{"id":52814,"date":"2019-06-27T08:40:42","date_gmt":"2019-06-27T06:40:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52814"},"modified":"2026-01-27T11:32:40","modified_gmt":"2026-01-27T10:32:40","slug":"ueber-den-einsatz-von-uranmunition-und-die-folgen-zu-berichten-ist-auch-heute-noch-nicht-einfach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52814","title":{"rendered":"\u201e\u00dcber den Einsatz von Uranmunition und die Folgen zu berichten, ist auch heute noch nicht einfach\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Einsatz von Uranmunition ist ein Kriegsverbrechen. Und: Uranmunition wurde eingesetzt, ihre Wirkung ist verheerend. Dieser Auffassung ist der Autor und Dokumentarfilmer <strong>Frieder Wagner<\/strong>. Im NachDenkSeiten-Interview geht Wagner auf die Gefahren der Uranmunition ein und berichtet von seinen Erfahrungen mit deutschen Medien zu dem Thema. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1046\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-52814-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190627_Ueber_den_Einsatz_von_Uranmunition_und_die_Folgen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190627_Ueber_den_Einsatz_von_Uranmunition_und_die_Folgen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190627_Ueber_den_Einsatz_von_Uranmunition_und_die_Folgen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190627_Ueber_den_Einsatz_von_Uranmunition_und_die_Folgen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=52814-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190627_Ueber_den_Einsatz_von_Uranmunition_und_die_Folgen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190627_Ueber_den_Einsatz_von_Uranmunition_und_die_Folgen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Wagner, Sie zitieren in Ihrem Buch die Antwort eines Spiegel-Redakteurs aus dem Jahr 2001 auf Ihre Anfrage, warum nicht mehr &uuml;ber die Verwendung von Uranmunition im Irak berichtet werde. Sie zitieren ihn wie folgt: &bdquo;Es gibt in der BRD seit einiger Zeit bestimmte Themen, die tabu sind. Und zu diesen Themen geh&ouml;rt auch das &raquo;Tabu-Thema Uranmunition&laquo; und Sie, Herr Wagner, werden heute auch mit ihrem Fachwissen in keiner der gro&szlig;en Tageszeitungen oder dem Fernsehen einen kritischen Hintergrundbericht &uuml;ber Uranmunition und die Folgen unterbringen.&ldquo; Die Aussage liegt lange zur&uuml;ck. Ist sie noch immer aktuell?<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber den Einsatz von Uranmunition und die Folgen zu berichten, ist auch heute noch nicht einfach. Ich m&ouml;chte das mit einer Geschichte belegen, die eine junge ZDF-Redakteurin mir berichtet hat. <\/p><p><strong>Gerne. <\/strong><\/p><p>Ihre Eltern sind Kroaten. Die Redakteurin selbst ist in M&uuml;nchen geboren und sie ist dar&uuml;ber informiert gewesen, dass im Jugoslawienkrieg auch in Kroatien Uranmunition und -granaten eingesetzt worden sind. Sie hatte die Idee, &uuml;ber die Folgen, die heute besonders bei Kindern akut sind, einen Fernsehbeitrag zu realisieren. Dazu wollte sie mit mir zun&auml;chst ein reines Recherchegespr&auml;ch f&uuml;hren, also ohne Kamera. Sie beantragte deshalb bei ihrem Vorgesetzten einen Reiseantrag zu mir. Als Ihr Vorgesetzter fragte, mit wem sie in K&ouml;ln sprechen wollte, nannte sie nat&uuml;rlich meinen Namen. Der Vorgesetzte reagierte daraufhin so, dass er zu ihr sagte: Frieder Wagner? Moment mal, da war doch etwas? Kommen Sie doch morgen noch mal zu mir. Als sie am n&auml;chsten Tag wiederkam, erfuhr sie, dass ihr Reiseantrag abgelehnt worden war.<\/p><p><strong>Wann war das? <\/strong><\/p><p>Das war vor etwa drei Jahren.<br>\nIch selbst hatte die Idee, zum 8. Dezember 2018 eine investigative Geschichte &uuml;ber die Folgen des Flugzeugabsturzes in Remscheid zu realisieren, der sich an diesem Tag zum 30. Mal gej&auml;hrt hatte. Damals war ein amerikanischer A-10-Jagdbomber in die Stockder Stra&szlig;e von Remscheid gest&uuml;rzt und hatte ein furchtbares Inferno ausgel&ouml;st. Denn die Maschine hatte nicht nur chemische Kampfstoffe an Bord, sondern war wahrscheinlich auch mit Uranmunition aufmunitioniert gewesen. Was bis heute allerdings geleugnet wird. Was aber mit Sicherheit Tatsache war, ist, dass in den Tragfl&uuml;geln des Jagdbombers damals noch Ausgleichsgewichte von ca. 100 kg abgereichertem Uran verwendet worden waren, die in jedem Fall damals verbrannt sind, mit allen furchtbaren Folgen von Erkrankungen an Krebs und Leuk&auml;mien bei den Bewohnern und Missbildungen bei damals Neugeborenen. Der Vorschlag, dar&uuml;ber ein investigatives Feature zu machen, wurde leider auch nach 30 Jahren abgelehnt.<\/p><p><strong>Die NachDenkSeiten haben das Thema <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43752\">Uranmunition<\/a> zwar schon &ouml;fter <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41361\">aufgegriffen<\/a>, aber bitte, erkl&auml;ren Sie den Lesern, die noch nichts davon geh&ouml;rt haben, was damit gemeint ist. <\/strong><\/p><p>Uranmunition und Uranbomben sind die wohl furchtbarsten Waffen, die heutzutage in Kriegen eingesetzt werden, weil sie die Menschheit unweigerlich in den Abgrund f&uuml;hren. Urangeschosse und -bomben werden aus einem Abfallprodukt der Atomindustrie hergestellt. Stellt man aus Natururan Brennst&auml;be f&uuml;r Kernkraftwerke im Gewicht von einer Tonne her, entstehen ca. acht Tonnen so genanntes abgereichertes Uran 238 als Abfallprodukt. Englisch hei&szlig;t das &bdquo;Depleted Uranium&ldquo; &ndash; kurz auch DU genannt. Weltweit gibt es davon inzwischen etwa 1,3 Millionen Tonnen und es werden t&auml;glich mehr. Und da dieses Abfallprodukt abgereichertes Uran als Alphastrahler auch radioaktiv und dazu als Schwermetall, wie Blei, hochgiftig ist und eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren hat, muss es entsprechend gelagert und bewacht werden und das kostet Geld &ndash; viel Geld. <\/p><p><strong>Warum verwendet das Milit&auml;r &uuml;berhaupt diese Munition?<\/strong><\/p><p>Nun, man stellte sich sehr bald die Frage: Wie wird man dieses radioaktive und hoch giftige Abfallprodukt wieder los? Da entdeckten die Waffenentwickler der Milit&auml;rs vor etwa 4-5 Jahrzehnten, dass dieses Metall, das als Abfall sehr billig zu haben ist, f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke zwei ganz ausgezeichnete Eigenschaften besitzt: Formt man dieses Metall zu einem spitzen Stab und beschleunigt ihn entsprechend, dann durchdringt er aufgrund seines enormen Gewichtes Stahl und Stahlbeton wie hei&szlig;es Eisen ein St&uuml;ck Butter. <\/p><p><strong>Was passiert, wenn so ein Geschoss auf einen Panzer trifft?<\/strong><\/p><p>Wenn ein Urangeschoss in einen Panzer eindringt, entsteht an diesem abgereicherten Uranmetallstab ein Abrieb, der sich bei der enormen Reibungshitze von selbst entz&uuml;ndet. Das hei&szlig;t, wenn sich ein solches Geschoss in Sekundenbruchteilen durch einen Panzer schwei&szlig;t, entz&uuml;ndet sich das abgereicherte Uran explosionsartig von allein und die Soldaten in dem Panzer vergl&uuml;hen bei Temperaturen von  bis zu 5000 Grad Celsius. Durch diese hohen Temperaturen explodiert dann nach kurzer Verz&ouml;gerung die im Panzer befindliche Munition und der Panzer wird so v&ouml;llig zerst&ouml;rt. Das hei&szlig;t, wegen dieser beiden Eigenschaften: Stahl und Stahlbeton wie Butter zu durchdringen und die F&auml;higkeit, sich selbst explosionsartig zu entz&uuml;nden und so wie ein Sprengstoff zu wirken, ist das Abfallprodukt &bdquo;abgereichertes Uran&ldquo; bei den Milit&auml;rs so beliebt. <\/p><p><strong>Warum kommt es danach zu gesundheitlichen Gefahren und Risiken? <\/strong><\/p><p>Bei den hohen Temperaturen von bis zu 5000 Grad Celsius verbrennt das Uran in diesen Geschossen zu keramisierten, wasserunl&ouml;slichen Nanopartikelchen, die 100 Mal kleiner sind als ein rotes Blutk&ouml;rperchen. Das hei&szlig;t, es entsteht praktisch ein Metallgas und dieses Metallgas ist weiterhin radioaktiv und hoch giftig. Auch amerikanischen Milit&auml;rwissenschaftlern ist inzwischen die Tatsache bekannt, dass diese Nanopartikelchen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen, im menschlichen oder tierischen K&ouml;rper &uuml;berall hinwandern k&ouml;nnen: in alle Organe, ins Gehirn, in die weiblichen Eizellen und in den m&auml;nnlichen Samen. Schon 1997 wurde bei f&uuml;nf von 25 amerikanischen Veteranen, die seit dem Golfkrieg 1991 durch so genanntes &bdquo;friendly fire&ldquo; Uranfragmente im K&ouml;rper haben, abgereichertes Uran im Sperma festgestellt!  &Uuml;berall wo sich dieses Uran 238 im K&ouml;rper ablagert, kann es, und das ist inzwischen wissenschaftlich eindeutig bewiesen, zu folgenden Krankheitsbildern kommen: <\/p><ul>\n<li>einem Zusammenbruch des Immunsystems wie bei Aids mit ansteigenden Infektionskrankheiten,<\/li>\n<li>schweren Funktionsst&ouml;rungen von Nieren und Leber, <\/li>\n<li>hoch aggressiven Leuk&auml;mien und anderen Krebserkrankungen, <\/li>\n<li>St&ouml;rungen im Knochenmark,<\/li>\n<\/ul><p>sowie genetischen Defekten und Missbildungen mit Aborten und Fr&uuml;hgeburten bei Schwangeren, wie wir das auch schon nach Tschernobyl gesehen haben und nun auch wieder nach der Fukushima-Katastrophe. <\/p><p><strong>Gibt es dokumentierte F&auml;lle, die die gesundheitlichen Gefahren, die von DU ausgehen, beweisen? <\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich, da schauen wir uns einfach die Situation in Italien an: Von 3000 italienischen Soldaten, die im Irak und im Kosovo im Einsatz waren, sind bisher 109 an Krebs oder Leuk&auml;mie gestorben, weil sie nachweislich durch den Einsatz von Uranmunition in diesen L&auml;ndern erkrankt sind. 16 Familien von den so Verstorbenen wagten es, gegen ihre Regierung bzw. das italienische Verteidigungsministerium auf Wiedergutmachung zu klagen. Und siehe da: Das italienische Verteidigungsministerium wurde in allen 16 F&auml;llen verurteilt, Entsch&auml;digungen zu bezahlen. Die betroffenen Familien erhielten Betr&auml;ge zwischen 200.000 und 1,4 Millionen Euro als Wiedergutmachung ausbezahlt. Und obwohl deutsche Soldaten im Kosovo direkt neben den italienischen stationiert sind, erkl&auml;rt das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage immer wieder, dass es &auml;hnliche Erkrankungen und Todesf&auml;lle bei den dort eingesetzten deutschen Soldaten nicht gibt.<\/p><p>Die &Auml;rzte im Krankenhaus von Kosovska-Mitrovica im Norden des Kosovo haben eine klinische Untersuchung bei 30.000 Patienten durchgef&uuml;hrt, und zwar im Zeitraum von 1997 bis 2000. Also zwei Jahre vor dem Kosovokrieg bis ein Jahr danach. W&auml;hrend in der Vorkriegszeit die Zahl der malignen Erkrankungen mit 1,98 Prozent beziffert wird, stieg sie im ersten Jahr nach dem Kosovokrieg auf 5,45 Prozent an. Noch gravierender ist der Anstieg bei den Lungenkrebs-Erkrankungen. Hier verzeichnete man 1997 noch 2,6% Erkrankte, im Jahr 2000 dann aber einen Anstieg auf 22%, Tendenz steigend. Die am st&auml;rksten betroffene Bev&ouml;lkerung ist dabei die der 30- bis 40-j&auml;hrigen, die als Soldaten im Kosovokrieg in der Region Pec eingesetzt waren. Dort sind von den Alliierten ungef&auml;hr zehn Tonnen Uranmunition eingesetzt worden. In der Schlussfolgerung hei&szlig;t es in der Studie: &raquo;Auf Grund dieser Erforschung haben wir den bedeutenden Anstieg maligner Erkrankungen durch den Krieg und den Einsatz der Uranwaffen bewiesen.&laquo;<\/p><p><strong>Wo wurde Uranmunition noch eingesetzt und wie viel davon?<\/strong><\/p><p>Die Uranmunition wurde meines Wissens zuerst im Irakkrieg 1991 eingesetzt und zwar etwa 320 Tonnen. Dann im Bosnienkrieg 1995 und im Kosovokrieg 1999, da geben die Alliierten 10 Tonnen zu, die Serben sprechen allerdings von mindestens 30 Tonnen. Im v&ouml;lkerrechtswidrigen Irakkrieg 2003 wurden dann sch&auml;tzungsweise 2000 Tonnen verschossen. Im Afghanistankrieg 2001 wurden  sogar Uranbomben eingesetzt, die aus ausgemusterten Brennst&auml;ben aus Kernkraftwerken hergestellt wurden, denn man hat in den Bodenproben dort auch das viel gef&auml;hrlichere Uran 236 gefunden. Das kommt in der Natur gar nicht vor, sondern entsteht nur bei der Wiederaufbereitung von Atombrennst&auml;ben.<br>\nDa in diesen Brennst&auml;ben auch Reste von Plutonium enthalten sind, ist die Kontamination in Afghanistan zum Teil 400% h&ouml;her als im s&uuml;dlichen Irak um Basra herum, wo die gro&szlig;en Panzergefechte stattgefunden haben. Und nat&uuml;rlich wurden die Uranwaffen auch in Somalia, im Libanon und auch in Libyen eingesetzt, wom&ouml;glich auch in Gaza. Wieviel davon, das verraten die Alliierten bis heute nicht.<\/p><p><strong>Wie ist denn der Stand der Wissenschaft zu dem Thema?<\/strong><\/p><p>Das Thema &bdquo;Uranwaffeneinsatz und die Folgen&ldquo; wird von der Wissenschaft leider immer noch sehr kontrovers angegangen und diskutiert. Aufgekl&auml;rte Wissenschaftler wie zum Beispiel die Amerikaner Dr. Leonard Dietz und Prof. Dr. Asaf Durakovic, der 12 Jahre lang f&uuml;r das Pentagon geforscht hat, aber auch die weltweit anerkannte Strahlenbiologin Dr. Rosallie Bertell und die deutschen Wissenschaftler Prof. Dr. Siegwart-Horst G&uuml;nther<br>\nund der Chemiker Prof. Dr. Albrecht Schott, um nur einige wenige zu nennen, aber auch amerikanische Milit&auml;rwissenschaftler haben durch massenspektroskopische Untersuchungen eindeutig bewiesen, wie sch&auml;dlich diese Uranwaffen sind und dass sie sofort verboten und ge&auml;chtet werden m&uuml;ssten. Das fordern auch die &ldquo;Internationalen &Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkrieges \/ &Auml;rzte in sozialer Verantwortung e.V.&ldquo;(IPPNW) und die &bdquo;Internationale Coalition to Ban Uranium Weapons&ldquo; (ICBUW) seit vielen Jahren &ndash; leider bisher ohne Erfolg.<\/p><p><strong>Sie wurden mehrmals ins Ausw&auml;rtige Amt eingeladen. Was ist dabei herausgekommen?<\/strong><\/p><p>Prof. Albrecht Schott, der V&ouml;lkerrechtler Prof. Manfred Mohr und ich waren am 1. Juni 2010 zum zweiten Mal ins Ausw&auml;rtige Amt zu einem 2-Stunden-Gespr&auml;ch &uuml;ber &bdquo;Uranwaffen und die Folgen&ldquo; eingeladen worden. Und dort hat nach einem eindringlichen Gespr&auml;ch sogar einer der gro&szlig;en Verharmloser der Uranwaffen, dder damalige Leiter des Instituts f&uuml;r Strahlenschutz in Neuherberg bei M&uuml;nchen, Prof. Dr. Herwig Paretzke, wegen der hohen Giftigkeit der Uranwaffen ein sofortiges Verbot gefordert. Doch der Moderator des AA fasste &ndash; sozusagen als Schlusswort &ndash; zusammen, dass unsere Argumente gegen diese Waffen in der Tat sehr beeindruckend gewesen seien, aber, f&uuml;gte er dann hinzu, Zitat: &bdquo;das seien doch alles nur humanit&auml;re Argumente und mit humanit&auml;ren Argumenten k&ouml;nnte man den USA nicht kommen&ldquo;. Zitatende. Das zeigt, dass wir, was diese schrecklichen Waffen betrifft, leider Vasallen der USA sind.   <\/p><p><strong>Wie w&uuml;rden Sie Ihre Erfahrungen, die Sie mit politischer Seite gemacht haben, r&uuml;ckwirkend einordnen?<\/strong><\/p><p>In Sachen Uranmunition jedenfalls das Folgende:<br>\nDie Gefahren der Uranmunition waren unserer Bundesregierung seit dem Golfkrieg von 1991 und dem Kosovokrieg 1999 &ouml;ffentlich zug&auml;nglich und bekannt, auch unseren damaligen Politikern wie Kanzler Schr&ouml;der und Au&szlig;enminister Fischer. Wer darum 2003 wie zum Beispiel unsere heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auch noch studierte Physikerin ist, f&uuml;r den letzten Golfkrieg gestimmt hat, stimmte nicht nur f&uuml;r einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg, er war damit auch wissentlich und willentlich f&uuml;r das Kriegsverbrechen Uranmunition. Viele hochrangige Pers&ouml;nlichkeiten und Politiker, die heute in Regierungsverantwortung stehen, haben sich in Deutschland 2003 f&uuml;r diesen Golfkrieg ausgesprochen. Sie k&ouml;nnen sich nun nicht darauf zur&uuml;ckziehen, von der zwangsl&auml;ufigen Verwendung von Uranmunition und den Folgen in einer solchen kriegerischen Auseinandersetzung nichts gewusst zu haben. Und sie werden sich f&uuml;r die Folgen eines Tages verantworten m&uuml;ssen.<br>\nDer amerikanische Wissenschaftler John W. Gofman, der an der Entwicklung der Hiroshimabombe mitgearbeitet hat und der auch Arzt war, schrieb schon 1979 &ndash; nachdem er die verheerende Problematik der niedrigen Alpha-Strahlung erkannt hat, in einem Offenen Brief &ndash; 1979 wohlgemerkt &ndash; also lange bevor hier &uuml;ber abgereichertes Uran und dessen Folgen diskutiert wurde, schrieb Gofman, Zitat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich denke, dass mindestens 100 Wissenschaftler, die sich mit den biomedizinischen Aspekten der Niedrigstrahlung besch&auml;ftigt haben &ndash; mich, Gofman, eingeschlossen &ndash; Kandidaten f&uuml;r ein N&uuml;rnberg &auml;hnliches Gericht sind, da sie und ich mit ihrer gro&szlig;en Nachl&auml;ssigkeit und Verantwor-tungslosigkeit Verbrechen gegen die Menschheit begangen haben. Denn jetzt, wo die Gefahren niedriger Alpha-Strahlung bekannt sind, ist dies nicht mehr nur ein Experiment, das wir gemacht haben, sondern Mord.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn sich unsere Regierung heute als Freund der amerikanischen Regierung bezeichnet, dann sollte sie, gerade als Freund, den Mut haben, einem verb&uuml;ndeten Freund zu sagen, dass er mit dem Einsatz solcher Uranwaffen nicht nur einen irreparablen Fehler begeht an Mensch und Umwelt, sondern ein Kriegsverbrechen und ein solches Kriegsverbrechen muss entsprechend geahndet werden, auch und gerade von unserer Regierung und unseren Politikern.<\/p><p><strong>Sie sagen, dass es sich bei dem Einsatz von Uranmunition um ein Kriegsverbrechen handelt?<\/strong><\/p><p>Wenn Sie verinnerlicht haben, was wir bisher besprochen haben und wenn die Wissenschaft immer weiter mehr Beweise liefert, dass die Anwendung von Uranmunition zu furchtbaren Erkrankungen und Tod f&uuml;hren kann &ndash; zu Erkrankungen und Tod nicht nur der k&auml;mpfenden Truppen, sondern auch von Zivilisten, Frauen und Kindern und das auch noch Jahrhunderte, Jahrtausende nach dem Einsatz dieser Waffen, dann muss man nach allen Konventionen, ob Haager oder Genfer Konvention, N&uuml;rnberger Dekrete und der UN-Charta von einem Kriegsverbrechen sprechen.<br>\nDie Rechte dieser Konventionen und Dekrete m&uuml;ssen der Macht den Weg weisen und ihr den Respekt vor den Grundwerten lehren. Auf  Armut und Unterdr&uuml;ckung, Krieg und Bomben, verst&uuml;mmelten, missgebildeten und get&ouml;teten Frauen und Kindern l&auml;sst sich kein Frieden bauen &ndash; nicht im Irak, nicht in Afghanistan, nicht in Somalia, nicht in Gaza und auch nicht in Libyen und Syrien &ndash; nirgendwo. In dieser Hinsicht  hat sich auch unter US-Pr&auml;sident Obama leider nichts ge&auml;ndert. Denn der hat ja offensichtlich gelogen, als er bei seiner Friedensnobelpreis-Verleihung sagte, dass er Amerikas Verpflichtung best&auml;tigt, sich an die Genfer Konventionen zu halten. Die USA haben allein in den letzten sieben Jahrzehnten die Genfer Konventionen immer wieder und immer wieder gebrochen und mit F&uuml;&szlig;en getreten &ndash; besonders in den letzten Jahren in Sachen Uranwaffen.<br>\nIn der Urteilsbegr&uuml;ndung des N&uuml;rnberger Kriegsverbrechertribunals von 1946 hei&szlig;t es darum zu Recht: &ldquo;Die Entfesselung eines Angriffskrieges ist das gr&ouml;&szlig;te internationale Verbrechen, das sich von anderen Kriegsverbrechen dadurch unterscheidet, dass es in sich alle Schrecken eines Krieges vereint und anh&auml;uft&rdquo;. Und jetzt f&uuml;hren die Nato und unsere Verb&uuml;ndeten solche Angriffskriege &ndash; m&uuml;ssten wir da nicht sofort sagen: Raus aus der Nato? <\/p><p><strong>Was sagt eigentlich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu der Problematik?<\/strong><\/p><p>Als das so genannte Balkan-Syndrom im Januar 2001 Schlagzeilen machte, begn&uuml;gte sich die WHO damit, eine vier Seiten lange Ausarbeitung (Fact Sheet Nr. 257) zu ver&ouml;ffentlichen, die angeblich alles Wesentliche zu diesem Thema zusammenfasst.  Aber dieser Text sollte vor allem die &Ouml;ffentlichkeit beruhigen, denn er enth&auml;lt nur sehr allgemeine Informationen, und wo er genauer wird, ergeben sich Widerspr&uuml;che zum aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Es hei&szlig;t dort, die Strahlung, sofern sie &uuml;berhaupt auftrete, &uuml;berschreite nicht die zul&auml;ssigen Grenzwerte: &ldquo;Aus wissenschaftlicher Sicht erscheint es darum wenig wahrscheinlich, dass unter dem Milit&auml;rpersonal im Kosovo und der Zivilbev&ouml;lkerung eine erh&ouml;hte Leuk&auml;mieanf&auml;lligkeit durch Kontakt mit Uranwaffen   nachzuweisen ist.&rdquo;<\/p><p><strong>Wie kann die WHO so etwas schreiben?<\/strong><\/p><p>Die Erkl&auml;rung ist einfach:  die WHO musste schon 1959 auf Druck der USA mit der Internationalen Atomenergiekommission (IAEO, engl. IAEA) ein Abkommen schlie&szlig;en, das ihr die Befassung mit Fragen von Strahlung und Gesundheit nur mit Zustimmung der IAEO gestattet. In dem Abkommen mit der IAEO hei&szlig;t es, Zitat: &ldquo;Wenn eine der beiden Parteien eine Aktivit&auml;t oder ein Programm in einem Bereich beginnen will, der f&uuml;r die andere Partei von Interesse ist oder sein k&ouml;nnte, wird sie die andere Partei konsultieren, um die betreffende Frage einvernehmlich zu regeln.&rdquo; Zitatende. Genau diese Verpflichtung auf eine &ldquo;einvernehmliche Regelung&rdquo; erlaubt es der IAEO seither, fast alle Bem&uuml;hungen der WHO zu unterbinden, m&ouml;gliche Zusammenh&auml;nge von Strahlung und Erkrankungen in der Bev&ouml;lkerung zu untersuchen.<br>\nDass so genannte unabh&auml;ngige Untersuchungen der WHO nicht unabh&auml;ngig sind, wurde 2004 durch eine Pressekonferenz des pensionierten Strahlenexperten der WHO, Dr. Keith Baverstock, deutlich: In einer Ausarbeitung der WHO machten Baverstock und seine Co-Autoren schon 2001 darauf aufmerksam, dass Luftst&auml;ube, die Uran-Aerosole enthalten, wie sie im S&uuml;dirak und in Afghanistan, aber auch in Serbien und im Kosovo an bestimmten Stellen zu finden sind, sowohl radioaktiv sch&auml;dlich und chemisch hoch toxisch wirken. Die damals unterdr&uuml;ckte WHO-Studie, die im Herbst 2001 beendet wurde, h&auml;tte laut Baverstock &ldquo;Druck auf die USA und Gro&szlig;britannien aus&uuml;ben und den Einsatz von Uranwaffen sicher eind&auml;mmen k&ouml;nnen&rdquo;. Baverstock w&ouml;rtlich: &bdquo;DU ist ein Alpha-Strahler und verf&uuml;gt gleichzeitig &uuml;ber eine hohe chemische Toxizit&auml;t. Beide Effekte in ihrer Wechselwirkung k&ouml;nnen einen &bdquo;Cocktail-Effekt&ldquo; erzeugen, der f&uuml;r die Erh&ouml;hung des Krebs-Risikos verantwortlich ist.&ldquo;<br>\nKeith Baverstock hat am 04.12.2008 in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks (BR 2) sehr deutlich gesagt, dass es inzwischen in der WHO 16 ausgezeichnete Arbeiten dar&uuml;ber gibt, wie gef&auml;hrlich die Anwendung von Urangeschossen ist, aber alle diese Studien sind im &ldquo;Giftschrank&rdquo; der Weltgesundheitsbeh&ouml;rde verschwunden &ndash; es ist unfassbar.<\/p><p><strong>Was m&uuml;sste unternommen werden, um den Einsatz von Uranmunition zu verbieten?<\/strong><\/p><p>Die neuere und insbesondere die unabh&auml;ngige Forschung hat bis heute hinreichend Beweise erbracht, dass Menschen, die durch Uranaerosole abgereichertes Uran in ihren K&ouml;rper aufgenommen haben, seien es Soldaten oder Zivilbev&ouml;lkerung, aber vor allem Kinder und Jugendliche, einer schweren Gef&auml;hrdung ihrer Gesundheit und ihres Lebens ausgesetzt sind, besonders im Irak, in Afghanistan, im Kosovo, in Serbien und in Somalia, aber auch im Libanon, in Gaza und Libyen.<br>\nDas alles reicht aus, um von den Regierungen der Welt, den Vereinten Nationen und dem UN-Sicherheitsrat, aber nat&uuml;rlich auch von unserem Parlament ein Verbot des Einsatzes von Uranwaffen zu fordern. Denn keine Macht dieser Welt hat das Recht, auf ihren selbstherrlich gew&auml;hlten Kriegsschaupl&auml;tzen ganze Regionen unbewohnbar zu machen und die Menschen noch lange nach Beendigung der Kriegshandlungen zu vergiften und zu t&ouml;ten. Denn so vernichten wir den Lebensraum unserer Kinder und Kindeskinder und die werden uns daf&uuml;r zu Recht eines Tages verfluchen.<br>\nDarum m&uuml;ssen wir in Deutschland unseren Bundestagsabgeordneten durch entsprechende Ansprache, Briefe, E-Mails klar machen, welche Verantwortung sie tragen, wenn sie  weiter Soldaten in irgendwelche kriegerische Eins&auml;tze schicken. Wir m&uuml;ssen ihnen klar machen, dass sie die Verantwortung tragen, wenn diese Soldaten tot, verletzt, traumatisiert oder durch Uranwaffen kontaminiert nach Hause kommen.<br>\nWir m&uuml;ssen ihnen klar machen, dass wir solche Politiker zur Verantwortung ziehen werden, wenn diese Soldaten eines Tages wegen dieser Munition krank oder durch sie missgebildete Kinder geboren werden. Wir m&uuml;ssen  ihnen klar machen, dass es um die Zukunft unserer Kinder und dieser Erde geht. Wir m&uuml;ssen ihnen klar machen, dass wir mit Zynikern der Macht und ihren Kriegen nichts zu tun haben wollen.<\/p><p><em>Lesetipp: Wagner, Frieder: Todesstaub &ndash; Made in USA: Uranmunition verseucht die Welt. Promedia. 232 Seiten. 22 Euro.<\/em><\/p><p>Titelbild: Przemek Tokar\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einsatz von Uranmunition ist ein Kriegsverbrechen. Und: Uranmunition wurde eingesetzt, ihre Wirkung ist verheerend. Dieser Auffassung ist der Autor und Dokumentarfilmer <strong>Frieder Wagner<\/strong>. Im NachDenkSeiten-Interview geht Wagner auf die Gefahren der Uranmunition ein und berichtet von seinen Erfahrungen mit deutschen Medien zu dem Thema. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":52815,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,183,171,11],"tags":[351,2230,461,2499,641,432,929,304,2395,1919,1583,1052,315,466,366,2339,640,631,1556,2679,439,2360],"class_list":["post-52814","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-afghanistan","tag-bosnien","tag-genfer-konventionen","tag-iaea","tag-irak","tag-kosovo","tag-krankheiten","tag-kriegsverbrechen","tag-kriegsveteranen","tag-lueckenpresse","tag-libanon","tag-libyen","tag-merkel-angela","tag-nato","tag-obama-barack","tag-radioaktivitaet","tag-somalia","tag-uranmunition","tag-usa","tag-wagner-frieder","tag-who","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/shutterstock_193980335.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52814"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52814\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81832,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52814\/revisions\/81832"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/52815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}