{"id":53924,"date":"2019-08-03T11:45:22","date_gmt":"2019-08-03T09:45:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53924"},"modified":"2019-08-05T07:25:36","modified_gmt":"2019-08-05T05:25:36","slug":"hier-kommen-sich-krim-und-russland-noch-naeher-krim-teil-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53924","title":{"rendered":"Hier kommen sich Krim und Russland noch n\u00e4her (Krim Teil III)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christian M&uuml;ller<\/strong> vom InfoSperber berichtet heute in einem III. Teil &uuml;ber seinen Besuch auf der Krim. Wir &uuml;bernehmen diesen Bericht gerne auf den NachDenkSeiten. Weil er interessant ist und &ndash; nebenbei &ndash; weil die Zusammenarbeit mit dem schweizerischen InfoSperber erfreulich unkompliziert ist. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nMit einer neuen Br&uuml;cke bei Kertsch wird die Krim mit dem russischen Festland verbunden<\/p><p><em>Die Original-Version des Artikels ist <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Crimea-Kertsch-Brucke-Katakomben\">hier auf &ldquo;infosperber.ch&rdquo; erschienen<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Hier kommen sich Krim und Russland noch n&auml;her (Krim Teil III)<\/strong><\/p><p><em>Christian M&uuml;ller \/ 01. Aug 2019<\/em> &ndash;&nbsp;<strong>Kertsch, eine Stadt ganz im Osten der Krim, war immer schon Russland-orientiert. Eine neue Br&uuml;cke bringt zus&auml;tzliche Chancen.<\/strong><\/p><p><em>Dieser Artikel ist nach einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Crimea-Sanktionen-Russland-Ukraine-Recherchen-vor-Ort\">&Uuml;berblick<\/a>&nbsp;und einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Sewastopol-Krimkrieg-Sanktionen\">der Stadt Sewastopol gewidmeten Beitrag<\/a>&nbsp;der dritte in einer mehrteiligen Serie &uuml;ber die Krim heute. Alle Berichte basieren auf einem dreiw&ouml;chigen Aufenthalt des Autors auf der Krim im Mai\/Juni dieses Jahres mit Recherchen vor Ort (cm).<\/em><\/p><p>Nur wenigen in Westeuropa ist der Name Kertsch ein Begriff. Kertsch ist mit knapp 150&rsquo;000 Einwohnern weniger gross als Sewastopol, hatte, im Gegensatz zu Sewastopol, nie einen politisch-staatsrechtlichen Sonderstatus und liegt am anderen Ende der Krim, am &ouml;stlichsten Punkt und ist gewissermassen eine Stadt auf einer Halbinsel der Halbinsel.&nbsp;<\/p><p>Aber Kertsch ist f&uuml;r den politisch und geschichtlich Interessierten eine hochinteressante Stadt &ndash; aus drei Gr&uuml;nden:&nbsp;<\/p><ul>\n<li>Die Stadt hatte beim Einmarsch der deutschen Truppen zur Eroberung Russlands eine Schl&uuml;sselstellung inne und war deshalb mehr als nur hart umk&auml;mpft. Hier wurden die Brutalit&auml;t der deutschen Wehrmacht und die Bereitschaft der Sowjetsoldaten und der russischen Zivilbev&ouml;lkerung zur Verteidigung bis zum Letzten besonders gut sichtbar.<\/li>\n<li>Als Reaktion auf das Referendum im M&auml;rz 2014, als die Bev&ouml;lkerung der Krim entschied, wieder zu Russland geh&ouml;ren zu wollen, schloss die Ukraine den Kanal, der Wasser vom Fluss Dnjepr in die Krim brachte. Eine Wasserzufuhr schliessen aber heisst, die Bev&ouml;lkerung langfristig dem Hunger auszusetzen oder ganz aus dem Land zu vertreiben.<\/li>\n<li>Die Reaktion Russlands auf solche Aktionen der Ukraine war, so schnell wie &uuml;berhaupt m&ouml;glich vom russischen Festland eine Br&uuml;cke nach Kertsch zu bauen. Sie ist mittlerweile fertiggestellt und f&uuml;r den freien PKW- und LKW-Verkehr offen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Widerstand gegen die deutsche Wehrmacht bis zum Hungertod<\/strong><\/p><p>Am 22. Juni 1941 hatten die Truppen von Hitler-Deutschland &ndash; f&uuml;r viele &uuml;berraschend &ndash; die Sowjetunion &uuml;berfallen. Bereits im November war die Wehrmacht auch daran, die Krim zu erobern, um auch im S&uuml;den ins Innere der Sowjetunion einmarschieren zu k&ouml;nnen. Es gab heftige K&auml;mpfe insbesondere auch um die Stadt Kertsch im &auml;ussersten Osten der Krim, die schon bald eingenommen wurde.&nbsp;<\/p><p>In besonderer Erinnerung ist der Umgang der deutschen Truppen mit den dortigen Juden. Am 27. November 1941 meldete der Kommandant vor Ort an die R&uuml;ckw&auml;rtigen Dienste: &laquo;Die Liquidation der Juden wird wegen der gef&auml;hrdeten Ern&auml;hrungslage der Stadt beschleunigt durchgef&uuml;hrt.&raquo; Tats&auml;chlich wurden bereits tags darauf die Juden der Stadt angewiesen, sich am folgenden Morgen auf dem sogenannten Heumarkt zu versammeln. Von dort wurden sie in ein nahegelegenes Dorf transportiert und in einem Panzergraben kurzerhand erschossen. Etwa zweieinhalbtausend Juden aus Kertsch wurden so innerhalb weniger Stunden ermordet.<\/p><p>Die sowjetischen Truppen konnten allerdings auf der Halbinsel Kertsch wieder landen, die Wehrmacht musste sich kurz zur&uuml;ckziehen. Doch bereits im Mai 1942 wurde Kertsch im Rahmen des sogenannten Unternehmens&nbsp;Trappenjagd&nbsp;erneut erobert. Knapp 30&rsquo;000 sowjetische Soldaten kamen ums Leben und &uuml;ber 150&rsquo;000 gerieten in Gefangenschaft.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Zum Bild: Die alten Kalksteinbr&uuml;che Adschi-Muschkai bestehen aus kilometerlangen unterirdischen G&auml;ngen, oft keine zwei Meter hoch, ohne Licht, ohne Wasser. Hier hatten sich etwa 14&rsquo;000 Russen in der Abwehr gegen die Nazi-Deutschen verschanzt. Diese H&ouml;hlen k&ouml;nnen unter F&uuml;hrung besichtigt werden &ndash; mit Taschenlampen. Eine installierte Beleuchtung w&uuml;rde den Eindruck v&ouml;llig verf&auml;lschen. (Blitzaufnahme Christian M&uuml;ller)<\/small><\/p><p>Etwa 14&rsquo;000 sowjetische Soldaten und Zivilisten konnten sich in den dortigen unterirdischen Kalksteinbr&uuml;chen&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Belagerung_der_Steinbr%C3%BCche_von_Adschi-Muschkai\">Adschi-Muschkai<\/a>&nbsp;&ndash; den sogenannten Katakomben &ndash; verschanzen und verstecken. Da es dort weder Licht noch Wasser noch etwas zu essen gab, mussten die Verschanzten zur Versorgung der Versteckten immer wieder aus den H&ouml;hlen ausbrechen &ndash; und oft kamen nur wenige zur&uuml;ck. Sie wurden von den deutschen Truppen meistens entdeckt und erschossen. Die Deutschen begannen dann giftiges Gas in die unterirdischen G&auml;nge einfliessen zu lassen und sie versuchten, das zur Festung gewordene Kalksteinwerk auch mit Bomben aufzubrechen. Mehr als f&uuml;nfeinhalb Monate lang harrten die sowjetischen Soldaten dort aus, ohne sich zu ergeben. Schliesslich verdursteten oder verhungerten die meisten von ihnen in den dunklen H&ouml;hlen. Erst am 30. Oktober gelang es den Deutschen, die unterirdischen G&auml;nge wirklich einzunehmen. Es waren keine hundert &Uuml;berlebende mehr darin, und von diesen wurden die meisten in den Tagen darauf in Simferopol hingerichtet. Im Jahr darauf waren es keine zehn M&auml;nner mehr &ndash; von den urspr&uuml;nglich etwa 14&rsquo;000 &ndash; , die diesen Hort des Widerstandes gegen die Truppen Hitler-Deutschlands &uuml;berlebten und der Nachwelt davon berichten konnten.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Zum Bild: Wenn Wasser- und Nahrungsbeschaffer verletzt in die H&ouml;hlen zur&uuml;ckkamen, galt es sie zu verarzten. Oft mussten hier sogar Beine- oder Arme amputiert werden &ndash; ohne Elektrizit&auml;t, im besten Fall bei Kerzenlicht. (Blitzaufnahme Christian M&uuml;ller)<\/small><\/p><p>Ob sich dieser Widerstand gelohnt hat? In Kertsch erinnert sich auch die heutige Generation noch sehr gut an die K&auml;mpfe mit den angreifenden Deutschen. Von den &uuml;ber 100&rsquo;000 Einwohnern der Stadt Kertsch verloren um die 15&rsquo;000 ihr Leben, die meisten anderen wurden deportiert oder vertrieben, nur ganz wenige Einwohner &uuml;berlebten in der Stadt selber. Es war ein horrend hoher Preis, den da die Zivilbev&ouml;lkerung und die sowjetischen Soldaten zur Verteidigung ihres Vaterlandes bezahlen mussten, aber sie verz&ouml;gerten damit den Weitermarsch der deutschen Truppen tats&auml;chlich um fast ein halbes Jahr &ndash; und dieses halbe Jahr Zweitgewinn wiederum war f&uuml;r die Rote Armee zur Vorbereitung der Abwehr der deutschen Truppen im Innern Russlands unendlich wichtig.&nbsp;<\/p><p>Wundert es da, dass zur Erinnerung dieses Widerstandes der 14&rsquo;000 sowjetischen Soldaten und Zivilisten aus der Gegend ein grosses Monument errichtet wurde, oder dass diese unterirdischen G&auml;nge heute &ndash; unter F&uuml;hrung &ndash; zug&auml;nglich sind, oder dass noch heute die Leute aus der Umgebung Blumen bringen: zur Erinnerung an ihre Gross- und Urgrossv&auml;ter, die sich damals zur Abwehr der deutschen Wehrmacht geopfert haben? Wir selbst waren an einem Sonntag dort und haben viele solche Menschen mit Blumen gesehen, und viele kamen mit ihren Kindern. Es liegt ihnen daran, dass auch ihre Nachkommen diese f&uuml;rchterliche Geschichte nicht so schnell vergessen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Zum Bild: Beim Eingang in die Katakomben legen die Besucher oft Blumen hin. Und sie zeigen die H&ouml;hlen auch ihren Kindern. Die Kinder sollen wissen, wof&uuml;r sich ihre Gross- und Urgrossv&auml;ter geopfert haben. (Foto Christian M&uuml;ller)<\/small><\/p><p><strong>So versucht die Ukraine, die Krim in die Knie zu zwingen<\/strong><\/p><p>Am 16. M&auml;rz 2014 beschlossen die Krimeer gegen den Willen der neuen Regierung in Kiew in einem Referendum, sich von der &ndash; nie geliebten &ndash; Ukraine zu verabschieden und wieder zu Russland zu geh&ouml;ren, nicht zuletzt als Folge der blutigen Auseinandersetzungen auf dem Euromaidan in Kiew. Als Reaktion darauf blockierte die Ukraine schon wenige Tage nach dem Referendum die Zuleitung von elektrischem Strom auf die Krim und &ndash; fast noch einschneidender: Sie stoppte einen Monat sp&auml;ter die Wasserzufuhr aus dem Fluss Dnjepr und blockierte den 1961 bis 1971, also zu Sowjetzeiten erbauten Kanal, der bislang bis zu 1,8 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr in den n&ouml;rdlichen, steppenartig trockenen Teil der Krim f&uuml;hrte, und dies bis nach Kertsch. Es konnten mit diesem Wasser rund 3000 Quadratkilometer landwirtschaftliches Land bew&auml;ssert werden, eine Fl&auml;che, die etwa der des Schweizer Kantons Waadt entspricht (*).<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Zum Bild: So sah der in Sowjetzeiten erbaute Kanal mit Wasser vom Dnjepr f&uuml;r die Nord-Krim aus: vor dem Referendum vom M&auml;rz 2014.<\/small><\/p><p>Die Ukraine meinte wohl, mit solch harten Massnahmen die Bev&ouml;lkerung der Krim zur&uuml;ckgewinnen zu k&ouml;nnen. Eine totale Fehleinsch&auml;tzung! W&auml;hrend unseres fast dreiw&ouml;chigen Aufenthalts auf der Krim und trotz vielen Gespr&auml;chen mit Leuten aus allen Bev&ouml;lkerungsschichten und in den verschiedensten Regionen, haben wir den Mann oder die Frau nicht gefunden, die gerne wieder zur Ukraine geh&ouml;ren m&ouml;chten. Vermeintliche Strafmassnahmen wie die Blockierung des elektrischen Stromes oder das Trockenlegen des Nord-Krim-Kanals haben vor allem eines bewirkt: eine best&auml;rkte &Uuml;berzeugung, dass es richtig war, sich wieder mit Russland zu vereinigen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-06.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-06.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Zum Bild: Und so sieht der Kanal jetzt aus, nachdem die Ukraine den Zufluss von Wasser auf die Krim mit einem neuen Damm gestoppt hat. Will man die Krimeer mit Hunger zur R&uuml;ckkehr bewegen?<\/small><\/p><p><strong>Endlich eine Br&uuml;cke zum russischen Festland<\/strong><\/p><p>Wenn westliche Fernseh-Zuschauer den Namen Kertsch schon geh&ouml;rt haben, dann vermutlich wegen der neuen Br&uuml;cke, die Russland in Rekordzeit baute und die f&uuml;r den PKW-Verkehr bis 3,5 Tonnen schon am 15. Mai 2018 er&ouml;ffnet wurde. Seit Oktober 2018 d&uuml;rfen nun auch schwere LKWs dar&uuml;ber fahren. Die Er&ouml;ffnung der Eisenbahn-Br&uuml;cke, die parallel zur Strassenbr&uuml;cke, jedoch offensichtlich aus Sicherheitsgr&uuml;nden beim 227m weiten Br&uuml;ckenbogen technisch vollst&auml;ndig von der Strassenbr&uuml;cke getrennt verl&auml;uft, ist f&uuml;r den Herbst 2019 vorgesehen.&nbsp;<\/p><p>Tats&auml;chlich gab es, etliche Kilometer weiter n&ouml;rdlich und auf seismisch deutlich weniger sicherem Boden, bereits fr&uuml;her eine Br&uuml;cke zwischen der Krim und dem russischen Festland. Viele ihrer Pfeiler hielten aber am 20. Februar 1945 den treibenden Eisschollen nicht stand und die Br&uuml;cke st&uuml;rzte ein &ndash; nur eine Woche, nachdem Josef Stalin auf der Heimreise von der Konferenz auf Jalta die Br&uuml;cke noch benutzt hatte.<\/p><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es immer wieder Projekte f&uuml;r eine Br&uuml;cke zwischen Kertsch und dem russischen Festland, konkret zwischen Kertsch und der Halbinsel Taman. Seit 1991, der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung der Ukraine, war die Priorit&auml;t solcher Projekte aber kaum mehr gegeben, da die Ukraine an einer verkehrstechnisch engeren Anbindung der Krim an Russland wenig Interesse zeigte. Das &auml;nderte sich schlagartig im M&auml;rz 2014, als die Bev&ouml;lkerung der Krim in einem Referendum beschlossen hatte, sich von der Ukraine zu l&ouml;sen und sich wieder mit Russland zu vereinen.&nbsp;<\/p><p>Die ganze Br&uuml;cke ist 19 km lang, die Spannweite der weitesten &Ouml;ffnung 227m breit und die Durchfahrt 33m hoch. Dadurch k&ouml;nnen nicht mehr beliebig grosse Schiffe ins Asowsche Meer einfahren. Russland wird vorgeworfen, damit die Meerenge von Kertsch nicht nur v&ouml;lkerrechtswidrig zu beherrschen, sondern die Durchfahrt f&uuml;r gewisse Schiffe auch bewusst zu verz&ouml;gern, was bei den betroffenen Reedereien zu grossen Mehrkosten f&uuml;hre.&nbsp;<\/p><p>Schon kurz nach der Wiedervereinigung wurde auch mit dem Bau einer neuen Autobahn von Kertsch &uuml;ber Simferopol und Bachtschyssaraj nach Sewastopol begonnen: die Tavrida. Bereits sind viele Streckenabschnitte einseitig befahrbar. Mit der &ndash; &uuml;berf&auml;lligen &ndash; besseren Erschliessung der Krim auch f&uuml;r kommerzielle Transporte soll der wirtschaftliche Aufschwung auch ausserhalb der Hafenst&auml;dte intensiviert werden.&nbsp;<\/p><p><strong>Es gibt stichprobenartige Kontrollen<\/strong><\/p><p>Wir, meine Frau und ich, &uuml;berquerten die neue Br&uuml;cke mit unserem Mietwagen in beiden Richtungen &ndash; mit einer Nacht dazwischen auf der Halbinsel Taman in der russischen Region Krasnodar. Bei der R&uuml;ckfahrt wurden wir bei der Auffahrt zur Br&uuml;cke angehalten, zur Seite dirigiert und dann kontrolliert. Es war offensichtlich eine stichprobenartige Kontrolle, vergleichbar den Stichproben, wie sie auch an den Zoll-&Uuml;berg&auml;ngen etwa zwischen Deutschland und der Schweiz vorgenommen werden. &Uuml;berraschend war das f&uuml;r uns schon deshalb nicht, weil in der Ukraine selbst namhafte Politiker eine baldige Sprengung der Br&uuml;cke durch ukrainische Milizen in Aussicht stellten.&nbsp;<\/p><p>Als die drei Beamtinnen mich baten, auch die Motorhaube zu &ouml;ffnen, musste ich passen, ich hatte das bei einem Hyundai noch nie machen m&uuml;ssen. Aber auch die Beamtinnen wussten nicht wie, also holten sie drinnen im B&uuml;rogeb&auml;ude einen technisch versierten Mann. Dieser kam, &ouml;ffnete die Motorhaube &ndash; und was kam zum Vorschein? Der Motor! Wir lachten alle sechs, das Eis war gebrochen, die Beamtinnen w&uuml;nschten uns eine unfallfreie Weiterfahrt und winkten uns zum Abschied.&nbsp;<\/p><p>Und selbstverst&auml;ndlich wollte ich die Br&uuml;cke auch fotografieren, mangels Hubschrauber halt von einer nahegelegenen Landzunge aus. Den Ratschlag, wo das am besten m&ouml;glich sei, erhielten wir von der einheimischen Bev&ouml;lkerung, der Weg dorthin war ohne Vierradantrieb wirklich kaum zu schaffen, aber alles verlief schliesslich reibungslos. Und wie bestellt passierten in der halben Stunde, in der wir dort standen und die technische Meisterleistung bestaunten, auch mehrere grosse und kleine Schiffe die enge Durchfahrt vom Asowschen Meer ins Schwarze Meer. Siehe dazu das Foto am Kopf dieses Artikels. Auf der Br&uuml;cke selbst ist fotografieren ohne spezielle Bewilligung nicht erlaubt.&nbsp;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-07.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190803-Krim-07.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Zum Bild: Die Krimbr&uuml;cke, rechts die bereits er&ouml;ffnete Strassenbr&uuml;cke, links die sich noch im Bau befindliche Eisenbahnbr&uuml;cke, die im September oder Oktober ebenfalls er&ouml;ffnet werden soll. (Foto Russian Construction)<\/small><\/p><p><strong>Siehe zur Situation auf der Krim<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Crimea-Sanktionen-Russland-Ukraine-Recherchen-vor-Ort\">den&nbsp;ersten Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(ein allgemeiner &Uuml;berblick), und&nbsp;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Politik\/Krim-Sewastopol-Krimkrieg-Sanktionen\">den&nbsp;zweiten Teil der Serie &uuml;ber die Krim<\/a>&nbsp;(zu Sewastopol).<\/li>\n<\/ul><p>Und siehe das Infosperber-Dossier zum Thema&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Dossier\/Krim-Annexion-oder-Selbstbestimmung\">Krim-Sanktionen<\/a>.<\/p><p>(*) Die zu findenden Zahlen zum&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nord-Krim-Kanal\">Nord-Krim-Kanal<\/a>&nbsp;sind sehr unterschiedlich und deshalb wenig vertrauensw&uuml;rdig. Als Menge wird an vielen Stellen 380 Kubikmeter pro Sekunde angegeben. Das w&auml;ren dann 12 Milliarden Kubikmeter Wasser im Jahr. Als Jahresmenge werden aber&nbsp;<a href=\"http:\/\/buvr.kherson.ua\/vodnye_resursy.htm\">1,2<\/a>&nbsp;bis&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.istpravda.com.ua\/articles\/2014\/05\/13\/142692\/\">1,8<\/a>&nbsp;Milliarden Kubikmeter Wasser genannt, also zehn- bzw. siebenmal weniger. Vermutlich sind schon die 380 Kubikmeter Wasser pro Sekunde falsch, denn die w&auml;ren nur m&ouml;glich, wenn der Kanal bei einer Breite von 10 Metern und einer Tiefe in der Mitte des Kanals von 6 Metern mit ca. 20 km pro Stunde fliessen w&uuml;rde &ndash; und das in einem Kanal mit nur minimalstem Gef&auml;lle. Mehr oder weniger &uuml;bereinstimmend aber sind die Angaben, dass mit diesem Wasser zwischen 2&rsquo;700 und 3&rsquo;300 Quadratkilometer ehemaliges Steppenland in landwirtschaftlich nutzbares Land verwandelt werden konnte.<\/p><p><strong>Recherche vor Ort auf der Krim<\/strong><\/p><p>Der Autor Christian M&uuml;ller, Mitglied der Redaktionsleitung von Infosperber.ch, ist promovierter Historiker und Staatsrechtler und arbeitete &uuml;ber Jahrzehnte als Journalist und Redakteur und zuletzt als Medienmanager. Er besuchte die Krim zum ersten Mal im Jahr 2006 und wollte wissen, was sich seither ver&auml;ndert hat und wie die Situation auf der Krim f&uuml;r die dort lebenden Menschen heute ist: vor Ort auf der Krim recherchiert.&nbsp;<\/p><p>Um unabh&auml;ngig zu sein und unabh&auml;ngig informieren zu k&ouml;nnen, bestimmte Christian M&uuml;ller alles selber: den Zeitpunkt seiner Reise, die Reiseroute, die Aufenthaltsorte (inkl. Hotels), von wem er sich informieren lassen und mit wem er reden wollte. Und er hat die ganze dreiw&ouml;chige Informationsreise aus eigener Tasche bezahlt. Das einzige, wozu er die Unterst&uuml;tzung der Krim-Administration brauchte, waren der Besuch der neuen Schule f&uuml;r die Tataren in Simferopol, der Besuch des TV- und Radio-Senders der Tataren in Simferopol und die Besichtigung der sich noch im Bau befindlichen Moschee der Tataren (auch im Inneren), ebenfalls in Simferopol. Und aufgrund des aufgenommenen Kontakts mit den Beh&ouml;rden wurde er, da zeitlich zuf&auml;llig &uuml;bereinstimmend, zum f&uuml;nften Forum zum Thema russische Sprache in Jalta eingeladen.&nbsp;<\/p><p>Als Dolmetscherin diente Christian M&uuml;ller seine Ehefrau Anna Wetlinska, die die russische Sprache studiert hat, sie l&uuml;ckenlos versteht und ebenso perfekt spricht. Etliche der Gespr&auml;chspartner auf der Krim waren aber ihrerseits in der Lage, auch englisch zu kommunizieren.&nbsp;<\/p><p>Christian M&uuml;ller hat auch die in den Krim-Konflikt involvierten L&auml;nder Russland und die Ukraine seit Mitte der 1980er Jahre mehrmals besucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Christian M&uuml;ller<\/strong> vom InfoSperber berichtet heute in einem III. Teil &uuml;ber seinen Besuch auf der Krim. Wir &uuml;bernehmen diesen Bericht gerne auf den NachDenkSeiten. Weil er interessant ist und &ndash; nebenbei &ndash; weil die Zusammenarbeit mit dem schweizerischen InfoSperber erfreulich unkompliziert ist. Albrecht M&uuml;ller.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":53925,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[1754,1289,2104,1313,259,260,1464,335],"class_list":["post-53924","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","tag-energieversorgung","tag-holocaust","tag-kriegsopfer","tag-krim","tag-russland","tag-ukraine","tag-volksabstimmung","tag-wasserversorgung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/190803-Krim.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53924","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=53924"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53924\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53959,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53924\/revisions\/53959"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/53925"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=53924"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=53924"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=53924"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}