{"id":5408,"date":"2010-05-05T09:16:19","date_gmt":"2010-05-05T07:16:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5408"},"modified":"2014-03-05T12:51:07","modified_gmt":"2014-03-05T11:51:07","slug":"die-fuer-nrw-schwerwiegendste-fehlentscheidung-des-herrn-ruettgers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5408","title":{"rendered":"Die f\u00fcr NRW schwerwiegendste Fehlentscheidung des Herrn R\u00fcttgers"},"content":{"rendered":"<p>Im NRW-Wahlkampf geht es vor allem um Schwarz-Gelb, Rot-Gr&uuml;n und vor allem um die Hysterie wegen Rot-Rot-Gr&uuml;n. Sachthemen spielen bestenfalls am Rande eine Rolle. Eine der folgenreichsten Fehlentscheidungen des amtierenden Ministerpr&auml;sidenten f&uuml;r das Land bleibt v&ouml;llig au&szlig;en vor: Es handelt um Risiken von 10 bis 18 Milliarden bei der WestLB f&uuml;r die das Land Garantien &uuml;bernommen hat. Wird nur ein Bruchteil davon f&auml;llig, so bedeutet das das Ende jeglicher Landespolitik. H&auml;tte Ministerpr&auml;sident R&uuml;ttgers entgegen dem Rat seines Finanzministers einen Zusammenschluss der WestLB mit der Landesbank Baden-W&uuml;rttemberg nicht pers&ouml;nlich blockiert, w&auml;ren die Risiken f&uuml;r das Land erheblich geringer. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>In einem &uuml;beraus lesenswerten Feature f&uuml;r den H&ouml;rfunksender WDR 5 unter dem Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.wdr5.de\/fileadmin\/user_upload\/Sendungen\/Dok5_das_Feature\/2010\/Mai\/Manuskripte\/05_02_Milliardengrab%20WestLB.pdf\">Milliardengrab WestLB [PDF &ndash; 229KB]<\/a>&ldquo;  schildert der Autor J&uuml;rgen Zurheide unter anderem Folgendes:<\/p><p>Als die WestLB 2007\/2008 wieder einmal am Rande der Pleite stand, haben die Eigent&uuml;mer, also das Land NRW, Sparkassen und Landschaftsverb&auml;nde in einer konzertierten Aktion eine ausgelagerte Zweckgesellschaft der Landesbank unter dem sch&ouml;nen Namen &bdquo;Phoenix&ldquo; mit 23 Milliarden Euro faulen Papieren komplett &uuml;bernommen und Garantien von &uuml;ber 5 Milliarden Euro hinterlegt. Real sind bisher 286 Millionen geflossen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden weitere Betr&auml;ge in Milliardenh&ouml;he gezahlt werden m&uuml;ssen.<br>\nDoch damit nicht genug: Insgesamt hat das Land f&uuml;r weitere Auslagerungen aus der WestLB 10 Milliarden Euro Garantien &uuml;bernommen und als Reserve stehen weitere 8 Milliarden Euro zur Verf&uuml;gung.<\/p><p>Bei einem Haushalt von 53,26 Milliarden und einer derzeit schon hohen Nettokreditaufnahme von 6,6 Milliarden bedeutet jede weitere Milliarde, die von der Garantiesumme f&auml;llig werden, eine Strangulierung der Landespolitik. <\/p><p>Vor der Finanzkrise h&auml;tte es eine realistische Chance gegeben, die nordrhein-westf&auml;lische WestLB mit der baden-w&uuml;rttembergischen LBBW zusammenzuf&uuml;hren; die Gespr&auml;che waren weit fortgeschritten. &bdquo;Am Ende hat Ministerpr&auml;sident J&uuml;rgen R&uuml;ttgers sie blockiert, weil er seinem baden-w&uuml;rttembergischen Kollegen G&uuml;nther Oettinger, nicht traute. Au&szlig;erdem hatte er die Sorge, dass der Bankenplatz D&uuml;sseldorf leiden w&uuml;rde&hellip; R&uuml;ckwirkend d&uuml;rfte sich diese Entscheidung von R&uuml;ttgers, die er auch gegen den Rat seines Finanzministers Helmut Linssen getroffen hat, als d i e Fehlentscheidung seiner jetzt ablaufenden Amtszeit herausstellen&ldquo;, schreibt Zurheide. Der damalige Pr&auml;sident des Rheinischen Sparkassenverbandes Karlheinz Bentele wird wie folgt zitiert: &bdquo;Wir hatten auch glaubw&uuml;rdige Signale von der Landespolitik in Baden-W&uuml;rttemberg und wir sind gescheitert an einer harten Absage aus der Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen, um es ganz deutlich zu sagen, der Ministerpr&auml;sident selbst hat diesen Weg nicht mitgehen wollen.&ldquo;<\/p><p>Nach Einsch&auml;tzung von Fachleuten h&auml;tte ein Zusammengehen eine bessere Perspektive er&ouml;ffnet, die Probleme zu bew&auml;ltigen. &bdquo;Wenn uns der Schritt gelungen w&auml;re, die beiden sehr gro&szlig;en Landesbanken in Nordrhein-Westfalen und Baden-W&uuml;rttemberg zusammenzufassen, h&auml;tten wir gute Chancen gehabt, &hellip; aus diesen beiden etwas Gutes zu machen, auch die Unterst&uuml;tzung des Bundes zu haben&ldquo;, meint der Pr&auml;sident des westf&auml;lisch-lippischen Sparkassenverbandes Rolf Gerlach.<\/p><p>Doch diesen Weg hat R&uuml;ttgers, der sich in jenen Tagen selbst gerne als &bdquo;Banklehrling&ldquo; bezeichnet hat, blockiert.<br>\nUnd dennoch stellt er sich jetzt hin und behauptet, er f&uuml;hre &bdquo;unser Land sicher durch die Krise&ldquo;.<\/p><p>Wenn man R&uuml;ttgers &uuml;bel gesonnen w&auml;re, m&uuml;sste man ihm w&uuml;nschen, dass er die Suppe, die er sich eingebrockt hat, durch seine Wiederwahl nun auch selbst ausl&ouml;ffeln m&uuml;sste.<\/p><p>F&uuml;r das Land und seine 18 Millionen Einwohner, w&auml;re das jedoch eine Katastrophe.<\/p><p>Die WestLB ist ja leider nicht der einzige Karren, den R&uuml;ttgers in den Dreck gefahren hat.<\/p><p>Ich habe in meinem Beitrag &bdquo;<a href=\"\/?p=5383\">FDP Wahlaufruf &ndash; Im Wahlkampf stirbt die Wahrheit zuerst<\/a>&ldquo; schon auf einige wichtige Posten der in Wahrheit miserablen Bilanz der 5-j&auml;hrigen Regierungszeit von Schwarz-Gelb hingewiesen.<\/p><p>Sogar das gewiss regierungsfreundliche Handelsblatt f&uuml;hlte sich von der Eigenlobhudelei der derzeitigen Landesregierung provoziert und titelte &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/_b=2573202,_p=6,_t=ftprint,doc_page=0;printpage\">R&uuml;ttgers-Regierung macht NRW zum &acute;Absteigerland`<\/a>&ldquo; :<br>\n&bdquo;Selbst in strukturschwachen L&auml;ndern wie Mecklenburg-Vorpommern sank die Arbeitslosigkeit in den vergangenen knapp f&uuml;nf Jahren st&auml;rker als in NRW&hellip;Um gut 25 Prozent sank in NRW in den vergangenen viereinhalb Jahren die Zahl der Arbeitslosen. Bundesweit ging die Zahl im gleichen Zeitraum aber um 32 Prozent zur&uuml;ck, beim Arbeitsmarkt-Primus Bayern waren es sogar 42 Prozent.<br>\nDies l&auml;sst sich auch an der Arbeitslosen-Quote ablesen: Im Mai 2005, beim Antritt der Regierung R&uuml;ttgers, lag die Quote bei 12,1 Prozent in NRW und bundesweit bei 11,6 Prozent. Im April 2010 sind es 9,0 Prozent in NRW und 8,1 bundesweit. Die Schere ist also gr&ouml;&szlig;er geworden. Lag die Arbeitslosigkeit in NRW vor f&uuml;nf Jahren nur um 0,5 Prozentpunkte &uuml;ber Bundes-Niveau, hat sich der Abstand nun auf 0,9 Prozentpunkte fast verdoppelt&ldquo;, schreibt das wirtschaftsnahe Blatt.<\/p><p>Nicht nur in seiner Wahlpropaganda, sondern auch in seiner praktischen Politik zeigte R&uuml;ttgers alle Tricks eines politischen Taschenspielers. Er mimte auf der B&uuml;hne der Bundespolitik den sozial Gerechten und lenkte die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler seines Landes von der Politik seiner eigenen Landesregierung ab. Hinter den Ablenkungsman&ouml;vern verbarg sich aber eine Politik, wie sie unsozialer von kaum einer anderen konservativen Regierung vorangetrieben wurde.<br>\nR&uuml;ttgers redete auf Bundesebene von den &bdquo;Lebensl&uuml;gen&ldquo; der &bdquo;neoliberalen&ldquo; Politik, um in seinem Verantwortungsbereich in NRW eben solche Lebensl&uuml;gen <a href=\"\/?p=1912\">zum Programm zu erheben<\/a>.<\/p><p>L&auml;sst man sich von den Gaukeleien nicht ablenken, erkennt man eine ziemlich traurige und bittere Realit&auml;t. Ich will nur an einige Details erinnern, die inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten sind:<\/p><ul>\n<li>Als erstes &uuml;bertrug R&uuml;ttgers seine <a href=\"\/?p=719\">Einsparpolitik im Lande<\/a> direkt an eine Expertengruppe aus IHK, Unternehmer bzw. an Unternehmensberater &agrave; la Bertelsmann und McKinsey&amp;Companie.\n<\/li>\n<li>Trotz anfangs der Legislaturperiode h&ouml;herer Steuereinnahmen im Landeshaushalt wurden die Kommunen durch K&uuml;rzungen, Mindereinnahmen und Mehrbelastungen bei Kinderg&auml;rten, bei den Krankenh&auml;usern, bei der Weiterbildung, beim sozialen Wohnungsbau mit insgesamt <a href=\"http:\/\/www.spd-fraktion.landtag.nrw.de\/spdinternet\/www\/startseite\/Dokumentenspeicher\/Dokumente\/Pressestelle\/Dokumente\/Kommunen_vor_der_Pleite_bewahren1.pdf\">1.845 Millionen Euro belastet [PDF &ndash; 60KB]<\/a>.\n<\/li>\n<li>In NRW wurde als einem der ersten Bundesl&auml;nder <a href=\"http:\/\/www.studis-online.de\/StudInfo\/Gebuehren\/nrw.php\">Studiengeb&uuml;hren<\/a> eingef&uuml;hrt.<\/li>\n<li>NRW hat seine Hochschulen in Wirtschaftsunternehmen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/100418_mainz_che_und_die_oekonomisierung_der_hochschule.pdf\">umgewandelt [PDF &ndash; 224KB]<\/a>.\n<\/li>\n<li>NRW kooperiert in der Bildungspolitik unter allen Regierungen am engsten mit der <a href=\"\/?p=1870\">Bertelsmann Stiftung<\/a>.<\/li>\n<li>NRW l&ouml;ste seine landeseigenen Forschungsinstitute auf, darunter so renommierte wie das Institut Arbeit und Technik. <\/li>\n<li>In NRW wurde die Lernmittelfreiheit f&uuml;r Bed&uuml;rftige auf die klammen Kommunen verlagert.<\/li>\n<li>In NRW wurden unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.schulministerium.nrw.de\/BP\/Schulsystem\/Schulformen\/Europaschulen\/index.html\">Europaschulen<\/a>&ldquo; weitere Privatschulen gegen Schulgeld unterst&uuml;tzt.<\/li>\n<li>NRW l&ouml;ste die <a href=\"http:\/\/www.schulministerium.nrw.de\/BP\/Schulrecht\/Gesetze\/SchulG_Info\/Reportagen_zum_Schulgesetz\/Aufl__sung_der_Schulbezirke.html\">Schulbezirke f&uuml;r die Grundschulen auf<\/a> und schaffte damit eine der letzten gesellschaftlichen Institutionen f&uuml;r eine soziale Integration ab.<\/li>\n<li>In NRW entscheiden durch verbindliche Grundschulempfehlungen die Lehrer und nicht mehr die Eltern &uuml;ber die Bildungschancen zehnj&auml;hriger Kinder entscheiden.<\/li>\n<li>Die nicht n&auml;her ausgewiesenen 8.000 Lehrerstellen sind keineswegs alle zus&auml;tzlich. So wurden etwa vorhandene angestellte Lehrkr&auml;fte in Planstellen &uuml;berf&uuml;hrt, auch f&uuml;r private Ersatzschulen wurden Stellen neu geschaffen, zahlreiche Stellen sind an die Berufskollegs gegangen, um die Ausbildungsplatzmisere aufzufangen, &uuml;ber 3.000 Stellen mussten f&uuml;r den Ausbau von Ganztagsschulen eingesetzt werden. Dazu kam Stellenbedarf f&uuml;r neue Aufgaben, etwa f&uuml;r Englisch in der ersten Klasse. Die Frage ist auch nicht, wie viel Stellen vorhanden sind, sondern wie viele dieser Stellen besetzt sind, die SPD behauptet, dass 5.000 Stellen nicht besetzt sind. F&uuml;r die Schulpraxis ist im &Uuml;brigen nicht die Stellenausstattung sondern der tats&auml;chliche Stellenbedarf entscheidend. An der Gr&ouml;&szlig;e der Klassen und am Unterrichtsausfall (man sch&auml;tzt ca. 5 Millionen Stunden) hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den 5 Jahren von Schwarz-Gelb <a href=\"http:\/\/www.gruene.landtag.nrw.de\/cms\/default\/dokbin\/302\/302342.informationen_zur_aktuellen_diskussion_u.pdf\">kaum etwas ge&auml;ndert [PDF &ndash; 49KB]<\/a>.<\/li>\n<li>Schulministerin Barbara Sommer hat die &bdquo;Kopfnoten&ldquo; eingef&uuml;hrt, schon bei Grundschulen Privatschulen zugelassen, konzeptionslos die Schulzeit an den Gymnasien auf 8 Jahre verk&uuml;rzt und beim Zentralabitur eine Panne nach der anderen zugelassen.<\/li>\n<li>In NRW wurden die Zusch&uuml;sse nach dem Weiterbildungsgesetz f&uuml;r die Volkshochschulen in 2006 um 20% und in 2007 um weitere 11% gek&uuml;rzt, der gek&uuml;rzte Ansatz wurde f&uuml;r 2008 bis zum Ende der <a href=\"http:\/\/www.gruene.landtag.nrw.de\/cms\/default\/dokbin\/212\/212399.verfassungsgerichtshof_zwingt_land_zur_r.pdf\">Wahlperiode fortgeschrieben [PDF &ndash; 1.7MB]<\/a>  &ndash; mit massiven negativen Auswirkungen f&uuml;r die Integration von Ausl&auml;ndern oder etwa f&uuml;r das Nachholen von Hauptschulabschl&uuml;ssen.<\/li>\n<li>In NRW wurde die F&ouml;rderung der Betriebs- und Investitionskosten nach dem Gesetz &uuml;ber Tageseinrichtungen f&uuml;r Kinder um 87,5 Mio. Euro gek&uuml;rzt. Darin enthalten ist eine K&uuml;rzung von 35,3 Mio. Euro f&uuml;r den Elternbeitragsdefizitausgleich ab dem 1. August 2006 sowie eine K&uuml;rzung von 52,2 Mio. Euro bei den Betriebs- und Investitionskosten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.hamborner-erklaerung.de\/downloads\/landeskuerzungen.pdf\">Hamborner-Erkl&auml;rungen [PDF &ndash; 105KB]<\/a><\/li>\n<li>Die Sachmittel f&uuml;r die p&auml;dagogische Arbeit in den Kindertagesst&auml;tten wurden 2007 gek&uuml;rzt und f&uuml;hrten zu einer j&auml;hrlichen Mehrbelastung der Kommunen von <a href=\"http:\/\/www.hamborner-erklaerung.de\/downloads\/landeskuerzungen.pdf\">rd. 18 Mio. Euro [PDF &ndash; 105KB]<\/a> .<\/li>\n<li>Zusch&uuml;sse zu den Personalausgaben an Tr&auml;ger von Zufluchtst&auml;tten f&uuml;r misshandelte Frauen wurden massiv gek&uuml;rzt &ndash; im Haushalt 2006 um 30 Prozent. Die Frauenf&ouml;rderung wurde insgesamt zur&uuml;ckgefahren.<\/li>\n<li>NRW l&auml;sst Obdachlose frieren und k&uuml;rzte 1,12 Millionen Euro f&uuml;r das Projekt &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/deutschland\/artikel\/1\/ruettgers-laesst-obdachlose-frieren\/\">Wohnungslosikgeit vermeiden<\/a>&ldquo;.\n<\/li>\n<li>NRW hat fast 100.000 landeseigene Wohnungen an zun&auml;chst geheim gehaltene private Investoren verkauft &ndash; <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/_b=2446327,_p=6,_t=ftprint,doc_page=0;printpage\">mehr als jedes andere Land<\/a>. Der Verkauf an eine &ldquo;Heuschrecke&rdquo; hat zu Mieterh&ouml;hungen sowie dem Verzicht auf Modernisierungen und Instandhaltungen gef&uuml;hrt, sagte Mieterbund-Landeschef Bernhard von Gr&uuml;nberg. Allein die Rendite stehe f&uuml;r den neuen Besitzer im Vordergrund.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.barkenberg.de\/html\/aktuelles.html\">Barkenberg<\/a><\/li>\n<li>Wohl um den Verkaufswert dieser der vielfach sozial gebunden Wohnungen deutlich zu steigern, wurde hinter dem R&uuml;cken der &Ouml;ffentlichkeit eine sog. &bdquo;K&uuml;ndigungssperrfristverordnung&ldquo; bei Umwandlung in Eigentumswohnungen <a href=\"http:\/\/www.volksinitiative-leg.de\/de\/news\/stellungnahmen\/index.php\/art_00001329\">aufgehoben<\/a>. <\/li>\n<li>In NRW wurde das <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2010\/04-08\/038.php\">Tariftreuegesetz abgeschafft<\/a>. Nach diesem Gesetz durften &ouml;ffentliche Bauauftr&auml;ge nur an solche Unternehmen vergeben werden, die ihren Arbeitnehmern bei der Ausf&uuml;hrung der Leistung mindestens nach dem am Ort der Leistungsausf&uuml;hrung einschl&auml;gigen Lohn- und Gehaltstarif bezahlten sowie die tarifliche Arbeitszeit anwendeten.<\/li>\n<li>Das Landespersonalvertretungsgesetz wurde auf Dr&auml;ngen der FDP 2007 erheblich eingeschr&auml;nkt. Nach den Begr&uuml;ndungen der Landesregierung verstehen sich die &Auml;nderungen als Teil des &bdquo;B&uuml;rokratieabbaus&ldquo;. Zahlreiche Beteiligungstatbest&auml;nde wurden (wieder) abgeschafft, z. B. bei beh&ouml;rdeninternen Umsetzungen, Abmahnungen, Aufl&ouml;sungsvertr&auml;gen, amts&auml;rztlichen Untersuchungen, externen Begutachtungen und Privatisierungen sowie bei der Einf&uuml;hrung von Technologien. Bei weiteren Beteiligungstatbest&auml;nden wurde das Letztentscheidungsrecht der parit&auml;tisch besetzten Einigungsstelle in eine Empfehlung an den Dienststellenleiter umgewandelt.<\/li>\n<li>NRW wurde die <a href=\"http:\/\/theseus.uni-koeln.de\/fileadmin\/Files\/Presentations\/NRW_Vertretung\/Energieforschungskonzept-NRW_MIWFT.pdf\">Reaktorforschung wieder aktiviert [PDF &ndash; 57KB]<\/a>.<\/li>\n<li>Das NRW-Kabinett hat als erstes Kabinett ein <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/themen\/wirtschaft\/jobs_und_mehr\/kombilohn\/060409.jhtml\">Kombi-Lohngesetz beschlossen<\/a>.<\/li>\n<li>Die Landesregierung hat die Wirtschaftst&auml;tigkeit kommunaler Unternehmen massiv eingeschr&auml;nkt und war damit dem Motto &ldquo;Privat vor Staat&rdquo; des kleinen Koalitionspartners FDP gefolgt. Die kommunalen Stadtwerke d&uuml;rfen seither nur nach aufwendigen Einzelfallentscheidungen au&szlig;erhalb der eigenen Gemeindegrenzen t&auml;tig werden. Selbst eine von der Landesregierung in Auftrag gegebene Studie kommt zum Ergebnis, dass mit dieser Politik die Stadtwerke blockiert und die marktbeherrschende Stellung der vier gro&szlig;en <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=wu&amp;dig=2010%2F01%2F12%2Fa0075&amp;cHash=172d6eb797\/\">Energiekonzerne gest&auml;rkt wird<\/a>. <\/li>\n<li>Die NRW-Landesregierung hat im Bundesrat gegen den Post-Mindestlohn gestimmt. <\/li>\n<li>Die Landesregierung hat dem Verfassungsschutz das heimliche Online-Durchsuchen von Computern er&ouml;ffnet. Das Gesetz wurde inzwischen vom Bundesverfassungsgericht kassiert.<\/li>\n<li>Der klassische NRW-Naturschutzetat des Umweltministeriums wurde von Schwarz-Gelb halbiert, Staatswald verscherbelt, die Jagd auf gesch&uuml;tzte V&ouml;gel legalisiert, Mitwirkungsrechte der Naturschutzverb&auml;nde beschnitten und der Fl&auml;chenraubbau <a href=\"http:\/\/www.gruene.landtag.nrw.de\/cms\/presse\/dok\/327\/327985.laendervergleich_naturschutz_ein_armutsz-print~1.html\">forciert<\/a>.<\/li>\n<li>NRW verschlechtert sich bei den Lebensmittelkontrollen und ist im Kernbereich des Verbraucherschutzes <a href=\"http:\/\/www.gruene.landtag.nrw.de\/cms\/default\/dok\/240\/240106.laendervergleich_verbraucherschutz_ersch-print~1@de.html\">Schlusslicht in Deutschland<\/a>. <\/li>\n<\/ul><p>R&uuml;ttgers ist bekannt, dass er sich immer wieder durch populistische Vorst&ouml;&szlig;e ein dynamisches und meist noch soziales Image geben will. So hat er auf Vorschlag der Unternehmensberatungsfirma McKinsey einen &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;, einen 100-Milliarden-Euro-Schutzschirm f&uuml;r krisengesch&uuml;ttelte <a href=\"\/?p=3697\">Unternehmen vorgeschlagen<\/a>. Passiert ist nichts, es war ein reiner Presse-Event.<br>\nR&uuml;ttgers schlug eine nach der Dauer der Arbeitszeit gestaffelte Verl&auml;ngerung des <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1\/Doc~EE7E7F537F55C4338AD1EBF35F8DB299A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews\">Arbeitslosengeldes vor<\/a>. Tats&auml;chlich wollte er nur den j&uuml;ngeren Arbeitslosen wegnehmen, was er den &auml;lteren als kleine Verbesserung (Verl&auml;ngerung auf 18 Monate nach 25 Beitragsjahren) zugestehen wollte. Auch seinem Vorschlag h&ouml;here Renten f&uuml;r Geringverdiener zu gew&auml;hren, folgten keine Taten.<br>\nR&uuml;ttgers (CDU) hat sich f&uuml;r eine Reform der Pflegeversicherung nach dem Vorbild der Riester-Rente ausgesprochen. &laquo;Es ist ganz sicher, dass wir im Bereich von Pflege ohne kapitalgedeckte Anteile nicht auskommen werden&raquo;, sagte R&uuml;ttgers. &laquo;In der Riester-<a href=\"http:\/\/www.netzeitung.de\/spezial\/gesundheit\/pflege\/735190.html\">Rente sehe ich ein Vorbild.<\/a>&raquo;. Er will also den Irrsinn der Riester-Rente nun auch noch auf die Pflege &uuml;bertragen.<br>\nR&uuml;ttgers ist f&uuml;r  eine &bdquo;solidarische Kopfpauschale&ldquo;. Die Pr&auml;mie soll zwar f&uuml;r alle gleich hoch sein,  die Zahlungen sollen allerdings 15% des Bruttoeinkommens nicht &uuml;bersteigen d&uuml;rfen. Der bei Menschen mit geringerem Einkommen verbleibende Restbetrag soll nicht wie bisher bei der CDU geplant &uuml;ber Steuern, sondern durch einen einkommensabh&auml;ngigen Zuschlag von den anderen Versicherten erhoben werden (&bdquo;interner Solidarausgleich&ldquo;).<br>\nSein Vorschlag wurde von Merkel postwendend zur&uuml;ckgewiesen.<\/p><p>Das ist ganz typisch f&uuml;r R&uuml;ttgers-Vorschl&auml;ge. Er spielt den Sozialen. Wissend, dass er sich nie wird durchsetzen k&ouml;nnen und im Zweifel macht er alles mit.<br>\nObwohl er dem Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb selbst zugestimmt hat, polemisierte er, als er Wahltermin n&auml;her r&uuml;ckte, gegen die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-676328,00.html\">Steuersenkungspl&auml;ne der Bundesregierung<\/a> . Auch von der Senkung der Mehrwertsteuer f&uuml;r die Hoteliers r&uuml;ckte er verbal ab. Etwas dagegen unternommen hat er allerdings nicht.<br>\nMan darf gespannt sein, welche Rolle der damals zust&auml;ndige Bundesforschungsminister J&uuml;rgen R&uuml;ttgers bei der Vertuschung des Wassereinbruchs im <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/technik\/0,1518,685990,00.html\">Atomm&uuml;ll-Endlager Asse spielte<\/a>.<br>\nWie sein hessischer Amtskollege Roland scheut R&uuml;ttgers in seinem Populismus auch vor fremdenfeindlichen Verunglimpfungen nicht zur&uuml;ck, vor der letzten Wahl mit seiner Kampagne &bdquo;Kinder statt Inder&ldquo; und zuletzt ist er &uuml;ber rum&auml;nische Arbeitnehmer hergezogen: &ldquo;Die kommen, wann sie wollen, die gehen, wann sie wollen und haben keine Ahnung, was sie tun&rdquo;.<br>\nR&uuml;ttgers hat die Video&uuml;berwachung seiner Herausforderin Hannelore Kraft durch die CDU zu verantworten. Es gibt eine begr&uuml;ndete Vermutung, dass R&uuml;ttgers Staatskanzlei die Entlassung jenes Journalisten betrieb, <a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/focus-feuert-ruttgers-kritiker\/\">der dar&uuml;ber berichtet hat<\/a>.<br>\nJ&uuml;rgen R&uuml;ttgers ist ein Politiker der vor allem Fassaden aufbaut. Wof&uuml;r er tats&auml;chlich steht, wei&szlig; niemand so genau. Seine Stilisierung zum &raquo;sozialen Gewissen&laquo; der Union beruht weniger auf politischen &Uuml;berzeugungen als auf der n&uuml;chternen Analyse, dass sich in Nordrhein-Westfalen mit marktradikalen Spr&uuml;chen keine Wahlen gewinnen lassen. Diesen Part &uuml;berlie&szlig; er deshalb lieber seinem kleinen freidemokratischen Koalitionspartner. Und deswegen w&auml;re f&uuml;r R&uuml;ttgers Schwarz-Gelb wieder die Wunschkoalition. Dann k&ouml;nnte er sich weiter als &bdquo;Arbeiterf&uuml;hrer&ldquo; aufspielen und am Kabinettstisch knallharte FDP-Positionen absegnen. Um dieses Doppelspiel weiter betreiben zu k&ouml;nnen, will R&uuml;ttgers &bdquo;keine Experimente&ldquo;. Das sind offenbar, die f&uuml;r R&uuml;ttgers &bdquo;stabilen Verh&auml;ltnisse&ldquo;, um sein Gauklerspiel fortsetzen zu k&ouml;nnen.<br>\nEs gibt allen Grund diesen Gaukler abzuw&auml;hlen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im NRW-Wahlkampf geht es vor allem um Schwarz-Gelb, Rot-Gr&uuml;n und vor allem um die Hysterie wegen Rot-Rot-Gr&uuml;n. Sachthemen spielen bestenfalls am Rande eine Rolle. Eine der folgenreichsten Fehlentscheidungen des amtierenden Ministerpr&auml;sidenten f&uuml;r das Land bleibt v&ouml;llig au&szlig;en vor: Es handelt um Risiken von 10 bis 18 Milliarden bei der WestLB f&uuml;r die das Land Garantien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5408\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,190],"tags":[241,242,754,870,274,234,1552],"class_list":["post-5408","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-wahlen","tag-bankenrettung","tag-landesbanken","tag-nrw","tag-oettinger-guenther","tag-ruettgers-juergen","tag-studiengebuehren","tag-wdr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5408"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5415,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5408\/revisions\/5415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}