{"id":52937,"date":"2019-07-02T14:00:20","date_gmt":"2019-07-02T12:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52937"},"modified":"2019-07-02T15:38:58","modified_gmt":"2019-07-02T13:38:58","slug":"eine-art-buecherverbrennung-in-san-francisco-soweit-sind-wir-schon-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52937","title":{"rendered":"Eine Art B\u00fccherverbrennung in San Francisco. Soweit sind wir schon wieder."},"content":{"rendered":"<p><strong>Diana Johnstone<\/strong> berichtet dar&uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.globalresearch.ca\/san-francisco-murals-suicide-left\/5682193\">in diesem Beitrag<\/a>. Der Text wurde von <strong>Susanne Hofmann<\/strong> &uuml;bersetzt. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Diana Johnstone: Die Wandgem&auml;lde von San Francisco und der Selbstmord der Linken<\/strong><\/p><p>Die Entscheidung der Schulbeh&ouml;rde von San Francisco (am 25. Juni 2019, NDS), die historischen Wandgem&auml;lde in der George Washington High School zu vernichten, ist nicht nur ein weiteres Beispiel f&uuml;r die Torheit der Identit&auml;tspolitik. Sie illustriert auch auf ersch&uuml;tternde Weise den drastischen geistigen Niedergang dessen, was man &bdquo;die Linke&rdquo; nennt, schreibt die US-amerikanische Journalistin und Autorin Diana Johnstone.<\/p><p>In den 1930er Jahren gab es noch eine Linke mit Verstand. Man konnte ihr zustimmen oder anderer Meinung sein, man konnte sie lieben oder hassen. In jedem Fall hatte sie Ideen, ein Ziel, Talent und einen Sinn f&uuml;r die Menschheit als Ganzes. Sie setzte sich f&uuml;r eine gerechte Gesellschaft ein, die der Ausbeutung ein Ende machen und dem Wohle der ganzen Menschheit dienen w&uuml;rde.<\/p><p>So gab es beispielsweise die k&uuml;nstlerischen Projekte der Works Progress Administration (WPA &ndash; Arbeitsbeschaffungsbeh&ouml;rde, die im Zuge des New Deal geschaffen wurde; Anmerkung der &Uuml;bersetzerin), dem wichtigsten Programm des New Deal zur Bek&auml;mpfung der Wirtschaftskrise, das von der Schaffung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tennessee_Valley_Authority\">Tennessee Valley Authority<\/a> bis zur k&uuml;nstlerischen Aufwertung &ouml;ffentlicher Geb&auml;ude reichte. Ein Beg&uuml;nstigter dieser Aufwertung war die George Washington High School in San Francisco, die mit einer bemerkenswerten Reihe von Wandmalereien des f&uuml;hrenden K&uuml;nstlers Victor Arnautoff gesegnet war. Er war ein russischer Einwanderer und hatte mit Diego Rivera, dem mexikanischen Meister der sozial engagierten Kunst, gearbeitet. Man sollte annehmen, dass diese beeindruckenden Wandmalereien in der Schule Lehrer und Sch&uuml;ler mit anhaltendem Stolz erf&uuml;llen w&uuml;rden. <\/p><p>Die WPA wurde, nicht zuletzt in ihren Kunstprojekten, von Linken, ja sogar regelrechten Kommunisten wie Arnautoff getragen, die es gewagt haben, vom sterilisierten &bdquo;Ich kann nicht l&uuml;gen&rdquo; <a href=\"https:\/\/www.mountvernon.org\/library\/digitalhistory\/digital-encyclopedia\/article\/cherry-tree-myth\">Kirschbaum-Mythos<\/a> und der Verherrlichung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Washington_Crossing_the_Delaware\">George Washingtons &Uuml;berquerung des Delaware<\/a> abzuweichen und an die vergessenen Opfer der Gr&uuml;ndung der Vereinigten Staaten zu erinnern &ndash; an die Ausbeutung afrikanischer Sklaven und an die brutale Enteignung des Landes amerikanischer Ureinwohner. Die Wandbilder waren eindeutig Teil der Bem&uuml;hungen linker WPA-Intellektueller, soziales Bewusstsein zu wecken &ndash; ein Schritt auf dem Weg zur B&uuml;rgerrechtsbewegung der 1950er Jahre.<\/p><p>Zu Zeiten des &bdquo;Komitees f&uuml;r unamerikanische Umtriebe&ldquo; im Repr&auml;sentantenhaus und Joe McCarthys irrwitzigen Amoklaufs erregten derartige links eingef&auml;rbte WPA-Projekte, die die weniger glanzvolle Seite der Geburt der Republik ans Licht zerrten, feindseligen Verdacht. Und doch haben die Arnautoffschen Wandmalereien die Hexenjagd von Nixon, vom Komitee f&uuml;r unamerikanische Umtriebe und von McCarthy &uuml;berlebt.  Da brauchte es schon die Identit&auml;tspolitik, um zu ihrer Zerst&ouml;rung aufzurufen.<\/p><p>Das Schockierendste ist, dass der afro-amerikanische Pr&auml;sident der San Francisco Schulbeh&ouml;rde, Stevon Cook, diese Zerst&ouml;rung der Wandgem&auml;lde bef&uuml;rwortet mit der Begr&uuml;ndung, sie enthalten &bdquo;brutale Bilder, die f&uuml;r bestimmte Gemeinschaften anst&ouml;&szlig;ig sind&rdquo;. Joely Proudfit, die Direktorin des California Indian Culture and Sovereignty Center in San Marcos meinte, es lohne nicht, das Kunstwerk zu erhalten, wenn auch nur ein uramerikanischer Sch&uuml;ler &bdquo;davon getriggert wird&rdquo;.<\/p><p>An so einer Position ist alles falsch. Bildung sollte Menschen dazu bef&auml;higen, das, was sie sehen, zu analysieren und nicht lediglich &bdquo;getriggert&ldquo; zu werden. Die gegenw&auml;rtige Welt ist vollgepfropft mit hochgradig verst&ouml;renden Bildern. Wenn ein Sch&uuml;ler erreichen kann, dass ein historisches Wandgem&auml;lde abgerissen wird, weil er oder sie davon &bdquo;getriggert&rdquo; wird, was soll das denn bitte f&uuml;r eine Vorbereitung f&uuml;r die Zukunft sein? Die Schule sollte kein &bdquo;sicherer Raum&rdquo; f&uuml;r Emotionen sein, sondern darauf vorbereiten, auf dem Lebensweg Emotionen mit Vernunft zu meistern. Jene, die die Wandbilder beseitigen m&ouml;chten, haben die schlechtestm&ouml;gliche Art der Interpretation dieser Wandbilder gew&auml;hlt, statt sich ihres Denkverm&ouml;gens zu bedienen, um sie zu verstehen und in ihren Kontext zu stellen. Ja, es gab die Sklaverei und ja, die amerikanischen Ureinwohner wurden abgeschlachtet. Und ihre Nachfahren k&ouml;nnen sich die Kraft vergegenw&auml;rtigen, die n&ouml;tig war, um Widerstand zu leisten und zu &uuml;berleben und sie k&ouml;nnen aus ihrer tragischen Geschichte Mitgef&uuml;hl sch&ouml;pfen f&uuml;r all jene, die heute unter vergleichbarer Ungerechtigkeit leiden. Der Angriff auf die Wandbilder ist eine Geste ohnm&auml;chtiger Boshaftigkeit.<\/p><p>Was sind die verletzten Gef&uuml;hle eines Highschool-Sch&uuml;lers in San Francisco im Vergleich zum Schmerz und dem Hunger eines jemenitischen Kindes, das unter dem Bombenhagel lebt, der von den USA unterst&uuml;tzt wird? George Washington ist tot, doch in der Stadt, die seinen Namen tr&auml;gt, finanziert die amerikanische F&uuml;hrung das Massaker an unschuldigen Zivilisten auf der ganzen Welt. Warum setzen diese super-empfindsamen amerikanischen Sch&uuml;ler ihr Feingef&uuml;hl nicht daf&uuml;r ein, sich den fortw&auml;hrenden Verbrechen entgegenzustellen? Warum entwickeln sie ihre Intelligenz nicht, um herauszufinden, wie sie im gemeinsamen Kampf mit anderen den permanenten Krieg der Washingtoner Regierung beenden k&ouml;nnen? <\/p><p>Aber der Trend der Hypersensibilit&auml;t (der &bdquo;Generation Schneeflocke&rdquo;) kann mit wirklicher St&auml;rke nichts anfangen, mit der Kraft des Mutes, mit der sich Hindernisse &uuml;berwinden lassen. Stattdessen saugt er k&uuml;nstliche moralische St&auml;rke aus ewiger emotionaler Schw&auml;che. Anstatt St&auml;rke durch zunehmendes Wissen zu gewinnen, klammert sich eine gewisse Str&ouml;mung junger Menschen, die im Gegensatz zu ihren Vorfahren NICHT gelitten haben, an ihre Opferrolle als Schl&uuml;ssel zu ihren eigenen Privilegien. Dies mag ein paar fl&uuml;chtige Vorteile bringen, ist aber auf lange Sicht verheerend.<\/p><p>Eine gesunde Gesellschaft beruht auf einer Balance zwischen der Achtung des Individuums, ganz unabh&auml;ngig von seiner Identit&auml;t oder seiner Herkunft, und dem Bewusstsein, Teil der Menschheit zu sein &ndash; mit all ihren Leiden, Freuden, Trag&ouml;dien und Hoffnungen. Wenn man sich jedoch in einer begrenzten Identit&auml;tsgruppe abkapselt, verweigert man sowohl den Respekt vor dem Individuum als auch die Wahrnehmung der universalen Menschheit. Es kann nur Grundlage f&uuml;r endlose Konflikte sein, nach dem Motto &bdquo;meine Leute sind besser als deine&rdquo; &ndash; &bdquo;nein, meine Leute sind besser als deine!&rdquo;. Diejenigen, die einen kurzzeitigen Sieg &ldquo;erlangen&rdquo;, indem sie anderen den zerst&ouml;rerischen Akt eines Bildersturms aufzwingen, best&auml;tigen damit nur, dass ihr einziger Schl&uuml;ssel zum Erfolg ihre Identifikation als &bdquo;Verlierer&rdquo; ist.   <\/p><p>Solange derartige Spaltungen Bestand haben, wird sich das amerikanische Volk in Stammes-Scharm&uuml;tzeln aufreiben, w&auml;hrend seine verbrecherischen Machthaber fortfahren, die Welt zu verw&uuml;sten.<\/p><p><em>Der Text wurde von Susanne Hofmann &uuml;bersetzt und erschien zun&auml;chst auf <a href=\"https:\/\/www.globalresearch.ca\/san-francisco-murals-suicide-left\/5682193\">globalresearch.ca<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Diana Johnstone lebt seit vielen Jahren in Paris und schreibt als freie Journalistin f&uuml;r verschiedene US- und internationale Medien. Sie ist Autorin mehrerer B&uuml;cher, darunter &bdquo;Die Chaos-K&ouml;nigin: Hillary Clinton und die Au&szlig;enpolitik der selbsternannten Weltmacht&ldquo;.<\/em><\/p><p>Titelbild: &copy; Diana Johnstone<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Diana Johnstone<\/strong> berichtet dar&uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.globalresearch.ca\/san-francisco-murals-suicide-left\/5682193\">in diesem Beitrag<\/a>. Der Text wurde von <strong>Susanne Hofmann<\/strong> &uuml;bersetzt. 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