{"id":53972,"date":"2019-08-05T13:09:45","date_gmt":"2019-08-05T11:09:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53972"},"modified":"2019-08-05T13:27:31","modified_gmt":"2019-08-05T11:27:31","slug":"eingriff-in-die-argentinischen-wahlen-das-freihandelsabkommen-zwischen-der-europaeischen-union-und-dem-suedamerikanischen-mercosulsur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53972","title":{"rendered":"Eingriff in die argentinischen Wahlen? Das Freihandelsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Union und dem s\u00fcdamerikanischen MercoSul(Sur)"},"content":{"rendered":"<p>Als Nebenhandlung des j&uuml;ngsten G-20-Gipfels wurde Ende vergangenen Juni im japanischen Osaka zwischen der Europ&auml;ischen Union (EU) und dem sogenannten Gemeinsamen Markt S&uuml;damerikas (Mercosur bzw. Mercosul im Portugiesischen) &ndash; dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angeh&ouml;ren &ndash; ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAus mehreren Gr&uuml;nden &ndash; vor allem wegen dem langj&auml;hrigen, s&uuml;damerikanischen Vorwurf gegen angeblichen Protektionismus der EU-Agrarwirtschaft, der den geplanten Absatz s&uuml;damerikanischer Agrarg&uuml;ter behindere &ndash; lag der Vertragsentwurf 20 Jahre auf Eis. Den Hauptwiderstand gegen das Freihandelsabkommen artikulierten vor allem die zwischen 2003 und 2015 in Brasilien und Argentinien regierenden Mitte-Links-Regierungen, die zudem mit einer Importschwemme aus der EU die Gefahr einer ohnehin wegen China-Importen stattfindende De-Industrialisierung ihrer L&auml;nder bef&uuml;rchteten.<\/p><p>Die zwischenstaatliche Mercosur-Organisation ging aus dem 1991 unterzeichneten <a href=\"https:\/\/de.qwerty.wiki\/wiki\/Treaty_of_Asunci%C3%B3n\">Vertrag von Asunci&oacute;n<\/a> hervor. Zu ihrem vorrangigen Ziel geh&ouml;rte die wirtschaftliche Integration des s&uuml;damerikanischen S&uuml;dkegels, die seitdem auf eine mehr schlecht als recht funktionierende, oft jahrelang wegen gegenseitigem Protektionismus ausgesetzte Zollunion begrenzt blieb.<\/p><p>Im Zuge der restaurativen Wende in den beiden f&uuml;hrenden Nationalwirtschaften des Blocks &ndash; Brasilien und Argentinien &ndash; driftete der Mercosur allerdings seit 2015 scharf nach rechts ab. Zum einen hatte das brasilianische Parlament die Ratifizierung eines 2012 beantragten Beitritts Boliviens verweigert, zum anderen wurde am 5. August 2017 wegen angeblichem &bdquo;Bruch der demokratischen Ordnung&ldquo; die seit 2012 bestehende Mitgliedschaft Venezuelas gek&uuml;ndigt. Die Ma&szlig;nahme sollte offenbar als <em>vendetta<\/em> gegen die zwischen Mitte 2012 und Mitte 2013 verordnete Suspendierung Paraguays verstanden werden. Dort hatte ein parlamentarischer Putsch den bis 2012 regierenden Pr&auml;sidenten Fernando Lugo gest&uuml;rzt und eine konservative Regierung die Macht &uuml;bernommen.<\/p><p><strong>&bdquo;Der gr&ouml;&szlig;te Deal aller Zeiten&rdquo; &ndash; Doch warum ausgerechnet jetzt?<\/strong><\/p><p>&bdquo;EU-Handelskommissarin Cecilia Malmstr&ouml;m war geradezu euphorisch, als sie ihren Verhandlungserfolg nach einer mehrt&auml;gigen Endrunde in Br&uuml;ssel verk&uuml;ndete&rdquo;, <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/eu-und-mercosur-vereinbaren-gr%C3%B6%C3%9Fte-freihandelszone-der-welt\/a-49407478\">beschrieb die Deutsche Welle<\/a> das Vergn&uuml;gen der EU-Chefetage. &bdquo;Es ist ein historischer Tag&hellip;&rdquo;, zelebrierte Malmstr&ouml;m den gr&ouml;&szlig;ten Freihandelsraum der Welt mit 760 Millionen Menschen.<\/p><p>Mit dem Abkommen, so die EU-Handelskommissarin, werde die EU insgesamt vier Milliarden Euro an Z&ouml;llen beim Handel mit den s&uuml;damerikanischen Staaten sparen. Der EU-Markt werde sich f&uuml;r Produkte aus den Mercosur-Staaten &ouml;ffnen und im Gegenzug werde der Mercosur Z&ouml;lle f&uuml;r Industrieg&uuml;ter aus Europa abschaffen; bei Autos um 35 Prozent, bei Pharmaprodukten um 40 Prozent &ndash; &bdquo;und so weiter&rdquo;.<\/p><p>Doch sehe das Abkommen auch Sicherungen, wie den Bezug auf das Pariser Klimaabkommen und die Regelungshoheit der EU-Mitglieder bei &ouml;ffentlichen Leistungen, vor. Arbeitnehmerrechte w&uuml;rden gesch&uuml;tzt und Vorkehrungen gegen die weitere Entwaldung getroffen. Mit einem Wort und Seitenhieb gegen die Administration Donald Trump: &bdquo;Die Beschr&auml;nkung des freien Handels schade der Weltwirtschaft&rdquo;.<\/p><p>Doch selbst der Staatssender Deutsche Welle musste zugeben, dass hinter der pl&ouml;tzlichen Eile um die Unterzeichnung der Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel stand. In einem Brief hatte sie die EU-Kommission dazu aufgefordert, den Mercosur-Staaten ein &bdquo;ausgewogenes und vern&uuml;nftiges Abkommen&rdquo; vorzulegen. Merkel tat dies jedoch ohne R&uuml;cksprache mit dem deutschen Vorzugspartner Frankreich. Pr&auml;sident Emmanuel Macron empfiehlt n&auml;mlich H&auml;rte in zwei Punkten. Zum einen gegen die Quotenerh&ouml;hung f&uuml;r s&uuml;damerikanische Agrarerzeugnisse &ndash; also Beibehaltung eines gewissen protektionistischen Kurses &ndash; zum anderen tritt er jedoch f&uuml;r eine energischere Einforderung der Klimaschutz-Kompromisse der Mercosur-Regierungen ein, denen Merkel offenbar blau&auml;ugig Vertrauen schenkt oder gar Indifferenz walten l&auml;sst.<\/p><p>Joachim Rukwied, Vorsitzender des Deutschen Bauernverbandes (DBV), stie&szlig; in das gleiche Horn wie Macron. Er warf dem Abkommen &bdquo;reine Doppelmoral&rdquo; vor und monierte, &bdquo;die Landwirtschaft kann nicht f&uuml;r die Autoindustrie geopfert werden&rdquo;. F&uuml;r die Gr&uuml;nen bedeutet das Handelsabkommen wiederum eine &bdquo;fatale Entscheidung f&uuml;r Klimaschutz und Menschenrechte&rdquo;. &bdquo;Dieser Vertrag darf nicht geschlossen werden&rdquo;, forderte Katharina Dr&ouml;ge, Sprecherin f&uuml;r Wettbewerbspolitik und Handelspolitik.<\/p><p><strong>Beeinflussung der argentinischen Wahlen mit IWF und Bolsonaro<\/strong><\/p><p>Die Frage, die sich in umgekehrter Richtung kritische Beobachter im geografischen Raum des Mercosur stellen, ist: Warum w&auml;hlte die EU ausgerechnet den Zeitpunkt der schlimmsten sozialen, menschenrechtsverletzenden und umweltvernichtenden Umtriebe des Bolsonaro-Regimes in Brasilien und der bankrotten Regierung Macri in Argentinien? Und etwas pr&auml;ziser: Warum konnte die EU nicht die f&uuml;r Ende Oktober 2019 angesetzten Pr&auml;sidentschaftswahlen in Argentinien abwarten?<\/p><p>Obwohl konservative Medien wie <a href=\"https:\/\/www.clarin.com\/politica\/nuevas-encuestas-mejoro-mauricio-macri-diferencia-favor-alberto-fernandez-promedia-solo-puntos_0_4KfSFM7jA.html\">Clar&iacute;n<\/a> ihren Lesern das Szenario eines Patts zwischen dem Mitte-Links-Kandidaten Alberto Fern&aacute;ndez und dem zur Wiederwahl antretenden Mauricio Macri einzuh&auml;mmern versuchen, ermittelte eine argentinische Umfrage vom vergangenen 23. Juli &ndash; also knappe drei Wochen vor den obligatorischen parteiinternen Vorwahlen &ndash; dass die Mitte-Links-Formel Alberto Fern&aacute;ndez\/Cristina Kirchner ihren Herausforderer Macri mit einem <a href=\"https:\/\/www.eldestapeweb.com\/nota\/elecciones-2019-demoledora-encuesta-muestra-una-victoria-de-alberto-fernandez-sobre-macri-201972417280\">Vorsprung von nahezu 10 Prozentpunkten<\/a> schlagen w&uuml;rde.<\/p><p>Diese Wahrscheinlichkeit rief geballte Kr&auml;fte der internationalen Finanzen auf den Plan.<\/p><p>Mit einer au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Entscheidung erlaubte zum Beispiel der IWF am vergangenen 29. April der argentinischen Zentralbank, Darlehensdollar uneingeschr&auml;nkt auf dem Devisenmarkt zu verkaufen. &bdquo;Es ist &uuml;blich, dass die Argentinier in den Monaten vor den Wahlen mit dem Dollar (spekulieren), doch diesmal bef&uuml;rchten einige, dass (im Falle ihres Wahlsieges) Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner, die Sch&ouml;pferin des Wechselkurses, Erfolg haben und die Zahlungen f&uuml;r Schulden aussetzen wird, die Mauricio Macri exponentiell erh&ouml;ht hat&ldquo;, <a href=\"https:\/\/noticias.perfil.com\/2019\/05\/06\/trump-fmi-y-macri-aliados-electorales-para-controlar-al-dolar\/\">kommentierte<\/a> die konservative Zeitschrift <em>Perfil<\/em>.<\/p><p>Am vergangenen 12. Juli genehmigte der IWF eine neue Auszahlung von 5,4 Milliarden US-Dollar an Argentinien. Es war die f&uuml;nfte Tranche eines Gesamtdarlehens &uuml;ber 56 Milliarden Dollar. Bis Ende Juli sollte die Macri-Regierung weitere 4,1 Milliarden US-Dollar erhalten. Die bisherigen Auszahlungen summieren sich bereits auf 78 Prozent des Gesamtdarlehens. Weitere 10 Prozent w&uuml;rden vor den Wahlen im Oktober eintreffen, &bdquo;was der Regierung helfen wird, den Wahlprozess mit finanzieller Gelassenheit voranzutreiben&ldquo;, schrieb die konservative <em>Clarin<\/em> (El FMI aprueba US$ 5.400 millones y Macri ya tiene casi el 80% del pr&eacute;stamo &ndash; 12. Juli 2019).<\/p><p><em>Perfil<\/em> vermutet Gustavo Ca&ntilde;onero &ndash; den ehemaligen Direktor der <strong>Deutschen Bank<\/strong> und derzeitigen Vizepr&auml;sidenten der argentinischen Zentralbank &ndash; als Beeinflusser hinter den Kulissen. Die Freundschaft Ca&ntilde;oneros mit Christine Lagardes Argentinien-IWF-Beauftragten Alejandro Werner mag zur gro&szlig;z&uuml;gigen Kurs&auml;nderung des Fonds &uuml;ber die Verwendung der Reserven beigetragen haben. &bdquo;Doch der Hauptgrund sei die Unterst&uuml;tzung der USA von Donald Trump und der anderen westlichen M&auml;chte f&uuml;r Macri und ihre Ablehnung einer R&uuml;ckkehr dessen, was sie Populismus nennen und was sie im Kirchnerismus verk&ouml;rpert sehen. Nicht nur machen sie sich Sorgen um ihre Gesch&auml;fte in Argentinien, sondern &uuml;ber die Auswirkungen, die eine Wende im Land auf das &uuml;brige Lateinamerika haben kann, das von China und Russland begehrt wird&ldquo;, mahnte Perfil.<\/p><p>Nach Absprache mit Donald Trump trat nun f&uuml;r erg&auml;nzende Sabotage auch dessen neuer &ldquo;Statthalter&rdquo; &ndash; Brasiliens Jair Bolsonaro &ndash; in Szene. Seit Mitte des vergangenen Juni scheut Bolsonaro sich nicht, sich frech in die inneren Angelegenheiten Argentiniens mit Kampfparolen wie &bdquo;<a href=\"https:\/\/actualidad.rt.com\/actualidad\/317207-bolsonaro-elecciones-argentinas-queremos-haya\">Wir wollen keine neuen Venezuelas<\/a>&ldquo; einzumischen und offen Wahlhilfe f&uuml;r Mauricio Macri zu betreiben.<\/p><p><strong>Bef&uuml;rchtete Auswirkungen: &bdquo;Der Todessto&szlig; gegen die einheimische Industrie&rdquo;<\/strong><\/p><p>Malmstr&ouml;ms Versicherung, Arbeitnehmerrechte w&uuml;rden gesch&uuml;tzt, wird auf Seiten der nicht gefragten s&uuml;damerikanischen Arbeitnehmer wie der blanke Hohn vernommen. Nach Angaben des Nationalen Instituts f&uuml;r Statistik und Volksz&auml;hlung (Indec) schoss die Arbeitslosigkeit in Argentinien zwischen Dezember 2015 (Ende der Regierung Cristina Kirchner) von <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/noticias\/2015\/10\/151022_elecciones_argentina_kirchnerismo_vs\">rund 7 Prozent<\/a> auf <a href=\"https:\/\/www.adnradio.cl\/noticias\/internacional\/el-desempleo-en-argentina-llega-al-101-y-marca-su-peor-registro-en-13-anos\/20190619\/nota\/3917244.aspx\">10,1 Prozent<\/a> w&auml;hrend der dreieinhalbj&auml;hrigen Administration Mauricio Macri in die H&ouml;he; eine Zunahme von ann&auml;hernd 30 Prozent.<\/p><p>In Brasilien zertr&uuml;mmerten die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37489\">De-facto-Regierung Michel Temer<\/a> und das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52537\">amtierende Bolsonaro-Regime<\/a> nacheinander die letzten Reste historischer Arbeitnehmer-Rechte mit brutal-ultraliberaler &bdquo;Marktanpassung&ldquo; und steuerten die Arbeitslosigkeit in die pr&auml;zedenzlose H&ouml;he von 12,7 Prozent.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund lehnte die Gewerkschaftskoordination des lateinamerikanischen S&uuml;dkegels (CCSCS) &ndash; ein informeller Verband der 20 gr&ouml;&szlig;ten Gewerkschafts-Dachverb&auml;nde Argentiniens (CGT, CTA), Brasiliens (CUT), Chiles, Boliviens, Paraguays, Uruguays (PIT-CNT) und Venezuelas &ndash; die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit alarmierenden Hinweisen ab. In einer Erkl&auml;rung vom 28. Juni 2019 <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/203393-el-acuerdo-con-la-ue-es-la-sentencia-de-muerte-de-nuestras-i\">erkl&auml;rte die CCSCS<\/a>, die Vereinbarung bewirke &bdquo;den Tod unserer Industrien und eines Gro&szlig;teils unserer menschenw&uuml;rdigen Arbeit und hochwertigen Besch&auml;ftigung&rdquo;.<\/p><p>Das Freihandelsabkommen werde verheerende mittel- und langfristige Auswirkungen auf bestimmte strategische Produktionszweige, insbesondere auf Technologie-F&ouml;rderung, Binnen- und internationale Schifffahrt, &ouml;ffentliches Auftragssystem und staatliche Eink&auml;ufe, Pharmaindustrie, Automobilindustrie und hochwertige Agrarverarbeitungswirtschaften (insbesondere f&uuml;r Oliven&ouml;l, Weine, Schaumweine und Milchprodukte) haben. Im Einzelnen verweisen die Gewerkschaften auf den Betrug sogenannter &bdquo;flexibler (Waren)-Ursprungsregeln&ldquo;, die nicht gerechtfertigte G&uuml;ltigkeitsverl&auml;ngerung von Patenten und Testdaten-Schutz, die ungesicherte F&ouml;rderung kleiner und mittlerer Unternehmen und schlie&szlig;lich der verantwortungslose Verzicht auf Studien der Folgenabsch&auml;tzung.<\/p><p>Der brasilianische Diplomat und au&szlig;enpolitische Stratege der Regierung Lula, Samuel Pinheiro Guimar&atilde;es, hatte bereits Anfang 2018 mit einer umfassenden <a href=\"https:\/\/www.nodal.am\/2017\/11\/la-union-europea-fin-del-mercosur-samuel-pinheiro-guimaraes\/\">Analyse der Folgen<\/a> vor der Unterzeichnung des Abkommens gewarnt und Warnlichter auf die entwicklungshemmende <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/193248\/eu-ende-mercosur\">Wirkung von Freihandelsabkommen<\/a> gerichtet. Die zwei entscheidenden Fragen bei seri&ouml;sen Folgenabsch&auml;tzungen sind doch: a) sind Freihandelsabkommen entwicklungsf&ouml;rdernd, und b) wer gewinnt und wer verliert mit ihnen?<\/p><p>Zum Beispiel schlossen die L&auml;nder der sogenannten Pazifik-Allianz (Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile) allesamt bilaterale Freihandelsabkommen mit den USA ab, jedoch auch mit dutzenden anderen Staaten oder Staatenb&uuml;ndnissen, allen voran der EU und China. Wie Guimar&atilde;es bemerkte, ist &bdquo;der Handel zwischen den Mitgliedsstaaten der Pazifik-Allianz von geringerer Bedeutung, auch weil diese L&auml;nder, mit Ausnahme Mexikos, weder &uuml;ber diversifizierte Exportangebote noch &uuml;ber bedeutende Industrieparks verf&uuml;gen und versch&auml;rfend auf dem internationalen Markt mit ihrem Commoditie-Angebot oft zueinander in Konkurrenz stehen&rdquo;.<\/p><p>Dass diese L&auml;nder in den letzten Jahren relativ hohe Wachstumsraten verzeichneten, bedeute jedoch nicht, dass sich die Entwicklung der Wirtschaft selbst verbesserte, da sie keine Diversifizierung der Produktionsstrukturen durchf&uuml;hrten und weder das Einkommensniveau noch den Reichtum angehoben haben, kommentierte Guimar&atilde;es. Eine Schlussfolgerung, die korrigiert werden sollte: In Chile wurde zum Beispiel der Reichtum sehr wohl angehoben, doch die Anhebung ging mit zunehmender Kapitalkonzentration einher und versch&auml;rfte die soziale Ungleichheit, statt sie durch vermehrten Handel abzubauen.<\/p><p><strong>Das Freihandelsabkommen EU-Chile: &bdquo;Am Ende waren die nur die Kupferexporteure die Gewinner&ldquo;<\/strong><\/p><p>In einer <a href=\"https:\/\/www.tni.org\/files\/download\/eumexicofta-s.pdf\">40-seitigen Bilanz<\/a> des seit Ende der 1990er Jahre bestehenden und j&uuml;ngst verl&auml;ngerten Freihandelsabkommens zwischen Mexiko und der EU (TLCUEM) kam das Transnational Institute zu folgenden Schlussfolgerungen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Verhandlungen &uuml;ber ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Chile wie auch die TLCUEM waren durch die mangelnde Transparenz und die fehlende Beteiligung der Organisationen der Zivilgesellschaft an der Konzeption, den Verhandlungen und der Umsetzung derselben gekennzeichnet, womit Widerspr&uuml;che in Bezug auf die demokratische Klausel in Fragen der Menschenrechte auftreten, die den Vertrag und die von der EU eingegangenen internen Verpflichtungen in Fragen der demokratischen Staatsf&uuml;hrung einbeziehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Zivilgesellschaftlichen Organisationen Chiles zufolge werden im EU-Chile-Abkommen die Arbeitnehmerrechte jedoch so wenig erw&auml;hnt, dass selbst das Freihandelsabkommen zwischen Chile und den USA als `Schutz und Garant&acute; f&uuml;r grundlegende Arbeitnehmerrechte und -schutzrechte erscheint. Auch im Bereich der Zusammenarbeit sind die Vereinbarungen mit den USA vollst&auml;ndiger als im Partnerschaftsabkommen mit der EU.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Tats&auml;chlich ber&uuml;cksichtigt das EU-Abkommen mit Chile nicht die Asymmetrien zwischen den Parteien, n&auml;mlich dass das s&uuml;damerikanische Land ein Exporteur von Bergbau- und Agrarerzeugnissen mit geringer Wertsch&ouml;pfung, respektive h&ouml;chstens halbfertiger Industrieerzeugnisse, auf der anderen Seite jedoch Empf&auml;nger von Maschinen und Ausr&uuml;stungen mit hoher Wertsch&ouml;pfung ist.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Laut den chilenischen Organisationen &bdquo;zeigen der anhaltende Anstieg der Arbeitslosigkeit in Chile einerseits und der starke Anstieg der Exporte andererseits, dass die Rechnung zwischen der Strategie der kommerziellen &Ouml;ffnung und der angeblich damit gekoppelten Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen nicht aufgeht &ndash; sie ist in eklatanter Weise falsch&ldquo;. Umso gravierender ist die Bilanz bei der Erinnerung daran, dass das t&ouml;nende Argument aller Regierungen f&uuml;r die Unterzeichnung dieser Abkommen an erster Stelle die angebliche Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen war.<\/p><p>Titelbild: Beto Gomez\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Nebenhandlung des j&uuml;ngsten G-20-Gipfels wurde Ende vergangenen Juni im japanischen Osaka zwischen der Europ&auml;ischen Union (EU) und dem sogenannten Gemeinsamen Markt S&uuml;damerikas (Mercosur bzw. Mercosul im Portugiesischen) &ndash; dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angeh&ouml;ren &ndash; ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. 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