der &Auml;nderung der Erwerbsbiografien und wegen hoher Scheidungsraten auch notwendig.<\/p><p>&Auml;nderungen, die das Vertrauen zerst&ouml;ren, sind hingegen unvern&uuml;nftig. Das gilt f&uuml;r das wichtigste Element der von der Bundesregierung geplanten Rentenreform. Danach soll das Standard-Rentenniveau von 70 auf 64% des durchschnittlichen Nettogehaltes sinken. Gerade f&uuml;r Geringverdienende und Frauen, die wegen ihrer Kinder oft nicht durchg&auml;ngig arbeiten, ist eine solche gro&szlig;e Absenkung nicht zumutbar. Dar&uuml;ber zu befinden ist heute auch wirklich nicht n&ouml;tig. Wer diese Entscheidung heute dennoch betreibt, mu&szlig; sich vorhalten lassen, die B&uuml;rger verunsichern, von der sozialen Vorsorge weg und hin zur privaten treiben zu wollen.<\/p><p>Nach einer im Juli 1997 ver&ouml;ffentlichten Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB)27 nahm das Vertrauen der B&uuml;rger in die sozialen Sicherungssysteme in den letzten Jahren rapide ab. Diese Verunsicherung ist die Folge der &raquo;Reform&laquo;-Debatte und tats&auml;chlicher Eingriffe wie etwa der Zuzahlungen im Krankenkassenwesen. Schon die jungen Leute machen sich Sorgen um ihre Renten, unter den herrschenden Umst&auml;nden mit Recht, wenn sie keine Arbeit haben und die Ausbildungszeiten nur begrenzt angerechnet werden.<\/p><p><strong>Soweit diese Verunsicherung bewu&szlig;t betrieben wird, mu&szlig; man fragen: Wer verdient daran, wer hat ein Interesse daran? &ndash; Die privaten Lebensversicherer betreiben mit viel Aufwand Werbung in H&ouml;rfunk, Fernsehen und Zeitungen. Es ist interessant, zu beobachten, wie Artikel &uuml;ber die angeblich desolate Lage der gesetzlichen Rentenversicherung mit Anzeigen der Versicherungswirtschaft gekoppelt sind, manchmal so geschickt, da&szlig; kaum noch deutlich wird, ob es sich um einen redaktionellen oder einen gesponserten Beitrag handelt.<\/strong><\/p><p><strong>Die privaten Lebensversicherungsgesellschaften nehmen heute knapp 90 Milliarden an Pr&auml;mien ein. Sie wittern jetzt das Gesch&auml;ft des Jahrhunderts. Schlie&szlig;lich hat die gesetzliche Rentenversicherung einen Leistungsumfang von ca. 300 Milliarden. Nur 1\/10 dieses Kuchens herauszuschneiden br&auml;chte den privaten Lebensversicherungen einen Zuwachs ihrer Pr&auml;mien von 33%, also einen au&szlig;erordentlich gro&szlig;en Gesch&auml;ftszuwachs.<\/strong><\/p><p>Bei aller Verunsicherung der B&uuml;rger scheint vielen die Aussicht auf eine Grundrente verlockend. Da diese &uuml;ber Steuergelder, also vom Staat, finanziert werden soll, hat sie schon fast Wohlfahrtsstaatscharakter. Doch was sind die Folgen?<\/p><p>Die angepeilte Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren h&auml;tte gravierende Auswirkungen auf die junge Generation, derentwegen angeblich die Umstellung vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren betrieben wird. Sie w&uuml;rde mehrfach belastet: Die heute Jungen m&uuml;&szlig;ten erstens weiterhin mit ihren Beitr&auml;gen die Renten der Alten bezahlen; sie w&auml;ren also bei den Beitr&auml;gen gar nicht entlastet. Sie m&uuml;&szlig;ten zweitens ihre eigene private Lebensversicherung bezahlen. Das hei&szlig;t, der Beitrag f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung und f&uuml;r die private m&uuml;&szlig;te addiert werden, was zu einer Rentenbeitragsbelastung von 22, 23, 25% oder noch mehr f&uuml;hren w&uuml;rde. Der jungen Generation mutet man drittens zu, da&szlig; sie mit unsicheren Arbeitsverh&auml;ltnissen fertig werden soll. Und dann soll viertens diese Generation auch noch akzeptieren, da&szlig; die ihnen nachwachsende Generation in 30 oder 40 Jahren keine Beitr&auml;ge mehr f&uuml;r sie zu zahlen hat.<\/p><p>Es besteht die Gefahr, da&szlig; die steuerfinanzierte Grundsicherung f&uuml;r Alte nicht ausreichend hoch festgesetzt oder in Zeiten der Finanzknappheit nicht ausreichend einem Inflations- und Reallohnzuwachs angepa&szlig;t wird, w&auml;hrend das gegenw&auml;rtige Rentensystem durch die formelm&auml;&szlig;ige Dynamisierung in Gestalt der Nettolohnanpassung dieses Problem bisher nicht hatte. Da Menschen gerade in jungen Jahren die Notwendigkeit der Vorsorge nicht sehen und deshalb nicht an eine private Zusatzversicherung zur Grundsicherung denken, wird die Altersarmut anwachsen. Dazu ein Zitat zur Praxis in Gro&szlig;britannien aus der &raquo;ZEIT&laquo; vom 14. M&auml;rz 1997: &raquo;Nach dieser neoliberalen Maxime haben bereits die Briten ihr Rentensystem zugunsten privater Vorsorge umgebaut. John Bridgeman, Generaldirektor des auch f&uuml;r die Kontrolle privater Lebensversicherer zust&auml;ndigen Office of Fair Trade, fa&szlig;t die Stimmung unter den &auml;lteren Menschen im modernen Gro&szlig;britannien so zusammen: &rsaquo;Die Leute f&uuml;rchten heute mehr, da&szlig; sie zu lange leben, als da&szlig; sie zu fr&uuml;h sterben, weil ihr Geld f&uuml;r einen einigerma&szlig;en ausk&ouml;mmlichen Lebensabend nicht mehr reicht.&lsaquo;&laquo;<\/p><p>Da&szlig; politische Entscheidungen dieses Ausma&szlig;es bei uns direkt oder indirekt auf die Interessen von privaten gro&szlig;en Konzernen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind, ist sehr bemerkenswert. Die wirkliche Triebfeder der hier geplanten Revolution sind die Milliarden Pr&auml;mien, die k&uuml;nftig bei den privaten Lebensversicherungen anfallen und die den gesetzlichen Rentenversicherungen fehlen werden.<\/p><p><em>Ob SPD und B&uuml;ndnisGr&uuml;ne noch kompagnenf&auml;hig sind?<\/em><\/p><p>Die Rentenfinanzierung hat alle Dimensionen eines gro&szlig;en Wahlkampfthemas:<\/p><ul>\n<li>Es betrifft viele Menschen.<\/li>\n<li>Es gibt einen wirklichen Konflikt. Die andere Seite mu&szlig; und wird um ihrer Glaubw&uuml;rdigkeit willen versuchen, diesem Konflikt auszuweichen.<\/li>\n<li>Die CDU\/CSU ist in dieser Frage gespalten. Es gibt f&uuml;hrende Politiker und zahlreiche W&auml;hler der CDU\/CSU, die genauso wie die meisten Sozialdemokraten und Gewerkschafter das System der sozialen Sicherung vor dem Ausverkauf an private Interessen retten wollen und die genau wissen, was gespielt wird.<\/li>\n<li>Es geht um viel Geld. Damit hat das Thema die Dimension des Themas &raquo;Gro&szlig;es Geld&laquo; der Wahl 1972. Damals hatten Teile der deutschen Wirtschaft mit mehreren Millionen Mark in den Wahlkampf eingegriffen, um Bundeskanzler Willy Brandt loszuwerden. Die SPD hat aus diesem Versuch der Einflu&szlig;nahme ein gro&szlig;es Thema gemacht und gewonnen.<\/li>\n<\/ul><p>Das Thema Rentenfinanzierung wird ein guter Test daf&uuml;r sein, ob die SPD und die B&uuml;ndnisGr&uuml;nen f&auml;hig sind, eine Alternative zur konservativen Hegemonie zu entwerfen, zu propagieren und zu verteidigen. Das ist fraglich geworden. Teile der B&uuml;ndnisGr&uuml;nen signalisieren deutliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Privatversicherungsvariante. Bei den &raquo;Modernisierern&laquo; der SPD ist es &auml;hnlich. Das gilt nicht f&uuml;r die Rentenreformkommission der SPD und die gro&szlig;e Mehrheit der Mitglieder und Verantwortungstr&auml;ger.<\/p><p>Dennoch lohnt es sich in dieser Frage, eine gemeinsame Basis zu suchen und zu finden. Die soziale Sicherung ist das Verm&ouml;gen der &raquo;kleinen Leute&laquo;. Wenn es nicht gelingt, ihnen dieses &raquo;Verm&ouml;gen&laquo; zu erhalten, dann werden sie sich dem Umweltschutz, liberalen Rechtsauffassungen und Menschenrechtsfragen noch mehr verschlie&szlig;en, als dies heute der Fall ist.<\/p><p><em>Die Entscheidung &uuml;ber die Zukunft der Sozialstaatlichkeit f&auml;llt 1998<\/em><\/p><p>Es entscheidet sich in diesen Monaten, ob es den privaten Interessenten gelingt, den Zusammenbruch des jetzigen Sozialversicherungssystems endg&uuml;ltig einzuleiten. Es entscheidet sich, ob es gelingen k&ouml;nnte, den Menschen, die unter Dauerberieselung der Werbung zum Einstieg in eine Privatversicherung stehen und denen eingeredet wird, das soziale Sicherungssystem breche demn&auml;chst zusammen, wieder Sicherheit zu geben. Deshalb ist es h&ouml;chste Zeit, die f&uuml;r das Renommee der Sozialstaatlichkeit entscheidende Weichenstellung zum gro&szlig;en Thema zu machen. Noch einmal: Es gen&uuml;gt nicht, die Ideologie der andern allein durch Sachargumente zu entkr&auml;ften bzw. eigene Vorschl&auml;ge zur Rentenreform gegen die anderen Reformvorstellungen zu setzen. Es ist wichtig, den Menschen zu sagen, warum ihnen Angst gemacht wird. Sie m&uuml;ssen das der Kampagne zugrundeliegende Interessengeflecht erkennen. Nur dann werden sich Emotionen und damit eine Gegen&ouml;ffentlichkeit mobilisieren lassen.&ldquo;<\/p><p>Das war der Text aus &bdquo;Mut zur Wende&ldquo;.<\/p><p><strong>Es gab dann eine Reihe weiterer einschl&auml;giger relevanter &Auml;u&szlig;erungen. Beispiele:<\/strong><\/p><ol type=\"a\">\n<li><strong>Ein Beitrag f&uuml;r das Kritische Tagebuch des WDR vom Anfang November 1999 von Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><br>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Glaubenss&auml;tze auf dem Pr&uuml;fstand &ndash; Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr. Deshalb m&uuml;ssen wir die bisherige Rentenversicherung um die private Altersvorsorge erg&auml;nzen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/190617-Nov-1999-Albrecht-Mueller-im-Kritischen-Tagebuch-des-WDR.pdf\">Hier als PDF.<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>In den NachDenkSeiten und anderen B&uuml;chern habe ich unentwegt auf den unn&ouml;tigen Wahnsinn hingewiesen, das bestehende und unter schwierigen Umst&auml;nden wie Kriegen funktionierende Rentensystem zu zerst&ouml;ren, statt es neuen Bedingungen anzupassen.<\/strong>\n<p>Ich verweise auf das 2004 erschienene Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=23\">Die Reforml&uuml;ge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren<\/a>&ldquo; . Dort sind dem Thema drei &bdquo;Denkfehler&ldquo; gewidmet. Die Texte waren dann auch auf den NachDenkSeiten wiedergegeben. Siehe hier:<\/p>\n<ul>\n<li>&bdquo;Denkfehler 5: Wir werden immer weniger&ldquo;,<\/li>\n<li>&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1159\">Denkfehler 6: Wir werden immer &auml;lter. Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr.<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1081\">Denkfehler 7: Jetzt hilft nur noch private Vorsorge.<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><\/li>\n\n<\/ol><p>In meinem 2006 erschienenen Buch &bdquo;Machtwahn&ldquo; dokumentierte ich die politische Korruption, die bei diesem so viele Menschen betreffenden Thema Usus geworden war. Zum Beispiel waren mit dem Finanzdienstleister Carsten Maschmeyer gleich mehrere Akteure pers&ouml;nlich und gesch&auml;ftlich verbunden: der Namensgeber f&uuml;r die Riester-Rente, Walter Riester, der Namensgeber f&uuml;r die R&uuml;rup-Rente, Bert R&uuml;rup, und der Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der. Weniger laut, aber umso mehr haben prominente CDU-Leute von der Teilprivatisierung der Altersvorsorge profitiert &ndash; namentlich der fr&uuml;here Staatsminister bei Bundeskanzler Kohl, Friedrich Bohl. Er war im Anschluss an seine T&auml;tigkeit bei Kohl als Vorstand bei einer der gr&ouml;&szlig;ten Verm&ouml;gensberatungsfirmen Deutschlands, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Verm%C3%B6gensberatung\">Deutschen Verm&ouml;gensberatung<\/a>&nbsp;(DVAG),&nbsp;t&auml;tig.<\/p><p><strong>Das Fazit aus all diesen Texten und Hinweisen: Man wusste alles, jedenfalls konnte man alles wissen. Die Zerst&ouml;rung der Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzlichen Rente ist absichtlich betrieben worden. Und es wird auch jetzt absichtlich nichts getan, um ihre Leistungsf&auml;higkeit wieder herzustellen. Das Gesch&auml;ftsfeld der Finanzwirtschaft, die vom Steuerzahler gef&ouml;rderte private Vorsorge, soll offensichtlich erhalten bleiben. <\/strong><\/p><p><strong>Die meisten deutschen Medien sind den von gro&szlig;en Interessen gemachten Kampagnen lammfromm gefolgt.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Altersvorsorge ist f&uuml;r viele Menschen unbefriedigend, viele machen sich zu Recht Sorge vor Altersarmut. Die Leistungsf&auml;higkeit des einigerma&szlig;en gut funktionierenden gesetzlichen Rentensystems ist in den letzten zwei Jahrzehnten bewusst zerst&ouml;rt worden, um die Interessen der Finanzwirtschaft zu bedienen. &ndash; In dieser Woche werden die NachDenkSeiten drei Texte und Hinweise ver&ouml;ffentlichen, die sichtbar machen, was<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52576\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":52577,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,127,39,14],"tags":[635,720,293,904,300,288,273,487,312,1912,1609,479,2272,221],"class_list":["post-52576","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-rente","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","tag-altersarmut","tag-bohl-friedrich","tag-finanzwirtschaft","tag-grv","tag-mueller-albrecht","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-privatvorsorge","tag-produktivitaet","tag-reformpolitik","tag-rentenniveau","tag-rentenreform","tag-reservearmee","tag-versicherungsfremde-leistungen","tag-versicherungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/190617-Rente-und-Teil-I.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52576","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52576"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52576\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52593,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52576\/revisions\/52593"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/52577"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52576"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52576"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52576"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}