{"id":52741,"date":"2019-06-24T11:00:50","date_gmt":"2019-06-24T09:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52741"},"modified":"2019-06-25T19:05:48","modified_gmt":"2019-06-25T17:05:48","slug":"spd-wolfsburg-unterstuetzt-dauerhafte-vernichtung-von-preiswertem-wohnraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52741","title":{"rendered":"SPD Wolfsburg unterst\u00fctzt dauerhafte Vernichtung von preiswertem Wohnraum"},"content":{"rendered":"<p>Zum Stopp der drastisch steigenden Mieten hat die Berliner SPD zusammen mit den Linken und Gr&uuml;nen die Mieten in der Hauptstadt einen Mietendeckel beschlossen, will die Mieten per Gesetz f&uuml;nf Jahre einfrieren. Die SPD reagiert auf schlechte Wahlergebnisse und auf den Druck der Initiative &bdquo;Deutsche Wohnen enteignen&ldquo;. Anders in Wolfsburg. Preisg&uuml;nstige Wohnungen sind hier ebenfalls Mangelware, doch die in der Autostadt regierenden Sozialdemokraten unter OB Klaus Mohrs unterst&uuml;tzen Mieten treibende Modernisierungs- und Erweiterungspl&auml;ne der Adler Real Estate AG und lassen Mieter im Regen stehen. Von <strong>Hermann M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer umstrittene Immobilienkonzern hat 2015 rund 1100 Wohnungen im Ortsteil Vorsfelde preisg&uuml;nstig erworben, pikanterweise von der&nbsp;landeseigenen Berliner Berlinovo. Sie verwaltet das Immobilienerbe aus dem Berliner Bankenskandal nach dem Zusammenbruch der Bankgesellschaft Berlin in 2001, hat sich 2015 von allen Liegenschaften au&szlig;erhalb Berlins getrennt. Errichtet wurden die Wohnh&auml;user vor mehr als 60 Jahren durch die damals gewerkschaftseigene und sp&auml;ter durch Missmanagement insolvente Neue Heimat. <\/p><p>Noch zahlen viele Mieter weniger als 6 Euro netto kalt pro Quadratmeter. Dabei hat Adler am 1. September 2017 (zwei Jahre nach dem Kauf) die Mieten kr&auml;ftig erh&ouml;ht, in konkreten F&auml;llen von 5,30 auf 5,92 nettokalt (plus 11,8 Prozent). Ziehen Mieter aus, bietet Adler innen sanierte Wohnungen &uuml;ber eine Berliner Maklerin f&uuml;r 7,70 Euro netto kalt an. 45 Prozent mehr als zum Zeitpunkt des Kaufs. Das zeigt, wohin die Reise geht.<\/p><p>F&uuml;r die Mieter kommt es noch dicker. Das Quartier ist in die Jahre gekommen, fr&uuml;here Eigent&uuml;mer haben wenig investiert, die Folge ist ein gro&szlig;er Instandhaltungs- und Sanierungsstau. Adler will umfangreich sanieren, durch Aufstockung insgesamt 220 neue Wohnungen schaffen.<\/p><p>Startschuss ist im Wohngebiet Heidgarten: Die dreigeschossigen Geb&auml;ude sollen um eine Etage wachsen, hier sollen 130 neue Wohnungen entstehen. Aufz&uuml;ge sollen eingebaut, Isolierfenster ersetzt, die &auml;u&szlig;ere W&auml;rmed&auml;mmung erneuert, Balkone vergr&ouml;&szlig;ert werden. 40 Millionen will Adler investieren, die Modernisierungskosten &uuml;ber die 8-prozentige Umlage auf die Mieten schlagen.  <\/p><p>Ein Knackpunkt ist die Aufstockung und&nbsp;der damit verbundene&nbsp;Einbau von Aufz&uuml;gen. Dazu m&uuml;ssen Bebauungspl&auml;ne ge&auml;ndert werden. F&uuml;r Heidgarten hat die&nbsp;SPD-gef&uuml;hrte Stadtverwaltung unter OB Mohrs einen&nbsp;Entwurf erarbeitet. Diesen will die SPD am 3. Juli im Rat der Stadt verabschieden, zusammen mit CDU, Gr&uuml;nen, PUG, vermutlich auch FDP, AfD. Der Weg f&uuml;r Adler w&auml;re frei Aufstockung und Aufz&uuml;ge.  <\/p><p>Allen Parteien &ndash; allen voran der SPD &ndash; sollte klar sein: Wer der &Auml;nderung des Bebauungsplanes zustimmt und die Aufstockung bef&uuml;rwortet, nimmt drastisch steigende Bestandsmieten f&uuml;r die betroffenen Mietparteien in Kauf, stimmt f&uuml;r Verdr&auml;ngung von einkommensschwachen Mietern und den dauerhaften Verlust von preiswertem Wohnraum.<\/p><p>Die Stadt begr&uuml;ndet die &Auml;nderung mit dem Argument, man wolle &ldquo;insbesondere im g&uuml;nstigen Mietwohnungsbau&rdquo; den &ldquo;dringend ben&ouml;tigten&rdquo; Wohnraum&nbsp;schaffen. In Wirklichkeit konterkariert die Stadt ihre offiziellen Ziele. Zwar werden 130 neue, meist kleine Wohnungen geschaffen. Zielgruppen sind offenbar gutverdienende Singles oder Doppelverdiener ohne Kinder, die sich h&ouml;here Mieten leisten k&ouml;nnen. Die Mieten sind &ouml;ffentlich nicht bekannt. <\/p><p>Offenbar verfolgt der Sozialdemokrat und OB Mohrs nur ein Ziel: Die Stadt will in den kommenden Jahren&nbsp;auf Biegen und Brechen 10.000 neue Wohnungen schaffen, koste es f&uuml;r die Mieter, was es wolle. <\/p><p>Dabei sind Aufz&uuml;ge f&uuml;r die Bestandsmieter im Heidgarten praktisch ohne Zusatznutzen. Ihre Wohnungen in den dreigeschossigen Geb&auml;uden sind gut erreichbar. Ein barrierefreier Zugang f&uuml;r stark Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer ist auch k&uuml;nftig nicht m&ouml;glich, die Aufz&uuml;ge halten auf halber Treppe: Dabei schreibt die Nieders&auml;chsische Bauordnung in &sect; 39 bs. 3, Satz 2 vor:&nbsp;&nbsp;&bdquo;Dieser Aufzug muss von allen Wohnungen in dem Geb&auml;ude und von der &ouml;ffentlichen Verkehrsfl&auml;che aus stufenlos erreichbar sein.&ldquo; <\/p><p>Die Kosten f&uuml;r Aufz&uuml;ge (und k&uuml;nftige Betriebskosten) will Adler&nbsp;&uuml;ber die achtprozentige Modernisierungsumlage&nbsp;auf alle Mieter umlegen. Zahlen m&uuml;ssten auch Mieter im etwas hochgelegten Erdgeschoss, die es nur wenige Treppenstufen zu ihrer Wohnung haben. Profitieren w&uuml;rden fast ausschlie&szlig;lich die k&uuml;nftigen Mieter im geplanten 4. Obergeschoss. <\/p><p>Gleichzeitig will Adler Isolierfenster austauschen, die &auml;u&szlig;ere W&auml;rmed&auml;mmung erneuern, Balkone vergr&ouml;&szlig;ern, diese Kosten auf alle&nbsp;Bestandsmieter umlegen. Durch die j&uuml;ngst vom Bundestag beschlossene moderate Senkung der Modernisierungsumlage von elf auf acht Prozent wird Adler zwar ein wenig gebremst, den Mietern drohen Steigerungen um bis zu 2 Euro netto kalt (Nettokaltmieten bis 7 Euro) oder bis zu 3 Euro (Nettokaltmieten &uuml;ber 7 Euro).&nbsp;Gut m&ouml;glich, dass ein Teil der Wohnungen, die Adler 2015 f&uuml;r 5,30 Euro netto kalt &uuml;bernommen hat, bald 10 Euro und mehr kosten &ndash; eine Erh&ouml;hung um 100 Prozent.<br>\n&nbsp;<br>\nDas Vorhaben ist juristisch und politisch fragw&uuml;rdig. Vermutet wird, dass&nbsp;Adler ohnehin notwendige Instandhaltungs- und Reparaturkosten (Mieter klagen &uuml;ber Schimmel, Wasser im Keller, defekte Heizungen)&nbsp;&uuml;ber die Modernisierung auf die Miete schlagen will. Auch wurden vor &uuml;ber 40 Jahren Einfachfenster durch Isolierfenster ersetzt, die &auml;u&szlig;ere D&auml;mmung angebracht, was eine Mieterh&ouml;hung zur Folge hatte. <\/p><p>Demnach f&auml;llt der&nbsp;Austausch der vorhandenen Isolierfenster und der &auml;u&szlig;eren W&auml;rmed&auml;mmung unter Sanierung bzw. Instandhaltung!&nbsp;Doch Adler will die Mieter f&uuml;r diese Ma&szlig;nahmen ein zweites Mal zur Kasse bitten, hier sind Rechtsstreitigkeiten vorprogrammiert. Trotzdem unterst&uuml;tzen die Wolfsburger Parteien, allen voran SPD, CDU, PUG als st&auml;rkste Fraktionen im Rat der Stadt diese Pl&auml;ne und lassen die Mieter im Regen stehen.<\/p><p>W&auml;hrend der &ouml;ffentlichen Debatte &uuml;ber die Bau- und Modernisierungspl&auml;ne streute Andreas Bening, vor Ort zust&auml;ndiger Projektleiter von Adler, Politikern und Mietern viel Sand in die Augen und verteilte Beruhigungspillen. Bening gestand m&ouml;gliche Erh&ouml;hungen von 2 bis 3 Euro ein, versicherte gleichzeitig, Mieten w&uuml;rden bezahlbar bleiben: Die bessere W&auml;rmed&auml;mmung f&uuml;hre in der Regel zu Einsparungen bei den Heizkosten um 25 bis 40 Prozent. <\/p><p>Mietern rang das ein m&uuml;des L&auml;cheln ab, doch einige Politiker nahmen das f&uuml;r bare M&uuml;nze. Fakt ist: Der Einspareffekt einer W&auml;rmed&auml;mmung steht meist in keinem Verh&auml;ltnis zur Mietsteigerung. <\/p><p>An der Situation in Vorsfelde nicht ganz schuldlos sind wiederum die Berliner &bdquo;Genossen&ldquo;. Eine Tochter von Adler hat 2015 rund 13.400 Wohnungen von der Berlinovo erworben, darunter die Liegenschaften in Vorsfelde. F&uuml;r rund 400 Millionen Euro, offenbar ein Schn&auml;ppchenpreis. Nach groben Berechnungen kostete eine Wohnung im&nbsp;Schnitt etwa 30.000&nbsp;Euro oder 550 Euro pro Quadratmeter. Dabei erzielte Berlinovo&nbsp;zuletzt&nbsp;j&auml;hrlich Nettokaltmieten von 37 Millionen Euro. Auf den Kaufpreis hochgerechnet bedeutet das eine respektable Rendite von neun Prozent bei einem Vermietungsstand von 91 Prozent.&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nZum Zeitpunkt des Verkaufs war&nbsp;Klaus Wowereit (SPD) Regierender B&uuml;rgermeister, sein Nachfolger&nbsp;und heutiger SPD-Landeschef Michael M&uuml;ller&nbsp;war&nbsp;Bausenator. Der&nbsp;Verkauf fiel in das Ressort des parteilosen Million&auml;rs Ulrich Nussbaum, damals Finanzsenator auf dem Ticket der SPD. Nussbaum dient heute Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)&nbsp;als Staatssekret&auml;r.&nbsp;<\/p><p>Verkauft wurde das Paket an eine Aktiengesellschaft, obwohl schon zu diesem Zeitpunkt bundesweit &uuml;ber fehlenden Wohnraum und steigende Mieten geklagt wurde.&nbsp;Das Schicksal der betroffenen Mieter au&szlig;erhalb von Berlin war den&nbsp;Berliner&nbsp;Sozialdemokraten offenbar egal. Dagegen m&uuml;ssen in der Berliner Zentrale der Adler Real Estate AG die Sektkorken geknallt haben. Der g&uuml;nstige Kauf war offenbar Treibstoff f&uuml;r den Aktienkurs. Dieser ging&nbsp;nach dem Erwerb durch&nbsp;die Decke, stieg von&nbsp;knapp &uuml;ber 4 Euro&nbsp;zeitweise auf &uuml;ber 15 Euro.&nbsp;&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nWas Politiker in Wolfsburg und Berlin wissen sollten oder nicht sehen wollen: Die Adler Real Estate AG ist ein Unternehmen, das preiswerten Wohnraum gezielt zerst&ouml;rt. Als b&ouml;rsennotiertes Unternehmen hat das Unternehmen die Pflicht, die&nbsp;Interessen ihrer Aktion&auml;re nach einer m&ouml;glichst hohen Dividende zu erf&uuml;llen. Die dauerhafte Vernichtung von preiswertem Wohnraum&nbsp;ist zwangsl&auml;ufig das Gesch&auml;ftsmodell von Adler.  <\/p><p>Die Firma dr&uuml;ckt es auf der Internetseite oder im Gesch&auml;ftsbericht, alles auch f&uuml;r Politiker &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche Quellen,&nbsp;moderat aus: Adler kaufe preiswerten Wohnraum mit Perspektivpotential im unteren Mietsegment, &ldquo;um diesen zu entwickeln.&rdquo;&nbsp; Was das konkret bedeutet, kann man in Vorsfelde beobachten.&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nDie Strategie von Adler ist ein beliebter Klassiker von privaten Wohnungsbaukonzernen zur Steigerung der Mieten. Das Vorgehen hat der Mieterbund im vergangenen Jahr scharf kritisiert. In der Autostadt bekommt Adler dagegen Beifall und Unterst&uuml;tzung von den Wolfsburger Parteien. &nbsp;&nbsp; <\/p><p>Modernisierungen sind f&uuml;r Adler und Co. lukrativ und verlockend: Wo gibt es im Umfeld niedriger Zinsen noch Renditen in H&ouml;he von acht Prozent? Am Ende sind die Renditen noch h&ouml;her, Bau- und Modernisierungskosten kann der Investor noch abschreiben.&nbsp;<\/p><p>W&auml;hrend Bening die gute Zusammenarbeit mit dem lokalen Ortsrat in Vorsfelde und der Stadt Wolfsburg &ouml;ffentlich lobt (Die Stadt Wolfsburg &ldquo;ist unserem Projekt gegen&uuml;ber positiv eingestellt und bef&uuml;rwortet es&ldquo;), geht die f&uuml;r Adler t&auml;tige Hausverwaltung mit Mietern weniger freundlich um. Auf Fragen und Beschwerden, z. B. &uuml;ber erkl&auml;rungsw&uuml;rdige Betriebskosten, erhalten Mieter meist keine Antwort. In G&ouml;ttingen-Grone gab es heftigen &Auml;rger um falsche Betriebskosten. Trotzdem halten die Politiker in beiden St&auml;dten dem Unternehmen die Stange. <\/p><p>Besorgte Mieter wollen von Aufstockung, Aufz&uuml;gen, Modernisierung nichts wissen. Auf Initiative einer parteilosen Abgeordneten&nbsp;im Rat der Stadt protestierten Mieter im Fr&uuml;hjahr letzten Jahres gegen diese Pl&auml;ne, forderten Instandhaltung und Sanierung, den Erhalt von preiswertem Wohnraum. Was wir nicht brauchen, sind&nbsp;gr&ouml;&szlig;ere Balkone und Fahrst&uuml;hle, die zwischen den Etagen halten, zitierte eine Wolfsburger Zeitung die Betroffenen. Eine auf den Rollator angewiesene Gehbehinderte erkl&auml;rte dem Blatt:&nbsp;&bdquo;Dieser geplante Fahrstuhl bringt mir gar nichts.&ldquo;<br>\n&nbsp;<br>\n&Uuml;ber den Protest der Mieter zeigten sich zwei SPD-Abgeordnete aus Vorsfelde vor Ort zwar erschrocken, mehr passierte nicht. Auf &ouml;ffentlichen Versammlungen blieben die &bdquo;Genossen&ldquo; stumm. Es blieb der einzige &ouml;ffentliche Protest, die Abgeordnete k&uuml;ndigte die Gr&uuml;ndung einer Initiative an, tauchte danach ab. Die in der Autostadt schwache Linke organisierte mit dem Mieterbund eine &ouml;ffentliche Veranstaltung zur Information der Mieter, k&uuml;ndigte ebenfalls eine Initiative an, doch dabei blieb es. Bei den &uuml;brigen Parteien haben die Mieter keine Lobby oder Stimme.<\/p><p>Daf&uuml;r legte sich der hemds&auml;rmelige Ortsb&uuml;rgermeister von Vorsfelde (und Hausbesitzer) G&uuml;nter Lach (CDU) &ouml;ffentlich m&auml;chtig ins Zeug, lobte den Investor mehrfach &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee. (&bdquo;Wir hatten selten einen Investor, der so auf die Mieter eingegangen ist&ldquo;) und hob auf den sog. &ldquo;Rahmensozialplan&rdquo; ab, den Adler angeboten hatte. Ganz offenbar als Gegenleistung f&uuml;r ein positives Votum des Ortsrats zur &Auml;nderung des Bebauungsplanes.<br>\n&nbsp;<br>\nDie Debatte dar&uuml;ber fand im letzten Jahr hinter verschlossenen T&uuml;ren statt. Der Ortsrat sagte die &ouml;ffentliche Sitzung kurzfristig ab und tagte ein paar Tage sp&auml;ter hinter verschlossenen T&uuml;ren. Interessierten erging es wie so manchem Vierbeiner &ndash; sie mussten drau&szlig;en bleiben. Gr&uuml;nde f&uuml;r das Versteckspiel nannten die Politiker nicht. Dabei ist Transparenz eine elementare Voraussetzung f&uuml;r Glaubw&uuml;rdigkeit, Vertrauen und eine  funktionierende Demokratie!&nbsp;&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nIch habe bei&nbsp;Ortsb&uuml;rgermeister Lach, der sich als treuer Fan von Adler entpuppt, nachgefragt.&nbsp;Um seine&nbsp;Begeisterung f&uuml;r den Rahmensozialplan zu verstehen, w&uuml;rde ich gern einen Blick in das Papier werfen. Vielleicht k&ouml;nne er meine Bedenken ausr&auml;umen. Lach reagierte nicht.  <\/p><p>Als die Vorsfelder Sch&uuml;tzen 2015 f&uuml;r ihr traditionelles Fest eine Geb&uuml;hr an die Stadt zahlen sollten, lief der fr&uuml;here Bundestagsabgeordnete zur Hochform auf und legte sich &ouml;ffentlichkeitswirksam ins Zeug. Dabei ging es um l&auml;ppische 290 Euro. Lach hat offenbar ein Herz f&uuml;r die Sch&uuml;tzen, weniger f&uuml;r Mieter: Denen geht es um ein elementares menschliches Grundbed&uuml;rfnis: Ein bezahlbares Dach &uuml;ber dem Kopf.  <\/p><p>Meine Zahlen und Prognosen sind SPD, CDU, PUG, Gr&uuml;ne, Linke\/Piraten bekannt: Ich habe alle im Rat der Stadt vertretenen Parteien (au&szlig;er FDP und AfD) informiert, niemand hat widersprochen. Die SPD Wolfsburg reagierte ein Mal, verteidigte die Pl&auml;ne mit dem Argument, neue Wohnungen seien das beste Mittel gegen steigende Mieten. Auf meinen Einwand, durch die Schaffung von 220 neuen Wohnungen (deren Mietpreise nicht bekannt sind) w&uuml;rden gleichzeitig die Mieten f&uuml;r 1100 Bestandsmieter drastisch steigen, erhielt ich keine Antwort. Ich habe SPD-Politiker aus Berlin (Verk&auml;uferin der Wohnungen) sowie die Parlamentarische Linke im Bundestag informiert. Ohne Resonanz. Das Gleiche trifft auf die Wolfsburger Presse zu.<br>\n&nbsp;<br>\nDie Wolfsburger SPD (wie die &uuml;brigen Parteien) hat offenbar die Lebenswirklichkeit und die elementaren Bed&uuml;rfnisse von Menschen aus unteren Einkommensschichten aus den Augen verloren. Anders ist das Verhalten von OB Mohrs, seiner Ratsfraktion und der &bdquo;Genossen&ldquo; in Vorsfelde nicht zu erkl&auml;ren.<\/p><p>Was die Politiker noch ignorieren: Steigende Mieten senken die Kaufkraft, f&uuml;r Konsum und Anschaffungen steht weniger Geld zur Verf&uuml;gung, Handel, Gastronomie und Handwerk drohen vor Ort finanzielle Einbu&szlig;en. Das Geld flie&szlig;t in andere Taschen. Und nach einer Studie der Berliner Humboldt-Universit&auml;t aus dem vergangenen Jahr beschleunigen steigende Mieten die Umverteilung. Im Verh&auml;ltnis zu ihrem Einkommen zahlen Geringverdiener immer mehr Geld f&uuml;r Wohnraum, Gutverdiener dagegen immer weniger. Sieht so die viel beschworene Erneuerung der SPD aus?<\/p><p>In Wolfsburg k&ouml;nnten die W&auml;hler der SPD weitere Denkzettel verpassen, auch dort befinden sich die &bdquo;Genossen&ldquo; auf Talfahrt. Bei der letzten Stadtratswahl 2016 verlor die Partei 7,3 Prozent, blieb mit 29,9 Prozent st&auml;rkste Fraktion, gefolgt von der CDU mit 24,9 Prozent (minus 6,7 Prozent). Im gr&ouml;&szlig;ten Ortsteil Vorsfelde brachen die einst starken Sozialdemokraten um fast 20 Prozent ein, von 48,5 auf 28,9 Prozent.&nbsp;<\/p><p>Bei der j&uuml;ngsten Europawahl ging der Sinkflug der SPD in Wolfsburg weiter,&nbsp;mit nur 24,1 Prozent verloren sie ihre Stellung als Platzhirsch an die CDU (29 Prozent). Die einst schwachen Gr&uuml;nen (2016: 7,5 Prozent) sind mit jetzt 17,9 Prozent der SPD auf den Fersen.<br>\n&nbsp;<br>\nFazit: Ein umstrittener Immobilienkonzern macht Kasse, mit freundlicher Unterst&uuml;tzung der Politik, insbesondere durch die &bdquo;Genossen&ldquo; in Berlin und Wolfsburg. Zun&auml;chst durch den g&uuml;nstigen Erwerb der Wohnimmobilien von der kommunalen Berlinovo, jetzt mit Unterst&uuml;tzung von OB Mohrs und seinen &bdquo;Genossen&ldquo;, Arm in Arm mit CDU, PUG, Gr&uuml;nen, vermutlich auch FDP und AfD.<br>\n&nbsp;<br>\nNachbemerkung: <\/p><p>Ausl&ouml;ser dieses Berichts war eine Bitte betroffener Verwandter in Wolfsburg. Sie sind mit dem Thema &uuml;berfordert, baten mich um Rat. Mich interessiert das Thema Wohnen als elementares Grundbed&uuml;rfnis, das nicht dem freien Markt &uuml;berlassen werden darf. Ich habe Daten aus &ouml;ffentlich zug&auml;nglichen Quellen n&uuml;chtern analysiert. Meinen Berechnungen und Prognosen hat kein Wolfsburger Politiker widersprochen. Nur Vorsfeldes Ortsb&uuml;rgermeister G&uuml;nter Lach (CDU) rief einmal an (&bdquo;Hier ist der Hausbesitzer G&uuml;nter Lach&ldquo;) und beschimpfte mich am Telefon. Er war offenbar emp&ouml;rt, weil ich einmal geschrieben habe, er rede in der Sache &bdquo;dummes Zeug&ldquo;. Als ich inhaltlich diskutieren wollte, legte Lach auf.   <\/p><p>Titelbild: geogif\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Stopp der drastisch steigenden Mieten hat die Berliner SPD zusammen mit den Linken und Gr&uuml;nen die Mieten in der Hauptstadt einen Mietendeckel beschlossen, will die Mieten per Gesetz f&uuml;nf Jahre einfrieren. Die SPD reagiert auf schlechte Wahlergebnisse und auf den Druck der Initiative &bdquo;Deutsche Wohnen enteignen&ldquo;. Anders in Wolfsburg. Preisg&uuml;nstige Wohnungen sind hier ebenfalls<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52741\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":52742,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[165,127,191],"tags":[1302,1785,2307,2678,1659],"class_list":["post-52741","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-spd","tag-daseinsvorsorge","tag-immobilienwirtschaft","tag-mueller-1964-michael","tag-mietendeckel","tag-wowereit-klaus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/shutterstock_707611366.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52741","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52741"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52741\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52780,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52741\/revisions\/52780"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/52742"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52741"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}