{"id":53454,"date":"2019-07-17T11:20:45","date_gmt":"2019-07-17T09:20:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53454"},"modified":"2019-07-17T13:11:33","modified_gmt":"2019-07-17T11:11:33","slug":"obama-der-schreckliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53454","title":{"rendered":"Obama, der Schreckliche"},"content":{"rendered":"<p>Noch heute finden ihn viele Deutsche einfach wunderbar. Sie h&auml;tten ihm zugetraut, trockenen Fu&szlig;es &uuml;ber den Gro&szlig;en Teich zum Evangelischen Kirchentag 2017 zu gehen: Barack Obama. Der Charismatische, der Elegante, der Souver&auml;ne, der Besonnene, der Gebildete, der Anst&auml;ndige. Wie wenig dieses strahlende Image mit den politischen Entscheidungen und Taten des fr&uuml;heren US-Pr&auml;sidenten &uuml;bereinzubringen ist, zeigt der folgende Artikel des australischen Dokumentarfilmers <strong>John Pilger<\/strong>. In geb&uuml;hrender Sch&auml;rfe erinnert er daran, dass Obama nicht nur wortbr&uuml;chig war, sondern auch Verfassungs- und Gesetzesbrecher, und dass er tausendfach widergesetzlichen Mord anordnete. Der Artikel ist, obwohl schon zur Zeit von Trumps Amtseinf&uuml;hrung im Januar 2017 geschrieben, auch heute noch lesenswert und augen&ouml;ffnend. <strong>Susanne Hofmann<\/strong> hat ihn <a href=\"http:\/\/johnpilger.com\/articles\/this-week-the-issue-is-not-trump-it-is-ourselves-\">aus dem Englischen<\/a> &uuml;bersetzt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Problem ist nicht Trump, sondern wir selbst<\/strong><\/p><p>Am Tag der Amtseinf&uuml;hrung von Pr&auml;sident Trump werden Tausende Schriftsteller in den Vereinigten Staaten ihrer Emp&ouml;rung Luft machen. &bdquo;Damit wir gesunden und vorankommen k&ouml;nnen&hellip;&ldquo;, so <a href=\"http:\/\/www.writersresist.com\/about\/\">Writers Resist<\/a> (ein feministisches literarisches Kollektiv, das sich zur Pr&auml;sidentschaftswahl 2016 gr&uuml;ndete, Anmerkung der &Uuml;bersetzerin), &bdquo;wollen wir den direkten politischen Diskurs umgehen, um unseren Fokus stattdessen auf eine inspirierte Zukunft zu legen und darauf, wie wir, als Autoren, eine vereinigende Kraft zum Schutze der Demokratie sein k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><p>Weiter schreiben sie: &ldquo;Wir halten &ouml;rtliche Organisatoren und Sprecher dazu an, m&ouml;glichst keine Namen von Politikern oder &lsquo;Anti&rsquo;-Sprache in den Mittelpunkt ihrer Writers-Resist-Veranstaltung zu stellen. Es ist wichtig sicherzustellen, dass sich gemeinn&uuml;tzige Organisationen, die sich nicht politisch engagieren d&uuml;rfen, nicht gehemmt f&uuml;hlen, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen und sie finanziell zu unterst&uuml;tzen.&rdquo;<\/p><p>Richtiger Protest muss also vermieden werden, weil er nicht steuerbefreit ist.<\/p><p>Man vergleiche derartiges Gew&auml;sch mit den Erkl&auml;rungen des Congress of American Writers, die 1935 in der Carnegie Hall in New York abgegeben wurden und noch einmal zwei Jahre sp&auml;ter. Das waren spannungsgeladene Veranstaltungen. Schriftsteller diskutierten, wie sie unheilvollen Ereignissen in Abyssinien, China und Spanien begegnen k&ouml;nnten. Telegramme von Thomas Mann, C Day Lewis, Upton Sinclair und Albert Einstein wurden verlesen. Sie spiegelten die Furcht, dass nun gro&szlig;e Macht &uuml;berhand nahm und dass es unm&ouml;glich geworden war, unpolitisch &uuml;ber Kunst und Literatur zu diskutieren, oder gar ohne direkt politisch aktiv zu werden.<\/p><p>&ldquo;Ein Schriftsteller&rdquo;, so die Journalistin Martha Gellhorn auf dem zweiten Kongress, &ldquo;muss heute ein Mann der Tat sein &hellip; Jemand, der ein Jahr seines Lebens den Stahlstreiks oder den Arbeitslosen oder den Problemen von Rassenvorurteilen gewidmet hat, hat damit keine Zeit verloren oder vertr&ouml;delt. Er ist vielmehr ein Mensch, der wei&szlig;, wohin er geh&ouml;rt. Sollte man so eine Aktion &uuml;berleben, ist, was man hinterher dar&uuml;ber zu sagen hat, die Wahrheit, ist notwendig und wahrhaftig, und wird bleiben.&rdquo;<\/p><p>Der Widerhall ihrer Worte ist bis zur salbungsvollen W&uuml;rdigung und Gewalt der Obama-&Auml;ra zu h&ouml;ren und &uuml;ber das Schweigen derer hinweg, die seine T&auml;uschungen mitgetragen haben.<br>\nEs ist unstrittig, dass die Bedrohung durch gierige Macht &ndash; die lange vor dem Aufstieg Trumps um sich griff &ndash; von Schriftstellern hingenommen wurde, viele von ihnen genie&szlig;en Privilegien und werden gefeiert, genauso wie von den Torw&auml;chtern der Literaturkritik und der Kultur, inklusive der Popkultur. Ihnen ist es sehr wohl m&ouml;glich, apolitische Literatur zu schreiben und zu bewerben. F&uuml;r sie gilt nicht die Verantwortung, ihre Stimme zu erheben, egal, wer im Wei&szlig;en Haus sitzt.<\/p><p>Heute ist falscher Symbolismus alles. &ldquo;Identit&auml;t&rdquo; ist alles. Im Jahr 2016 stigmatisierte Hillary Clinton Millionen von W&auml;hlern als &ldquo;Haufen bedauernswerter Menschen &ndash; rassistisch, sexistisch, homophob, fremdenfeindlich, islamophob &ndash; was auch immer&rdquo;. Ihre Schm&auml;hung tat sie auf einer LGBT-Demo kund als Teil ihrer zynischen Kampagne, Minderheiten auf ihre Seite zu ziehen, indem sie die &uuml;berwiegend wei&szlig;e Mehrheit der Arbeiterklasse beschimpfte. Teile und herrsche, nennt man das; oder auch Identit&auml;tspolitik, in der Rasse und Geschlecht die Klasse verdecken und dem Klassenkampf von oben Vorschub leisten. Trump hat das verstanden.<\/p><p>&ldquo;Wenn das Schweigen an die Stelle der Wahrheit tritt&rdquo;, sagte der sowjetische Dissident und Dichter Jewtuschenko, &ldquo;ist das Schweigen eine L&uuml;ge.&rdquo;<\/p><p>Dies ist kein amerikanisches Ph&auml;nomen. Vor einigen Jahren meinte Terry Eagleton, damals Professor f&uuml;r Englische Literatur an der Manchester University, dass &ldquo;es zum ersten Mal in zwei Jahrhunderten keinen herausragenden britischen Dichter, Dramatiker oder Romancier gibt, der bereit ist, die Grundlagen des westlichen Lebensstils zu hinterfragen.&rdquo;<\/p><p>Kein Shelley spricht f&uuml;r die Armen, kein Blake entwirft utopische Tr&auml;ume, kein Byron verurteilt die Korruption der herrschenden Klasse, kein Thomas Carlyle und John Ruskin offenbaren das moralische Desaster des Kapitalismus. Heute gibt es niemanden mehr vom Schlage eines William Morris, Oscar Wilde, HG Wells, George Bernard Shaw. Harold Pinter war der Letzte, der seine Stimme erhob. Unter den heutigen aufdringlichen Stimmen des Feminismus als Ware findet sich kein Anklang an Virginia Woolf, die die &ldquo;Kunst, andere Menschen zu unterdr&uuml;cken&hellip; zu beherrschen, zu t&ouml;ten, Land und Kapital zu erbeuten&rdquo;, beschrieb. <\/p><p>Ber&uuml;hmte Schriftsteller haben etwas sowohl K&auml;ufliches als auch zutiefst Dummes an sich, wenn sie sich aus dem Korsett ihrer Welt hinauswagen und sich f&uuml;r ein &ldquo;umstrittenes Thema&rdquo; einsetzen. Quer &uuml;ber das Feuilleton des Guardian war am 10. Dezember ein vertr&auml;umtes Foto von Barack Obama abgedruckt, der gen Himmel blickte, und die Worte &ldquo;Amazing Grace&rdquo; und &ldquo;Lebewohl Boss&rdquo;<\/p><p>Die Speichelleckerei zog sich wie eine verschmutzte pl&auml;tschernde Quelle &uuml;ber Seiten hinweg.<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Er war eine in vielerlei Hinsicht verletzliche Figur&hellip; Doch die Anmut. Die allumfassende Anmut: im Auftreten und in der Form, in der Ansicht und im Intellekt, mit Humor und Coolness&hellip; [Er] ist eine leuchtende W&uuml;rdigung dessen, was war und was wieder sein kann&hellip; Er scheint bereit, weiterzuk&auml;mpfen, und bleibt ein eindrucksvoller Held an unserer Seite&hellip; &hellip; Der Anstand &hellip; der beinahe surreale Grad an Anmut &hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ich habe diese Zitate zusammengef&uuml;hrt. Es gibt andere, sogar noch verehrendere und ohne jegliche Abstriche. Obamas Hauptapologet vom Guardian, Gary Younge, war immer darauf bedacht, seine Elogen abzuschw&auml;chen &ndash; zu sagen, sein Held &ldquo;h&auml;tte mehr bewirken k&ouml;nnen&rdquo;: oh, aber da waren die &ldquo;ruhigen, angemessenen und einvernehmlichen L&ouml;sungen&hellip;&rdquo;<\/p><p>Niemand aber konnte den amerikanischen Autor, Ta-Nehisi Coates, &uuml;bertreffen, den Empf&auml;nger eines Stipendiums f&uuml;r &ldquo;Genies&rdquo; in H&ouml;he von 625.000 US-Dollar von einer liberalen Stiftung. In einem schier endlosen Artikel in &lsquo;The Atlantic&rsquo; mit dem Titel &ldquo;Mein Pr&auml;sident war schwarz&rdquo; verlieh er dem Begriff Kniefall eine neue Dimension. Das letzte &ldquo;Kapitel&rdquo;, &uuml;berschrieben mit &ldquo;Als du gingst, nahmst du mich mit&rdquo; (When You Left, You Took All of Me With You&rdquo;), eine Zeile eines Marvin-Gaye-Songs, beschreibt den Anblick der Obamas, &ldquo;wie sie aus der Limousine steigen, emporsteigen aus der Furcht, l&auml;chelnd, winkend, der Verzweiflung trotzend, der Geschichte trotzend, der Schwerkraft trotzend&rdquo;. Nichts weniger als Christi Himmelfahrt.<\/p><p>Ein Zug, der sich durch das amerikanische politische Leben zieht, ist eine Form kultischen Extremismus, der dem Faschismus nahekommt. Dieser Extremismus erhielt Ausdruck und Verst&auml;rkung in den zwei Amtszeiten von Barack Obama. &ldquo;Ich glaube an den Amerikanischen Exzeptionalismus mit jeder Faser meines Seins&rdquo;, sagte Obama, der Amerikas milit&auml;rischen Lieblingszeitvertreib, das Bombardieren, und Todesschwadronen (&ldquo;Sondereins&auml;tze&rdquo;) ausweitete wie kein anderer Pr&auml;sident seit dem Kalten Krieg.<\/p><p>Laut einem &Uuml;berblick des Council on Foreign Relations warf Obama alleine im Jahr 2016 26.171 Bomben ab. Das sind 72 Bomben jeden Tag. Er bombardierte die &auml;rmsten V&ouml;lker der Erde, in Afghanistan, Libyen, dem Jemen, Somalia, Syrien, dem Irak, Pakistan.<\/p><p>Jeden Dienstag &ndash; so berichtete die New York Times &ndash; w&auml;hlte er pers&ouml;nlich aus, wer vor allem mittels Hellfire-Marschflugk&ouml;rpern von Drohnen ermordet werden w&uuml;rde. Hochzeiten, Begr&auml;bnisse, Hirten wurden angegriffen, zusammen mit jenen, die versuchten, die K&ouml;rperteile aufzusammeln, die Beiwerk des &ldquo;terroristischen Zieles&rdquo; waren. Ein f&uuml;hrender republikanischer Senator, Lindsey Graham, sch&auml;tzte anerkennend, dass Obamas Drohnen 4700 Menschen get&ouml;tet h&auml;tten. &ldquo;Manchmal trifft man Unschuldige und das hasse ich&rdquo;, sagte er, &ldquo;aber wir haben einige f&uuml;hrende Mitglieder von Al Qaeda beseitigt.&rdquo;<\/p><p>Wie im Faschismus der 1930er Jahre werden gro&szlig;e L&uuml;gen mit der Pr&auml;zision eines Metronoms &uuml;bermittelt: dank omnipr&auml;senter Medien, deren Beschreibung nun zu der Beschreibung des Ankl&auml;gers der N&uuml;rnberger Prozesse passt:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Vor jeder gro&szlig;en Aggression, mit einigen wenigen Ausnahmen aus Opportunit&auml;tsgr&uuml;nden, starteten sie eine Pressekampagne, die darauf abzielte, ihre Opfer zu schw&auml;chen und das deutsche Volk psychologisch vorzubereiten&hellip; Im Propagandasystem&hellip; stellten die Tagespresse und das Radio die wichtigsten Waffen dar.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nehmen wir die Katastrophe in Libyen. Im Jahr 2011 sagte Obama, der libysche Pr&auml;sident Muammar Gaddafi plane einen &ldquo;Genozid&rdquo; an seinem eigenen Volk. &ldquo;Wir wussten&hellip; dass, sollten wir noch einen Tag l&auml;nger warten, Benghazi, eine Stadt in der Gr&ouml;&szlig;e von Charlotte, ein Massaker erleiden w&uuml;rde, das einen Widerhall in der ganzen Region gefunden und das Gewissen der Welt befleckt h&auml;tte&rdquo;.<\/p><p>Dies war die bekannte L&uuml;ge von den islamistischen Milizen, die kurz vor einer Niederlage durch die libyschen Regierungstruppen standen. Diese Geschichte verbreiteten die Medien; und die NATO &ndash; angef&uuml;hrt von Obama und Hillary Clinton &ndash; flog 9700 Angriffe gegen Libyen, von denen mehr als ein Drittel sich auf zivile Ziele richtete. Es kamen uranhaltige Sprengk&ouml;pfe zum Einsatz; die St&auml;dte Misurata und Sirte wurden von einem Bombenteppich bedeckt. Das Rote Kreuz identifizierte Massengr&auml;ber, und UNICEF berichtete, dass &ldquo;die meisten [der get&ouml;teten Kinder] j&uuml;nger als zehn Jahre alt waren&rdquo;.<\/p><p>Unter Obama haben die USA die Eins&auml;tze der geheimen &ldquo;Sondereinsatzkr&auml;fte&rdquo; auf 138 L&auml;nder ausgedehnt, das entspricht 70 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung. Der erste afro-amerikanische Pr&auml;sident startete gleicherma&szlig;en eine umfassende Invasion Afrikas. Das US-amerikanische Afrika-Kommando, Africom, baute ein Netzwerk von Bittstellern unter den kollaborierenden afrikanischen Regimen auf, die nach amerikanischen Bestechungsgeldern und Waffen lechzten. Die Africom-Doktrin &ldquo;von Soldat zu Soldat&rdquo; setzt auf jeder Befehlsebene, vom General zum Stabsfeldwebel, US-Offiziere ein. Nur die Tropenhelme fehlen. <\/p><p>Es ist, als sei Afrikas stolze Befreiuungsgeschichte, von Patrice Lumumba bis Nelson Mandela, dem Vergessen anheimgegeben von H&auml;nden der schwarzen kolonialen Elite eines neuen Herrschers, dessen &ldquo;historische Mission&rdquo;, wie Frantz Fanon vor einem halben Jahrhundert warnte, das Vorantreiben eines z&uuml;gellosen, jedoch getarnten Kapitalismus&rdquo; ist.<\/p><p>Es war Obama, der 2011 ank&uuml;ndigte, was als &ldquo;Hinwendung nach Asien&rdquo; bekannt wurde. Beinahe zwei Drittel der US-Seestreitkr&auml;fte w&uuml;rden in den asiatisch-pazifischen Raum verlagert werden, um &ldquo;China zu begegnen&rdquo;, in den Worten seines Verteidigungsministers. Es gab keine Bedrohung aus China; das ganze Unterfangen war unn&ouml;tig. Es war eine extreme Provokation, um das Pentagon und seine verr&uuml;ckten hochrangigen Milit&auml;rs bei Laune zu halten.<\/p><p>Im Jahr 2014 beaufsichtigte und finanzierte die Obama-Administration einen von Faschisten angef&uuml;hrten Staatsstreich in der Ukraine gegen die demokratisch gew&auml;hlte Regierung und bedrohte Russland im westlichen Grenzland, von wo aus Hitler in die Sowjetunion eingefallen war, was 27 Millionen Menschen das Leben kostete. Es war Obama, der Raketen in Ost-Europa aufstellte, die auf Russland gerichtet waren, und es war der Tr&auml;ger des Friedensnobelpreises, der die Ausgaben f&uuml;r Atomsprengk&ouml;pfe auf ein h&ouml;heres Niveau gehoben hat als jede andere Regierung seit dem Kalten Krieg &ndash; und das, obwohl er in einer emotionalen Rede in Prag versprochen hatte, &ldquo;zu helfen, die Welt von Atomwaffen zu befreien&rdquo;.<\/p><p>Obama, der Verfassungsjurist, verfolgte mehr Whistleblower als jeder andere Pr&auml;sident der Geschichte, obwohl die US-Verfassung sie sch&uuml;tzt. Er erkl&auml;rte Chelsea Manning f&uuml;r schuldig noch vor dem Ende eines Verfahrens, das eine Farce war. Obwohl Manning im Mai freikommen soll (der Artikel stammt vom 17.1.2017 &ndash; in der Tat kam sie am 17. Mai 2017 frei, Anmerkung der &Uuml;bersetzerin) weigerte sich Obama, das emp&ouml;rende Urteil zu kassieren, aufgrund dessen sie sieben Jahre lang unter unmenschlicher Behandlung litt, welche laut UN Folter gleichkam. Er f&uuml;hrte eine vollkommen falsche Klage gegen Julian Assange. Er versprach, das Guantanamo-Konzentrationslager zu schlie&szlig;en, und tat es nicht. <\/p><p>Nach dem PR-Desaster von George W. Bush wurde Obama, der geschmeidige Administrator aus Chicago, &uuml;ber Harvard angeworben, um die weltweite &ldquo;F&uuml;hrung&rdquo;, so nannte er es, wiederherzustellen. Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees geh&ouml;rte dazu: die Art gef&uuml;hlsduseliger umgekehrter Rassismus, der den Mann aus keinem anderen Grund selig sprach, weil er f&uuml;r liberale Gem&uuml;ter und nat&uuml;rlich die amerikanische Macht attraktiv war &ndash; wenngleich auch nicht f&uuml;r die Kinder, die er in verarmten, &uuml;berwiegend muslimischen L&auml;ndern t&ouml;tet.<\/p><p>Das ist der Ruf von Obama. Er ist einer Hundepfeife nicht un&auml;hnlich, unh&ouml;rbar f&uuml;r die meisten, unwiderstehlich f&uuml;r die Benebelten und die Holzk&ouml;pfe, allen voran &ldquo;liberale K&ouml;pfe, die im Formaldehyd von Identit&auml;tspolitik eingelegt wurden&rdquo;, wie es Luciana Bohne formulierte. &ldquo;Wenn Obama einen Raum betritt&rdquo;, lobhudelte George Clooney, &ldquo;m&ouml;chte man ihm folgen, egal wohin&rdquo;. <\/p><p>William I. Robinson, Professor an der University of California und Angeh&ouml;riger einer unverseuchten Gruppe amerikanischer strategischer K&ouml;pfe, die sich ihre Unabh&auml;ngigkeit in den Jahren intellektueller Dog-whistle-Politik (eine Politik, bei der Aussagen so formuliert werden, dass nur eine bestimmte Zielgruppe den eigentlichen unpopul&auml;ren Ansatz versteht und der Rest der W&auml;hler nicht vor den Kopf gesto&szlig;en wird; Anmerkung der &Uuml;bersetzerin) seit 9\/11 bewahrt haben, schrieb letzte Woche Folgendes:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Pr&auml;sident Barack Obama&hellip; k&ouml;nnte mehr als irgendein anderer daf&uuml;r getan haben, [Donald] Trumps Sieg sicherzustellen. W&auml;hrend die Wahl Trumps eine rasche Ausdehnung faschistischer Str&ouml;mungen in der US-Zivilgesellschaft ausgel&ouml;st hat, ist ein faschistisches Ergebnis f&uuml;r das politische System alles andere als unvermeidlich&hellip; Doch der Kampf dagegen erfordert Klarheit dar&uuml;ber, wie wir uns an so einen gef&auml;hrlichen Abgrund man&ouml;vriert haben. Die Saat des Faschismus des 21. Jahrhunderts wurde von der Obama-Administration und der politisch bankrotten liberalen Elite ges&auml;t, ged&uuml;ngt und gew&auml;ssert.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Robinson betont, dass &ldquo;der Faschismus &ndash; ob nun in den Spielarten des 20. oder des aufkommenden 21. Jahrhunderts &ndash; eine Antwort auf tiefe strukturelle Krisen des Kapitalismus ist, so wie es in den 1930er Jahren der Fall war und in der Krise, die mit dem Finanz-Crash 2008 begann&hellip; es f&uuml;hrt hier eine nahezu gerade Linie von Obama zu Trump&hellip;. Die Weigerung der liberalen Elite, die Gier des transnationalen Kapitals in die Schranken zu weisen, und ihre Auspr&auml;gung der Identit&auml;ts-Politik dienten dazu, die Sprache der Arbeiterklasse und breiter Bev&ouml;lkerungsschichten zu verdr&auml;ngen &hellip; und die wei&szlig;en Arbeiter in eine &lsquo;Identit&auml;t&rsquo; wei&szlig;er Nationalisten zu dr&auml;ngen und den Neo-Faschisten dabei behilflich zu sein, sie zu organisieren&rdquo;.<\/p><p>Das Saatbeet ist Obamas Weimarer Republik, eine Landschaft vorherrschender Armut, militarisierter Polizei und barbarischer Gef&auml;ngnisse: die Folge eines &ldquo;Markt&rdquo;-Extremismus, der, unter seiner Pr&auml;sidentschaft, bewirkte, dass 14 Billionen Dollar &ouml;ffentlichen Geldes in kriminelle Unternehmungen der Wall Street verlagert wurden.<\/p><p>Sein vielleicht gr&ouml;&szlig;tes &ldquo;Erbe&rdquo; ist die Kooption und Desorientierung jeglicher echten Opposition. Bernie Sanders vordergr&uuml;ndig bestechende &ldquo;Revolution&rdquo; gilt nicht. Propaganda ist sein Erfolg. <\/p><p>Die L&uuml;gen &uuml;ber Russland &ndash; in dessen Wahlen die USA offen eingegriffen haben &ndash; haben die wichtigtuerischsten Journalisten der Welt zur Lachnummer gemacht. Im Land, das laut Verfassung die freieste Presse der Welt hat, existiert unabh&auml;ngiger Journalismus jetzt blo&szlig; noch in ehrenwerten Ausnahmef&auml;llen.<\/p><p>Die Besessenheit mit Trump ist eine Tarnung f&uuml;r viele derjenigen, die sich selbst &ldquo;links\/liberal&rdquo; nennen, als wollten sie so politischen Anstand f&uuml;r sich beanspruchen. Ein gro&szlig;er Teil der Aggression Amerikas gegen&uuml;ber dem Rest der Menschheit stammt von sogenannten liberalen demokratischen Administrationen &ndash; wie zum Beispiel der von Obama. Amerikas politisches Spektrum reicht vom mythischen Zentrum bis zur extremen Rechten. Die &ldquo;Linken&rdquo; sind heimatlose Abtr&uuml;nnige, die Martha Gellhorn als &ldquo;rare und vollkommen bewundernswerte Bruderschaft&rdquo; beschrieb. Diejenigen, die Politik mit einer Nabelschau verwechselten, schloss sie aus.<\/p><p>Werden die Trommler von Writers Resist und andere Anti-Trumpisten dar&uuml;ber nachdenken, w&auml;hrend sie &ldquo;gesunden&rdquo; und &ldquo;voranschreiten&rdquo;? Wichtiger noch: Wann wird eine echte Oppositionsbewegung aufkommen? Zornig, beredt, alle f&uuml;r einen und einer f&uuml;r alle. Solange echte Politik sich nicht dem Leben der Menschen zuwendet, ist der Feind nicht Trump, wir selbst sind es.<\/p><p>Titelbild: John Gress Media Inc\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch heute finden ihn viele Deutsche einfach wunderbar. Sie h&auml;tten ihm zugetraut, trockenen Fu&szlig;es &uuml;ber den Gro&szlig;en Teich zum Evangelischen Kirchentag 2017 zu gehen: Barack Obama. 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