{"id":5286,"date":"2010-04-22T10:01:49","date_gmt":"2010-04-22T08:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5286"},"modified":"2014-08-07T14:51:54","modified_gmt":"2014-08-07T12:51:54","slug":"einfuehrung-zu-einer-diskussion-mit-dem-regisseur-volker-loesch-und-dem-journalisten-wolfgang-storz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5286","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung zu einer Diskussion mit dem Regisseur Volker L\u00f6sch und dem Journalisten Wolfgang Storz"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen des 18. Stuttgarter Kabarett-Festivals gab es am 18. April eine Podiumsdiskussion zum Thema &bdquo;Manipulation und Mainstream. &Uuml;ber die Meinungsmache in Politik, Medien und Kultur&ldquo;. Die Einf&uuml;hrung finden Sie unten. Ich m&ouml;chte die Gelegenheit nutzen, um Sie auf Volker L&ouml;sch und seine Arbeiten an Theatern (u.a.) in Stuttgart und Hamburg hinzuweisen. Seine Arbeiten sind nahe dem, was wir mit den NachDenkSeiten versuchen. Er ist Nutzer und Freund unseres Projektes. Moderiert hat Dietrich Krau&szlig;. Er ist NachDenkSeiten-Lesern ein Begriff als Mitautor des Fernsehfilms &bdquo;Rentenangst&ldquo;, genauso wie Wolfgang Storz als Mitautor einer <a href=\"http:\/\/www.otto-brenner-kompakt.de\/abgeschlossene-projekte\/zukunft-fuer-ostdeutschland\/projekte\/themen-wirtschaftsjournalismus-krise-politik-finanzmarktpolitik-massenmedien-demokratie.html\">Studie &uuml;ber den Wirtschaftsjournalismus<\/a>. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Einf&uuml;hrung zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen des 18. Stuttgarter Kabarett-Festivals am 18. April 19:00 Uhr im Theaterhaus<\/strong><br>\nPodium mit Volker L&ouml;sch, Albrecht M&uuml;ller, und Wolfgang Storz.<br>\nModeration Dietrich Krau&szlig;, SWR.<\/p><p><strong>Thema: Manipulation und Mainstream. &Uuml;ber die Meinungsmache in Politik, Medien und Kultur.<\/strong><\/p><ol>\n<li>In der Vorank&uuml;ndigung zu dieser Veranstaltung wird das Kabarett  ziemlich abgewatscht. Es fungiere oft nurmehr als politisch neutraler Humor-Dienstleister. Da mag was dran sein, wenn man daran denkt, dass sich der Schwabe Matthias Richling in Kampagnen hat einbinden lassen. Ich selbst wurde einmal Opfer einer Instrumentalisierung des Bruno Jonas f&uuml;r eine der typischen Kampagne der neoliberalen Bewegung: gegen kreditfinanzierte Konjunkturprogramme.<br>\nAber insgesamt ist das kritische Urteil &uuml;ber den Zustand des Kabaretts im Ank&uuml;ndigungstext  m.E. zu hart. Am vergangenen Dienstag lief eine neue Ausgabe von &bdquo;Neues aus der Anstalt&ldquo;. Meisterhafter, kritischer, fundierter und dann auch noch humorvoll geht es eigentlich nicht. &Auml;hnlich erlebe ich Pispers, Pelzig und eine Reihe anderer.<br>\nAm Kabarett liegt es nicht, wenn wir Grund dazu haben, Anpassung, Leichtgl&auml;ubigkeit und den Mangel an Gesellschaftskritik zu beklagen. &ndash; Ich will eine Erkl&auml;rung versuchen:<\/li>\n<li>Was gutes Kabarett &ndash; und bei weitem nicht nur im Fernsehen &ndash; leistet, was einige B&uuml;hnen, einige verbliebene Intellektuelle und was ein Rest von kritischen Medienschaffenden und Internetseiten wie unsere NachDenkSeiten an kritischer &Ouml;ffentlichkeit schaffen, das ist eine Teil&ouml;ffentlichkeit, von der sich weite Teile des ehedem kritischen B&uuml;rgertum und weite Teile der Medienschaffenden nicht mehr erreichen lassen. Sie sind Teil einer ganz anderen &Ouml;ffentlichkeit, sie sind Teil des gro&szlig;en Stroms der &ouml;ffentlichen Meinung, der von den rechtskonservativen Meinungsf&uuml;hrern gepr&auml;gt wird. Was dort geschieht, ist meist unber&uuml;hrt von dem, was im verbliebenen kritischen Segment geschieht.<\/li>\n<li>Der Mainstream wird bestimmt von den Gro&szlig;en der Wirtschaft und weitergetragen von den ihnen zugewandten oder geh&ouml;renden Medien und der ihnen h&ouml;rigen Politik. Sie haben innerhalb von 40 Jahren die Hegemonie &uuml;ber das Denken erobert und auch weite Kreise des Bildungsb&uuml;rgertums und des ehedem kritischen B&uuml;rgertum, der Wissenschaft und der Medien erreicht, und teils verl&auml;sslich vereinnahmt. Typisch f&uuml;r den weit reichenden Einfluss sind die Talkshows.<\/li>\n<li>Die Hegemonie &uuml;ber das Denken und die politischen Entscheidungen wird mittels verschiedener Instrumente abgesichert. Augenf&auml;llig ist, welche gro&szlig;e Rolle die Lobby spielt, deren Sumpfbl&uuml;ten im direkten Zugriff der Wirtschaft auf die Regierungs- und Gesetzgebungst&auml;tigkeit in den Ministerien sichtbar werden, wenn wir von Leihbeamten vernehmen und h&ouml;ren, dass Gesetze wie jenes zur Bankenrettung von Rechtsanwaltskanzleien geschrieben werden, die mit der Finanzwirtschaft direkt verbunden sind.<\/li>\n<li>Augenf&auml;llig ist weiter, dass die Hegemonie &uuml;ber das Denken und Entscheiden mithilfe von Meinungsmache erreicht und abgesichert wird. Die herrschenden Kreise haben entdeckt, dass es zur Erhaltung ihrer Macht nicht unbedingt der Bajonette und der Polizei bedarf, und nicht einmal des Schmierens von Politikern. Es reicht oft schon die gut und strategisch ausgedachte Agitation. Sie setzen ihre Interessen mit massiven Kampagnen der Meinungsbeeinflussung durch. &ndash; In meinem Buch &bdquo;Meinungsmache&ldquo; beschreibe ich Dutzende von eklatanten Manipulationen, mit denen auch tats&auml;chlich politische Entscheidungen zu Gunsten der Manipulateure und der sie leitenden Interessen durchgesetzt werden:\n<ul>\n<li>Sie haben uns erz&auml;hlt, jede Bank sei systemrelevant. Also haben wir Steuerzahler die HRE und damit die um ihre Einlagen bei der HRE zitternden Gl&auml;ubiger gerettet. Gerettet haben wir mit unseren Steuergeldern von &uuml;ber 40 Milliarden allein ausl&auml;ndische Gl&auml;ubiger; dann mit &uuml;ber 2 Milliarden die Deutsche Bank, die Allianz, die Bayerische Landesbank, die Katholische Kirche mit fast 200 Millionen und viele mehr. Sie w&auml;ren alle nicht eingegangen, wenn wir die Behauptung von der Systemrelevanz der HRE nicht geglaubt und die &uuml;ber 100 Milliarden &euro; zu ihrer Rettung nicht bereitgestellt h&auml;tten.<\/li>\n<li>Sie haben uns erz&auml;hlt, die gesetzliche Rente bringe es nicht mehr, wir m&uuml;ssten privat vorsorgen. Also hat das Parlament entschieden, &ouml;ffentliches Geld zur Subvention der privaten Finanzdienstleister und Versicherungskonzerne zur Verf&uuml;gung zu stellen.<\/li>\n<li>Dass sich die Besserverdienenden das Elterngeld mit 1800 &euro; pro Kind und Monat genehmigt haben und die schlecht verdienenden mit 300 &euro; abgespeist werden, ist das Ergebnis einer eklatanten Manipulation &ndash; der unwahren Behauptung n&auml;mlich, die gut verdienenden Akademikerinnen seien mit 40 oder 43 % weit &uuml;berdurchschnittlich kinderlos.<\/li>\n<li>Sie haben aus Andrea Ypsilanti wie auch aus Oskar Lafontaine den Leibhaftigen stilisiert und &uuml;brigens aus Josef Ratzinger einen Heiligen. &bdquo;Wir sind Papst!&ldquo;. &ndash; Mit den Kampagnen zu Ypsilati und Lafontaine haben sie jegliche politische Option links von einer gro&szlig;en Koalition zerst&ouml;rt. Nachhaltig, wie man jetzt in NRW sieht, wo es nicht einmal den Versuch gibt, eine solche Option zu erreichen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Usw. usw. Ich k&ouml;nnte Ihnen bis Mitternacht ein Beispiel wirkungsvoller Meinungsmache nach dem andern benennen und beschreiben. Es l&auml;uft immer nach dem gleichen Muster: interessierte Kreise machen Meinung und bestimmen damit die politischen Entscheidungen zu ihren Gunsten. Oft reicht es, die Meinung der gehobenen Schichten und Meinungsf&uuml;hrer zu beeinflussen. Was das Volk denkt, ist oft schon gleichg&uuml;ltig, weil politisch nicht wirksam.<\/p><\/li>\n<li>Deshalb muss man notieren: Die Demokratie ist futsch. Die Gewalt geht nicht vom Volke aus, sondern von jenen, die &uuml;ber gro&szlig;e wirtschaftliche und publizistische Macht verf&uuml;gen.<\/li>\n<li>Im gleichen Atemzug verschied auch das zweite gro&szlig;e Versprechen unseres Grundgesetzes: die Sozialstaatlichkeit. Den herrschenden Kreisen ist sie seit langem ein Dorn im Auge. Die b&ouml;sartigen Kampagnen gegen die Unterschicht im allgemeinen und die HartzIV-Empf&auml;nger im besonderen zeigen, dass nicht einmal mehr der Schein einer sozial orientierten Gesellschaft von Gleichen gewahrt wird. Der Einzug des Vorwurfs &bdquo;Abzocker&ldquo; in eine regierungsamtliche Brosch&uuml;re des Bundeswirtschaftsministeriums zu Zeiten von Wolfgang Clement ist symptomatisch f&uuml;r den Umgang der Oberen mit dem Volk. &ndash; Schamlos bereichern sich &uuml;brigens die oberen Schichten zulasten der Mehrheit.<\/li>\n<li>Die kritische Begleitung dieser skandal&ouml;sen Entwicklung durch die Medien ist praktisch ausgefallen. Die ehedem einigerma&szlig;en kritischen Medien wie der Spiegel, der Stern, die S&uuml;ddeutsche Zeitung, die Frankfurter Rundschau und einige Magazine in den &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien haben sich mehr oder weniger angepasst, oft nicht aus freien St&uuml;cken, sondern anl&auml;sslich eines Besitzwechsels und unter wirtschaftlichen Zwang. Die Kommerzialisierung der elektronischen Medien war der dicke Klecks auf dem I.<\/li>\n<li>Die kritische Begleitung durch ein kritisches B&uuml;rgertum ist &ndash; bis auf die eingangs geschilderte gegenl&auml;ufige Bewegung &ndash; ebenfalls ausgefallen.<br>\nAus den Reihen der gebildeten Schichten und potentiell kritischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger kam kein nachhaltiger Protest gegen die Drangsal der Hartz IV Empf&auml;nger; die Mittelschichten &ndash; einschlie&szlig;lich vieler, die urspr&uuml;nglich links verortet waren &ndash; orientieren sich offensichtlich mehr an den Interessen der Oberschicht denn an den Interessen der Schw&auml;cheren; die Selbstverst&auml;ndlichkeit, mit der sich fr&uuml;her einmal Studenten und Akademiker daf&uuml;r engagierten, dass die weniger gut Gestellten besser gestellt werden,, dass zu ihren Gunsten und nicht zu Gunsten der Oberschicht reformiert wird, ist weg. Die Kampagne f&uuml;r niedrige L&ouml;hne und niedrige Lohnnebenkosten hatte und hat beispielsweise die Unterst&uuml;tzung dieser Kreise. Dass die Steuerreform den Wenigerverdienenden deutlich mehr bringen sollte, dass sich nur Reiche einen armen Staat leisten k&ouml;nnen und deshalb die &ouml;ffentlichen Leistungen und der Anteil des Staates ausgebaut werden sollten, statt ihn weiter zu verarmen, an diesen Erkenntnissen orientiert sich die heutige gehobene Mittelschicht und auch die Intelligenz nicht mehr.<br>\nWie sehr sich die Schicht, die eigentlich das Potenzial f&uuml;r ein kritisches B&uuml;rgertum sein sollte, an die Interessen der Gehobenen anpasst, konnte man auch an der Einstellung zum Aktienboom der Jahre 1998\/1999\/2000 und zur Aktienkursentwicklung insgesamt beobachten. Auch in diesen Kreisen wurde um die Jahrhundertwende zum Trottel erkl&auml;rt, wer nicht an der B&ouml;rse einsteigt. Sie dachten, sie k&ouml;nnten mitspielen und haben &uuml;bersehen, dass Spekulation nichts ist, was eine Gesellschaft weiter bringt &ndash; und sie &uuml;brigens oft auch nicht.<\/li>\n<li>Das gehobene gebildete B&uuml;rgertum, das eigentlich die Basis f&uuml;r ein waches kritisches B&uuml;rgertum sein sollte, ist durch Manipulationskampagnen &auml;hnlich beeinflussbar wie die weniger gut ausgebildeten Menschen, das Volk. Anders ausgedr&uuml;ckt: Spiegel-Leser und Zeit-Leser sind genauso manipulierbar wie die Leser der Bild-Zeitung. Oft noch mehr, weil sie sich &uuml;ber Dinge meinen Gedanken machen zu m&uuml;ssen, die anderen fremd sind: der demographische Wandel zum Beispiel interessiert den Bild-Zeitungsleser von sich aus wenig, den sich gebildet w&auml;hnenden Zeitgenossen schon; wie Konjunkturprogramme zu werten sind, ob Banken generell systemrelevant sind, ob uns die Arbeit ausgeht &ndash; das alles interessiert die Zeit-Leser mehr als die Bild-Leser.<\/li>\n<li>Die gebildeten Schichten und selbst einigerma&szlig;en links orientierte Zeitgenossen und Organisationen haben &uuml;ber weite Strecken die Methoden der Einflussarbeit der neoliberal orientierten Kreise und Institutionen nicht durchschaut. Viele glauben immer noch an den Osterhasen &ndash; n&auml;mlich daran, dass die Willens- und Meinungsbildung plural und einigerma&szlig;en demokratisch abl&auml;uft. Sie haben von der Existenz clever geplanten Kampagnen nichts geh&ouml;rt und haben auch nicht begriffen, welche Rolle m&auml;chtige Vorfeldorganisationen der neoliberalen Bewegung wie die Bertelsmann Stiftung bei der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung spielen.<br>\nDas haben zum Beispiel nicht einmal die Gewerkschaften gesehen: Ihre Hans-B&ouml;ckler-Stiftung hat viel mit der Bertelsmann Stiftung zusammengearbeitet, der DGB hat es getan und tut es jetzt in Nordrhein-Westfalen wieder.<br>\nBesonders augenf&auml;llig ist die Ahnungslosigkeit bei den Vertretern von Universit&auml;ten. Die Rektorenkonferenz und &uuml;brigens auch &bdquo;Die Zeit&ldquo; machen beim Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE) gemeinsame Sache mit Bertelsmann. Zu was das f&uuml;hrt, n&auml;mlich zu immer weiterer Privatisierung auch im Bildungsbereich, haben diese Vertreter der Intelligenz offenbar nicht verstanden oder sie sind &uuml;ber Interessen mit der Lobbyorganisation Bertelsmann Stiftung verbunden.<br>\nBertelsmann ist ein Paradebeispiel f&uuml;r die Einflussarbeit der Wirtschaft auf die ehedem oder potentiell kritischen Begleiter des Geschehens: neben dem CHE gibt es ja auch noch das CAP in M&uuml;nchen, das Zentrum f&uuml;r angewandte Politikforschung. Mit ihm sind Medienschaffende wie Peter Frey vom ZDF und Professoren wie Karl-Rudolf Korte als CAP-Fellows eng verbunden. &ndash; Die Knappheit &ouml;ffentlicher Mittel veranlasst oft auch solche Wissenschaftler, die nicht eine besondere N&auml;he zu Bertelsmann sp&uuml;ren, zn Zugriff auf die vergleichsweise &uuml;ppigen T&ouml;pfe.<br>\nBertelsmann ist nur ein Beispiel, wenn auch ein besonders prominentes und wirksames, f&uuml;r den Einfluss der Wirtschaft und der Medienkonzerne auf die deutsche Intelligenz und auf das, was sich daf&uuml;r h&auml;lt. (Siehe dazu auch die neueren Arbeiten von Wolfgang Lieb, eingestellt in die <a href=\"?p=5228\">NachDenkSeiten<\/a>)<\/li>\n<li>Bei wichtigen inhaltlichen Fragen spielen sogar Teile der sich f&uuml;r links und kritisch haltenden Intelligenz den konservativen Wirtschaftskreisen in die H&auml;nde. Teilweise arbeiten sie sogar zusammen und berufen sich auf konservative Kreise und Texte.\n<ul>\n<li>Die neoliberalen Reformer mussten Gr&uuml;nde daf&uuml;r finden, die sozialstaatlichen Charakter unseres Landes zu attackieren und die bisherige Linie der Sozialpolitik aufzugeben. Zwei angeblich v&ouml;llig neue Herausforderungen waren &uuml;ber lange Zeit die Standard-Begr&uuml;ndungen f&uuml;r die neue Linie: Globalisierung und Demographie. Die Globalisierung wurde als v&ouml;llig neu dargestellt. Diese Entwicklung zwinge zum Bruch, zu grundlegenden Reformen, zu &bdquo;Strukturreformen&ldquo;, wie man es nannte.<\/li>\n<li>Vollbesch&auml;ftigung ist nicht mehr m&ouml;glich, die Arbeit geht uns aus, Konjunkturprogramme sind Strohfeuer, Konjunkturprogramme f&uuml;hren zu mehr Schulden &ndash; das sind Glaubenss&auml;tze, die von vielen sich kritisch w&auml;hnenden Zeitgenossen geteilt und weiterverbreitet werden. Zum Wohle der neoliberalen Bewegung, denn sie sind zugleich die gef&auml;llige Begr&uuml;ndung f&uuml;rs wirtschaftspolitische Nichtstun und f&uuml;r den Aufbau einer Reservearmee von Arbeitslosen. Viele der sich zur kritischen Intelligenz rechnenden Zeitgenossen erkennen offensichtlich leider nicht, dass sie Frohndienste f&uuml;r die neoliberale Bewegung leisten. Sie sehen nicht, dass die hohe Arbeitslosigkeit &uuml;ber weite Strecken willentlich gemacht und hoch gehalten wurde, weil dies den als notwendig erachteten Druck auf die L&ouml;hne besorgt und aufrecht erh&auml;lt &ndash; und nebenbei noch dazu f&uuml;hrt, dass die formal geltenden sozialen Rechte und Arbeitnehmer-Rechte im wirklichen Leben immer weniger wert sind.<br>\nDieser Zusammenhang zwischen den Vers&auml;umnissen makro&ouml;konomischer Politik einerseits und der miserablen Einkommensverteilung andererseits wird auch von vielen sich kritisch gebenden Beobachtern nicht gesehen.<br>\nZusammenfassendes Fazit dieses wichtigen Punktes: Die zentrale Bedeutung und die M&ouml;glichkeit der Besch&auml;ftigungs- und Konjunkturpolitik wird von diesen sich f&uuml;r intelligent und kritisch haltenden Kreisen nicht gesehen. Von den herrschenden Kreisen wird sie bewusst missachtet. Diese wissen was sie tun.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Viele der urspr&uuml;nglich kritischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger verzetteln sich in eigenartigen und irrationalen Glaubensgemeinschaften. Sie sehen Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten und Trends, wo politische Spielr&auml;ume bestehen und deshalb politisches Handeln m&ouml;glich w&auml;re, also Versagen vorliegt. Auch solche, die sich f&uuml;r aufgekl&auml;rt halten, glauben an Mythen.<br>\nAuch zu dieser f&uuml;r die Therapie wichtigen Beobachtung folgen ein paar Beispiele:\n<ul>\n<li>Einige glauben, es habe in der j&uuml;ngeren Wirtschaftsgeschichte einen Bruch gegeben. In den siebziger Jahren sei das Zeitalter der wirtschaftspolitischen Gestaltungsm&ouml;glichkeit zu Ende gegangen. &ndash; Das ist absurd, weil man gerade am Verlauf der Siebzigerjahre zeigen kann, dass politisches und wirtschaftspolitisches Handeln m&ouml;glich ist und zum Erfolg f&uuml;hren kann. Die Konjunkturprogramme zum Beispiel haben gewirkt. Sie sind aber bewusst konterkariert worden. Die neoliberale Bewegung hat damals in Deutschland die ersten Pfl&ouml;cke eingeschlagen hat, namentlich die Deutsche Bundesbank, Otto Graf Lambsdorff und Hans Tietmeyer. Davor verschlie&szlig;en wie jene, die an den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bruch in den siebziger Jahren glauben, die Augen. Damit verzichten sie auf eine Diagnose, die uns weiter bringen w&uuml;rde: zu einer gemeinsamen aktiven Besch&auml;ftigungspolitik und damit zu einer optimistischen wirtschaftspolitischen Konzeption statt des kleinm&uuml;tigem Glaubens an die Zwangsl&auml;ufigkeit des wirtschaftlichen Niedergangs.<\/li>\n<li>Einige glauben an das Ende der Arbeit. Das sind die Anh&auml;nger von Rifkin. Ihr Glaube ist angesichts der F&uuml;lle von Aufgaben, die wir zu erledigen haben, ein ziemlich leicht zu erkennender Irrglaube.<\/li>\n<li>Einige glauben, der Zins und der Zinseszins seien an allem schuld. Darauf werden wir als Herausgeber der NachDenkSeiten oft hingewiesen. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich sprachlos vor dieser Erkl&auml;rung der Welt und dem daraus folgenden Heilslehren stehe.<\/li>\n<li>Viele sagen und glauben, das &bdquo;System&ldquo; sei schuld an unserem Elend. Das w&uuml;rde ich auch gerne sagen, weil dann das Leben einfacher w&auml;re und ich au&szlig;erdem viel Beifall bek&auml;me. Ratz-fatz &ndash; das System muss weg! Und was muss her? Die Antworten darauf erreichen, falls sie &uuml;berhaupt erteilt werden, eine beachtliche Streuungsbreite.<\/li>\n<li>Einige glauben an eine gesetzm&auml;&szlig;ig sinkende Wachstumsrate. Das sind die Horst-Afheldt-J&uuml;nger. Er hat in seinem 2003 erschienenen Buch mit dem Titel &bdquo;Wirtschaft, die arm macht&ldquo; eine Wachstumskurve &uuml;ber alle H&ouml;hen und Tiefen hinweg gezogen. Diese Kurve verdeckt eigentlich alle interessanten Bewegungen. Diese Bewegungen des Wirtschaftsablaufs in den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern zu erkennen w&auml;re aber wichtig, um zu erfahren, was man tun kann und tun muss, um Besch&auml;ftigung zu sichern und zu schaffen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol><p>Das Kabarett ist bisher noch ziemlich frei von den beschriebenen Irrationalit&auml;ten. Hoffen wir, dass es so bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des 18. Stuttgarter Kabarett-Festivals gab es am 18. April eine Podiumsdiskussion zum Thema &bdquo;Manipulation und Mainstream. &Uuml;ber die Meinungsmache in Politik, Medien und Kultur&ldquo;. Die Einf&uuml;hrung finden Sie unten. Ich m&ouml;chte die Gelegenheit nutzen, um Sie auf Volker L&ouml;sch und seine Arbeiten an Theatern (u.a.) in Stuttgart und Hamburg hinzuweisen. 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