{"id":52682,"date":"2019-06-21T09:00:26","date_gmt":"2019-06-21T07:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52682"},"modified":"2019-06-21T17:11:59","modified_gmt":"2019-06-21T15:11:59","slug":"facebooks-kryptowaehrung-libra-der-feuchte-traum-der-datenkrake","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52682","title":{"rendered":"Facebooks \u201eKryptow\u00e4hrung\u201c Libra \u2013 der feuchte Traum der Datenkrake"},"content":{"rendered":"<p>Nun ist es <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Neues-Kryptogeld-Libra-Facebook-plant-die-Weltwaehrung-4449955.html\">offiziell<\/a>. Zusammen mit namhaften Partnern will Facebook bereits im n&auml;chsten Jahr seine eigene &bdquo;Weltw&auml;hrung&ldquo; herausgeben. Die Libra ist als wertstabile Kryptow&auml;hrung konzipiert, mit der man sich &uuml;ber W&auml;hrungsr&auml;ume hinweg einfach und unkompliziert Geld zuschicken kann. Mittel- bis langfristig soll sie zu einem &bdquo;universalen Zahlungsmittel&ldquo; im eCommerce werden. Schon wird eifrig dar&uuml;ber diskutiert, ob Facebooks Libra eine W&auml;hrung ist und als solche reguliert werden sollte. Doch das lenkt vom eigentlichen Problem ab: Sollte Facebook mit seiner Libra Erfolg haben, kann das Unternehmen die Nutzerdaten aus seinen Softwareangeboten mit den Finanz- und Konsumdaten der Nutzer verkn&uuml;pfen und w&uuml;rde so zur unangefochten gr&ouml;&szlig;ten Datenkrake der Welt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7514\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-52682-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190621_Facebooks_Kryptowaehrung_Libra_der_feuchte_Traum_der_Datenkrake_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190621_Facebooks_Kryptowaehrung_Libra_der_feuchte_Traum_der_Datenkrake_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190621_Facebooks_Kryptowaehrung_Libra_der_feuchte_Traum_der_Datenkrake_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190621_Facebooks_Kryptowaehrung_Libra_der_feuchte_Traum_der_Datenkrake_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=52682-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190621_Facebooks_Kryptowaehrung_Libra_der_feuchte_Traum_der_Datenkrake_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190621_Facebooks_Kryptowaehrung_Libra_der_feuchte_Traum_der_Datenkrake_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Immer wenn es um den Begriff &bdquo;W&auml;hrung&ldquo; geht, driftet die Diskussion schnell ins Esoterische ab. Was Facebook mit seinem Libra-Projekt umsetzen will, ist jedoch ziemlich unspektakul&auml;r. Geld &uuml;ber verschiedene W&auml;hrungsr&auml;ume hinweg zu transferieren, ist in Zeiten von PayPal, Moneygram und Co. nichts Besonderes. Diesen Service in ein Messenger-Programm zu integrieren, ist in China &uuml;ber den WeChat-Dienst schon lange tagt&auml;gliche Realit&auml;t. Neu ist beim Libra-Projekt lediglich, dass der Transfer technisch &uuml;ber eine Kryptow&auml;hrung vonstattengeht, deren Recheneinheit offenbar an einen W&auml;hrungskorb aus Dollar, Euro und Yen gekoppelt sein soll. Hinter den Kulissen soll eine &bdquo;Reserve&ldquo; daf&uuml;r sorgen, dass die Libra gegen&uuml;ber diesen W&auml;hrungen &bdquo;stabil&ldquo; bleibt. Doch das ist nat&uuml;rlich im Sinne des Wortes nicht m&ouml;glich, da die jeweiligen W&auml;hrungen untereinander ja nicht stabil sind, sondern im Rahmen der Kursschwankungen an den Devisenm&auml;rkten fluktuieren. Aber das ist ohnehin nebens&auml;chlich, da die Libra ja eben kein &bdquo;echtes&ldquo; Geld ist und nicht alle Geldfunktionen mitbringt und nicht f&uuml;r die &bdquo;Wertaufbewahrung&ldquo;, sondern f&uuml;r als &bdquo;Zahlungsmittel&ldquo; konzipiert ist.<\/p><p>Um zu verstehen, was die Libra eigentlich ist, ist es hilfreich, sie sich zun&auml;chst einmal als eine Art universelle Preisangabe vorzustellen. Spotify kann seine Monatsgeb&uuml;hren mit 10 Libra angeben, was dann bei einer hypothetischen Libra-Kopplung von 1:1 zum Euro und 1:1,1 zum US-Dollar ungef&auml;hr dem heutigen Preis entspricht. Ob es nun &uuml;bersichtlicher oder gar einfacher ist, wenn Preise in einer Kunstw&auml;hrung angegeben werden, darf ernsthaft bezweifelt werden. Hier wird ein Problem konstruiert, das selbst beim grenz&uuml;berschreitenden Handel heute doch gar nicht existiert. Es gibt wohl kaum eCommerce-Seiten, die die g&uuml;ltigen Preise nicht entweder automatisch oder manuell in der gew&uuml;nschten W&auml;hrung darstellen und die Kaufsumme &uuml;ber die entsprechenden Finanzdienstleister (PayPal, Visa, MasterCard, Klarna etc.) gegen eine &uuml;berschaubare Transaktionsgeb&uuml;hr in Echtzeit &uuml;berweisen.<\/p><p>Auch volkswirtschaftlich ist die Libra nicht sonderlich aufregend. Wenn man das ganze Kryptow&auml;hrungs-Bohei, das nur unter der Motorhaube von Belang ist, mal herausl&auml;sst, ist Facebooks &ouml;konomische Funktion bei dieser Transaktion lediglich, vom K&auml;ufer den Kaufpreis zu kassieren und ihn dem Verk&auml;ufer gutzuschreiben. Alles andere ist eine Black Box. Nach au&szlig;en hin ist es unerheblich, ob die Teilnehmer des Netzwerks ihre Preise nun in Euro, Dollar, Libra oder Glasperlen ausschreiben und welche internen Rechnungseinheiten sie zur Fakturierung benutzen. Da ist sehr viel PR und sehr wenig Substanz im Spiel.<\/p><p>Die Libra ist eine L&ouml;sung f&uuml;r ein Problem, das es gar nicht gibt. Und wenn Facebook &ndash; wie angek&uuml;ndigt &ndash; die &bdquo;&uuml;bliche Regulierung&ldquo; f&uuml;r Finanzdienstleister &uuml;bernimmt, d&uuml;rfte auch die Geldw&auml;scheproblematik &ndash; ganz anders als bei Bitcoin und Co. &ndash; &uuml;berschaubar sein. Das ist auch kein Wunder, da das eigentliche Gesch&auml;ftsmodell mit &bdquo;anonymen Transaktionen&ldquo; nicht umsetzbar w&auml;re. Denn so sinnlos die Libra auch scheinen mag, hat sie f&uuml;r die Datenkrake Facebook einen sehr verlockenden Reiz, den sich das Unternehmen auch was kosten lassen d&uuml;rfte. Und hier wird es dann auch interessant.<\/p><p>Auch wenn PayPal das Clearing &uuml;ber die gro&szlig;en Kreditkartenkonglomerate oder auf anonymer Ebene Western Union oder Moneygram technisch reibungslos funktionieren und vom Kunden angenommen werden, so sind sie doch vergleichsweise teuer. Das merkt der Endkunde zwar in der Regel nicht, da die Transaktionsgeb&uuml;hren eingepreist sind. Je nach Bedingung, Standort und W&auml;hrungsraum fallen jedoch bei solchen Transaktionen meist zwischen 0,5% und 5% Geb&uuml;hren an, die in der Regel dem Verk&auml;ufer, also dem Handel in Rechnung gestellt werden. Wenn Facebook hier einen preiswerteren oder gar kostenlosen Transaktionsdienst anbietet, wird der Handel diesen Dienst nat&uuml;rlich nicht nur annehmen und unterst&uuml;tzen, sondern auch mit Freude pushen.<\/p><p>Doch hier gilt die alte Regel &ndash; wenn Du nichts f&uuml;r einen Dienst zahlst, bist Du das Produkt. Und bei Facebook ist der Nutzer ohnehin das Produkt. Wenn Facebook &uuml;ber seine Schweizer Tochter &bdquo;Libra Networks&ldquo;, deren Gesch&auml;ftsinhalt &uuml;brigens mit &bdquo;Investition, Zahlungsabwicklung, Finanzierung, Identit&auml;ts-Management, Analyse, Big Data und Blockchain&ldquo; beschrieben ist, die Daten aus seinem gleichnamigen Netzwerk und den angeschlossenen Diensten (Instagram, Messenger u.a.) nun mit seinem neuen Finanzdienstleister Libra, dessen Transaktionsdaten und allen Daten der Libra-Partner (Visa, MasterCard, Spotify, Uber u.a.) zusammenf&uuml;hrt, entsteht ein Datenpool, der sogar Google neidisch machen w&uuml;rde. Dieser gigantische Datenpool in den H&auml;nden eines Unternehmens wie Facebook w&auml;re ein Datenschutz-Super-GAU. Wenn es das neu gew&auml;hlte EU-Parlament mit seinen Sonntagsregeln von einem besseren Datenschutz und der Aufsicht von &bdquo;Big Data&ldquo; ernst meinen w&uuml;rde, w&auml;re Facebooks Libra die Nagelprobe.<\/p><p>Titelbild: M.INTAKUM\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/36bcd9c3168447499976c8386de99409\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun ist es <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Neues-Kryptogeld-Libra-Facebook-plant-die-Weltwaehrung-4449955.html\">offiziell<\/a>. Zusammen mit namhaften Partnern will Facebook bereits im n&auml;chsten Jahr seine eigene &bdquo;Weltw&auml;hrung&ldquo; herausgeben. Die Libra ist als wertstabile Kryptow&auml;hrung konzipiert, mit der man sich &uuml;ber W&auml;hrungsr&auml;ume hinweg einfach und unkompliziert Geld zuschicken kann. 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