{"id":528,"date":"2005-04-21T19:15:47","date_gmt":"2005-04-21T17:15:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=528"},"modified":"2016-03-15T17:05:18","modified_gmt":"2016-03-15T16:05:18","slug":"interessensabhangige-wissenschaft-die-offentliche-forderung-des-hwwa-wird-eingestellt-prasident-straubhaar-lasst-sich-ein-neues-institut-sponsern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=528","title":{"rendered":"Interessensabh\u00e4ngige Wissenschaft: Die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung des HWWA wird eingestellt. Pr\u00e4sident Straubhaar l\u00e4sst sich ein neues Institut sponsern"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben auf den NachDenkSeiten h&auml;ufig Grund gehabt, die Interessensgebundenheit der Wirtschaftsforschungsinstitute zu kritisieren. Besonders &uuml;ber das HWWA und seinen Pr&auml;sidenten Straubhaar konnten wir manchmal nur noch spotten. Jetzt ist das sogar die Leipniz-Gemeinschaft mit ihrem Pr&auml;sidenten Hans-Olaf Henkel (ehemals BDI) peinlich. Sie empfiehlt, eine &ouml;ffentliche F&ouml;rderung des HWWA einzustellen. Pr&auml;sident Straubhaar l&auml;sst sich nun ein neues Institut sponsern, das HWWI. Gesellschafter sind u.a. die Handelskammer, deren Vorschl&auml;ge zur Abschaffung des K&uuml;ndigungsschutzes auch schon mit der ersten Ver&ouml;ffentlichung &bdquo;wissenschaftlich&ldquo; begr&uuml;ndet werden. &Uuml;ber diese Art der &bdquo;Unabh&auml;ngigkeit der Wissenschaft von den Interessen der Wirtschaft&ldquo; mokiert sich auch die Financial Times Deutschland.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Es w&auml;re f&uuml;r Deutschland so viel einfacher, die wachsenden Zukunftsm&auml;rkte zu erobern, als mit verzweifelten Ma&szlig;nahmen die Besch&auml;ftigung in sterbenden Industrien reanimieren zu wollen. Wieso soll Deutschland nicht zum weltweit f&uuml;hrenden Altersheim werden, in dem &auml;ltere, wohlhabende Menschen aus aller Welt nach neuesten geriatrischen Methoden und mit viel Empathie und W&auml;rme gepflegt werden?&ldquo; Das schrieb Professor Thomas Straubhaar, noch amtierender Pr&auml;sident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archives (HWWA) in der Zeitschrift f&uuml;r Wirtschaftspolitik &bdquo;Wirtschaftsdienst&ldquo; (Heft 3, M&auml;rz 2005) Wirtschaftswissenschaftliche &bdquo;Erkenntnisse&ldquo; dieser Sorte gingen offenbar sogar dem Pr&auml;sidenten der Leipniz-Gemeinschaft und ehemaligen Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie schon seit einiger Zeit zu weit. Die Leibniz-Gemeinschaft, in der sich 84 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen f&uuml;r die Forschung in Deutschland zusammengeschlossen haben, hat deshalb vor einem Jahr empfohlen, eine &ouml;ffentliche Weiterf&ouml;rderung des HWWA nicht l&auml;nger &bdquo;in Betracht zu ziehen&ldquo; (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wgl.de\/extern\/evaluierung\/index_6.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.wgl.de\/extern\/evaluierung\/index_6.html\">www.wgl.de<\/a>).<\/p><p>Das kann aber den Forscherdrang des Schweizer Volkswirts Straubhaar nicht aufhalten. Er gr&uuml;ndete ein neues Institut, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Dieses wird nun komplett privat gesponsert. Gesellschafter sind die Handelskammer der Hansestadt und die Universit&auml;t Hamburg. (Die Uni ist sich nicht zu schade, dem Ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.) Die Finanzierung soll durch eine Partnerschaft mit der Berenberg Bank, der Bucerius Law School, der Hamburger Sparkasse, der Handelskammer, der Hamburg School of Business Administration sowie der HSH Nordbank erfolgen (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/data\/2005\/04\/19\/706705.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.welt.de\/data\/2005\/04\/19\/706705.html\">Die WELT<\/a>).<\/p><p>Straubhaar betonte bei der &ouml;ffentlichen Vorstellung des Instituts laut Financial Times Deutschland, dass die &bdquo;Unabh&auml;ngigkeit der Wissenschaft von Interessen der Wirtschaft trotz der Gesellschafterstruktur gewahrt werde&ldquo;. Straubhaar sagte: &bdquo;Wir werden Freiheit und Eigenverantwortung betonen&ldquo;.<br>\nIm ersten Beitrag des HWWI kn&uuml;pft Straubhaar an die oft abstrusen Vorschl&auml;ge des HWWA an und steigt in die Debatte um die Mindestl&ouml;hne ein. Das HWWI setzt sich gegen die &bdquo;kurzatmige Besch&auml;ftigungspolitik&ldquo; mit einem sog. &bdquo;Hamburger Dreisprung&ldquo; f&uuml;r die Vereinfachung des K&uuml;ndigungsrechts ab: &bdquo;Der Arbeitgeber schreibt bei der Einstellung eine Abfindung fest und darf dann ohne R&uuml;cksicht auf soziale Auswahlkriterien k&uuml;ndigen. Die Arbeitslosenversicherung kann in ihrer bisherigen Form entfallen, da das Unternehmen f&uuml;r ein Jahr fortzahlen k&ouml;nnte.&ldquo;<br>\nDer Erfinder dieses Konzepts ist der Gesellschafter des neuen Instituts: Die Hamburger Handelskammer (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/km\/ka\/3827.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ftd.de\/km\/ka\/3827.html\">FTD<\/a>).<\/p><p>F&uuml;r unsere Wirtschaftsforscher wird eben &bdquo;Freiheit der Wissenschaft&ldquo; nur all zu oft mit &bdquo;Freiheit von Wissenschaft&ldquo; verwechselt. <\/p><p><strong>Anmerkung:<\/strong> Das Ereignis der Gr&uuml;ndung des HWWI w&auml;re eigentlich keinen Eintrag in den NachDenkSeiten wert. Aber viele Gutgl&auml;ubige m&ouml;gen ja immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben, dass an den gesponserten Forschungsinstituten von Interessen unabh&auml;ngige &bdquo;wissenschaftliche&ldquo; Ergebnisse erarbeitet werden. Etwa <\/p><ul>\n<li>vom K&ouml;lner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), das ganz offen von Unternehmen und Verb&auml;nden der Wirtschaft getragen wird,<\/li>\n<li>vom M&uuml;nchner ifo Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung e.V., dessen Verwaltungsrat die Spitzen etwa der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank, der Deutschen Bundesbank oder der Handwerkskammer angeh&ouml;ren. Ifo-Chef Sinn l&auml;sst sein CESifo gerne mal von der BMW Stiftung Herbert Quandt sponsern.<\/li>\n<li>Vom Mannheimer Research Institut for the Economics of Aging (MEA) von Prof. B&ouml;rsch-Supan das seine Gr&uuml;ndung einem Joint Venture des Landes Baden-W&uuml;rttemberg und der Industrie v.a. der Versicherungswirtschaft verdankt.<\/li>\n<li>Wer hinter der Bertelsmann Stiftung und ihren Forschungseinrichtungen steht sagt schon der Name.<\/li>\n<\/ul><p>Man k&ouml;nnte die Aufz&auml;hlung der Forscher und der Institute m&uuml;helos fortsetzen. Alle diese gesponserten Institute &uuml;bersch&uuml;tten uns nahezu t&auml;glich mit ihren &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Erkenntnissen. Sie werden in den Medien meist ohne Hinweis auf die &ouml;konomischen und interessengebunden Abh&auml;ngigkeiten verbreitet und pr&auml;gen die &ouml;ffentliche Meinung und die Politik.<br>\nWir haben f&uuml;r Sie das Beispiel mit dem HWWI nur aufgegriffen, damit Sie k&uuml;nftig wenn Sie mit solchen Forschungsergebnissen konfrontiert werden, zun&auml;chst danach fragen wer dahinter steht. Dann k&ouml;nnen Sie meistens auch sagen, was davon zu halten ist. <\/p><p>Die Leipniz Gemeinschaft empfahl am 3. M&auml;rz 2004, eine &ouml;ffentliche Weiterf&ouml;rderung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv HWWA &bdquo;nicht in Betracht zu ziehen&rdquo;.<br>\nAmtierender Pr&auml;sident Hans-Olaf Henkel &bdquo;Ethik des Erfolgs&ldquo;, ehemaliger Pr&auml;sident des BDI.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben auf den NachDenkSeiten h&auml;ufig Grund gehabt, die Interessensgebundenheit der Wirtschaftsforschungsinstitute zu kritisieren. Besonders &uuml;ber das HWWA und seinen Pr&auml;sidenten Straubhaar konnten wir manchmal nur noch spotten. Jetzt ist das sogar die Leipniz-Gemeinschaft mit ihrem Pr&auml;sidenten Hans-Olaf Henkel (ehemals BDI) peinlich. Sie empfiehlt, eine &ouml;ffentliche F&ouml;rderung des HWWA einzustellen. Pr&auml;sident Straubhaar l&auml;sst sich nun<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=528\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[129],"tags":[1324,777,1124,1591],"class_list":["post-528","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-foerdermittel","tag-henkel-hans-olaf","tag-hwwi","tag-straubhaar-thomas"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=528"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32154,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/528\/revisions\/32154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}