{"id":54112,"date":"2019-08-13T12:39:35","date_gmt":"2019-08-13T10:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54112"},"modified":"2019-08-14T09:24:30","modified_gmt":"2019-08-14T07:24:30","slug":"willkommen-in-der-oberschicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54112","title":{"rendered":"Willkommen in der Oberschicht!"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man einer aktuellen <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/beitrag\/judith-niehues-maximilian-stockhausen-viele-deutsche-schaetzen-ihre-einkommensposition-falsch-ein.html\">Studie des wirtschaftsnahen iW<\/a> und den Begleitartikeln auf <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2019-08\/institut-der-deutschen-wirtschaft-einkommen-singlehaushalt-gehalt?\">zeit.de<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/einkommen-so-stehen-sie-im-vergleich-zu-ihrer-bevoelkerungsgruppe-a-1280747.html\">SPIEGEL Online<\/a> Glauben schenkt, muss man tradierte Vorstellungen zur Klassenzugeh&ouml;rigkeit wohl &uuml;ber Bord werfen. Doch wenn Singles ab 3.440 Euro netto und Paare, deren Kinder bereits ausgezogen sind, ab 5.160 Euro netto bereits zur Oberschicht geh&ouml;ren sollen, f&uuml;hrt dies eher den Begriff &bdquo;Oberschicht&ldquo; ad absurdum. Sinn und Zweck dieser fragw&uuml;rdigen Studie ist es wohl eher, der Mittelschicht mit Rechentricks einen sozialen Aufstieg vorzugaukeln, um den ohnehin bereits vorhandenen Abgrenzungsimpuls nach &bdquo;unten&ldquo; zu verst&auml;rken. Absurd &ndash; die Mittelschicht soll sich also gegen sich selbst abgrenzen. Das freut vor allem die &bdquo;echte&ldquo; Oberschicht. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_568\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-54112-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190813_Willkommen_in_der_Oberschicht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190813_Willkommen_in_der_Oberschicht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190813_Willkommen_in_der_Oberschicht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190813_Willkommen_in_der_Oberschicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=54112-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190813_Willkommen_in_der_Oberschicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190813_Willkommen_in_der_Oberschicht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Keine Frage. Mit 3.440 Euro netto kann man als Single in Deutschland sehr gut leben und 5.160 Euro netto erm&ouml;glichen einem Paar, dessen Kinder das Haus bereits verlassen haben, zumindest im &ouml;konomischen Sinn ein sorgenfreies Leben. Sehr viele Menschen tr&auml;umen von solchen Einkommen. Aber geh&ouml;rt man mit diesem Gehalt bereits zur Oberschicht? Auf 3.508 Euro netto kommt beispielsweise eine alleinstehende bayerische Gymnasiallehrerin (Besoldungsstufe A13 mit 11 Jahren Berufserfahrung, Steuerklasse 1). Ein Hamburger Ingenieur in der Metall- oder Elektroindustrie (EG 10 Fl&auml;chentarif, Zusatzstufe 1, Steuerklasse 1) kommt ebenfalls mit 3.400 Euro netto in diese Kategorie. Bei Doppelverdienern reicht die &bdquo;Oberschicht&ldquo; nach Definition des iW noch weiter runter. Hier z&auml;hlt dann schon ein Polizistenpaar im mittleren Dienst (Polizeiobermeister, Besoldungsstufe A8 mit 11 Jahren Berufserfahrung, Steuerklasse 4) mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 5.212 Euro zur &bdquo;Oberschicht&ldquo;. Sp&auml;testens an dieser Stelle sollte klar sein, dass die Statistik samt Definition in den gro&szlig;en M&uuml;lleimer mit der Aufschrift &bdquo;sinnlose Auftragsstudien&ldquo; geh&ouml;rt. Aber wie kommt das iW eigentlich auf die Zahlen?<\/p><p>Methodisch gehen die K&ouml;lner &Ouml;konomen sogar korrekt vor. Der Datenpool ist das qualitativ gute SOEP des DIW und man geht streng mathematisch vor und setzt die Grenze bei den obersten 10% einer bestimmten sozio&ouml;konomischen Gruppe und rechnet dies dann nach der bedarfsgewichteten &Auml;quivalenzskala um. Das h&ouml;rt sich kompliziert an, ist aber korrekt. Problematisch sind jedoch die Schl&uuml;sse, die aus diesen Zahlen gezogen werden.<\/p><p><strong>Einkommen ist nicht gleich Einkommen<\/strong><\/p><p>Wenn Sie zur &bdquo;Oberschicht&ldquo; gem&auml;&szlig; der Definition des iW geh&ouml;ren und sich fragen, woher eigentlich die ganzen Porsches und Luxus-SUVs kommen, die man ja eigentlich mit der Oberschicht assoziiert, die aber ihr Budget bei weitem &uuml;bersteigen w&uuml;rden, sind Sie schon auf den ersten Rechentrick gesto&szlig;en. Fast keine dieser &bdquo;Oberschicht-Karossen&ldquo; befindet sich im Eigentum der Privatperson, die sie f&auml;hrt. Dank des Dienstwagenprivilegs k&ouml;nnen vor allem Selbstst&auml;ndige ihre Autos dem Betriebsverm&ouml;gen zuordnen und s&auml;mtliche Kosten (Leasing, Reparaturen, Kraftstoff, Versicherung etc.) als Betriebsabgaben verbuchen. Das hat den Vorteil, dass dadurch der zu versteuernde Gewinn sinkt. Und in die Statistik des iW geht nun einmal nur das monet&auml;re Einkommen ein &ndash; und dazu z&auml;hlt in diesem Beispiel der dicke Porsche nun einmal nicht. Solange aber nicht unabh&auml;ngig von den ohnehin fragw&uuml;rdigen Regelungen der Steuergesetzgebung alle &bdquo;geldwerten Vorteile&ldquo; ber&uuml;cksichtigt werden, ist es ziemlich sinnlos, hier Vergleiche aufzustellen, wer angeblich wie viel &bdquo;verdient&ldquo;.<\/p><p>Denn das Polizistenehepaar hat in der Regel nun einmal keine M&ouml;glichkeiten, sein Einkommen kreativ und steueroptimiert kleinzurechnen. Bei der &bdquo;echten&ldquo; Oberschicht sieht dies schon anders aus. Wenn ein &bdquo;Privatier&ldquo; beispielsweise zehn Mehrfamilienh&auml;user besitzt und nach Abzug der eigentlichen Betriebsausgaben 800.000 Euro Jahres&uuml;berschuss hat, von denen er aber 750.000 Euro in die Sanierung seiner H&auml;user und\/oder den Erwerb weiterer Immobilien steckt, betr&auml;gt sein Gewinn nur noch 50.000 Euro. Rein rechnerisch ist er also &auml;rmer als das Polizistenehepaar. Betriebswirtschaftlich und steuerlich &bdquo;optimiert&ldquo; k&ouml;nnte er mit der richtigen Beratung &uuml;brigens auch m&uuml;helos ein &bdquo;Negativeinkommen&ldquo; aus seinen Immobilien generieren, das er dann steuerlich mit anderen Eink&uuml;nften &ndash; z.B. Dividenden aus dem Aktienbesitz &ndash; verrechnen kann. So mancher waschechte Angeh&ouml;rige der Oberschicht wird so dank kreativer Buchf&uuml;hrung rechnerisch zum &bdquo;Niedrigl&ouml;hner&ldquo;. <\/p><p><strong>Die Datenbasis ist problematisch<\/strong><\/p><p>Ein weiteres Problem der Studie ist die Datenbasis. Das SOEP des DIW ist zwar qualitativ hochwertig, hat jedoch gerade am oberen Ende der Einkommens- und Verm&ouml;gensskala riesige L&uuml;cken. Das DIW erhebt diese Daten von freiwillig teilnehmenden Haushalten, die an einer Befragung teilnehmen. Eine unabh&auml;ngige Qualit&auml;tssicherung ist nicht m&ouml;glich und gerade bei &bdquo;atypischen&ldquo; Einkommen gibt es keinen Schutz vor vors&auml;tzlichen oder fahrl&auml;ssigen Falschangaben. Wer w&uuml;rde einem vom DIW beauftragten Interviewer schon freiwillig Angaben zu Schwarzgeldern oder Eink&uuml;nften machen, die man beim Finanzamt nicht 100% korrekt angegeben hat? <\/p><p>Das DIW gibt &uuml;brigens selbst zu, dass &bdquo;besonders wohlhabende Personen&ldquo; in der Stichprobe des SOEP &bdquo;faktisch nicht vorkommen&ldquo;. Bei Vergleichspools wie der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) werden &bdquo;statistische Ausrei&szlig;er&ldquo; erst gar nicht ausgewertet. Als Ausrei&szlig;er gelten &uuml;brigens Monatseinkommen ab 18.000 Euro netto. Das mag statistisch ja valide sein. Aber wenn man die Spitzeneinkommen abschneidet, kann man auch keine Aussagen zu einer &bdquo;Oberschicht&ldquo; anhand des Datenrumpfs mehr machen.<\/p><p><strong>Verm&ouml;gen vs. Einkommen vs. Ausgaben<\/strong><\/p><p>Es ist ohnehin methodisch fragw&uuml;rdig, ob man die Zugeh&ouml;rigkeit zur &bdquo;Oberschicht&ldquo; einzig und allein auf das Einkommen beziehen kann. Viel wichtiger ist eigentlich das Verm&ouml;gen. Wenn ein ehemaliger Lehramtsstudent das Gl&uuml;ck hat, verbeamtet zu werden und nach ein paar Jahren Berufserfahrung in der Besoldungsstufe A13 tats&auml;chlich in die &bdquo;rechnerische Oberschicht&ldquo; vorst&ouml;&szlig;t, ist dies isoliert betrachtet wenig aussagekr&auml;ftig. Dieser Lehrer k&ouml;nnte beispielsweise in M&uuml;nchen leben und dort einen geh&ouml;rigen Teil seines Nettoeinkommens f&uuml;r die Miete ausgeben und zus&auml;tzlich noch seinen Studienkredit abtragen m&uuml;ssen. Auch dann w&uuml;rde er sicher gut &uuml;ber die Runden kommen, aber ihn zur &bdquo;Oberschicht&ldquo; zu z&auml;hlen, w&auml;re schon absurd. Gleichzeitig k&ouml;nnte ein anderer Lehrer mit gleichem Einkommen dank einer Erbschaft miet- und schuldenfrei leben und sich einen gehobenen Lebensstandard leisten, wenn sein gesamtes Nettoeinkommen wirklich frei verf&uuml;gbar ist. <\/p><p>Diese Differenzierung gilt freilich auch f&uuml;r andere Unterschiede in der Lebensplanung. Wenn das vom iW genannte P&auml;rchen sein H&auml;uschen abbezahlt hat, und seine Kinder oder Gro&szlig;kinder nicht unterst&uuml;tzen muss, wird es mit 5.160 Euro netto nat&uuml;rlich sehr gut &uuml;ber die Runden kommen. Wie sieht es aber aus, wenn dieses P&auml;rchen im Speckg&uuml;rtel von M&uuml;nchen oder Hamburg gebaut hat, jeden Monat 2.500 Euro Hypothekendarlehen tilgen muss und seine studierenden Kinder finanziell unterst&uuml;tzt? Geh&ouml;rt es dann mit einem real frei verf&uuml;gbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 1.500 Euro immer noch zur &bdquo;Oberschicht&ldquo;? Das Einkommen ist isoliert betrachtet nun einmal kein tauglicher Indikator f&uuml;r eine Zuordnung zur Mittel- oder Oberschicht.<\/p><p><strong>Dank Niedriglohn rutscht die Mittelschicht nach oben<\/strong><\/p><p>Wie absurd diese Zahlen sind, zeigt ein Blick auf unser Nachbarland D&auml;nemark. Dort <a href=\"https:\/\/www.statbank.dk\/statbank5a\/SelectVarVal\/saveselections.asp\">betr&auml;gt<\/a> das Nettoeinkommen von Alleinstehenden 2.881 Euro und Paare ohne Kinder kommen im Median sogar auf stolze 6.118 Euro netto pro Monat. Zugespitzt k&ouml;nnte man also sagen, dass jeder zweite D&auml;ne in Deutschland zur &bdquo;Oberschicht&ldquo; geh&ouml;ren w&uuml;rde. Das ist nat&uuml;rlich Unfug, zeigt aber vortrefflich, wie schnell diese Zahlen absurd werden, wenn man sie nicht auf Deutschland, sondern auf ein Land mit normaler Lohnentwicklung &uuml;bertr&auml;gt.<\/p><p>Das WSI der gewerkschaftsnahen Hans B&ouml;ckler Stiftung definiert die &bdquo;Reichtumsgrenze&ldquo; bei 200% <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/wsi_50955.htm\">des bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens<\/a>. Das mag auf den ersten Blick ja sinnvoll klingen, ist es aber nicht. Denn in der Praxis hei&szlig;t dies, dass die &bdquo;Reichtumsgrenze&ldquo; sich nach unten verschiebt, wenn das mittlere Nettoeinkommen sinkt. Und hier wird es dann vollends paradox, da die Niedriglohnpolitik der letzten Bundesregierungen und die dauerhafte Lohnzur&uuml;ckhaltung der Gewerkschaften somit gleichzeitig immer mehr Haushalte aus der Mittelschicht rechnerisch in die &bdquo;Oberschicht&ldquo; katapultiert hat. Diese Haushalte sind nat&uuml;rlich keinen einzigen Cent reicher geworden. Der Median ist nur so weit gesunken, dass die Abweichung dieser Haushalte vom Mittelwert nun gro&szlig; genug ist, um sie als &bdquo;reich&ldquo; gelten zu lassen. Das ist absurd und auch das WSI sollte hier einmal die Begrifflichkeiten neu ordnen, will es sich nicht l&auml;cherlich machen.<\/p><p><strong>Die Oberschicht wei&szlig; gar nichts von ihrem Gl&uuml;ck?<\/strong><\/p><p>Besonders am&uuml;sant ist bei der iW-Studie, das sowohl das <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/beitrag\/judith-niehues-maximilian-stockhausen-viele-deutsche-schaetzen-ihre-einkommensposition-falsch-ein.html\">Institut<\/a> als auch die gewohnt d&uuml;mmliche Berichterstattung zur Studie auf <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2019-08\/institut-der-deutschen-wirtschaft-einkommen-singlehaushalt-gehalt?\">zeit.de<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/einkommen-so-stehen-sie-im-vergleich-zu-ihrer-bevoelkerungsgruppe-a-1280747.html\">SPIEGEL Online<\/a> sich einen ganz besonderen Spin ausgedacht hat. Die &bdquo;armen&ldquo; Angeh&ouml;rigen der Oberschicht wissen demnach gar nicht, dass sie zur Oberschicht geh&ouml;ren. So schreibt die ZEIT: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Mehrheit der Wohlhabenden sortiert sich selbst eher zur Mittelschicht, allenfalls zur oberen Mittelschicht. Aber kaum jemand sieht sich selbst zur Oberschicht zugeh&ouml;rig. Woran das liegt, darauf findet die Studie keine Antworten.&nbsp;<br>\nM&ouml;glicherweise hat das etwas mit den Stereotypen und Vorurteilen von Oberschicht und Reichtum zu tun.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Auf die Idee, dass &bdquo;m&ouml;glicherweise&ldquo; auch die Selbsteinsch&auml;tzung der Menschen richtig und die Zuordnung des iW unsinnig ist, kommen weder ZEIT noch SPIEGEL. Es ist wirklich zum M&auml;usemelken. Ist es denn wirklich zu viel verlangt, einmal das Gehirn einzuschalten und dar&uuml;ber nachzudenken, was man da schreibt? Wer ein Polizistenp&auml;rchen des mittleren Dienstes zur &bdquo;Oberschicht&ldquo; erkl&auml;rt und sich dann fragt, warum die beiden Beamten sich selbst gar nicht zur Oberschicht zugeh&ouml;rig f&uuml;hlen, hat schlicht seinen Job verfehlt. <\/p><p><strong>Wozu das Ganze?<\/strong><\/p><p>Sicherlich haben wir es hier nicht &bdquo;nur&ldquo; mit einer weiteren wirtschaftswissenschaftlichen Nonsense-Studie aus dem Elfenbeinturm zu tun. Der Spin, der Mittelschicht einzureden, sie selbst sei die eigentliche &bdquo;Oberschicht&ldquo;, hat durchaus einen Zweck. Denn wer sich selbst zur Oberschicht z&auml;hlt, hat kein Interesse an einer Umverteilung von oben nach unten und wird sich im Zweifel sogar eher nach unten abgrenzen wollen. Gem&auml;&szlig; iW und Co. m&uuml;ssten sich dann also Lehrer, Ingenieure und Polizisten als vermeintliche &bdquo;Oberschicht&ldquo; von einer Politik angesprochen f&uuml;hlen, die sich an die echte Oberschicht und gegen die Interessen der Mittelschicht richtet, zu der Lehrer, Ingenieure und Polizisten ja eigentlich selbst geh&ouml;ren. <\/p><p>Das ist jedoch nach drei Jahrzehnten neoliberaler Politik und &bdquo;Lohnzur&uuml;ckhaltung&ldquo; so absurd, dass es offenbar noch nicht einmal die Zielgruppe selbst glaubt. Man darf also mit Fug und Recht davon ausgehen, dass wir k&uuml;nftig noch h&auml;ufiger Zeugen von derart krummen Versuchen werden, eine de facto so nicht vorhandene Oberschicht in der Mitte der Gesellschaft zu verorten. <\/p><p>Aber vielleicht sollten iW, ZEIT und SPIEGEL auch einfach mal einen echten &bdquo;Experten&ldquo; zum Thema befragen. Wie w&auml;re es beispielsweise mit Friedrich Merz? Der z&auml;hlt sich ja <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47297\">bekanntlich<\/a> trotz seiner Millioneneink&uuml;nfte auch nicht zur Oberschicht, sondern zur &bdquo;oberen Mittelschicht&ldquo;. Das f&uuml;hrt zur Erkenntnis, dass wir von einer klassenlosen Gesellschaft doch gar nicht mehr so weit entfernt sein k&ouml;nnen, wenn nun schon Polizisten, Lehrer, Investmentbanker und Wirtschaftsanw&auml;lte einer gemeinsamen Schicht angeh&ouml;ren. Der Neoliberalismus wirkt. Zumindest in seinem eigenen M&auml;rchen. <\/p><p>Titelbild: OPOLJA\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/de2835d4a215459b94b2d09091a9a60d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man einer aktuellen <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/beitrag\/judith-niehues-maximilian-stockhausen-viele-deutsche-schaetzen-ihre-einkommensposition-falsch-ein.html\">Studie des wirtschaftsnahen iW<\/a> und den Begleitartikeln auf <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2019-08\/institut-der-deutschen-wirtschaft-einkommen-singlehaushalt-gehalt?\">zeit.de<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/einkommen-so-stehen-sie-im-vergleich-zu-ihrer-bevoelkerungsgruppe-a-1280747.html\">SPIEGEL Online<\/a> Glauben schenkt, muss man tradierte Vorstellungen zur Klassenzugeh&ouml;rigkeit wohl &uuml;ber Bord werfen. 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