{"id":52849,"date":"2019-06-28T12:58:41","date_gmt":"2019-06-28T10:58:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52849"},"modified":"2019-06-28T18:29:57","modified_gmt":"2019-06-28T16:29:57","slug":"bayer-monsanto-die-ezb-die-taz-und-eine-seltsame-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52849","title":{"rendered":"Bayer, Monsanto, die EZB, die taz und eine seltsame Debatte"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag ver&ouml;ffentlichte die gesch&auml;tzte Kollegin Gaby Weber auf Telepolis <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Kauf-von-Monsanto-mit-Steuergeldern-finanziert-4453665.html\">einen Artikel<\/a> zur Rolle der EZB bei der Monsanto-&Uuml;bernahme durch Bayer und sorgte damit f&uuml;r einige Aufregung. Am Mittwoch ging Ingo Arzt <a href=\"https:\/\/taz.de\/Falscher-Bericht-ueber-Monsanto-Kauf\/!5603531\/\">in der taz kritisch auf diesen Artikel ein<\/a>. Gestern legte Weber auf Telepolis <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Taz-Redakteur-Sprachrohr-von-EZB-und-Bundesbank-4456721.html\">nach<\/a> und keilte ihrerseits gegen die taz aus, die sie als &bdquo;Sprachrohr von EZB und Bundesbank&ldquo; bezeichnet. Doch dabei vergaloppiert sie sich. Die taz-Kritik ist korrekt, vergisst jedoch ebenfalls einen wichtigen Punkt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6064\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-52849-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190628_Bayer_Monsanto_die_EZB_die_taz_und_eine_seltsame_Debatte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190628_Bayer_Monsanto_die_EZB_die_taz_und_eine_seltsame_Debatte_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190628_Bayer_Monsanto_die_EZB_die_taz_und_eine_seltsame_Debatte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190628_Bayer_Monsanto_die_EZB_die_taz_und_eine_seltsame_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=52849-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190628_Bayer_Monsanto_die_EZB_die_taz_und_eine_seltsame_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190628_Bayer_Monsanto_die_EZB_die_taz_und_eine_seltsame_Debatte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Hat die EZB die Monsanto-&Uuml;bernahme mit Steuergeldern finanziert? Dies behauptet Gaby Weber ja in ihrem Artikel bereits in der &Uuml;berschrift. Doch dies ist ganz eindeutig falsch. Gelder, die die EZB im Rahmen ihrer Politik der Quantitativen Lockerung sch&ouml;pft, sind keine &bdquo;&ouml;ffentlichen Gelder&ldquo;, wie Gaby Weber es in ihrer Replik formuliert, und schon gar keine &bdquo;Steuergelder&ldquo;. Technisch unterscheidet sich von der Geldsch&ouml;pfung zum Aufkauf von Anleihen durch die EZB fast gar nichts von einem Aufkauf von Anleihen auf Pump durch einen Privatmann oder ein Unternehmen &ndash; die EZB muss lediglich verst&auml;ndlicherweise keine Sicherheiten hinterlegen. Wenn die EZB Staats- oder Unternehmensanleihen kauft, sch&ouml;pft sie das Geld daf&uuml;r sozusagen aus dem Nichts. Anleihen sind jedoch (auch nur) eine besondere Form des Kredits. Wenn sie von den ausgebenden Unternehmen, also in diesem Falle den Schuldnern, an die EZB zur&uuml;ckgezahlt werden, verschwindet das Geld auch wieder im Nichts. Nur die Zinsgewinne bleiben im Kreislauf.<\/p><p>Der Staat und sein Haushalt &ndash; also im weitesten Sinne die &bdquo;Steuergelder&ldquo; &ndash; haben damit jedoch &uuml;berhaupt nichts zu tun. Und selbst wenn es zu einem Konkurs des betreffenden Unternehmens kommt, entsteht erst einmal ein Bilanzverlust in den B&uuml;chern der EZB. Auch hier gibt es keinen Grund anzunehmen, dass ein derartiger Bilanzposten auf &ouml;ffentliche Haushalte, also den Steuerzahler, weitergereicht wird.  Die NachDenkSeiten haben den Zusammenhang schon mehrfach erkl&auml;rt (u.a. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14817\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19610\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19478\">hier<\/a>). Gaby Webers Kernaussage ist also ohne Wenn und Aber falsch.<\/p><p>Ein wenig anders sieht es mit ihrer zweiten Aussage aus, die besagt, dass das Ankaufprogramm f&uuml;r Unternehmensanleihen durch die EZB eine &bdquo;Subvention&ldquo; sei. Dies ist &ndash; <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/europaeische-zentralank-ueberfluessige-subvention-1.3655548\">wenn auch in einem anderen Kontext<\/a> &ndash; durchaus richtig. Durch das CSPP-Programm der EZB tritt ein weiterer Anbieter von Fremdkapital auf dem Anleihenmarkt auf, was einen zinssenkenden Einfluss auf die betreffenden Anleihen hat. Im Vergleich zur Zinspolitik der EZB ist dies jedoch eine Petitesse. Und es w&auml;re auch mutig zu folgern, dass die EZB oder gar die Bundesbank mit ihrem Anleihen-Aufkaufprogramm nun speziell die Monsanto-&Uuml;bernahme subventioniert h&auml;tte. Die Bedingungen f&uuml;r das Programm sind <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/mopo\/implement\/omt\/html\/cspp-qa.en.html\">klar definiert<\/a> und vergleichsweise <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/en\/tasks\/monetary-policy\/outright-transactions\/outright-transactions-643040?index=1#tar-4\">transparent<\/a>. Der Eindruck, irgendwelche Zentralbanker h&auml;tten nun Bayer unter die Arme gegriffen, ist daher auch irref&uuml;hrend. Auch ohne CSPP-Programm der EZB h&auml;tte Bayer Monsanto &uuml;bernommen und h&auml;tte dabei im schlimmsten Fall ein paar Basispunkte mehr bei den Zinskosten einkalkulieren m&uuml;ssen. Wenn man spitzfindig sein will, k&ouml;nnte man jedoch sagen, dass ohne die Niedrigzinspolitik von FED und EZB eine &Uuml;bernahme unwahrscheinlicher gewesen w&auml;re, da deren Finanzierung bei normalem Zinsniveau ungleich teurer gewesen w&auml;re. Aber das sind gleich einige &bdquo;w&auml;re&ldquo;, so dass auch diese Aussage spekulativ ist.<\/p><p>Ingo Arzt kritisiert den Artikel von Gaby Weber recht &uuml;berzeugend und auch das CSPP-Programm kritisiert er &ndash; jedoch leider teils von der falschen Seite, wenn er beispielsweise von &bdquo;explodierenden Wohnungspreisen&ldquo; als Folge der quantitativen Lockerung spricht. <\/p><p>Entscheidend sollte bei der Kritik jedoch sein, dass das CSPP-Programm der EZB die selbstgesteckten Ziele nicht erf&uuml;llt. Man ist bestrebt, Geld &bdquo;in die Volkswirtschaft zu pumpen&ldquo;, um damit die Inflation auf die Zielmarkt von 2,0% zu hieven und die Wirtschaft anzukurbeln. Dass dies so nicht funktioniert, nicht funktionieren kann, zeigt das konkrete Beispiel der Bayer-Anleihe sehr gut. Bayer hat mit der Anleihe die Aktion&auml;re von Monsanto ausbezahlt. Die sa&szlig;en zum Gro&szlig;teil gar nicht in der Eurozone und selbst wenn, d&uuml;rfte nur ein sehr kleiner Teil des Geldes in inflationstreibende Investitionen oder Konsumausgaben gegangen sein. Wie soll der Aufkauf einer Anleihe, mit der die &Uuml;bernahme eines US-Konzerns finanziert werden soll, die Inflation in der Eurozone pushen? <\/p><p>Zu den Hintergr&uuml;nden lesen Sie bitte: &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14074\">Vergesst die Inflation!<\/a>&rdquo;<\/p><p>Die Ziele der EZB-Politik sind ja richtig, allein die Mittel sind nicht geeignet, diese Ziele zu erreichen. W&uuml;rde man &ndash; z.B. &uuml;ber die F&ouml;rderbanken &ndash; das gesch&ouml;pfte Geld so in den Kreislauf bringen, dass es die Konsum- oder Investitionsausgaben ankurbelt, s&auml;he dies anders aus. Warum gibt es aber keine billigen EZB-Gelder f&uuml;r Kredite zur Bew&auml;ltigung der Energiewende? Warum bekommen Studenten keine zinslosen Studienkredite von der EZB? All dies w&auml;re viel sinnvoller als der Kauf von Bayer-Anleihen. Den muss man kritisieren. Aber das sollte man auch aus den richtigen Gr&uuml;nden tun, sonst vergaloppiert man sich und kommt zu den falschen Schl&uuml;ssen. So wie die Diskussion um Gaby Webers Artikel momentan l&auml;uft, ist es wenig wahrscheinlich, dass dabei etwas Produktives h&auml;ngenbleibt. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/674e470bc5a1402ba412edfe68988e0d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag ver&ouml;ffentlichte die gesch&auml;tzte Kollegin Gaby Weber auf Telepolis <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Kauf-von-Monsanto-mit-Steuergeldern-finanziert-4453665.html\">einen Artikel<\/a> zur Rolle der EZB bei der Monsanto-&Uuml;bernahme durch Bayer und sorgte damit f&uuml;r einige Aufregung. 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