{"id":53616,"date":"2019-07-24T08:55:20","date_gmt":"2019-07-24T06:55:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53616"},"modified":"2022-03-11T11:51:14","modified_gmt":"2022-03-11T10:51:14","slug":"exzellenz-ausser-konkurrenz-die-neuen-eliteuniversitaeten-sind-die-alten-und-der-rest-geht-baden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53616","title":{"rendered":"Exzellenz au\u00dfer Konkurrenz: Die neuen Eliteuniversit\u00e4ten sind die alten und der Rest geht baden."},"content":{"rendered":"<p>Seit Freitag stehen die Gewinner der j&uuml;ngsten Runde der Exzellenzstrategie zur F&ouml;rderung von Spitzenforschung fest. Das Feld der Sieger versammelt die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen. Das ist politisch gewollt: Den gro&szlig;en, reichen Unis wird immer mehr gegeben und bluten m&uuml;ssen die kleinen, mittleren und Ausbildungshochschulen &ndash; alles daf&uuml;r, dass die deutsche Wissenschaft in einer Liga mit Harvard, Princeton und Stanford mitmischt. Das Ziel ist so verwegen wie unerreichbar, meint der Eliteforscher <strong>Michael Hartmann<\/strong>. Im Interview mit den NachDenkSeiten entbl&ouml;&szlig;t er den Wettstreit um Ruhm und F&ouml;rdermillionen als Scheingefecht mit vorhersehbarem Ausgang. Auf der Strecke blieben die einst hohe Qualit&auml;t in der Breite und die Interessen der Studierenden. Mit dem emeritierten Soziologen sprach der Journalist <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div style=\"width: 45%;float: left; margin: 0 25px 0 0;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190724-Hartmann.jpg\" alt=\"\"><small>Foto: Privat<\/small><\/div><p><strong>Zur Person:<\/strong> Michael Hartmann, Jahrgang 1952, war bis zu seinem Ruhestand Professor f&uuml;r Soziologie an der Technischen Universit&auml;t Darmstadt. Er forscht &uuml;ber Eliten, Globalisierung und nationale Wirtschaftskulturen sowie Hochschulsysteme im internationalen Vergleich. Vor einem Jahr erschien von ihm im Campus-Verlag: &bdquo;Die Abgehobenen: Wie die Eliten die Demokratie gef&auml;hrden.&ldquo;<\/p><div class=\"clear:right;\"><\/div><p><strong>Herr Hartmann, um gleich mit der T&uuml;r ins Haus zu fallen: Wozu wurde die Exzellenzinitiative, neuerdings Exzellenzstrategie, eigentlich erfunden?<\/strong><\/p><p>Es gibt eine offizielle und eine inoffizielle Version. Offiziell wurde und wird verlautbart, es br&auml;uchte in Deutschland internationale Leuchtt&uuml;rme der Wissenschaft, um dem Brain-Drain, also der Abwanderung kluger K&ouml;pfe ins Ausland, insbesondere in Richtung der USA, zu begegnen und deutsche Universit&auml;ten f&uuml;r ausl&auml;ndische Spitzenforscher attraktiver zu machen. Weil das angeblich mit unserem traditionellen, mehr auf Breite angelegten Hochschulsystem nicht zu bewerkstelligen w&auml;re, m&uuml;ssten verst&auml;rkt Investitionen in die Spitze erfolgen und besonders leistungsf&auml;hige und international sichtbare Einrichtungen geschaffen werden, die mit Eliteuniversit&auml;ten wie Harvard, Princeton oder Stanford konkurrieren k&ouml;nnten. Aber, und das wurde in den ersten zehn Jahren stets pflichtschuldig dazu gesagt, beim Wettbewerb um F&ouml;rdergelder h&auml;tten nat&uuml;rlich alle die gleichen Chancen und es gehe lediglich um eine funktionale Differenzierung. <\/p><p><strong>Was allerdings nicht stimmt?<\/strong><\/p><p>Ja, und damit sind wir bei dem, was die inoffizielle Marschrichtung war und ist. Demnach zielt die Exzellenzinitiative auf eine massive hierarchische, also vertikale Differenzierung ab, um bei der Verteilung der Mittel eine deutlich st&auml;rkere Konzentration zu erreichen und beim Renommee eine klare Aufteilung in zwei grunds&auml;tzlich unterschiedliche Klassen von Universit&auml;ten zu schaffen. Das bedeutet eine klare Absage an die bew&auml;hrten Strukturen mit einer weitgehend gleichen Verteilung der staatlichen Mittel auf ein breites Feld vom Grundsatz her gleicher Akteure. Im Klartext: Das Prinzip &bdquo;the winner takes it all&ldquo; musste endlich auch in Deutschland Einzug halten. <\/p><p><strong>Nur gehen die Verantwortlichen damit nicht hausieren &hellip;<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich war das lange nicht f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit bestimmt und es wird auch heute nicht an die gro&szlig;e Glocke geh&auml;ngt. Aber ich habe vor ungef&auml;hr zehn Jahren einmal aus Zufall auf einer Tagung dem Gespr&auml;ch zweier Vertreter von bis heute erfolgreichen Exzellenzuniversit&auml;ten lauschen k&ouml;nnen, wovon der eine kurz davor stand, die Er&ouml;ffnungsrede zu halten. Zu seinem Gegen&uuml;ber sagte er: &bdquo;Gleich werde ich wieder das &Uuml;bliche von der funktionalen Differenzierung erz&auml;hlen. Aber wir wissen ja, worum es wirklich geht.&ldquo; Beide Protagonisten sind gl&uuml;hende Anh&auml;nger und Unterst&uuml;tzer der Exzellenzinitiative und fest davon &uuml;berzeugt, dass die Konzentration der Mittel auf ein paar wenige Standorte die Leistungs- und die internationale Konkurrenzf&auml;higkeit der deutschen Wissenschaft steigert. <\/p><p><strong>Wer hat die Exzellenzinitiative erfunden?<\/strong><\/p><p>Es gab drei wesentliche Faktoren f&uuml;r ihre Einrichtung. Erstens wurde damals fast die gesamte Gesellschaft vom Siegeszug des Neoliberalismus erfasst, mit seinem Prinzip der &Uuml;berlegenheit des Marktes gegen&uuml;ber dem Staat. Konkurrenz sollte bei der Mittelvergabe an die Stelle relativ gleichm&auml;&szlig;iger staatlicher Verteilung treten. Zweitens wollte die Regierung Schr&ouml;der auch in der Hochschulpolitik beweisen, dass sie von den alten sozialdemokratischen Traditionen Abschied genommen hat. &bdquo;Elite statt Gleichmacherei&ldquo; hie&szlig; die neue Devise. Schlie&szlig;lich gab es auf Seiten der Wissenschaft, vor allem bei den Spitzenvertretern der aussichtsreichen Universit&auml;ten wie Aachen, Berlin, Heidelberg oder M&uuml;nchen gro&szlig;es Interesse an der Initiative. Man rechnete sich dort, meistens zu Recht, aus, im Verteilungskampf um die knappen Hochschulmittel einen deutlichen Vorteil erzielen zu k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Wie weit ist die angestrebte Spaltung der Hochschullandschaft 15 Jahre nach Einf&uuml;hrung des Instruments fortgeschritten?<\/strong><br>\nDazu muss man sich nur den Bericht der Imboden-Kommission ansehen, die nicht um den hei&szlig;en Brei herumgeredet hat. Demnach sei die hierarchische Differenzierung Ziel des Wettbewerbs gewesen und den Weg dorthin habe man erfolgreich beschritten.<\/p><p><strong>Zum besseren Verst&auml;ndnis: Der Schweizer Umweltphysiker Dieter Imboden hatte das Programm als Frontmann der nach ihm benannten Kommission evaluiert und im April 2016 seine Empfehlungen vorgelegt.<\/strong><\/p><p>Und was darin steht, ist deshalb so aufschlussreich, weil das Gremium bis auf eine Ausnahme mit Leuten besetzt war, die die Exzellenzinitiative sehr positiv sehen. Deshalb ist der Imboden-Bericht, da wo er kritisch ist, viel st&auml;rker zu gewichten als andere Verlautbarungen, gerade deshalb, weil darin ganz offiziell die Katze aus dem Sack gelassen wird. An einer Stelle hei&szlig;t es da, &bdquo;dass eine vertikale (leistungsbezogene) Differenzierung eines nationalen Universit&auml;tssystems nicht per se schlecht oder gar ungerecht ist, sondern dessen Effizienz zugutekommt&ldquo;. Man will einfach ein Zweiklassensystem in der Hochschullandschaft.<\/p><p><strong>Die Evaluation war Impulsgeber f&uuml;r das vor drei Jahren durch Bund und L&auml;nder als Exzellenzstrategie vereinbarte Anschlussprogramm. Wie viel Imboden steckt in der Beschlussfassung?<\/strong><\/p><p>Seine Empfehlungen wurden weitgehend umgesetzt. Die Graduiertenschulen, die bis dahin dritte und einzige F&ouml;rderlinie, die zumindest teilweise auch auf eine Verbesserung der Lehrbedingungen zielte, hat man einfach eingestampft. Dazu k&ouml;nnen Antr&auml;ge bei den sogenannten Exzellenzclustern neuerdings auch von Hochschulverb&uuml;nden eingereicht werden. Die einschneidendsten Ver&auml;nderungen betreffen aber die Verstetigung des Programms, das bisher immer eines mit m&ouml;glichem Ende war, sowie die Mechanismen, die das Feld der Profiteure weiter verfestigen. Um beim Rennen um den Titel Exzellenzuniversit&auml;t mitmachen zu k&ouml;nnen, sind zwei pr&auml;mierte Exzellenzcluster zwingende Voraussetzung, bei Verb&uuml;nden braucht es drei Zuschl&auml;ge. Das k&ouml;nnen fast nur die gro&szlig;en, finanz- und forschungsstarken Unis meistern. Und nat&uuml;rlich erh&ouml;hen sich die Chancen, am Ende als Eliteuni ausgezeichnet zu werden, mit der Zahl der gef&ouml;rderten Cluster. <\/p><p><strong>Und Sie meinen, den Platz an der Sonne wird man den Siegern k&uuml;nftig noch schwerer streitig machen k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Das Feld der Profiteure war schon immer ziemlich festgefahren. Bis auf wenige Ausrei&szlig;er r&auml;umen seit Jahren die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen ab. Das ist auch nur logisch und genau so gewollt: Die Sieger werden mit jeder F&ouml;rderung st&auml;rker, bauen ihren Vorsprung aus und mit dem Mehr an Reputation werben sie noch mehr staatliche und private Drittmittel ein. Die Top-Ten der deutschen Hochschullandschaft hat seit Beginn der Exzellenzinitiative die Gelder aus den T&ouml;pfen der Deutschen Forschungsgemeinschaft um zehn Prozent gesteigert. Und ja: Die Konzentration in der Spitze wird unter den neuen Bedingungen der Exzellenzstrategie noch einmal zunehmen. <\/p><p><strong>Warum?<\/strong><\/p><p>Bisher musste man sich zu jeder F&ouml;rderrunde mit einem neuen Antrag bewerben, das hei&szlig;t, jeder Anw&auml;rter fing zumindest auf dem Papier bei Null an. K&uuml;nftig sollen die Sieger alle sieben Jahre nur noch einer Evaluation unterzogen werden zum Nachweis, ob sie die ausgegebenen Ziele erreicht haben. Imboden geht sogar das zu weit. Er hatte daf&uuml;r pl&auml;diert, lediglich Indikatoren wie das Drittmittelaufkommen und wichtige Preise f&uuml;r Forschungsleistungen zur Bewertung heranzuziehen und auf dieser Basis die zu f&ouml;rdernden Universit&auml;ten auszuw&auml;hlen. Damit konnte er sich zwar nicht durchsetzen, aber im Kern l&auml;uft das gew&auml;hlte Prozedere auf dasselbe hinaus: Den Gewinnern wird es noch einmal leichter gemacht, ihre Spitzenposition dauerhaft zu behaupten. <\/p><p><strong>Wo bleibt da der Wettbewerbsgedanke, den die Protagonisten so gerne hochhalten?<\/strong><\/p><p>Man ist dabei, eine Uni-Champions-League mit Regularien zu errichten, die Bayern M&uuml;nchen, Real Madrid und der FC Barcelona bisher nur f&uuml;r die Zukunft planen. Die m&uuml;ssen sich immer noch im allj&auml;hrlichen nationalen Wettbewerb f&uuml;r das Kr&auml;ftemessen auf der gro&szlig;en europ&auml;ischen Fu&szlig;ballb&uuml;hne qualifizieren. Dagegen wird bei der Exzellenzstrategie echter Wettbewerb institutionell weitgehend unterbunden.  Man m&uuml;sste sich schon ziemlich dumm anstellen, um Titel, Ruhm und Anschlussf&ouml;rderung einzub&uuml;&szlig;en. Dass von den jetzt elf siegreichen Standorten einer auf der Strecke bleibt, ist sehr unwahrscheinlich. Wom&ouml;glich wird auch mal einer absteigen und ein anderer aufsteigen. Das wahrt dann immerhin den Schein von Konkurrenz. Aber im Kern wird die Konstellation in den kommenden Jahrzehnten zementiert. Elf, nach den Pl&auml;nen sp&auml;ter vielleicht auch 15 Standorte, werden sich immer weiter vom gro&szlig;en Rest absetzen. <\/p><p><strong>Die elf Gewinner der neuen Runde sind die Abonnementsieger Rheinisch-Westf&auml;lische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen sowie die Technische (TUM) und die Ludwig-Maximilians-Universit&auml;t (LMU) in M&uuml;nchen. Dazu kommen die Unis Konstanz, Heidelberg, T&uuml;bingen und im Verbund die drei Berliner Unis FU, HU und TU, dazu die TU Dresden, die Unis aus Hamburg und Bonn sowie das Karlsruher Institut of Technology (KIT). Gibt es f&uuml;r Sie &Uuml;berraschungen?<\/strong><\/p><p>Das ist es ja: Die Auswahl ist zum ersten Mal &uuml;berraschungsfrei, was wiederum keine &Uuml;berraschung ist. Jetzt, da das Programm auf Dauer gestellt ist, bringt man im Paket genau die Kandidaten in Stellung, die auf lange Sicht die Spitze der deutschen Hochschullandschaft stellen sollen. Dabei ignoriert man auch gravierende Wissenschaftsskandale: Die Uni Heidelberg hat sich mit ihrem unbrauchbaren Bluttest zur Brustkrebsdiagnose bis auf die Knochen blamiert &ndash; und trotzdem ihren Elitestatus verteidigt. <\/p><p><strong>So wie acht weitere Standorte, die seit 2012 das Elitesiegel trugen &hellip;<\/strong><\/p><p>Wie gehabt ist auch die regionale Verteilung. Mit der TU Dresden gibt es wie immer einen Sieger in Ostdeutschland. Ein Titel geht nach Norden, mal war es G&ouml;ttingen, zuletzt Bremen, jetzt Hamburg. Mehr kriegt der Norden nicht ab. Berlin ist immer dabei, zwei Gewinner stellt seit Jahr und Tag M&uuml;nchen, und der Rest geht in die Rheinschiene, wobei Baden-W&uuml;rttemberg diesmal gleich vier Vertreter stellt. Klar war auch, dass Bochum, obwohl mit zwei siegreichen Clustern im Rennen, keine Eliteuni wird, so wie das ganze Ruhrgebiet noch nie zum Zug gekommen ist.   <\/p><p><strong>Riecht das nicht streng nach politischer Einflussnahme?<\/strong><\/p><p>Politische &Uuml;berlegungen spielen seit jeher eine Rolle. Der entscheidende Punkt ist aber der Vorsprung, den sich die Siegerunis in den vorangegangenen Runden erarbeitet haben. Das betrifft nicht nur die eingespielten Gelder, sondern auch das Renommee, auf das die Gutachter vertrauen &ndash; wenn n&ouml;tig auch blind, wie sich im Fall Heidelberg zeigt.  <\/p><p><strong>Die akademische Klasse ist demnach nicht unbedingt das Hauptkriterium bei der Elitek&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Hier wirkt eine Mischung aus politischen Vorgaben, wissenschaftlicher Expertise und subjektiven Vorurteilen der Gutachter. Was den Unterschied zwischen Freiburg und T&uuml;bingen ausmachen soll, erschlie&szlig;t sich wissenschaftlich nicht wirklich. Die TU Dresden hat sich ohne Frage viel M&uuml;he gegeben und mit Unterst&uuml;tzung der Landespolitik manches aufgebaut. Aber das erkl&auml;rt nicht, warum die Uni pl&ouml;tzlich so brillant sein soll. Vielmehr durfte es einfach nicht sein, dass der Osten keine Eliteuni hat.  <\/p><p><strong>Zur&uuml;ck zu den erkl&auml;rten Anspr&uuml;chen, die die Macher mit dem Uniwettstreit verbinden. Wie weit sind die deutschen Exzellenzuniversit&auml;ten von der internationalen Spitze entfernt?<\/strong><\/p><p>In puncto Geld und Ausstattung liegen Welten dazwischen. Das Massachusetts Institute of Technology hat zum Beispiel gut 11.000 Studierende bei einem Jahresetat von fast 3,6 Milliarden Dollar. Das Jahresbudget von Harvard liegt bei 4,5 Milliarden Dollar, das von Stanford sogar bei 6,5 Milliarden Dollar, und diese f&uuml;r 20.000 bzw. gut 16.000 Studierende. Das reiche Bundesland Baden-W&uuml;rttemberg gibt f&uuml;r den gesamten Bereich Wissenschaft, Forschung und Kunst dagegen mit gut 5,2 Milliarden Euro zwar &auml;hnlich viel Geld wie Harvard oder Stanford aus, hat aber ungef&auml;hr 360.000 Studierende. Das macht die Differenz deutlich.<\/p><p><strong>Den deutschen Siegerunis winken f&uuml;r ihr pr&auml;miertes Zukunftskonzept und abh&auml;ngig von der Zahl der ausgezeichneten Exzellenzcluster zwischen 25 und 50 Millionen Euro j&auml;hrlich. Sind das im Spiel der Gro&szlig;en der Welt nicht nur Peanuts?<\/strong><\/p><p>Ein Vergleich zwischen privaten US-Unis und den deutschen Hochschulen f&uuml;hrt hier nicht weiter, weil es um v&ouml;llig verschiedene Systeme geht. Im deutschen Ma&szlig;stab sind besagte Summen deshalb auch kein Pappenstiel. Viele der neuen alten Sieger, wie etwa die TU und die LMU M&uuml;nchen oder die RWTH Aachen, beziehen diese Extrabetr&auml;ge seit fast 15 Jahren, zus&auml;tzlich zu reichlich mehr Drittmitteln aus anderen Quellen. Das ist nicht nur f&uuml;r sich gesehen viel Geld, es ist vor allem viel Geld, das andere nicht haben. Seit 2005 flossen mit der Exzellenzinitiative fast 45 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum sind die Grundmittel der Hochschulen im Verh&auml;ltnis zu den Studierendenzahlen merklich zur&uuml;ckgegangen. Profitiert hat von dem Programm aber nur ein kleiner Teil der bundesweit rund 250 staatlichen Hochschulen. <\/p><p><strong>Das ist wohl der Preis, den man zahlen muss, damit deutsche Unis Weltniveau erlangen?<\/strong><\/p><p>Das allerdings ist mit den Summen nicht zu schaffen. Die Unis m&ouml;gen damit Forschungsschwerpunkte setzen k&ouml;nnen und in einzelnen Bereichen sichtbarer werden, mehr aber auch nicht. Ich habe vor Jahren die ETH Z&uuml;rich mit der TU Darmstadt verglichen. Die hatte dreimal mehr Studierende, aber nur halb so viel Geld. Wollte man wenigstens im Kreis der f&uuml;hrenden Staatsunis mitspielen, m&uuml;ssten die Gelder statt auf elf auf nur drei oder vier Unis konzentriert werden und etwa Baden-W&uuml;rttemberg sich nicht vier, sondern nur eine Eliteuni halten. Die ETH Z&uuml;rich ist eine Bundesuniversit&auml;t, ein Modell, das auch bei uns immer wieder diskutiert wird. W&uuml;rde man das machen, w&auml;re der Schaden in der Breite freilich noch viel verheerender. <\/p><p><strong>Und was w&auml;re, wenn man die Spitzenunis gleich ganz privatisiert?<\/strong><\/p><p>Das ist bei uns nicht umsetzbar und wird auch nicht ernsthaft erwogen. Allerdings hat die Wirtschaft auch heute schon mit dem Instrument der Drittmittelvergabe, ob &uuml;ber staatliche Wettbewerbe oder direkt von der Industrie kommend, gro&szlig;en Einfluss auf die Forschungst&auml;tigkeit der Hochschulen. Wenn man heute einen F&ouml;rderantrag rund um die Themen K&uuml;nstliche Intelligenz, Industrie 4.0 oder Gentechnik stellt, erh&ouml;ht das die Chancen auf einen Zuschlag kolossal. Alles, was in den technischen und naturwissenschaftlichen MINT-F&auml;chern oder in den Life Sciences behandelt wird, steht auch bei der Exzellenzstrategie weit oben im Kurs. Die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sind dagegen nahezu chancenlos und werden damit weiter ins Abseits bef&ouml;rdert. <\/p><p><strong>Womit wir bei den Studierenden w&auml;ren. Was haben die von der Exzellenzstrategie?<\/strong><\/p><p>In zwei Bereichen hat die Exzellenzinitiative eindeutig zu Verschlechterungen gef&uuml;hrt. Die forschungsstarken Professoren haben sich in erheblichem Ausma&szlig; aus der Lehre zur&uuml;ckziehen k&ouml;nnen. Die an den Exzellenzclustern beteiligten Forscher haben ihr Lehrdeputat im Schnitt halbiert. Das hei&szlig;t, sie teilen ihre Kenntnisse nur noch sehr begrenzt mit den Studierenden. Den zweiten Punkt hatte ich schon angesprochen: Die Grundfinanzierung der Hochschulen ist im Windschatten des Programms zur&uuml;ckgeblieben. Das macht sich auch innerhalb der siegreichen Institutionen bemerkbar. Hier werden die Gelder und Personalmittel zugunsten der gef&ouml;rderten Institute und Fakult&auml;ten umgeschichtet und verst&auml;rkt aus den wirtschaftsfernen F&auml;chern abgezogen. Und das endet nicht mit dem Tag, an dem ein Cluster aus der F&ouml;rderung f&auml;llt. Dann wird dieser Schwerpunkt nat&uuml;rlich, soweit m&ouml;glich, aus den laufenden Mitteln weiterfinanziert, womit f&uuml;r den Rest noch weniger &uuml;brigbleibt. Oder es l&auml;uft so wie in Niedersachsen, nachdem die Uni G&ouml;ttingen 2012 ihr Elitelabel verloren hatte. Das Land machte mal eben 50 Millionen Euro daf&uuml;r locker, um das Aufgebaute zu bewahren. <\/p><p><strong>Nun gibt es immer noch diesen vermeintlichen Widerspruch zwischen Klasse und Masse. Die Unis sind weiterhin im Rahmen der sogenannten Kapazit&auml;tsverordnung dazu verdonnert, mehr Studenten aufzunehmen, als ihnen lieb ist. Dieter Imboden hat dies dieser Tage problematisiert und dem Berliner Tagesspiegel gesagt: &bdquo;Es m&uuml;sste daher im Sinne der oben erw&auml;hnten vertikalen Differenzierung den Universit&auml;ten die Freiheit gegeben werden, sich in geeigneter Form ihre Studierenden f&uuml;r die einzelnen Studieng&auml;nge selber auszuw&auml;hlen.&ldquo; Droht hier &uuml;ber kurz oder lang ein Dammbruch?<\/strong><\/p><p>Das ist keine neue Forderung. Schon zu Beginn der Exzellenzinitiative wollte der ehemalige Pr&auml;sident der G&ouml;ttinger Uni die Zahl der Studierenden an seiner Einrichtung glatt halbieren. Interessierte Kreise hatten gehofft, dass mit Einf&uuml;hrung allgemeiner Studiengeb&uuml;hren die Entwicklung in diese Richtung geht. Daf&uuml;r wollte man die Beitr&auml;ge f&uuml;r ausgew&auml;hlte Standorte z&uuml;gig &uuml;ber die anf&auml;nglichen 500 Euro hinaus hochtreiben und dann eine Handhabe schaffen, sich die Studenten selbst auszusuchen. Mit der fl&auml;chendeckenden Abschaffung der Geb&uuml;hren wurde daraus nichts und aktuell sehe ich keine Anzeichen daf&uuml;r, dass sich daran in n&auml;chster Zeit etwas &auml;ndern k&ouml;nnte. Genauso wenig glaube ich, dass demn&auml;chst die Kapazit&auml;tsverordnung gekippt wird.<\/p><p><strong>Was ist mit der Exzellenzstrategie? Sehen Sie Kr&auml;fte, die diese kippen k&ouml;nnten?<\/strong><\/p><p>Nein. Das Ganze ist jetzt eineinhalb Jahrzehnte gelaufen und wurde gerade um weitere sieben Jahre verl&auml;ngert. Damit ist es Teil der Grundstruktur der Hochschullandschaft, an die sich die Beteiligten gew&ouml;hnt haben. Auch die vielen Verlierer haben sich damit abgefunden. Die Aufteilung in eine Zweiklassengesellschaft wird bleiben und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter verst&auml;rken.<\/p><p>Titelbild: katatonia82 \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Freitag stehen die Gewinner der j&uuml;ngsten Runde der Exzellenzstrategie zur F&ouml;rderung von Spitzenforschung fest. Das Feld der Sieger versammelt die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen. 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