{"id":53688,"date":"2019-07-25T14:52:34","date_gmt":"2019-07-25T12:52:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53688"},"modified":"2019-10-29T11:36:15","modified_gmt":"2019-10-29T10:36:15","slug":"auch-die-tagesschau-beteiligt-sich-an-der-hexenjagd-auf-julian-assange-und-seine-unterstuetzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53688","title":{"rendered":"Auch die Tagesschau beteiligt sich an der Hexenjagd auf Julian Assange und seine Unterst\u00fctzer"},"content":{"rendered":"<p>Der UN-Sonderberichterstatter f&uuml;r Folter, Nils Melzer, schrieb vor wenigen Wochen in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53173\">Artikel<\/a>, den die NachDenkSeiten f&uuml;r ihre Leser &uuml;bersetzt haben, von der Hexenjagd, der Julian Assange zur Zeit ausgesetzt ist. Daran beteiligt sind nicht nur die Geheimdienste der USA, sondern auch die Medien. In Deutschland ist es ausgerechnet die ehemals als Flaggschiff des Qualit&auml;tsjournalismus geltende Tagesschau, die sich mit einem als Investigativbericht maskierten <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/mueller-report-assange-101.html\">Meinungsartikel<\/a> als oberster Hexenj&auml;ger pr&auml;sentiert. Was Autorin Silvia St&ouml;ber dem geb&uuml;hrenzahlenden Leser da als &ldquo;neutrale Recherche&rdquo; verkauft, ist vielmehr ein Nachplappern von Spekulationen der US-Dienste und eines einschl&auml;gigen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53579\">CNN-Berichtes<\/a>. Bei St&ouml;ber werden aus Spekulationen Fakten und aus Vermutungen Beweise. Gew&uuml;rzt mit jeder Menge Zynismus und einer strammen antirussischen Linie kommt dabei ein St&uuml;ck Kampagnenjournalismus heraus, das fortschreitenden Qualit&auml;tsverlust der Tagesschau vortrefflich belegt. Von <strong>Jens Berger<\/strong> und <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8796\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-53688-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190725_Auch_die_Tagesschau_beteiligt_sich_an_der_Hexenjagd_auf_Julian_Assange_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190725_Auch_die_Tagesschau_beteiligt_sich_an_der_Hexenjagd_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190725_Auch_die_Tagesschau_beteiligt_sich_an_der_Hexenjagd_auf_Julian_Assange_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190725_Auch_die_Tagesschau_beteiligt_sich_an_der_Hexenjagd_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=53688-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190725_Auch_die_Tagesschau_beteiligt_sich_an_der_Hexenjagd_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190725_Auch_die_Tagesschau_beteiligt_sich_an_der_Hexenjagd_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie zum Thema auch: Caitlin Johnstone &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53579\">Julian Assange und die Verleumdung durch CNN<\/a>&ldquo;, RayMcGovern &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2019\/07\/22\/ray-mcgovern-a-non-hack-that-raised-hillarys-hackles\/\">A Non-Hack That Raised Hillary&rsquo;s Hackles<\/a>&ldquo; und &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39457\">Geheimdienstveteranen ziehen Beweise f&uuml;r &bdquo;russischen Hackerangriff&ldquo; in Zweifel<\/a>&ldquo;.<\/em><\/p><p><strong>Subjektive Aussagen unter dem Denkmantel des objektiven Nachrichtenjournalismus<\/strong><\/p><p>Wenn ein Journalist Aussagen und Informationen weitergibt, die nicht objektiv belegbar sind und bei denen es durchaus mehr als eine m&ouml;gliche Interpretation gibt, so sollte er dies durch den Gebrauch des Konjunktivs oder durch passende Adverbien auch kennzeichnen &ndash; vor allem wenn die verwendete Quelle ein Geheimdienstmitarbeiter ist. Wenn Frau St&ouml;ber also auf&nbsp;Tagesschau.de&nbsp;bereits in der Einleitung feststellt, dass es Verbindungen zwischen Assange und &ldquo;zwei vom russischen Milit&auml;rgeheimdienst betriebenen fiktiven Online-Personen&rdquo; gab, so ist dies vor allem deshalb erstaunlich, da sie damit die Aussage, nach der die beiden Online-Personas, um die es hier geht, vom russischen Milit&auml;rgeheimdienst betrieben wurden, ohne jegliche Relativierung als Fakt darstellt. Dies ist &uuml;brigens nicht zweitrangig, da an dieser Behauptung die gesamte These von einer russischen T&auml;terschaft h&auml;ngt.<\/p><p>Quelle f&uuml;r diese Informationen sind jedoch einzig und allein die US-Dienste und deren Begr&uuml;ndung ist alles andere als &uuml;berzeugend. <a href=\"https:\/\/www.wired.com\/story\/guccifer-elite-hackers-mistakes\/\">Angeblich<\/a> habe der Hacker &ldquo;Guccifer 2.0&rdquo;, bei einem Versuch &uuml;ber die Sozialen Netzwerke zu kommunizieren, &ldquo;vergessen&rdquo;, seinen VPN-Filter, der den geographischen Standort des Nutzers verschleiern soll, zu aktivieren. Und siehe da: Die unverschleierte IP-Adresse konnte wie durch ein Wunder einer ganz bestimmten Adresse zugeordnet werden &ndash; der Grizodubovoy-Stra&szlig;e in Moskau, dem Sitz des Milit&auml;rgeheimdienstes GRU. An einen derart grotesken Zufall kann man glauben oder auch nicht. Es fehlt nur noch, dass US-Au&szlig;enminister Pompeo einen Ausdruck der IP-Adresse vor dem UN-Sicherheitsrat als Beweis f&uuml;r die russische T&auml;terschaft vorgelegt h&auml;tte. <\/p><p>Zumindest Frau St&ouml;ber von der Tagesschau geh&ouml;rt offenbar zu den Gutgl&auml;ubigen. Dabei w&auml;re es doch kein gro&szlig;er Mehraufwand gewesen, den Passus &ldquo;zwei vom russischen Milit&auml;rdienst betriebenen&rdquo; durch ein &ldquo;laut US-Diensten&rdquo; oder ein &ldquo;angeblich&rdquo; so zu erg&auml;nzen, dass dem Leser auch klar ist, dass diese Zuordnung eben kein Fakt und nicht objektiv ist.<\/p><p>Diese Methode des Weglassens jeglichen Zweifels an den Aussagen der US-Dienste zieht sich durch den gesamten Text. Nun k&ouml;nnten Verteidiger von Frau St&ouml;ber einwenden, dass deren Quelle immerhin der Report eines offiziellen Sonderermittlers ist, der zudem hinter Hoover die zweitl&auml;ngste Zeit als FBI-Chef vorweisen kann. Dann m&uuml;sste man diese Verteidiger jedoch auch darauf hinweisen, dass eben jener Robert Mueller, auf dessen Sonderbericht sich die Tagesschau bezieht, schon mehrfach unter Eid vor Aussch&uuml;ssen des US-Senats und des Abgeordnetenhauses nachweislich die <a href=\"https:\/\/www.rt.com\/usa\/421838-mueller-iraq-wmd-trump\/\">Unwahrheit gesagt hat<\/a>. Besonders dramatisch ist in diesem Zusammenhang die Falschaussage Muellers zur angeblichen Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen im Vorfeld der US-Invasion des Iraks <a href=\"https:\/\/www.c-span.org\/video\/?c4719428\/mueller-testifies-iraqs-wmds\">vor dem US-Kongress<\/a>, die ma&szlig;geblich dazu beitrug, die L&uuml;gen der Bush- und Blair-Administrationen zumindest so lange &uuml;ber die Zeit zu retten, bis es kein Zur&uuml;ck mehr gab. Kann ein Geheimdienstchef, der den US-Kongress nachweislich bei einer Frage &uuml;ber Krieg und Frieden eiskalt angelogen hat, eine &uuml;ber alle Zweifel erhabene Quelle sein, deren Spekulationen man als Fakten wiedergibt?&nbsp;<\/p><p><strong>Methode Verschweigen<\/strong><\/p><p>Der zweite zentrale Punkt, der den Tagesschau-Artikel von Silvia St&ouml;ber kennzeichnet, ist die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34688\">Methode &ldquo;Verschweigen&rdquo;<\/a>. Im gesamten Artikel werden ausschlie&szlig;lich die Punkte genannt, die im Mueller-Bericht aufgef&uuml;hrt sind. S&auml;mtliche Indizien, Aussagen und Belege, die diesen Aussagen widersprechen oder zumindest in Kollision mit ihnen stehen, werden systematisch verschwiegen. Dazu ein paar Beispiele &hellip;<\/p><ol>\n<li><strong>Hack vs. Leak<\/strong>\n<p>Im Tagesschau-Artikel wird die Mueller-Version wiedergegeben, nach der die von Wikileaks ver&ouml;ffentlichten Daten und Mails aus dem Democratic National Committee (DNC) aus einer Hackerattacke stammen. Dies ist jedoch mehr als umstritten. Die VIPS, eine kritische Gruppe hochrangiger ehemaliger Geheimdienstler, hat selbst eine forensische Untersuchung der DNC-Daten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50285\">durchgef&uuml;hrt<\/a> und kam zu dem Ergebnis, dass die Zeitstempel der Dateien im FAT (Dateizuordnungstabelle) klar belegen, dass die Daten nicht &uuml;ber das Netz heruntergeladen, sondern en bloc auf eine externe Festplatte bzw. einen USB-Stick kopiert wurden. &Auml;hnlich <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2017\/11\/07\/dnc-hack-trump-cia-director-william-binney-nsa\/\">argumentiert<\/a> Geheimdienstexperte William Binney, der mit forensischen Mitteln die Daten&uuml;bertragungsgeschwindigkeit rekonstruiert hat, mit der besagte Mails und Dateien von den Festplatten des DNC kopiert wurden und ebenfalls zu dem Ergebnis kam, dass die Daten lokal kopiert wurden. Binney ist &uuml;brigens nicht irgendwer, sondern war fr&uuml;her einmal der technische Direktor der NSA.<\/p>\n<p>Demnach m&uuml;sste es sich bei der Quelle der Daten aber um einen Whistleblower aus dem Parteiapparat der Demokraten handeln &ndash; also ein Leak und keinen Hack. Nur l&auml;sst ein Leak wenig Raum f&uuml;r die Theorie, nach der russische Geheimdienstler hinter der ganzen Aktion stecken. Daher legten sich die US-Dienste auch schnell auf die &ldquo;Hack-Variante&rdquo; fest und verschwiegen &ndash; ebenso wie die Medien &ndash; alle Indizien, die in eine andere Richtung wiesen. <\/p>\n<p>Erstaunlich ist, dass St&ouml;ber damit sogar den Aussagen des ehemaligen Pr&auml;sidenten Obama widerspricht. Der hatte in einer seiner letzten Pressekonferenzen im Amt die &bdquo;Russland-Bez&uuml;ge&ldquo; der Geheimdienste <a href=\"https:\/\/www.thenation.com\/article\/a-new-report-raises-big-questions-about-last-years-dnc-hack\/\">w&ouml;rtlich<\/a> als &bdquo;nicht &uuml;berzeugend&ldquo; (&bdquo;not conclusive&ldquo;) bezeichnet. Aber selbst das reicht nicht aus, um das geradlinige Weltbild der Tagesschau zu ersch&uuml;ttern und die Gewissheit durch Zweifel zu hinterfragen. <\/p><\/li>\n<li><strong>Assanges Aversion gegen Clinton und die USA<\/strong>\n<p>Wer nur den Tagesschau-Artikel liest, muss glatt zu dem Eindruck kommen, Julian Assange sei ein Soziopath, der sich mit dem Teufel eingelassen hat, um eine honorige Politikerin zu st&uuml;rzen und die USA zu sch&auml;digen. Und dies aus rein egoistischen Gr&uuml;nden. Clinton habe als Au&szlig;enministerin &ldquo;aggressive Schritte&rdquo; gegen Wikileaks und ihn gefordert und Assange h&auml;tte bef&uuml;rchtet, dass sie dies als Pr&auml;sidentin auch wahrgemacht h&auml;tte. Hier nimmt das Verschweigen schon eine dreiste Form an, da vollkommen untergeht, warum Wikileaks ausgerechnet Dokumente der USA und Dateien der Demokraten ver&ouml;ffentlich hat. Zudem wird &ndash; wie &uuml;blich &ndash; mit keinem Wort auf den Inhalt der Dokumente eingegangen, die im ersten Fall Kriegsverbrechen der USA belegen und um zweiten Korruption und Mauscheleien innerhalb der Demokraten offenlegen, deren Ziel die Nominierung von Hillary Clinton gegen ihren popul&auml;ren Konkurrenten Bernie Sanders war. Ganz nach dem Motto &ldquo;Haltet den Dieb&rdquo; sind die USA bzw. Clinton und die Parteif&uuml;hrung der Demokraten nicht mehr T&auml;ter, sondern Opfer. T&auml;ter ist Julian Assange, schlie&szlig;lich habe er nur Daten ver&ouml;ffentlicht, die den USA, der NATO und Deutschland (sic!), aber nicht Russland schaden. Assange sagte zu diesem Vorwurf mal, die USA unterhalten nun einmal 800 Milit&auml;rbasen im Ausland und Russland nur eine Handvoll. Wer will ihm da widersprechen?<\/p>\n<p><em>Lesen Sie dazu auch: Jens Berger &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36577\">Don&acute;t shoot the messenger &ndash; F&uuml;r die einen ist es ein Hackerangriff, f&uuml;r die anderen investigativer Journalismus<\/a>&ldquo;.<\/em><\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Hexenjagd, Spin und Zynismus<\/strong><\/p><p>Die Tagesschau verschweigt jedoch nicht nur, sie manipuliert auch die vorhandenen Informationen und verpasst den wenigen verf&uuml;gbaren Angaben aus dem Mueller-Report einen Spin, der ganz und gar nicht zum neutralen professionellen Anspruch des Formats passt.<\/p><ol start=\"3\">\n<li><strong>Kontakte zu russischen Medien werden kriminalisiert<\/strong>\n<p>&ldquo;Trotz seines Kampfes f&uuml;r Transparenz&rdquo; habe Assange &ldquo;keine Ber&uuml;hrungs&auml;ngste mit der russischen F&uuml;hrung&rdquo; gehabt, l&auml;sst die Tagesschau ihre Leser wissen. Mit &ldquo;russischer F&uuml;hrung&rdquo; ist hier wohlgemerkt die Redaktion von Russia Today gemeint. H&auml;tte Frau St&ouml;ber auch geschrieben, dass Assange &ldquo;keine Ber&uuml;hrungs&auml;ngste mit der deutschen F&uuml;hrung&rdquo; hat, wenn er mit der Deutschen Welle zusammengearbeitet h&auml;tte? Sicher nicht. Besonders perfide ist der folgende Satz, in dem St&ouml;ber feststellt, dass Assange eine &ldquo;Show&rdquo; beim &ldquo;staatlich finanzierten Sender Russia Today&ldquo; bekam, nachdem 2010 Wikileaks der &ldquo;Zugang zu Spendengeldern erschwert wurde&rdquo;. Das ist eine sehr h&ouml;fliche Umschreibung daf&uuml;r, dass die US-Regierung ohne rechtliche Handhabe massiven Druck auf die Finanzdienstleister PayPal und Visa gemacht hat, um Wikileaks finanziell auszutrocknen und zu ruinieren. W&auml;hrend diese mehr als fragw&uuml;rdige Aktion der USA quasi als Naturereignis gesehen und gar nicht explizit benannt wird, schiebt Frau St&ouml;ber ihren Kollegen von RT den Schwarzen Peter zu, da diese den Journalisten Assange f&uuml;r ein journalistisches Format verpflichtet hatten &ndash; &uuml;brigens zeitlich lange vor DNC Leaks und Co. Das ist wirklich unglaublich. Unglaublich auch, wie die Besuche von Journalisten von RT in der ecuadorianischen Botschaft penibel als eine Art &ldquo;Feindkontakt&rdquo; geschildert werden. Dass die Tagesschau es nicht zustande brachte, Julian Assange in seinem Exil zu interviewen oder auch nur zu befragen, ist schon fragw&uuml;rdig. Die Kollegen von RT, die ihren Job machten, zwischen den Zeilen als &ldquo;Mitt&auml;ter&rdquo; zu verunglimpfen, ist einfach nur armselig.<\/p><\/li>\n<li><strong>Kriminalisierung des Umfelds<\/strong>\n<p>Die gleiche Methode wendet die Tagesschau an, wenn sie die Besuche der Computerexperten M&uuml;ller-Maghun und Fix thematisiert. Ersterer wurde ja auch mal von RT interviewt und habe Assange wom&ouml;glich gar einen USB-Stick gegeben. Ohne Indizien oder gar Beweise werden Unterst&uuml;tzer und Freunde von Assange von der Tagesschau als &ldquo;Mitt&auml;ter&rdquo; und &ldquo;Komplizen&rdquo; gesehen, die ja alleine schon deshalb verd&auml;chtig sind, weil sie mal von RT interviewt wurden oder an einer Konferenz in Russland teilnahmen. Das hat mit neutralem Nachrichtenjournalismus nichts mehr zu tun, sondern ist nackter Kampagnenjournalismus.<\/p><\/li>\n<li><strong>Vermummte Boten, wirre Zeitangaben<\/strong>\n<p>Was nicht passt, wird von der Tagesschau passend gemacht. So ergibt die dargestellte chronologische Darstellung der Vorg&auml;nge &ndash; die 1:1 aus dem Mueller-Report &uuml;bernommen wurde &ndash; ausgerechnet dann keinen Sinn, wenn man den Narrativ der Tagesschau propagieren will. Dann h&auml;tten die Russen Assange n&auml;mlich erst im Juli die Daten angeboten, deren Ver&ouml;ffentlichung er schon am 12. Juni angek&uuml;ndigt hat. Mal soll er die Daten von RT-Journalisten, mal von Unterst&uuml;tzern und mal von einem &ldquo;vermummten Boten&rdquo; bekommen haben, der angeblich vollvermummt in eines der bestbewachten Geb&auml;ude der Welt &ndash; das Botschaftsgeb&auml;ude geh&ouml;rt der K&ouml;nigsfamilie von Katar &ndash; marschiert und ohne weitere Kontrollen ein Paket f&uuml;r Julian Assange abgibt. Sogar in zweitklassigen Spionagefilmen erledigt solche Aufgaben doch eher ein unauff&auml;lliger Fahrradkurier.&nbsp;<\/p><\/li>\n<li><strong>H&auml;me und Arbeitsverweigerung<\/strong>\n<p>Geradezu zynisch ist zudem, dass die Tagesschau k&uuml;belweise H&auml;me &uuml;ber Julian Assange auskippt, ohne dass der sich aus der Isolationshaft heraus dagegen zur Wehr setzen k&ouml;nnte. Auch das hat ja durchaus System. Hat die Tagesschau Assange jemals zu den Vorw&uuml;rfen befragt? Nein. Warum auch. Hat Sonderermittler Mueller Assange befragt? Nein. Mueller hat noch nicht einmal den britischen Diplomaten a.D. Craig Murray befragt, der als Unterst&uuml;tzer Assanges bekannt ist, und nach <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2016\/12\/cias-absence-conviction\/\">eigenen Angaben<\/a> die beiden Quellen f&uuml;r die fraglichen Leaks kennt und versichert, dass es sich nicht um Russen, sondern um Amerikaner handelt, die als Whistleblower aus dem Apparat heraus handelten. Dies passt auch zu den forensischen Daten der VIPS. Die Mueller-Version ist hingegen noch nicht einmal in sich logisch.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><em>Lesen Sie dazu auch: Craig Murray &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2019\/05\/the-real-muellergate-scandal\/\">The Real Muellergate Scandal<\/a>&ldquo;.<\/em><\/p><p>Doch all diese berechtigen Zweifel und kritischen Nachfragen tauchen bei der Tagesschau &uuml;berhaupt nicht auf. Was nicht ins Bild passt, wird entweder weggelassen oder so lange verdreht, bis es passend gemacht wurde. All dies folgt einem simplen Narrativ mit klaren Rollen: ier das gute Opfer Hillary Clinton, die eigentlich gar kein Opfer, sondern die T&auml;terin war und von der Aff&auml;re nach dem erfolgreichen &ldquo;Russen-Spin&rdquo; eher profitiert haben d&uuml;rfte. Und dort der b&ouml;se T&auml;ter Julian Assange, der &ldquo;uns&rdquo; nicht nur Trump eingebrockt hat, sondern gleich noch die Sicherheit des Westens aus unlauteren Motiven heraus aufs Spiel gesetzt hat, indem er mit den b&ouml;sen Russen zusammengearbeitet hat. Ein &ldquo;nettes&rdquo; M&auml;rchen ohne gro&szlig;en Bezug zur Realit&auml;t und ein weiterer Beleg daf&uuml;r, wie schlimm es mittlerweile um die Tagesschau bestellt ist.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/a7830fae4c51472284d87b45ec33a637\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der UN-Sonderberichterstatter f&uuml;r Folter, Nils Melzer, schrieb vor wenigen Wochen in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53173\">Artikel<\/a>, den die NachDenkSeiten f&uuml;r ihre Leser &uuml;bersetzt haben, von der Hexenjagd, der Julian Assange zur Zeit ausgesetzt ist. Daran beteiligt sind nicht nur die Geheimdienste der USA, sondern auch die Medien. In Deutschland ist es ausgerechnet die ehemals als Flaggschiff des<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53688\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":53689,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,123,183,11],"tags":[681,1090,2012,901,1544,1919,2612,2295,1245,2614,259,451,665],"class_list":["post-53688","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-assange-julian","tag-clinton-hillary","tag-cyberkriminalitaet","tag-geheimdienste","tag-kampagnenjournalismus","tag-lueckenpresse","tag-mueller-robert","tag-murray-craig","tag-russia-today","tag-russiagate","tag-russland","tag-tagesschau","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/190725_titel.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=53688"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53688\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55980,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53688\/revisions\/55980"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/53689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=53688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=53688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=53688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}