{"id":53206,"date":"2019-07-09T10:00:29","date_gmt":"2019-07-09T08:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53206"},"modified":"2019-07-19T09:38:15","modified_gmt":"2019-07-19T07:38:15","slug":"was-ist-eigentlich-aus-der-bekaempfung-der-fluchtursachen-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53206","title":{"rendered":"Was ist eigentlich aus der Bek\u00e4mpfung der \u201eFluchtursachen\u201c geworden?"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Aff&auml;re um die Rettungsschiffe &bdquo;Sea Watch 3&ldquo; und &bdquo;Alan Kurdi&ldquo; ist die Fl&uuml;chtlingsdebatte wieder zur&uuml;ck. Und wieder einmal geht es nur um die Symptome. Dabei waren wir doch schon viel weiter. Sogar die Kanzlerin <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/merkel-fluchtursachen-bekaempfen-302722\">hatte doch schon verk&uuml;ndet<\/a>, dass nun die Bek&auml;mpfung der Fluchtursachen h&ouml;chste Priorit&auml;t haben m&uuml;sse. Das war vor vier Jahren. Seitdem wurde dieser Satz tausende Male wiederholt. Doch passiert ist nichts. Anstatt der Fluchtursachen werden die Fl&uuml;chtlinge bek&auml;mpft. Das politische Versagen in dieser Frage ist genau so erschreckend wie die Vergesslichkeit von Politik und Medien. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6366\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-53206-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190709_Was_ist_eigentlich_aus_der_Bekaempfung_der_Fluchtursachen_geworden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190709_Was_ist_eigentlich_aus_der_Bekaempfung_der_Fluchtursachen_geworden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190709_Was_ist_eigentlich_aus_der_Bekaempfung_der_Fluchtursachen_geworden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190709_Was_ist_eigentlich_aus_der_Bekaempfung_der_Fluchtursachen_geworden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=53206-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190709_Was_ist_eigentlich_aus_der_Bekaempfung_der_Fluchtursachen_geworden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190709_Was_ist_eigentlich_aus_der_Bekaempfung_der_Fluchtursachen_geworden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vor wenigen Wochen ver&ouml;ffentlichte das UN-Fl&uuml;chtlingshilfswerk UNHCR seinen neuen <a href=\"https:\/\/www.unhcr.org\/globaltrends2018\/\">Jahresbericht<\/a>. Erstmals sind mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Konflikten. Alle zwei Sekunden wird ein Mensch zum Fl&uuml;chtling. Alleine im Jahr 2018 verlie&szlig;en 2,8 Millionen Menschen ihr Heimatland als Fl&uuml;chtlinge oder Asylbewerber. <\/p><p>Als das Thema vor vier Jahren die Nachrichten beherrschte, formulierten die NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27394\">die drei wichtigsten Punkte<\/a>, um die Fluchtursachen nachhaltig zu unterbinden. <\/p><ul>\n<li>Eine aktive Friedens- und Friedenssicherungspolitik<\/li>\n<li>Das Verbot von Waffenlieferungen in Krisenregionen<\/li>\n<li>Der Aufbau einer gerechteren Welthandelsordnung, der Abbau von Exportsubventionen im Norden und das Zugest&auml;ndnis an den S&uuml;den, dass man dort die heimischen M&auml;rkte durch Z&ouml;lle und Handelsbarrieren sch&uuml;tzen darf<\/li>\n<\/ul><p>Lassen Sie uns doch einmal rekapitulieren, was sich auf diesem Gebiet getan hat und ob die europ&auml;ische Politik ihrer Verantwortung gerecht wurde.<\/p><ol>\n<li><strong>Eine aktive Friedens- und Friedenssicherungspolitik<\/strong>\n<p>Die wichtigste Ursache f&uuml;r Flucht und Vertreibung ist der Krieg. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um &bdquo;klassische&ldquo; Kriege zwischen zwei oder mehreren Staaten, um B&uuml;rgerkriege oder sogenannte <a href=\"https:\/\/www.friedenskooperative.de\/friedensforum\/artikel\/asymmetrische-konflikte-und-konfliktbearbeitung\">asymmetrische Konflikte<\/a> handelt. Die meisten Fl&uuml;chtlinge, die in der EU Schutz suchen, kommen <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/images\/d\/d4\/Five_main_citizenships_of_%28non-EU%29_asylum_applicants%2C_2018_%28number_of_first_time_applicants%2C_rounded_figures%29_YB19_1.png\">nach wie vor<\/a> aus den L&auml;ndern Syrien, Afghanistan und Irak &ndash; drei L&auml;ndern, die dank direkter und indirekter Beteiligung des Westens &ndash; und hier nat&uuml;rlich allen voran den USA &ndash; im Krieg versanken. Eine Politik, die ernsthaft die Fluchtursachen bek&auml;mpfen will, muss daher eine Politik sein, die Kriege verhindert, den Frieden sichert und dabei auch und vor allem die USA als internationalen Kriegstreiber Nummer Eins kritisch ins Visier nimmt. Gab es da in den letzten drei Jahren Fortschritte?<\/p>\n<p>Nein, das genaue Gegenteil ist der Fall. Zynisch k&ouml;nnte man eher sagen, dass <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/2530#_ga=2.82145494.1756999215.1562570276-1160443594.1562570276\">Syrien<\/a> (6,6 Millionen Vertriebene), <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/4505\">Afghanistan<\/a> (2,8 Millionen) und der <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/2547\">Irak<\/a> (3,1 Millionen) bereits weitestgehend entv&ouml;lkert sind und andere Krisenherde wie Jemen (2,5 Millionen Vertriebene), <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/4874\">Kongo<\/a> (5,1 Millionen), <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/5738\">&Auml;thiopien<\/a> (3,5 Millionen), <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/2553\">S&uuml;d-Sudan<\/a> (2,3 Millionen), <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/2535\">Sudan<\/a> (3,0 Millionen), <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/2541\">Myanmar<\/a> (860.000) und <a href=\"http:\/\/reporting.unhcr.org\/node\/2542\">Kolumbien<\/a> (9,0 Millionen) so weit von Europa entfernt sind, dass deren Fl&uuml;chtlinge und Vertriebene hier nicht als echtes Problem wahrgenommen werden. <\/p>\n<p>Die Zahl der in Europa ankommenden Fl&uuml;chtlinge ist klar r&uuml;ckl&auml;ufig. In der ersten H&auml;lfte dieses Jahres <a href=\"https:\/\/migration.iom.int\/europe?type=arrivals\">erreichten<\/a> nur noch rund 40.000 Fl&uuml;chtlinge Europa &ndash; davon fast 33.000 auf dem Seeweg &uuml;ber das Mittelmeer, auf dem im gleichen Zeitraum 681 Fl&uuml;chtlinge ertrunken sind. Derweil sitzen Hunderttausende Fl&uuml;chtlinge mit dem Ziel Europa in Lagern in den Maghreb-L&auml;ndern und der Sahelzone fest, die drauf und dran ist, sich zu einem Pulverfass zu entwickeln. &bdquo;Die gesamte Region steht vor gro&szlig;en grenz&uuml;berschreitenden Herausforderungen, von Klimawandel und D&uuml;rre &uuml;ber wachsende Unsicherheit, gewaltt&auml;tigen Extremismus bis hin zum Schmuggel von Menschen, Waffen und Drogen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.afrika-reise-der-kanzlerin-merkel-will-fluchtursachen-bekaempfen.0b4aef4f-8ea3-4075-8045-1abfc6f61306.html\">warnte<\/a> vor wenigen Wochen UN-Generalsekret&auml;r Ant&oacute;nio Guterres.<\/p>\n<p>Besonders dramatisch k&ouml;nnte sich ein m&ouml;glicher Iran-Krieg auf die Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me nach Europa auswirken. Immerhin hat Iran 81 Millionen Einwohner. Eine Politik, die Fluchtursachen bek&auml;mpfen will, m&uuml;sste vor allem hier ansetzen und die USA und Saudi-Arabien mit allen nur erdenklichen Mitteln von einer weiteren Eskalation abbringen. Doch davon ist nichts zu sp&uuml;ren. Man bel&auml;sst es bei oberfl&auml;chlichen diplomatischen Noten und vermeidet ernsthafte Kritik an der Kriegspolitik der USA wie der Teufel das Weihwasser.<\/p>\n<p>Und auch im Krisengebiet Sahelzone spielt die Bundesregierung mit dem Feuer und setzt vor Ort voll und ganz auf Milit&auml;r, Aufr&uuml;stung und &bdquo;Terrorismusbek&auml;mpfung&ldquo;, anstatt dem militanten Widerstand in diesen L&auml;ndern durch eine massive zivile Aufbauarbeit den N&auml;hrboden zu entziehen. So besteht die sehr reale Gefahr, dass milit&auml;rische Konflikte und eine fortgesetzte politische und wirtschaftliche Instabilit&auml;t Millionen Menschen zur Flucht &uuml;ber die Mittelmeerfluchtroute gen Europa treiben.<\/p><\/li>\n<li><strong>Das Verbot von Waffenlieferungen in Krisenregionen<\/strong>\n<p>Wenn Menschen weltweit in Krisengebieten vertrieben werden, dann geschieht dies h&auml;ufig auch mit deutschen Waffen. Ein Verbot von Waffenlieferungen in Krisenregionen w&auml;re somit ein n&ouml;tiger Bestandteil einer ernsthaften Bek&auml;mpfung der Fluchtursachen. Von einem Verbot von Waffenlieferungen will die Bundesregierung jedoch nichts wissen. Im Gegenteil. Alleine in der ersten H&auml;lfte dieses Jahres lieferte Deutschland <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/exporte-ruestung-101.html\">Waffen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro<\/a> alleine an die Kriegsparteien des Jemen-Kriegs. Offiziell gibt es zwar Ausfuhrbeschr&auml;nkungen, die jedoch in den letzten sechs Monaten ganze 122 Mal durch gesonderte Exportgenehmigungen au&szlig;er Kraft gesetzt wurden. <\/p>\n<p>Es gibt kaum eine <a href=\"http:\/\/ruestungsexport-info.de\/hintergrundinformationen\/bundestagsdokumente.html\">Region<\/a>, in die Deutschland keine Kriegswaffen liefert. Algerien, &Auml;gypten, Kolumbien, Irak, Israel, Jordanien, Oman, Katar, Saudi-Arabien, die T&uuml;rkei und die Vereinigten Arabischen Emirate geh&ouml;rten <a href=\"http:\/\/armstrade.sipri.org\/armstrade\/html\/export_values.php\">laut SIPRI-Datenbank<\/a> zu den Empf&auml;ngerl&auml;ndern. Vorgeschobene R&uuml;stungsexportrichtlinien sind dabei nichts anderes als <a href=\"https:\/\/www.linksfraktion.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/neue-ruestungsexportrichtlinien-sind-ein-papiertiger\/\">Papiertiger<\/a>. Auch k&uuml;nftig werden Menschen mit deutschen Waffen vertrieben werden und dann als Fl&uuml;chtlinge vor unserer T&uuml;r stehen. Die Fluchtursache Waffenlieferungen wurde nicht entsch&auml;rft. <\/p><\/li>\n<li><strong>Der Aufbau einer gerechteren Welthandelsordnung und der Abbau von Exportsubventionen im Norden und das Zugest&auml;ndnis an den S&uuml;den, dass man dort die heimischen M&auml;rkte durch Z&ouml;lle und Handelsbarrieren sch&uuml;tzen darf<\/strong>\n<p>Neben Krieg und Gewalt geh&ouml;ren &ouml;konomische Motive <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27289\">zu den wichtigsten Fluchtursachen<\/a>.  Es sind vor allem meist junge und m&auml;nnliche Fl&uuml;chtlinge aus Schwarzafrika, die in ihrer Heimat keine Chance auf einen halbwegs ordentlichen Job haben oder sich und ihre Familien nicht alleine ern&auml;hren k&ouml;nnen. Diese Migranten treibt es dann oft ins &bdquo;gelobte Land&ldquo; Europa. Wer diese Fluchtursache wirkungsvoll bek&auml;mpfen will, muss gegensteuern und den afrikanischen Staaten eine Chance geben, aufzuholen, um den Menschen dort eine realistische Chance auf eine Zukunft zu geben. Wie das gehen k&ouml;nnte, haben wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27289\">im August 2015<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45160\">im Juli 2018<\/a> bereits skizziert. Neu sind diese Probleme also nicht. Und hat sich in den letzten vier Jahren irgendetwas an den &ouml;konomischen Regeln f&uuml;r die &auml;rmsten L&auml;nder der Welt verbessert?<\/p>\n<p>Nein, im Gegenteil. Zu den katastrophalen Folgen europ&auml;ischer und amerikanischer Politik kommen n&auml;mlich nun immer st&auml;rker die negativen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52932\">Auswirkungen des chinesischen Expansionsdrangs<\/a> auf <a href=\"https:\/\/greenworldwarriors.com\/category\/china-in-africa\/\">Afrika<\/a> hinzu. Aber man muss gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger in Richtung China blicken. Auch die EU und allen voran Deutschland haben die letzten vier Jahre komplett verschenkt und die &ouml;konomische Situation f&uuml;r Afrika eher verschlimmert.<\/p>\n<p>N&ouml;tig w&auml;re ein zollfreier und privilegierter Zugang zu den europ&auml;ischen M&auml;rkten und die M&ouml;glichkeit, die eigenen M&auml;rkte zumindest zeitweise vor der &uuml;berm&auml;chtigen Konkurrenz der hochproduktiven Konzerne des globalen Nordens zu sch&uuml;tzen. W&auml;hrend sich der erste Punkt allgemein durchgesetzt hat, wird der zweite Punkt in das genaue Gegenteil umgekehrt. So koppelt Deutschland den eigentlich guten Plan, die zahllosen &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftspartnerschaftsabkommen\">Wirtschaftspartnerschaftsabkommen<\/a>&ldquo; mit afrikanischen Staaten durch ein Freihandelsabkommen mit der gesamten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/AKP-Gruppe\">AKP-Staatengruppe<\/a> zu ersetzen, das den EU-Markt f&uuml;r s&auml;mtliche AKP-Staaten <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/afrika-mueller-101.html\">&ouml;ffnet<\/a>. Fatalerweise bestehen die deutschen Wirtschaftslobbyisten <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/eu-afrika-mueller-101.html\">jedoch darauf<\/a>, den EU-Markt nur dann zu &ouml;ffnen, wenn die AKP-Staaten ihre M&auml;rkte f&uuml;r die EU ebenfalls &ouml;ffnen. Dies ist der aktuelle Stand der Debatte. Doch ein solches Abkommen w&auml;re &ouml;konomischer Selbstmord und w&uuml;rde Millionen Wirtschaftsfl&uuml;chtlinge produzieren, die dann ihre Chancen in Europa suchen m&uuml;ssten. <\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Vier Jahre sind ergebnislos verstrichen<\/strong><\/p><p>Was wurde nicht alles geschrieben &uuml;ber einen &bdquo;Masterplan Migration&ldquo; oder gar einen &bdquo;Marshall-Plan f&uuml;r Afrika&ldquo;. Geschehen ist in den letzten vier Jahren jedoch nichts. S&auml;mtliche Fluchtursachen bestehen nach wie vor. Die &ouml;konomischen, ethnischen und religi&ouml;sen Spannungen in den Dauerkrisengebieten haben sogar noch zugenommen und es ist zu erwarten, dass die n&auml;chsten Fl&uuml;chtlingswellen schon bald wieder vor Europas Toren stehen. Eine D&uuml;rre, ein B&uuml;rgerkrieg, ein weiterer v&ouml;lkerrechtswidriger Angriffskrieg der USA im Nahen oder Mittleren Osten, die Folgen des Klimawandels &hellip; und schon k&ouml;nnte sich die Situation von 2015 wiederholen.<\/p><p>Und es sind ja nicht nur die Fluchtursachen, bei denen sich nichts getan hat. Die EU hat auch immer noch keinen akzeptierten Verteilungsplan f&uuml;r die ankommenden Fl&uuml;chtlinge und die Aufnahme und Erstversorgung wird immer noch alleine den s&uuml;deurop&auml;ischen Grenzstaaten abverlangt. Auch hier sind vier Jahre verschenkt worden, ohne dass man konstruktiv an einer L&ouml;sung der Situation gearbeitet hat. <\/p><p>Ein Komplettversagen stellt auch die Friedenssicherung dar, die schlichtweg nicht stattfindet. Die USA f&uuml;hren immer noch weltweit ihre Vernichtungskriege und die Juniorpartner aus Europa machen bei diesen Verbrechen immer noch mit. <\/p><p>Doch anstatt sich endlich einmal ernsthaft mit den Fluchtursachen zu besch&auml;ftigen, geht es in der Debatte nach wie vor nur um Symptome wie die Frage, welche H&auml;fen ein privates Rettungsschiff im Mittelmeer anlaufen darf. Dies sind bestenfalls Nebenkriegsschaupl&auml;tze und Ablenkungsman&ouml;ver.<\/p><p>Solange Europa weiterhin weltweit Kriege f&uuml;hrt oder seine &bdquo;B&uuml;ndnispartner&ldquo; aus den USA Kriege f&uuml;hren l&auml;sst, werden stetig neue Fl&uuml;chtlinge produziert. Solange Europa den globalen S&uuml;den weiterhin &uuml;ber unfaire Handelsabkommen ausbeutet und nicht auf eine gerechtere Welthandelsordnung dr&auml;ngt, werden stetig neue Fl&uuml;chtlinge produziert. Solange Europa nichts oder zu wenig gegen den Klimawandel tut, werden stetig neue Fl&uuml;chtlinge produziert. Nat&uuml;rlich ist es aus humanit&auml;ren Gr&uuml;nden notwendig, auch die Fragen der Seenotrettung im Mittelmeer zu diskutieren. Solange man aber eine Politik verfolgt, die stetig Fl&uuml;chtlinge produziert, ist eine blo&szlig;e Fokussierung auf die Symptome nur noch zynisch zu nennen. Doch dieser Zynismus ist traurige Realit&auml;t. Und wenn sich bei der Bek&auml;mpfung der Fluchtursachen in den letzten vier Jahren nichts zum Besseren gewendet hat, wird sich auch k&uuml;nftig nichts tun. <\/p><p>Titelbild: Riccardo Mayer\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/3cde914a2b8744229f64fc61470c8900\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Aff&auml;re um die Rettungsschiffe &bdquo;Sea Watch 3&ldquo; und &bdquo;Alan Kurdi&ldquo; ist die Fl&uuml;chtlingsdebatte wieder zur&uuml;ck. Und wieder einmal geht es nur um die Symptome. Dabei waren wir doch schon viel weiter. Sogar die Kanzlerin <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/merkel-fluchtursachen-bekaempfen-302722\">hatte doch schon verk&uuml;ndet<\/a>, dass nun die Bek&auml;mpfung der Fluchtursachen h&ouml;chste Priorit&auml;t haben m&uuml;sse. 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