{"id":53848,"date":"2019-07-31T09:46:24","date_gmt":"2019-07-31T07:46:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53848"},"modified":"2019-08-16T09:36:02","modified_gmt":"2019-08-16T07:36:02","slug":"grossbritannien-die-marke-boris-johnson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53848","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien: Die Marke Boris Johnson"},"content":{"rendered":"<p>Vielleicht sollte man den Tag nicht vor dem Abend tadeln. Vielleicht irren ja all die Skeptiker und Unkenrufer und es bricht tats&auml;chlich bald ein goldenes Zeitalter in Gro&szlig;britannien an. <strong>Stephen Lendman<\/strong> bringt in seinem <a href=\"https:\/\/www.globalresearch.ca\/brand-boris-britains-clown-prince-new-prime-minister\/5684498\">Kommentar zu Boris Johnson<\/a> als neuem Premierminister aber so einige Zitate von und &uuml;ber Johnson, die die Hoffnung auf eine Wendung zu einer sozialeren und friedlicheren Politik in und aus Gro&szlig;britannien kaum befl&uuml;geln. &Uuml;bersetzung von <strong>Susanne Hofmann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&bdquo;Die Marke Boris&ldquo;: Gro&szlig;britanniens Oberclown als neuer Premier<\/strong><br>\n<em>Von <a href=\"https:\/\/www.globalresearch.ca\/author\/stephen-lendman\">Stephen Lendman<\/a><\/em><\/p><p>Boris Johnson folgte Theresa May als neuer Tory-Premier &ndash; gew&auml;hlt hat ihn Englands Machtelite, die normalen Briten hatten nichts zu melden bei der Auswahl ihres neuen Staatschefs. Die britische Demokratie in Aktion gleicht der US-amerikanischen &ndash; sie ist ein reines Phantasiegebilde, keine echte Demokratie. Johnson ist eine Karikatur dessen, was einen Spitzenpolitiker eigentlich ausmachen m&uuml;sste &ndash; ein Selbstdarsteller und notorischer L&uuml;gner, eine Schande f&uuml;r die &Auml;mter, die er fr&uuml;her innehatte.<\/p><p>In &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rungen schlug er wie seine Vorg&auml;nger auf Russland ein und lie&szlig; dabei Vernunft, Logik, Fakten und den gesunden Menschenverstand au&szlig;er Acht. Zusammen mit anderen britischen und US-amerikanischen Russenhassern haben Johnson und Theresa May den Vorfall der Skripal-Vergiftung ausgeheckt, mit dem der Kreml nichts zu schaffen hatte. Anstatt verantwortungsbewusst zu versuchen, die Beziehungen zu Moskau zu verbessern, nutzten sie den Vorfall, um die Spannungen noch weiter zu erh&ouml;hen.<\/p><p>Johnson ist Gro&szlig;britanniens Nikki Haley in m&auml;nnlicher Ausf&uuml;hrung. Er hat Putin fr&uuml;her mit Hitler verglichen. Haley hat Ambitionen auf die US-Pr&auml;sidentschaft 2024. Diese M&ouml;glichkeit sollte jedem Angst einjagen &ndash; eine neokonservative Extremistin und ein geopolitisch ahnungsloser Hillary-Klon, ohne deren jahrelange politische Erfahrung auf der Weltb&uuml;hne. <\/p><p>Der fr&uuml;here Londoner B&uuml;rgermeister Ken Livingstone nannte Johnson einmal &bdquo;den verbohrtesten rechten Ideologen seit Thatcher&hellip; ein ziemlich fauler Wichser, der einfach nur da sein will.&ldquo; Er ist &auml;u&szlig;erst unqualifiziert f&uuml;r das Amt, das er nun bekleidet. Es liegt an ihm, den Schlammassel, den er geerbt hat, noch zu verschlimmern.<\/p><p>Der Vorsitzende des Ausschusses f&uuml;r ausw&auml;rtige Angelegenheiten der Russischen F&ouml;deration, Konstantin Kosachew, kritisierte ihn scharf, indem er sagte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der britischen Politik stehen St&uuml;rme und Erdbeben ins Haus, das wage ich zu behaupten. Und die britisch-russischen Beziehungen stehen vor der gleichen alten Friedhofs-Verzweiflung, in die sie Johnson und seinesgleichen gest&uuml;rzt haben. Das wird kein Spa&szlig;.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Sein kompromissloser Extremismus und seine Exzentrizit&auml;ten &bdquo;zeigten sich in voller Bl&uuml;te, als er Au&szlig;enminister war, und es ist unwahrscheinlich, dass sich das jetzt legen wird.&ldquo; Kosachews Amtskollege in der Staatsduma, Leonid Slutsky, war genauso entt&auml;uscht &uuml;ber Johnsons Aufstieg zur Macht und sagte:<\/p><p>&bdquo;Was die Beziehungen zu Russland betrifft, kann man kaum eine drastische Wendung zum Besseren erwarten.&ldquo; Johnson war Au&szlig;enminister &bdquo;w&auml;hrend der beispiellosen anti-russischen Kampagne im Zuge der sogenannten Vergiftung&ldquo; von Sergey und Yulia Skripal, die man Moskau in die Schuhe geschoben hat. &bdquo;Er bem&uuml;hte sich nach Kr&auml;ften, dieses politische Theater zu propagieren und die russisch-britischen Beziehungen auf null herunterzufahren.&ldquo;<\/p><p>Nach Aussagen des Journalisten Dave Hill ist er &bdquo;eine einzigartige Figur in der britischen Politik, eine beispiellose Mischung aus Comedian, Schwindler, einem vorgeblich subversiven Blender und einem Produkt populistischer Medien.&ldquo; Die Biografin Sonia Purnell beschrieb seine &ouml;ffentliche Rolle als &bdquo;Marke Boris&ldquo; und f&uuml;gte hinzu, er sei &bdquo;ein manischer Selbstdarsteller (ausgestattet mit) einer geh&ouml;rigen Portion Prahlsucht&hellip; der unkonventionellste&hellip; Politiker der post-Blair-&Auml;ra&ldquo;.<\/p><p>Der fr&uuml;here stellvertretende Premierminister Gro&szlig;britanniens, Nick Clegg, sagte einmal, er sei &bdquo;wie Donald Trump mit einem Thesaurus.&ldquo; Sie &auml;hneln sich in ihrer demagogischen Selbstdarstellerei, ihrem aufgeblasenen Auftreten, ihrem Maulheldentum und ihrer Arroganz. Johnson ist wie Donald John Trump mit britischem Akzent und geschmeidigerem Auftreten. Der fr&uuml;here Abgeordnete und Kritiker des Imperialismus, George Galloway, sagte: &ldquo;Sie m&uuml;ssen &hellip; britisch und &hellip; verr&uuml;ckt sein, um ihn f&uuml;r die Antwort auf die derzeit recht kritischen Probleme Gro&szlig;britanniens zu halten.&rdquo; Und f&uuml;gte hinzu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Er ist die vollkommene Verk&ouml;rperung aller Laster&hellip; der Upper Class der englischen Elite&ldquo; &ndash; er schert sich nicht um die Rechte und das Wohlergehen der normalen Briten. (&hellip;) Wie sein Held Winston Churchill glaubt er, die Geschichte wird ihn freundlich behandeln, weil ER sie zu schreiben gedenkt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Er und Trump sind Kriegsherren, feindlich dem Frieden, der Gleichheit und Gerechtigkeit gegen&uuml;ber &ndash; unerl&auml;ssliche Eigenschaften, um im Westen ein &ouml;ffentliches Amt zu bekleiden, das sozial eingestellte Demokraten meiden. Er trieft nur so vor Rassismus und Frauenfeindlichkeit, nennt Schwarze &bdquo;Negerb&auml;lger (mit) einem Wassermelonen-L&auml;cheln&ldquo; und muslimische Frauen &bdquo;Briefk&auml;sten&ldquo;.<\/p><p>Laut einer nicht zuf&auml;lligen Stichprobe unter 70.000 Londoner Guardian-Lesern &bdquo;neigen Frauen mehr als M&auml;nner dazu, Boris Johnson als unehrlich, fremdenfeindlich und politisch berechnend einzusch&auml;tzen&hellip; 97 Prozent der Frauen und 96 Prozent der M&auml;nner betrachten ihn als &bdquo;auf absto&szlig;ende Weise unehrlich&ldquo;.&ldquo; Auf einer Versammlung der Tory-F&uuml;hrung Anfang Juli befragte man ihn zu seinen &bdquo;wohl rassistischen&ldquo; Bemerkungen in seinen eigenen Zeitungs-Kommentaren.<\/p><p>Der Kolumnist Patrick Cockburn meinte, sein Aufstieg zum Premierminister k&auml;me einem &bdquo;sanften Coup&ldquo; gleich. Johnson wurde von 160.000 Tory-Mitgliedern gew&auml;hlt, das ist nur ein winziger Bruchteil der britischen W&auml;hlerschaft. Nachdem die Wahl auf ihn gefallen war, schrieb der Londoner Guardian, &bdquo;der Clown wird gekr&ouml;nt, w&auml;hrend das Land in der H&ouml;lle schmort&ldquo;.  &bdquo;Er wurde von sage und schreibe 0,2 Prozent des Volkes gew&auml;hlt, (das ist alles andere als) der Wille des Volkes.&ldquo; Und &uuml;brigens, das Akronym f&uuml;r seinen Wahlkampf-Slogan &bdquo;Deliver, Unite, Defeat&ldquo; (&bdquo;Liefern, Einen, Vernichten&ldquo;) lautet DUD (auf Deutsch etwa &bdquo;Windei&ldquo;, &bdquo;Lusche&ldquo;).<\/p><p>Um Premierminister zu werden, setzte er aufs Ganze und gelobte, Gro&szlig;britannien werde bis zum 31. Oktober die EU verlassen. Weil er einen No-Deal-Brexit vermeiden m&ouml;chte, sagte er: &ldquo;Es w&auml;re absolut bizarr, zu diesem Zeitpunkt zu signalisieren, dass die britische Regierung bereit ist, erneut die wei&szlig;e Fahne zu hissen und die Entscheidung erneut zu verz&ouml;gern.&ldquo; Bis dahin kann viel passieren. Wie Trump und andere westliche Politiker sagt Johnson ein ums andere Mal das Eine und tut das Andere.<\/p><p>Er &uuml;berzog Labor-Chef Jeremy Corbyn mit Schm&auml;hungen, nannte ihn und seine gleichgesinnten Anh&auml;nger Teil einer &bdquo;Marxistischen Intrige&hellip; eine echte Gefahr f&uuml;r unsere Grundwerte und unseren Lebensstil&ldquo; und erg&auml;nzte: Als Premierminister werde er &bdquo;dieses Land vor dem rotzahnigen, rotklauigen Sozialismus sch&uuml;tzen&rdquo;. Wie die meisten westlichen Politiker setzt er sich eher f&uuml;r Privilegien denn f&uuml;r den positiven sozialen Wandel ein. <\/p><p>Als er erkl&auml;rte, dass er kandidieren werde, versprach er, die Steuern f&uuml;r wohlhabende Briten und Unternehmen zu senken. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der laut einer Umfrage die meisten Briten gegen jahrelange erzwungene Sparma&szlig;nahmen sind und Steuererh&ouml;hungen sowie zus&auml;tzliche Einnahmen f&uuml;r ein verbessertes Sozialwesen bef&uuml;rworten.<\/p><p>Am Mittwoch begann Johnsons Amtszeit als Premierminister. Die gute Nachricht lautet, dass Theresa May weg ist. Die schlechte lautet, dass er wahrscheinlich an das Schlimmste ihrer Politik ankn&uuml;pfen und sein eigenes Schlimmstes noch dazuf&uuml;gen wird. Er will nicht nur Steuersenkungen f&uuml;r die Reichen und die Wirtschaft, sondern auch, dass die Briten mehr f&uuml;r die Gesundheitsf&uuml;rsorge zahlen. Au&szlig;erdem fordert er, dass 20.000 weitere Polizisten zur Bek&auml;mpfung der &bdquo;Kriminalit&auml;t&ldquo; und zum harten Durchgreifen gegen Ausl&auml;nder aus den falschen L&auml;ndern eingesetzt werden.<\/p><p>Der iranische Au&szlig;enminister Zarif twitterte Folgendes, nachdem Johnson als Premierminister ausgew&auml;hlt wurde:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dass die May-Regierung iranisches &Ouml;l beschlagnahmt hat, ist schlicht und einfach Piraterie. Ich gratuliere meinem fr&uuml;heren Amtskollegen @BorisJohnson zum Amt des britischen Premiers. Iran sucht nicht die Konfrontation. Doch wir haben 1500 Meilen K&uuml;ste am Persischen Golf. Dies sind unsere Gew&auml;sser und wir werden sie sch&uuml;tzen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Johnson ist kein Freund des Iran, er drang fr&uuml;her darauf, &bdquo;st&ouml;rendes Verhalten&ldquo;, so nannte er es, einzustellen. In einer Debatte um die politische F&uuml;hrung zu Beginn dieses Monats sagte er: &bdquo;Ich werde nicht so tun, als ob die Mullahs in Teheran leicht zu handhaben sind oder dass sie etwas anderes als ein st&ouml;rendes, gef&auml;hrliches, schwieriges Regime sind. Das sind sie n&auml;mlich eindeutig.&ldquo;, und f&uuml;gte hinzu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Doch &hellip; sollten Sie mich fragen, ob ich als Premierminister einen Milit&auml;reinsatz gegen den Iran unterst&uuml;tzen w&uuml;rde? Dann ist die Antwort nein.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Aus einem Nein kann bei vielen Themen ein Ja werden, wenn die US-Hardliner pfeifen. Johnson wird zweifellos die besondere Beziehung zwischen den USA und Gro&szlig;britannien aufrechterhalten, besonders in geopolitischer Hinsicht. Beurteilt sie nach ihren Taten. Beide L&auml;nder sind Iran gegen&uuml;ber feindlich eingestellt. Daran wird sich eher nichts &auml;ndern mit Johnson als Hausherren von Downing Street.<\/p><p>Wie wird er mit Trump pers&ouml;nlich auskommen? Es ist verb&uuml;rgt, dass er 2015 als B&uuml;rgermeister von London Folgendes gesagt hat als Reaktion auf die Bemerkung des Privatmannes Trump &uuml;ber &bdquo;no-go&ldquo;-Zonen in der Stadt, in die sich die Polizei wegen muslimischer Extremisten nicht hineinwagt: Trump habe &bdquo;eine ziemlich verbl&uuml;ffende Ignoranz&ldquo; an den Tag gelegt, &bdquo;die ihn, offen gesagt, unf&auml;hig macht, das Amt des Pr&auml;sidenten der Vereinigten Staaten zu &uuml;bernehmen.&ldquo;<\/p><p>Er war der erste langj&auml;hrige britische Politiker, der diese Ansicht &auml;u&szlig;erte. Trump ist leicht gereizt, wenn man ihn kritisiert. Wenn man ihn an Johnsons Bemerkung erinnert oder er sich selbst dessen entsinnt, m&ouml;gen das vielleicht nicht die besten Voraussetzungen f&uuml;r eine unproblematische Beziehung sein.<\/p><p>Titelbild: Bart Lenoir \/ Shutterstock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Stephen Lendman<\/strong>, geboren 1934 in Boston, schreibt Artikel zu einem breiten Spektrum politischer Themen und moderiert die Sendung &bdquo;Progressive Radio News Hour&ldquo;, in der drei Mal die Woche Wissenschaftler, Philosophen, Journalisten und Friedensaktivisten zu Wort kommen. Zuletzt trat er als Herausgeber des Buches &bdquo;Flashpoint in Ukraine: US Drive for Hegemony Risks WW III&ldquo; in Erscheinung. Er ist zu erreichen unter: <a href=\"mailto:me@stephenlendman.org\">me(at)stephenlendman.org<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht sollte man den Tag nicht vor dem Abend tadeln. 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