{"id":53368,"date":"2019-07-14T11:45:40","date_gmt":"2019-07-14T09:45:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53368"},"modified":"2019-07-14T12:58:08","modified_gmt":"2019-07-14T10:58:08","slug":"moritz-hochschild-wie-der-humanitaere-mythos-vom-oskar-schindler-boliviens-zum-schaedling-der-indigenen-voelker-mutierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53368","title":{"rendered":"Moritz Hochschild \u2013 Wie der humanit\u00e4re Mythos vom \u201cOskar Schindler Boliviens\u201d zum Sch\u00e4dling der indigenen V\u00f6lker mutierte"},"content":{"rendered":"<p>Die Atacama-W&uuml;ste zwischen Bolivien, Chile und Peru machte zwei Deutsche zu Multimillion&auml;ren. Der eine hie&szlig; Henry Sloman und lie&szlig; sich mit dem Hamburger Chile-Haus verewigen. Der zweite hie&szlig; Moritz Hochschild und soll als mythischer Judenretter verewigt werden. Der 1881 im hessischen Biblis geborene und 1965 in Paris verstorbene Agnostiker j&uuml;discher Herkunft und Bergbauingenieur wurde 2017 vom weltweiten, medialen Mainstream wiederentdeckt, nachdem das Museum des bolivianischen Bergbaukonzerns Comibol mehrere Zentner von Hochschilds Unterlagen auf einer M&uuml;lllippe im Museumshof auffand. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAus den zur&uuml;ckgewonnenen Unterlagen geht hervor, dass Hochschild zwischen 1938 und 1940 bis zu 9.000 Juden das Leben mit der Flucht aus Europa nach Bolivien &ndash; zum Teil mit falschen P&auml;ssen und Visa &ndash; gerettet hat. Doch nicht allein aus humanit&auml;rem &Uuml;berschwang, sondern auch getrieben von &ouml;konomischem Kalk&uuml;l. Hochschild hatte n&auml;mlich Pl&auml;ne f&uuml;r die landwirtschaftliche Entwicklung Boliviens.<\/p><p>So wurden die Neuank&ouml;mmlinge nach ihrer Ankunft als erstes auf einem landwirtschaftlichen Versuchsgut in der Coca-Anbau-Gegend von Yungas, wenige Kilometer von der Hauptstadt La Paz entfernt, einquartiert. Dort sollten sie zu Landwirten ausgebildet werden, doch kaum einer der Immigranten brachte daf&uuml;r Talent noch Lust im Reisegep&auml;ck mit.<\/p><p>Nach Sch&auml;tzungen Ricardo Udlers, Vorsitzender des Israelitischen Zirkels in Bolivien, erreichten in den 1940er Jahren insgesamt 15.000 Juden das Andenland, doch nur ein Teil war dem Ruf Hochschilds gefolgt. Eine Minderheit integrierte sich in die bolivianische Gesellschaft, doch die Mehrheit nutzte das Land als Br&uuml;cke zur Weiterreise in die Vereinigten Staaten, nach Argentinien, Brasilien oder Israel.<\/p><p>Fast ein Jahrhundert nachdem Moritz, genannt <em>Don Mauricio<\/em>, zum ersten Mal S&uuml;damerika in Chile betrat, wo seine Geschichte als einer der drei bedeutendsten &ldquo;Zinnbarone&rdquo; der Atacama ihren Anfang nahm, gelang es seinem Gro&szlig;neffen Eduardo, dem Familiennamen Hochschild neuen Ruhm &ndash; Kritiker sagen: Ruchlosigkeit &ndash; als Beispiel f&uuml;r global operierende Weltfirmen zu verleihen.<\/p><p>Als einer der drei reichsten M&auml;nner Perus, mit einem Privatverm&ouml;gen von mindestens 2 Milliarden Euro, dirigiert Eduardo Hochschild den sechstgr&ouml;&szlig;ten Gold- und Silber-Sch&uuml;rfkonzern der Welt, <a href=\"http:\/\/www.hochschildmining.com\/en\/home\">Hochschild Mining plc<\/a>. Mit einem Dutzend Minen in Mexiko, Peru, Bolivien und Chile wurde wegen der notwendigen Tuchf&uuml;hlung zu B&ouml;rsenspekulanten und Gelegenheits-Investoren &ndash; &ldquo;M&auml;rkte&rdquo; genannt &ndash; die Gesch&auml;ftszentrale in die Londoner City verlegt.<\/p><p>Das Problem Hochschilds und einer Hundertschar aggressiver, internationaler Minenbetreiber in den Anden scheint zu sein: Bergbau, Umweltschutz und Grundrechte, insbesondere die Territorialrechte indigener V&ouml;lker, vertragen sich nicht. Auf das Konto von Hochschild Mining gehen in Mexiko und Peru Mineneinst&uuml;rze mit Todesopfern, unerlaubter Bergbau auf indigenem Urland, Wasser-Verunreinigung und Viehsterben durch Vergiftung von Wasserl&auml;ufen &ndash; ein Umwelt- und Menschenrechts-Passiv, das sich nicht mit dem Mythos des humanit&auml;ren Clangr&uuml;nders reimen will.<\/p><p><strong>Moritz Hochschilds Aufstieg zum globalen Bergbaukonzern<\/strong><\/p><p>Nach ungenauen Angaben lie&szlig; sich Moritz Hochschild ab 1911 f&uuml;r die Dauer weniger Jahre in Chile als Rohstoffh&auml;ndler und -exporteur nieder, kehrte nach Deutschland zur&uuml;ck, brach aber in Begleitung seiner Ehefrau K&auml;the Rosenbaum nach Ende des Ersten Weltkriegs zum zweiten Mal in das Andengebiet auf, wo 1920 sein einziger Sohn Gerald geboren wurde und der Bergbau-Ingenieur aus Biblis vier Jahre sp&auml;ter nach dem Tod seiner jungen Frau zum Fr&uuml;hwitwer wurde.<\/p><p>Diesmal lie&szlig; sich Hochschild mit einem zweiten Gesch&auml;ftssitz f&uuml;r den Handel mit Zinn-Erzen in Bolivien nieder. Seine Gesch&auml;fts-Expansion fand Widerhall in Deutschland, von wo aus weitere Familienmitglieder Anfang der 1930er Jahre dem Ruf Moritz&lsquo; und der Atacama folgten, darunter sein Cousin Philipp Hochschild samt Ehefrau Germaine, die wenig sp&auml;ter ihren ersten Ehemann verlie&szlig; und Moritz Hochschild heiratete.<\/p><p>Ein weiteres Familienmitglied, der 1927 in Bonn geborene Luis Hochschild, kam als Kind nach Chile, von dem er sich Anfang der 1940er Jahre verabschiedete und als zuk&uuml;nftiger Maschinenbau- und Elektro-Ingenieur dem Familienunternehmen zu vermehrtem Dienste-Angebot und Expansion &ndash; insbesondere mit den Firmen Huar&oacute;n, Caylloma, Pativilca, Arcata und den Goldminen Sip&aacute;n und Ares &ndash; in Peru verhalf. Die in Chile verbliebenen Nachkommen gr&uuml;ndeten die bis zur Gegenwart f&uuml;hrende chilenische Maschinenbau-Firma <a href=\"https:\/\/www.mhis.cl\/\">Mauricio Hochschild Ingenier&iacute;a y Servicios SA<\/a>.<\/p><p>Hochschild war bewusst, dass um 1900 das Silber vom Zinn als wichtigste Einnahmequelle Boliviens abgel&ouml;st worden war. Er hatte das Land rechtzeitig betreten, denn in den 1920ern wirkte die Zinn-Nachfrage als Triebfeder eines beachtlichen Aufschwungs, der die F&ouml;rderung in neun Jahren um 50 Prozent steigerte und die Minenbetreiber zu Million&auml;ren machte. Es gelang ihm innerhalb von zwei Jahrzehnten der Aufbau eines f&uuml;r damalige Verh&auml;ltnisse ansehnlichen Wirtschaftsimperiums, das mit Minenbetrieb und Zinn-Handel weit &uuml;ber die Grenzen nach Peru und Chile reichte und ihn zusammen mit V&iacute;ctor Aramayo und Sim&oacute;n Pati&ntilde;o zu einem der drei gro&szlig;en bolivianischen Zinnbaronen erhob. <\/p><p>Allerdings verk&uuml;ndete Pr&auml;sident Germ&aacute;n Busch im Juni 1939 ein Dekret, wonach s&auml;mtliche Unternehmen ihre Kapitalanlagen im Ausland innerhalb von 120 Tagen an die bolivianische Zentralbank zu &uuml;berweisen h&auml;tten. Jeder Widerstand gegen den Erlass w&uuml;rde als Verrat angesehen werden. Hochschild widersetzte sich den ultimativen Bestimmungen, Busch ordnete seine Verhaftung an und verurteilte ihn zum Tod.<\/p><p>Ein internationaler Skandal schwappt durch die Medien, Busch gab schlie&szlig;lich dem Flehen seines Kabinetts zugunsten Hochschilds nach und der deutsche Zinnmagnat wird freigelassen. Zwei Monate sp&auml;ter begeht Busch Selbstmord. Kaum ist der Zweite Weltkrieg vor&uuml;ber, wird Hochschild 1946 von einer Bande bolivianischer Polizeichefs entf&uuml;hrt und wieder mit dem Tod bedroht. Sobald er freigelassen wird, verl&auml;sst er Bolivien auf Nimmerwiedersehen.<\/p><p>Sein Neffe und Eduardo Hochschilds Vater, Louis Hochschild, hatte in Peru weniger Gl&uuml;ck. W&auml;hrend einer Morgenfahrt zum B&uuml;ro stirbt er 1998 im Kugelhagel eines Entf&uuml;hrungsversuchs. Die wahren Hintergr&uuml;nde und namentlichen Hinterm&auml;nner des Verbrechens wurden niemals ermittelt.<\/p><p>Am Vorabend der bolivianischen Revolution von 1952, mit der ersten Nationalisierung des Bergbaus, befehligte Moritz Hochschild aus dem Ausland die &Uuml;bertragung gro&szlig;er Teile seines Verm&ouml;gens an die Hochschild Trust and Foundation. F&uuml;r die Enteignung seines Firmenbesitzes erhielt der Zinnbaron nach eigenen Worten eine unvollst&auml;ndige Entsch&auml;digungssumme in H&ouml;he von 8,7 Millionen Dollar, durfte jedoch 30 Prozent seines Betriebsverm&ouml;gens beibehalten.<\/p><p>Danach wandte sich Hochschild zunehmend von Bolivien ab und investierte nun in den peruanischen Gold- und Silberhandel, der die Grundlage des heutigen Hochschild-Mining-Konzerns unter Vorsitz seines Gro&szlig;neffen bildete. Moritz Hochschild starb 1965 in Paris.<\/p><p><strong>Der Buchheld als &ldquo;Oskar Schindler Boliviens&rdquo;<\/strong><\/p><p>Hochschilds Wiederentdecker hei&szlig;t Edgar Ramirez, ein 73-j&auml;hriger, k&auml;mpferischer Gewerkschafter mit untypischer schriftstellerischer Karriere. Auch bekannt als Edgar &bdquo;Hurac&aacute;n&rdquo; (Orkan), machte sich Ram&iacute;rez ab 1969 einen Namen als Bergarbeiter und Gewerkschafts-Aktivist im damaligen Einheitskonzern Cerro de Potos&iacute;. Unter der ersten Diktatur Hugo Banzers (1971-1978) kostete ihm seine Gewerkschaftsaktivit&auml;t sieben Jahre Kerker und zwei Jahre politischen Untergrund w&auml;hrend der Milit&auml;rdiktatur Luis Garc&iacute;a Mezas (1980-1981). Nach Verhaftung und Verbannung verbrachte Ram&iacute;rez einige Jahre im englischen, chilenischen und holl&auml;ndischen Exil. Das Vertrauen nicht nur der Minenarbeiter machte Ram&iacute;rez zum Generalsekret&auml;r der bolivianischen Bergarbeiter-Gewerkschaft und sie w&auml;hlten ihn zum Vorsitzenden des bolivianischen Gewerkschaftsbundes Central Obrera Boliviana (COB).<\/p><p>Als Buchautor &ndash; <em>Ensayo: Estrategia de Dominaci&oacute;n Imperialista<\/em> \/ Essay: Strategie der imperialistischen Herrschaft (1997) und <em>Neoliberalismo y Movimiento Sindical en Bolivia<\/em> \/ Neoliberalismus und Gewerkschaftsbewegung in Bolivien (1999) &ndash; rief Ram&iacute;rez 2015 die Gewerkschaftsbewegung zum Kampf f&uuml;r die vollst&auml;ndige Nationalisierung des bolivianischen Bergbaus auf, der selbst unter Evo Morales kaum 7 Prozent der F&ouml;rderung im Land kontrolliert, w&auml;hrend fast 60 Prozent der Ausbeute von transnationalen Konzernen betrieben wird.<\/p><p>Als Ram&iacute;rez w&auml;hrend der Amtszeit von Evo Morales&lsquo; Vorg&auml;nger Carlos Mesa zum Direktor des Archivo Minero &ndash; des Archivs der staatlichen Bergbaugesellschaft COMIBOL &ndash; in El Alto nominiert wurde, stie&szlig; er 2003 auf einen bedauerlichen und aufregenden Fund: Berge mit Dokumenten lagerten und verkamen seit der Revolution von 1952 unter freiem Himmel in einem Hinterhof des Museums. Pr&auml;sident und Historiker Mesa sah sich den Schlamassel an und &uuml;berlegte nicht zweimal: &bdquo;Das m&uuml;ssen wir unbedingt retten!&rdquo;.<\/p><p>Es war zum Verzweifeln! Einige Rechnungsunterlagen, Finanzberichte und Bergbau-Studien Pati&ntilde;os und Aramayos konnten gerettet werden, doch 30 bis 40 Prozent kostbarer Dokumente des jahrhundertealten bolivianischen Bergbaus, in denen Millionen <em>Mineros<\/em> ihr Leben lang geschuftet und tausende ihr Leben gelassen hatten, waren restlos verloren. Doch dann stie&szlig;en Ram&iacute;rez und Mesa auf Dutzende Kisten mit Briefen und Fotografien Moritz Hochschilds. V&ouml;llig &uuml;berrascht lasen sie sich in die bis dahin unbekannte Geschichte der Solidarit&auml;t Hochschilds mit einer Tausendschar von Juden, die vor dem Nazi-Pogrom nach Bolivien geflohen waren, ein.<\/p><p>Zu den Original-Unterlagen z&auml;hlten Arbeitsvertr&auml;ge Hochschilds mit den von ihm nach Bolivien eingeschleusten Juden und Briefe, wie der von j&uuml;dischen Kindern aus dem Kindergarten Miraflores in La Paz an Hochschild (siehe Foto), in dem sie um die finanzielle Unterst&uuml;tzung des Zinnbarons f&uuml;r eine neue, freundliche Obhut warben. In einem anderen Brief dr&auml;ngt ihn die franz&ouml;sische Regierung zur Aufnahme zus&auml;tzlicher eintausend j&uuml;discher Waisen in Bolivien. Zahlreiche Originaldokumente attestieren den Briefverkehr Hochschilds mit der britischen Botschaft, und &bdquo;schwarze Listen&rdquo; offenbaren die Namen von Gesch&auml;ftsleuten und Mitarbeitern der Achse Rom-Berlin-Tokio, mit denen der geborene, doch religi&ouml;sen Glaubens abgeneigte Jude keine Gesch&auml;fte machen sollte.<\/p><p>Unter Mesas Nachfolger Evo Morales erhielt das Museumsprojekt rund 9 Millionen Euro f&uuml;r den Bau eines modernen Archivgeb&auml;udes mit Au&szlig;enstellen. W&auml;hrend der vergangenen 10 Jahre baute Ram&iacute;rez mit einem Team von 40 Mitarbeitern die Aktenanordnung zu einer geraden Strecke von 40 Kilometern aus. Gerettete Akten zum Hochschild-Imperium f&uuml;llen mehrere G&auml;nge im Keller des Archivs, von denen jedoch 32 Ordner gesondert gelagert werden. Sie enthalten die hunderte Original-Briefe zu Hochschilds Unternehmen &bdquo;Judenrettung&rdquo;.<\/p><p>Einzug in die internationalen Medien fand die Geschichte von der Rettung tausender europ&auml;ischer Juden jedoch erst, als die UNESCO im Oktober 2016 den Fund wegen seiner einmaligen Bedeutung zum historischen Welterbe erkl&auml;rte. Davor hatten sich mindestens drei bolivianische Autoren an den Materialien bedient, darunter der ehemals an der Freien Universit&auml;t Berlin als Lehrbeauftragter t&auml;tige Historiker j&uuml;discher Abstammung, Leon Bieber, der die Recherchen zu seinem 2015 erschienenen Sachbuch &bdquo;Dr. Mauricio Hochschild&rdquo; mit Archivmaterial des Jewish Joint Committee (JOINT) in New York erg&auml;nzte und als erster den Vergleich mit dem Filmhelden Oskar Schindler in Umlauf brachte.<\/p><p>Im gleichen Jahr erschien der Roman der renommierten bolivianischen Journalistin und Buch-Autorin Ver&oacute;nica Ormachea Guti&eacute;rrez &bdquo;Los Infames&rdquo; (Die Infamen), die Hochschilds gewagtes Abenteuer aus umgekehrter, europ&auml;ischer Perspektive erz&auml;hlt, n&auml;mlich wie nach den Pogromen vom November 1938 der deutsche Zinnbaron die Organisation der Massenflucht aufbaut, daf&uuml;r mehrfach nach Europa reist, um insgeheim ganze Koffer mit gef&auml;lschten bolivianischen P&auml;ssen an die Verfolgten und ihre Vertreter zu &uuml;berreichen. Hinter der Aktion stand die von Hochschild gegr&uuml;ndete und vom ebenfalls deutschst&auml;mmigen bolivianischen Pr&auml;sidenten German Busch (1937-1939) unterst&uuml;tzte Fluchtorganisation Sociedad Protectora para Israelitas (SOPRO). Ein neues Buch des bolivianischen Journalisten und Historikers Robert Brockmann soll demn&auml;chst die besondere, jedoch zuletzt konfliktbeladene Beziehung zwischen Busch und Hochschild aufhellen.<\/p><p>Was Busch auf die Palme brachte, war, dass von den ersten aufgenommenen 3.000 Juden kaum einer in der Landwirtschaft arbeiten wollte, wie zwischen Zinnbaron und Staatspr&auml;sident abgesprochen war, und die Mehrheit lieber in der Hauptstadt La Paz wohnen wollte, was sehr bald in der Bev&ouml;lkerung eine Welle anti-j&uuml;discher Stimmung erzeugte und Busch zu einem einstweiligen Aufnahmestopp bewegte, der 1940 wieder aufgehoben wurde und die Einreise von 9.000 bis 10.000 verfolgter Juden erm&ouml;glichte. Hochschild spricht in seinem Briefverkehr mit Vertretern der j&uuml;dischen Gemeinschaften in New York sogar von bis zu 30.000 Juden, die er nach Bolivien hin&uuml;berretten will, doch machte der Zweite Weltkrieg seinem Plan einen Strich durch die Rechnung.<\/p><p><strong>Die indigenen V&ouml;lker kontra Hochschild Mining<\/strong><\/p><p>In den vergangenen zwanzig Jahren nahmen die extraktiven Aktivit&auml;ten multinationaler Konzerne auf indigenen Gebieten weltweit exponentiell zu, weshalb sich der sogenannte moderne Bergbau mit <em>Raubbau<\/em> reimt.<\/p><p>&bdquo;Gold auf 4.600 Metern &uuml;ber dem Meeresspiegel zu f&ouml;rdern, hat jedoch seine Probleme. Die urspr&uuml;nglichen Pl&auml;ne des kanadischen Minengiganten Barrick Gold beinhalteten die &bdquo;Verlagerung&rdquo; von drei riesigen Gletschern &ndash; eine Entscheidung, die seither von den chilenischen Umweltbeh&ouml;rden blockiert wurde, schrieb bereits vor mehr als 10 Jahren der britische Guardian unter dem ironischen Titel &bdquo;Probleme mit dem Bergbau in den Anden? Sie m&uuml;ssen halt Gletscher umsetzen&rdquo; (The problem of mining in the Andes? You have to move glaciers &ndash; The Guardian 03. Mai 2006).<\/p><p>Den hirnverbrannten, frechen Vorschlag brachte der von US-Banken kontrollierte Barrick-Gold-Konzern ein, als Landwirte und lokale Gemeindemitglieder im darunterliegenden Huasco-Tal f&uuml;rchteten, dass die massive Tagebau-Goldmine, die 2009 in Betrieb gehen sollte, Wasserknappheit verursachen und ihre Felder mit Zyanid verseuchen w&uuml;rde.<\/p><p>Barrick-Gold verf&uuml;gt ein eigenes, unzug&auml;ngliches, weil scharf &uuml;berwachtes Sch&uuml;rfareal auf der argentinisch-chilenischen Grenze mit den Ausma&szlig;en Lichtensteins. Barrick behauptete, die Mine, deren urspr&uuml;nglich geplante Investitionen von 1,4 Milliarden Dollar sich in den vergangenen 25 Jahren verf&uuml;nffacht und den Goldabbau nahezu unrentabel gemacht haben, w&uuml;rde &bdquo;in voller &Uuml;bereinstimmung mit allen Umweltauflagen&rdquo; arbeiten. <\/p><p>&bdquo;Doch die Geschichte des Goldbergbaus in Lateinamerika tr&auml;gt wenig dazu bei, die lokale Bev&ouml;lkerung zuversichtlich zu stimmen&rdquo;, warnte der Guardian bereits vor mehr als zehn Jahren. Und die Behauptung trifft ebenso auf Hochschild Mining zu. Im Jahr 2013 reichte zum Beispiel die indigene Gemeinschaft von San Miguel El Progreso im Bundesstaat Guerrero eine einstweilige Verf&uuml;gung gegen die Erteilung von Bergbaukonzessionen an Hochschild Mining ein, weil sie im Fall Reducci&oacute;n Norte de Coraz&oacute;n de Tinieblas und Coraz&oacute;n de Tinieblas gegen die Verfassung und die internationalen Vertr&auml;ge versto&szlig;en, die der mexikanische Staat ratifiziert hat.<\/p><p>Im vergangenen Jahrzehnt hat das Gebiet der indigenen V&ouml;lker La Monta&ntilde;a und Costa Chica de Guerrero aufgrund der dort prospektierten 42 Mineralvorkommen wirtschaftliche Ambitionen geweckt. Die mexikanische Bundesregierung erteilte mindestens 30 Konzessionen f&uuml;r Explorations- und Bergbauaktivit&auml;ten mit 50-j&auml;hriger Dauer, ohne die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorgeschriebenen Konsultationen und Rechte der indigenen V&ouml;lker Naua, Me&rsquo;phaa und Na Savi zu ber&uuml;cksichtigen. Die im Gebirge zugestandenen Sch&uuml;rftitel umfassen nahezu 200.000 Hektar (Demanda comunidad ind&iacute;gena de Guerrero al Ejecutivo Federal por entrega de concesiones mineras en su&nbsp;territorio &ndash; Cencos, 15. November 2013).<\/p><p>Zwei Jahre sp&auml;ter versuchte Hochschild Mining international geltende Rechte indigener V&ouml;lker und die peruanischen Umweltgesetze zu umgehen. So versammelten sich am 19. Juli 2015 15 Bauerngemeinden des Bezirks Oyolo im Huanca-Huanca-Tal zwischen den Provinzen Parinacochas und Paucar del Sara Sara, um die sofortige Einstellung des Minenprojekts Immaculada des Ares-Komplexes im Besitz von Hochschild Mining zu fordern, dessen Betrieb die Nebenstr&ouml;me des Huanca-Huanca-Flusses Huancute, Patar&iacute; mit Bergbauabf&auml;llen verseucht hatte.<\/p><p>Cristina Cayo, Gemeinde-Sprecherin aus Huancute, warf Hochschild Mining unzul&auml;ssige Schritte vor, als das Unternehmen seine Umweltvertr&auml;glichkeits-Studie mit den Gemeinden rund um das Bergbauprojekt debattierte, deren Abnahme der Konzern in der Stadt Huallhua mit den Namen und Unterschriften l&auml;ngst verstorbener Menschen registriert und gef&auml;lscht h&auml;tte. Die Produktionskapazit&auml;t des Goldsch&uuml;rf-Projekts Immaculada wird auf 73.000 Unzen Gold und 2,1 Millionen Unzen Silber mit einem j&auml;hrlichen Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro gesch&auml;tzt.<\/p><p>Die indigenen Gemeinden gr&uuml;ndeten daher das &bdquo;Kampfkomitee der von der Minenaktivit&auml;t betroffenen V&ouml;lker&rdquo;, hielten eine Pressekonferenz in Lima ab und k&auml;mpfen bis heute gegen die z&ouml;gerlichen Zugest&auml;ndnisse des drittreichsten Mannes im Lande, Don Eduardo Hochschild.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Atacama-W&uuml;ste zwischen Bolivien, Chile und Peru machte zwei Deutsche zu Multimillion&auml;ren. Der eine hie&szlig; Henry Sloman und lie&szlig; sich mit dem Hamburger Chile-Haus verewigen. Der zweite hie&szlig; Moritz Hochschild und soll als mythischer Judenretter verewigt werden. 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